Das Ende der Brötchentaste | Geflüchtete wollen nicht nach Münster | Casa Pazzi

Müns­ter, 1. April 2022

Guten Tag,

die­se Woche habe ich ein neu­es Wort gelernt. Es heißt „Bröt­chen­tas­te“. Falls es Ihnen wie mir geht und Sie sich auf Anhieb nichts unter einem sol­chen Knopf aus Brot vor­stel­len kön­nen, hel­fe ich Ihnen ger­ne wei­ter mit der Erklä­rung aus dem Duden. Dort steht, eine Bröt­chen­tas­te ist eine „Tas­te am Park­schein­au­to­mat für kos­ten­lo­ses kur­zes Par­ken“. Zum Bei­spiel eben zum Brötchenholen.

Über die­se Bröt­chen­tas­te wur­de am Mitt­woch im Aus­schuss für Ver­kehr und Mobi­li­tät der Stadt Müns­ter hef­tig dis­ku­tiert. Am Ende der Debat­te sprach sich der Aus­schuss für ihre Abschaf­fung aus. Aber eigent­lich ging es bei dem Streit gar nicht um die Bröt­chen­tas­te, son­dern um eine grund­sätz­li­che Fra­ge. Aber alles der Rei­he nach.

Die Geschichte der Brötchentaste

Es begann alles im Som­mer 2004. Aller­dings nicht über­all in der Stadt, son­dern nur in der Ham­mer Stra­ße. Dort kann man seit­dem zwi­schen Lud­ge­ri­k­rei­sel und Geist­stra­ße eine Vier­tel­stun­de lang kos­ten­los par­ken. Und genau dort fin­den sich nicht nur Bäcke­rei­en, son­dern auch ande­re Geschäf­te, die zum Bei­spiel Möbel, Fahr­rad­zu­be­hör oder Blu­men verkaufen.

Mit der Mög­lich­keit, eine Vier­tel­stun­de kos­ten­los zu par­ken, woll­te die damals allein regie­ren­de CDU den Ein­zel­han­del bele­ben. Die Idee dahin­ter: Die Kund­schaft soll ihr Auto kurz abstel­len, in die Läden hüp­fen und schnell ein­kau­fen. Und so ist es bis heu­te. Einen Park­schein muss man vor­her trotz­dem zie­hen, um nach­wei­sen zu kön­nen, seit wann der Wagen dort steht.

Anfangs war die Bröt­chen­tas­te nur eine Art ers­ter Ver­kehrs­ver­such. Nach einem Jahr woll­te sich die Poli­tik noch ein­mal anschau­en, ob das Expe­ri­ment geglückt ist. Das tat sie auch. Doch der Erfah­rungs­be­richt liest sich recht ernüch­ternd: Die Bröt­chen­tas­te kos­te­te im ers­ten Jahr rund 7.100 Euro. Die Stadt schreibt, dass „die Ein­füh­rung des Blan­ko-Park­scheins noch nicht zu dem erwar­te­ten deut­li­chen Anreiz zum Par­ken und somit zu einer spür­ba­ren Zunah­me des Kun­den­ver­kehrs ins­ge­samt geführt“ habe. (Die Her­vor­he­bung steht auch so im Original.)

Die Poli­tik beschloss, der Rege­lung noch ein­mal Zeit zu geben und für sie zu wer­ben. Denn vie­le kann­ten sie offen­bar noch nicht. Das Ord­nungs­amt hät­te immer wie­der bezahl­te Park­ti­ckets hin­ter den Wind­schutz­schei­ben gefun­den, obwohl das für Kurzparker:innen gar nicht mehr nötig gewe­sen wäre, hieß es. 

Viel Wirbel um 80 Cent

Sprin­gen wir in die Gegen­wart. Im Ver­kehrs­aus­schuss am Mitt­woch stand die Bröt­chen­tas­te nach eini­gen Jah­ren wie­der zur Debat­te, denn die Rats­ko­ali­ti­on will das Par­ken teu­rer machen. Das wür­de kon­kret bedeu­ten: Wer in Zukunft in der Ham­mer Stra­ße Bröt­chen kau­fen will, muss 80 Cent fürs Par­ken zahlen. 

Die zusätz­li­chen Ein­nah­men sol­len in einen soge­nann­ten ÖPNV-Fonds flie­ßen (RUMS-Brief vom 4. Febru­ar 2022). Die­ser Fonds soll den Bus­ver­kehr mit­fi­nan­zie­ren. Bis­lang steht die Finan­zie­rung auf zwei Säu­len: Geld kommt durch die Ticket­prei­se (Säu­le 1) und einen Zuschuss der Stadt (Säu­le 2) rein. Eine drit­te Säu­le soll die Umver­tei­lung in Gang brin­gen – man will den Auto­ver­kehr mit den Kos­ten belas­ten, die er ver­ur­sacht, für die er aber bis­lang nichts zahlt (exter­ne Kos­ten). Die­ses Geld soll umwelt- und kli­ma­freund­li­chen Ver­kehrs­mit­teln zugu­te kom­men, in die­sem Fall dem Bus­ver­kehr. Es sol­len also zwei Din­ge pas­sie­ren: Den Autofahrer:innen soll mit güns­ti­gen Prei­sen der Bus­ver­kehr schmack­haft gemacht wer­den. Und die­je­ni­gen, die wei­ter­hin Auto fah­ren, sol­len sich indi­rekt an den Ticket­prei­sen beteiligen.

Hin­ter die­ser Idee ste­hen die Koali­ti­on, die Inter­na­tio­na­le Frak­ti­on und die Lin­ke, also das eher lin­ke Spek­trum des Rats. Doch auch Ver­kehrs­fach­leu­te wie der frü­he­re Nah­ver­kehrs­chef der Stadt­wer­ke, Rein­hard Schul­te, der heu­te unter ande­rem die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer berät, schla­gen sie vor. Bei einer Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung des Ver­kehrs­clubs VCD zum Bus­ver­kehr am ver­gan­ge­nen Sams­tag sag­te Schul­te, man müs­se die Finan­zie­rung des öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs refor­mie­ren. Sein Vor­schlag: genau die­se Finan­zie­rung über drei Säulen. 

Simon Haas­tert von der FDP hat prin­zi­pi­ell nichts gegen stei­gen­de Park­ge­büh­ren – wenn da nicht das Aus für die Bröt­chen­tas­te wäre. Das sei „händ­le­rin­nen- und händ­ler­un­freund­lich“, sag­te er. An der Ham­mer Stra­ße gebe es ja nicht nur Eis­die­len, son­dern auch Geschäf­te, die Möbel, Kunst oder Stof­fe ver­kau­fen. Das alles las­se sich nicht mit dem Bus oder Fahr­rad trans­por­tie­ren. Wenn die Kund­schaft vor dem Laden auch noch ein Park­ti­cket kau­fen müs­se, ver­stär­ke das den Anreiz, im Inter­net zu bestellen. 

Die CDU ist noch eine Spur skep­ti­scher. Rats­frau Sil­ke Busch sag­te, der Ein­zel­han­del in der Ham­mer Stra­ße lebe vom kos­ten­lo­sen Kurz­zeit­par­ken. Doch die Kri­tik der Uni­on ist grund­sätz­li­cher, wie Wal­ter von Göwels, der ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­cher der Par­tei, im Aus­schuss erläu­ter­te. Die Park­preis­er­hö­hung wer­de in Wirk­lich­keit gar nicht genutzt, um den Bus­ver­kehr zu för­dern, son­dern vom Defi­zit der Stadt­wer­ke geschluckt. Die­ses Minus sei erst dadurch ent­stan­den, dass die Rats­ko­ali­ti­on eine Erhö­hung der Bus­prei­se abge­lehnt habe. Bes­ser wären sei­ner Mei­nung nach „durch­ge­rech­ne­te Kon­zep­te” für den ÖPNV und den städ­ti­schen Park­raum. Das ver­mis­se die CDU. Nach der Sit­zung sag­te er mir, das Ende der Bröt­chen­tas­te sei ärger­lich, aber die CDU hät­te damit leben kön­nen, wenn die Koali­ti­on die Abschaf­fung plau­si­bel in ein Kon­zept ein­ge­bet­tet hätte.

Es geht ums Prinzip

Die Koali­ti­on sieht so ein Kon­zept durch­aus: Mat­thi­as Glomb, ver­kehrs­po­li­ti­scher Spre­cher der SPD, sag­te, man wol­le in der Innen­stadt die Gebüh­ren an die Prei­se in den Park­häu­sern anglei­chen. War­um die CDU, die doch für die Ver­kehrs­wen­de sei, das Geld dann nicht zur Finan­zie­rung des Bus­ver­kehrs­nut­zen nut­zen wol­le, erschlie­ße sich ihm nicht. Maxi­mi­li­an Brink­mann-Brand von der Inter­na­tio­na­len Frak­ti­on sag­te, die CDU tue so, als gäbe es ein „Men­schen­recht dar­auf, mal eben schnell aus dem Auto in irgend­ei­nen Laden zu sprin­gen”. Park­ge­büh­ren kos­te­ten nur den „Bruch­teil einer Tas­se Kaf­fee”, das sei nicht der Unter­gang des Einzelhandels. 

Mar­tin Gre­wer, ver­kehrs­po­li­ti­scher Spre­cher der Par­tei Volt, ver­wies auf die Fried­rich­stra­ße in Ber­lin. Die sei inzwi­schen für Autos gesperrt, das Ergeb­nis sei sogar mehr Kund­schaft. Dass Auto und Ein­zel­han­del zusam­men­hin­gen, kön­ne man so nicht sagen.

Die Aus­schuss­vor­sit­zen­de Andrea Blo­me von den Grü­nen erin­ner­te immer wie­der dar­an, dass es hier um 80 Cent für eine Vier­tel­stun­de Par­ken geht – wahr­schein­lich, um die Debat­te zu ent­schär­fen. Sie mer­ken schon: In Wahr­heit ging es nicht um die Bröt­chen­tas­te, um 80 Cent oder um höhe­re Gebüh­ren. Son­dern um eine Grund­satz­fra­ge: Wel­che Ver­kehrs­wen­de wol­len wir? Wer soll dafür zah­len? Und wie wol­len wir in Zukunft einkaufen?

In Müns­ters Rat sind sich so gut wie alle einig dar­über, dass Müns­ter ein bes­se­res Bus­an­ge­bot braucht. Die Fra­ge ist, was das bedeu­tet. CDU und FDP sind der Mei­nung, man dür­fe den Men­schen nicht vor­schrei­ben, wie sie ein­zu­kau­fen und sich fort­zu­be­we­gen haben. Des­halb erscheint es ihnen nicht ver­nünf­tig, nur die Bedin­gun­gen für den Bus­ver­kehr und das Auto zu ver­bes­sern. Bes­ser wäre es nach ihrer Vor­stel­lung, Ange­bo­te für alle zu schaf­fen und die Men­schen dann selbst ent­schei­den zu lassen.

Fast alle übri­gen Par­tei­en im Rat hal­ten die­se Sicht­wei­se für nicht mehr zeit­ge­mäß. Sie sind der Auf­fas­sung, man kön­ne es den Men­schen in Zei­ten der Kli­ma­kri­se schon zumu­ten, das Auto ste­hen zu las­sen. Es sei lang genug geför­dert wor­den. Nun sei es an der Zeit, ande­re Ver­kehrs­mit­tel in den Fokus zu neh­men. Da sei es auch völ­lig in Ord­nung, wenn sich Autofahrer:innen an den Kos­ten der Ver­kehrs­wen­de beteiligten.

Die SPD sitzt zwi­schen den Stüh­len. Sie ist einer­seits für die Umver­tei­lung – weg vom Auto hin zu umwelt­freund­li­che­ren Ver­kehrs­mit­teln. Ande­rer­seits unter­stützt sie den Hafen­markt, den die Grü­nen auch des­halb ableh­nen, weil sich sein Kon­zept ihrer Mei­nung nach mit der Ver­kehrs­wen­de nur schwer in Ein­klang brin­gen las­se. Neben knapp 500 Stell­plät­zen für Fahr­rä­der ist auch eine Quar­tiers­ga­ra­ge mit 220 Park­plät­zen Teil des Kon­zepts. Man lade die Men­schen dazu ein, mit dem Auto ein­kau­fen zu fah­ren, sag­te Jule Heinz-Fischer, die ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen. Hier flamm­te die Grund­satz­de­bat­te noch ein­mal auf. 

Wal­ter von Göwels zeig­te sehr deut­lich, dass ihm das Ver­ständ­nis für die Posi­ti­on der Grü­nen fehlt. „Man­che Wege las­sen sich ohne Auto ein­fach nicht erle­di­gen”, sag­te er. Weni­ger Auto­ver­kehr in der Stadt hal­te er zwar für sinn­voll, aber man kön­ne das Auto ja nicht aus der Stadt ver­ban­nen. Man müs­se Lösun­gen für alle schaf­fen Bleibt nur die Fra­ge: Wie?

Worüber der Ausschuss noch entschieden hat

  • Nächs­ter Schritt am Aegi­dii­tor: Die Rat­haus­ko­ali­ti­on ist mit kei­nem der acht Vor­schlä­ge zum Umbau der Ver­kehrs­kreu­zung so rich­tig zufrie­den und hat zusam­men mit der Inter­na­tio­na­len Frak­ti­on einen neu­en Vor­schlag gemacht. Die Ver­wal­tung soll sich die Bus­li­ni­en­füh­rung an die­ser Stel­le noch ein­mal anschau­en. Und sie soll die Mei­nung der Bürger:innen sowie von Ver­bän­den wie Fuß e.V., dem Umwelt­fo­rum oder dem Fahr­rad­club ADFC ein­ho­len. An dem alten Ent­wurf hat­te die Koali­ti­on kri­ti­siert, dass die bis­he­ri­gen Vor­schlä­ge zum Umbau des Aegi­dii­tors zwar theo­re­tisch Ver­bes­se­run­gen für den Rad­ver­kehr mit sich bräch­ten, aber prak­tisch mit der der­zei­ti­gen Stra­ßen­füh­rung nicht umzu­set­zen seien.
  • Ver­kehrs­ver­such geglückt: Die Bus­spur vom Lud­ge­ri­k­rei­sel über den Haupt­bahn­hof bis zum Lan­des­haus bleibt dau­er­haft. Das hat der Aus­schuss ein­stim­mig beschlossen.
  • Tem­po 30 in der Innen­stadt: Die Chan­cen ste­hen nicht schlecht, dass Müns­ter bald selbst dar­über bestim­men kann, wie schnell die Autos in der Stadt fah­ren. Müns­ter ist zusam­men mit rund 110 ande­ren Kom­mu­nen in Deutsch­land Teil der Initia­ti­ve Lebens­wer­te Städ­te durch ange­pass­te Geschwin­dig­keit. Die Plä­ne der Ampel­ko­ali­ti­on könn­ten das auch bald mög­lich machen: Sie will den Kom­mu­nen in der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung mehr Ent­schei­dungs­frei­heit geben. Denn im Moment kön­nen die Städ­te nur dann Tem­po­li­mits set­zen, wenn sie sie begrün­den können.

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Korrekturen und Ergänzungen

Im RUMS-Brief vom 25. Febru­ar haben wir berich­tet, dass Ver­leih­fir­men von E-Scoo­tern ihre Beschwer­de-Hot­line stär­ker kenn­zeich­nen müs­sen. Der Blin­den- und Seh­be­hin­der­ten­ver­ein West­fa­len hat­te geklagt, weil die oft acht­los abge­stell­ten Rol­ler sei­ner Mei­nung nach eine Gefahr für nicht­se­hen­de Men­schen dar­stel­len. Was damals nicht klar war: Müs­sen die Fir­men die Hot­line auch in Braille­schrift abdru­cken? Inzwi­schen haben wir eine Ant­wort von der Stadt. Die Ver­leih­fir­men müs­sen die Hot­line nicht in Braille­schrift anbrin­gen, sie soll­ten es aber. Die­se Emp­feh­lung der Stadt will ein Unter­neh­men umset­zen. Und immer­hin der Anbie­ter Bolt hat heu­te in einer Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­digt, die Gefahr für Men­schen zu ent­schär­fen, die nicht gut oder gar nicht sehen kön­nen. Die E-Scoo­ter des Unter­neh­mens sol­len bald akus­ti­sche Signa­le sen­den. Ganz so schnell wird das aber ver­mut­lich nicht gehen. Das Unter­neh­men schreibt, man müs­se die Signa­le erst noch entwickeln. 

In aller Kürze

+++ Eigent­lich woll­te die Stadt ein­hun­dert ukrai­ni­sche Geflüch­te­te aus Lub­lin nach Müns­ter holen. Die Bus­se stan­den bereit, Dolmetscher:innen waren an Bord, auch Medi­ka­men­te hat­te die Stadt bereit­ge­stellt. Doch dar­aus wur­de nichts. Kurz vor Abfahrt teil­te Müns­ters Part­ner­stadt in Polen mit, sie brau­che doch kei­ne Hil­fe. In der Pres­se­mit­tei­lung der Stadt zeig­te sich Kri­sen­stabs­lei­ter Wolf­gang Heu­er von der kurz­fris­ti­gen Absa­ge über­rascht – nicht aber von der Begrün­dung. Die lau­te­te: Nie­mand will nach Müns­ter. Die Ukrainer:innen woll­ten lie­ber in der Nähe ihrer Hei­mat blei­ben, das höre man auch von den Geflüch­te­ten, die schon in Müns­ter unter­ge­kom­men sind. Als grenz­na­he Stadt nimmt Lub­lin der­zeit sehr vie­le Geflüch­te­te aus der Ukrai­ne auf. Seit Beginn des Krie­ges haben ins­ge­samt 2,3 Mil­lio­nen Men­schen in Polen Schutz gefunden.

+++ Dafür kom­men Hilfs­kräf­te aus Müns­ter in die Ukrai­ne: Am Don­ners­tag­mor­gen hat sich eine mobi­le Haus­arzt­pra­xis der Mal­te­ser auf den Weg nach Lwiw im Wes­ten des Lan­des gemacht. Der WDR hat über die Helfer:innen einen Bei­trag gemacht.

+++ Kei­ne Sor­ge ums Gas: Die Ver­sor­gung in Müns­ter sei sicher, teil­ten die Stadt­wer­ke am Mitt­woch mit. Auf ein Not­fall­sze­na­rio habe man sich laut Pres­se­mit­tei­lung seit Beginn des Krie­ges in der Ukrai­ne vor­be­rei­tet. Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um hat­te zuvor die Früh­warn­stu­fe des Not­fall­plans Gas aus­ge­ru­fen: Es gebe ein­deu­ti­ge Hin­wei­se, dass sich die Gas­ver­sor­gung in Deutsch­land wegen des Krie­ges ver­schlech­tern kön­ne. Laut Not­fall­plan gehör­ten Haus­hal­te und sozia­le Ein­rich­tun­gen aber zu den geschütz­ten Abnehmern.

+++ Die Stadt­wer­ke wei­sen aber dar­auf hin, dass Kund:innen ihre Abschlä­ge für Strom und Wär­me anpas­sen soll­ten. Wer jeden Monat zu wenig zah­le, ris­kie­re eine saf­ti­ge Nach­zah­lung am Jahresende.

+++ Die Fuß- und Rad­fahr­brü­cke zwi­schen Kanal- und Gar­ten­stra­ße leuch­te seit Don­ners­tag abends blau und gelb – als Zei­chen der Soli­da­ri­tät mit der Ukrai­ne. Wenn Sie sich das anschau­en möch­ten, ohne das Haus zu ver­las­sen: Die Stadt hat davon ein Foto gemacht.

+++ Woll­ten Sie sich schon immer mal als Stadtplaner:in ver­su­chen? Seit 2020 plant die Stadt neue Quar­tie­re für bis zu 7.000 Men­schen und 6.000 Arbeits­plät­ze am Über­gang von der Innen­stadt nach Gie­ven­beck. Wenn Sie Ihre Ideen mit ein­brin­gen wol­len, kön­nen Sie sich bei der Stadt mel­den. Ers­te Infos zu den soge­nann­ten Werk­statt-Tref­fen, die im Mai statt­fin­den sol­len, fin­den Sie hier.

RUMS-Hochschulprojekte: Wir fördern den journalistischen Nachwuchs!

RUMS koope­riert mit ver­schie­de­nen Hoch­schu­len, orga­ni­siert Pro­jek­te mit Stu­die­ren­den und gibt dem jour­na­lis­ti­schen Nach­wuchs die Mög­lich­keit, die Ergeb­nis­se nach und nach auf unse­rer Web­site zu veröffentlichen.
Im Rah­men eines sol­chen Pro­jek­tes haben die Stu­die­ren­den der Hoch­schu­le der Medi­en in Stutt­gart für RUMS Inter­views geführt und geschrie­ben. Die RUMS-Redak­­ti­on hat sie zusam­men mit ihren Dozent:innen bei der The­men­fin­dung, Inter­view­vor­be­rei­tung und Text­be­ar­bei­tung unter­stützt.
Heu­te schal­ten wir das drit­te Inter­view aus die­sem Pro­jekt für Sie frei. Dar­in erzählt Melis­sa Mey­er vom Ver­ein Rock Your Life Müns­ter, mit wel­chem Kon­zept die Grup­pe sich für gerech­te­re Bil­dungs­chan­cen ein­setzt, und wie auch Schu­len es umset­zen könn­ten. Den Bei­trag fin­den Sie hier.

Corona-Update

+++ Es sind immer noch mehr als 10.000 Men­schen in Müns­ter mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert. Dazu zäh­len auch vie­le Mitarbeiter:innen der Stadt. Auf Anfra­ge wird uns mit­ge­teilt, dass im Moment unge­fähr 140 Beschäf­tig­te in Qua­ran­tä­ne sind. Sie kön­nen zum Teil von zu Hau­se aus arbei­ten, eine ande­re Berufs­grup­pe hat dage­gen kei­ne Chan­ce auf Home­of­fice. Wie die Stadt­wer­ke schrei­ben, kön­nen zur­zeit eini­ge Busfahrer:innen nicht arbei­ten, wes­halb auch immer wie­der Fahr­ten aus­fal­len. Fahrgäst:innen soll­ten sich daher am bes­ten eine Stun­de vor­her erkun­di­gen, ob ihr Bus auch wirk­lich fährt.

+++ Müns­ters Coro­na-Kri­sen­stab rät auch nach Weg­fall der Mas­ken­pflicht mor­gen, wei­ter dort eine Mas­ke zu tra­gen, wo sich vie­le Men­schen zusam­men auf­hal­ten – auch in den Schu­len. Das mel­det die Stadt. In den Schu­len soll die Mas­ken­pflicht am Mon­tag (4. April) auf­ge­ho­ben wer­den, also eine Woche vor Feri­en­be­ginn. Kri­sen­stabs­lei­ter Wolf­gang Heu­er hält den Zeit­punkt für den Schritt, die Coro­na-Regeln aus­lau­fen zu las­sen, für „nicht über­zeu­gend“. Der Ärzt­li­che Direk­tor der Uni­kli­nik, Alex Fried­rich, rech­net damit, dass der Druck auf das Gesund­heits­we­sen noch deut­lich zuneh­men wird. „Es ist unrea­lis­tisch, dass die Gesell­schaft Coro­na nicht mehr bekämp­fen muss, die Kran­ken­häu­sern dies aber unter fast unver­än­der­ten Bedin­gun­gen leis­ten soll“, sagt er.

+++ Für heu­te mel­det die Stadt eine Inzi­denz von 1.608 Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Einwohner:innen in den letz­ten sie­ben Tagen. 86 Per­so­nen müs­sen im Kran­ken­haus behan­delt wer­den, elf lie­gen auf der Inten­siv­sta­ti­on und fünf müs­sen beatmet wer­den. Im Lau­fe der Woche sind außer­dem zwei Men­schen im Zusam­men­hang mit dem Coro­na­vi­rus gestor­ben: ein 94-jäh­ri­ger Mann und eine 50 Jah­re alte Frau. Seit Beginn der Pan­de­mie sind ins­ge­samt 189 Men­schen in Müns­ter an oder mit Covid-19 gestorben.

Unbezahlte Werbung

Auf dem ers­ten Blick könn­te man mei­nen, die Casa Paz­zi in der Wol­be­cker Stra­ße sei ein klei­ner Trö­del­la­den. Die Fas­sa­de ist mit fan­ta­sie­vol­len Graf­fi­ti besprüht und die Möbel stam­men ein­deu­tig aus längst ver­gan­ge­nen Zei­ten. Tat­säch­lich ist Casa Paz­zi eine klei­ne Piz­ze­ria, die Por­tio­nen zum Satt­wer­den noch zu ver­tret­ba­ren Prei­sen ser­viert. Abschme­cken kön­nen Sie die ori­gi­nal ita­lie­ni­sche Piz­za außer­dem mit Knob­lauch- und Kräu­ter­öl oder Chi­lif­locken. Abho­len müs­sen Sie die Piz­za aber schon selbst, denn einen Lie­fer­dienst hat Casa Paz­zi bis­her nicht. Oder Sie essen ein­fach gleich vor Ort, schmeckt im Vin­ta­ge-Ambi­en­te eh am besten.

Drinnen und Draußen

Die Tipps kom­men heu­te von Edi­na Hojas, Eva Strehlke und Ralf Heimann:

+++ Zwei Jun­gen haben sich im Park geprü­gelt. Dem Streit sind zwei Schnei­de­zäh­ne zum Opfer gefal­len und die Eltern der Rauf­bol­de tref­fen sich, um kul­ti­viert und sach­lich über den Vor­fall zu spre­chen. Soweit, so theo­re­tisch, denn das Tref­fen eska­liert – und das ist für die Zuschauer:innen unfass­bar komisch. „Der Gott des Gemet­zels“ wird schon seit vier­zehn Jah­ren am Wolf­gang-Bor­chert-Thea­ter gespielt. Für nächs­te Woche Sams­tag und Sonn­tag gibt es noch Kar­ten. Die 165. Vor­stel­lung am Sonn­tag ist zugleich die letz­te. Abschied von einem Kult.

+++ Der Roman Her­kunft von Saša Sta­nišić han­delt von Flucht und Hei­mat – wer den Gewin­ner des Deut­schen Buch­prei­ses 2019 bis jetzt noch nicht gele­sen hat, soll­te das schleu­nigst nach­ho­len. Aus sei­nem etwas älte­ren Erzähl­band Fal­len­stel­ler lesen Cars­ten Ben­der und Pitt Hart­mann am Sonn­tag um 15 Uhr im Pum­pen­haus, die Text­fas­sung stammt von Mech­tild Jans­sen. Tickets gibt es hier.

+++ Das Pia­neo-Fes­ti­val geht wei­ter – mor­gen mit einem groß­ar­ti­gen Kon­zert von Mario Bat­ko­vic und Lisa Mor­gen­stern in der Petri­kir­che. Der Ver­ein Reset spricht in sei­nem Pro­gramm von einem der High­lights des Fes­ti­vals. Wenn Sie schon rein­hö­ren mögen: So klingt Mario Bat­ko­vic, und hier ist ein Song von Lisa Mor­gen­stern. Ein Tipp: Ther­mos­kan­ne für die Pau­se mit­neh­men, in der Kir­che ist es kalt. Wei­te­re Infos und Kar­ten gibt es hier.

Am Diens­tag bekom­men Sie wie­der Post von mir. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes Wochen­en­de. Zie­hen Sie sich aber warm an, es soll kalt wer­den.

Herz­li­che Grüße

Sebas­ti­an Fobbe

Mit­ar­beit: Eva Strehlke, Edi­na Hojas, Ralf Heimann


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PS

Wis­sen Sie, was coo­ler ist als ein Pin­gu­in? Genau, ein Pin­gu­in, der malen kann. Ein sol­ches Exem­plar lebt im All­wet­ter­zoo. Die Künst­le­rin heißt Picas­sa und ist eine jun­ge Bril­len­pin­guin­da­me, die im Novem­ber 2021 geschlüpft ist. Sie hat eine Bild­se­rie mit ihren klei­nen Füß­chen gewat­schelt und das Picas­so­mu­se­um wird ab April die Kunst­wer­ke der jun­gen Male­rin aus­stel­len. Glau­ben Sie nicht? Kön­nen Sie ruhig. Heu­te Mor­gen, kurz vor 10 Uhr, hat uns der Pres­se­spre­cher des All­wet­ter­zoos Sebas­ti­an Roh­ling zum Pres­se­ter­min ein­ge­la­den und sich eine Stun­de spä­ter noch ein­mal mit einer Klar­stel­lung gemel­det: „Nein, es han­delt sich um kei­nen April­scherz. Pin­guin­da­me Picas­sa gibt es wirk­lich und das Kunst­mu­se­um wird Wer­ke von ihr aus­stel­len sowie die Paten­schaft für die jun­ge Künst­le­rin übernehmen.“

PPS

Ver­gan­ge­nes Jahr haben wir Platz 24 von 127 erreicht, vor allem dank unse­rer Leser:innen, die uns sehr flei­ßig unter­stützt haben. Die Rede ist vom Stadt­ra­deln, das Anfang Mai wie­der los­geht. Wir neh­men wie­der teil und hof­fen, dass Sie uns dabei beglei­ten. Ein­fach online anmel­den und unse­rem Team bei­tre­ten. Wir hei­ßen – wer hät­te es geahnt – „RUMS – Neu­er Jour­na­lis­mus für Müns­ter”. Die gefah­re­nen Kilo­me­ter kön­nen Sie im Online­por­tal ein­tra­gen oder ganz bequem per App auf­zeich­nen lassen.