Gehwegparken: Koalition sucht Lösung | Geldsorgen in Münster: Die Preise steigen | Vier Nachrichten zur Landtagswahl

Müns­ter, 6. Mai 2022

Guten Tag,

am Diens­tag­nach­mit­tag sah es noch so aus, als könn­te sich auf Müns­ters Geh­we­gen vie­les ändern. Wie ich Ihnen geschrie­ben hat­te, stand in der Bezirks­ver­tre­tung Müns­ter-Mit­te ein Antrag zum Geh­weg­par­ken zur Abstim­mung. Die Grü­nen und Volt woll­ten damit errei­chen, dass die Stadt auf­hört, das ille­ga­le Par­ken auf dem Bür­ger­steig zu dulden.

So zumin­dest lau­te­te der Plan, doch aus der Abstim­mung wur­de nichts. Der Antrag wur­de kurz­fris­tig von der Tages­ord­nung gesetzt, denn es gab Neu­ig­kei­ten: Kurz vor Beginn der Sit­zung ließ die Ver­wal­tung den Abge­ord­ne­ten ein Schrei­ben zukom­men, das auch RUMS vorliegt.

Knatsch wegen Parkkonzept?

Alles der Rei­he nach. Grü­ne und Volt woll­ten ein Park­kon­zept aus Karls­ru­he kopie­ren, das sich Fair Par­ken nennt. Die­ses soll Klar­heit auf den Bür­ger­stei­gen schaf­fen, indem die Stadt über­all dort, wo Platz ist, Park­plät­ze auf dem Boden mar­kiert. Die Ver­wal­tung will die­sen Vor­schlag jetzt prü­fen und eine Vor­la­ge bis zur nächs­ten Sit­zung der Bezirks­ver­tre­tung Müns­ter-Mit­te am 24. Mai ausarbeiten.

Die SPD fin­det das Karls­ru­her Park­mo­dell auch gut, aller­dings setzt die Par­tei an eini­gen Stel­len noch Fra­ge­zei­chen. Sie will zunächst den Ver­such in der Mel­chers­stra­ße abwar­ten und auch noch über offe­ne Fra­gen wie Quar­tiers­ga­ra­gen, die Anbin­dung von Bus und Bahn und den Per­so­nal­man­gel beim Ord­nungs­amt diskutieren. 

Im letz­ten Antrag sei­en noch zu vie­le Schnell­schüs­se dabei gewe­sen, sagt Lau­ra Maxel­lon von der SPD. Autos, die in Kreu­zun­gen oder vor abge­senk­ten Bord­stei­nen par­ken, müss­ten zwar abge­schleppt wer­den, aber alle ande­ren Geh­weg­par­ker kön­ne man nicht ein­fach so abschlep­pen, sagt sie. Das müs­se im Ein­zel­fall vom Ord­nungs­amt geprüft wer­den, aber dazu feh­le das Per­so­nal. So steht es auch in dem Schrei­ben, das die Ver­wal­tung kurz vor Beginn der Bezirks­ver­samm­lung vor­ge­legt hatte.

Der grü­ne Frak­ti­ons­chef in der Bezirks­ver­tre­tung Mit­te, Kai Mey­er vor dem Esche, ist von der zöger­li­chen Hal­tung des Koali­ti­ons­part­ner aller­dings irri­tiert. Ein Gesamt­kon­zept habe im letz­ten August zur Abstim­mung gestan­den, aller­dings für das Süd­vier­tel und nicht fürs Kreuz­vier­tel. Wich­ti­ge Punk­te dar­in: Quar­tiers­ga­ra­gen für den ruhen­den Ver­kehr, mehr Car­sha­ring­an­ge­bo­te und eine Fahr­rad­zo­ne fürs gan­ze Vier­tel. Damals schloss sich die SPD dem Antrag auch nicht an, wes­halb Kai Mey­er vor dem Esche die Argu­men­ta­ti­on “lang­sam frag­wür­dig” fin­det. Mar­tin Gre­wer von Volt wies außer­dem dar­auf hin, dass das Per­so­nal­bud­get fürs Ord­nungs­amt für acht neue Stel­len erhöht wurde.

Oder wird doch alles gut?

Lau­ra Maxel­lon ent­geg­net, der Per­so­nal­man­gel wer­de vom Ord­nungs­amt noch immer als größ­tes Pro­blem ange­führt. Mit den wei­te­ren Schrit­ten ist sie jeden­falls zufrie­den. Wenn die Ver­wal­tung eine Aus­ar­bei­tung fürs Fair Par­ken vor­legt, gebe es dann einen Vor­schlag zum Dis­ku­tie­ren. Und wenn sich das Kon­zept in der Mel­chers­stra­ße bewäh­re, kön­ne man es auf ande­re Stra­ßen aus­wei­ten. Auch wol­le die SPD das inte­grier­te Park­raum­kon­zept für das wei­te­re Gesamt­kon­zept fürs Par­ken in Müns­ter abwarten.

In drei Punk­ten sind sich aber alle einig: Zu vie­le Autos ver­stop­fen die Geh­we­ge und Stra­ßen in Müns­ter. Das The­ma Par­ken dürf­te für wei­te­ren Dis­kus­si­ons­stoff sor­gen. Und auf irgend­ei­ne Lösung wer­den sich Grü­ne, SPD und Volt am Ende schon einigen.

Heute lesen Sie im RUMS-Brief:

  • Geh­weg­par­ken: Wei­ter kei­ne Lösung
  • Geld­sor­gen in Müns­ter: Die Prei­se steigen
  • Streik an der Uni­kli­nik: kei­ne Eini­gung in Sicht
  • Noch mehr Streik: Erzie­hungs­per­so­nal geht auf die Straße
  • Hel­fen­de Hän­de für die Land­tags­wahl gesucht
  • Coro­na-Update: Nied­rigs­te Inzi­denz seit Januar
  • Unbe­zahl­te Wer­bung: OMT Vintage
  • Drin­nen und Drau­ßen: Han­se­mahl und Geden­ken am 8. Mai

Kurz und Klein

+++ Die Poli­zei sucht einen Mann, der am ver­gan­ge­nen Mitt­woch an einer Grund­schu­le in Kin­der­haus einen elf­jäh­ri­gen Jun­gen im Geni­tal­be­reich berührt haben soll. Der Jun­ge gab an, der Mann sei plötz­lich am Zaun auf­ge­taucht und habe ihn zunächst am Nacken gepackt, schreibt die Poli­zei. Um wel­che Schu­le es geht, steht nicht in der Mel­dung. Der Jun­ge habe sich heu­te einer Leh­re­rin anver­traut, schreibt die Poli­zei. Der Mann soll zwi­schen 30 und 35 Jah­re alt und etwa 1,80 Meter groß sein, nach der Beschrei­bung des Jun­gen hat er dun­kel­blon­de oder brau­ne Haa­re und einen gebräun­ten Teint. Er trug eine wei­ße Hose und einen wei­ßen Pull­over mit Kapu­ze. Hin­wei­se bit­te an die die Poli­zei unter der Num­mer 0251 2750. (rhe)

+++ Kla­res Nein für eine Leucht­turm: Der orga­ni­sier­te Teil der frei­en Kul­tur­sze­ne, also Men­schen aus allen Spar­ten der frei­en Kul­tur, hat sich am Mon­tag mit gro­ßer Mehr­heit gegen einen Musik-Cam­pus aus­ge­spro­chen. Der Ver­ein Mono­kul­tur, der die pro­fes­sio­nel­le freie Sze­ne ver­tritt, schreibt in einer Mit­tei­lung von drei gro­ßen Ein­wän­den, zum einen den Zwei­feln dar­an, dass der Cam­pus tat­säch­lich so gro­ße Syn­er­gie­ef­fek­te haben wird wie ange­kün­digt. Außer­dem wider­spre­che ein zen­tra­ler Ort („Leucht­turm­pro­jekt der Hoch­kul­tur“) dem Cha­rak­ter und Selbst­ver­ständ­nis vie­ler frei­er Kul­tur­pro­jek­te. Eine ande­re Sor­ge sei die finan­zi­el­le Dimen­si­on. Das sind die drei wesent­li­chen Punk­te. Hin­zu kom­me die Kri­tik dar­an, dass es für den Musik-Cam­pus noch immer kein Betriebs­kon­zept gebe. Der Musik-Cam­pus-Gip­fel am Diens­tag, zu dem der Ober­bür­ger­meis­ter ein­ge­la­den hat­te, hat offen­bar auch nicht die gro­ße Wen­de gebracht. Eine neue Vor­la­ge der Ver­wal­tung soll eini­ge der offe­nen Fra­gen beant­wor­ten, etwa zur Finan­zie­rung. (rhe)

+++ Ein gro­ßes Pro­blem in der For­schung, vor allem bei Tier­ver­su­chen, ist, dass For­schungs­er­geb­nis­se nicht repro­du­ziert wer­den kön­nen. Mit die­sem Pro­blem haben sich die Ver­hal­tens­bio­lo­gin­nen Vanes­sa von Kort­z­fleisch und Hele­ne Rich­ter von der Uni Müns­ter in einer Stu­die beschäf­tigt. Schuld an dem Pro­blem sind unter ande­rem For­schen­de, die den Aus­gang des Expe­ri­ments unbe­wusst beein­flus­sen. Das ist anschei­nend nicht zum ers­ten Mal unter­sucht wor­den. In der Pres­se­mit­tei­lung der Uni Müns­ter steht:„Zur Über­ra­schung der Wis­sen­schaft­ler war der Ein­fluss der ver­schie­de­nen Expe­ri­men­ta­to­ren auf die Ergeb­nis­se der Ver­su­che nicht so stark aus­ge­prägt wie es frü­he­re Stu­di­en gezeigt hat­ten.“ (rhe)

+++ Land­tags­wahl I: Das Wahl­amt sucht für die Land­tags­wahl am nächs­ten Sonn­tag (15. Mai) noch Frei­wil­li­ge, die in den Wahl­lo­ka­len mit­hel­fen, mel­det die Stadt. Wenn Sie Zeit und Lust haben, kön­nen Sie zum Bei­spiel in einem der Wahl­lo­ka­le die Wahl­be­rech­ti­gun­gen der Bürger:innen prü­fen, Wahl­un­ter­la­gen aus­hän­di­gen, ab 18 Uhr die Stim­men aus­zäh­len und abschlie­ßend die Ergeb­nis­se an das Haupt­wahl­bü­ro wei­ter­lei­ten. Für die Anmel­dung schrei­ben Sie der Stadt eine E-Mail oder fül­len das For­mu­lar auf die­ser Sei­te aus. Dort fin­den Sie auch alle Vor­aus­set­zun­gen und Details zu den ver­schie­de­nen Auf­ga­ben­be­rei­chen. (ast)

+++ Land­tags­wahl II: Für Men­schen mit Seh­be­hin­de­rung ist es etwas schwe­rer, sich auf dem Wahl­zet­tel zu ori­en­tie­ren. Die Stadt will es Ihnen mit zwei Hilfs­an­ge­bo­ten etwas leich­ter machen. Im soge­nann­ten Wahl­hil­fe­pa­ket liegt eine Wahl­scha­blo­ne. Und es gibt einen tele­fo­ni­schen Ansa­ge­dienst, schreibt die Stadt. Erhält­lich ist das Paket bei der Arbeits­ge­mein­schaft der Blin­den- und Seh­be­hin­der­ten­ver­ei­ne in Nord­rhein-West­fa­len, zum Bei­spiel unter die­ser Tele­fon­num­mer: 02 31/55 75 90-0. Die Hil­fen kön­nen Sie sowohl in der Wahl­ka­bi­ne nut­zen als auch bei der Brief­wahl. (ast)

+++ Land­tags­wahl III: Wenn Sie heu­te in Müns­ter unter­wegs waren, sind Ihnen viel­leicht neue Wahl­pla­ka­te auf­ge­fal­len. Das Design sieht dem der Grü­nen täu­schend ähn­lich, es sind aber nicht ihre. Zahl­rei­che Pla­ka­te – egal, ob FDP, CDU, Grü­ne, oder SPD – und auch der Ein­gangs­be­reich des Büro­ge­bäu­des vom Kreis­ver­band der Grü­nen sei­en betrof­fen, berich­tet uns Wahl­kampf­ma­na­ge­rin Lea Min­der­mann. Die Grü­nen gehen von einer „mut­maß­lich koor­di­nier­ten Akti­on von Unbe­kann­ten“ aus und wer­den Straf­an­zei­ge erstat­ten, heißt es in der Pres­se­mit­tei­lung. (ast)

+++ Land­tags­wahl IV: Hin­weis der Stadt, die Brief­wahl­un­ter­la­gen bit­te vor Frei­tag bean­tra­gen und dann am bes­ten auch recht­zei­tig ein­wer­fen. Wer schon weiß, dass es knapp wird, schaut zur Sicher­heit hier nach, wie man den Wahl­schein in der letz­ten Minu­te noch los­wird. (rhe)

+++ Das Per­so­nal von Kitas und den offe­nen Ganz­tags­schu­len strei­ken in Müns­ter für bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen. Am Mitt­woch blie­ben des­we­gen die Kitas Albach­ten, An der Gar­ten­stra­ße und Wie­ler­ort sowie der Offe­ne Ganz­tag in der Grund­schu­le Spra­kel geschlos­sen. Die Stadt spricht von ins­ge­samt 103 Strei­ken­den, Ver­di auf Nach­fra­ge von rund 190. Not­grup­pen in ande­ren Kitas und Schu­len stell­ten eine über­gangs­wei­se Betreu­ung sicher. An einer Demons­tra­ti­on in der Innen­stadt nah­men rund 300 Men­schen teil. Auf der abschlie­ßen­den Kund­ge­bung am Stadt­haus 1 for­der­te die Erzie­he­rin Iris Wer­ning eine Auf­wer­tung ihrer Beru­fe und ein Ende der „Low-Bud­get-Poli­tik“, heißt es in der Müns­ter­schen Zei­tung. Bernd Feld­haus, Gewerk­schafts­se­kre­tär bei Ver­di im Bezirk Müns­ter­land, hofft nach zwei geschei­ter­ten Ver­hand­lungs­run­den auf eine erfolg­rei­che drit­te am 16. und 17. Mai. Vor­her fin­det ein noch ein lan­des­wei­ter Streik am 11. Mai in Gel­sen­kir­chen statt – die dor­ti­ge Ober­bür­ger­meis­te­rin Karin Wel­ge ist näm­lich gleich­zei­tig die Ver­hand­lungs­füh­re­rin der Ver­ei­ni­gung kom­mu­na­ler Arbeit­ge­ber­ver­bän­de. (ast)

+++ Die Insta­gram-Sei­te muenster_dings hat die­se Woche vie­le Nach­rich­ten von Nut­ze­rin­nen ver­öf­fent­licht, die davon berich­ten, dass ihnen in Müns­ters Clubs und Bars k.o.-Tropfen ver­ab­reicht wor­den sind. Gegen­über den West­fä­li­schen Nach­rich­ten sag­te Poli­zei­spre­che­rin Vanes­sa Arlt, dass die Poli­zei nur sehr weni­ge Anzei­gen im Zusam­men­hang mit k.o.-Tropfen ent­ge­gen­neh­me, aber allen Opfer zur Anzei­ge rate. Die Dun­kel­zif­fer dürf­te erschre­ckend hoch lie­gen. Ob es in letz­ter Zeit zu mehr Fäl­len gekom­men sei, las­se sich nicht sagen. (sfo)

Zahlen, bitte. 

Fast zwei Drit­tel Müns­ters sind von Vege­ta­ti­on bedeckt. Etwa ein Vier­tel des gesam­ten Stadt­ge­biets ist bebaut, 9 Pro­zent nimmt der Ver­kehr in Anspruch, auf 2 Pro­zent der Flä­che befin­den sich Gewäs­ser. Quel­le: Stadt Müns­ter (Stand 2018)

Ergänzungen und Korrekturen 

In unse­rem Brief vom 3. Mai haben wir über den Streik an der Uni­kli­nik berich­tet. Wir haben noch mal nach­ge­fragt: Die Gewerk­schaft Ver­di teilt uns mit, dass sich an den heu­ti­gen Aktio­nen an der Uni­kli­nik Müns­ter 424 Beschäf­tig­te betei­ligt haben. Knapp 300 von ihnen hät­ten gestreikt.

Tarif­ver­hand­lun­gen sind wei­ter nicht in Sicht. Es gebe noch kei­nen Ter­min, sag­te uns Katha­ri­na Wese­nick, Lan­des­fach­be­reichs­lei­te­rin bei Ver­di NRW. Die Düs­sel­dor­fer Lan­des­re­gie­rung habe ges­tern einen Vor­schlag geschickt. Dar­in gehe es aller­dings noch nicht um den Tarif­ver­trag Ent­las­tung, den sich das Per­so­nal wünscht, son­dern zunächst um die Kon­stel­la­ti­on der Ver­hand­lung selbst. 

Das Pro­blem: Alle sechs Uni­kli­ni­ken in Nord­rhein-West­fa­len dür­fen als Arbeit­ge­ber nicht selbst ver­han­deln. Sie sind Mit­glie­der beim zustän­di­gen Arbeit­ge­ber­ver­band des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len. Da der Ver­band wie­der­um Mit­glied in der Tarif­ge­mein­schaft deut­scher Bun­des­län­der ist und dort kürz­lich ein wich­ti­ger Antrag abge­lehnt wur­de, dür­fen die Mit­glie­der nicht selbst ver­han­deln. Die Lan­des­re­gie­rung muss also erst eine Lösung fin­den, die Ver­hand­lun­gen ermöglicht. 

Aktu­ell bewer­te Ver­di die­sen Vor­schlag intern, da er mit wei­te­ren Bau­stel­len ver­bun­den sei, sagt Wese­nick. Um was für Bau­stel­len es sich han­delt, konn­te Wese­nick nicht sagen. Nur, dass sich nie­mand in abseh­ba­rer Zeit an den Ver­hand­lungs­tisch set­zen wer­de. Und das lie­ge nicht an Ver­di. (ast)

Mal sehen 

Girls’- und Boys’Day bei RUMS

Sechs Jugend­li­che waren beim Girls’- und Boys’Day bei RUMS zu Gast. Was sie in einem Foto­­gra­­fie-Work­­shop mit unse­rem Bild­re­dak­teur Niko­laus Urban erar­bei­tet haben, kön­nen Sie sich in unse­rem neu­en Bei­trag anschau­en. Und übri­gens: In die­sem Work­shop ist ein neu­es RUMS-For­­mat ent­stan­den. Ab sofort wer­den wir immer wie­der Jugend­li­che dabei beglei­ten, ver­schie­de­ne Orte in der Stadt bild­jour­na­lis­tisch neu zu ent­de­cken. Die Ergeb­nis­se wer­den wir Ihnen wie­der hier präsentieren.

Zum Bei­trag

Geldsorgen in Münster

Simo­ne Wein­ke hat gera­de viel zu tun. Seit rund 20 Jah­ren arbei­tet sie als Schuld­ner­be­ra­te­rin für die Ver­brau­cher­zen­tra­le Müns­ter in der Aegi­di­i­stra­ße. Eine Situa­ti­on wie heu­te hat sie in all den Jah­ren nie erlebt. Sie und ihre Kolleg:innen in der Bera­tungs­stel­le wer­den gera­de mit Anfra­gen über­rollt, sagt Wein­ke. Nor­ma­ler­wei­se kön­ne sie den Hil­fe­su­chen­den inner­halb von vier bis sechs Wochen einen Ter­min anbie­ten, aber mitt­ler­wei­le sei sie bis Juli kom­plett ausgebucht.

Vie­le der Men­schen, die Wein­ke berät, haben seit Beginn der Pan­de­mie Geld­sor­gen. Inzwi­schen gehe auch in der Mit­tel­schicht die Angst um, sagt sie. Vie­le Hil­fe­su­chen­de sei­en “nor­ma­le Arbeit­neh­mer”. Leu­te, die jeden Mor­gen zur Arbeit gehen und jeden Monat ein durch­schnitt­li­ches Ein­kom­men mit nach Hau­se bringen.

Die Geld­sor­gen haben einen Grund. Die Öko­no­mie nennt ihn Infla­ti­on, in der Umgangs­spra­che sagen wir ganz ein­fach: Alles wird teu­rer. In der letz­ten Pres­se­mit­tei­lung des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts über die Infla­ti­on heißt es, dass die Prei­se im April 2022 durch­schnitt­lich 7,4 Pro­zent über den Prei­sen im April 2021 lagen.

In Nord­rhein-West­fa­len zogen die Prei­se sogar etwas stär­ker an. Hier lag das Plus für April bei 7,7 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jah­res­mo­nat. Einen so gro­ßen Preis­sprung habe es in NRW laut Tages­schau zuletzt in den 1970er Jah­ren gege­ben. Wenn Sie übri­gens mal schau­en wol­len, wie viel Ihr Gehalt oder Ein­kom­men noch wert ist, kön­nen Sie das hier beim Spie­gel aus­rech­nen lassen. 

Dass Prei­se stei­gen, ist eigent­lich nichts Unge­wöhn­li­ches. Ein biss­chen Infla­ti­on ist ganz nor­mal. Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank ver­folgt das Ziel von 2 Pro­zent Infla­ti­on im Euro­raum, denn dann stei­gen die Prei­se im genau rich­ti­gen Maße. Die Unter­neh­men inves­tie­ren, weil sie mehr Umsät­ze erwar­ten und Kre­di­te bil­li­ger wer­den. Und mit den mode­ra­ten Preis­stei­ge­run­gen kön­nen die Men­schen nor­ma­ler­wei­se auch gut leben. Wenn ihre Arbeit­ge­ber die Löh­ne erhö­hen, haben sie sogar mehr Geld zum Ausgeben.

Was die Preise in die Höhe treibt

Doch von die­sem 2-Pro­zent-Ziel ist Deutsch­land im Moment weit ent­fernt. Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt trei­ben gera­de zwei Berei­che das Preis­ni­veau deut­lich in die Höhe: Lebens­mit­tel und Energie.

Wor­an liegt das? Die Öko­no­min Mecht­hild Schroo­ten sieht in der aktu­el­len Aus­ga­be der Zeit­schrift Aus Poli­tik und Zeit­ge­schich­te den Haupt­grund im Krieg in der Ukrai­ne. Er sor­ge im Moment für viel Ver­un­si­che­rung und das sei Gift für sta­bi­le Prei­se. Außer­dem brä­chen Lie­fer­ket­ten ein, sodass sich eini­ge Waren ver­knapp­ten. Im Fal­le der Ukrai­ne sind das vor allem Getrei­de und Ener­gie. Das Land gilt als Korn­kam­mer Euro­pas und durch die Russ­landsank­tio­nen ver­teu­ern sich Gas, Strom und Öl spürbar. 

Und ein Ende ist nicht wirk­lich in Sicht: Wie das ifo Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung mel­det, wol­len so vie­le Unter­neh­men in den nächs­ten drei Mona­te die Prei­se erhö­hen wie seit 1991 nicht mehr. Doch schon jetzt trei­ben Infla­ti­ons­sor­gen die Men­schen um. Simo­ne Wein­ke von der Ver­brau­cher­zen­tra­le berich­tet, dass sie in ihrem Job als Schuld­ner­be­ra­te­rin nor­ma­ler­wei­se Erfolgs­er­leb­nis­se samm­le. „Die aller­meis­ten Kli­en­ten ver­las­sen die Sprech­stun­de glück­li­cher, als sie sie betre­ten“, sagt sie. Aber das ände­re sich, all­mäh­lich gin­gen ihr die Mög­lich­kei­ten zu hel­fen aus.

Aber was ist in Müns­ter eigent­lich alles teu­rer gewor­den? Wo sind die Prei­se gestie­gen und wor­an könn­te das liegen?

Essen und Trinken

An der Super­markt­kas­se wer­den Sie es schon bemerkt haben: Lebens­mit­tel wer­den immer teu­rer. Erst kürz­lich haben die Dis­coun­ter Aldi und Lidl die Prei­se erhöht. Seit Beginn des Jah­ren ken­nen die Ver­brau­cher­prei­se für Essen und Trin­ken nur eine Rich­tung – und zwar nach oben: um 5 Pro­zent im Janu­ar, um 6,2 Pro­zent im März und um 8,5 Pro­zent im April.

Aber nicht nur der Wochen­ein­kauf, son­dern auch der Besuch im Restau­rant ist teu­rer gewor­den. Rena­te Döl­ling vom Gast­stät­ten­ver­band Deho­ga West­fa­len erläu­tert, dass das aber nicht allein an den stei­gen­den Lebens­mit­tel- und Ener­gie­prei­sen liegt. In der Bran­che gel­te ein neu­er Tarif­ver­trag, den alle Betrie­be akzep­tiert hät­ten, weil die For­de­run­gen der Beschäf­tig­ten nach mehr Lohn gerecht­fer­tigt waren. Bedeu­tet aber auch: mehr Per­so­nal­kos­ten für Cafés und Restaurants.

Aber dann ist da auch ein ande­res Pro­blem, sagt Döl­ling: Man­che Zuta­ten sei­en knapp oder gar nicht mehr zu bekom­men. Frit­tier­fett, Spei­se­öl und Mehl sei­en bei­spiels­wei­se Man­gel­wa­re, auch das trei­be die Prei­se in die Höhe. Für Pom­mes fri­tes muss man in Müns­ter des­halb inzwi­schen tie­fer in die Tasche grei­fen, berich­ten die West­fä­li­schen Nach­rich­ten. Andern­orts ver­schwin­den sie schon von der Speisekarte.

Unterm Strich mache die Gas­tro­no­mie der­zeit Mie­se, sagt Rena­te Döl­ling. Vor dem Krieg und der Pan­de­mie hät­ten die Gast­stät­ten von 100 Euro Ein­nah­men 35 Euro fürs Per­so­nal, 30 fürs Mate­ri­al und 5 Euro für die Ener­gie aus­ge­ge­ben. Aus den rest­li­chen 30 Euro hät­ten sie ande­re Betriebs­kos­ten gedeckt und den Unter­neh­mer­lohn gezahlt. Nun sei­en die Restau­rants aber in die Ver­lust­zo­ne gerutscht.

Auch für Stu­die­ren­de wird das güns­ti­ge Mit­tag­essen in der Men­sa immer teu­rer. Das Stu­die­ren­den­werk hat zum Som­mer­se­mes­ter die Prei­se ange­passt. In einer Pres­se­mit­tei­lung schreibt das Unter­neh­men, dass es zum Som­mer­se­mes­ter ein Zwei-Stu­fen-Preis­sys­tem in der Men­sa ein­führt. Der Tarif für Mit­ar­bei­ten­de der Hoch­schu­len ent­fällt, statt­des­sen rech­nen nur noch Stu­die­ren­de und Nicht­stu­die­ren­de unter­schied­lich an der Men­s­akas­se ab.

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Aber das ist nicht das Ein­zi­ge, was sich ändert. Die Menüs sind näm­lich vom Spei­se­plan ver­schwun­den. Statt­des­sen bie­tet die Men­sa nun soge­nann­tes Kom­po­nen­ten­es­sen an. Wer dort essen will, zahlt also für jede ein­zel­ne Menü­kom­po­nen­te: fürs Haupt­ge­richt, für jede Bei­la­ge und für den Nach­tisch. Das wür­de die Prei­se trans­pa­ren­ter machen. Aber ist das auch eine ver­deck­te Preiserhöhung?

Die Stu­die­ren­den sagen ganz klar Ja. Für den AStA ist das neue Kom­po­nen­ten­es­sen „eine Preis­er­hö­hung durch die Hin­ter­tür“. Frü­her zahl­ten hung­ri­ge Stu­die­ren­de je nach Menü 2,30 Euro, 2,95 Euro oder 3,30 Euro. Am heu­ti­gen Frei­tag kos­tet das bil­ligs­te Gericht, eine Buch­wei­zen­pfan­ne mit Gemü­se, allein schon 2,30 Euro. Für einen Bei­la­gen­sa­lat müss­te man noch 30 Cent mehr aus­ge­ben. Auf Insta­gram hagelt es des­halb Kri­tik für das Stu­die­ren­den­werk. Ein Stu­dent schreibt: „Ein vega­nes Gericht + 3 Bei­la­gen hat damals 2,30€ gekos­tet. Heu­te hät­te ich für Süß­kar­tof­fel­cur­ry mit Erd­nüs­sen, Brat­kar­tof­feln, Toma­ten­gur­ken­sa­lat und Des­sert 5,15€ bezahlt.“

Catha­ri­na Cal­vez, die beim Stu­die­ren­den­werk Müns­ter für Gas­tro­no­mie und Nach­hal­tig­keit zustän­dig ist, sagt, dass die Men­sa inzwi­schen mit Tages­prei­sen kal­ku­lie­ren müs­se. Des­halb sei die Umstel­lung auf das Kom­po­nen­ten­es­sen not­wen­dig gewe­sen. Gewin­ne erzie­le das Stu­die­ren­den­werk mit den Mensen nicht, im Gegen­teil. Das Gan­ze sei ein Ver­lust­ge­schäft und nie­mand wol­le den Stu­die­ren­den das Geld aus der Tasche zie­hen, sagt Cal­vez. An einer Lösung arbei­te man.

Strom und Heizen

Der zwei­te gro­ße Infla­ti­ons­trei­ber sind wie gesagt die Ener­gie­prei­se. Sie sind im April ver­gli­chen mit dem Vor­jah­res­mo­nat um mehr als 35 Pro­zent gestie­gen. Schaut man sich noch einen län­ge­ren Zeit­raum an, wird die Preis­stei­ge­rung noch deut­li­cher. Gab ein Drei-Per­so­nen-Haus­halt vor zehn Jah­ren im Schnitt 2.260 Euro für 3.500 Kilo­watt­stun­den Strom und 20.000 Kilo­watt­stun­den Gas aus, sind es heu­te 3.709 Euro für den­sel­ben Ver­brauch. Das sind also fast 1.500 Euro mehr.

Und die­ser Trend macht sich auch bei den Stadt­wer­ken bemerk­bar. Im Janu­ar haben sie die Prei­se erhöht, im April ein zwei­tes Mal. Wie das alles wei­ter­geht, sei völ­lig unklar, sagt Stadt­wer­ke­spre­cher Flo­ri­an Adler. Die Lage sei zu unüber­sicht­lich und ände­re sich fast täg­lich. Was das für die Ver­brau­cher­prei­se bedeu­tet, kön­ne nie­mand sagen.

Für finan­zi­ell schwa­che Men­schen sei­en die Erhö­hun­gen aber jetzt schon schwer zu ver­kraf­ten, sagt Simo­ne Wein­ke von der Ver­brau­cher­zen­tra­le. Ihre Kol­le­gin aus der Ener­gie­rechts­be­ra­tung küm­me­re sich der­zeit um kein ande­res The­ma als um die Strom­ver­trä­ge. Ein häu­fi­ges Pro­blem dabei: Eini­ge Neukund:innen von Bil­lig­an­bie­tern ver­lie­ren ihre güns­ti­gen Ver­trä­ge, weil die Strom­fir­men zu weni­ge Kon­tin­gen­te haben. Sie lan­den dann unfrei­wil­lig in der recht teu­ren Grund­si­che­rung bei den Stadt­wer­ken. Laut WN betrifft das 4.000 Men­schen in Münster.

Aber immer­hin: Ab dem 1. Juli ent­fällt die EEG-Umla­ge. Das macht den Strom güns­ti­ger. Wer bei­spiels­wei­se 3.200 Kilo­watt­stun­den pro Jahr ver­brau­che, spa­re ins­ge­samt 140 Euro, rech­net Flo­ri­an Adler vor. Die­se Umla­ge zah­len seit dem Jahr 2000 alle, um den Aus­bau von sich erneu­ern­den Ener­gien mit­zu­fi­nan­zie­ren. Die­se Umla­ge soll jetzt aus Bun­des­mit­teln fließen.

Für Schuld­ner­be­ra­te­rin Simo­ne Wein­ke ist die weg­fal­len­de EEG-Umla­ge erfreu­lich, aber „nicht der gro­ße Wurf“. Aktu­ell zah­le man 3,72 Cent EEG-Umla­ge pro Kilo­watt­stun­de Strom. Hoch­ge­rech­net wür­den die Verbraucher:innen also nur rund 10 Pro­zent spa­ren. Und dazu kom­me, dass die­je­ni­gen, die viel ver­brau­chen, stär­ker ent­las­tet wür­den. Haus­hal­te mit gerin­gem Ein­kom­men (und dadurch auch gerin­gem Ver­brauch) bräuch­ten eine bes­se­re Ent­las­tung, die weg­fal­len­de EEG-Umla­ge allein rei­che nicht, fin­det sie.

In einem Punkt sind sich Wein­ke und Adler aber einig: Sie raten allen dazu, die monat­li­chen Abschlä­ge anzu­pas­sen. Wer jeden Monat mehr für Strom zahlt, müs­se am Jah­res­en­de weni­ger nach­zah­len. Und es bewahrt davor, Ener­gie­schul­den anzu­häu­fen. Denn schon ab einem Zah­lungs­rück­stand von 100 Euro kön­nen die Anbie­ter den Strom abklem­men. Was in Müns­ter aber sel­ten vor­kom­me, sagt Flo­ri­an Adler von den Stadt­wer­ken. Genau bezif­fert er die „sehr nied­ri­gen Sperr­quo­ten“ aber nicht. Bevor es zum Äußers­ten kom­me, wür­den die Stadt­wer­ke mit den betrof­fe­nen Kund:innen zunächst ver­su­chen, eine gemein­sa­me Lösung zu finden.

Was sonst alles teurer geworden ist

  • Besu­che im All­wet­ter­zoo wer­den teu­er. Erwach­se­ne zah­len seit Mai 21,90 Euro an der Zoo­kas­se und damit 3 Euro mehr. Auch die Prei­se für Jah­res­kar­ten sind gestie­gen. Die neu­en Ein­tritts­prei­se fin­den Sie hier. Die Preis­er­hö­hung liegt an den stei­gen­den Kos­ten für Ener­gie und Futter.
  • Auch die Sprit­prei­se stei­gen wei­ter. Im Moment zahlt man für einen Liter Super in Müns­ter über­all mehr als 2 Euro. Wegen der stei­gen­den Kraft­stoff­prei­se hat Stadt­teil­au­to allen Kund:innen im Mit­te März per Mail mit­ge­teilt, dass die Kilo­me­ter­prei­se um 4 Cent stei­gen. Erst im Janu­ar hat­te Stadt­teil­au­to die Kilo­me­ter­prei­se um 1 Cent erhöht. Die genau­en Tari­fe fin­den Sie hier.
  • Der Spie­gel berich­te­te ges­tern, dass die Pro­duk­ti­ons­kos­ten für Bier laut Deut­schem Brau­er­bund um bis zu 30 Pro­zent stei­gen könn­ten. Auf Anfra­ge teil­te uns die Braue­rei Fin­ne aus Müns­ter mit, dass sie ange­sichts des­sen Preis­er­hö­hun­gen nicht aus­schlie­ßen kann. Andern­orts ist man schon zu einer Ver­zweif­lungs­tat über­gan­gen: Der Stadt­rat von Schwä­bisch Hall woll­te den Bier­preis auf 4 Euro deckeln, um die Knei­pen­kul­tur zu ret­ten. Für die Bier­preis­brem­se feh­len aber laut Ver­wal­tung die nöti­gen Mit­tel im Haushalt.

Macht Energie bald arm?

Wie sich die Infla­ti­on wei­ter­ent­wi­ckelt, ist durch den Krieg in der Ukrai­ne noch völ­lig unvor­her­seh­bar. Schon jetzt tref­fen die Preis­sprün­ge aber gera­de die beson­ders hart, die ohne­hin wenig haben. Der Pari­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band hält den aktu­el­len Regel­satz von 449 Euro pro Monat für Hartz-IV-Emp­fan­gen­de des­halb für unzu­rei­chend und sogar ver­fas­sungs­wid­rig. Die­ser Regel­be­darf wird jedes Jahr neu berech­net und wird im Kern von den Lebens­mit­tel­prei­sen bestimmt. Sie sind bekann­ter­ma­ßen stark gestie­gen – der Hartz-IV-Satz aber nicht im sel­ben Tempo. 

Dazu kommt, dass Hartz-IV-Emp­fan­gen­de auch den Strom selbst zah­len müs­sen. Und der wird ja auch immer teu­rer. Laut Pari­tä­ti­schem Wohl­fahrts­ver­band müss­te der Hartz-IV-Satz bei über 600 Euro lie­gen, damit er über­haupt zum Leben rei­che. Aber an der Höhe des Regel­be­darfs kann eine Stadt wie Müns­ter nichts ändern.

Simo­ne Wein­ke sieht den­noch Lösun­gen auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. Hier wären die Wohn­bau­ge­sell­schaf­ten und Ener­gie­ver­sor­ger gefragt. „Es ist auch im Sin­ne der Ver­mie­ter, dass die Woh­nung immer geheizt wird“, sagt sie und ergänzt: „Man muss auch nicht den Strom abstel­len, wenn die Kun­den nicht zah­len kön­nen.“ Wein­ke sieht hier ein ganz grund­sätz­li­ches Pro­blem: Sie hält es nicht für über­trie­ben, in einer rei­chen Stadt wie Müns­ter von dro­hen­der Ener­gie­ar­mut zu spre­chen. Vie­le ihrer Klient:innen, die kei­nen Anspruch auf Sozi­al­leis­tun­gen haben, müss­ten schon jetzt so viel fürs Woh­nen und für Ener­gie aus­ge­ben, dass sie sich am Monats­en­de eine beson­ders har­te Fra­ge stel­len müs­sen: „Heiz ich oder ess ich?“

Corona-Update

In Müns­ter ist das Infek­ti­ons­ge­sche­hen wei­ter rück­läu­fig. Zur­zeit gel­ten 4.214 Men­schen in Müns­ter als infi­ziert, seit ges­tern gibt es laut der Stadt 378 Neu­in­fek­tio­nen. Die Zah­len gehen also auch hier nach unten. Für die Inzi­denz der letz­ten sie­ben Tagen bedeu­tet das, dass 660,9 Men­schen pro 100.000 Ein­woh­ner mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert sind – die Zahl ist so nied­rig wie seit dem 24. Janu­ar nicht mehr. 55 von ihnen lie­gen im Kran­ken­haus, vier wer­den auf der Inten­siv­sta­ti­on behan­delt, ein Mensch muss beatmet wer­den. (sfo)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Team der Uni Müns­ter hilft dabei, die letz­ten acht Pro­zent des mensch­li­chen Genoms zu ent­schlüs­seln – „Sprin­gen­de Gene“ inklu­si­ve. (Medi­zi­ni­sche Fakul­tät der Uni Müns­ter)

+++ Die ver­ges­se­nen und ver­schwie­ge­nen Spu­ren des Kolo­nia­lis­mus in Müns­ter hat das Stadt­ar­chiv zusam­men mit dem Geo­da­ten­ma­nage­ment der Stadt in einer digi­ta­len Kar­te ver­zeich­net. (Müns­ter­sche Volks­zei­tung)

+++ Über Digi­tal­ca­fés, die Kin­dern und Jugend­li­chen beim Umgang mit digi­ta­len Medi­en hel­fen, berät am 12. Mai der Aus­schuss für Kin­der, Jugend­li­che und Fami­li­en. (Sit­zungs­vor­la­ge des Jugend-Aus­schus­ses)

+++ Die Mehr­heit von 1800 befrag­ten Stu­die­ren­den möch­te kein wei­te­res Online-Semes­ter, etwa die Hälf­te min­des­tens eine hybri­de Leh­re (Prä­senz- und Online-Ver­an­stal­tun­gen), etwa 40 Pro­zent ein rei­nes Prä­senz-Semes­ter. (AStA Uni Müns­ter)

+++ Die Fach­hoch­schul-Stu­di­en­gän­ge Che­mie­in­ge­nieur- und Bau­in­ge­nieur­we­sen schnei­den beim Ran­king des Cen­trums für Hoch­schul­ent­wick­lung (CHE) gut ab. (FH Müns­ter)

+++ Nach der Ent­schär­fung eines Blind­gän­gers an der Flied­ner­stra­ße dür­fen 800 Men­schen wie­der nach Hau­se. (Stadt Müns­ter)

+++ Gegen Kin­der­ar­mut in Coer­de enga­giert sich die Initia­ti­ve Chack, deren Grün­der Jochen Schweit­zer in der „drau­ßen!“ erzählt, was in Coer­de schief­läuft und was sich ändern muss. (Stra­ßen­ma­ga­zin „drau­ßen!”) Sie­he dazu auch den Bei­trag Kida­ne und Herr Schweit­zer auf unse­rer Web­site, der als eines der drei bes­ten deut­schen Lokal­stü­cke für den Theo­dor-Wolff-Preis nomi­niert ist. 

+++ Ras­sis­mus gibt es auch in der Arbeit mit Geflüch­te­ten, erklärt ein Bei­trag bei Radio Flucht­punkt. (Medi­en­fo­rum Müns­ter)

+++ Sanie­rungs­kon­zept für Müns­ters maro­de Brun­nen soll in zwei Schrit­ten die Mise­re lösen. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die Müns­ter Tafel schlägt Alarm, weil es zwar einen gro­ßen Andrang, aber weni­ge Spen­den gibt. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Heu­te Nach­mit­tag ist eine Fahr­rad­de­mo der Fri­days-for-Future-Bewe­gung vom Schloss­platz über die B51 (und an der RUMS-Redak­ti­on vor­bei) zurück zum Schloss­platz gefah­ren, um vor der Land­tags­wahl ein Zei­chen für mehr Kli­ma­schutz zu set­zen. (Fri­days for Future Müns­ter)

Unbezahlte Werbung

Trends keh­ren immer wie­der zurück. Wenn es dann soweit ist, ist es eine Mög­lich­keit, Klei­dung gebraucht zu kau­fen. Das ist güns­ti­ger und nach­hal­ti­ger. In den bei­den „OMT Vintage”-Läden in der Klos­ter­stra­ße 1 und der Wol­be­cker Stra­ße 87 gibt’s schril­le Adi­das-Trai­nings­an­zü­ge, Levi’s-Jeans… ach, schau­en Sie am bes­ten selbst. Den Online­shop fin­den Sie hier. Neben den bei­den Läden haben die Grün­de­rin­nen auch das nach­hal­ti­ge Mode­la­bel „Pie­se­lot­ten“ ins Leben geru­fen. Die fai­re Klei­dung gibt es eben­falls in der Wol­be­cker Stra­ße. Und viel­leicht auch noch inter­es­sant: Pro gekauf­tem Arti­kel gehen zwei Euro an den Artenschutz. 

Drinnen & Draußen

+++ Ein Tipp für Kurz­ent­schlos­se­ne: Heu­te Abend wird die Skate-Night-Sai­son eröff­net. Ab sofort rol­len bis Sep­tem­ber wie­der jeden ers­ten und drit­ten Frei­tag im Monat die Inli­ner über Müns­ters Stra­ßen. Treff­punkt ist der Schloss­platz um 19 Uhr, los geht’s um 20 Uhr. Tickets bekom­men Sie vor­ab online für 4 Euro oder vor Ort für 5 Euro.

+++ Am Mon­tag läuft um 20.30 Uhr im Schloss­thea­ter der Film „Histoire(s) du ciné­ma“ von Jean-Luc Godard, der eine „Ein­füh­rung in die wirk­li­che Geschich­te des Kinos“ wer­den soll­te, aber dann lief alles etwas aus dem Ruder. Godard hat zehn Jah­re an dem Film gear­bei­tet. Hans Thill, frü­her Bei­sit­zer im Vor­stand des Schrift­stel­ler­ver­bands PEN, hält zu Beginn ein „lyri­sches Film­p­lä­doy­er“. Wei­te­re Infos hier.

+++ Mor­gen fin­det zwi­schen 15 und 18 Uhr das Fami­li­en­fest der SPD im Süd­park statt.

+++ Mor­gen ist zum ers­ten Mal seit drei Jah­ren wie­der Han­se­mahl. An der lan­gen Tafel gibt es ab 13 Uhr Stul­len und Geträn­ke. Bei allen Tickets für das Begleit­pro­gramm (eine Über­sicht fin­den Sie hier) ent­schei­den Sie selbst, wie viel Sie zah­len. Die Ein­nah­men gehen an den För­der­ver­ein Müns­ter-Lub­lin und unter­stüt­zen ukrai­ni­sche Geflüch­te­te, die in Müns­ters pol­ni­schen Part­ner­stadt unter­ge­kom­men sind. 

+++ Im Schloss­gar­ten fei­ert mor­gen das Viel­sicht-Fes­ti­val Pre­mie­re. Von 16 bis 21 Uhr laden Sie Kunst­schaf­fen­de auf und vor der Büh­ne zum Ver­wei­len, Ken­nen­ler­nen und Per­spek­ti­ve wech­seln ein. Das Pro­gramm fin­den Sie hier, der Ein­tritt ist frei. 

+++ Ame­ri­can Foot­ball mit den Müns­ter Mam­muts, Lacros­se mit den Müns­ter Mohawks, Rug­by, Park­our, Rei­ki, Yoga und alle mög­li­chen ande­ren Sport­ar­ten kön­nen Kin­der und Jugend­li­che die­sen Sonn­tag, 8. Mai, auf der Anla­ge von Borus­sia Müns­ter aus­pro­bie­ren. Dort fin­det von 14 bis 18 Uhr das Move-Fes­ti­val statt, eines von drei deutsch­land­weit. Alle Ange­bo­te für den Akti­ons­tag fin­den Sie hier, anmel­den kön­nen Sie sich hier.

+++ Der Bund der Antifaschist:innen gedenkt am Sonn­tag um 14 Uhr am Zwin­ger (Pro­me­na­de) der Befrei­ung Euro­pas vom Faschis­mus am 8. Mai 1945. Dazu gibt es um 16 Uhr in der Kul­tur­knei­pe Frau­en­stra­ße 24 einen Vor­trag des Bre­mer His­to­ri­kers Ulrich Schnei­der zum The­ma „100 Jah­re Antifaschismus“. 

+++ Der Rechts­an­walt Meh­met Dai­ma­gü­ler ist Beauf­trag­ter der Bun­des­re­gie­rung gegen Anti­zi­ga­nis­mus. Am Don­ners­tag (12. Mai) hält er um 19 Uhr im Schloss (Saal S10) einen Vor­trag mit dem Titel „Gerech­tig­keit ist ein gro­ßes Wort”. Der Ein­tritt ist frei, eine Anmel­dung ist nicht nötig.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes Wochenende.

Herz­li­che Grü­ße
Sebas­ti­an Fobbe

Mit­ar­beit: Anto­nia Strot­mann, Eva Strehlke, Vik­to­ria Pehl­ke, Ralf Hei­mann, Jan Gro­ße Nobis

Lek­to­rat: Mela­nie Kelter


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PS

Wenn es nach den Vor­stel­lun­gen der Inter­na­tio­na­len Frak­ti­on geht, könn­te Müns­ter bald ein Leucht­turm­pro­jekt bekom­men, das den Musik-Cam­pus (sofern er denn gebaut wird) in den Schat­ten stellt, und das auch nur für einen Bruch­teil der Kos­ten. Sie for­dert eine Eich­hörn­chen­brü­cke für Müns­ter, über die die „pos­sier­li­chen Nager“ (O-Ton Antrag) sicher über stark befah­re­ne Stra­ßen huschen könn­ten. Mit der vier­ten Eich­hörn­chen­brü­cke Deutsch­lands erhofft sich die Inter­na­tio­na­le Frak­ti­on „Strahl­kraft über die Regi­on hin­aus” – falls Sie mal schau­en wol­len, wie sehr so eine Brü­cke strahlt, emp­feh­le ich Ihnen die­ses Video über die Eich­hörn­chen­brü­cke in Trier.

PPS

Am Diens­tag hat­ten wir zwei Kar­ten für eine Lesung von Johann Schee­rer in der Pen­si­on Schmidt ver­öf­fent­licht. Gewon­nen haben Jan Hol­thu­sen und Mari­on Wil­len­borg. Herz­li­chen Glückwunsch!