Dreifachstecker gesucht | Die gefährlichste Ausfahrt im Kreisel | Pommes und Gemüse

Müns­ter, 7. Dezem­ber 2021

Guten Tag,

begin­nen wir mit einer Geschich­te vom Weih­nachts­markt. Kurz nach­dem wir den RUMS-Brief am Frei­tag­abend in die digi­ta­le Post gege­ben hat­ten, sahen wir mit Schre­cken die­se Mel­dung: Ein­brü­che in Weih­nachts­markt­bu­den. Eine der Buden, um die es hier ging, war die Ehren­amts­hüt­te auf dem Weih­nachts­markt am Har­se­win­kel­platz, direkt gegen­über von unse­rem RUMS-Gie­bel­haus. Dort hat­ten Unbe­kann­te, wie die Poli­zei in sol­chen Fäl­len immer so schön schreibt, die Tür auf­ge­bro­chen, um – ja, um was eigent­lich? Das war anfangs gar nicht klar. Am Sonn­tag­abend habe ich dann Wolf­gang Nietan gefragt, der den Weih­nachts­markt orga­ni­siert hat. Und der sag­te mir, die Unbe­kann­ten hät­ten einen Ste­cker geklaut, einen Drei­fach­ste­cker oder noch genau­er: einen wei­ßen Drei­fach­ste­cker. Sie wis­sen schon: wei­ße Drei­fach­ste­cker, das Öl des 21. Jahr­hun­derts. Das Die­bes­gut deu­tet eher dar­auf hin, dass es sich um einen ein­zel­nen Unbe­kann­ten oder viel­leicht auch um eine Unbe­kann­te han­delt. Wenn man näm­lich ver­sucht, einen Drei­fach­ste­cker zu tei­len, kann man ihn nicht mehr gebrau­chen. Das Ding ist seit­dem jeden­falls ver­schwun­den. Daher eine Bit­te: Wenn Sie irgend­wo einen wei­ßen Drei­fach­ste­cker sehen, infor­mie­ren Sie bit­te umge­hend die Polizei. 

Wir verkaufen Klopapier

Wir blei­ben auf dem Weih­nachts­markt. Marc-Ste­fan And­res und ich haben am Sonn­tag­abend zwei Stun­den lang am Har­se­win­kel­platz vor unse­rer Hüt­te gestan­den, zwei Glüh­wein getrun­ken (2G-Pflicht, was will man machen) und inter­es­san­te Gesprä­che geführt. Ab 17 Uhr, so hat­ten wir ange­kün­digt. Ehr­li­cher­wei­se waren wir fünf Minu­ten zu spät. Ein RUMS-Leser, für den wir vor Wochen einen Kon­takt her­ge­stellt hat­ten, war­te­te schon. Er sag­te, ein paar Minu­ten habe er noch, aber dann müs­se er gehen. Ich frag­te, auf wen er denn war­te. Er sag­te: „Auf Herrn Hei­mann.“ Das ist so ein Moment, in den man sich fragt, ob man für das Bild über dem Brief viel­leicht doch bes­ser ein aktu­el­le­res Foto genom­men hät­te. Aber dann fiel mir ein: die Mas­ke. Das Pro­blem ließ sich lösen. 

Ein ande­rer Mann, sagen wir mitt­le­ren Alters, kann­te RUMS noch nicht, woll­te aber gern etwas über uns wis­sen. Unse­re Kol­le­gin in der Hüt­te erklär­te ihm, was wir machen. Er nick­te ver­stän­dig und sag­te: „Dann gehö­ren Sie sicher zur Fun­ke-Medi­en­grup­pe“. Und falls Sie das auch irgend­wo gehört haben: Nein, das stimmt nicht. Einen Schluss, den wir aus unse­ren Erleb­nis­sen am Weih­nachts­markt gezo­gen haben, ist: Wir müs­sen bes­ser erklä­ren, was wir machen. Also: Wir ver­kau­fen vom Zeich­ner Ste­phan Rürup gestal­te­te Stoff­beu­tel, RUMS-Tas­sen, Anti-Stress­bäl­le, Notiz­blö­cke, Klo­pa­pier­rol­len und vor allem: Geschenk-Abon­ne­ments. Kom­men Sie doch ein­fach vor­bei. Dann schen­ken wir Ihnen eine der schö­nen Post­kar­ten, die Ste­phan Rürup für uns gezeich­net hat. Was Sie sonst noch am Har­se­win­kel­platz fin­den, das kön­nen Sie hier nach­se­hen.

Mehr Unfälle durch den Verkehrsversuch

Und nun müs­sen wir ein­mal quer durch die Stadt über die Pro­me­na­de bis zur Kanal­stra­ße. Hier ende­te nach den Herbst­fe­ri­en rela­tiv abrupt einer der Ver­kehrs­ver­su­che, mit denen die Stadt her­aus­fin­den woll­te, ob sich etwas ver­bes­sern lässt, wenn man hier und da Regeln ändert. Der Rad­ver­kehr hat­te an die­ser Stel­le eini­ge Wochen lang Vor­fahrt. Doch das führ­te zu Pro­ble­men, so dass die Stadt dann doch frü­her den Autos die Vor­fahrt zurück­gab, als sie es zwi­schen­zeit­lich geplant hat­te. Inzwi­schen sind die Mar­kie­run­gen und die über­di­men­sio­nier­ten Schil­der wie­der ver­schwun­den. Aber wir sind Ihnen noch eini­ge Zah­len schuldig. 

Die offe­ne Fra­ge war: Sind an die­ser Stel­le in der Zeit des Ver­kehrs­ver­suchs denn wirk­lich mehr Unfäl­le pas­siert als sonst? Und waren es mehr als an ande­ren Promenadenkreuzungen? 

Die Poli­zei hat uns dazu Zah­len genannt. Zwi­schen 2017 und 2020 pas­sier­ten an die­ser Stel­le ein bis zwei Unfäl­le im Jahr, 2017 und 2020 jeweils einer, in den bei­den übri­gen Jah­ren zwei. Im Jahr 2021 zähl­te die Poli­zei an der Pro­me­na­den­que­rung Kanal­stra­ße sechs Unfäl­le, vier davon im Zeit­raum der Ver­kehrs­ver­su­che. Bei zwei Unfäl­len ver­letz­ten sich Men­schen schwer, bei den bei­den ande­ren leicht. Unfäl­le mit Sach­schä­den führt die Poli­zei nicht in die­ser Statistik. 

Aber hat­ten die Unfäl­le zur Zeit des Ver­kehrs­ver­suchs über­haupt etwas mit den geän­der­ten Regeln zu tun? 

„Alle vier Unfäl­le haben einen Bezug zu dem Ver­kehrs­ver­such“, schreibt Poli­zei­spre­che­rin Ange­la Lüttmann. 

Und wie ist es an ande­ren Stel­len, zum Bei­spiel ein paar Meter wei­ter an der Pro­me­na­den­que­rung in Höhe Kreuzschanze? 

Dort pas­sier­ten den Zah­len der Poli­zei nach von 2017 bis 2020 zwi­schen null und zwei Unfäl­le pro Jahr. 2017 null, 2020 zwei Unfäl­le, in den Jah­ren dazwi­schen jeweils einer. In die­sem Jahr zähl­te die Poli­zei bis Anfang Novem­ber drei Unfäl­le. Das kann natür­lich dar­an lie­gen, dass die Men­schen, noch irri­tiert vom Ver­kehrs­ver­such an der vori­gen Kreu­zung, hier gera­de­wegs ins Ver­der­ben fuh­ren. Es kann aber auch eine ande­re Erklä­rung geben: Zufall. 

Die gefährlichste Ausfahrt im Kreisel

Nach­dem wir im RUMS-Brief ange­kün­digt hat­ten, dass wir uns mit den Unfall­zah­len beschäf­ti­gen wer­den, mel­de­te sich Chris­ti­an Römer vom Ver­ein Code for Müns­ter. Der Ver­ein ist ein Zusam­men­schluss aus Men­schen, die sich für mehr Trans­pa­renz in Poli­tik und Ver­wal­tung ein­set­zen und Daten der All­ge­mein­heit zugäng­lich machen möchten.

Ein Bei­spiel: Auf der Sei­te Kli­ma­watch zeigt der Ver­ein in einer gra­fi­schen Über­sicht, wie weit Müns­ter bei der Umset­zung ein­zel­ner Punk­te aus dem Kli­ma­schutz­kon­zept 2020 ist (Stand: 29. Juni 2021). Das Por­tal Open­spen­ding gibt einen Ein­druck davon, wie sich der Haus­halt der Stadt Müns­ter in den Jah­ren 2007 bis 2016 zusam­men­ge­setzt hat. 

Chris­ti­an Römer schrieb uns, weil der Ver­ein sich auch mit Daten zum Ver­kehr beschäf­tigt, die öffent­lich zugäng­lich sind. Und manch­mal hilft er auch etwas nach. Vor sechs Jah­ren erreich­te er mit einer Anfra­ge nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz, dass die Poli­zei die Unfall­da­ten für die Jah­re 2007 bis 2014 her­aus­ge­ben muss­te. Spä­ter lie­fer­te sie auch noch die Wer­te bis 2019 nach. Code for Müns­ter bau­te aus die­sen Daten eine Kar­te, die, anders als die Unfall­sta­tis­tik der Poli­zei, für die Jah­re 2007 bis 2018 sicht­bar macht, an wel­chen Orten sich Unfäl­le ereig­net haben. 

Die Kar­te ist sehr inter­es­sant. Sie fin­den sie hier. Auf ihr kön­nen Sie die Unfäl­le fil­tern und sor­tie­ren. Sie kön­nen also zum Bei­spiel her­aus­fin­den, wo sich in Müns­ter im Juli 2012 mon­tags und don­ners­tags Abbie­ge­un­fäl­le ereig­net haben, an denen Men­schen auf Fahr­rä­dern betei­ligt waren, die einen Helm tru­gen – falls mal irgend­wer danach fra­gen sollte. 

Die inter­es­san­tes­te Funk­ti­on ist eine soge­nann­te Heat­map, eine Wär­me­kar­te. Sie zeigt auf einen Blick, wo Müns­ters Stra­ßen am gefähr­lichs­ten sind. Der hei­ßes­te Ort ist nach die­ser Kar­te Jahr für Jahr der Lud­ge­ri­k­rei­sel. Die Poli­zei doku­men­tiert in ihrer Sta­tis­tik auch hier nur Unfäl­le, bei denen Men­schen ver­letzt wur­den. Blech­schä­den sind nicht ent­hal­ten. Und eini­ge Unfäl­le las­sen sich nicht zuord­nen, weil die Orts­an­ga­ben unge­nau sind oder feh­len. Mög­li­cher­wei­se sind die Zah­len auch aus ande­ren Grün­den nicht voll­stän­dig. An der Kreu­zung von Kanal­stra­ße und Pro­me­na­de etwa sind zwi­schen 2007 und 2018 nach der Über­sicht nur zwei Unfäl­le mit ver­letz­ten Per­so­nen ver­merkt. Das erscheint unwahrscheinlich. 

Für eine exak­te Ursa­chen-Ana­ly­se eig­nen sich die Daten also wohl nicht. Aber die Kar­te ist trotz­dem hilf­reich, denn sie zeigt deut­lich Tendenzen.

Am Lud­ge­ri­k­rei­sel zum Bei­spiel macht Kar­te sicht­bar, wel­che Stel­len beson­ders gefähr­lich sind. Ins­ge­samt sind hier für die Jah­re 2007 bis 2018 genau 89 Unfäl­le ver­merkt, immer­hin knapp zwei Pro­zent aller hier in die­sem Zeit­raum doku­men­tier­ten Zusam­men­stö­ße. Allein 29 pas­sier­ten an der Aus­fahrt zur Hafen­stra­ße, 28 an der Aus­fahrt zur Molt­ke­stra­ße, 16 an der in Rich­tung Ham­mer Stra­ße, 10 an der Ein­mün­dung zur Lud­ge­ristra­ße und 6 an der Abzwei­gung zur Schorlemerstraße. 

Falls Sie beim Blick auf die Kar­te irri­tiert sind: Die Über­sicht fasst die Unfäl­le an der Hafen­stra­ße und der Schor­le­mer­stra­ße zusam­men. Aber wenn man sich die Fäl­le ein­zeln ansieht, sind die genau­en Orte zu erkennen. 

Man fragt sich nun: Wis­sen Stadt und Poli­zei denn davon gar nichts? Doch, natür­lich, sie wis­sen bes­tens Bescheid. Das Pro­blem ist seit Jah­ren bekannt, aber man bekommt es nicht unter Kontrolle. 

Hier die kur­ze Geschich­te eines bis­lang ver­geb­li­chen Versuchs: 

Den Krei­sel gibt es seit 1936. Vor­her bestand an die­ser Stel­le allen­falls die Gefahr, von einer Stra­ßen­bahn über­rollt zu wer­den, wie die­ses alte Foto zeigt. Nach dem Krieg brei­te­te der Ver­kehr sich aus, in den 1970er-Jah­ren war er schon zum Pro­blem gewor­den. Die Stadt plan­te eine Kreu­zung mit Unter­füh­rung. Doch, Sie ahnen es, dar­aus wur­de nichts. 

Kurz nach der Jahr­tau­send­wen­de hat­te man einen neu­en Plan. Vor allem die CDU woll­te an die­ser Stel­le eine Tief­ga­ra­ge bau­en, aber sie rech­ne­te nicht mit dem gro­ßen Wider­stand, der sich gegen das Pro­jekt for­mier­te und den amtie­ren­den Ober­bür­ger­meis­ter Bert­hold Till­mann (CDU) bei­na­he sei­ne Wie­der­wahl gekos­tet hät­te. Als sich im Jahr 2004 nach der Kom­mu­nal­wahl her­aus­stell­te, dass es auf eine Stich­wahl zwi­schen Till­mann und Chris­toph Sträs­ser (SPD) hin­aus­lau­fen wür­de, begrub Till­mann das Pro­jekt und gewann die Wahl. 

Im glei­chen Jahr pas­sier­te im Krei­sel seit Lan­gem wie­der ein töd­li­cher Unfall. Es ist einer von drei­en seit dem Bau des Kreis­ver­kehrs. Die SPD unter­nahm in der Bezirks­ver­tre­tung den Ver­such, den Ver­kehr an die­ser Stel­le siche­rer zu machen. Doch dann blieb erst mal wie­der alles, wie es war. Im Jahr 2008 bau­te Stadt den Krei­sel um. Seit­dem gibt es Schutz­strei­fen für den Rad­ver­kehr, die so beliebt sind, dass auch Autos sie ger­ne mit­nut­zen. Außer­dem bau­te man soge­nann­te Hol­per­flä­chen, mit denen das Tief­bau­amt herz­lich die Stoß­dämp­fer der über sie hol­pern­den Autos grüßt. Und man stell­te mehr Stopp­schil­der auf. 

Wie sich die Unfall­zah­len in den Jah­ren dar­auf ent­wi­ckel­ten, zeigt eine Über­sicht, die die Stadt­ver­wal­tung im Jahr 2009 erstell­te, als die CDU einen Bericht über die Ent­wick­lung am Lud­ge­ri­k­rei­sel sehen woll­te. Laut die­ser Über­sicht pas­sier­ten im Krei­sel zwi­schen 2000 und 2008 jähr­lich zwi­schen 100 und 130 Unfäl­le mit pro Jahr etwa 10 bis 20 Ver­letz­ten. Die häu­figs­ten Unfall­ar­ten waren: Fahr­rad fährt auf Auto auf (22 Pro­zent). Auto über­sieht Fahr­rad bei der Aus­fahrt aus dem Kreis­ver­kehr (16 Pro­zent). Und: Auto über­sieht Fahr­rad auf den Fuß­gän­ger­über­we­gen (15 Prozent).

Seit­dem hat sich am Krei­sel nicht viel ver­än­dert. Zwi­schen­durch gab es immer wie­der Ideen dazu, wie man die Situa­ti­on in den Griff bekom­men könn­te. Ein Vor­schlag war: mit einem soge­nann­ten Hoven­ring, wie man ihn aus den Nie­der­lan­den kennt, gewis­ser­ma­ßen ein zwei­ter Kreis­ver­kehr für Fahr­rä­der, der über dem eben­erdi­gen Krei­sel schwebt. Zuletzt schlug vor zwei Jah­ren jemand in einem Leser­brief an die Zei­tung vor, doch ein­fach Ampeln auf­zu­stel­len. Aller­dings ist ein Kreis­ver­kehr ja gera­de der Ver­such, von den Ampeln weg­zu­kom­men. Und so blieb es auch in die­sem Fall bei einer Idee. 

Und wie geht es jetzt wei­ter? Fragt man in der Poli­tik oder der Stadt­ver­wal­tung her­um, hört man: Tja, der Lud­ge­ri­k­rei­sel, da traut sich kei­ner so rich­tig ran. Am Mon­tag­mit­tag haben wir die Stadt auch offi­zi­ell gefragt, ob es für den Kreis­ver­kehr zur­zeit irgend­wel­che Plä­ne gibt. Eine Ant­wort haben wir noch nicht. Wenn es um den Krei­sel geht, scheint alles etwas län­ger zu dau­ern. Sobald die Ant­wort kommt, rei­chen wir sie natür­lich sofort nach. 

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In aller Kürze

+++ Seit Sams­tag gilt in der Innen­stadt auch in den Geschäf­ten die 2G-Regel. Ich selbst hat­te am Sams­tag­mor­gen in einem grö­ße­ren Kauf­haus im Zen­trum kurz das Gefühl, die wich­tigs­te Ände­rung sei, dass die 2G-Schil­der jetzt gut sicht­bar am Ein­gang hän­gen. Aber wir haben das ges­tern im Lau­fe des Tages noch ein­mal über­prüft. Mitt­ler­wei­le kommt man ohne Impf­nach­weis in so gut wie kei­nen Laden und auch in kein Café mehr. Wenn Sie ande­re Erfah­run­gen machen, schrei­ben Sie uns.

+++ Vor zwei Tagen ist in der Tages­zei­tung taz ein Inter­view mit unse­rer Kolum­nis­tin Mari­na Weis­band erschie­nen. Dar­in spricht sie über ihre Krank­heit, deren Name aus fünf Buch­sta­ben besteht: ME/CFS, das chro­ni­sche Erschöp­fungs­syn­drom oder in vol­ler Län­ge: Myal­gi­sche Enzephalomyelitis/das Chro­ni­sches Fati­gue Syn­drom. Ihre Sym­pto­me beschreibt Mari­na Weis­band wie das Gefühl einer stän­di­gen schwe­ren Grip­pe, nur ohne Hus­ten und Schnup­fen. In Deutsch­land haben etwa eine Vier­tel­mil­li­on Men­schen die­se Krank­heit. In Müns­ter gibt es eine Selbst­hil­fe­grup­pe, aber noch kei­ne Anlauf­stel­le für Betrof­fe­ne. Mit einem offe­nen Brief an die Uni­kli­nik wol­len Ärz­te und Betrof­fe­ne errei­chen, dass sich das ändert. Als ers­ten Schritt schla­gen sie einen Run­den Tisch vor.

​​+++ Das Dilem­ma der Ver­kehrs­füh­rung in der Müns­ter ist gut zu erken­nen, wenn man von oben auf die Stadt schaut: „Tief im Stadt­kern ver­an­ker­te Park­häu­ser“, schrieb der Fahr­ra­dak­ti­vist Ste­fan Blu­me ges­tern bei Twit­ter zu einer Gra­fik, die das Pro­blem illus­triert. Die Wind­thorst­stra­ße die­ne fast aus­schließ­lich als Zubring­er­weg für Autos, die ins Park­haus woll­ten. Joa­chim Bren­del, Ver­kehrs­ex­per­te der Indus­trie und Han­dels­kam­mer in Müns­ter, kom­men­tier­te: „Ja, die Lage berei­tet Pro­ble­me, wenn der Zufluss wei­ter unge­steu­ert bleibt.“ Das kön­ne man aber tech­nisch in den Griff bekom­men. Ein Pro­blem sei, dass die Stra­ße auch die Zufahrt zur Rapha­els­kli­nik sei. Das mache die Beschrän­kung nicht leich­ter. Blu­me wand­te ein, eine Beschrän­kung wer­de nicht aus­rei­chen. Man müs­se die abso­lu­te Zahl an Autos redu­zie­ren. Und an die­ser Stel­le steckt die Dis­kus­si­on bis­lang wei­ter im Stau.

+++ Die seis­mi­schen Mes­sun­gen im Müns­ter­land, über die wir am ver­gan­ge­nen Diens­tag im RUMS-Brief berich­tet haben, sind seit dem Wochen­en­de abge­schlos­sen, mel­det der Geo­lo­gi­sche Dienst Nord­rhein-West­fa­len in einer Pres­se­mit­tei­lung.

+++ Bei einem Coro­na-Aus­bruch in der Kita muss nur das infi­zier­te Kind in Qua­ran­tä­ne – alle ande­ren nicht, auch wenn nicht unwahr­schein­lich ist, dass ande­re Men­schen sich längst ange­steckt haben. In der Kita St. Ursu­la in Rox­el ist das pas­siert. Mitt­ler­wei­le gibt es acht bestä­tig­te Infek­tio­nen. Die Jour­na­lis­tin Nico­le Albers hat ein Kind in der Kita. Doch im Moment sitzt die gan­ze Fami­lie zu Hau­se in Qua­ran­tä­ne. Am Mon­tag berich­te­te sie in einem Bei­trag im Deutsch­land­funk (ab Minu­te 12) über die für sie unbe­frie­di­gen­de Situa­ti­on. Bei der Stadt heißt es, man hal­te sich ledig­lich an die Regeln. Bei den Kita-Eltern gehen die letz­ten Gedulds­vor­rä­te lang­sam zur Neige. 

+++ Die schei­den­de Kul­tur­staats­se­kre­tä­rin Moni­ka Grüt­ters (CDU) hat in einem Inter­view mit den West­fä­li­schen Nach­rich­ten das Offen­sicht­li­che aus­ge­spro­chen und damit in Müns­ter für gro­ße Ver­wun­de­rung gesorgt. Aus Sicht des Bun­des sei der Musik-Cam­pus eher ein „regio­na­les Pro­jekt, wie es eini­ge gibt in Deutsch­land“, sag­te sie. Bis­lang hat­te man im Rat­haus offen­bar noch die klei­ne Hoff­nung, dass ein Kon­gress­saal, in dem auch Kon­zer­te statt­fin­den, mit ange­glie­der­ter Musik­schu­le in Ber­lin für etwas über die Gren­zen hin­aus Ein­ma­li­ges gehal­ten wer­den könn­te – und damit auch dem Bund einen dicken För­der­scheck wert sei. Müns­ters SPD-Frak­ti­ons­chef Mari­us Her­wig sagt dazu nun via Pres­se­mit­tei­lung, die Äuße­run­gen läsen sich „wie ein ers­ter Sarg­na­gel“ für das Pro­jekt. Sie lie­ßen Zwei­fel dar­an auf­kom­men, ob die vom Ober­bür­ger­meis­ter in Aus­sicht gestell­ten För­der­gel­der von Bund und Land nicht nur Wort­hül­sen sei­en. Mar­kus Lewe gebe wei­ter kei­ne Ant­wort auf Fra­gen zum Kon­zept und zur Finan­zie­rung, die schon seit Jah­ren im Raum stün­den. Die CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Simo­ne Wend­land ant­wor­te­te, eben­falls in einer Pres­se­mit­tei­lung, die SPD wol­le den Musik-Cam­pus kaputt­re­den. Die Koali­ti­on habe ver­spro­chen, das Pro­jekt wei­ter­zu­ver­fol­gen. Dar­auf müss­ten Uni und Stadt sich jetzt auch ver­las­sen kön­nen. Fort­set­zung folgt…

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Korrekturen und Ergänzungen

Im RUMS-Brief am Frei­tag haben wir die Aus­stel­lung zum Film „Alle Jah­re wie­der“ emp­foh­len, die bis Ende Febru­ar im Stadt­mu­se­um zeigt, wie die Schau­plät­ze des Films heu­te aus­se­hen. Bei der Gele­gen­heit haben wir auch einen Tipp gege­ben, wo man den Film heu­te noch bekommt (LWL-Shop oder Ama­zon Prime). Was wir danach erst vom RUMS-Leser Klaus Brock­mei­er erfuh­ren: Sie kön­nen den Film auch von zu Hau­se schau­en, ohne den Film zu kau­fen oder Ama­zon-Kun­de zu wer­den. Dazu brau­chen Sie nur einen Stadt­bü­che­rei-Aus­weis. Der kos­tet im schlech­tes­ten Fall zwei Euro im Monat. Mit ihren Nut­zer­da­ten kön­nen Sie sich kos­ten­los auf der Platt­form Film­friend anmel­den. Das ist sozu­sa­gen das Net­flix der öffent­li­chen Bibliotheken. 

Heu­te Mor­gen kam gleich noch ein Hin­weis, und zwar RUMS-Leser David Klu­ge. Er ist Redak­teur des Kino­kul­tur-Maga­zins Films und weiß daher – das hat­ten wir eben­falls unter­schla­gen –, dass der Film seit 24 Jah­ren im Dezem­ber im Film­club im Schloss­thea­ter läuft. Nächs­ter Ter­min: 22. Dezem­ber. Tickets bekom­men Sie hier.

Und weil ja bald Weih­nach­ten ist, wie Sie hof­fent­lich schon wis­sen, dazu hier noch eine wei­te­re Emp­feh­lung. Thors­ten Hen­nig-Thurau, Mar­ke­ting-Pro­fes­sor, Film­ex­per­te und Initia­tor der Aus­stel­lung im Stadt­mu­se­um, hat vor einem Jahr ein Buch zu Ulrich Scha­mo­nis Klas­si­ker ver­öf­fent­licht, einen fil­mi­schen Stadt­rund­gang zu den Orten, an denen „Alle Jah­re wie­der“ ent­stan­den ist – mit vie­len Men­schen, die Sie aus Müns­ter ken­nen: mit Götz Als­mann, Stef­fi Ste­phan oder mit unse­rer Kolum­nis­tin Mari­na Weis­band. Sie ist auch auf dem Cover zu sehen.

Corona-Update

Die Viro­lo­gin Lin­da Bru­not­te von der Uni Müns­ter hält die Omi­kron-Vari­an­te der Coro­na­vi­ren für wahr­schein­lich nicht gefähr­li­cher als den Vor­gän­ger Del­ta. In einem von der Uni selbst ver­öf­fent­lich­ten Inter­view wies sie jedoch gleich­zei­tig dar­auf hin, dass vie­les über die Vari­an­te noch nicht bekannt sei. Der ame­ri­ka­ni­sche Exper­te Antho­ny Fau­ci kommt zu einer ähn­li­chen Ein­schät­zung. Er ist sich sogar aller­dings „nahe­zu sicher, dass sie (Omi­kron, Anm. RUMS) nicht schlim­mer ist als Del­ta“, sag­te er der Nach­rich­ten­agen­tur AFP.

Die Inzi­denz in Müns­ter ist wie immer am Diens­tag nach dem Mel­de­loch vom Wochen­en­de leicht gestie­gen. Die Stadt mel­det heu­te einen Wert von 144,4 (Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche). Ges­tern waren es 136,9. Seit­dem sind 34 Neu­in­fek­tio­nen dazu gekom­men. Damit gel­ten in der Stadt momen­tan 814 Men­schen als infi­ziert. 32 lie­gen im Kran­ken­haus, elf auf der Inten­siv­sta­ti­on, neun wer­den beatmet. 

Für Auf­fri­schungs­imp­fun­gen gibt es seit heu­te eine neue Frist. Ab sofort kön­nen sich auch Men­schen einen Boos­ter holen, deren letz­te Imp­fung fünf Mona­te zurück­liegt, beim Impf­stoff John­son & John­son sind es wei­ter vier Wochen, schreibt die Stadt. Freie Ter­mi­ne gibt es wei­ter im Jovel. Ter­min­bu­chung hier.

Mor­gen impft das mobi­le Team der Stadt Men­schen über 30 (Vor­aus­set­zung: nicht schwan­ger) zwi­schen 13 und 16:30 Uhr im Pfarr­zen­trum St. Josef an der Kris­ti­an­sand­stra­ße in Kin­der­haus. Am Don­ners­tag ist das Impf­team von 13 bis 17 Uhr da. Impf­stoff: Moder­na. Wei­te­re Infos fin­den Sie hier.

Unbezahlte Werbung

Wir keh­ren noch ein­mal zurück zum Weih­nachts­markt am Har­se­win­kel­platz. Heu­te aus­nahms­wei­se mit zwei Emp­feh­lun­gen, weil der Weg sich ja auch loh­nen soll. Wenn Sie aus Rich­tung Wind­thorst­stra­ße kom­men und auf dem Platz an den Kir­schen von Tho­mas Schüt­te vor­bei­lau­fen, dann haben Sie den Glüh­wein­stand schon im Blick. Rechts davon sehen Sie eine, nun ja, Pom­mes­bu­de. Es ist aber kei­ne nor­ma­le Pom­mes­bu­de, son­dern eine, in der zwei Men­schen, die aus der Land­wirt­schaft kom­men, Sarah und David, die Kar­tof­feln am Stand frisch schnei­den und dann zwei­mal frit­tie­ren. Das schmeckt man. Hei­ße Emp­feh­lung von uns. 

Wenn Sie danach noch etwas zu essen mit nach Hau­se neh­men möch­ten, dann fra­gen Sie sich durch zur Super-Food-Bude (Hüt­te 5, Rich­tung Stu­ben­gas­se). Dort bekom­men Sie Lebens­mit­tel, die frei von Pes­ti­zi­den, Dün­ger oder Gen­tech­nik sind, ange­baut am Schle­e­brüg­gen­kamp im Nor­den von Müns­ter. Falls Sie sich dar­un­ter nichts vor­stel­len kön­nen, hier kön­nen Sie sich das Sor­ti­ment anse­hen. Es besteht aus Wei­zen­gras, Komats­u­na, Mizu­na oder auch ganz her­kömm­li­chem Gemü­se wie Radies­chen, Brok­ko­li oder Grün­kohl. Und falls Sie es nicht schaf­fen, zum Weih­nachts­markt zu kom­men, hät­ten wir auch eine Lösung. Auf der Sei­te mit dem Sor­ti­ment kön­nen Sie alles auch bestellen. 

Drinnen und draußen

In das inzwi­schen lei­der wie­der immer über­schau­ba­rer wer­den­de Ver­an­stal­tungs­an­ge­bot hat Johan­ne Burk­hardt sich ein­ge­ar­bei­tet. Das hier sind ihre Empfehlungen. 

+++ Wie gut ken­nen Sie das Müns­ter­land? Egal, wie Ihre Ant­wort lau­tet, beim digi­ta­len Zoom-Quiz am Mitt­woch kön­nen Sie Ihr mehr oder weni­ger beein­dru­cken­des Müns­ter­land-Wis­sen unter Beweis stel­len. Die Quiz-Kate­go­rien rei­chen von Schlös­sern und Bur­gen über die bes­ten Reit­we­ge, hin zu kurio­sem Nischen­wis­sen. Los geht es um 19:30 Uhr. Wenn Sie sich hier anmel­den, kön­nen Sie kos­ten­los mitraten.

+++ Und dann noch ein Tipp, den Sie bequem von Zuhau­se aus genie­ßen kön­nen. Die neue 3Sat-Doku „Fic­tions for Future – von der Apo­ka­lyp­se ler­nen“, geht dys­to­pi­schen Kul­tur­klas­si­kern wie „The Wal­king Dead“, „The Day After Tomor­row“ oder der Matrix-Tri­lo­gie auf die Spur: Was fas­zi­niert uns am Unter­gang? Und was kön­nen wir aus den fik­ti­ven Sze­na­ri­en lernen?

Zum Schluss noch zwei Emp­feh­lun­gen von mir:

+++ Ein Film­tipp: Am Sams­tag um 20:15 Uhr läuft im ZDF der neue Wils­berg („Einer von uns“). Zum ers­ten Mal mit Patri­cia Mee­den als Anwäl­tin Dr. Tes­sa Til­ken, die ein­steigt, nach­dem Ina Pau­le Klink aus­ge­stie­gen ist. Die Sto­ry ist natür­lich wie immer eher neben­säch­lich, aber für die Chro­nik: Der Jour­na­list Sebas­ti­an Niel­sen ist ver­schwun­den, es gibt eine Blut­spur und eine Dro­hung. War es Mord? Viel­leicht haben Sie schon eine Ahnung. Und war­um schrei­be ich das schon am Diens­tag? Sie kön­nen sich den Film auch schon vor­her anse­hen. Er steht bereits in der ZDF-Media­thek.

+++ Die zwei­te Emp­feh­lung ist eben­falls ein Ter­min am Wochen­en­de, der unter Umstän­den schon heu­te rele­vant ist – jeden­falls, wenn Sie selbst mit­ma­chen möch­ten. An der Over­berg­schu­le im Han­sa­vier­tel fin­det am Sams­tag von 10 bis 16 Uhr ein Spen­den-Floh­markt statt. Die Ein­nah­men aus den Stand­ge­büh­ren, den Geträn­ken und dem Waf­fel­ver­kauf gehen an die Geflüch­te­ten­hil­fe Collec­ti­ve Aid. Einen Stand buchen kön­nen Sie hier.

Am Frei­tag holt Con­stan­ze Busch für Sie ihren Fül­ler aus der Schub­la­de, der Brief kommt aber natür­lich wie immer trotz­dem digi­tal. Haben Sie eine schö­ne Woche. 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Johan­ne Burkhardt


PS

Den Ver­ein Code for Müns­ter, der aus Daten nütz­li­che Anwen­dun­gen baut, haben wir oben schon vor­ge­stellt. Eine der Anwen­dun­gen habe ich mir für den Schluss auf­ge­ho­ben. Es ist ein klei­nes Spiel, mit dem Sie tes­ten kön­nen, wie gut Sie Müns­ter ken­nen. Schnell erklärt: Auf dem Bild­schirm sehen Sie den Namen eines Stadt­teils. Auf einer Kar­te müs­sen Sie ihn dann zuord­nen. Die Zeit läuft. Das Spiel heißt „Click that Hood“. Sie fin­den es hier. Und falls Sie jetzt den­ken, das kann doch nicht so schwer sein – ja, das dach­te ich auch. 

PPS

Der groß­ar­ti­ge Geschich­ten­er­zäh­ler Hen­ning Stoff­ers hat ein neu­es Buch ver­öf­fent­licht, und weil ich im Her­zen auch Ser­vice-Jour­na­list bin, lie­fe­re ich Ihnen heu­te ein mög­li­ches Weih­nachts­ge­schenk nach dem nächs­ten. Es ist der zwei­te Band einer Rei­he mit Titel „Müns­ter – Men­schen, Geschich­ten und Erin­ne­run­gen“, und es geht zum Bei­spiel um die Geschich­te des Wein­hau­ses Nie­mer in der Salz­stra­ße, an das heu­te noch ein unschein­ba­rer Ein­gang neben der Dro­ge­rie Ross­mann erin­nert. Die­ser Ein­gang führt über eine Trep­pe in eine ande­re Welt, auch heu­te noch, erzähl­te Hen­ning Stoff­ers mir ein­mal. Über die Geschich­te des Wein­hau­ses hat er einen sehr schö­nen Text mit vie­len alten Bil­dern in sei­nem Blog geschrie­ben. Das neue Buch kön­nen Sie hier bestel­len, den ers­ten Band fin­den Sie hier.