Ein Abend auf der Corona-Demo | Ein Gespräch mit dem Politik-Professor Bernd Schlipphak | Die Glocke

Müns­ter, 22. Febru­ar 2022

Guten Tag,

Mon­tag­abend, kurz vor halb acht. Der Pro­test­zug biegt am Geist­markt in die Ham­mer Stra­ße ein. Vor eini­gen Minu­ten hat es wie­der ange­fan­gen zu reg­nen. In der Kur­ve pus­ten Wind­bö­en den Nie­sel in die Men­ge. Vor­an gehen drei Män­ner mit einem Ban­ner: „Geimpft trifft Unge­impft – Alle sind will­kom­men.“ Einer von ihnen hat sich noch ein zwei­tes Schild umge­hängt. Auf ihm steht: „Kopf kalt & Herz warm – Für eine freie Entscheidung“. 

Zwei Boxen in einem Bol­ler­wa­gen spie­len Elec­troswing. Von wei­tem klingt es wie eine Par­ty, die sich in Bewe­gung gesetzt hat und nun immer näher kommt. Men­schen schau­en von oben aus ihren Fens­tern auf die Stra­ße. Eini­ge schei­nen sich zu fra­gen, was denn da los ist, ande­re haben den Zug schon erwar­tet. An der Geist­stra­ße, weni­ge Minu­ten zuvor, dreh­te jemand die Anla­ge auf und spiel­te durchs offe­ne Fens­ter Zir­kus­mu­sik. In Höhe der Kur­zen Stra­ße rief ein Mann aus der Dun­kel­heit: „Ver­pisst euch!“ 

Ein paar Meter wei­ter war­ten zwei jun­ge Män­ner und eine Frau mit einem wei­ßen Bett­la­ken am Stra­ßen­rand, auf das sie geschrie­ben haben: „Für Grund­rech­te spa­ziert mensch NICHT mit Holocaustleugner*innen!“ Eine jun­ge Frau von der Gegen­sei­te streckt den Drei­en im Vor­bei­ge­hen ein Schild mit vier Wör­tern ent­ge­hen: „Say no to Fascism!“ Eine ande­re Frau trägt die Bot­schaft „Gegen Nazis!“ vor­bei. Viel­leicht ein Miss­ver­ständ­nis? Zufäl­lig in den fal­schen Pro­test­zug gera­ten? Nein, das geht nun schon seit Wochen so. 

Sensor mit brachialem Namen

Immer mon­tags tref­fen die Grup­pen auf­ein­an­der. Dann ste­hen sie sich in Sicht­wei­te gegen­über. Die einen auf dem Dom­platz, die ande­ren am Durch­gang zum Prin­zi­palmarkt. Vor dem Dom ver­sam­melt sich die Grup­pe, die an dem „ange­mel­de­ten Spa­zier­gang“ der Initia­ti­ve „Gemein­sam für Grund­rech­te“ teil­nimmt. Ges­tern waren es laut Poli­zei 610 Men­schen. Auf ihren Pla­ka­ten ist zu lesen: „Wir ste­hen auf für eine freie Imp­f­ent­schei­dung.“ Gegen­über for­miert sich das Bünd­nis „Kei­nen Meter den Nazis“; dort zähl­te die Poli­zei ges­tern 70 Menschen. 

Das Bünd­nis grün­de­te sich vor zehn Jah­ren, um ein Zei­chen gegen Neo­na­zis zu set­zen, die damals durch Müns­ters Nor­den mar­schier­ten. Danach blieb es, auch der Name. Seit­dem tritt das Bünd­nis immer dort in Erschei­nung, wo sich rechts­ex­tre­mis­ti­sche Ten­den­zen andeu­ten. Es demons­trier­te gegen die AfD, als vie­le sie noch für eine schrä­ge Pro­fes­so­ren-Par­tei hiel­ten. Am Ende behielt das Bünd­nis Recht. Es war eine Art Sen­sor, aller­dings mit einem recht bra­chia­len Namen, der dem Ziel viel­leicht auch ein biss­chen im Weg steht. Wenn auf der einen Sei­te das Bünd­nis „Kei­nen Meter den Nazis“ demons­triert, ist das auch eine Aus­sa­ge über die Gegen­sei­te. Stimmt die­se Aus­sa­ge in die­sem Fall?

Normalisierung rechtsextremer Positionen

Ja und nein. Eine rechts­ex­tre­me Strö­mung gibt es. In Müns­ter läuft Woche für Woche die AfD mit. In zwei Fäl­len hef­te­ten Demons­trie­ren­de sich Juden­ster­ne an die Mas­ke oder die Klei­dung. Eine in der ver­gan­ge­nen Woche ver­öf­fent­lich­te Unter­su­chung für Deutsch­land kommt zu dem Ergeb­nis, dass die Bereit­schaft, an den mon­täg­li­chen Pro­tes­ten teil­zu­neh­men, bei Men­schen beson­ders groß ist, die die AfD wäh­len oder gar nicht. Das führt laut der Stu­die dazu, dass rechts­ex­tre­me Posi­tio­nen nor­ma­li­siert werden. 

Ande­rer­seits ent­spricht das zumin­dest dem Anschein nach nicht dem Selbst­ver­ständ­nis vie­ler Men­schen, die an den Demons­tra­tio­nen teil­neh­men. Sie hal­ten sich nicht für rechts­ex­trem, schon gar nicht für Nazis. Teil­wei­se distan­zie­ren sie sich aus­drück­lich davon. Auch in Müns­ter. Auch in die­ser Woche. Ist es trotz­dem ange­mes­sen, die­ses dras­ti­sche Wort zu ver­wen­den, um auf die Gefahr hinzuweisen? 

Am Mon­tag­abend um Vier­tel vor sie­ben liest eine Frau, die sich als Sibyl­le Rosen­ber­ger vor­stellt, auf dem Dom­platz einen Leser­brief vor, den sie erfolg­los an die West­fä­li­schen Nach­rich­ten geschickt hat. Bei einer der vor­he­ri­gen Ver­an­stal­tun­gen hat­te die Poli­zei eine jun­ge Frau, die kei­ne Mas­ke trug, dazu auf­ge­for­dert, ihr Attest vor­zu­zei­gen, so erzählt Sibyl­le Rosen­ber­ger es. Die Frau habe ein digi­ta­les Doku­ment vor­ge­legt, das vor­her immer aus­ge­reicht habe. Nun aber bekam sie eine Straf­an­zei­ge. Das stand spä­ter so in einer Zeitungsmeldung.

Sibyl­le Rosen­ber­ger fragt, was man denn da noch glau­ben sol­le. Sie sei von Beruf Media­to­rin, Streit­schlich­te­rin für Erwach­se­ne. „Und in die­sem wun­der­ba­ren Beruf ist eine der wich­tigs­ten Grund­sät­ze und Kom­pe­ten­zen: Wahr­haf­tig­keit.“ Ihr Ver­trau­en in die Bericht­erstat­tung sei erschüt­tert. „Was stimmt denn noch von dem, was uns hier erzählt wird?“, fragt sie. Als sie dann noch anfügt: „Und war­um brül­len die Gegen­de­mons­tran­ten uns immer wie­der ent­ge­gen: Nazis raus?“, setzt aus der Fer­ne ein Sprech­chor ein: „Nazis raus! Nazis raus!“ Er geht im Applaus unter. Und im Unverständnis. 

„Wofür eigentlich? Wofür?“ 

Aber geht es denn hier nicht eigent­lich um die Impf­pflicht? So steht es jeden­falls auf den Pla­ka­ten, Ban­nern und auf den Schil­dern, die in der Mit­te auf dem Pflas­ter lie­gen: „Für eine freie Imp­f­ent­schei­dung.“ Das ist immer wie­der zu lesen. Aber ist das The­ma Impf­licht nicht so gut wie erle­digt? Der FDP-Finanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Lind­ner hat gesagt, eine all­ge­mei­ne Impf­pflicht ab 18 sei kein Regie­rungs­pro­jekt. Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­dent Wolf­gang Kubicki ist der Ansicht, die Impf­pflicht sei „tot“.

Es könn­te sein, dass inzwi­schen auf bei­den Sei­ten Men­schen demons­trie­ren, die eine Impf­pflicht ableh­nen. Am 20. März sol­len die meis­ten Coro­na­re­geln fal­len. Wäre dann nicht das erreicht, um was es hier geht?

Eine Ant­wort auf die­se Fra­ge gibt Kay Kort­haus Minu­ten spä­ter. Kort­haus sieht aus wie jemand, der nicht so schnell aus der Ruhe gerät. Er ist ein guter Red­ner und einer der Men­schen, die den Pro­test­zug orga­ni­siert haben. Kort­haus spricht Woche für Woche auf dem Dom­platz. Beim letz­ten Mal hat er gesagt, es gehe hier nicht nur ums Imp­fen, son­dern auch um ande­re The­men, um die stei­gen­den Prei­se zum Bei­spiel, die den Men­schen zu schaf­fen mach­ten. Jetzt sagt er, es gehe um die gan­ze Situa­ti­on in die­sem Land. „Ich weiß nicht, wer von euch die­ser Regie­rung noch glaubt.“ Er jeden­falls glau­be nicht, dass sich am 20. März etwas ändern wer­de. „Ich glau­be nicht, dass ein Free­dom Day kommt.“ Und was für eine Frei­heit sol­le das denn über­haupt sein? Man wer­de ja immer noch „die­se ver­damm­te Mas­ken­pflicht in den Innen­räu­men“ haben. „Wofür eigent­lich? Wofür?“ 

Zu Beginn hat Kort­haus über Kana­da gespro­chen, wo die Regie­rung wegen der Pro­tes­te gegen die Coro­na­re­geln den Aus­nah­me­zu­stand ver­hängt hat. Im Publi­kum sah man Kana­da-Flag­gen. Es sei ein­fach „nur noch Tyran­nei“, sag­te Kort­haus. Aber so sei das nun mal. „Die­ses Sys­tem, was dahin­ter steht, das inter­es­siert sich nicht für die Gesund­heit oder das Wohl einer Bevöl­ke­rungs­grup­pe.“ Für die­se Leu­te sei­en alle Men­schen „nichts wei­ter als klei­ne Droh­nen, die man hin- und her­schi­cken kann, die viel­leicht Steu­er­geld her­an­kar­ren sol­len“. Dann ging es auch noch um Bill Gates, dem ein Mit­strei­ter von Kort­haus laut den West­fä­li­schen Nach­rich­ten unter­stellt hat­te, er wol­le die Welt­be­völ­ke­rung ver­klei­nern. Auf Nach­fra­ge hat­te der Mann das mit dem Satz kom­men­tiert: „Ich weiß das nicht, aber es klingt nicht unglaubwürdig.“ 

Muster von Verschwörungserzählungen

Nun sagt Kort­haus, Bill Gates sei bei der Sicher­heits­kon­fe­renz in Mün­chen auf­ge­tre­ten. Das ist rich­tig. Falsch ist, dass irgend­wer berich­tet habe, Gates wol­le ein wei­te­res Virus frei­set­zen. Viel­leicht ist die For­mu­lie­rung Absicht, viel­leicht hat Kort­haus sich ver­spro­chen. Mög­li­cher­wei­se mein­te er eine Mel­dung, in der stand, dass Gates nach Coro­na eine wei­te­re Pan­de­mie pro­gnos­ti­ziert. Das sol­le man auf kei­nen Fall glau­ben, sagt Kort­haus. „Für mich ist die Sache eine rie­si­ge Angst­ku­lis­se, die da gera­de auf­ge­fah­ren wird.“ Kort­haus sagt: „Wir sind im Prin­zip die­je­ni­gen, die alles tra­gen. Die da oben brau­chen uns, nicht umgekehrt.“ 

Die da oben, wir hier unten. Die kor­rup­ten Eli­ten. Das außer Kon­trol­le gera­te­ne Sys­tem, das sich auf Kos­ten der klei­nen Leu­te berei­chert. Das ist das Mus­ter von Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen. Und auch wenn es pro­ble­ma­tisch sein mag, all die­se Men­schen, die aus unter­schied­li­chen Grün­den gekom­men sind, in die Nähe von Nazis zu rücken, muss man eines deut­lich sagen: Eine gro­ße Mehr­heit die­ser Men­schen applau­diert zu Verschwörungstheorien. 

Als der Zug gegen Vier­tel vor acht vor dem Haupt­bahn­hof stoppt, nimmt Björn Weg­ner das Mikro­fon. Ein jun­ger, schlak­si­ger Mann mit blon­dem Pfer­de­schwanz. Auch er gehört zum Ver­an­stal­tungs­team. Anders als die meis­ten Teil­neh­men­den trägt er kei­ne Mas­ke. Zu Beginn der Ver­an­stal­tung auf dem Dom­platz hat­te ein Poli­zist ihn gebe­ten, sich eine auf­zu­set­zen. Weg­ner sah den Mann ent­geis­tert an und sag­te, er sei jetzt seit elf Wochen dabei, immer ohne Mas­ke, er habe ein Attest. Der Poli­zist sag­te: „Ich ken­ne Sie nicht.“ Weg­ner zeig­te das Doku­ment. Er blieb betont freundlich. 

Spä­ter ging Weg­ner auf Men­schen am Stra­ßen­rand zu, die nicht ganz so freund­lich blie­ben. Er rede­te mit ihnen, höf­lich und kon­trol­liert. So spricht er auch jetzt vor dem Bahn­hof. Er erzählt von einem Gespräch mit einem jun­gen Mann kurz zuvor, der geru­fen habe, sie soll­ten sich nicht mit Nazis zusam­men­tun. Das Gespräch sei frucht­bar gewe­sen. „Er hat­te eine voll­kom­men ande­re Sicht­wei­se als ich. Und das tole­rie­re und akzep­tie­re ich auch“, sag­te Weg­ner. Der Mann habe das auch tole­riert und akzep­tiert. Einen klei­nen Sei­ten­hieb kann er sich aber doch nicht ver­knei­fen. Auf Nach­fra­ge habe der Mann lei­der kei­ne kon­kre­te Coro­na-Stu­die benen­nen kön­nen, die bele­ge, was er den­ke. Das fin­de er scha­de, sag­te Weg­ner – als wären die Posi­tio­nen hier das Ergeb­nis eines aus­führ­li­chen Stu­di­ums von wis­sen­schaft­li­chen Arbeiten.

Erst der Glaube, dann die Argumente

Tat­säch­lich deu­tet eini­ges dar­auf hin, dass sich in die­ser Sache vie­les jen­seits von Fak­ten abspielt. Der Hirn­for­scher Ger­hard Roth sag­te im Dezem­ber in einem Inter­view mit dem Spie­gel, in 40 Jah­ren For­schung habe sich durch­gän­gig gezeigt, dass nicht der Ver­stand ent­schei­de, wie der Mensch sich in Unsi­cher­heit ver­hält, son­dern das Gefühl. Der Wis­sen­schafts­his­to­ri­ker Micha­el Sher­mer for­mu­lier­te es in sei­nem Buch über poli­ti­sche Über­zeu­gun­gen mit dem Titel „The Belie­ving Brain“ in etwa so: Erst kommt der Glau­be, dann kom­men die Argu­men­te. Und Argu­men­te fin­den sich immer. 

Inzwi­schen muss sogar Ange­la Mer­kel her­hal­ten, über die es auf den Demos im ver­gan­ge­nen Jahr noch hieß: „Mer­kel muss weg!“ Am Mon­tag­abend spricht sie selbst aus den Boxen, vom Band und unter­legt mit Musik. Es sind immer wie­der die glei­chen Zita­te. Eines lau­tet: „Es gibt Momen­te, in denen Unge­hor­sam eine Pflicht sein kann.“

Auf dem Rück­weg vom Bahn­hof zum Dom­platz kommt es kurz vor Schluss noch zu einem klei­nen Zwi­schen­fall. An der Wind­thorst­stra­ße zieht die Poli­zei einen jun­gen Mann mit Voll­bart in einen Haus­ein­gang. Er trägt kei­ne Mas­ke. Ein Poli­zist drückt ihn an die Wand. Ein Mit­strei­ter aus der Men­ge ruft dem Mann an der Wand zu, er sol­le es gut sein las­sen, sie woll­ten wei­ter. Es dau­ert noch ein paar Minu­ten, aber dann geht es weiter.

Im Ver­lauf des Abends gibt es laut Poli­zei zwei wei­te­re Zwi­schen­fäl­le. An der Anto­ni­us­stra­ße wirft jemand ein mit Was­ser gefüll­tes Kon­dom in die Men­ge. Und ein Mann aus dem Demons­tra­ti­ons­zug bespuckt eine Frau, die nicht an der Demons­tra­ti­on teil­nimmt. Das Ergeb­nis sind zwei Straf­an­zei­gen, eine wei­te­re wegen eines gefälsch­ten Maskenattests.

Gegen Vier­tel nach acht erreicht der Pro­test­zug im Regen den Dom­platz. Kay Kort­haus bedankt sich bei allen, auch bei der Poli­zei. Er sagt, am nächs­ten Mon­tag gehe es wei­ter. Nicht nur in Müns­ter und auch nicht nur in Deutsch­land. Sie sei­en jetzt eine welt­wei­te Bewegung. 

Das Interview

Die Coro­na-Demons­tra­tio­nen zu bewer­ten, ist nicht ganz leicht, denn sie set­zen sich aus ver­schie­de­nen Grup­pen zusam­men, über die sich nur schwer etwas sagen lässt. Wir haben mit Bernd Schlipp­hak dar­über gespro­chen. Er ist Pro­fes­sor für Poli­tik­wis­sen­schaft an der Uni Müns­ter. Und er hat uns erklärt, was die­se Grup­pen ver­bin­det, ob die Teil­neh­men­den gemein­sa­me Sache mit Rechts­ex­tre­men machen, wenn sie zusam­men mit ihnen demons­trie­ren - und was das mit der Spal­tung der Gesell­schaft zu tun hat. Das Inter­view fin­den Sie hier.

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In aller Kürze

+++ Das letz­te Jahr hat­te tat­säch­lich auch gute Sei­ten. Die Kri­mi­na­li­tät in Müns­ter ist zum Bei­spiel zurück­ge­gan­gen, wenn auch nur leicht, wie die Poli­zei mel­det. Ins­ge­samt ste­hen 26.293 Straf­ta­ten in der Sta­tis­tik, 457 weni­ger als im Jahr zuvor. Etwa jede vier­te Tat konn­te auf­ge­klärt wären, die Quo­te ist leicht gestie­gen. Gewalt­kri­mi­na­li­tät spielt sich nach der Sta­tis­tik vor allem am Hafen, am Haupt­bahn­hof und in der Innen­stadt ab. Die Zahl der Fahr­rad­dieb­stäh­le ist leicht gesun­ken. Die Chan­ce, dass geklau­te Räder den Weg zurück fin­den, ist aller­dings gering. Das gelingt nur in jedem 13. Fall. Woh­nungs­ein­brü­che sind in der Coro­na-Zeit eher sel­ten. Die Poli­zei zähl­te 276, zwei weni­ger als im Vor­jahr und so weni­ge wie zuletzt vor 20 Jah­ren. Die kom­plet­te Sta­tis­tik hat die Poli­zei hier ver­öf­fent­licht.

+++ In der Innen­stadt und auf dem Wochen­markt gilt ab Diens­tag (1. März) kei­ne Mas­ken­pflicht mehr, mel­det die Stadt.

+++ Der Kar­ne­vals­um­zug fällt aus, aber Fei­ern ist mög­lich, wenn Sie auf ein paar Din­ge ach­ten: Drau­ßen brau­chen Sie eine Boos­ter-Imp­fung, drin­nen dazu auch noch einen Test. Und wenn Sie es ganz genau wis­sen möch­ten, die All­ge­mein­ver­fü­gung der Stadt fin­den Sie hier. 

Engagement in Münster: Unsere Interviews aus der RUMS-Hütte zum Nachlesen

#8 Wei­ßer Ring

Heu­te schal­ten wir das ach­te Inter­view aus unse­rer Rei­he Enga­ge­ment in Müns­ter für Sie frei. Unse­re Mit­ar­bei­te­rin Johan­ne Burk­hardt hat mit Sig­rid Peh­le vom Wei­ßen Ring dar­über gespro­chen, wie Opfern von Gewalt­ta­ten gehol­fen wer­den kann. Das Inter­view fin­den Sie hier.

Im Rah­men unse­rer Mar­ke­ting­ak­tio­nen auf dem Weih­nachts­markt in Müns­ter haben wir Men­schen vor­ge­stellt, die sich in der Stadt enga­gie­ren. Jede Woche ver­öf­fent­li­chen wir eins die­ser Gesprä­che in gekürz­ter Ver­si­on als schrift­li­ches Inter­view. Die bis­her erschie­ne­nen (#1 Haus der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe, #2 Müns­­ter-Tafel, #3 Anti Rost Müns­ter, #4 Haus Tho­mas, #5 Ein Ruck­sack voll Hoff­nung, #6 See­brü­cke Müns­ter und #7 Kei­nen Meter den Nazis) fin­den Sie auf die­ser Sei­te. Das neun­te Inter­view aus unse­rer Rei­he ver­lin­ken wir dann nächs­te Woche wie­der an die­ser Stel­le für Sie.

Corona-Update

+++ Seit Frei­tag hat die Stadt vier wei­te­re Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit Covid-19 gemel­det. Drei Frau­en im Alter von 75, 85 und 90 Jah­ren sowie ein 59-jäh­ri­ger Mann, die mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert waren, sind gestor­ben. Ins­ge­samt gab es seit Pan­de­mie­be­ginn in Müns­ter 176 Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit dem Virus.

+++ In den ver­gan­ge­nen Wochen wur­den auf­fäl­lig vie­le Todes­fäl­le gemel­det, seit Anfang Febru­ar sind 27 meist älte­re Men­schen gestor­ben. Wir haben bei der Stadt nach­ge­fragt, ob das mög­li­cher­wei­se an einem grö­ße­ren Aus­bruch in einer Senio­ren­ein­rich­tung liegt. Das ist offen­bar nicht der Fall. Das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt schrieb uns, wie in der Gesamt­ge­sell­schaft habe es auch in den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen Müns­ters meh­re­re Aus­bruchs­ge­sche­hen gege­ben. Aktu­ell sin­ken die Infek­ti­ons­zah­len aber auch dort. Seit Novem­ber 2021 sei­en ins­ge­samt 23 Men­schen in sta­tio­nä­ren Pfle­ge­ein­rich­tun­gen an oder mit Covid-19 ver­stor­ben. 17 von ihnen sei­en voll­stän­dig geimpft oder geboos­tert gewe­sen. „Die Per­so­nen lit­ten teils unter schwers­ten Begleit- und Vor­er­kran­kun­gen, auch das teils beson­ders hohe Alter beein­flusst den Ver­lauf einer Infek­ti­on erheb­lich“, heißt es. Die Todes­fäl­le ver­tei­len sich laut Stadt auf neun voll­sta­tio­nä­re Pflegeeinrichtungen.

+++ Wie immer noch die übri­gen Zah­len: Das Robert-Koch-Insti­tut mel­det eine Wochen­in­zi­denz von 963,6. Seit ges­tern hat die Stadt 744 Neu­in­fek­tio­nen regis­triert, ins­ge­samt gel­ten 6.526 Münsteraner:innen als infi­ziert. In den Kran­ken­häu­sern in Müns­ter wer­den 78 Covid-Infi­zier­te behan­delt. Das sind 21 mehr als am Frei­tag. Neun Men­schen lie­gen auf der Inten­siv­sta­ti­on, vier von ihnen wer­den beatmet.

Unbezahlte Werbung

Vor eini­gen Jah­ren war André Sku­pin Müns­ters ein­zi­ger Ster­ne­koch. Dann kam ein Zwi­schen­spiel im Rats­kel­ler, und seit dem ver­gan­ge­nen Jahr ist Sku­pins Küche in der Hoya­stra­ße im Kreuz­vier­tel zu fin­den. Dort kocht er im Restau­rant „Die Glo­cke“. Auf der Spei­se­kar­te ste­hen zum Bei­spiel Wild­tau­ben­brust, Lamm­rü­cken im Brot­man­tel oder geschmor­te Rin­der­bäck­chen. Geöff­net ist das Restau­rant an allen Tagen, außer diens­tags und mitt­wochs. Die Öff­nungs­zei­ten fin­den Sie auf der Web­site. Reser­vie­ren kön­nen Sie hier.

Drinnen und Draußen 

In den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der hat heu­te Johan­ne Burk­hardt geschaut. Das hier sind ihre Empfehlungen. 

+++ Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs durf­ten Deut­sche in Müns­ter kei­nen Kon­takt zu ver­schlepp­ten Per­so­nen aus dem Aus­land haben, die als Kriegs­ge­fan­ge­ne oder Zwangsarbeiter:innen in Müns­ter leben muss­ten. Kon­tak­te gab es trotz­dem, aber das wur­de von den Natio­nal­so­zia­lis­ten gna­den­los ver­folgt und bestraft. Die­ser „Ver­bo­te­ne Umgang“ ist ab Don­ners­tag The­ma in der neu­en und gleich­na­mi­gen Aus­stel­lung im Stadt­ar­chiv. Zur Eröff­nung stel­len Mit­ar­bei­ten­de und Stu­die­ren­de der Uni Müns­ter die Ergeb­nis­se ihres For­schungs­se­mi­nars online vor, in dem sie ein­zel­ne Fäl­le des „ver­bo­te­nen Umgangs“ unter­sucht haben. Sie kön­nen sich ab 18 Uhr in den Stream zuschalten.

+++ Am Sams­tag star­tet das Pia­neo-Fes­ti­val für Neo­klas­sik mit sei­nem ers­ten Kon­zert in Müns­ter. Den Start machen, pas­send zum Fes­ti­val­na­men, die Pia­nis­tin Mari­na Bara­no­va und die Ber­li­ner Brü­der Sel­ke, die Kla­vier und Cel­lo mit ana­lo­gen und elek­tro­ni­schen Syn­the­si­zern ergän­zen. Wie schön das klin­gen kann, kön­nen Sie in die­ser Kost­pro­be hören. Das gan­ze Pro­gramm fin­den Sie hier. Tickets für das Kon­zert am Sams­tag und alle wei­te­ren Kon­zer­te fin­den Sie hier.

+++ Zum Schluss gibt es noch einen Hör­tipp von Con­stan­ze Busch. Im drei­tei­li­gen NDR Pod­cast über die Geheim­nis­se der Credi­te Suis­se und das Geschäft mit dem schmut­zi­gen Geld stel­len zwei Jour­na­lis­ten die Recher­chen vor, die die Suis­se Secrets auf­ge­deckt haben. Es geht um die Hin­ter­grün­de, Zusam­men­hän­ge und die Detek­tiv­ar­beit der knapp 50 Medi­en­häu­ser. Ein kom­ple­xer Fall, aber kei­ne Sor­ge: die vie­len Ein­spie­ler und O-Töne machen das The­ma sehr zugänglich.

Am Frei­tag schreibt Ihnen Sebas­ti­an Fob­be. Haben Sie eine schö­ne Woche. Und blei­ben Sie gesund. 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Johan­ne Burk­hardt, Con­stan­ze Busch


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PS

Zum Abschluss noch eine Bit­te: Wir über­ar­bei­ten zur­zeit den RUMS-Brief. Und wir wür­den gern von Ihnen wis­sen, was Sie ver­mis­sen, was Sie sich wün­schen und was Ihnen jetzt schon gut gefällt. Wenn Sie Anre­gun­gen oder Kri­tik haben, wür­den wir gern mit Ihnen dar­über spre­chen. Schi­cken Sie uns am bes­ten eine E-Mail. Dann mel­den wir uns zurück und ver­ein­ba­ren mit Ihnen einen Ter­min zum Tele­fo­nie­ren; so ein Gespräch wür­de etwa 10 bis 15 Minu­ten dau­ern. Wenn Ihnen das zu umständ­lich ist, freu­en wir uns natür­lich auch, wenn Sie uns Ihre Anre­gun­gen oder Ihre Kri­tik ein­fach aufschreiben. 

PPS

Zwei Hin­wei­se noch. Chris­ti­an Hum­borg, Chef von Wiki­me­dia Deutsch­land und einer unse­rer RUMS-Grün­der, spricht hier im Pod­cast eine hal­be Stun­de lang über RUMS. Und bei WDR5 läuft heu­te Abend ein Bei­trag über das Leben unse­res Kolum­nis­ten Ruprecht Polenz. Wenn Ihnen das heu­te Abend zu knapp ist, kön­nen Sie die Sen­dung natür­lich auch spä­ter noch in der Media­thek hören.