Gas-Alarmstufe: Schon jetzt an den Winter denken | Unendliche Geschichte: Kanalausbau braucht länger | Corona: Inzidenz wieder vierstellig

Müns­ter, 24. Juni 2022

Guten Tag,

heu­te begin­nen die Som­mer­fe­ri­en, und als wäre da nicht über­all ohne­hin schon Alarm­stu­fe Rot, kommt aus Ber­lin die Nach­richt: Das Gas wird knapp. Die Bun­des­re­gie­rung hat die Gas-Alarm­stu­fe aus­ge­ru­fen, also die Stu­fe zwei im Gas-Not­fall­plan. Stu­fe drei wäre der tat­säch­li­che Not­fall. Wenn es so weit ist, ent­schei­det der Staat, wer zuerst bedient wird. Das wären vor allem Pri­vat­haus­hal­te, Kran­ken­häu­ser, die Feu­er­wehr und die Poli­zei. Sie wer­den jetzt den­ken: Aber die Indus­trie fehlt in der Auf­zäh­lung. Ja, genau, und das ist kein Zufall. 

Schau­en wir nach Müns­ter. Was ändert sich für die pri­va­ten Haus­hal­te durch die Alarm­stu­fe an der Ver­sor­gungs­si­cher­heit? Es ant­wor­tet Stadt­wer­ke-Geschäfts­füh­rer Sebas­ti­an Jurc­zyk: „An der Ver­sor­gungs­si­cher­heit der pri­va­ten Haus­hal­te ändert sich durch die Alarm­stu­fe nichts.“ 

Ein biss­chen scheint in der Pres­se­mit­tei­lung der Stadt­wer­ke aller­dings schon durch, dass die Situa­ti­on nicht ganz so leicht ist wie zum Bei­spiel, nun ja, Pro­pan­gas. Die Lage sei „aktu­ell sta­bil, (…) aber mit Blick auf den kom­men­den Win­ter ernst“, so steht es da. Reden wir nicht lan­ge drum­her­um: Es wird teuer. 

Der Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len spricht schon jetzt von 1.000 bis 2.000 Euro mehr pro Haus­halt, die man für die­ses Jahr bes­ser ein­plant. Ein paar Tipps noch von den Stadt­wer­ken: Türen und Fens­ter abdich­ten, Hei­zungs­roh­re iso­lie­ren, digi­ta­le Heiz­kör­per-Ther­mo­sta­te. Ein Tipp noch von uns: eine war­me Decke und ein RUMS-Abo.

Aber wie ist es denn mit finan­zi­el­len Anrei­zen fürs Gas­s­pa­ren, sagen wir zum Bei­spiel 50 Euro? Hören wir dazu Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Robert Habeck: „Es ist ja kein Spaß, den wir hier haben, son­dern es ist eine erns­te poli­ti­sche, gesell­schafts­po­li­ti­sche Situa­ti­on. Und wenn wir da uns nicht gegen­sei­tig hel­fen, kom­men wir da nicht durch. Und wenn da jemand sagt, ich helf nur, wenn ich fuff­zich Euro krieg, würd ich sagen: Die kriegst du nich, Alter!“ 

Heute lesen Sie im RUMS-Brief:

  • Kanal­aus­bau: Brü­cke wird Anfang Juli verschoben
  • Nach der Miss­brauchs­stu­die I: Dom­propst beurlaubt
  • Nach der Miss­brauchs­stu­die II: Ehe­ma­li­ger Weih­bi­schof räumt Feh­ler ein
  • Wie es wei­ter­ging: Uni­kli­nik muss offen­bar doch Krebs-OPs verschieben
  • Coro­na-Update: Inzi­denz wie­der vierstellig
  • Ein-Satz-Zen­tra­le: Schnell­test-Betrü­ger ver­ur­teilt | Nike-Figur wie­der da
  • Unbe­zahl­te Wer­bung: Kreativregal
  • Drin­nen und Drau­ßen: Tan­zen, Floh­markt, Sommerfest

Kurz und Klein

+++ Bischof Felix Genn hat heu­te bis auf Wei­te­res den Offi­zi­al und Dom­propst Kurt Schul­te auf des­sen eige­nen Wunsch hin beur­laubt, wie das Bis­tum mit­teilt. Schul­te wur­de laut der Pres­se­mit­tei­lung zwei­mal im Zusam­men­hang mit Miss­brauch gemel­det. Eine Per­son habe sich die­se Woche einer Ansprech­per­son des Bis­tums anver­traut und gesagt, Schul­te habe sich ihr gegen­über grenz­über­schrei­tend und unan­ge­mes­sen ver­hal­ten. Und Schul­te wur­de über die Inter­net­platt­form gemel­det, über die Betrof­fe­ne sexu­el­len Miss­brauch anonym anzei­gen kön­nen. Die Mel­dung erfolg­te laut Bis­tum schon in der ver­gan­ge­nen Woche und wur­de der Staats­an­walt­schaft über­mit­telt. Die­se über­prüft jeden Hin­weis, die über das Online­por­tal des Bis­tums eingeht.

Sobald Ergeb­nis­se der Staats­an­walt­schaft vor­lie­gen, soll der Fall auch kir­chen­recht­lich geprüft wer­den. So lan­ge bleibt Schul­te aller­dings beur­laubt: Er darf weder Got­tes­diens­te fei­ern oder ande­re pries­ter­li­che Auf­ga­ben über­neh­men noch Recht spre­chen (als Offi­zi­al lei­tet er das müns­ter­sche Kir­chen­ge­richt). Von wei­te­ren Stra­fen hat Felix Genn bis­lang abge­se­hen. Der Bischof hat­te sich am ver­gan­ge­nen Frei­tag aus­führ­lich zu der Miss­brauchs­stu­die geäu­ßert (RUMS-Brief vom 17. Juni). (sfo)

+++ Hein­rich Tim­me­re­vers, heu­te Bischof von Dres­den-Mei­ßen und von 2001 bis 2016 Weih­bi­schof im Bis­tum Müns­ter, hat der Katho­li­schen Nach­rich­ten-Agen­tur (KNA) ein Inter­view zur Miss­brauchs­stu­die aus Müns­ter (RUMS-Brief vom 14. Juni) gege­ben. Das Wis­sen­schafts­team der Uni Müns­ter hat­te für die Stu­die mit ihm gespro­chen, weil Mit­te der 2000er-Jah­re ein Pries­ter in sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich ein­ge­setzt wur­de, des­sen pädo­phi­le Nei­gung bekannt war. Der dama­li­ge Bischof von Müns­ter, Rein­hard Lett­mann, hat­te Hein­rich Tim­me­re­vers dar­auf hin­ge­wie­sen, aber kei­ne wei­te­ren Anwei­sun­gen oder Hand­lungs­emp­feh­lun­gen gegeben.

Tim­me­re­vers sag­te im Inter­view mit der KNA, damals sei­en Inter­ven­ti­ons­struk­tu­ren noch nicht so selbst­ver­ständ­lich gewe­sen wie heu­te. Rück­bli­ckend sehe er ein „Sys­tem des Schwei­gens“ und der „orga­ni­sier­ten Unver­ant­wort­lich­keit“. Er bedaue­re sei­ne „feh­len­de Auf­merk­sam­keit“, das sei falsch gewe­sen. Ver­tuscht habe er aber nichts, wäh­rend sei­ner Amts­zeit habe es sei­nes Wis­sens nach kei­ne Über­grif­fe gege­ben. (cbu)

Wie es weiterging

Letz­ten Frei­tag haben wir Ihnen von einem offe­nen Brief berich­tet, den die Deut­sche Gesell­schaft für Ortho­pä­die und Unfall­chir­ur­gie (DGOU) und Ver­tre­ter der unfall­chir­ur­gi­schen Kli­ni­ken an die Gewerk­schaft Ver­di gerich­tet hat­ten. Dar­in kri­ti­sier­ten sie die Aus­wir­kun­gen des Streiks an den Uni­kli­ni­ken, da trotz der Not­fall­ver­ein­ba­rung nicht alle Patient:innen aus­rei­chend behan­delt wer­den könnten. 

Wir hat­ten uns dar­auf­hin erkun­digt, ob im Rah­men der Not­fall­ver­ein­ba­rung auch die Men­schen behan­delt wer­den, die eine OP nicht sofort wegen eines lebens­be­droh­li­chen Unfalls, aber in abseh­ba­rer Zeit brau­chen – etwa wegen einer Krebs­er­kran­kung. Ver­di bejah­te dies, das UKM hat unse­re Fra­gen aller­dings nicht beant­wor­tet. Heu­te steht in den West­fä­li­schen Nach­rich­ten, die not­wen­di­ge Ope­ra­ti­on eines Krebs­pa­ti­en­ten müs­se wegen des Streiks ver­scho­ben wer­den. Was ist denn nun rich­tig? Wir haben noch ein­mal bei der Uni­kli­nik nach­ge­fragt und die­ses Mal eine Ant­wort erhal­ten: Es wer­de täg­lich mehr­fach und über Stun­den mit Ver­di über OP-Kapa­zi­tä­ten zusätz­lich zur Not­fall­ver­sor­gung ver­han­delt – nicht immer erfolg­reich, so schreibt uns Uni­kli­nik-Spre­che­rin Mari­on Zahr in einer E-Mail. Die Gesund­heits­zu­stän­de von Patient:innen, deren Behand­lun­gen ver­scho­ben wer­den müs­sen, könn­ten sich des­halb täg­lich ver­schlech­tern. Die Ärtz:innen über­prü­fen laut Mari­on Zahr jeden Tag, ob Patient:innen ver­legt wer­den könn­ten: Im Bereich der Neu­ro­chir­ur­gie arbei­te das UKM zum Bei­spiel eng mit der Kli­nik in Osna­brück zusam­men, damit Patient:innen mit Hirn­tu­mo­ren so schnell wie mög­lich behan­delt wer­den. Aller­dings könn­ten Patient:innen wegen des Streiks seit zwei Mona­ten nicht in ande­re nord­rhein-west­fä­li­sche Uni­kli­ni­ken ver­legt werden. 

Von Ver­di haben wir heu­te noch kei­ne Ant­wort auf unse­re Anfra­ge bekom­men. (ast)

Der Rürup 

Die unendliche Geschichte vom Kanalausbau

Hin­weis­ta­feln am Stra­ßen­rand kün­di­gen es schon seit Tagen an: Ab Mon­tag ist ein Teil der Wol­be­cker Stra­ße gesperrt, denn mit den Som­mer­fe­ri­en beginnt dort die letz­te Etap­pe eines gro­ßen Umbaus. Seit einem Jahr führt eine neue Brü­cke über den Kanal, aller­dings im Moment noch an der fal­schen Stel­le. Ab dem 4. Juli wird ein nie­der­län­di­sches Spe­zi­al­un­ter­neh­men sie an den rich­ti­gen Ort schie­ben – dort­hin, wo bis­lang die alte Brü­cke stand. Danach wird die Wol­be­cker Stra­ße wie­der dort ver­lau­fen, wo sie vor­her war. Wenn sie zum Ende der Som­mer­fe­ri­en wie­der frei­ge­ge­ben wird, kann das Was­ser- und Schiff­fahrts­amt Rhei­ne an die­sen Bau­ab­schnitt bald einen Haken machen. Dann kommt der nächs­te Schritt. Und mitt­ler­wei­le erscheint es, als wür­de es ewig so weitergehen. 

Als die Plä­ne für den Kanal­aus­bau vor 17 Jah­ren zum ers­ten Mal vor­ge­stellt wur­den, hieß es, fünf Jah­re wür­den die Arbei­ten dau­ern. Bis zum Bau­start blieb noch eine gefühl­te Ewig­keit. Sie­ben Jah­re. Dann soll­te es los­ge­hen. Im Sep­tem­ber 2012 kün­dig­te eine Zei­tungs­mel­dung an, dass die Arbei­ten im Novem­ber begin­nen wür­den. Sie hät­ten zunächst nur gering­fü­gi­ge Aus­wir­kun­gen. Zu die­ser Zeit war schon klar, dass man sich ver­schätzt hat­te, sehr stark ver­schätzt. Inzwi­schen sprach man von zehn Jah­ren Bauzeit.

Die Jah­res­zah­len der End­ter­mi­ne wur­den mit der Zeit immer grö­ßer. Vor drei­ein­halb Jah­ren nann­te ein Zeit­plan das Jahr 2026. Neun Mona­te spä­ter war schon wie­der ein Jahr dazu­ge­kom­men.

Dabei ist es bis­lang geblie­ben. Der Zeit­strahl auf der Web­site zum Kanal­aus­bau endet im Jahr 2027, in der Mit­te des Jah­res. Das war der Stand im Sep­tem­ber 2021. Fragt man jetzt Mar­le­ne Klaas vom Was­ser- und Schiff­fahrts­amt Rhei­ne, wann alles fer­tig sein wird, sagt sie: „Wir visie­ren Ende 2027 an.“

„Das Problem ist das Personal“ 

Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten sind schon vor vier Jah­ren der Fra­ge nach­ge­gan­gen, war­um die Arbei­ten sich immer wei­ter ver­zö­gern. Sie fan­den vor allem zwei Pro­ble­me: zum einen die gerin­ge Prio­ri­tät des Pro­jekts. Man kon­zen­trie­re sich vor allem auf den Aus­bau des Nord-Ost­see-Kanals, denn dort gehe es um die Erreich­bar­keit des Ham­bur­ger Hafens, so erklär­te es der CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Rein­hold Send­ker, der damals im Ver­kehrs­aus­schuss saß. Einen direk­ten Zusam­men­hang gibt es aller­dings nicht. Für bei­de Pro­jek­te sind unter­schied­li­che Behör­den zuständig. 

Ein ande­res Pro­blem sei die gerin­ge Per­so­nal­de­cke der Was­ser- und Schiff­fahrts­ver­wal­tung. Und an die­sem Eng­pass hat sich offen­bar wenig geän­dert. Mar­le­ne Klaas sagt: „Das Pro­blem ist das Per­so­nal – die Leu­te, die bau­en.“ Sie sei­en schwer zu bekommen.

Inzwi­schen sind noch ande­re Pro­ble­me hin­zu­ge­kom­men – Lie­fer­eng­päs­se, stei­gen­de Ener­gie­kos­ten. Es ist nicht unwahr­schein­lich, dass der Zeit­strahl auf der Web­site am Ende noch etwas län­ger wird. 

Wenn die Wol­be­cker Stra­ße zum Schul­start nach den Feri­en wie­der frei­ge­ge­ben wird, sind drei von acht Brü­cken fer­tig: die an der Schil­ler­stra­ße, die am Lae­rer Land­weg und jetzt die an der Wol­be­cker Straße.

Blei­ben fünf Brü­cken: am Pleis­ter­müh­len­weg, am Pro­zes­si­ons­weg, die Brü­cke der West­fä­li­schen Lan­des­ei­sen­bahn (WLE), die Mau­rit­zer Eisen­bahn­brü­cke und die an der Waren­dor­fer Straße. 

Starttermin verschiebt sich

So geht es wei­ter mit den Ver­zö­ge­run­gen. Als Nächs­tes soll­ten die Brü­cken am Pro­zes­si­ons­weg und am Pleis­ter­müh­len­weg dran sein. Doch da feh­le noch die Geneh­mi­gung, sagt Mar­le­ne Klaas. Das bedeu­tet: Der Start­ter­min ver­schiebt sich auf das nächs­te Jahr – wie auch der Neu­bau der WLE-Brü­cke, der noch vor zehn Mona­ten für den Som­mer oder Spät­som­mer 2022 vor­ge­se­hen war. Neu­er Ter­min auch hier: 2023.

Die Arbei­ten an der neu­en Mau­rit­zer Eisen­bahn­brü­cke soll­ten eigent­lich Anfang nächs­ten Jah­res begin­nen, die an der Waren­dor­fer Stra­ße Mit­te nächs­ten Jah­res. Bei­des ver­schie­be sich auf das Jahr 2024, sagt Mar­le­ne Klaas. 

Und dann sind da noch die Arbei­ten am Kanal selbst. Sie sind der Grund dafür, dass über­haupt neue Brü­cken gebraucht werden. 

Ein gro­ßes Con­tai­ner­schiff kann so viel Ladung trans­por­tie­ren wie 100 Last­wa­gen. So erklärt das Was­ser- und Schiff­fahrts­amt es auf einem Inf­o­fly­er. Aber auf dem Dort­mund-Ems-Kanal wird es auf einer Stre­cke von 4,2 Kilo­me­tern in Höhe Müns­ter eng. Es ist der letz­te noch nicht aus­ge­bau­te Abschnitt der Wasserstraße. 

Zu einem Pro­blem wird das, weil die­ser Kanal eine zen­tra­le Nord-Süd-Ver­bin­dung ist. Um von Regens­burg, Stutt­gart oder Trier nach Ham­burg zu kom­men, muss man an Müns­ter vor­bei (auf die­ser Abbil­dung zu sehen). Der Dort­mund-Ems-Kanal ist Teil einer der wich­tigs­ten deut­schen Was­ser­stra­ßen (hier zu sehen). Er spielt in der­sel­ben Liga wie der Rhein. Die soge­nann­te Stadt­stre­cke Müns­ter ist das Nadelöhr. 

Wel­che Dimen­sio­nen der Kanal auf die­ser Stre­cke bekom­men soll, ist unter den neu­en Brü­cken schon zu erken­nen: Min­des­tens 42 Meter und maxi­mal 77 Meter breit soll er wer­den und vier Meter tief. 

Das größte Freibad der Stadt

Damit kön­nen sehr viel grö­ße­re Schif­fe die­sen Abschnitt pas­sie­ren. Auf den gera­den Stre­cken wäre das auch jetzt schon mög­lich. Schwie­rig wird es in den Kur­ven (Abbil­dung). Es ist ein biss­chen wie mit dem Bett beim Umzug im Treppenhaus.

Grö­ße­re Schif­fe sind nicht nur brei­ter, son­dern auch etwas höher. Bis­lang muss­ten die Brü­cken 4,50 Meter hoch sein, in Zukunft wer­den es 5,25 Meter sein. Das klingt nicht nach sehr viel, macht die Sache aber etwas kniff­lig, denn die Stra­ßen zu den Brü­cken dür­fen nicht sehr viel stei­ler wer­den. Des­we­gen muss der Bogen grö­ßer sein, den sie neh­men. Es braucht eine län­ge­re Rampe. 

Aus dem glei­chen Grund, der not­wen­di­gen Höhe, sehen die Kanal­brü­cken auch anders aus als zum Bei­spiel die Tor­min­brü­cke am Aasee. Dort befin­det sich das Trag­werk unter­halb der Stra­ße. Wäre das auch am Kanal so, wäre für gro­ße Schif­fe kein Platz mehr. 

Ein brei­te­rer Kanal wird nicht nur auf dem Was­ser eini­ges ver­än­dern, son­dern auch am Ufer. Der Kanal ist das größ­te Frei­bad der Stadt, ein Nah­erho­lungs­ge­biet. Aber die Lie­ge­wie­sen am Rand wer­den nach dem Aus­bau sehr viel klei­ner sein, Bäu­me wer­den ver­schwin­den, auch Klein­gar­ten­an­la­gen. Man wird es spü­ren, dass die Schiff­fahrt mehr Platz in Anspruch nimmt. 

Der Kanal­aus­bau ist ein gro­ßer Ein­griff in die Natur. Damit das Kanal­was­ser nicht ein­fach abfließt, wird der Boden ver­sie­gelt. Das schränkt den Lebens­raum von Tie­ren und Pflan­zen ein. Der Flä­chen­ver­brauch ist enorm. Und dort, wo am Ufer wenig Platz bleibt, begren­zen zudem Spund­wän­de das Was­ser. Otter oder Biber kom­men an die­sen Stel­len nicht an Land. 

Wird man die Kapazitäten überhaupt brauchen?

Auch für das Kli­ma ist die Bin­nen­schiff­fahrt nicht unpro­ble­ma­tisch. Bis zum Jahr 2050 soll der Güter­ver­kehr auf dem Was­ser um bis zu 50 Pro­zent zuneh­men. Man muss sich nur ein paar Stun­den an den Kanal stel­len, um zu sehen, dass sau­be­re Kraft­stoff- und Moto­ren­tech­nik hier noch nicht so weit ver­brei­tet ist. Die Bahn ist da schon sehr viel weiter. 

Hin­zu kommt: Die Bin­nen­schiff­fahrt ist ein sehr lang­sa­mes Trans­port­mit­tel. Die Schif­fe bewe­gen sich mit einer durch­schnitt­li­chen Geschwin­dig­keit von 10 bis 12 Stun­den­ki­lo­me­tern, Last­wa­gen schaf­fen 80. Für den Trans­port kom­men also vor allem Güter in Fra­ge, die nicht schnell ver­der­ben. Das letz­te Schiff, das den Hafen von Müns­ter ver­ließ, hat­te Asche an Bord. 

In Gel­mer wird Mine­ral­öl ver­la­den, bei Agra­vis Fut­ter­mit­tel, bei Pebü­so Asphalt und Beton. Sta­tis­ti­ken zei­gen: Auf dem Dort­mund-Ems-Kanal in Müns­ter machen Stei­ne und Erden, Erd­öl- und Mine­ral­öl­er­zeug­nis­se, land­wirt­schaft­li­che und che­mi­sche Erzeug­nis­se etwa zwei Drit­tel der trans­por­tier­ten Güter aus (Sei­te 53).

Die Fra­ge ist: Wie wird sich das alles in Zukunft ent­wi­ckeln? Wird man immer noch mehr Dün­ge- und Fut­ter­mit­tel brau­chen? Wird immer noch so viel gebaut? Kurz: Wie wirkt sich die Kli­ma­po­li­tik auf die Men­ge der Waren aus, die auf dem Kanal trans­por­tiert wer­den? Wird man die enor­men Kapa­zi­tä­ten über­haupt brauchen?

Müss­te man den Kanal­aus­bau heu­te pla­nen, wür­den die­se Fra­gen wahr­schein­lich eine grö­ße­re Rol­le spie­len als vor knapp 20 Jah­ren. So geht es erst ein­mal um den Zeit­plan. Einer der nächs­ten gro­ßen Schrit­te ist für das nächs­te Früh­jahr geplant. Dann beginnt zwi­schen dem Stadt­ha­fen 1 und dem Stadt­ha­fen 2 der Bau einer neu­en Lie­ge­stel­le. (rhe)

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Corona-Update

+++ Wir mögen es nicht auf­schrei­ben und Sie mögen es wahr­schein­lich auch nicht lesen, aber es hilft nichts: Das Robert-Koch-Insti­tut mel­det für Müns­ter heu­te wie­der eine vier­stel­li­ge Wochen­in­zi­denz. 1.056 Men­schen pro 100.000 Einwohner:innen hat­ten in der Stadt in den ver­gan­ge­nen sie­ben Tagen einen posi­ti­ven PCR-Test; bun­des­weit liegt der Wert bei 618. Da wei­ter­hin nicht alle Men­schen nach einem posi­ti­ven Schnell­test auch einen PCR-Test machen, bil­den die­se Zah­len wahr­schein­lich nicht das tat­säch­li­che Infek­ti­ons­ge­sche­hen ab. Denn posi­ti­ve Schnell­tests tau­chen in der Sta­tis­tik nicht auf.

+++ Ins­ge­samt gel­ten heu­te 4.408 Men­schen aus Müns­ter als infi­ziert, rund 1.000 mehr als am ver­gan­ge­nen Frei­tag. Auf den Inten­siv­sta­tio­nen der müns­ter­schen Kran­ken­häu­ser wer­den laut Inten­siv­re­gis­ter drei Covid-Patient:innen behan­delt, zwei von ihnen wer­den beatmet.

+++ Zwei Men­schen, die mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert waren, sind gestor­ben. Ins­ge­samt gab es seit Pan­de­mie­be­ginn in Müns­ter 211 Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit Covid-19.

+++ Wenn Sie sich ori­en­tie­ren möch­ten, wo wir ste­hen und wie sich die Coro­nalage in den nächs­ten Mona­ten ent­wi­ckeln könn­te: Der Spie­gel hat mit Chris­ti­an Dros­ten gespro­chen. Das kom­plet­te Inter­view kön­nen Sie zwar nur mit einem Abo lesen, aber das Maga­zin hat hier eine sehr aus­führ­li­che Zusam­men­fas­sung ver­öf­fent­licht. (cbu)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Die Grü­ne Jose­fi­ne Paul aus Müns­ter soll NRW-Fami­li­en­mi­nis­te­rin wer­den. (WDR)

+++ Der Unter­neh­mer, der auch in Müns­ter zu vie­le Coro­na­schnell­tests abge­rech­net hat­te, ist wegen Betrugs zu sechs Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den. (WDR)

+++ Die gol­de­ne Nike-Figur ist wie­der zurück auf dem Schloss. (Uni Müns­ter)

+++ Die Stadt lädt ein I: Bis zum 30. Juni kön­nen Sie der Stadt online smar­te Zukunfts­ideen vor­schla­gen. (Stadt Müns­ter)

+++ Die Stadt lädt ein II: Sie kön­nen sich zum Werk­statt­ver­fah­ren für drei neue Stadt­vier­tel am Kanal anmel­den oder online Vor­schlä­ge machen. (Stadt Müns­ter)

+++ Die Stadt lädt ein III: Bis zum 7. Juli kön­nen Sie sich zum Kli­ma-Trai­ning inklu­si­ve Ener­gie­be­ra­tung anmel­den. (Stadt Müns­ter)

+++ Der Hei­del­ber­ger Kon­gress von Suchtexpert:innen fand die­ses Jahr in Müns­ter statt. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Zum Feri­en­be­ginn hat die Stadt eine Über­sicht der Som­mer­bau­stel­len ver­öf­fent­licht. (Stadt Müns­ter)

+++ Ein Müns­te­ra­ner pola­ri­siert in den sozia­len Medi­en mit sei­nem vir­tu­el­len Bestat­tungs­un­ter­neh­men. (WDR)

+++ Der Flug­ha­fen Münster/Osnabrück rech­net für die Som­mer­fe­ri­en mit 230.000 Passagier:innen. (Anten­ne Müns­ter)

+++ Forscher:innen der Uni Müns­ter und sie­ben wei­te­rer inter­na­tio­na­ler Unis haben auf einer Web­site erlo­sche­ne Vul­ka­ne, Meteo­ri­ten­spu­ren und ande­re geo­lo­gi­sche Phä­no­me­ne ent­lang der Tour-de-Fran­ce-Stre­cke gesam­melt. (Uni Müns­ter)

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Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen

Eva Strehlke hat heu­te ein paar Wochen­end- und Feri­en­tipps für Sie, und zwar diese:

+++ Wenn Sie Lust haben zu tan­zen, könn­ten Sie am Sams­tag­abend ins Ise­grim gehen. Um 21:30 Uhr star­tet dort die Feie­rei. Der Ein­tritt ist frei.

+++ Schon mal ein Tipp für die nächs­te Woche: Das Frei­bad Hil­trup lädt für Frei­tag, 1. Juli, zur Frei­luft­par­ty ein. Weil die schon um 14 Uhr los­geht, woll­ten wir heu­te schon ein­mal Bescheid sagen. Alle Infos gibt es hier.

+++ Der Han­saf­loh­markt fin­det die­sen Sonn­tag – anders als der Name es ver­mu­ten lässt – am Gazo­me­ter statt. Von 10 bis 16 Uhr kön­nen Sie an den Stän­den der nicht-gewerb­li­chen Verkäufer:innen Kunst­hand­werk und noch mehr Schö­nes entdecken.

+++ Die­ses Wochen­en­de ist die Maus in Müns­ter zu Besuch – also die von der Sen­dung. Und sie bringt Hein Blöd und den klei­nen Maul­wurf mit. Sie kön­nen die Fern­seh­pro­mi­nenz am Sams­tag und Sonn­tag im All­wet­ter­zoo tref­fen, jeweils zwi­schen 10 und 17 Uhr beim Som­mer­fest. Dafür brau­chen Sie nur eine Tages­kar­te, die bekom­men Sie hier.

+++ Sind Sie wie ich und beim Pub­quiz immer bei der Sport­ka­te­go­rie über­for­dert? Dann ist das No-Sports-Quiz am Mon­tag im Lies­chen Mül­ler ver­mut­lich das Rich­ti­ge für Sie. Wer gar kein Pro­blem mit Sport­fra­gen hat, kann eine Woche spä­ter in der Bohè­me Bou­let­te bei der Quiz­li­ga Müns­ter antreten.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Sebas­ti­an Fob­be. Ich wün­schen Ihnen einen guten Start in die Som­mer­fe­ri­en – oder wenigs­tens ins Wochenende

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Con­stan­ze Busch, Sebas­ti­an Fob­be, Eva Strehlke, Anto­nia Strot­mann
Lek­to­rat: Anto­nia Strotmann

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PS

Mit den Tie­ren im Zoo ist es ein biss­chen wie mit den Pflan­zen im Wald. Man hat sie irgend­wo schon mal gese­hen. Aber wie sie jetzt genau hei­ßen? Kei­ne Ahnung. Gut, man kann sie ja immer­hin beschrei­ben. Ken­nen Sie zum Bei­spiel die­se Vie­cher, die vier schwar­ze Bei­ne, einen gel­ben Kör­per, aber kei­nen Kopf haben? Nein? Ich näm­lich auch nicht. Aber es gibt sie. In der nächs­ten Woche zieht eines davon im Zoo ein. Es hat lei­der kein Herz, son­dern nur einen Akku, denn es geht um einen tier­ähn­li­chen Robo­ter, der auf den Namen „Yuki“ hört oder viel­leicht auch nicht hört. Das wis­sen wir lei­der nicht. Aber Sie kön­nen es aus­pro­bie­ren, in der nächs­ten Woche. Dann bekommt Yuki ein paar Tage lang für ein Expe­ri­ment ein eige­nes Gehe­ge. Man möch­te her­aus­fin­den, wie die Leu­te auf einen kopf­lo­sen Robo­ter­hund reagie­ren. Falls Sie Yuki suchen: am bes­ten immer in die Rich­tun­gen, aus denen die krei­schen­den Men­schen ihnen ent­ge­gen­kom­men. Wobei, so schlimm wird es nicht wer­den. So sieht Yuki aus, irgend­wie doch ganz süß. Aber bit­te den­ken Sie dar­an: Füt­tern ist in die­sem Fall nicht nur ver­bo­ten, son­dern auch sinnlos.