Die Philosophie des Carsharings | Münster könnte mehr | Yuzu Ramen

Diens­tag, 16. März 2021

Guten Tag,

seit Kur­zem ver­zich­ten mein Freund und ich aufs eige­ne Auto. Eigent­lich eine ein­fa­che Ent­schei­dung: Es ist bes­ser für die Umwelt, die meis­ten Autos ste­hen mehr rum, als dass sie bewegt wer­den, und dazu woh­nen wir nah genug am Haupt­bahn­hof, um bequem öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel nut­zen zu kön­nen. Trotz­dem muss­te ich mich vor der Ent­schei­dung von eini­gen roman­ti­schen Vor­stel­lun­gen ver­ab­schie­den: Die spon­ta­ne Auto­fahrt nach Sizi­li­en, mal eben kurz mit dem Auto an die Nord­see, die Frei­heit die­se eine Freun­din in Groß­bri­tan­ni­en ein­fach so besu­chen zu kön­nen. Wahr­schein­lich hät­te ich die­se Fahr­ten eh nie gemacht. Aber es war schön zu wis­sen, dass ich sie hät­te machen kön­nen, wenn ich gewollt hätte.

Dabei sind sol­che Aus­flü­ge auch ohne eige­nes Auto mög­lich. Dafür gibt es die Bahn oder Fern­bus­se, und wer will, kann sich ein Auto mie­ten. Hier in Müns­ter haben wir meh­re­re Car­sha­ring-Ange­bo­te. Bis­her wer­den sie nur von einem Bruch­teil der Münsteraner:innen genutzt. Dabei könn­ten sie bei der öko­lo­gi­schen Ver­kehrs­wen­de eine ent­schei­den­de Rol­le spielen.

Autokosten werden oft unterschätzt

Deutsch­land­weit haben die Car­sha­ring-Ange­bo­te 2,8 Mil­lio­nen Kund:innen. In Müns­ter sind es etwa 8.000 – weni­ger als drei Pro­zent der Bevöl­ke­rung. Seit fast 30 Jah­ren gibt es in Müns­ter das Stadt­teil­au­to. Seit 2003 koope­riert der Anbie­ter mit der Car­sha­ring-Grup­pe Cam­bio. Die Stadt­wer­ke Müns­ter haben vor gut einem Jahr einen Teil der Gesell­schaft über­nom­men. Noch rela­tiv neu in der Stadt ist Wud­di. Dahin­ter steht die Auto­han­dels­grup­pe Bere­sa. Außer­dem par­ken am Bahn­hof eini­ge Fahr­zeu­ge des Car­sha­ring-Ser­vice Flinks­ter der Deut­schen Bahn.

Auch wenn die Tari­fe der Fir­men sich ein wenig unter­schei­den, die Kon­zep­te sind sich sehr ähn­lich: Die Nutzer:innen buchen ein Auto für einen bestimm­ten Zeit­raum per App. Dann zah­len sie einen Betrag pro Stun­de und pro gefah­re­nem Kilo­me­ter. In der Regel gibt es dar­über hin­aus noch eine Grund­ge­bühr, die wie bei einem Abo monat­lich fäl­lig wird.

Das Umwelt­bun­des­amt emp­fiehlt Autofahrer:innen Car­sha­ring als Alter­na­ti­ve zum eige­nen Auto, wenn sie weni­ger als 10.000 Kilo­me­ter pro Jahr fah­ren. Dann loh­ne es sich finan­zi­ell, beson­ders bei Haus­hal­ten mit zwei oder mehr Fahr­zeu­gen. Und weil jede Fahrt Geld kos­tet, bie­tet das Car­sha­ring-Sys­tem schon in sich einen Anreiz, das Auto öfter ste­hen zu las­sen. Schließ­lich kön­nen vie­le Wege genau­so gut und güns­ti­ger mit dem Fahr­rad, zu Fuß oder mit dem Bus zurück­ge­legt werden.

Rei­ne Psy­cho­lo­gie, denn auch mit dem eige­nen Auto kos­tet jeder Kilo­me­ter Geld. Das merkt man beim Kauf des Fahr­zeugs, beim Abschluss der Ver­si­che­rung, beim Tan­ken oder wenn das Geld für den Stell­platz (in Müns­ter 40 bis 70 Euro) abge­bucht wird. Trotz­dem tut es mehr weh, wenn die Car­sha­ring-App nach der Fahrt zum Super­markt direkt die Kos­ten für den Aus­flug anzeigt.

Für Manu­el Schlott­bom, Geschäfts­füh­rer von wud­di, ist das einer der Haupt­grün­de dafür, dass vie­le Men­schen lie­ber mit dem eige­nen Auto fah­ren: „Vie­le Men­schen wis­sen gar nicht, wie viel sie ihr Auto kos­tet. Repa­ra­tur, Rei­fen­ver­schleiß, Wert­ver­lust des Autos – das ist bei uns alles im Preis inbegriffen.“

Ergänzung zum ÖPNV

Es gibt Städ­te, in denen Car­sha­ring regel­recht boomt. Und das müs­sen nicht unbe­dingt die Mil­lio­nen­städ­te sein. Der Bun­des­ver­band Car­Sha­ring (BCS) erhebt regel­mä­ßig die Zahl der Car­sha­ring-Fahr­zeu­ge in deut­schen Städ­ten und Gemein­den. Die aktu­ells­ten Zah­len sind aus dem Jahr 2019. Ihnen zufol­ge hat eine ande­re Stadt die Nase vorn: Karls­ru­he, mit 313.000 Einwohner:innen in etwa so groß wie Müns­ter. Hier kom­men auf 1.000 Men­schen 3,23 Car­sha­ring Fahr­zeu­ge. Frei­burg liegt mit einer Quo­te von 1,59 auf dem vier­ten Platz, nur knapp hin­ter Ber­lin. Müns­ter folgt erst auf Platz 19 mit einer Quo­te von 0,72.

Car­sha­ring eig­net sich gut für klei­ne­re Städ­te, gera­de in Klein- und Mit­tel­städ­ten sind inzwi­schen vie­le Anbie­ter aktiv. Das geht aus Daten des BCS her­vor. Hier ist die Auto­dich­te oft höher, weil der öffent­li­che Nah­ver­kehr nicht alle ent­le­ge­nen Ecken erreicht. Trotz­dem kann Car­sha­ring ohne ÖPNV nicht funk­tio­nie­ren. Schließ­lich sol­len die Nutzer:innen ja gera­de nicht jeden Weg mit dem Auto zurück­le­gen. In Karls­ru­he scheint das zu funk­tio­nie­ren. Die Stadt hat eine gute ÖPNV- und Fahr­rad-Infra­struk­tur. Vor zwei Jah­ren kür­te der ADFC sie zur fahr­rad­freund­lichs­ten Groß­stadt Deutsch­lands. Müns­ter ver­lor den Titel und konn­te ihn bis­her nicht zurück­er­obern. Der ADFC hat heu­te das aktu­el­le Ran­king ver­öf­fent­licht. Müns­ter bleibt auf Platz zwei. Für ein flä­chen­de­cken­des Car­sha­ring-Ange­bot hät­te die Stadt gute Voraussetzungen.

Car­sha­ring kann den öffent­li­chen Nah­ver­kehr ergän­zen. Vor ein paar Wochen hat sich mei­ne Kol­le­gin Con­stan­ze Busch mit dem Kon­zept der auto­frei­en Stadt beschäf­tigt und ver­schie­de­ne Bei­spie­le aus Deutsch­land und dem Aus­land vor­ge­stellt. Sie kön­nen das hier nach­le­sen. Bei den Kon­zep­ten zur auto­ar­men Stadt der Kom­mu­nen spielt Car­sha­ring immer wie­der eine Rol­le. Davon pro­fi­tiert auch die Umwelt.

Zwei konkurrierende Konzepte

Wie umwelt­freund­lich Car­sha­ring wirk­lich ist, hängt von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab. Es hat auch mit den unter­schied­li­chen Car­sha­ring-Sys­te­men zu tun. In Müns­ter gibt es aus­schließ­lich sta­ti­ons­ba­sier­tes Car­sha­ring. Das heißt: Wer ein Auto bucht, fin­det es auf einem fes­ten Park­platz, muss es aber auch nach der Fahrt wie­der dort­hin zurück­brin­gen. Die Nutzer:innen wis­sen immer genau, an wel­chem Ort sie ein Auto fin­den. Dem­ge­gen­über steht das soge­nann­te Free­floa­ting-Sys­tem. Bei die­sem Kon­zept ste­hen die Autos ohne fes­ten Park­platz irgend­wo in der Stadt. Wo genau, das ver­rät eine App. Nach der Fahrt kön­nen die Nutzer:innen das Auto ein­fach dort abstel­len, wo Platz ist. So sind auch Ein-Weg-Fahr­ten möglich.

Nach einer Stu­die des Car­sha­ring-Bun­des­ver­bands aus dem Jahr 2016 ersetzt ein sta­ti­ons­ba­sier­tes Car­sha­ring-Fahr­zeug etwa 8 bis 20 pri­va­te Autos. Free­floa­ting kön­ne das nicht leis­ten, sagt der Ver­band und ver­weist auf eine Unter­su­chung aus dem Jahr 2018. Sie kommt zu dem Ergeb­nis: Die­se Car­sha­ring-Vari­an­te ver­rin­gert das Ver­kehrs­auf­kom­men und den stadt­wei­ten C02-Aus­stoß nur unwe­sent­lich. Für die in dem Ver­band orga­ni­sier­ten Anbie­ter kann nur sta­ti­ons­ba­sier­tes Car­sha­ring Ver­kehr und Umwelt ent­las­ten. „Free­floa­ting steht häu­fig in Kon­kur­renz zum Fahr­rad, ÖPNV und in man­chen Fäl­len sogar zum Fuß­ver­kehr. Das ist bequem, fle­xi­bel, aber nicht im Sin­ne einer Ver­kehrs­wen­de“, erklärt Till Ammann, Geschäfts­füh­rer von Stadt­teil­au­to in Münster.

Eini­ge gro­ße Free­floa­ting-Anbie­ter haben vor Kur­zem ihren eige­nen Inter­es­sen­ver­band gegrün­det, gemein­sam mit den gro­ßen E-Scoo­ter-Ver­lei­hern. Sie füh­len sich vom Bun­des­ver­band nicht aus­rei­chend unter­stützt. Die Platt­form Shared Mobi­li­ty (PSM) führt eine Stu­die aus dem Jahr 2016 an, nach der Free­floa­ting-Fahr­zeu­ge in Mün­chen das Poten­zi­al haben, zwei bis vier pri­va­te Fahr­zeu­ge zu erset­zen. Außer­dem beto­nen sie die gro­ße Nutzer:innenfreundlichkeit des Free­floa­ting-Sys­tems. Ist die Auto-Flot­te groß genug, kön­nen die Nutzer:innen die Sharing-Autos an jeder Stra­ßen­ecke fin­den und müs­sen nicht lan­ge nach dem nächs­ten ver­füg­ba­ren Fahr­zeug suchen. In einer Stadt wie Müns­ter, in der Park­plät­ze gene­rell knapp sind, könn­te es aller­dings gar nicht so ein­fach sein, das Auto nach der Fahrt ein­fach so - und vor allem direkt am Ziel­ort - wie­der abzustellen.

In Deutsch­land ist das sta­ti­ons­ba­sier­te Modell flä­chen­mä­ßig am stärks­ten ver­tre­ten. Das Free­floa­ting-Sys­tem wird aber von mehr Men­schen genutzt. Von den 2,7 Mil­lio­nen Carsharing-Kund:innen in Deutsch­land sind mehr als zwei Mil­lio­nen bei Free­floa­ting-Diens­ten ange­mel­det. Eini­ge Car­sha­ring-Anbie­ter expe­ri­men­tie­ren mit kom­bi­nier­ten Sys­te­men, mit denen bei­de Vari­an­ten mög­lich sind.

Es mangelt an Parkplätzen

Stadt­teil­au­to ver­fügt im Raum Müns­ter etwa über 250 Autos an über 60 Sta­tio­nen. Wud­di hat etwa 55 Autos an rund 30 Sta­tio­nen. Die Nutzer:innen sol­len mög­lichst nicht lan­ge zum nächst­ge­le­ge­nen Park­platz lau­fen müs­sen. Aber es kann sein, dass bereits alle Autos in der Nähe gebucht sind. Dann ist ein län­ge­rer Weg unvermeidbar.

Um das sta­ti­ons­ba­sier­te Car­sha­ring kom­for­ta­bler zu machen, brau­chen die Anbie­ter mög­lichst vie­le fes­te Park­plät­ze. Doch im öffent­li­chen Raum gibt es davon nicht vie­le. Die Anbie­ter kön­nen pri­va­te Park­flä­chen mie­ten – oder Stell­flä­chen von der Stadt bekom­men. Die­se muss die Flä­chen dafür umwid­men. Das ist sehr büro­kra­tisch und braucht viel Zeit. Ein neu­es Gesetz ermög­licht Kom­mu­nen schon etwas län­ger, Stell­flä­chen ohne gro­ßen Auf­wand an Car­sha­ring-Anbie­ter zu ver­ge­ben. Die Stadt Müns­ter prüft bis­her noch, wie das Gesetz in Müns­ter umge­setzt wer­den kann. So lan­ge müs­sen die Anbie­ter warten.

Wud­di ver­sucht, mit Nut­zer­freund­lich­keit zu punk­ten. Denn das ist ein Wett­be­werbs­vor­teil. Wäh­rend die Kund:innen bei Stadt­teil­au­to per­sön­lich zur Anmel­dung kom­men müs­sen und eine Kau­ti­on zu ent­rich­ten haben, läuft das bei wud­di unkom­pli­ziert und digi­tal. „Das geht auch nachts. Ein­fach regis­trie­ren und zehn Minu­ten spä­ter kön­nen Sie im Auto sit­zen“, erzählt wud­di-Geschäfts­füh­rer Manu­el Schlott­bom. Er sagt: „Damit sol­che Car­sha­ring-Ange­bo­te im länd­li­chen Raum funk­tio­nie­ren, muss der Zugang zur Mobi­li­tät aus unse­rer Sicht so unkom­pli­ziert wie mög­lich sein.“

Doch die Fra­ge bleibt, war­um nicht viel mehr Men­schen in Deutsch­land Car­sha­ring nut­zen. Eine Stu­die der Unter­neh­mens­be­ra­tung A.T. Kear­ney gibt mög­li­cher­wei­se eine Ant­wort. Car­sha­ring sei nur in weni­gen deut­schen Städ­ten lukra­tiv, heißt es dort. Die Miet­wa­gen könn­ten höchs­tens zwei Mil­lio­nen Pri­vat-PKW erset­zen, und das auch nur in den gro­ßen Städ­ten. Die meis­ten Autofahrer:innen sähen Car­sha­ring nicht als voll­wer­ti­gen Ersatz. Der Ser­vice erset­ze nicht das eige­ne Auto.

Kein „fahrendes Sofa“

„Momen­tan ist es sehr bequem, ein eige­nes Auto zu besit­zen. Ein Anwoh­ner­park­aus­weis kos­tet in Müns­ter ja noch nicht ein­mal 20 Euro“, sagt Till Ammann von Stadt­teil­au­to. Dar­über ärgert er sich. Schwer sei für die Autofahrer:innen in Müns­ter nur die Park­platz­su­che. Daher gebe es eini­ge Men­schen, die Car­sha­ring-Ange­bo­te nutz­ten, um ihr eige­nes Fahr­zeug auf ihrem Park­platz ste­hen las­sen zu können.

Natür­lich ist es beque­mer, ein eige­nes Auto zu haben, als es mit vie­len Men­schen tei­len zu müs­sen. Es muss nicht vor der Fahrt gebucht wer­den, es steht am bes­ten direkt vorm Haus, und die Besitzer:innen kön­nen alle pri­va­ten Gegen­stän­de im Fahr­zeug lie­gen las­sen. Eigent­lich ist ein eige­nes Auto zu bequem, fin­det Till Ammann von Stadt­teil­au­to: „Für vie­le Men­schen ist ein Auto ein fah­ren­des Sofa, das vor der Tür steht. Da kann man ein­stei­gen und direkt losfahren.“

Dar­aus klingt: Wenn es klap­pen soll mit der Ver­kehrs­wen­de, dann muss sich auch etwas an unse­rem Ver­hält­nis zum Auto ändern. In Deutsch­land wird Auto­fah­ren oft mit Frei­heit gleich­ge­setzt. Die Frei­heit, so schnell zu fah­ren, wie man möch­te. Die Frei­heit, dann los­zu­fah­ren, wann man es möch­te. Und die Frei­heit, sich spon­tan ein Ziel aus­su­chen zu kön­nen. Das ist beim Car­sha­ring alles nicht ganz so frei. Aber mobil sind die Nutzer:innen trotzdem.

Kor­rek­tur­hin­weis: Wir haben in die­sem Text ein Zitat von Till Ammann, dem Geschäfts­füh­rer von Stadt­teil­au­to Car­Sha­ring, kor­ri­giert. Ursprüng­lich stand dort: „Für uns kon­kur­riert das Free­floa­ting eher mit dem Fuß­ver­kehr. Das ist bequem, fle­xi­bel, aber nicht im Sin­ne einer Ver­kehrs­wen­de“, erklärt Till Ammann. Das war aber unvoll­stän­dig. Rich­tig ist: „Free­floa­ting steht häu­fig in Kon­kur­renz zum Fahr­rad, ÖPNV und in man­chen Fäl­len sogar zum Fuß­ver­kehr. (…)“
Und noch eine klei­ne Kor­rek­tur: Im Brief stand „Stadt­teil­au­to ver­fügt im Raum Müns­ter etwa über 250 Autos auf über 60 Park­plät­zen. Wud­di hat etwa 55 Autos auf rund 30 Park­plät­zen.“ Statt „Park­plät­ze“ ist hier jeweils Sta­tio­nen“ rich­tig, gemeint sind die Sta­tio­nen der Anbie­ter in der Stadt. Es gibt also genug Stell­plät­ze für alle Autos. Auch das haben wir im Text ent­spre­chend geändert.


Corona-Update

+++ In Müns­ter stei­gen die Coro­na-Zah­len wei­ter­hin an. 287 Men­schen in Müns­ter sind heu­te nach­weis­lich mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert, mel­det die Stadt. Die Sie­ben-Tage-Inzi­denz hat sich im Ver­gleich zur ver­gan­ge­nen Woche nur leicht ver­än­dert, sie liegt bei 46,6.

+++ Seit ges­tern neh­men alle Schüler:innen wie­der am Prä­senz­un­ter­richt teil – im Wech­sel­mo­dell und mit stren­gen Hygie­ne­auf­la­gen. Ab heu­te bekom­men die Schu­len auch Selbst­tests für Schüler:innen und Lehrer:innen vom Land zuge­schickt. Gut mög­lich aber, dass die Tests erst in eini­gen Tagen in den Brief­käs­ten der Schu­len ankom­men. Viel Arbeit für die Schu­len, denn sie müs­sen die Tests vor Ort durch­füh­ren und dokumentieren.

+++ Weil die Bun­des­re­gie­rung die Imp­fung mit dem Impf­stoff von Astra­Ze­ne­ca aus­ge­setzt hat, muss das Impf­zen­trum in Müns­ter über 3000 Impf­ter­mi­ne ver­schie­ben. Jetzt wird nach Ersatz­ter­mi­nen gesucht, aber der rest­li­che vor­han­de­ne Impf­stoff reicht nicht aus, um die Aus­fäl­le von Astra­Ze­ne­ca zu kom­pen­sie­ren , schreibt die Stadt. Bis­her hat das Impf­zen­trum Müns­ter knapp 10.000 Imp­fun­gen mit Astra­Ze­ne­ca durchgeführt.

+++ Mor­gen Abend tagt der Rat der Stadt, wegen der Pan­de­mie wie­der in der Hal­le Müns­ter­land. Das domi­nie­ren­de The­ma wird der städ­ti­sche Haus­halt sein. Die übri­gen The­men fin­den Sie hier in der Tages­ord­nung. Die Rats­sit­zung beginnt um 16:30 Uhr. Sie ist öffent­lich, wird aber nicht per Live­stream über­tra­gen. Die SPD hat schon vor vier Jah­ren ver­sucht, das mög­lich zu machen, auch ande­re Par­tei­en wie die Pira­ten wären sofort dabei gewe­sen. Doch eine Mehr­heit fand der Vor­schlag nicht. Aktu­ell setzt die FDP in Müns­ter sich recht hart­nä­ckig für eine Live-Über­tra­gung ein. Noch am Mon­tag for­der­te sie in einer Pres­se­mit­tei­lung, der Rat müs­se sich öff­nen. In Städ­ten wie Bonn oder Lever­ku­sen sei ein Live­stream längst Nor­ma­li­tät. Aber die Ent­schei­dung ist nicht so leicht, wie sie auf den ers­ten Blick aus­sieht. Öffent­lich­keit ist nicht gleich Medi­en­öf­fent­lich­keit. Das erklärt die saar­län­di­sche Anwäl­tin und Rats­po­li­ti­ke­rin Kath­rin Ber­ger hier in einem Bei­trag. Es gibt die Befürch­tung, dass zu viel Öffent­lich­keit Men­schen dar­an hin­dern könn­te, sich um ein Rats­man­dat zu bewer­ben. Ande­rer­seits braucht Poli­tik in der Demo­kra­tie Öffent­lich­keit. Wir haben die Stadt Müns­ter nach dem aktu­el­len Stand gefragt. Stadt­spre­cher Tho­mas Rei­se­ner schreibt, man prü­fe zur­zeit die Rah­men­be­din­gun­gen und in wel­cher Form die Über­tra­gung statt­fin­den könn­te. Danach wer­de sich wahr­schein­lich zunächst der Ältes­ten­rat mit der Sache beschäf­ti­gen. Klingt nicht danach, als ob es bis zur nächs­ten Sit­zung etwas wer­den könn­te. Für mor­gen wür­den wir anbie­ten: Wenn Sie sich für ein bestimm­tes The­ma inter­es­sie­ren, schrei­ben Sie uns, dann schrei­ben wir Ihnen nach der Sitzung. 


Unbezahlte Werbung

Im letz­ten RUMS-Brief haben wir Ihnen einen kuli­na­ri­schen Aus­flug nach Grie­chen­land emp­foh­len. Heu­te geht die Rei­se nach Japan – und zwar in die ers­te Iza­ka­ya (so hei­ßen japa­ni­sche Knei­pen) Müns­ters. Das Yuzu Ramen (Münz­stra­ße) ser­viert mon­tags bis sonn­tags jeweils von 18 bis 20 Uhr japa­ni­sche Spe­zia­li­tä­ten, etwa gefüll­te Teig­ta­schen, Reis­ge­rich­te und, natür­lich, Ramen. Das wohl bekann­tes­te Nudel­ge­richt Japans besteht aus den Ramen-Nudeln (hier kön­nen Sie nach­le­sen, wie sie zube­rei­tet wer­den), einer Brü­he und ver­schie­de­nen Bei­la­gen. Mei­ne Kol­le­gin Johan­ne Burk­hardt emp­fiehlt ganz beson­ders die vege­ta­ri­schen Miso-Ramen mit Weiß­kohl, Bam­bus­spros­sen und einem mari­nier­ten Ei.


Drinnen und Draußen

+++ Wenn am Frei­tag vie­le Men­schen auf Fahr­rä­dern an Ihnen vor­bei­kom­men, sind das wahr­schein­lich die Aktivist:innen von Fri­days for Future. Die Grup­pe aus Müns­ter betei­ligt sich am Frei­tag an einem glo­ba­len Kli­ma­st­reik. Um 14 Uhr gibt es eine (coro­na­kon­for­me) Kund­ge­bung am Schloss, danach geht es als Fahr­rad­de­mo wei­ter durch die Stadt.

+++ Haben Sie das Strea­ming-Ange­bot von Net­flix, Ama­zon Prime & Co. schon durch? Dann emp­feh­len wir Ihnen die neue Strea­ming-Thea­ter-Soap “Tor­tu­ga” der Grup­pe Cac­tus Jun­ges Thea­ter. Das Ensem­ble ver­spricht eine gro­ße Traum­schif­frei­se mit „Frei­heit, Aben­teu­ern und Hand­tü­chern” und sehr viel Spaß. Die ers­te Fol­ge ist ab heu­te online, hier fin­den Sie den Link zum Stream.

+++ Am Frei­tag ist in Nord­rhein-West­fa­len die „Nacht der Biblio­the­ken”. Die Stadt­bü­che­rei Müns­ter lädt Kin­der aus die­sem Anlass ab 15 Uhr dazu ein, Rät­sel­fäl­le zu lösen. Für die Erwach­se­nen gibt es das Online Escape Game „Eine rät­sel­haf­te Spur” um 16:30 Uhr. Bei einer vir­tu­el­len Tour durch die Büche­rei müs­sen Sie Brie­fe und ande­re Hin­wei­se fin­den und ent­schlüs­seln. Das kön­nen Sie allein oder zusam­men mit Ihrer Fami­lie oder Ihren Freund:innen tun. Und falls Sie das Ermit­teln doch lie­ber ande­ren über­las­sen möch­ten: Ab 19:30 Uhr über­neh­men Chris­toph Tie­mann und das Thea­ter ex Libris im Live-Hör­spiel „Sher­lock, Schock & Hor­ror”. Alle Ver­an­stal­tun­gen zur Nacht der Biblio­the­ken sind kos­ten­los, zum Escape Game müs­sen Sie sich aber anmel­den. Hier fin­den Sie das gan­ze Programm.

Am Frei­tag schreibt Ihnen Nils Diet­rich. Ich wün­sche Ihnen einen schö­ne Woche. 

Herz­li­che Grü­ße
Ann-Mar­len Hoolt

Mit­ar­beit: Anto­nia Strot­mann, Johan­ne Burkhardt


PS

Das Video ist inzwi­schen eine Woche alt, und viel­leicht haben Sie es schon gese­hen, aber ich muss immer noch dar­über lachen. Ken­nen Sie „The Mas­ked Sin­ger”? Eine Musik­show, bei der Pro­mi­nen­te in Ganz­kör­per­kos­tü­men auf­tre­ten und eine Jury raten muss, um wen es sich han­delt. In der ame­ri­ka­ni­schen Ver­si­on der Show muss­te in der ver­gan­ge­nen Woche ein Welt­star sei­ne Iden­ti­tät ent­hül­len. Ich sage Ihnen nicht, um wen es sich han­delt. Sie kön­nen sich das Video hier anschau­en. Las­sen Sie sich überraschen.