Noch mehr Appelle | Böllerverbot zu Silvester? | Zeitgenossen

Müns­ter, 17. Novem­ber 2020

Guten Tag,

in einer ähn­li­chen Geschwin­dig­keit wie die Infek­ti­ons­zah­len steigt im Moment die Men­ge der Coro­na-Regeln, die im Gespräch sind, die mut­maß­lich bald in Kraft tre­ten könn­ten oder die von allen mög­li­chen Leu­ten als zwin­gend not­wen­dig emp­foh­len wer­den. Lei­der steigt mit der Zahl der rea­len oder mög­li­chen Regeln nicht unbe­dingt die Sicher­heit, son­dern eher die Ver­un­si­che­rung. Und sobald die­se ein gewis­ses Maß erreicht hat, kann man sich die Regeln dann auch wie­der spa­ren. Denn dann hält sich nie­mand mehr an sie. 

Daher zual­ler­erst ein klei­ner Über­blick. Was ist beim Gespräch der Kanz­le­rin mit den Lan­des­re­gie­run­gen denn nun wirk­lich her­aus­ge­kom­men? Im Grun­de vor allem eines: ein Appell. 

  • Redu­zie­ren Sie Ihre Tref­fen noch mehr als ohne­hin schon, am bes­ten auf Men­schen aus einem wei­te­ren Haushalt. 
  • Wenn Ihre Freund:innen oder die Ihrer Kin­der nicht in einem Haus­halt leben, wäre es gut, wenn ent­we­der Sie oder Ihre Kin­der auf Besu­che verzichten. 
  • Fei­ern Sie nicht, jeden­falls nicht in Gesellschaft.
  • Ver­zich­ten Sie auf Rei­sen und Tages­tou­ren. Über­haupt: Mei­den Sie Orte, an denen viel los ist. 
  • Blei­ben Sie zu Hau­se, wenn Sie Atem­wegs­er­kran­kun­gen haben. 
  • Besu­chen Sie älte­re Men­schen nur, wenn es kei­ne Hin­wei­se dar­auf gibt, dass Sie krank sind. 

Das klingt alles unan­ge­nehm, aber es ist sehr viel weni­ger ver­bind­lich als das, was die Kanz­le­rin sich eigent­lich vor­ge­stellt hat­te. Sie woll­te die­se Maß­ga­ben zu Vor­schrif­ten machen. Aber das woll­ten die Lan­des­re­gie­run­gen nicht. 

Der größte Streitpunkt: die Schulen

Und so geht es ja eigent­lich schon seit Wochen. Ange­la Mer­kel möch­te zur Not mit sehr dras­ti­schen Regeln ver­hin­dern, dass die Pan­de­mie sich wei­ter aus­brei­tet. Die Minis­ter­prä­si­den­tin­nen und Minis­ter­prä­si­den­ten wol­len den Men­schen nicht ganz so viel zumu­ten. So ist es auch mit den Schu­len. Das war einer der größ­ten Streit­punk­te am Mon­tag. Die Kanz­le­rin woll­te unter anderem: 

  • eine Mas­ken­pflicht für das Lehr­per­so­nal und alle Jahr­gän­ge, auch im Unterricht. 
  • Klas­sen soll­ten geteilt und auf grö­ße­re Räu­me ver­teilt werden.

Dazu kam es nicht. Um einen Ein­druck davon zu geben, war­um das nicht mög­lich war, blen­den wir kurz zu einem Inter­view, das Klaus Kle­ber am Mon­tag­abend im ZDF heu­te jour­nal mit NRW-Fami­li­en­mi­nis­ter Joa­chim Stamp (FDP) geführt hat (ab Minu­te 9:35). Die­ses Gespräch gibt einen guten Ein­druck davon, wie schwer es im Moment ist, ein­deu­ti­ge Aus­sa­gen zu treffen. 

Ich fas­se das Wesent­li­che kurz zusam­men: Klaus Kle­ber fragt, war­um es denn nicht mög­lich sei, die Schul­klas­sen zu tei­len. Joa­chim Stamp sagt, dann brau­che man dop­pelt so viel Lehr­per­so­nal. Kle­ber sagt, das stim­me nicht, man kön­ne doch digi­ta­len Unter­richt machen. Solin­gen habe es bewie­sen. Dort hat­te die Stadt beschlos­sen, die Klas­sen an wei­ter­füh­ren­den Schu­len zu hal­bie­ren und die Klas­sen­tei­le abwech­selnd in der Schu­le und über digi­ta­le Ver­bin­dun­gen zu unter­rich­ten. Stamp sagt, Solin­gen habe das nicht bewie­sen, dort sei vie­les gegen den Wil­len von Schu­len pas­siert – und zum Nach­teil von Kin­dern und Jugend­li­chen, die nicht aus bil­dungs­bür­ger­li­chen Haus­hal­ten stam­men, wo die Vor­aus­set­zun­gen für digi­ta­les Ler­nen erfüllt sei­en. Stamp sagt, Schu­len sei­en kei­ne Viren­schleu­dern. Kle­ber sagt, doch, es gebe eine neue Stu­die, die zu die­sem Ergeb­nis gekom­men sei. Fach­leu­te und Ver­bän­de sei­en sich einig. Stamp sagt, das sei über­haupt nicht der Fall. Er ver­weist auch auf die psy­chi­schen Belas­tun­gen, zu denen es kom­me, wenn der Unter­richt zu Hau­se statt­fin­de. Kle­ber sagt, man wer­de sich in die­ser Sache wohl nicht einig. 

Man könn­te das alles fort­set­zen. In der glei­chen Sen­dung ist etwas frü­her in einem Aus­schnitt Grü­nen-Che­fin Anna­le­na Baer­bock zu sehen, die bemän­gelt, man sei nun in der glei­chen Situa­ti­on wie im Früh­jahr. Die Kul­tus­mi­nis­te­ri­en ver­such­ten, mit Schnell­schüs­sen über den Win­ter zu kom­men. Ihr Vor­wurf lau­tet: Man hät­te doch den gan­zen Som­mer Zeit gehabt.

Die­se Fra­ge könn­ten wir auch in Müns­ter stel­len. Die Stadt hat gera­de 300 Luft­fil­ter bestellt, um Unter­richt in Klas­sen­räu­men zu ermög­li­chen, in denen man nicht ein­fach das Fens­ter auf­ma­chen kann. Aber hät­te das nicht schon in den Som­mer­mo­na­ten pas­sie­ren kön­nen? Der Viro­lo­ge Chris­ti­an Dros­ten zum Bei­spiel hat schon im Früh­jahr all das pro­gnos­ti­ziert, was jetzt gera­de geschieht. 

Mit dem Wis­sen von heu­te hät­te man sicher vie­les bes­ser machen könn­ten. Doch es gab eben auch ande­re Fach­leu­te wie den Viro­lo­gen Hen­drik Stre­eck, der eine zwei­te Wel­le noch lan­ge für unwahr­schein­lich hielt. Es hät­te sein kön­nen, dass die Stadt für 600.000 Euro Luft­fil­ter kauft, die dann aber gar nicht gebraucht wer­den. Dann wäre die Fra­ge gewe­sen: War­um habt ihr nicht erst ein­mal abgewartet?

Die Luft­fil­ter sol­len in der zwei­ten Dezem­ber-Woche in Betrieb gehen, schreibt die Stadt auf Nach­fra­ge. Dass sie dann nicht mehr gebraucht wer­den, könn­te höchs­tens der Fall sein, wenn die Schu­len in drei Wochen wie­der geschlos­sen sind. 

Zah­len dazu, wie vie­le Men­schen an den Schu­len in Müns­ter infi­ziert sind, gibt die Stadt nicht her­aus. Um die­se Zah­len zu erhe­ben, bräuch­te es Per­so­nal, aber das wer­de zur­zeit für die Bekämp­fung der Pan­de­mie benö­tigt, schreibt die Stadt. Sobald die Infek­ti­ons­zah­len an einer oder an allen Schu­len „kri­sen­stabs­re­le­vant“ wür­den, wer­de die Ver­wal­tung aber dar­über informieren. 

Wir haben mit meh­re­ren Leh­re­rin­nen und Leh­rern über die Situa­ti­on gespro­chen. Öffent­lich dür­fen sie sich nicht äußern. Daher nen­nen wir ihre Namen nicht. Ihre Ein­drü­cke sind unter­schied­lich. Aber alle ver­mis­sen ein­deu­ti­ge und nach­voll­zieh­ba­re Regeln. Es sei nicht so rich­tig klar, wer wann und war­um in Qua­ran­tä­ne geschickt wer­de, so berich­tet es eine Leh­re­rin. Gan­ze Klas­sen müss­ten kaum noch zu Hau­se blei­ben, manch­mal nur noch all jene, die an benach­bar­ten Tischen saßen. Wer zehn Minu­ten Kon­takt mit spä­ter Infi­zier­ten hat­te, dür­fe wei­ter­hin kom­men. Wer mehr als eine Vier­tel­stun­de Kon­takt gehabt habe, wer­de in Qua­ran­tä­ne geschickt, aber dann manch­mal auch nur für ein oder zwei Tage. So rich­tig nach­voll­zieh­bar sei das alles nicht. 

Im Unter­richt lüf­te er alle 20 Minu­ten, so erzählt es ein Leh­rer, aber wenn die Pau­sen­glo­cke dann am Ende der Stun­de kling­le, stürm­ten alle gleich­zei­tig ins Trep­pen­haus. Auch in der Schul­men­sa sei es ver­hält­nis­mä­ßig voll. Das Lehr­per­so­nal sei im Ver­lauf der ver­gan­ge­nen Wochen eher noch vor­sich­ti­ger gewor­den. Vie­le hät­ten sich siche­re FFP2-Mas­ken gekauft. Gleich­zei­tig habe er den Ein­druck, so sagt der Leh­rer, dass vie­le sich nur halb­her­zig an die Regeln hiel­ten. Nach all den Mona­ten sei das viel­leicht auch eine Ermüdungserscheinung. 

Der Blick nach vor­ne zeigt, wie schwer es ist, die Situa­ti­on abzu­schät­zen. Einer­seits gibt es die Aus­sicht auf einen Impf­stoff. Und die Infek­ti­ons­zah­len stei­gen nicht mehr so schnell. Am Mon­tag­abend sag­te die Kanz­le­rin: „Die gute Nach­richt heißt: Wir haben erst mal das expo­nen­ti­el­le Wachs­tum gestoppt.“ Ande­rer­seits sind die Zah­len so hoch wie noch nie. Mit einem halb­wegs nor­ma­len Weih­nachts­fest rech­net so gut wie nie­mand. Und auch nicht mit einem halb­wegs nor­ma­len Silvester. 

Böllerverbot zu Silvester?

In den Nie­der­lan­den hat die Regie­rung für Sil­ves­ter ein Böl­ler­ver­bot ver­hängt. Die Grü­nen haben das auch für Ber­lin vor­ge­schla­gen. In Köln denkt man eben­falls dar­über nach. In Müns­ter auch? Ja, aber das Ergeb­nis ist noch nicht ganz klar. 

Gin­ge es nach der CDU oder der FDP, käme das Ver­bot nicht. 

  • CDU-Frak­ti­ons­chef Ste­fan Weber schreibt, er hal­te ein gene­rel­les Ver­bot für „über­flüs­sig und falsch“. Da kei­ne gro­ßen Par­tys gefei­ert wer­den könn­ten, wer­de ver­mut­lich auch das Feu­er­werk klei­ner aus­fal­len. „Per­sön­lich kann ich mit Knall­kör­pern nichts anfan­gen, mit einem herr­li­chen Feu­er­werk aber schon“, schreibt Weber.
  • FDP-Frak­ti­ons­chef Jörg Berens fin­det es noch zu früh, um über die Fra­ge zu spre­chen. Er fän­de es sinn­voll, wenn die Stadt es „ver­hin­dern oder erschwe­ren“ wür­de, dass Sil­ves­ter so vie­le Men­schen auf dem Dom­platz fei­ern wie sonst. „Ich glau­be aber nicht, dass das Böl­lern zum Jah­res­wech­sel die Haupt­mo­ti­va­ti­on ist, um zusam­men­zu­kom­men. Des­we­gen bin ich skep­tisch, dass ein gene­rel­les Böl­ler­ver­bot ver­hält­nis­mä­ßig wäre“, schreibt er. 

Ent­schei­den kön­nen CDU und FDP dar­über zusam­men aller­dings nicht. SPD, Grü­ne und Volt könn­ten das schon. 

  • Doch auch SPD-Frak­ti­ons­chef Mathi­as Kers­t­ing denkt nicht, dass ein all­ge­mei­nes Böl­ler­ver­bot der rich­ti­ge Weg wäre, um die Gesund­heit der Men­schen zu schüt­zen. „Böl­ler­par­tys, wie sie auch in vie­len Nach­bar­schaf­ten beliebt sind“, zu ver­bie­ten, könn­te er sich schon vor­stel­len. Eine abschlie­ßen­de Posi­ti­on habe sei­ne Par­tei aber noch nicht gefunden. 
  • So geht es auch den Grü­nen. Ihre Par­tei rufe ohne­hin schon jedes Jahr dazu auf, wenig zu böl­lern, sagt Frak­ti­ons­chefin Syl­via Rie­ten­berg. Daher sehe man es grund­sätz­lich posi­tiv, wenn nicht geb­öl­lert wer­de. Ande­rer­seits sei die Fra­ge, ob man den Men­schen jetzt noch etwas neh­men müs­se. Rich­ti­ge Sil­ves­ter­fei­ern wer­de es ja nicht geben. Daher wer­de wahr­schein­lich auch nicht so viel geb­öl­lert. Viel­leicht sei ein Ver­bot daher gar nicht not­wen­dig. Dar­über müs­se man in der Frak­ti­on aber noch bera­ten, eine abschlie­ßen­de Posi­ti­on habe man noch nicht, sagt Syl­via Rietenberg.
  • Die Par­tei Volt argu­men­tiert ganz ähn­lich. Einem Ver­bot ste­he man kri­tisch gegen­über, sagt Cari­na Beck­mann, „Co-City-Lead“ der Par­tei, ver­gleich­bar mit einer Kreis­vor­sit­zen­den. Den Men­schen sei­en in den ver­gan­ge­nen Wochen und Mona­ten schon so vie­le Ein­schrän­kun­gen zuge­mu­tet wor­den. Über das Für und Wider von pri­va­ten Feu­er­wer­ken wol­le man lie­ber nach der Pan­de­mie dis­ku­tie­ren. Man appel­lie­re aber an die Men­schen, mit Blick auf die Situa­ti­on in der Not­fall­me­di­zin und die Ord­nungs­kräf­te sich beim pri­va­ten Feu­er­werk mög­lichst einzuschränken. 
  • Ortrud Phil­ipp, stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­chefin der Lin­ken, sähe vie­le Grün­de für ein Ver­bot: den Stress, den das Feu­er­werk bei Wild- und Haus­tie­ren ver­ur­sacht, die Ver­let­zungs­ge­fahr. Vor allem aber das wegen der Pan­de­mie ohne­hin schon über­las­te­te Gesund­heits­sys­tem. Im ver­gan­ge­nen Jahr sei es in der Sil­ves­ter­nacht in Müns­ter zu 72 Ret­tungs­dienstein­sät­zen gekom­men. Wie genau eine Rege­lung aus­se­hen kön­ne, dar­über müs­se man noch bera­ten, aber die obers­te Prio­ri­tät müs­se sein, das Gesund­heits­sys­tem zu schonen. 

In den Nie­der­lan­den ist das das Haupt­ar­gu­ment gegen ein Sil­ves­ter­feu­er­werk. Unfäl­le sind sta­tis­tisch abseh­bar. Men­schen wer­den in Kran­ken­häu­sern behan­delt wer­den müs­sen. Doch die Belas­tungs­gren­zen dort sei­en wegen der Pan­de­mie schon erreicht. Davor warnt in Deutsch­land auch die deut­sche Umwelt­hil­fe. Die Orga­ni­sa­ti­on sieht aber noch eine ande­re Gefahr. Es zei­ge sich immer deut­li­cher, dass es einen Zusam­men­hang zwi­schen der Fein­staub­be­las­tung und schwe­ren Covid-19-Ver­läu­fen gebe, sagt Jür­gen Resch, der Bun­des­ge­schäfts­füh­rer der Orga­ni­sa­ti­on. Außer­dem sei die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung für ein Ende der pri­va­ten Böl­le­rei. „Wann, wenn nicht jetzt, ist die Gele­gen­heit, das end­lich ein­heit­lich und umfas­send umzu­set­zen?“, sagt er. 

Ver­bie­ten könn­te das Feu­er­werk auch die Bun­des­re­gie­rung. Im Moment scheint das unwahr­schein­lich. Aber es wäre ja nicht das ers­te Mal, dass etwas Unwahr­schein­li­ches inner­halb von weni­gen Tagen zu einer Opti­on wird. Am nächs­ten Don­ners­tag wird Ange­la Mer­kel sich wie­der mit den Lan­des­re­gie­run­gen zusam­men­set­zen. Dann soll es um einen lang­fris­ti­gen Plan gehen. 


In aller Kürze

+++ Müns­ter bekommt ein Coro­na-Impf­zen­trum. Das mel­det die Stadt in einer Pres­se­mit­tei­lung. Wo genau sich das Zen­trum befin­den wird, ist noch nicht klar. Aber erst ein­mal ist es beschlos­sen. Die Kanz­le­rin und die Lan­des­re­gie­run­gen hät­ten die Län­der am Mon­tag auf­ge­for­dert, dafür zu sor­gen, dass die­se Zen­tren kurz­fris­tig in Betrieb gehen kön­nen. In Nord­rhein-West­fa­len sol­len es in etwa 50 sein sein. Nach dem Beschluss sei davon aus­zu­ge­hen, dass der Impf­stoff im ers­ten Quar­tal 2021 ver­füg­bar sein wer­de, schreibt die Stadt.

+++ Die Uni­kli­nik baut gera­de für sehr viel Geld die Bet­ten­tür­me aus. NRW-Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Isa­bel Pfeif­fer-Poens­gen (par­tei­los) hat sich am Mon­tag ange­se­hen, was mit den ins­ge­samt 146 Mil­li­on Euro gemacht wird, die das Land aus einem Son­der­pro­gramm zur Ver­fü­gung stellt. Was genau dort pas­siert, schreibt die Kli­nik in einer Pres­se­mit­tei­lung. Im Wesent­li­chen: Zuerst saniert die Uni­kli­nik den Ost­turm, spä­ter dann den West­turm. Im Ost­turm wer­den zum Bei­spiel die Kran­ken­zim­mer neu gemacht. Aufs Dach kommt eine Café­te­ria, die Mit­te des nächs­ten Jah­res eröff­nen soll. Außer­dem soll das Kran­ken­haus inner­halb des nächs­ten Jah­res eine Infek­ti­ons­sta­ti­on mit zwölf Iso­lier­bet­ten bekommen. 


Corona-Update

Die Coro­na-Zah­len, die wir jeden Tag hören, ver­mit­teln nur einen vagen Ein­druck von der Situa­ti­on, der dazu auch immer schon ein paar Tage alt ist. Das Robert-Koch-Insti­tut etwa mel­det leicht fal­len­de Gesamt­zah­len, aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau. In Nord­rhein-West­fa­len waren es über 4.400 neue Fäl­le mehr im Ver­gleich zu ges­tern. Und auch wenn die Infek­ti­ons­zah­len zurück­ge­hen, wis­sen wir nicht, ob sie danach nicht doch wie­der stei­gen wer­den. In Frank­reich etwa ist das Gesund­heits­sys­tem an der Belas­tungs­gren­ze ange­langt. Dort spricht man schon von einer drit­ten oder vier­ten Wel­le. Der Inten­siv­me­di­zi­ner Chris­toph Schlier erklärt hier im Inter­view mit dem Deutsch­land­funk, was in Deutsch­land bes­ser läuft. In Müns­ter mel­det die Stadt seit ges­tern 31 Neu­in­fek­tio­nen und damit 426 aktu­ell als infi­ziert gel­ten­de Men­schen im Stadt­ge­biet. 42 Men­schen mit einer Covid-19-Erkran­kung lie­gen im Kran­ken­haus, 21 davon auf der Inten­siv­sta­ti­on. 1.722 Men­schen befin­den sich nach Anga­ben der Stadt momen­tan in Qua­ran­tä­ne. Und: Wir haben die Stadt nach der Situa­ti­on im Gesund­heits­amt gefragt. Dort tele­fo­nie­ren inzwi­schen 103 Men­schen im Team Coro­na die Kon­tak­te von Infi­zier­ten ab. Seit der ver­gan­ge­nen Woche sei­en 20 dazu­ge­kom­men, zehn davon kamen aus ande­ren Ämtern, zehn sei­en neu ein­ge­stellt wor­den. Die Belas­tung sei sehr hoch, schreibt die Stadt. Eine Patent­lö­sung, um bei die­sen Zah­len alle Kon­tak­te nach­zu­ver­fol­gen, gebe es nicht. Ein Pro­blem sei nicht nur das knap­pe Per­so­nal, son­dern auch, dass Infi­zier­te sich an Kon­tak­te nicht erin­nern, oder dass Kon­tak­te ein­fach nicht erreich­bar seien.


Unbezahlte Werbung

+++ Wenn Sie beim Zap­pen schon mal zufäl­lig in der Trö­del­show „Bares für Rares“ hän­gen­ge­blie­ben sind, dann ken­nen Sie viel­leicht Chris­ti­an Vech­tel. Er ist dort regel­mä­ßig als Händ­ler zu sehen. In Müns­ter hat er zusam­men mit Chris­ti­an Becker an der Mel­chers­stra­ße das Auk­ti­ons­haus „Zeit­ge­nos­sen“. Und falls Sie schon ange­fan­gen haben, sich um Weih­nachts­ge­schen­ke zu küm­mern, sich gene­rell für Anti­qui­tä­ten inter­es­sie­ren oder ein­fach Lust auf eine Auk­ti­on haben, am Frei­tag und Sams­tag wäre die nächs­te – wegen der Coro­na-Beschrän­kun­gen aus­schließ­lich online, aber das ist bei dem Wet­ter viel­leicht auch gar nicht so schlecht. Was dort ver­stei­gert wird, kön­nen Sie sich vor­her anse­hen. Den Kata­log fin­den Sie online auf unter­schied­li­chen Auk­ti­ons­platt­for­men, zum Bei­spiel hier oder hier. Alle wei­te­ren Infor­ma­tio­nen zur Auk­ti­on fin­den Sie hier.


Korrekturen und Ergänzungen

Über unse­rem RUMS-Brief am Frei­tag stand in der Dach­zei­le „Rot, grün – und lila: Neu­es Bünd­nis im Rat“. Per Mail erhiel­ten wir den Hin­weis, dass die Far­be Grün eigent­lich vor­ne ste­hen müss­te, denn die Frak­ti­on der Grü­nen ist ja die größ­te der drei. Und das stimmt natür­lich. Außer­dem hät­ten wir statt „lila“ kor­rek­ter­wei­se „vio­lett“ schrei­ben müs­sen. Der Duden führt bei­de Begrif­fe zwar als Syn­ony­me, die Far­ben­leh­re kennt aller­dings einen Unter­schied. Neben der Par­tei Volt nut­zen übri­gens auch die öster­rei­chi­sche Pira­ten­par­tei und, natür­lich, „Die Vio­let­ten“ die­se Far­be, wäh­rend Lila und das auf den ers­ten Blick sehr ähn­lich erschei­nen­de Pur­pur noch frei wären. Die Far­be Lila ist Ihnen viel­leicht ges­tern Abend auf­ge­fal­len, wenn Sie über den Hohen­zol­lern­ring gefah­ren sind, denn in die­ser Far­be leuch­te­te das Trep­pen­haus des Fran­zis­kus-Hos­pi­tals, nur einen Abend lang. Die Akti­on hieß „Light it up pur­p­le“ (deutsch: lila) und soll­te auf den Welt­früh­ge­bo­re­nen-Tag hin­wei­sen, der heu­te ist. Und dazu hier noch der Hin­weis auf unse­re Repor­ta­ge zum The­ma, die in der ver­gan­ge­nen Woche erschie­nen ist. 

Zwei Din­ge müs­sen wir aber noch kor­ri­gie­ren. In unse­rer Kolum­ne am Sonn­tag stand, die Par­tei­en SPD und Volt bil­de­ten eine Frak­ti­on. Das stimmt nicht. Die bei­den Volt-Abge­ord­ne­ten bil­den eine Rats­grup­pe, eine Frak­ti­on besteht min­des­tens aus drei Abge­ord­ne­ten. Und dann noch ein Feh­ler, den ich am Frei­tag aus Ver­se­hen selbst in den RUMS-Brief hin­ein­kor­ri­giert habe: Wir schrie­ben, das Ord­nungs­amt tole­rie­re das Geh­weg­par­ken inner­halb des Innen­stadt­rings. Tat­säch­lich schaut das Ord­nungs­amt außer­halb des Rings nicht ganz so genau hin.


Drinnen und Draußen

Reden wir nicht lan­ge drum­her­um, es ist nicht viel los im Moment in Müns­ter, jeden­falls nicht vor der Tür. Aber ein paar Tipps hät­ten wir schon. 

+++ Die Kunst­hal­le am Hafen ist geschlos­sen, wie eigent­lich alles zur­zeit. Aber glück­li­cher­wei­se haben Kas­per König und Klaus Buß­mann sich ja schon vor über 40 Jah­ren eine pan­de­mie­si­che­re Aus­stel­lung für Müns­ter aus­ge­dacht: die Skulp­tur-Pro­jek­te. Und wenn es gera­de zufäl­lig mal nicht reg­net oder stürmt, kann man sich immer­hin Tei­le die­ser Aus­stel­lung jeder­zeit anse­hen. Die Kunst­hal­le hat auf ihren Sei­ten einen Über­blick über all die Skulp­tur-Pro­jek­te ver­öf­fent­licht, die in der Stadt noch zu fin­den sind. 

+++ Für die nächs­ten Tage sieht die Wet­ter­vor­her­sa­ge nicht ganz so hoff­nungs­voll aus. Daher hier auch noch zwei Film­tipps: zum einen die Net­flix-Doku „The Social Dilem­ma“, in dem ehe­ma­li­ge Mana­ger von Platt­for­men wie Face­book, Pin­te­rest oder Goog­le erzäh­len, wie sie ihren Opti­mis­mus in die­se Diens­te ver­lo­ren. An der Doku gibt es auch eini­ges zu kri­ti­sie­ren, zum Bei­spiel, dass sie recht ein­sei­tig ist. Aber um das wie­der aus­zu­glei­chen, kann man sich zum Bei­spiel im Anschluss eben­falls bei Net­flix „The Social Net­work“ anse­hen. Das ist aber noch nicht der zwei­te Filmtipp.

+++ Der ande­re wäre ein 30-minü­ti­ger Kurz­film, zu sehen in der Arte-Media­thek. Der Film heißt „Masel Tov Cock­tail“. Die Regis­seu­re Arka­dij Kha­et und Mickey Paatzsch erzäh­len mit der Geschich­te des rus­sisch-jüdi­schen Ein­wan­de­rers Dimi­trij Lie­ber­mann, was es bedeu­tet, als Jude in Deutsch­land auf­zu­wach­sen. Der Film hat ein gan­zes Regal vol­ler Prei­se gewon­nen. Eine Bespre­chung fin­den Sie hier.

Und das war es erst ein­mal für heu­te. Am Frei­tag schreibt Ihnen mei­ne Kol­le­gin Ann-Mar­len Hoolt. Haben Sie bis dahin eine schö­ne Woche.

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann


PS

Vor 20 Jah­ren eröff­ne­te das Cine­plex-Kino am Hafen. Nils Diet­rich hat für sein Blog Die Wie­der­täu­fer ein paar Erin­ne­run­gen auf­ge­schrie­ben und den Arti­kel zur Eröff­nung in der Ost­vier­tel-Zei­tung „Rund um“ her­aus­ge­kramt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich rich­tig erin­ne­re, aber ich glau­be, ich war in einer der ers­ten Vor­stel­lun­gen, viel­leicht sogar der ers­ten. Der Film, den ich sah, war „Bil­ly Elli­ot – I will dance”, und irgend­wann mit­ten in der Vor­stel­lung fiel der Pro­jek­tor aus. War jemand von Ihnen zufäl­lig damals mit mir im Kino­saal? Oder haben Sie ande­re Erin­ne­run­gen, auch gern an Erleb­nis­se in ande­ren Kinos in Müns­ter? Schrei­ben Sie uns. Wenn ein paar schö­ne Geschich­ten zusam­men­kom­men, ver­öf­fent­li­chen wir sie hier.