Das York-Quartier: Wohnviertel der Zukunft? | Noch mehr Flyover-Gutachten | Bouldern

Müns­ter, 7. Mai 2021

Guten Tag,

Müns­ter wächst, in zehn Jah­ren wer­den wahr­schein­lich 330.000 Men­schen in der Stadt leben. Es gibt jetzt schon zu weni­ge Woh­nun­gen, vor allem zu wenig bezahl­ba­re. Und das knap­pe Gut namens Wohn­raum dürf­te in den nächs­ten Jah­ren noch viel knap­per wer­den: Bis 2040 steigt die Zahl der Haus­hal­te in Müns­ter wei­ter stark an, so lau­tet eine Pro­gno­se im Woh­nungs­markt­be­richt NRW. Wo sol­len die vie­len Zuge­zo­ge­nen in der Stadt also blei­ben? Es wird nicht rei­chen, bestehen­de Stadt­tei­le nach­träg­lich durch Neu­bau zu ver­dich­ten, irgend­wann wird es ein­fach zu eng. Es müs­sen ganz neue Wohn­vier­tel her.

Auf den Gelän­den der ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Kaser­nen Oxford (Gie­ven­beck) und York (Grem­men­dorf) sol­len in den nächs­ten Jah­ren sol­che Quar­tie­re ent­ste­hen. Dort soll modell­haft das Woh­nen der Zukunft ent­wor­fen und aus­pro­biert wer­den: „inno­va­ti­ves, urba­nes und nach­hal­ti­ges Leben in Müns­ter” ver­spricht die Stadt für das neue York-Quar­tier. Um die bei­den Kaser­nen­ge­län­de neu zu pla­nen und zu ver­mark­ten, hat die Stadt eine neue Toch­ter­ge­sell­schaft gegrün­det: die Kon­voy GmbH (der Name steht für Konver­si­ons­flä­chen der Oxford- und der York-Kaser­ne).

Wir dröseln das große Versprechen mal auf

Wir haben uns das York-Gelän­de im Stadt­teil Grem­men­dorf ein­mal genau­er ange­schaut. Seit bei­na­he zehn Jah­ren wird über die Nach­nut­zung und Neu­ge­stal­tung des Kaser­nen­ge­län­des gespro­chen und in den Medi­en berich­tet. Seit Herbst 2020 wird dort auch tat­säch­lich gebaut. 1.800 Wohn­ein­hei­ten sol­len ins­ge­samt ent­ste­hen, und mit dem Bau­pro­jekt soll auch das neue Stadt­teil­zen­trum gestal­tet werden.

Die Visi­on: In einem „sozi­al und kul­tu­rell durch­misch­ten Quar­tier“ sol­len „attrak­ti­ve, bezahl­ba­re Wohn­flä­chen in unter­schied­li­chen Lagen und Grö­ßen“ gebaut wer­den. Das klingt so gut, man möch­te fast gleich die Umzugs­kis­ten packen. Aber was bedeu­tet das eigent­lich konkret?

Wir haben das gro­ße Ver­spre­chen ein­mal in drei klei­ne­re aufgedröselt:

  • eine viel­fäl­ti­ge Nachbarschaft
  • bezahl­ba­rer Wohnraum
  • ein attrak­ti­ves Wohnviertel

Kann das neue Quar­tier die­se Ver­spre­chen hal­ten? Wir haben recher­chiert und mit Expert:innen für das Bau­vor­ha­ben gesprochen.

Wann beginnt denn das Wohnen der Zukunft?

Bevor wir den Ver­spre­chen auf den Grund gehen, noch schnell ein paar Eck­da­ten. Der Grund­stein für die ers­ten Gebäu­de im zukünf­ti­gen York-Quar­tier soll­te eigent­lich im ver­gan­ge­nen Som­mer gelegt wer­den. Aber die Kampf­mit­tel­su­che auf dem alten Kaser­nen­ge­län­de dau­er­te län­ger, als zunächst erwar­tet. Ins­ge­samt wur­den vier Bom­ben gebor­gen. Im Mai 2020 schlu­gen die Son­den erneut aus, wegen der Pan­de­mie dau­er­te es aber län­ger als üblich, das Gelän­de zu eva­ku­ie­ren. Wei­te­re Bom­ben tauch­ten nicht auf. Gefun­den wur­den ein altes Fahr­rad, ein altes Auto und ande­res Alt­me­tall, erzähl­te uns Ste­phan Aumann, Kon­ver­si­ons­ma­na­ger der Stadt Müns­ter und Geschäfts­füh­rer der Kon­voy, bei einem Inter­view auf dem Gelände.

Mit einer klei­nen Ver­zö­ge­rung ging es dann im Okto­ber 2020 los mit dem Hoch­bau. Die ers­ten acht Woh­nun­gen sol­len schon Ende 2022 bezugs­fer­tig sein. Bis das gesam­te Pro­jekt abge­schlos­sen ist und das ehe­ma­li­ge Kaser­nen­ge­län­de so aus­sieht wie in den Ent­wür­fen, wird es aber min­des­tens bis 2028 dauern.

Eine vielfältige Nachbarschaft

„Ein sozi­al und kul­tu­rell durch­misch­tes Quar­tier”, das soll hei­ßen: Men­schen mit unter­schied­lich hohen Ein­kom­men, Fami­li­en, Paa­re und Sin­gles, Men­schen mit und ohne inter­na­tio­na­le Fami­li­en­ge­schich­te sol­len Tür an Tür leben. Dahin­ter steckt nicht nur die schö­ne Vor­stel­lung von einer bunt gemisch­ten Nach­bar­schaft, son­dern auch ein prak­ti­scher Grund. „Die Erfah­rung mit ande­ren Quar­tie­ren zeigt: Je mehr die­se Mischung vor­an­ge­trie­ben wer­den kann, auch im ein­zel­nen Gebäu­de, umso grö­ßer ist die Chan­ce, dass ein Stadt­teil sta­bil ist und nicht nach der ers­ten Besied­lungs­pe­ri­ode aus­stirbt“, erklär­te uns Ger­hard Joksch. Der ehe­ma­li­ge Stadt­bau­rat saß bis zum ver­gan­ge­nen Herbst für die Grü­nen im Stadt­rat und war unter ande­rem Frak­ti­ons­spre­cher für das The­ma Bau­en. Dem Auf­sichts­rat der Kon­voy gehört er noch immer an. 

Es soll nicht so lau­fen wie in vie­len ande­ren Neu­bau­ge­bie­ten: Jun­ge Fami­li­en mit Kin­dern zie­hen ein, irgend­wann sind die Kin­der erwach­sen und zie­hen aus. Die Eltern blei­ben dann allein in der eigent­lich zu gro­ßen Woh­nung zurück und Infra­struk­tu­ren wie Schu­len oder Kitas wer­den über­flüs­sig, weil kaum noch jun­ge Fami­li­en in das Gebiet zie­hen kön­nen oder möch­ten. Leben von Anfang an jun­ge und alte Men­schen in der­sel­ben Nach­bar­schaft, zie­hen auch immer wie­der jun­ge und alte ins Vier­tel, so die Hoffnung.

In vie­len ande­ren Stadt­vier­teln von Müns­ter klappt es mit der Durch­mi­schung nicht so gut, sie sind zumin­dest in einer Hin­sicht sehr homo­gen: Vor allem im Zen­trum sind die Grund­stücks- und Miet­prei­se sehr hoch. Im Kreuz­vier­tel wird zum Bei­spiel gera­de eine Drei-Zim­mer-Woh­nung mit 82 Qua­drat­me­tern und Bal­kon für 980 Euro kalt ange­bo­ten, das ist auch für man­che gut­ver­die­nen­de Eltern­paa­re kaum zu stem­men. Zum sel­ben Preis ist auch die­se exklu­si­ve Zwei-Zim­mer-Woh­nung (57 Qua­drat­me­ter) zu haben. Für Men­schen, die wenig ver­die­nen oder mehr Platz für eine grö­ße­re Fami­lie brau­chen, kommt eine Woh­nung im Stadt­kern also kaum in Fra­ge. Sie zie­hen in die Außenstadtteile.

Wie genau soll im York-Quar­tier also die Mischung erreicht werden?

Mindestens 30 Prozent Sozialwohnungen

Der Rat hat 2018 soge­nann­te Gestal­tungs­leit­li­ni­en für das Bau­ge­biet beschlos­sen, die die Stadt und Kon­voy zusam­men mit zwei Pla­nungs­bü­ros ent­wor­fen haben. Dar­in steht, wel­che Wohn­for­men gebaut wer­den sol­len: Neben sozia­lem Woh­nungs­bau sind auch Eigen­tums­woh­nun­gen, Eigen­hei­me, frei finan­zier­te Miet­woh­nun­gen und Stu­die­ren­den­ap­par­te­ments geplant. Vie­les ist aber noch offen und hängt von den Ent­wür­fen ab, die die (ange­hen­den) Investor:innen ein­rei­chen wer­den. Fest steht aber: Es wer­den deut­lich weni­ger Ein­fa­mi­li­en- als Mehr­woh­nungs­häu­ser gebaut. Denn: „Fami­li­en mit Kin­dern sind die Min­der­heit in Müns­ter. In den meis­ten Haus­hal­ten leben ein bis zwei Per­so­nen“, erklär­te uns Joksch. Die­ser Anteil wird ver­mut­lich noch wei­ter wach­sen. Laut Woh­nungs­markt­be­richt NRW wird die Zahl der Ein­per­so­nen­haus­hal­te bis 2040 um bis zu elf Pro­zent stei­gen, ein etwa dop­pelt so star­ker Anstieg wie im Rest des Bundeslandes.

Zum Bau öffent­lich geför­der­ter Woh­nun­gen hat sich die Stadt mit der „Sozi­al­ge­rech­ten Boden­nut­zung Müns­ter” (SoBoMü) ver­pflich­tet, die auch Müns­te­ra­ner Modell genannt wird: Bei Bau­pro­jek­ten müs­sen min­des­tens 30 Pro­zent der neu­en Woh­nun­gen Sozi­al­woh­nun­gen sein. Im York-Quar­tier baut die Wohn + Stadt­bau auf dem nörd­lichs­ten Teil­quar­tier („Gar­ten­woh­nen“) neben etwa 80 Eigen­tums­woh­nun­gen und 220 frei finan­zier­ten Woh­nun­gen auch 469 Woh­nun­gen, die öffent­lich geför­dert wer­den und spä­ter zu güns­ti­ge­ren Prei­sen ver­mie­tet wer­den. Die Sozi­al­woh­nun­gen wer­den sogar als Ers­tes gebaut, war­um, erklä­ren wir wei­ter unten.

Die 30 Pro­zent für das gesam­te York-Quar­tier wären damit also schon erreicht. Unter Umstän­den könn­ten es auch mehr wer­den: Falls das Land NRW wei­te­re För­der­mit­tel für den sozia­len Woh­nungs­bau zur Ver­fü­gung stel­le, kön­ne die Wohn + Stadt­bau auch wei­te­re öffent­lich geför­der­te Woh­nun­gen im Quar­tier bau­en, erklär­te uns Ger­hard Joksch. Und laut Ste­phan Aumann könn­ten auch pri­va­te Investor:innen Sozi­al­woh­nun­gen in ihre Kon­zep­te ein­pla­nen. Ob sie das tun wer­den, ist schwer zu sagen. Mit sol­chen Woh­nun­gen ver­die­nen die Unter­neh­men natür­lich weni­ger. Dafür bekom­men sie aber auch öffent­li­che Gel­der für den Bau. Ob sich das finan­zi­ell lohnt oder nicht, ist auch in der Bran­che umstrit­ten, Ten­denz: nein.

Leser:innen werben Leser:innen

In den kom­men­den Mona­ten möch­ten wir die Zahl unse­rer Abonnent:innen auf 2.500 stei­gern, um uns nach­hal­tig finan­zie­ren zu kön­nen. Denn unser Jour­na­lis­mus ist auf­wen­dig und braucht Zeit, und das kos­tet Geld. Des­we­gen bit­ten wir Sie dar­um, uns zu unter­stüt­zen. Und das ist ganz ein­fach: Wenn jede und jeder von Ihnen nur drei Ver­wand­te, Bekann­te und Freund:innen anschreibt und uns wei­ter­emp­fiehlt, kön­nen wir gemein­sam wach­sen und unser Ange­bot auch ausbauen.

Außer­dem pro­fi­tie­ren auch ande­re davon: Bei bestimm­ten Ziel­mar­ken wer­den wir Medi­­en-Work­­shops für Jugend­li­che ver­an­stal­ten, Genaue­res dazu lesen Sie hier. Sie kön­nen uns dafür Orga­ni­sa­tio­nen vor­schla­gen, die Ihnen am Her­zen lie­gen: Schrei­ben Sie uns ger­ne an die­se Adres­se. Wie sich unse­re Akti­on ent­wi­ckelt, tei­len wir Ihnen ab jetzt regel­mä­ßig in unse­rem Brief mit. Sobald wir die ers­ten Work­shops umset­zen kön­nen, wer­den wir die­se zudem dokumentieren.

Was im Süden des York-Quar­tiers - außer­halb des Kaser­nen­ge­län­des - („Woh­nen im eige­nen Haus“) pas­sie­ren soll, steht schon fest. Dort ent­ste­hen Rei­hen- und Dop­pel­häu­ser. Eigen­hei­me und öffent­lich geför­der­te Woh­nun­gen könn­ten, zumin­dest nach dem aktu­el­len Stand, also nicht wei­ter von­ein­an­der ent­fernt sein (Sie kön­nen sich hier selbst ein Bild davon machen). Räum­lich durch­mischt ist das Quar­tier also (noch) nicht. Eini­ge Gebäu­de in der Mit­te der Kaser­nen­flä­che wer­den bis 2024 noch als Unter­kunft für Geflüch­te­te genutzt (die soge­nann­te Zen­tra­le Unter­brin­gungs­ein­rich­tung ZUE). Danach sol­len auch sie umge­stal­tet wer­den – wie genau, steht noch nicht fest. Ver­schie­de­ne Ideen lie­gen auf dem Tisch, vom Stu­die­ren­den­wohn­heim bis zu Rei­hen­häu­sern und Mai­so­net­te­woh­nun­gen. Kla­rer wird es aber erst, wenn in ein paar Jah­ren die Investor:innen Vor­schlä­ge einreichen.

Ger­hard Joksch gibt sich mit Blick auf die sozio­kul­tu­rel­le Mischung opti­mis­tisch: „Es ist nicht per­fekt, aber es ist ein ers­ter Ansatz“, sag­te er in unse­rem Interview.

„Budgethäuser“: günstig, aber Zustand unklar

Ein Teil der Eigen­hei­me soll auch güns­ti­ger zu haben sein, sagt Ste­phan Aumann. Das will die Kon­voy garan­tie­ren, indem sie den Investor:innen vor­schreibt, 30 Pro­zent der Haus­prei­se vor Ver­trags­ab­schluss zu nen­nen. Dadurch hät­te die städ­ti­sche GmbH die Mög­lich­keit, die spä­te­ren Ver­kaufs­prei­se in einem gewis­sen Rah­men mit zu steuern.

Ein Unter­neh­men, mit dem die Kon­voy aktu­ell ver­han­delt, will sogar 38 Pro­zent der Haus­prei­se nen­nen. In dem Ent­wurf die­ses Unter­neh­mens soll min­des­tens ein Teil der Rei­hen­häu­ser als soge­nann­te Bud­get­häu­ser gebaut wer­den. Der Kauf­preis für rund 110 Qua­drat­me­ter Wohn- und etwa 175 Qua­drat­me­ter Grund­stücks­flä­che soll bei rund 400.000 Euro lie­gen. Aller­dings müs­se bei den Bud­get­häu­sern der Innen­aus­bau von den Eigentümer:innen ganz oder teil­wei­se selbst bewerk­stel­ligt oder finan­ziert wer­den. Hier wird es etwas kniff­lig: Was alles unter „Innen­aus­bau” fal­len wird, steht noch nicht fest. Mög­lich wäre: Die künf­ti­gen Eigentümer:innen müs­sen selbst den Fuß­bo­den ver­le­gen und tape­zie­ren. Eigent­lich ist „Innen­aus­bau” aber das Gegen­stück zu „Roh­bau”, und umfasst nach die­ser Defi­ni­ti­on alles von Tro­cken­bau über den Sani­tär­be­reich bis hin zu Fens­tern und Türen.

Ob die Häu­ser den Titel Bud­get­haus ver­die­nen, sei dahin­ge­stellt. Zum Ver­gleich: Der Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che kos­tet 3636 Euro, und das bei einem doch recht klei­nen Grund­stück. Mit bestehen­den Häu­sern lässt sich das Ange­bot nicht so ein­fach ver­glei­chen, aber: Im Grund­stücks­markt­be­richt 2021 der Stadt Müns­ter steht zum Bei­spiel auf Sei­te 54, dass bei einem Rei­hen­mit­tel­haus in mitt­le­rer Lage in den Äuße­ren Stadt­tei­len (Zone 5) – und dazu gehört Grem­men­dorf – der mitt­le­re Wert bei 2830 Euro liegt. Und die Eigen­hei­me haben den Innen­aus­bau schon hin­ter sich. 

Mietpreise unter dem Durchschnitt

Und wie sieht es im Rest des Quar­tiers aus? Die Wohn + Stadt­bau ver­spricht zumin­dest für das Teil­quar­tier Gar­ten­woh­nen fai­re Miet­prei­se. Für ihre rund 220 frei finan­zier­ten Woh­nun­gen im Nor­den des Quar­tiers sieht sie einen durch­schnitt­li­chen Miet­preis von 11,25 Euro pro Qua­drat­me­ter vor, der damit unter der mitt­le­ren Ange­bots­mie­te für Neu­bau­woh­nun­gen von bis zu 13,34 Euro pro Qua­drat­me­ter in Müns­ter liegt (Stand 2020). Zur Erklä­rung: Ange­bots­mie­ten sind im Unter­schied zu Bestands­mie­ten die Mie­ten von Woh­nun­gen, die auf dem Markt sind. Die Neu­bau­woh­nun­gen wären damit etwas güns­ti­ger als die oben genann­te Drei-Zim­mer-Woh­nung im Kreuz­vier­tel mit ihrem Qua­drat­me­ter­preis von 11,95 Euro.

Die Mie­ten der öffent­lich geför­der­ten Woh­nun­gen rich­ten sich nach den für NRW gel­ten­den Mie­ten­stu­fen. Men­schen mit einem Wohn­be­rech­ti­gungs­schein A wer­den also 6,80 Euro pro Qua­drat­me­ter zah­len. Wäre die Drei-Zim­mer-Woh­nung im Kreuz­vier­tel eine Sozi­al­woh­nung, wür­de sie etwa 560 Euro kos­ten, gut die Hälf­te der tat­säch­li­chen Miete.

Saftige Rabatte für fertige Sozialwohnungen

Wo wir gera­de von Geld spre­chen: Was die Stadt für die Kaser­nen­flä­che an den Bund bezahlt hat und für wel­che Sum­men die ein­zel­nen Bau­fel­der an die Investor:innen wei­ter­ver­kauft wer­den, woll­te man uns nicht ver­ra­ten. Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten mel­de­ten vor drei Jah­ren, der Kauf­preis lie­ge unter 40 Mil­lio­nen Euro.

Das gro­ße Geld will die Kon­voy mit dem Wei­ter­ver­kauf aber nicht machen, son­dern die Wohn­prei­se mode­rat hal­ten. „Der Gewinn ist deut­lich klei­ner als bei einem pri­va­ten Unter­neh­men. Aber wir müs­sen so viel ver­die­nen, dass wir die Inves­ti­tio­nen in die Infra­struk­tur (Anm.: Die Stadt baut einen Teil der Kitas und Spiel­plät­ze auf dem Are­al) refi­nan­zie­ren kön­nen“, so Aumann. Das sei der Vor­teil eines städ­ti­schen Unternehmens.

Eine Zahl ken­nen wir aber – weil wir sie selbst aus­ge­rech­net haben. Im Kauf­ver­trag für die Kaser­nen­flä­che ver­spricht eine Ver­bil­li­gungs­richt­li­nie 25.000 Euro Preis­nach­lass pro öffent­lich geför­der­ter Woh­nung. Die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben (Bima), die sich unter ande­rem um den Ver­kauf staat­li­cher Grund­stü­cke küm­mert, gewährt sol­che Rabat­te seit 2018.

Die Wohn + Stadt­bau errich­tet 469 öffent­lich geför­der­te Woh­nun­gen, die 2023 fer­tig­ge­stellt wer­den sol­len. Das wären exakt 11,725 Mil­lio­nen Euro, die die Stadt spa­ren könn­te. Und die­se Sum­me dürf­te der Grund dafür sein, dass die Sozi­al­woh­nun­gen zuerst gebaut wer­den. Denn der Rabatt gilt nur, wenn die Woh­nun­gen frist­ge­recht fünf Jah­re nach Über­ga­be der Kaser­nen­flä­che an die Stadt Müns­ter bezugs­fer­tig sind. Bis­her habe man kei­nen Anlass zu befürch­ten, dass die Fris­ten nicht ein­ge­hal­ten wer­den kön­nen, sag­te Ger­hard Joksch.

Schulen und Kitas, Kultur und Kneipe

„Sozi­al und kul­tu­rell gemischt” und „bezahl­bar” haben wir also geklärt. Damit kom­men wir zum drit­ten (und kom­pli­zier­tes­ten) Teil des Ver­spre­chens: „Attrak­ti­ves Woh­nen”. Das kann viel hei­ßen, und je nach Lebens­si­tua­ti­on und per­sön­li­chem Geschmack fin­den Men­schen ganz unter­schied­li­che Din­ge attrak­tiv. Also betrach­ten wir mal das Offen­sicht­li­che: Grem­men­dorf liegt sechs Kilo­me­ter (etwa 20 Fahr­rad- und 15 Auto­mi­nu­ten) von der Alt­stadt ent­fernt. Das Vier­tel braucht also eine gute Bin­nen­struk­tur: Schu­len, Kitas, Gewer­be, Ein­kaufs- und Frei­zeit­an­ge­bo­te. Ein wenig Gas­tro­no­mie könn­te für die Zeit nach der Pan­de­mie auch nicht schaden.

Auch hier kommt es also wie­der auf einen guten Mix an, sag­te uns Ger­hard Joksch: Neben einer sozio­kul­tu­rel­len Mischung sei auch die Nut­zungs­mi­schung der Gebäu­de ent­schei­dend dafür, dass sich ein Stadt­teil sta­bil ent­wi­ckelt. Und da scheint das York-Quar­tier punk­ten zu können.

Die gro­ben Vor­ga­ben setzt der städ­te­bau­li­che Ent­wurf. Eine neue Grund­schu­le, Spiel- und Sport­plät­ze, Gemein­schafts­gär­ten und zwei Turn­hal­len sind vor­ge­se­hen. Über das gesam­te Quar­tier ver­teilt sol­len außer­dem 23 Kita-Grup­pen ein­ge­rich­tet wer­den. Ent­lang des Albers­lo­her Wegs, der im Osten des Bau­ge­bie­tes ver­läuft, soll das neue Zen­trum Grem­men­dorfs ent­ste­hen: In den Häu­sern an der Haupt­stra­ße sol­len neben Woh­nun­gen auch Ein­zel­han­del, Gewer­be und Dienstleister:innen Platz finden.

Im alten Offi­ziers­ge­bäu­de im Casi­no-Park, der eben­falls an den Albers­lo­her Weg angrenzt, soll ein neu­es Bürger:innenforum ent­ste­hen. Es ist als Ort für Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen und viel­leicht auch für Ver­ei­ne gedacht. Aus Sicht von Ste­phan Aumann ein gro­ßer Gewinn für den gesam­ten Stadt­teil: „Grem­men­dorf braucht Orte für Kul­tur, so etwas fehlt hier bis­her noch.” Denk­bar sei­en Thea­ter­vor­stel­lun­gen, Lese­aben­de und Ver­eins­ver­samm­lun­gen, auch die Bezirks­ver­wal­tung könn­te hier tagen. Wann das alles los­ge­hen kann, ist wegen der Bau­stel­len auf dem Gelän­de aber noch nicht klar. Das Gebäu­de selbst kann bereits genutzt werden.

Viele Fragen sind noch offen

Auch bei allem ande­ren ist noch Geduld gefragt. Die Ver­ga­be­ver­fah­ren für das neue Stadt­teil­zen­trum lau­fen gera­de erst an, 2024 sol­len die ers­ten Kin­der in der neu­en Grund­schu­le ein­ge­schult wer­den, und wo spä­ter Spiel­plät­ze und Gemein­schafts­gär­ten lie­gen sol­len, herrscht noch kah­le Baustellenatmosphäre.

Für eini­ge Tei­le des Kaser­nen­ge­län­des gibt es noch gar kei­ne Detail­pla­nung. Was ist bei­spiels­wei­se mit den expe­ri­men­tel­len Ideen für die ehe­ma­li­gen Pan­zer­hal­len? Wie stark wer­den die alten Kaser­nen­ge­bäu­de in ihrer ursprüng­li­chen Form erhal­ten blei­ben und wer wird dar­in woh­nen kön­nen? Wie sieht es mit bar­rie­re­frei­en, alters- oder behin­der­ten­ge­rech­ten Wohn­for­men aus? Und wie nach­hal­tig ist das Pro­jekt am Ende wirk­lich? Wir blei­ben für Sie dran.

In aller Kürze

+++ Ab mor­gen will die Stadt Müns­ter die hohen Inzi­denz­zah­len im Nor­den mit einer Impf­ak­ti­on bekämp­fen. In Coer­de kön­nen sich dann auch Men­schen imp­fen las­sen, die eigent­lich noch nicht an der Rei­he wären. Anmel­den kön­nen sie sich zwi­schen 10 und 14 Uhr in der Stadt­teil­bü­che­rei am Hamann­platz. Die Stadt Müns­ter schreibt in einer Pres­se­mit­tei­lung, „in Coer­de nie­der­ge­las­se­ne Ärz­tin­nen und Ärz­te (haben) ihre Unter­stüt­zung für ein geson­der­tes Zeit­fens­ter und zudem in Eigen­re­gie ange­bo­ten“. Spricht man mit einer der Pra­xen, klingt das etwas anders. Die Stadt habe am Mon­tag nach­ge­fragt, danach habe sich her­aus­ge­stellt, dass kei­ne mobi­len Impf­teams nach Coer­de kom­men wür­den, son­dern die Arzt­pra­xen die Akti­on stem­men müss­ten. „Kei­ne Nach­fra­ge zu unse­ren zeit­li­chen und per­so­nel­len Mög­lich­kei­ten, kei­ne Abstim­mung“, heißt es aus einer der Pra­xen. Man habe sich aber den­noch dazu ent­schlos­sen, die Akti­on zu unter­stüt­zen. Auf die Fra­ge, war­um kei­ne mobi­len Impf­teams in die Stadt­tei­le kom­men, schreibt die Stadt, den Begriff habe die Poli­tik auf­ge­wor­fen. Tat­säch­lich funk­tio­niert die Akti­on in ande­ren Städ­ten ähn­lich. Die Teams sind an zen­tra­len Orten im Vier­tel zu fin­den. In Coer­de ist so ein Ort die Stadt­teil­bü­che­rei. Von dort wer­den die Men­schen zu drei Arzt­pra­xen im Vier­tel geschickt, wo Teams aus vier Pra­xen imp­fen. Am Don­ners­tag hat die Stadt am Hamann­platz bereits kos­ten­los Mas­ken ver­teilt, um auf die Impf­ak­ti­on auf­merk­sam zu machen. In Köln war der Andrang bei der Akti­on groß – so groß, dass der Impf­stoff knapp wur­de.

+++ Jugend­li­che zwi­schen zwölf und 17 Jah­ren kön­nen noch bis ein­schließ­lich Mon­tag ihre Stim­me bei der Jugend­rats­wahl abge­ben. Das Gre­mi­um ver­tritt die Inter­es­sen der Kin­der und Jugend­li­chen in Müns­ter und arbei­tet ähn­lich wie der Stadt­rat. Die 30 Mit­glie­der dis­ku­tie­ren über das (poli­ti­sche) Gesche­hen in der Stadt, stim­men über bestimm­te Fra­gen ab und brin­gen Anre­gun­gen in den Rat oder in die Bezirks­ver­tre­tun­gen ein. 14.700 jun­ge Men­schen aus Müns­ter sind wahl­be­rech­tigt. Die Wahl fin­det aus­schließ­lich online statt.

Korrekturen und Ergänzungen

+++ Wir haben in den ver­gan­ge­nen Wochen wei­te­re Nach­rich­ten zu unse­rem Bei­trag über die Gemein­schaft Emma­nu­el bekom­men. Offen­bar kur­siert das Gerücht, wir hät­ten für die­sen Text Zita­te aus unse­rem Inter­view mit Pfar­rer Ste­fan Jür­gens in einen fal­schen Kon­text gestellt. Das haben wir natür­lich nicht getan. Wir haben unter unse­rem Bei­trag ein Update dazu ergänzt und dar­in unse­re Arbeits­wei­se erklärt.

+++ Im RUMS-Brief am Diens­tag haben wir uns mit der Debat­te über die unter­schied­li­chen Ver­sio­nen eines Gut­ach­tens zur Fahr­rad­brü­cke am Aasee beschäf­tigt, die dort gebaut wer­den könn­te. Dabei hat­ten wir geschrie­ben, Stadt­bau­rat Robin Denstorff habe den Grü­nen das Ange­bot gemacht, sich den nicht ver­öf­fent­lich­ten ers­ten Ent­wurf der Stu­die anzu­se­hen. Wir wur­den dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das kei­ne groß­zü­gi­ge Ges­te war. Nach der Gemein­de­ord­nung ist er dazu ver­pflich­tet, den Rats­mit­glie­dern Akten­ein­sicht zu gewäh­ren. Inzwi­schen ist der ers­te Ent­wurf der Stu­die in den Rats­frak­tio­nen ange­kom­men. Bei uns übri­gens auch. Wer mal rein­se­hen möch­te, kann sich ger­ne mel­den. Die Stadt Müns­ter hat auf ihrer Web­site inzwi­schen auch ein Doku­ment ver­öf­fent­licht, in dem sie die bei­den Ver­sio­nen ver­gleicht. Der Hin­weis kam am Frei­tag­nach­mit­tag in einer Pres­se­mit­tei­lung, in der der Ober­bür­ger­meis­ter noch ein­mal für das Pro­jekt wirbt. Ges­tern Abend erklär­ten in einer nicht-öffent­li­chen Bespre­chung, die eine Ver­kehrs­aus­schuss-Sit­zung ersetz­te, Stadt­bau­rat Robin Denstorff und der stell­ver­tre­ten­de Tief­bau­amts­lei­ter Ger­hard Rül­ler den gan­zen Pro­zess noch ein­mal. Dabei kam unter ande­rem her­aus, dass es nicht nur zwei Ver­sio­nen der Stu­die gibt, son­dern min­des­tens sechs. Das spricht dafür, dass die Ergeb­nis­se sich in einem Arbeits­pro­zess ver­än­dert haben. Wie sehr die Stadt auf die Ände­run­gen Ein­fluss genom­men hat, wis­sen wir nicht.

+++ In unse­rem RUMS-Brief am ver­gan­ge­nen Frei­tag haben wir über die Inzi­denz­wer­te in Müns­ters Stadt­tei­len berich­tet. Dabei haben wir eine Anga­be über­nom­men, die nicht exakt war. Wir schrie­ben, in Coer­de leb­ten vie­le Men­schen aus dem ehe­ma­li­gen Jugo­sla­wi­en, Kin­der­haus dage­gen (sic!) sei eher mul­ti­eth­nisch. Das haben wir uns nun noch ein­mal genau­er ange­se­hen. In ihrem Stadt­ent­wick­lungs­kon­zept für Coer­de schreibt die Stadt: In Coer­de leb­ten im Jahr 2018 ins­ge­samt 33.110 Men­schen. 16,4 Pro­zent davon, also 5430 die­ser Men­schen haben kei­nen deut­schen Pass. Die größ­te Grup­pe ohne deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit stammt aus Ser­bi­en (3,2 Pro­zent), die zweit­größ­te aus Syri­en (2,7 Pro­zent), die dritt­größ­te aus Polen (1,9 Pro­zent). Um wel­che Natio­na­li­tä­ten es sich han­delt, ist aber im Grun­de uner­heb­lich. Uns ging es hier ledig­lich dar­um, auf ein Pro­blem hin­zu­wei­sen: Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­me kön­nen erschwe­ren, dass die­se Men­schen erreicht wer­den. Zur Zusam­men­set­zung der Bevöl­ke­rung in den ein­zel­nen Stadt­tei­len ver­öf­fent­licht die Stadt Müns­ter übri­gens soge­nann­te Steck­brie­fe. Den für Coer­de fin­den Sie zum Bei­spiel hier, die für Kin­der­haus hier oder hier.

Post von Leser:innen

Wir haben Post bekom­men. Von Jochen Schweit­zer. Sie ken­nen ihn viel­leicht aus unse­rer Repor­ta­ge „Kida­ne und Herr Schweit­zer”. Er lobt uns einer­seits, kri­ti­siert uns aller­dings auch. Es geht um die Bericht­erstat­tung über die erhöh­ten Inzi­denz­zah­len im Nor­den der Stadt. Sie haben es gese­hen, wir haben dazu oben eine Kor­rek­tur ver­öf­fent­licht. Jochen Schweit­zers Leser­brief fin­den Sie hier.

Corona-Update

Die Stadt Müns­ter hat inzwi­schen Inzi­denz­wer­te für die ein­zel­nen Stadt­tei­le ver­öf­fent­licht. Lei­der ging die Tabel­le nur an die Par­tei­en im Rat. Aber wenn Sie rein­schau­en möch­ten, sie ist auch bei uns ange­kom­men.

Dazu eini­ge Erklä­run­gen: Es han­delt sich um Daten für die 16. und 17. Kalen­der­wo­che (19. bis 25. April und 26. April bis 2. Mai). Zu erken­nen ist, dass die Sie­ben-Tage-Inzi­denz (Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche) in eini­gen Vier­teln sehr hoch ist. Es ist aber auch zu sehen, dass die Zahl sich sehr schnell wie­der ändern kann. Im Bahn­hofs­vier­tel etwa lag sie in der vor­letz­ten Kalen­der­wo­che bei 456, in der Woche dar­auf nur noch bei 65. Hier ist in den Zah­len der Coro­na-Aus­bruch im Haus der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe zu erken­nen. Stark erhöht waren die Zah­len vor zwei Wochen auch in Berg Fidel, Coer­de oder Kin­der­haus-West. Inzwi­schen sind die Inzi­den­zen dort wie­der etwas gerin­ger. Dafür sind die Wer­te in Angel­mod­de und Gel­mer-Dyck­burg ange­stie­gen. Wor­an das liegt? Mit den Men­schen, die in Gel­mer auf den Spar­gel­fel­dern arbei­ten, habe es nichts zu tun, schreibt die Stadt auf Nach­fra­ge. In Gel­mer gehe es im Grun­de nur um zehn Infek­tio­nen in zwei Fami­li­en. Weil der Stadt­teil klein ist, fal­len die­se Zah­len in der Inzi­denz mehr ins Gewicht. In Angel­mod­de hand­le es sich um ins­ge­samt 18 Fäl­le, die über den Stadt­teil ver­teilt seien. 

Zu den aktu­el­len Zah­len: Die Stadt mel­det zwei wei­te­re Todes­fäl­le. Am 1. Mai ist in Müns­ter das ers­te Kind an einer Covid-Erkran­kung gestor­ben. Nach Anga­ben der Stadt war es vier Jah­re alt und litt schon län­ger an Vor­er­kran­kun­gen. Außer­dem über­leb­te ein 79-jäh­ri­ger Mann eine Covid-Erkran­kung nicht. Damit wächst die Zahl der Todes­fäl­le seit Beginn der Pan­de­mie auf 115.

Der stadt­wei­te Inzi­denz­wert ist wei­ter gesun­ken, auf nun 60,3. Mit­te der nächs­ten Woche will die Stadt mit dem Land über den geplan­ten Modell­ver­such spre­chen, schreibt das Pres­se­amt auf Nach­fra­ge. Die NoCo­vid-Grup­pe ruft am Sonn­tag um 15 Uhr auf dem Prin­zi­palmarkt zu einer Kund­ge­bung auf, um gegen schnel­le Öff­nun­gen zu demonstrieren.

Unbezahlte Werbung

Wenn Sie mal wie­der ein biss­chen Abwechs­lung in Ihr Sport­pro­gramm brin­gen möch­ten, fah­ren Sie doch mal in die Boul­der Fac­to­ry an der Rudolf-Die­sel-Stra­ße 45. Für alle, die es noch nicht wis­sen: Boul­dern ist wie Klet­tern in der Klet­ter­hal­le, nur ohne kom­pli­zier­te Siche­rung und in Absprung­hö­he. Und das kön­nen Sie im Moment bei den Boul­der-Fac­to­ry-Grün­de­rin­nen Anna Rep­gen und Julia Roh­de ler­nen. Die Sport- und die Phy­sio­the­ra­peu­tin haben die Hal­le eigent­lich vor andert­halb Jah­ren eröff­net. So rich­tig öff­nen konn­ten sie seit­dem aber noch nicht (Sie wis­sen schon, war­um). Statt­des­sen bie­ten sie jetzt erst ein­mal Trai­nings­the­ra­pie mit Eins-zu-eins-Betreu­ung an. Für 40 Euro kön­nen Sie eine Trai­nings­ein­heit von zwei Stun­den buchen, und zwar unter 0152 07105306 oder über Insta­gram.

Drinnen und Draußen

+++ Free­style, schnell und direkt, Frust und Lie­be, Angst und Sehn­sucht: Na klar, hier geht es ums Tan­zen! Genau­er gesagt: um Krump (kurz für „King­dom Radi­cal­ly Uplifted Migh­ty Prai­se“), einem Tanz aus Los Ange­les. Wenn Sie Fan des Hip-Hop-Stils oder jetzt neu­gie­rig gewor­den sind, dann kli­cken Sie sich mor­gen Abend in den Stream des Thea­ters im Pum­pen­haus. Um 18 Uhr geht es los. Die Tickets kos­ten 6 Euro, Sie kön­nen die Sum­me erhö­hen, wenn Sie das Thea­ter unter­stüt­zen möch­ten. Hier geht’s zu wei­te­ren Infos und dem Streaming-Link.

+++ Thea­ter, die Zwei­te: Am Sonn­tag um 10 Uhr fei­ert das Thea­ter in der Meer­wie­se gemein­sam mit dem Echt­zeit-Thea­ter die Online­pre­mie­re des Kin­der­stücks IKAR – zu Was­ser, zu Land und in der Luft. Das Musik­thea­ter­stück von Kat­rin Lan­ge erzählt die Geschich­te des jun­gen Ikar, der zusam­men mit der Königs­toch­ter Ari­ad­ne sei­nen ver­schol­le­nen Vater sucht. Und dann müs­sen die bei­den auch noch ver­su­chen, eine gan­ze Insel vor einer Natur­ka­ta­stro­phe zu ret­ten. Kos­ten­lo­se Tickets gibt es hier. Der vir­tu­el­le Thea­ter­be­such beginnt dann mit einer per­sön­li­chen Begrü­ßung über Zoom, wo Sie wie­der­um einen Link für Vimeo erhal­ten. Und dort kön­nen Sie dann das Stück sehen, bevor es am Ende für die Nach­be­spre­chung wie­der ins Zoom-Mee­ting geht.

Am Diens­tag schreibt Ihnen wie­der Ralf Hei­mann. Bis dahin wün­sche ich Ihnen ein schö­nes Wochenende!

Herz­li­che Grüße

Johan­ne Burkhardt

Mit­ar­beit: Con­stan­ze Busch, Ralf Hei­mann, Isa­bel­le Rath, Eva Strehlke

PS

Als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­le­rin beschäf­ti­ge ich mich viel mit Falsch­mel­dun­gen, und wäh­rend der Pan­de­mie bekom­me ich leicht das Gefühl, dass es immer mehr wer­den. Tat­säch­lich ist die Geschich­te aber voll davon. Vie­le hal­ten sich bis heu­te hart­nä­ckig. Wuss­ten Sie zum Bei­spiel, dass die deut­sche Auto­bahn nicht von den Natio­nal­so­zia­lis­ten im Drit­ten Reich erfun­den wur­de? Oder, dass die ägyp­ti­schen Pyra­mi­den aller Wahr­schein­lich­keit nach nicht von Skla­ven gebaut wur­den? Seit ich auf die­ses Video gesto­ßen bin, ent­de­cke ich immer mehr „his­to­ri­sche Falsch­mel­dun­gen“, von denen ich dach­te, sie wären echt. Viel­leicht ist das bei Ihnen ja genau­so. Und wenn Sie die aus dem Video schon ken­nen, viel­leicht sind ja hier­von wel­che neu für Sie.