Suche nach Erdwärme | Impfstart im Jovel | Die Grüne Kiste vom Weidenhof

Müns­ter, 30. Novem­ber 2021

Guten Tag,

was pol­tert so spät durch Nacht und Wind? Das sind die Vibro-Trucks, die wecken jedes Kind.

Viel­leicht sind Sie ja in den letz­ten Wochen auch ein­mal von den fünf Mess­last­wa­gen des Geo­lo­gi­schen Diens­tes NRW geweckt wor­den. Die­se soge­nann­ten Vibro-Trucks sind sehr laut, aber das Ergeb­nis ihrer Arbeit könn­te Anlass zur Freu­de sein. Sie suchen näm­lich nach Quel­len für Erd­wär­me, auch Geo­ther­mie genannt. Die soll eine beson­ders grü­ne Ener­gie sein: Es gibt prak­tisch unend­lich viel davon.

Das trifft sich gut. Denn Müns­ter soll bis 2030 kli­ma­neu­tral wer­den. Und um das zu errei­chen, sol­len Wär­me und Fern­wär­me bis 2030 zu 100 Pro­zent aus Erneu­er­ba­ren Ener­gien gewon­nen wer­den. Aktu­ell ist die Kli­ma­bi­lanz beim Hei­zen näm­lich eher mau: Etwa 40 Pro­zent des pri­va­ten CO2-Aus­sto­ßes in Müns­ter wer­den durch das Hei­zen ver­ur­sacht.

Die Stadt­wer­ke hat­ten des­halb schon im Früh­jahr zusam­men mit der Fraun­ho­fer-Ein­rich­tung für Ener­gie­in­fra­struk­tu­ren und Geo­ther­mi­en eine Poten­zi­al­ana­ly­se für Müns­ter durch­ge­führt. Die Ergeb­nis­se wur­den zwar nicht ver­öf­fent­licht, aber Insti­tuts­lei­ter Rolf Bra­cke spricht von „güns­ti­gen geo­lo­gi­schen Rah­men­be­din­gun­gen für die Nut­zung von Geo­ther­mie“. Die aktu­ell lau­fen­den Mes­sun­gen haben aller­dings erst ein­mal nur indi­rekt mit den Kli­ma­zie­len der Stadt zu tun. Das Land NRW hat sie in Auf­trag gege­ben, weil der Land­tag 2019 beschlos­sen hat­te, die Geo­ther­mie zur Wär­me­ge­win­nung zu fördern.

Dass der Geo­lo­gi­sche Dienst NRW nun in Müns­ter und im Umland den Boden unter­sucht, ist für die Stadt­wer­ke ein Glücks­fall. Denn damit über­nimmt das Land den nächs­ten Schritt und schenkt Müns­ter sozu­sa­gen die Mes­sun­gen: „Das ist für uns eine enor­me Beschleu­ni­gung der Unter­su­chun­gen, die wir in die­sem Umfang auch gar nicht hät­ten durch­füh­ren kön­nen“, sagt Ste­fan Höl­mer, der bei den Stadt­wer­ken die Kraft­werks­ent­wick­lung leitet.

Was Geothermie ist und wie sie funktioniert

Um zu ver­ste­hen, was die Last­wa­gen genau tun, war­um es gleich fünf davon braucht und war­um sie so laut sein müs­sen, hier eine klei­ne Erklär­stun­de in Sachen Geothermie.

Grund­sätz­lich gibt es zwei Arten von Geo­ther­mie. Eine „tro­cke­ne“ in undurch­läs­si­gem Gestein ohne Was­ser (die soge­nann­te petro­ther­ma­le Geo­ther­mie), und eine „nas­se“ in durch­läs­si­gem Gestein mit Was­ser, die hydro­ther­ma­le Geo­ther­mie oder auch Hydro­geo­ther­mie heißt. Weil Letz­te­re für Müns­ter rele­vant ist, wer­fen wir auf die noch einen genaue­ren Blick.

Vor­aus­set­zung für die Hydro­geo­ther­mie sind soge­nann­te was­ser­füh­ren­de Schich­ten in der Erde, zum Bei­spiel aus Kalk­stein. Das Müns­ter­land sitzt laut einer Poten­zi­al­stu­die, die das Land NRW selbst in Auf­trag gege­ben hat, auf drei sol­cher „Kalk­stein­ho­ri­zon­te“ (so nen­nen Geolog:innen die Kalk­stein­schich­ten). Das ist viel, sagt Pro­jekt­lei­ter Ingo Schä­fer vom Geo­lo­gi­schen Dienst NRW. Und das bedeu­tet: Da unten könn­te es viel hei­ßes Was­ser geben, aus dem man Wär­me gewin­nen kann.

Wie warm das Was­ser ist, hängt davon ab, wie tief im Boden die Kalk­stein­schich­ten lie­gen, die übri­gens auch nicht zu dünn sein dür­fen. Zwei Faust­re­geln: Je dicker die Schicht, des­to mehr Was­ser könn­te sie ent­hal­ten. Je tie­fer die Schicht, des­to hei­ßer ist das Was­ser. „Alle tau­send Meter wird das Was­ser etwa 30 Grad wär­mer“, erklärt Schäfer.

Und damit kom­men wir zu zwei wei­te­ren neu­en Begrif­fen: der ober­flä­chen­na­hen Geo­ther­mie und der Tiefengeothermie.

Die ober­flä­chen­na­he Geo­ther­mie för­dert war­mes Was­ser in bis zu 400 Metern Tie­fe. Das Was­ser kann in die­sen Schich­ten eine Tem­pe­ra­tur von maxi­mal 25 Grad errei­chen, in den meis­ten Fäl­len ist es aber zwi­schen 12 und 15 Grad warm, so Ste­fan Höl­mer von den Stadt­wer­ken. Weil die­se Tem­pe­ra­tu­ren zum Hei­zen noch nicht aus­rei­chen, wird es mit einer Wär­me­pum­pe noch wei­ter erhitzt. Die Pum­pe muss aller­dings mit Strom betrie­ben wer­den. Wie „grün“ die ober­flä­chen­na­he Geo­ther­mie ist, hängt also auch davon ab, wie grün der Strom ist, mit dem die Wär­me­pum­pe betrie­ben wird. Eini­ge Haus­hal­te und grö­ße­re Gebäu­de­kom­ple­xe in Müns­ter nut­zen für den Eigen­be­darf bereits Erd­wär­me und eine Wär­me­pum­pe, sagt Höl­mer. Dabei han­delt es sich aber um lokal genutz­te Anla­gen. Für das Fern­wär­me­netz ist die ober­flä­chen­na­he Geo­ther­mie nicht relevant.

Anders ist es bei der Tie­fen­geo­ther­mie. Hier wird das Was­ser aus Schich­ten geför­dert, die bis zu sechs Kilo­me­ter unter der Erde lie­gen. Schon in vier Kilo­me­tern Tie­fe hat es eine Tem­pe­ra­tur zwi­schen 120 und 140 Grad, sagt Ingo Schä­fer vom Geo­lo­gi­schen Dienst. Damit kann es direkt ins Fern­wär­me­netz ein­ge­speist wer­den. Das pas­siert in Heiz­zen­tra­len, die wie ein Wär­me­tau­scher funk­tio­nie­ren: Mit einem Rohr wird das hei­ße Was­ser unter Druck in die Anla­ge beför­dert, wo es sei­ne Wär­me an ande­re, gut erwärm­ba­re Stof­fe abgibt, etwa an Ammo­ni­ak. Über ein zwei­tes Rohr wird das Was­ser dann wie­der in die Tie­fe gelei­tet, damit es sich wie­der erhit­zen kann. Wär­me­pum­pen braucht es hier nicht.

Bevor in Müns­ter mit Erd­wär­me geheizt wer­den kann, muss der Geo­lo­gi­sche Dienst aber erst ein­mal sei­ne Mes­sun­gen abschlie­ßen. Und damit keh­ren wir zurück zu den Vibro-Trucks.

Fledermaustechnik im LKW

Die Mess­las­ter nut­zen die soge­nann­te 2D-Seis­mik: Mit Schall­wel­len wird der Boden bis in sechs Kilo­me­tern Tie­fe gescannt. Sie kön­nen sich das so wie das Echo­lot einer Fle­der­maus vor­stel­len, nur eben lei­der nicht ganz so lei­se. Und die Last­wa­gen suchen kei­ne Insek­ten zum Fres­sen, son­dern Kalk­stein­schich­ten. Dazu ver­setzt eine Rüt­tel­plat­te den Boden in Schwin­gun­gen, und der „ant­wor­tet“ dar­auf eben­falls mit Schwin­gun­gen. Ver­ein­facht aus­ge­drückt schwin­gen die unter­ir­di­schen Schich­ten unter­schied­lich, und so erkennt man die Kalksteinschichten.

Weil die Daten nicht in Echt­zeit aus­ge­wer­tet wer­den, kann Ingo Schä­fer jetzt noch nicht ein­schät­zen, wo die Kalk­stein­schich­ten dick genug sind, um dar­aus Wär­me­en­er­gie zu gewin­nen. Die Schwin­gun­gen wer­den erst ein­mal von spe­zi­el­len Mikro­fo­nen auf­ge­zeich­net, die ent­lang der Mess­stre­cke in der Erde ste­cken: alle 20 Meter ein Mikro­fon auf einer Gesamt­stre­cke von 73 Kilo­me­tern, die wie ein „X“ durch das Müns­ter­land geht (hier auf Sei­te 6 zu sehen).

Im Sommer 2022 gibt es die ersten Ergebnisse

In der ver­gan­ge­nen Nacht waren die Vibro-Trucks in Not­tuln unter­wegs. Damit ist der kür­ze­re Arm der „X“-Strecke bereits kom­plett unter­sucht. Ein Teil des lan­gen Arms steht noch aus. Eigent­lich hät­ten die Mes­sun­gen schon letz­te Woche been­det wer­den sol­len. Aber sie haben in Müns­ter län­ger gedau­ert: Weil die Gebäu­de in der Stadt zu eng bei­ein­an­der ste­hen, konn­ten die Last­wa­gen dort nicht mit vol­ler Kraft vibrie­ren. Das hät­te sonst die Gebäu­de beschä­di­gen kön­nen. Dadurch hat sich das Pro­jekt ins­ge­samt etwas ver­zö­gert. In Müns­ter sind die Unter­su­chun­gen inzwi­schen zwar abge­schlos­sen, bis der Rest der Stre­cke gemes­sen ist, dau­ert es aber noch etwa bis zum Nikolaustag.

Wenn die Trucks das kom­plet­te Mess­ge­biet abge­fah­ren und unter­sucht haben, folgt Pha­se 2: Geolog:innen wer­ten die Daten der Mikro­fo­ne aus. Etwa ab Mit­te des nächs­ten Jah­res sol­len sie nach und nach in einer öffent­li­chen Daten­bank bereit­ge­stellt wer­den. Dann kön­nen auch die Stadt­wer­ke auf die Ergeb­nis­se zugrei­fen und sie nut­zen, um ihre Geo­ther­mie­stra­te­gie wei­ter zu planen.

Bevor Sie und ich unse­re Woh­nun­gen aber mit Geo­ther­mie aus dem Fern­wär­me­netz hei­zen kön­nen, wird aller­dings noch wesent­lich mehr Zeit ver­ge­hen. So viel, dass die Stadt­wer­ke noch kei­nen Start­ter­min nen­nen kön­nen. „Das wären kei­ne seriö­sen Zah­len“, denn Geo­ther­mie sei ein „Lang­läu­fer“, wie Höl­mer von den Stadt­wer­ken erklärt. Schau­en wir uns ein­mal genau­er an, warum.

Gut Ding will Weile haben: Langläufer Geothermie

Falls die Ergeb­nis­se der 2D-Seis­mik auf gute geo­ther­mi­sche Quel­len hin­wei­sen, muss die Stadt die­se Ergeb­nis­se erst ein­mal über­prü­fen. Dabei kommt die gro­ße Schwes­ter ins Spiel: die 3D-Seis­mik. Die funk­tio­niert ähn­lich wie die 2D-Seis­mik, nur, dass sie genaue­re Auf­nah­men lie­fert und ent­spre­chend auf­wän­di­ger ist. Und ja, dafür müss­ten wie­der die Last­wa­gen her­um­fah­ren, aber dann punk­tu­ell zu weni­ger Mess­stel­len. Wäh­rend die 2D-Seis­mik nur ein zwei­di­men­sio­na­les Mess­bild lie­fert, ist es bei der 3D-Seis­mik, logisch, drei­di­men­sio­nal. Hier kön­nen Sie sich die Unter­schie­de anschauen.

Mit den Ergeb­nis­sen der 3D-Seis­mik wür­den die Stadt­wer­ke dann eine geeig­ne­te Stel­le für eine ers­te Pro­be­boh­rung suchen. Nach der Pro­be­boh­rung könn­ten ers­te Pump­ver­su­che gestar­tet wer­den, um zu prü­fen, ob und wie viel Was­ser eine Kalk­stein­schicht tat­säch­lich ent­hält. Wie lan­ge die­se Schrit­te dau­ern, hängt vor allem von der Tie­fe der Schicht ab, erklärt Schä­fer vom Geo­lo­gi­schen Dienst: „Wenn wir von einem Kilo­me­ter reden, könn­te inner­halb der nächs­ten fünf Jah­re etwas pas­sie­ren.“ Liegt der Kalk­stein tie­fer im Boden, könn­te es aber auch an die zehn Jah­re dauern.

Auch das mag ein Grund dafür sein, dass die Wär­me­stra­te­gie der Stadt­wer­ke Müns­ter noch sehr offen ange­legt ist. Aber mal ange­nom­men, die Mes­sun­gen deu­ten auf gute Quel­len für Geo­ther­mie und die Pro­be­boh­run­gen auf aus­rei­chend Was­ser hin, wie könn­te ein Fern­wär­me­netz für Müns­ter mit Geo­ther­mie aus­se­hen? Und wie nach­hal­tig und sicher wäre es?

Wie sicher ist Geothermie?

In Süd­deutsch­land, wo es jetzt schon eini­ge Geo­ther­mie­an­la­gen zur Wär­me- und Strom­ge­win­nung gibt, mel­den sich immer wie­der kri­ti­sche Bürger:innen. Ihre größ­te Sor­ge: Erd­be­ben. Tat­säch­lich gab es in den Berei­chen von geo­ther­mi­schen Anla­gen in der Ver­gan­gen­heit klei­ne­re Erschüt­te­run­gen und auch Beben, sagt Ingo Schä­fer vom Geo­lo­gi­schen Dienst NRW. Ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel ist ein Erd­be­ben in der süd­ko­rea­ni­schen Stadt Pohang. Auch in Basel kam es bei Geo­ther­mie­boh­run­gen zu Erd­be­ben mit einer Stär­ke von bis zu 3,4 auf der Rich­ter­ska­la. Bei die­sen Fäl­len han­de­le es sich um die tro­cke­ne Geo­ther­mie, und bei Boh­run­gen in har­tes Fels­ge­stein ent­ste­hen stär­ke­re Span­nun­gen im Boden, erklärt Schä­fer. Mög­li­cher­wei­se sei­en dabei hand­werk­li­che Feh­ler pas­siert, oder die Boh­run­gen hät­ten ein­fach in einem Erd­be­ben­ge­biet stattgefunden.

Auch bei der Hydro­geo­ther­mie kann es manch­mal zu seis­mi­scher Akti­vi­tät kom­men, das ist bei­spiels­wei­se im Ober­rhein­gra­ben pas­siert. Die­ses Gebiet sei aber seis­misch akti­ver, so Schä­fer. Dort bewegt sich die Erd­krus­te also von Natur aus mehr. Das Müns­ter­land lie­ge dage­gen nicht in einer Erd­be­ben­zo­ne. Davon kön­nen Sie sich auch auf die­ser Kar­te über­zeu­gen. Dass bei künf­ti­gen Boh­run­gen im Müns­ter­land star­ke Erschüt­te­run­gen oder gar Erd­be­ben aus­ge­löst wür­den, hält Schä­fer des­halb für sehr unwahrscheinlich.

Klimaneutrale Wärme der Zukunft?

Die­se Beden­ken könn­ten aller­dings Grün­de dafür sein, war­um die Geo­ther­mie in Deutsch­land noch rela­tiv wenig ver­brei­tet ist. Dabei gilt sie als rege­ne­ra­ti­ve Ener­gie­quel­le: Der Erd­kern lie­fert bestän­dig neue Wär­me. Auch das Was­ser befin­det sich in einem geschlos­se­nen Kreis­lauf und wird der Erde nicht ent­zo­gen wer­den, sagt Schäfer.

Und noch etwas: Selbst die Heiz­zen­tra­len gel­ten als CO2-frei. Ein Vor­teil gegen­über ande­ren Erneu­er­ba­ren Ener­gien, den sowohl der Geo­lo­gi­sche Dienst als auch die Stadt­wer­ke in unse­ren Gesprä­chen betont haben: Geo­ther­mie ist immer da. Also auch nachts, bei Regen oder Windstille.

Wär­me aus Geo­ther­mie könn­te einen ent­schei­den­den Bei­trag zum kli­ma­neu­tra­len Hei­zen in Müns­ter leis­ten. Theo­re­tisch könn­te man in Geo­ther­mie­kraft­wer­ken sogar auch Strom erzeu­gen. Aber erst mal ste­he das Hei­zen im Fokus, so Lisa Schme­es, Pres­se­spre­che­rin der Stadtwerke.

Ingo Schä­fer weist noch auf einen ande­ren Vor­teil der Geo­ther­mie hin: Man könn­te sie modu­lar in der Stadt und im Müns­ter­land aus­bau­en. Das bedeu­tet: Über­all dort, wo die Boh­run­gen auf viel Was­ser sto­ßen, könn­ten klei­ne­re Heiz­zen­tra­len gebaut wer­den, die dann die umlie­gen­den Quar­tie­re mit Wär­me aus dem Fern­wär­me­netz ver­sor­gen können.

Bis es mit all dem los­ge­hen kann, dau­ert es aller­dings noch min­des­tens fünf Jah­re. Und auch nur unter Vor­be­halt: Zuerst müs­sen ja die Ergeb­nis­se der 2D-Seis­mik aus­ge­wer­tet wer­den. Wir blei­ben natür­lich für Sie dran.

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In aller Kürze

+++ Letz­ten Frei­tag war ich zum ers­ten Mal auf dem Weih­nachts­markt. Obwohl dort seit über einer Woche Schil­der auf die 2G-Regel hin­wei­sen, wur­de ich nicht kon­trol­liert. Es kann natür­lich sein, dass der Kom­mu­na­le Ord­nungs­dienst eher in den vol­le­ren Abend­stun­den nach den Impf­aus­wei­sen fragt, oder ich bin ein­fach nicht in der Stich­pro­be gelan­det, denn kon­trol­liert wur­de wohl trotz­dem. Ges­tern hat die Stadt ers­te Zah­len zu Mas­ken­pflicht- und 2G-Ver­stö­ßen auf den Weih­nachts­märk­ten ver­öf­fent­licht: Elf Ver­stö­ße gegen die 2G-Regel, die mit Platz­ver­wei­sen und Geld­stra­fen bis 250 Euro geahn­det wur­den. Bei der Mas­ken­pflicht, die erst seit Frei­tag in der Innen­stadt gilt, war man noch etwas groß­zü­gi­ger und hat die Men­schen erst ein­mal infor­miert. Der Kom­mu­na­le Ord­nungs­dienst wird aber auch hier Ver­war­nun­gen und Buß­gel­der aus­spre­chen, kün­digt die Stadt an.

Corona-Update

+++ Auch in Nord­rhein-West­fa­len gab es inzwi­schen in eini­gen Fäl­len einen ers­ten Ver­dacht auf die Omi­kron-Vari­an­te, und zwar in Essen, Düs­sel­dorf und Rees. Der WDR mel­de­te heu­te Mor­gen, dass sich der Ver­dacht in Essen nicht bestä­tigt habe. Die ande­ren Fäl­le müs­sen noch geprüft werden.

+++ Schau­en wir nun nach Müns­ter. Die Stadt hat ges­tern wei­te­re Infos zur Imp­fung von Kin­dern ver­öf­fent­licht, die in der Woche vor Weih­nach­ten star­ten soll. Geimpft wird vor­aus­sicht­lich in den Kin­der­arzt­pra­xen und im Impf­zen­trum am Jovel, das heu­te eröff­net wur­de. Dort soll es sogar eine Impf­stra­ße nur für Kin­der geben.

+++ Für die ers­te Impf­wo­che für Erwach­se­ne im Jovel sind schon alle Ter­mi­ne aus­ge­bucht, mel­det die Stadt. Wegen der gro­ßen Nach­fra­ge sol­len nach und nach mehr Per­so­nal und Impf­stoff bereit­ge­stellt wer­den. In den nächs­ten Tagen kön­nen Sie auf die­ser Sei­te wei­te­re Ter­mi­ne buchen. Hier fin­den Sie außer­dem alle Arzt­pra­xen, die Imp­fun­gen anbie­ten, und hier die Ärzt:innen, die für das kom­men­de Advents­wo­chen­en­de eine zusätz­li­che Impf­ak­ti­on orga­ni­siert haben.
Auch bei der Impf­ak­ti­on am Stadt­haus 2 ging es vor­an. Dort wur­den letz­te Woche von Mitt­woch bis Frei­tag ins­ge­samt 1.098 Men­schen geimpft. Etwa ein Drit­tel die­ser Men­schen bekam die ers­te Sprit­ze, der Rest eine Booster-Impfung.

+++ Und zum Schluss noch ein Blick auf die übri­gen Zah­len: Die Wochen­in­zi­denz, also die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen inner­halb einer Woche pro 100.000 Men­schen, ist wie­der gestie­gen und liegt nun bei 162,5. Der Bun­des­durch­schnitt liegt laut dem RKI bei 452,2. Aktu­ell gel­ten 909 Men­schen in Müns­ter als infi­ziert. Vor einer Woche waren es 841.
28 Men­schen wer­den in Kran­ken­häu­sern behan­delt, das ist eine Per­son mehr als noch vor einer Woche. 13 Patient:innen lie­gen auf der Inten­siv­sta­ti­on, acht von ihnen müs­sen beatmet werden.

Unbezahlte Werbung

Die Tage wer­den dunk­ler und nas­ser – da will man oft am liebs­ten zu Hau­se blei­ben, und auf dem Wochen­markt ein­zu­kau­fen, klingt für man­che viel­leicht nicht mehr so ver­lo­ckend. Das Ange­bot des Wei­den­hofs (Sie ken­nen ihn viel­leicht vom öko­lo­gi­schen Bau­ern­markt frei­tags auf dem Dom­platz) löst die­ses Pro­blem. Damit kom­men Lebens­mit­tel in Bio-Qua­li­tät näm­lich bis an Ihre Haus­tür. Aus einem viel­fäl­ti­gen Sor­ti­ment kön­nen Sie sich ent­we­der ein vor­ausge­wähl­tes Abo lie­fern las­sen oder aus regio­na­len Pro­duk­ten wie Eiern, Obst, Gemü­se und fri­schem Brot bis hin zu abge­pack­ten Lebens­mit­teln selbst Ihre per­sön­li­che Aus­wahl zusam­men­stel­len. Und inzwi­schen bie­tet der Wei­den­hof auch „Koch-Kis­ten“ inklu­si­ve krea­ti­ver Rezep­te an. Einen Ein­druck von den aktu­el­len Rezep­ten kön­nen Sie hier bekommen.

RUMS stellt vor: Ehrenamt in Münster

Ab Frei­tag (3. Dezem­ber) sind wir mit einem Stand auf dem X-MS-Markt am Har­se­win­kel­platz dabei. Ab Mon­tag (6. Dezem­ber) wer­den wir in unse­rer Hüt­te ver­schie­de­ne ehren­amt­li­che Orga­ni­sa­tio­nen aus Müns­ter vor­stel­len, und zwar mon­tags bis frei­tags jeweils um 17 Uhr. Die Gesprä­che dau­ern unge­fähr eine hal­be Stun­de, wer­den von RUMS-Redak­­teu­­rin­­nen mode­riert und spä­ter auch ver­öf­fent­licht. Hier fin­den Sie uns ab Freitag:

Und hier das Pro­gramm der ers­ten Woche:
  • Mon­tag, 6. Dezem­ber: Haus der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe (Tho­mas Mühlbauer)
  • Diens­tag, 7. Dezem­ber: Müns­­ter-Tafel e. V. (Wolf­gang Wittler)
  • Mitt­woch, 8. Dezem­ber: Müns­ta­ri­ty e. V. (Tri­xi Bannert)
  • Don­ners­tag, 9. Dezem­ber: Ein Ruck­sack voll Hoff­nung e. V. (Timo Blaszczyk)
  • Frei­tag, 10. Dezem­ber: Ale­xia­ner Müns­ter GmbH (Jen­ni­fer Heyer)
Mehr Infos zum Weih­nachts­markt fin­den Sie hier.
WICHTIG: Auf dem X-MS-Markt gilt 2G, den­ken Sie also an Ihren Impf- oder Gene­­se­­nen-Nach­­­weis und brin­gen Sie auf jeden Fall auch eine Mas­ke mit.

Drinnen und Draußen 

Mei­ne Kol­le­gin Eva Strehlke hat sich für Sie schlau­ge­macht, was Sie die­se Woche Schö­nes unter­neh­men können.

+++ An der Stu­dio­büh­ne der Uni Müns­ter läuft im Moment ein Thea­ter­stück mit dem span­nen­den Titel „Da wird ja der Ele­fant in der Pfan­ne begra­ben“. Wor­um es dabei genau geht, bleibt auch nach Lek­tü­re der Inhalts­be­schrei­bung span­nend. Viel­leicht möch­te Autorin Lena Boden­s­tedt schon hier ein­drück­lich zei­gen, dass „kla­re Wor­te“ in der moder­nen Zivi­li­sa­ti­on oft Fehl­an­zei­ge sind? Mich hat das schon mal neu­gie­rig gemacht. Des­we­gen will ich Ihnen auch nicht vor­ent­hal­ten, dass das Stück am Sams­tag um 19:30 Uhr noch ein­mal auf­ge­führt wird. Ein­tritt: ein 2G-Nach­weis und eine Spende.

+++ An meh­re­ren Aus­stel­lungs­or­ten in Müns­ter kön­nen Sie sich im Moment Kari­ka­tu­ren zum The­ma Flucht und Migra­ti­on anschau­en: im Café Mila­gro der KSHG, im elbēn und im Teil­chen & Beschleu­ni­ger. Die Wer­ke sind das Ergeb­nis des Inter­na­tio­na­len Kari­ka­tur-Wett­be­werbs der Exi­le-Kul­tur­ko­or­di­na­ti­on. 319 Men­schen aus 64 Län­dern haben sich betei­ligt und ihre Erfah­run­gen, Ein­drü­cke und Sicht­wei­sen zum The­ma Flucht und Migra­ti­on in künst­le­ri­scher Form ver­ar­bei­tet. Unge­fähr 60 Mil­lio­nen Men­schen sind aktu­ell welt­weit auf der Flucht oder aus ande­ren Grün­den migriert – so vie­le wie nie zuvor. Die Aus­stel­lung „Ein Ort. Irgend­wo“ möch­te des­we­gen dazu ein­la­den, über die The­men Flucht und Hei­mat nach­zu­den­ken und sich auszutauschen.

+++ Einen Zusatz­ter­min gibt es am Frei­tag für das lite­ra­ri­sche Begleit­pro­gramm zur Son­der­aus­stel­lung „Über­le­bens­künst­ler Mensch“ im LWL-Natur­kun­de­mu­se­um. „Stra­te­ge, Träu­mer, Tau­send­sas­sa“ – so beschreibt Schau­spie­le­rin Bea­te Reker den Men­schen, und sie nimmt Sie als Publi­kum mit auf eine lite­ra­ri­sche Rei­se von Chris­ti­an Mor­gen­stern bis hin zu Bene­dict Wells, mit Abste­chern zu den erstaun­lichs­ten Erfin­dun­gen von Schriftsteller:innen (oder kann­ten Sie schon den „Göf­fel“?). Die Rei­se star­tet um 19:30 Uhr im unte­ren Saal des Natur­kun­de­mu­se­ums. Tickets gibt es für 17 Euro online.

Am Frei­tag schreibt Ihnen mei­ne Kol­le­gin Con­stan­ze Busch. Bis dahin wün­sche ich Ihnen einen guten Start in die ers­te Dezem­ber­wo­che. Pas­sen Sie auf sich auf.

Herz­li­che Grüße

Johan­ne Burkhardt

Mit­ar­beit: Eva Strehlke

PS

In der Nacht auf Mon­tag hat es das ers­te Mal geschneit. Spä­tes­tens jetzt wird es also Zeit, die Hei­zung auf­zu­dre­hen. Falls Sie sich um Ihre CO2-Bilanz oder Ihre Heiz­kos­ten sor­gen, hier noch ein klei­ner Ser­vice-Tipp für Sie, wie Sie auch ohne Erd­wär­me schon etwas spa­ren kön­nen: Die Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW hat einen klei­nen Rat­ge­ber zusam­men­ge­stellt, den Sie hier fin­den, und hier gibt es auch einen von den Stadt­wer­ken. Wie Sie schnell mer­ken wer­den: Lüf­ten ist min­des­tens genau­so wich­tig wie Hei­zen. Aber dar­in soll­ten wir ja inzwi­schen alle mehr als geübt sein.