Die Sache mit der Beteiligung | Einkaufen ohne Plastik | Der neue RUMS-Schwerpunkt

Müns­ter, 9. Okto­ber 2020

Guten Tag,

in drei Wochen geht die Debat­te um die roten Fahr­rad­stra­ßen in die nächs­te Run­de: Die Stadt­ver­wal­tung lädt für den 29. Okto­ber die Anwohner:innen und „Ver­kehrs­teil­neh­men­de“ der Max-Win­kel­mann-Stra­ße in Hil­trup zu einem Info-Abend ein. Damit will die Ver­wal­tung ein Ver­spre­chen ein­lö­sen, das sie im Som­mer gege­ben hat: Die Umge­stal­tung sol­le erst nach einer umfas­sen­den Bürger:innenbeteiligung wei­ter­ge­hen.

Ein kur­zer Rück­blick: Genau wie die Max-Win­kel­mann-Stra­ße wur­de im Juli auch die Hit­torf­stra­ße mit roter Far­be bemalt, um sie als Fahr­rad­stra­ße zu kenn­zeich­nen und auf­zu­wer­ten. An der Hit­torf­stra­ße gab es des­halb gro­ßen Ärter. Die Anwohner:innen fühl­ten sich nicht aus­rei­chend dar­über infor­miert, dass durch die Umwand­lung etli­che Park­plät­ze weg­fal­len sol­len.* Die Emo­tio­nen koch­ten hoch, die Stadt­ver­wal­tung ruder­te zurück. Jetzt ist die Stra­ße zwar rot, erfüllt aber immer noch nicht die neu­en Qua­li­täts­stan­dards, die er Rat für die Fahr­rad­stra­ßen beschlos­sen hat.** Auch an der Max-Win­kel­mann-Stra­ße geht es nicht wei­ter: Die Fahr­bahn wird erst mal nicht ver­brei­tert, Autos dür­fen wei­ter am Rand parken.

Nun also die Bürger:innenbeteiligung. Klingt ja erst­mal gut – aber was genau heißt das eigent­lich? Blö­der­wei­se gar nichts Genau­es, denn der Begriff „Bürger:innenbeteiligung“ ist nicht klar defi­niert, son­dern deckt ein sehr brei­tes Spek­trum ab. Und das reicht von „die Bürger:innen wer­den infor­miert“ bis zu „die Bürger:innen ent­schei­den“. Es lohnt sich also, ein­mal genau­er hin­zu­schau­en, wo und wie die Münsteraner:innen sich betei­li­gen kön­nen.

Der Klassiker: Bau- und Verkehrsprojekte

Es war kein Zufall, dass die Ver­kehrs­pla­nung und das The­ma Woh­nen im Kom­mu­nal­wahl­kampf so heiß dis­ku­tiert wur­den. Bei­des betrifft alle Men­schen unmit­tel­bar, jede und jeder muss irgend­wo woh­nen und von dort regel­mä­ßig woan­ders hin. Die­se The­men wer­den des­halb schnell zu gro­ßen Auf­re­gern, die Fahr­rad­stra­ßen sind da ein gutes Bei­spiel, und die Bürger:innen wol­len dabei beson­ders stark ein­be­zo­gen wer­den.

Bei gro­ßen Bau­pro­jek­ten scheint die Stadt­ver­wal­tung die­sen Wunsch ernst zu neh­men. Auf RUMS-Anfra­ge weist das Pla­nungs­de­zer­nat auf meh­re­re Vor­ha­ben hin, bei denen die „viel­fäl­ti­gen Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten […] zum Teil weit über das gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Maß hin­aus­ge­hen.“ Etwa die Erar­bei­tung des Stadt­teil­ent­wick­lungs­kon­zepts für Han­dorf, Gel­mer, Mari­en­dorf, Sud­müh­le und des Stadt­teil­ent­wick­lungs­kon­zepts für Coer­de, für die die Bürger:innen Ideen ein­brin­gen konnten.

Sehr viel Auf­wand hat die Ver­wal­tung auch bei der Pla­nung des York- und des Oxford-Quar­tiers auf den ehe­ma­li­gen Kaser­nen­ge­län­den betrie­ben. Andre­as Kurz vom Stadt­pla­nungs­amt hat uns am Bei­spiel des Oxford-Quar­tiers erklärt, wie die Stadt die Bürger:innen ein­be­zo­gen hat: In einem Leit­bild-Work­shop wur­den Ideen gesam­melt, wie das Gelän­de gestal­tet wer­den und wel­che Ansprü­che es erfül­len soll. Die­se Vor­schlä­ge habe man in die Anfor­de­run­gen für den Wett­be­werb der Architekt:innen und Städteplaner:innen aufgenommen.

Bei einer zwei­ten gro­ßen Ver­an­stal­tung stell­te die Stadt sechs Ent­wür­fe aus, die es in die enge­re Aus­wahl geschafft hat­ten. Die Bürger:innen konn­ten mit den Architekt:innen spre­chen und die Plä­ne kom­men­tie­ren. So sei­en kon­kre­te Wün­sche in das Kon­zept für das neue Gelän­de ein­ge­flos­sen, ein Bei­spiel: Es soll einen Mix aus Student:innen-, Fami­li­en- und Sin­gle-Woh­nun­gen geben.

Beteiligung heißt nicht, dass wirklich alle mitmachen

Man muss hier aller­dings drei Din­ge bedenken. 

Ers­tens: Bei Bau- und Ver­kehrs­pro­jek­ten muss die Stadt zuerst die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen. Es braucht einen Bebau­ungs­plan, der regelt, was an einer Stel­le gebaut wer­den darf. Geht es um ein Groß­pro­jekt, zum Bei­spiel eine Stra­ße, muss die Stadt sehr vie­le ver­schie­de­ne Inter­es­sen mit­ein­an­der in Ein­klang brin­gen. Das geschieht in einem soge­nann­ten Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren. Und vor die­sen Schrit­ten ist die Stadt­ver­wal­tung per Gesetz dazu ver­pflich­tet, die Öffent­lich­keit zu infor­mie­ren und ein­zu­be­zie­hen. Das kann sie mehr oder weni­ger aus­führ­lich machen, aber es muss passieren.

Zwei­tens haben Poli­tik und Ver­wal­tung natür­lich selbst ein Inter­es­se dar­an, die betrof­fe­nen Men­schen mög­lichst gut ein­zu­bin­den und zu über­zeu­gen. Schließ­lich soll ja auch wäh­rend der oft mehr­jäh­ri­gen Bau­zeit mit viel Lärm, Dreck und ande­ren Unan­nehm­lich­kei­ten alles rei­bungs­los und ohne gro­ßen Wider­stand lau­fen. Schlimms­ten­falls kann so ein Pro­jekt schon vor dem Start am Unmut der Anlieger:innen schei­tern, so wie es beim Hafen­cen­ter im ers­ten Anlauf gesche­hen ist. Und auch vie­le Vor­ha­ben, an denen die Bürger:innen betei­ligt wer­den kön­nen, aber nicht müs­sen, funk­tio­nie­ren letzt­lich dann doch nur mit ihnen. Nach­hal­tig und kli­ma­neu­tral wird eine Stadt zum Bei­spiel nicht ohne Betei­li­gung ihrer Bewohner:innen.

Drit­tens, und hier kommt das Pro­blem: Die Men­schen, die zu Info-Ver­an­stal­tun­gen gehen und mit­dis­ku­tie­ren, sind nicht unbe­dingt reprä­sen­ta­tiv für die Bür­ger­schaft. Vie­le (eigent­lich die meis­ten) blei­ben weg, ihre Mei­nung wird nicht gehört. Jetzt könn­te man sagen: Pech gehabt, sie hat­ten ja die Mög­lich­keit. Aber lang­fris­tig ist damit nie­man­dem gehol­fen, denn so ent­ste­hen Unzu­frie­den­heit und Politikverdrossenheit.

Außer­dem dür­fen Politiker:innen eben nicht sagen „Pech gehabt“, son­dern sie müs­sen sich um die Bürger:innen bemü­hen. Das steht so im Grund­ge­setz und noch etwas detail­lier­ter im Par­tei­en­gesetz: Unter ande­rem sol­len die Par­tei­en „auf die Gestal­tung der öffent­li­chen Mei­nung Ein­fluss neh­men, die poli­ti­sche Bil­dung anre­gen und ver­tie­fen, die akti­ve Teil­nah­me der Bür­ger am poli­ti­schen Leben för­dern […] und für eine stän­di­ge leben­di­ge Ver­bin­dung zwi­schen dem Volk und den Staats­or­ga­nen sor­gen.“ Es reicht also nicht, vie­le Ange­bo­te zu machen, die nur eine sehr klei­ne Grup­pe wahrnimmt.

Die Bürger:innen finden: Es ist noch Luft nach oben

Einen Hin­weis dar­auf, dass die Münsteraner:innen sich mehr Betei­li­gung wün­schen, gab lus­ti­ger­wei­se eine Maß­nah­me zur Bürger:innenbeteiligung. Bei der Bür­gerum­fra­ge 2018 war nur ein Vier­tel der Befrag­ten „zufrie­den“ oder „sehr zufrie­den“ mit den „Infor­ma­ti­ons­mög­lich­kei­ten zur Stadt­ent­wick­lung und den Betei­li­gungs­ver­fah­ren bezie­hungs­wei­se -pro­zes­sen in Münster“.

Viel­leicht waren sogar noch mehr Befrag­te unzu­frie­den oder fan­den die Ange­bo­te nur mit­tel­mä­ßig, haben aber ihren Fra­ge­bo­gen ein­fach nicht zurück­ge­schickt. Es ist näm­lich eine schrift­li­che Umfra­ge: 5000 per Zufalls­ge­ne­ra­tor aus­ge­wähl­te Münsteraner:innen bekom­men die Fra­gen zuge­sandt, so soll eine reprä­sen­ta­ti­ve Grup­pe ent­ste­hen. Es kamen aber weni­ger als 30 Pro­zent der Bögen zurück. Mög­li­cher­wei­se ist hier also das­sel­be Pro­blem ent­stan­den wie bei den Ver­an­stal­tun­gen: Es machen ein­fach nur die mit, die sich sowie­so immer enga­gie­ren und die sich ange­spro­chen fühlen.

Ober­bür­ger­meis­ter Lewe schloss aus den ein­ge­reich­ten Ant­wor­ten: „Wir müs­sen die Bür­ge­rin­nen- und Bür­ger­be­tei­li­gung sys­te­ma­tisch wei­ter­ent­wi­ckeln.“ Wie das aus­se­hen könn­te, dar­über woll­te er eigent­lich in die­sem März bei einem Stadt­fo­rum mit „Inter­es­sier­ten Bürger:innen“ und Expert:innen dis­ku­tie­ren. Der Ter­min muss­te wegen der Coro­na-Pan­de­mie aus­fal­len, soll aber „nach Kon­sti­tu­ie­rung der par­la­men­ta­ri­schen Gre­mi­en im Janu­ar 2021 nach­ge­holt wer­den – mög­li­cher­wei­se als digi­ta­les For­mat“, so schrieb uns die Stadt. Es mag sein, dass nicht zuletzt durch den geplan­ten Expert:innen-Input gute Ideen zusam­men­kom­men wer­den. Aber man ahnt schon: Auch da wer­den wie­der die glei­chen Leu­te teil­neh­men wie immer. „Inter­es­sier­te Bürger:innen“ eben.

Was Münster besser machen könnte

Wie könn­te sowas denn bes­ser funk­tio­nie­ren? Ein Anruf bei Pro­fes­sor Hans Lietz­mann vom Insti­tut für Demo­kra­tie- und Par­ti­zi­pa­ti­ons­for­schung der Uni Wup­per­tal. Er und sei­ne Kolleg:innen unter­stüt­zen Städ­te und Gemein­den dabei, gute Betei­li­gungs­pro­zes­se ein­zu­füh­ren und umzu­set­zen – und zwar dann, wenn eine Debat­te im Ort kom­plett fest­ge­fah­ren ist. Die Wissenschaftler:innen mode­rie­ren dann eine Art Schieds­ver­fah­ren, die Schiedsrichter:innen sind eine reprä­sen­ta­ti­ve Grup­pe von Bürger:innen, die per Zufalls­ge­ne­ra­tor aus­ge­wählt werden.

So ent­ste­he eine „sehr gemein­wohl­ori­en­tier­te Debat­te über ein oft­mals sehr pola­ri­sie­ren­des The­ma“, erklärt Lietz­mann. Denn durch Fahr­diens­te, Kin­der­be­treu­ung und Dolmetscher:innen wer­de dafür gesorgt, dass nie­mand sich dar­an gehin­dert fühlt, tat­säch­lich zu kom­men. In Nord­rhein-West­fa­len und vie­len ande­ren Bun­des­län­dern sei die Teil­nah­me als Bil­dungs­ur­laub aner­kannt; die Teilnehmer:innen haben also ein Recht auf Frei­stel­lung und ihre Arbeitgeber:innen bekom­men eine Entschädigung.

Das Ergeb­nis: Bei die­sem Ver­fah­ren dis­ku­tiert tat­säch­lich eine sehr reprä­sen­ta­ti­ve Grup­pe von Bürger:innen. Am Ende ver­fas­sen sie ein Gut­ach­ten, das dem Gemein­de­rat vor­ge­legt und ver­öf­fent­licht wird. Es ist für die Politiker:innen nicht bin­dend, sie kön­nen auch anders ent­schei­den. Aber „es erzeugt Druck auf die Rats­mit­glie­der, zuzu­hö­ren und nach­zu­fra­gen“, wie Hans Lietz­mann beob­ach­tet hat.

Das ist wahr­schein­lich ein Grund dafür, dass Poli­tik und Ver­wal­tung sol­chen Pro­zes­sen oft noch sehr skep­tisch gegen­über­ste­hen: Sie fürch­ten, dass sie Macht abge­ben müs­sen. „Dabei ist das ist ziem­lich gro­tes­ker Unsinn. Tat­säch­lich stärkt eine gute Bür­ger­be­tei­li­gung den Gemein­de­rat eher, weil sie ihm mehr Legi­ti­ma­ti­on ver­schafft und weil die Rats­leu­te bes­ser Bescheid dar­über wis­sen, wie die Stadt tickt und was die Men­schen wollen.“

Wo liegt nun aber der Vor­teil dar­in, eine sehr klei­ne Grup­pe bera­ten zu las­sen – anstatt bei einem Bürger:innenentscheid alle zu fra­gen, wie es in Müns­ter schon fünf­mal gesche­hen ist? „Ein Bür­ger­ent­scheid ist eine Ent­schei­dung ohne Bera­tung, die Bür­ger­be­tei­li­gung ist eine Bera­tung ohne Ent­schei­dung“, so Lietz­mann. Anders aus­ge­drückt: Bei der Betei­li­gung geht es dar­um, sorg­fäl­tig abzu­wä­gen, dabei nähern sich ver­schie­de­ne Posi­tio­nen bes­ten­falls ein­an­der an. 

Nach einer sol­chen Debat­te kön­ne auch ein Bürger:innenentscheid ein gutes Instru­ment sein. Bis­her aber pral­len die gegen­sätz­li­chen Mei­nun­gen meis­tens unge­bremst auf­ein­an­der, statt einer ruhi­gen Aus­ein­an­der­set­zung gibt es eine erhitz­te Dis­kus­si­on. Am Ende steht zwar eine Ent­schei­dung, die im Zwei­fel aber nicht fun­diert ist und einen Teil der Stadt völ­lig unzu­frie­den zurücklässt. 

Und wie lie­ßen sich Betei­li­gungs­ver­fah­ren in Müns­ter eta­blie­ren? Eini­ge deut­sche Städ­te haben Leit­li­ni­en für die Bürger:innenbeteiligung fest­ge­legt, der Vor­rei­ter war Hei­del­berg, in NRW gibt es so etwas zum Bei­spiel in Bonn. Ein Regel­werk sei aber gar nicht nötig, sagt Hans Lietz­mann: Der Rat kön­ne so ein Ver­fah­ren ein­fach beschlie­ßen.

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* Hin­weis: In der ers­ten Fas­sung des Tex­tes stand an die­ser Stel­le: „Denn die Anwohner:innen wuss­ten vor­her nicht, dass gleich­zei­tig etli­che Park­plät­ze weg­fal­len soll­ten, um mehr Platz für den Rad­ver­kehr zu schaf­fen, und sie fühl­ten sich über­gan­gen.“ Ein RUMS-Leser hat uns zurecht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass wir die Situa­ti­on damit zu ein­sei­tig geschil­dert haben, da es durch­aus Infor­ma­tio­nen und Medi­en­be­rich­te zur geplan­ten Umge­stal­tung gab.

** Kor­rek­tur­hin­weis: Wir haben hier einen Feh­ler kor­ri­giert: In der ers­ten Fas­sung des Tex­tes stand, die Stra­ßen sei­en in Fahr­rad­stra­ßen umge­wan­delt wor­den. Das war falsch, denn die Hit­torf­stra­ße und auch die Max-Win­kel­mann-Stra­ße sind bereits seit Jah­ren Fahr­rad­stra­ßen. Sie sind aber kaum als sol­che erkenn­bar, weil sie auch für den Auto­ver­kehr frei­ge­ge­ben sind und auf bei­den Sei­ten Autos par­ken. Zu den neu­en Qua­li­täts­stan­dards gehört, dass die Fahr­bahn min­des­tens vier Meter breit sein muss, damit Fahr­rä­der und Autos sicher anein­an­der vor­bei­fah­ren kön­nen. Dazu kom­men Sicher­heits­strei­fen zwi­schen Fahr­bahn und Park­strei­fen, damit es nicht zu Kol­li­sio­nen kommt. Die rote Far­be auf der Stra­ße soll Autofahrer:innen deut­lich dar­auf hin­wei­sen, dass sie auf einer Fahr­rad­stra­ße fah­ren und Rück­sicht neh­men müssen.


In aller Kürze

+++ Noch ein­mal zurück zur Max-Win­kel­mann-Stra­ße: Am 29. Okto­ber (Don­ners­tag) fin­det ein Info-Abend statt. Wegen der Coro­na-Regeln zu drei ver­schie­de­nen Zei­ten: um 16, 18 und 20 Uhr, jeweils für eine Stun­de. Anmel­den kön­nen Sie sich unter: fahrradbuero@stadt-muenster.de. Und wenn Sie kei­ne Zeit haben, kön­nen Sie Ihre Anre­gun­gen auch schrift­lich schi­cken.

+++ Im Miss­brauchs­fall von Müns­ter gibt es neue Vor­wür­fe gegen den 27-jäh­ri­gen Haupt­ver­däch­ti­gen aus Müns­ter und einen mitt­ler­wei­le 50-jäh­ri­gen Mann aus Han­no­ver, den die Poli­zei schon im Juni fest­ge­nom­men hat­te. Wie die Staats­an­walt­schaft Müns­ter mit­teilt, soll der Haupt­ver­däch­ti­ge das heu­te elf­jäh­ri­ge Kind sei­ner Lebens­ge­fähr­tin im Herbst 2019 mit zu dem Mann nach Han­no­ver genom­men haben, wo der es schwer miss­braucht haben soll. Es sol­len noch wei­te­re Per­so­nen dabei gewe­sen sein. Die Staats­an­walt­schaft hat nun Ankla­ge erho­ben, will das Ver­fah­ren aber mit den schon lau­fen­den verknüpfen. 

+++ Wir hat­ten es schon ange­kün­digt: Der Send heißt in die­sem Jahr Frei­zeit­park und fällt auch etwas klei­ner aus. Mor­gen geht es los. Bis zum über­nächs­ten Sonn­tag (25. Okto­ber) ste­hen auf dem Schloss­platz wie auch sonst zur Send-Zeit Karus­sells, eine Ach­ter­bahn, ein Auto­scoo­ter und ein Rie­sen­rad. Etwas anders als sonst ist: Besucher:innen zah­len Ein­tritt und müs­sen sich regis­trie­ren las­sen. Mas­ken sind beim War­ten und wäh­rend der Fahrt Pflicht. Geöff­net ist der Frei­zeit­park mon­tags bis frei­tags von 14 bis 22 Uhr, sams­tags und sonn­tags von 12 bis 22 Uhr.


Corona-Update

Die Infek­ti­ons­zah­len stei­gen wie­der, zum Glück sind bis­her aber weni­ge Men­schen schwer erkrankt, und die Situa­ti­on in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen ist ruhig: So fass­te Wolf­gang Heu­er die Situa­ti­on in Müns­ter zusam­men, nach­dem der Coro­na-Kri­sen­stab bereits zum 50. Mal getagt hat­te. Am heu­ti­gen Frei­tag gel­ten 104 Münsteraner:innen als infi­ziert. Seit ges­tern wur­den sechs Neu­in­fek­tio­nen gemel­det, zehn Patient:innen haben die Infek­ti­on überstanden.

Wie die West­fä­li­schen Nach­rich­ten berich­ten, hat das Ärz­te­netz­werk Medis Müns­ter das Coro­na-Test­zen­trum am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum (UKM) über­nom­men. Der Grund: Das UKM ver­fü­ge nicht über die not­wen­di­gen Kapa­zi­tä­ten und tes­te in dem Zen­trum nur noch eige­ne Patient:innen und deren Begleit­per­so­nen. Alle übri­gen Tests füh­ren die Mit­glie­der des Ärz­te­netz­wer­kes durch, und zwar mon­tags bis frei­tags von 8 bis 16 Uhr, sams­tags, sonn- und fei­er­tags von 9 bis 13 Uhr. Das Test­zen­trum sei aber nur als Not­fall­an­ge­bot gedacht, ers­te Anlauf­stel­le sol­len wei­ter­hin die Hausärzt:innen bleiben.

Was Sie bei Erkäl­tungs­sym­pto­men tun soll­ten, hat die Stadt­ver­wal­tung noch ein­mal in einer Pres­se­mit­tei­lung zusam­men­ge­fasst: Mit einem Schnup­fen müs­sen Sie am Wochen­en­de nicht gleich zum Arzt oder Test­zen­trum, aber Sie soll­ten zu Hau­se blei­ben. Wenn Sie tro­cke­nen Hus­ten oder Fie­ber bekom­men oder unter Geruchs- oder Geschmacks­ver­lust lei­den, rufen Sie Ihre Haus­arzt­pra­xis, die städ­ti­sche Coro­na-Hot­line (0251 4921077) oder die Not­dienst­num­mer der nie­der­ge­las­se­nen Ärzt:innen (116117) an.

Vie­le Münsteraner:innen haben ihren geplan­ten Herbst­ur­laub schon wie­der stor­niert. Falls Sie nicht dazu­ge­hö­ren, schau­en Sie sich am bes­ten die­ses Video an. Dar­in erklärt Nor­bert Schul­ze Kalt­hoff, der Lei­ter des Gesund­heits­am­tes Müns­ter, wor­an Sie den­ken müs­sen, wenn Sie verreisen.


Korrekturen und Ergänzungen

In unse­rem Brief am Diens­tag haben wir lei­der einen Bewer­ber um die Nach­fol­ge von Sybil­le Ben­ning als CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te unter­schla­gen – näm­lich den Mathe­ma­ti­ker Rolf Klein, der bis vor neun Jah­ren dem Rat in Müns­ter ange­hör­te und den Klaus Bau­meis­ter hier für die West­fä­li­schen Nach­rich­ten vor­stellt. Wir haben gera­de noch mal nach­ge­schaut. Das müss­ten jetzt wirk­lich alle sein. 


Drinnen und Draußen

+++ Wenn Sie nach­hal­tig essen, woh­nen, Geld anle­gen und sich nach­hal­tig klei­den möch­ten, schau­en Sie an die­sem Wochen­en­de doch mal bei der „Green World Touram Coco­nut Beach (Hawerkamp 29a) vor­bei. Die Nach­hal­tig­keits­mes­se fin­det am Sams­tag und Sonn­tag jeweils von 11 bis 18 Uhr statt, Tickets gibt es online und vor Ort.

+++ In mei­nem letz­ten Brief habe ich Ihnen die „Werk­statt Demo­kra­tie“ emp­foh­len. Das tue ich heu­te noch ein­mal, denn an die­sem Wochen­en­de geht die Ver­an­stal­tungs­rei­he schon wei­ter. Heu­te fin­den Sie ab Mit­ter­nacht das Video „Sofa­so­god – Reli­gi­on braucht kei­ne Demo­kra­tie“ auf der Fes­ti­val-Home­page. Und am Sonn­tag um 15 Uhr kön­nen Sie eine Ver­an­stal­tung besu­chen (so wie frü­her, mit Raus­ge­hen): Im Thea­ter­päd­ago­gi­schen Zen­trum an der Ach­ter­mann­stra­ße 24 laden Man­fred Ker­klau und Gabrie­le Grü­ning zu einer bio­gra­fi­schen Lesung über Rosa Luxem­burg ein. Tickets kön­nen per E-Mail an tpz@muenster.de reser­viert werden.

+++ Und hier noch ein Tipp für Bier- und Gin-Liebhaber:innen: Am Sonn­tag ver­an­stal­tet die Fin­ne-Braue­rei im Kreuz­vier­tel ein Bier- und Gin-Tas­ting mit Gin-Exper­te Frank Wig­ger und Diplom-Bier­som­me­liè­re Vere­na Ahmann. Zwei­ein­halb Stun­den lang dreht sich alles um ver­schie­de­ne Gins und Bie­re und dar­um, wie man sie mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren kann. Je fünf Gin- und Bier­sor­ten kön­nen Sie pro­bie­ren, dazu wer­den „aus­rei­chend Was­ser und Brot zum Neu­tra­li­sie­ren“ gereicht. Tickets gibt es online und kos­ten 69 Euro, los geht’s um 17 Uhr.


Unbezahlte Werbung

Unver­packt ein­kau­fen leicht gemacht: Bei „natür­lich unver­packt“ gibt es alles, was das Herz begehrt, ganz plas­tik­frei. In dem Laden an der Waren­dor­fer Stra­ße 63 bekom­men Sie nicht nur Tro­cken­pro­duk­te und Lebens­mit­tel, son­dern auch Tee­lich­ter und sogar Sham­poo und Spül­mit­tel ohne Ver­pa­ckung. Falls Sie (noch) kei­ne Behäl­ter und Beu­tel für den ver­pa­ckungs­frei­en Ein­kauf im Schrank haben, kön­nen Sie die natür­lich auch kau­fen und beim nächs­ten Mal ein­fach wie­der mit­brin­gen. Und noch ein beson­de­rer Tipp von mei­ner Kol­le­gin Ann-Mar­len Hoolt: Hin und wie­der wer­den bei „natür­lich unver­packt“ auch Work­shops ange­bo­ten. Sie hat dort Furo­shi­ko gelernt. Das ist eine japa­ni­sche Art, Geschen­ke zu ver­pa­cken – in Tüchern statt mit Geschenk­pa­pier. Klingt span­nend? Dann schau­en Sie doch mon­tags bis frei­tags zwi­schen 9 und 19 Uhr oder sams­tags von 9 bis 15 Uhr mal vorbei.


Der neue RUMS-Schwerpunkt

Auf dem Papier sind alle Men­schen gleich. In der Rea­li­tät lei­der nicht. In unse­rem neu­en Schwer­punkt zur Gleich­be­rech­ti­gung zei­gen wir, an wel­chen Stel­len das sicht­bar wird. Für die ers­te Fol­ge hat Ann-Mar­len Hoolt sich mit einem Phä­no­men an den Hoch­schu­len beschäf­tigt. Bis zum ers­ten Abschluss ist das Ver­hält­nis von Män­nern und Frau­en aus­ge­gli­chen. Doch mit jedem wei­te­ren Kar­rie­re­schritt an der Uni wird der Frau­en­an­teil gerin­ger. Wor­an liegt das? Lesen Sie hier das Ergeb­nis von Ann-Mar­len Hoolts Recher­che.

Haben Sie ein schö­nes Wochenende. 

Herz­li­che Grüße

Con­stan­ze Busch

Mit­ar­beit: Ann-Mar­len Hoolt, Marie Schwe­sin­ger und Johan­nes Wagemann


PS

An Park­schein­au­to­ma­ten kann man Park­schei­ne kau­fen, aber nicht mit Geld­schei­nen, son­dern mit Mün­zen. Die hat man aber meis­tens nicht, weil man sie kurz vor­her beim Bäcker aus­ge­ge­ben hat. Das ist doof, aber wenigs­tens in Müns­ter kön­nen Sie nun wie­der unbe­sorgt Bröt­chen kau­fen, denn jetzt gibt es das Han­dy­par­ken. Und so geht es: Auf der Platt­form „smart­par­king“ suchen Sie sich ein­fach unter „Easy­Park“, „PARK NOW“, „moBi­LET“, „Yellowbrick/flowbird“, „payby­pho­ne“, „Parks­ter“ und „PARCO“ Ihren Lieb­lings­an­bie­ter aus, gehen Sie da ruhig nach der Optik, das Par­ken kos­tet bei allen das­sel­be. Bezah­len kön­nen Sie über die jewei­li­ge App (die müs­sen Sie natür­lich her­un­ter­la­den), per Anruf oder SMS. Genaue Anwei­sun­gen kön­nen Sie auch den Auf­kle­bern auf den Park­schein­au­to­ma­ten ent­neh­men, denn die blei­ben erst mal ste­hen (und Sie kön­nen da auch wei­ter mit Klein­geld bezah­len, falls Sie doch mal wel­ches haben). Ein Tipp von uns: Legen Sie als Beweis nicht Ihr Han­dy hin­ter die Wind­schutz­schei­be, die Leu­te vom Ord­nungs­amt wis­sen dank neu­er End­ge­rä­te auch so, dass Sie smart par­ken und dafür bezahlt haben. Wie genau das funk­tio­niert, stand nicht in der Pres­se­mit­tei­lung. Aber das ist für uns viel­leicht zu kompliziert.