Heute RUMS-Veranstaltung | Debatte über die Verkehrsversuche | Keramik-Kunst

Müns­ter, 6. August 2021

Guten Tag,

gibt es ein The­ma, über das Sie ger­ne mal einen RUMS-Brief lesen wür­den? Oder ist Ihnen in Müns­ter etwas auf­ge­fal­len, über das Sie ger­ne mehr wüss­ten? Wenn Sie Ideen oder Fra­gen haben oder über die Vor­schlä­ge ande­rer Leser:innen dis­ku­tie­ren möch­ten, schal­ten Sie sich doch heu­te Abend zu unse­rer vir­tu­el­len Redak­ti­ons­kon­fe­renz dazu. Ralf Hei­mann und ich spre­chen ab 19 Uhr mit Ihnen über The­men­vor­schlä­ge. Und wenn Sie möch­ten, erzäh­len wir auch ein biss­chen über unse­re Arbeit. Wir erklä­ren zum Bei­spiel, wie wir die The­men für unse­re Brie­fe aus­su­chen, was wir bei RUMS ganz bewusst weg­las­sen und war­um es manch­mal ganz schön schwie­rig sein kann, eine eigent­lich ein­fa­che Fra­ge zu beant­wor­ten. Über die­sen Link kom­men Sie gleich direkt zu uns, Sie fin­den die Ein­wahl­da­ten und alle Infos aber auch auf unse­rer Ver­an­stal­tungs­sei­te.

Aufreger der Woche: Stau am Bahnhof

Jetzt aber erst­mal zu dem The­ma, das in die­ser Woche vie­le Men­schen in Müns­ter bewegt oder auch aus­ge­bremst hat: die Ver­kehrs­ver­su­che. Kurz zur Erin­ne­rung: Die Hörster­stra­ße ist seit Mon­tag für Autos und Bus­se gesperrt, am Neu­brü­cken­tor haben Fahrradfahrer:innen auf der Pro­me­na­de Vor­fahrt und zwi­schen Lud­ge­ri­k­rei­sel und Lan­des­haus ist eine Fahr­spur aus­schließ­lich für Bus­se reserviert.

Eigent­lich ist es ja noch viel zu früh, um etwas über den Erfolg die­ser Ver­su­che zu sagen. Sie sol­len min­des­tens acht Wochen dau­ern. Schon nach der ers­ten davon zu beur­tei­len, ob es läuft oder nicht, das geht gar nicht. Aber es gibt natür­lich trotz­dem schon eine inten­si­ve Debat­te, vor allem über die Bus­spur an der Bahn­hof­stra­ße, die der Auto­ver­kehr min­des­tens bis Ende Sep­tem­ber nicht mehr nut­zen darf.

Mas­siv befeu­ert wird die­se Dis­kus­si­on, wir hat­ten es letz­te Woche schon mal erwähnt, von den West­fä­li­schen Nach­rich­ten. Die Zei­tung hat­te die neue Bus­spur sogar schon wäh­rend der Mar­kie­rungs­ar­bei­ten qua­si für geschei­tert erklärt, bevor der Ver­kehrs­ver­such offi­zi­ell begon­nen hat­te. Es war die Rede von Stau von mor­gens bis abends, und am Sams­tag (also zwei Tage vor dem offi­zi­el­len Start) frag­ten die WN schon, ob der Ver­such nicht gestoppt wer­den sol­le. Die Zei­tung ver­öf­fent­lich­te dazu immer­hin ein Pro und Con­tra, in dem zwei Redak­teu­re Posi­ti­on bezie­hen, aber die Ver­tei­di­gung des Ver­suchs ist eher ein Jein als ein Ja.

Ins­ge­samt kom­men in der Debat­te ziem­lich viel Wut und Ärger, aber ziem­lich wenig Fak­ten vor. Und das ist etwas ungüns­tig, weil ja Ver­kehrs­mo­del­le für die Zukunft aus­pro­biert und mög­lichst sach­lich und von allen Sei­ten beur­teilt wer­den sollen.

Wir schau­en uns die Dis­kus­si­on des­halb heu­te ein­mal genau­er an, vor allem natür­lich die Argu­men­te der Gegner:innen. Was ist dran? Wel­che Schwie­rig­kei­ten gibt es – und könn­ten die Ver­su­che des­halb tat­säch­lich abge­bro­chen wer­den? Wie soll es nach dem Ver­suchs­zeit­raum wei­ter­ge­hen, falls es ins­ge­samt doch gut läuft? Und wer ent­schei­det am Ende eigent­lich nach wel­chen Kri­te­ri­en, ob es gut gelau­fen ist oder nicht? Wir klä­ren das.

Den Versuch sofort stoppen, geht das überhaupt?

Ja, das wäre mög­lich. In der Beschluss­vor­la­ge für den Ver­such ist eine Exit-Stra­te­gie vor­ge­se­hen für den Fall, dass wirk­lich gar nichts mehr geht. Aus Sicht man­cher Autofahrer:innen ist ein sol­cher Worst Case in die­ser Woche schon ein­ge­tre­ten, in den Kom­men­ta­ren auf der Face­book-Sei­te der West­fä­li­schen Nach­rich­ten schrei­ben zum Bei­spiel eini­ge Berufspendler:innen, sie sei­en aufs Auto ange­wie­sen und stün­den nun noch län­ger im Stau.

Das ist nicht nur ein sub­jek­ti­ver Ein­druck, es geht für die Autos dort tat­säch­lich lang­sa­mer vor­an als bis­her. Logi­scher­wei­se, muss man wohl sagen – zumin­dest Anfang der Woche dürf­ten genau­so vie­le Men­schen mit ihrem Auto die Stre­cke gefah­ren sein wie sonst, muss­ten sich aber von bis­her zwei Spu­ren in eine einfädeln.

Wie viel län­ger das dau­ert, unter­sucht seit Mon­tag das Büro LK Argus im Auf­trag der Stadt, sag­te mir Micha­el Grimm, der Lei­ter des Amts für Mobi­li­tät und Tief­bau, in einem Gespräch über die Ver­kehrs­ver­su­che und ihre Eva­lua­ti­on. Min­des­tens drei­mal pro Tag fah­ren die Mitarbeiter:innen des Büros die Stre­cke ab und stop­pen die Zeit, die sie vom Kreis­ver­kehr bis zum Lan­des­haus brau­chen. Bis­her bewegt sich das zwi­schen 6 und 15 Minu­ten, so Grimm. Zum Ver­gleich: Unter Ide­al­be­din­gun­gen (kein Stau, alle Ampeln grün, freie Fahrt) habe man die Stre­cke vor dem Ver­suchs­zeit­raum in drei Minu­ten schaf­fen kön­nen. Zu den übli­chen Stoß­zei­ten dürf­te das aller­dings eher sel­ten vor­ge­kom­men sein.

Der Stau war einkalkuliert

Die ver­län­ger­ten Fahr­zei­ten für Autos sind jetzt aber kein Grund für einen Stopp. Micha­el Grimm sag­te, einen Dau­er­stau und wirk­lich schwie­ri­ge Situa­tio­nen habe sein Team noch nicht beob­ach­tet, die Situa­ti­on sei nicht dra­ma­tisch. Man wer­de die Lage aber wei­ter genau beob­ach­ten, beson­ders wenn in knapp zwei Wochen die Schul­fe­ri­en enden und wie­der mehr Men­schen unter­wegs sind.

Dass es Staus geben wür­de, hat­ten Poli­tik und Ver­wal­tung übri­gens von vorn­her­ein ein­kal­ku­liert. Der Ver­such soll „das Poten­zi­al zur Beschleu­ni­gung des ÖPNV“ unter­su­chen, so steht es in der Beschluss­vor­la­ge. Zwei Zei­len wei­ter wird auf Ver­wal­tungs­deutsch dar­auf hin­ge­wie­sen, „dass es durch den Ver­kehrs­ver­such zu Rück­stau­un­gen kom­men kann, die Aus­wir­kun­gen auf die Leich­tig­keit des moto­ri­sier­ten Ver­kehrs haben wer­den“, dass also die Autos wohl lang­sa­mer vor­an­kom­men wer­den. Die Exit-Stra­te­gie soll laut dem Papier aber erst grei­fen, wenn es nach einem Ein­ge­wöh­nungs­zeit­raum von rund einer Woche zu „erheb­li­chen Beein­flus­sun­gen des Ver­kehrs­flus­ses“ kommt, „die eben­falls Aus­wir­kun­gen auf die Leich­tig­keit des ÖPNV und/oder die Ver­kehrs­si­cher­heit haben“. Zwi­schen­zeit­li­che Staus auf der Auto­spur rei­chen also nicht für einen Abbruch.

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Die Sache mit dem richtigen Zeitpunkt

Ein ande­rer Kri­tik­punkt ist der ver­meint­lich falsch gewähl­te Zeit­raum. WN-Autor Klaus Bau­meis­ter schrieb am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag in einem Kom­men­tar, es sei der rich­ti­ge Ver­such zum fal­schen Zeit­punkt, denn die Rah­men­be­din­gun­gen sei­en „denk­bar schlecht“. Schließ­lich fie­len die Bre­mer Stra­ße und die Wol­be­cker Stra­ße wegen Bau­stel­len und Sper­run­gen als Aus­weich­rou­ten weg, des­halb wer­de der Ver­such kei­ne belast­ba­ren Ergeb­nis­se brin­gen. Auch in vie­len Face­book-Kom­men­ta­ren ist von den gesperr­ten Stre­cken die Rede, aller­dings weni­ger mit Blick auf die Ver­such­s­er­geb­nis­se als schlicht auf eine mög­lichst beque­me und schnel­le Aus­weich­stre­cke. Und am Mitt­woch ver­schick­te auch die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) eine Pres­se­mit­tei­lung, in der sie unter ande­rem den Ver­suchs­zeit­raum kri­ti­siert (die WN haben die Mit­tei­lung wort­gleich und nur am Ende leicht gekürzt ver­öf­fent­licht).

Micha­el Grimm sieht das genau anders­her­um. In den nächs­ten fünf Jah­ren wer­de es immer wie­der Bau­stel­len (also auch Ver­kehrs­be­hin­de­run­gen) auf dem Ring geben, weil die Stadt­wer­ke die Fern­wär­me­lei­tun­gen erneu­ern, dazu kämen wei­te­re Bau­stel­len im Stadt­ge­biet. Des­halb bil­de der Ver­kehrs­ver­such jetzt eher die Rea­li­tät ab, als wenn man ihn in einen bau­stel­len­frei­en Zeit­raum gelegt hät­te (der ja sowie­so nicht in Sicht ist). Außer­dem wer­de nach den Schul­fe­ri­en die Voll­sper­rung an der Kreu­zung Wol­be­cker Straße/Ring wie­der auf­ge­ho­ben, dann wer­de zumin­dest die Ver­bin­dung von Süden nach Nor­den wie­der frei.

Für die Busse geht es offenbar schneller

Man muss dazu auch sagen: Der Ver­such soll, so ist es poli­tisch gewollt, die Mobi­li­täts­wen­de vor­be­rei­ten. Und die­se Wen­de soll nicht dar­in bestehen, dass Autos ein­fach woan­ders ent­lang fah­ren. Son­dern unter ande­rem dar­in, dass lang­fris­tig weni­ger Autos unter­wegs sind und mehr Men­schen auf den ÖPNV umstei­gen. Den Platz dafür müs­sen die Ver­ant­wort­li­chen nun mal den Autos weg­neh­men, anders wird das nicht gehen. Und irgend­wann müs­sen sie damit eben anfangen.

So etwas sagen Politiker:innen natür­lich nicht so ger­ne, son­dern zeich­nen lie­ber ein Bild von der sanf­ten Ver­kehrs­wen­de. Jede:r soll das Gefühl haben, dass sich für sie oder ihn per­sön­lich nicht so viel ändern wird, und vor allem: dass es nicht unbe­que­mer wird. Mar­kus Lewe sprach im Juni bei einer Podi­ums­dis­kus­si­on der Deut­schen Bun­des­stif­tung Umwelt über Mobi­li­täts­kon­zep­te der Zukunft (hier geht’s zum Mit­schnitt). Er sag­te, vie­le Men­schen sei­en es gewohnt, mit dem Auto zu fah­ren. Und man müs­se ihnen zei­gen, dass sie im Stau Lebens­zeit ver­lie­ren und mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln Zeit gewin­nen könn­ten. „Wenn die Bedin­gun­gen stim­men, dann stei­gen die Leu­te auch um“, sag­te Lewe.

Das stimmt, wie hier gut erklärt ist und wie es zum Bei­spiel Erfah­run­gen mit dem 365-Euro-Jah­res­ti­cket für den öffent­li­chen Nah­ver­kehr zei­gen. In Wien nut­zen vie­le Men­schen das Ticket, weil dort auch das Hal­te­stel­len­netz und der ÖPNV aus­ge­baut wur­den. In Bonn gab es in einem Modell­ver­such zwar ein güns­ti­ges Ticket, aber der Fahr­plan (auch ins Umland) blieb unver­än­dert – das Pro­jekt scheiterte.

In die­ser Hin­sicht ist der Bus­spur-Ver­such zumin­dest ein Anfang. Denn offen­bar kom­men die Bus­se jetzt schnel­ler vor­an als bis­her, wie Stadt­wer­ke-Spre­cher Flo­ri­an Adler den West­fä­li­schen Nach­rich­ten sag­te und wie auch die Stadt mel­det. Ob sich der Trend fort­setzt und wie viel Zeit Fahr­gäs­te spa­ren kön­nen, fra­gen wir in ein paar Wochen noch­mal nach.

Eher politisches Abwägen als wissenschaftliche Evaluation

Die­ses Ergeb­nis wird am Ende in die Bewer­tung der Ver­su­che ein­flie­ßen. Das beauf­trag­te Ver­kehrs­bü­ro wird außer­dem an allen drei Ver­suchs­or­ten mit Anlieger:innen und Passant:innen, Rad- und Autofahrer:innen spre­chen, Ver­kehrs­zäh­lun­gen durch­füh­ren und an der Hörster­stra­ße mes­sen, wie stark Lärm- und Schad­stoff­be­las­tung zurück­ge­hen, sag­te mir Micha­el Grimm. Zum Bus­spur-Ver­such sol­len außer­dem Inter­es­sen­ver­bän­de der Kauf­leu­te und Hote­liers ange­hört wer­den. Die­se befürch­ten Umsatz­ein­brü­che und hat­ten bereits eine man­geln­de Kom­mu­ni­ka­ti­on von­sei­ten der Stadt beklagt, zum Bei­spiel in die­sem WN-Arti­kel und in der Stel­lung­nah­me der IHK. Tat­säch­lich sei­en sie nicht in die Ent­schei­dungs­fin­dung ein­be­zo­gen, wohl aber infor­miert wor­den, sag­te Micha­el Grimm. Zu den Ver­kehrs­ver­su­chen gehö­re ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zept: Die Stadt habe die Men­schen über die Medi­en und mit Fly­ern infor­miert, und er selbst habe die Ver­su­che bei einem Tref­fen der ISG Bahn­hofs­vier­tel vor­ge­stellt. Ab nächs­ter Woche soll außer­dem ein mehr­tei­li­ger Pod­cast erscheinen.

Nach dem Ver­suchs­zeit­raum sol­len die Erfah­run­gen der Geschäfts­leu­te abge­fragt und in die Eva­lua­ti­on ein­be­zo­gen wer­den. Die Bewer­tung der Ver­kehrs­ver­su­che dürf­te aller­dings eher ein poli­ti­sches Abwä­gen als eine wis­sen­schaft­li­che Eva­lua­ti­on wer­den. Es gibt laut Micha­el Grimm kei­nen klar defi­nier­ten Kri­te­ri­en­ka­ta­log. Aus den oben genann­ten Aspek­ten wer­de sich ein Gesamt­bild erge­ben, und das zähle.

Wie es ab Oktober weitergehen könnte

Das Büro LK Argus wird die­ses Gesamt­bild nach den Ver­su­chen in ein Gut­ach­ten gie­ßen. Dafür sind rund sechs Wochen ein­ge­plant, etwa Mit­te Novem­ber dürf­te der Bericht also vor­lie­gen. Dann kommt die poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung, mög­li­cher­wei­se schon in den Aus­schuss- und Rats­sit­zun­gen Ende des Jahres.

Egal, ob das Gesamt­bild posi­tiv aus­fällt oder nicht: Der Ver­such an der Hörster­stra­ße wird Ende Sep­tem­ber in jedem Fall been­det. Und zwar auch dann, wenn die Anlieger:innen, Fußgänger:innen und Radfahrer:innen sich an die auto­freie Stra­ße gewöh­nen und sie direkt so behal­ten möch­ten. Soll­te sich der Rat dafür ent­schei­den, die Hörster­stra­ße dau­er­haft umzu­ge­stal­ten, müss­te es ein aus­führ­li­ches Pla­nungs­ver­fah­ren geben und eine kom­plet­te Umpla­nung der Bus­li­ni­en, die ja jetzt nur pro­vi­so­risch eine ande­re Stre­cke fah­ren und durch Shut­tles ersetzt wer­den. Grimm schätzt, ab 2023 könn­te die Hörster­stra­ße auto­frei wer­den, sofern das gewollt ist.

Bei den bei­den ande­ren Ver­su­chen sieht das anders aus. Der Rat müss­te natür­lich auch hier dar­über ent­schei­den, ob die Ver­än­de­run­gen dort dau­er­haft umge­setzt wer­den sol­len. Es liegt aber im Ermes­sen der Stadt­ver­wal­tung, ob die Expe­ri­men­te Pro­me­na­den­vor­fahrt und Bus­spur bis zum poli­ti­schen Beschluss erst­mal wei­ter­lau­fen. Denn es wäre ja sehr auf­wen­dig, teu­er und für alle Verkehrsteilnehmer:innen ver­wir­rend, Ende Sep­tem­ber alles zurück­zu­bau­en, um zwei oder drei Mona­te spä­ter womög­lich doch die jetzt gel­ten­den Ver­kehrs­füh­run­gen und Vor­fahrts­re­geln wie­der einzurichten.

Noch ist aber Anfang August und die neu­en Ver­kehrs­kon­zep­te wer­den noch ein paar Wochen lang aus­pro­biert. Viel­leicht ja ab jetzt mit etwas mehr Ruhe.

Post von Leser:innen

Wir haben Post bekom­men. Patrik Wer­ner hat uns zur Kolum­ne von Ruprecht Polenz geschrie­ben, in der es um ein Tem­po­li­mit auf deut­schen Auto­bah­nen ging. Wer­ner wun­dert sich, dass für Last­wa­gen seit Jah­ren ein Tem­po­li­mit gilt, nur für Autos nicht. Und er wun­dert sich über das Argu­ment, eine Auto­bahn ohne Tem­po­li­mit sei ein Wett­be­werbs­vor­teil für deut­sche Auto­bau­un­ter­neh­men. Die schnells­ten Autos der Welt kämen schließ­lich aus Län­dern mit Tem­po­li­mit. Wer­ner schlägt vor, eine Ver­fas­sungs­kla­ge zu prü­fen – oder das Tem­po­li­mit für zwei Jah­re zu tes­ten. Hier der voll­stän­di­ge Bei­trag.

Nico­la Sil­ler vom Ver­ein Berufs­We­ge schreibt uns zum RUMS-Brief vom Diens­tag. Das The­ma waren Geschlech­terkli­schees im Jura-Stu­di­um. Sil­lers Ver­ein berät auf dem Weg zu Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit und macht der Uni ein Ange­bot: Man kön­ne gemein­sam einen Leit­fa­den erar­bei­ten. Hier der voll­stän­di­ge Bei­trag.

Und wir haben Post zu den Ver­kehrs­ver­su­chen bekom­men. Thors­ten Knöl­ke vom Fach­ver­band Fuss stellt in Fra­ge, ob mit der Mobi­li­täts­wen­de wirk­lich die Autos ver­drängt wer­den. „Die Stadt erstickt in Auto­mo­bi­li­tät“, schreibt er. Es sei drin­gend ein Zurück zur Nor­ma­li­tät nötig. Hier der voll­stän­di­ge Bei­trag.

Wolf­gang Wie­mers vom Mobi­li­täts­ver­band VCD erin­nert dar­an, dass die Maxi­me seit Jah­ren sei: Der Ver­kehr muss flie­ßen, und zwar vor allem der Auto­ver­kehr. Er fin­det, jetzt sei die Gele­gen­heit, auf Rad oder Bus umzu­stei­gen. „Der Stau gibt dazu noch einen zusätz­li­chen Kick“, schreibt er. Es gehe jetzt viel­leicht doch schnel­ler als mit dem Auto. Hier der voll­stän­di­ge Bei­trag.

Und Johan­nes Koch schreibt uns, eben­falls zur Ver­kehrs­wen­de. Ihm kann es mit den Ver­kehrs­ver­su­chen nicht weit genug gehen. Aus sei­ner Sicht kom­men sie eher zu spät und sind zu unver­bind­lich. Und er weist dar­auf hin, dass man nicht, wie ange­kün­digt, von der Salz­stra­ße ohne Halt bis zum Kreuz­tor fah­ren kön­ne. Das gehe nur, wenn die Ampel an der Hörster­stra­ße grün sei, und das sei sel­ten der Fall. Hier der voll­stän­di­ge Bei­trag.

In aller Kürze

+++ In die­ser Woche hat der Pro­zess gegen die Mut­ter des heu­te 11-jäh­ri­gen Haupt­op­fers im Miss­brauchs­kom­plex von Müns­ter begon­nen. Die Frau wuss­te nach Über­zeu­gung der Staats­an­walt­schaft spä­tes­tens seit Okto­ber 2018, dass ihr dama­li­ger Lebens­ge­fähr­te, der Haupt­tä­ter, ihren Sohn schwer miss­braucht hat, wie unter ande­rem die Süd­deut­sche Zei­tung berich­tet. Danach soll sie nicht nur nichts unter­nom­men haben, son­dern auch in Anwe­sen­heit ihres Soh­nes mit ihrem Part­ner Sex gehabt und dabei sexu­el­le Hand­lun­gen an ihrem Kind vor­ge­nom­men haben. Sie selbst bestrei­tet die Vor­wür­fe laut einer Gerichts­spre­che­rin „umfas­send“. Der ers­te Pro­zess­tag am Don­ners­tag fand wie auch schon der Pro­zess gegen den inzwi­schen ver­ur­teil­ten Haupt­tä­ter weit­ge­hend unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit statt, um den Jun­gen zu schüt­zen, aber auch die Ange­klag­te selbst. Das Gericht hat für den Pro­zess acht Ver­hand­lungs­ta­ge ange­setzt. Wenn alles so läuft wie geplant, könn­te das Gericht das Urteil am 29. Sep­tem­ber verkünden. 

+++ An der Kreuz­schan­ze liegt mög­li­cher­wei­se ein Blind­gän­ger, und zwar genau dort, wo im Moment der Brun­nen von Nico­le Eisen­man wie­der auf­ge­baut wird, der dort wäh­rend der Skulp­tur-Pro­jek­te schon ein­mal stand. Am nächs­ten Mitt­woch will die Stadt über­prü­fen, ob es sich tat­säch­lich um einen Blind­gän­ger han­delt, schreibt das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt in einer Pres­se­mit­tei­lung. Im schlech­tes­ten Fall müss­te das Vier­tel im Umkreis von meh­re­ren hun­dert Metern eva­ku­iert wer­den. Falls Sie dort woh­nen, auf die­ser Abbil­dung kön­nen Sie sehen, ob das auch Sie betref­fen wür­de. Der Brun­nen soll Ende Sep­tem­ber fer­tig sein. Und den Eröff­nungs­ter­min kön­nen Sie sich schon mal auf­schrei­ben, falls Sie Inter­es­se haben. Das wäre der 2. Okto­ber, ein Sams­tag, um 15 Uhr. Und um trans­pa­rent zu sein: Soetkin Stie­ge­mei­er-Oeh­len, die sich mit der Brun­nen-Initia­ti­ve für die Rück­kehr der Skulp­tur ein­ge­setzt hat, ist auch Teil unse­res Teams. Und wenn Sie noch mehr über die Initia­ti­ve und den Brun­nen wis­sen möch­ten, das fin­den Sie hier.

Corona-Update

In Deutsch­land hat sich die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen inner­halb eines Monats ver­vier­facht, schreibt heu­te die deut­sche Pres­se­agen­tur. Laut Robert-Koch-Insti­tut liegt sie bei 20,4. Unge­fähr so hoch ist sie auch in Müns­ter. Die Stadt mel­det heu­te einen Wert von 20,3. Laut der dpa wird es auch damit in den Gesund­heits­äm­tern wie­der zum Pro­blem, die Infek­ti­ons­ket­ten nach­zu­ver­fol­gen. Die Zahl der Coro­na-Infi­zier­ten, die im Kran­ken­haus lie­gen, bewe­ge sich aller­dings wei­ter auf einem gerin­gen Niveau. In Müns­ter lie­gen im Moment fünf Covid-Patient:innen im Krankenhaus. 

Beson­ders vie­le Infek­tio­nen gebe es in der Alters­grup­pe der 10- bis 34-Jäh­ri­gen, heißt es bei der dpa. Dass die Zah­len stei­gen, lie­ge vor allem dar­an, dass die Del­ta-Vari­an­te sich leicht über­trägt. Im Ver­gleich der übri­gen Städ­te und Krei­se im Regie­rungs­be­zirk liegt Müns­ter im Mit­tel­feld. In Gel­sen­kir­chen zähl­ten die Behör­den in der ver­gan­ge­nen Woche dop­pelt so vie­le Neu­in­fek­tio­nen. Dort liegt die Inzi­denz bei 40,8, im Kreis Coes­feld dage­gen noch immer bei 8,6. Was die Zah­len aber auch zei­gen: Dass die Inzi­denz­wer­te in Müns­ter zeit­wei­se sehr viel nied­ri­ger waren als anders­wo, hat höchst­wahr­schein­lich nichts damit zu tun, dass die Men­schen sich beson­ders dis­zi­pli­niert ver­hal­ten. Die wahr­schein­li­che­re Erklä­rung ist: Es ist Zufall.

Unbezahlte Werbung

Ist das noch Geschirr oder doch schon Kunst? Die Fra­ge hat sich mei­ne lie­be Kol­le­gin Eva Strehlke bei den Bechern, Tas­sen, Schüs­seln und Vasen der Recken­fel­de­rin Eva Micke gestellt. Und sie hat sie mit einem kla­ren „Bei­des!“ beant­wor­tet. Hier kön­nen Sie sich selbst einen Ein­druck von den Wer­ken des klei­nen Kera­mik­stu­di­os im nörd­li­chen Müns­ter­land machen. Der Online­shop des klei­nen Labels EFFI cer­a­mics wird am Sonn­tag um 20 Uhr frisch befüllt. Wer dann etwas von den lie­be­voll hand­ge­fer­tig­ten Kunst­wer­ken bestel­len möch­te, soll­te schnell sein. Mei­ne Kol­le­gin hat­te bei der ers­ten Shop-Eröff­nung im Mai nach einer knap­pen Vier­tel­stun­de noch das Glück, einen wun­der­vol­len blau lasier­ten Becher zu ergat­tern. Seit­dem schmeckt ihr der Kaf­fee noch bes­ser. Wir wün­schen viel Spaß beim Stöbern!

Drinnen und Draußen

Auch die Tipps kom­men heu­te wie­der von Eva Strehlke, los gehts:

+++ Es ist ja noch Feri­en­zeit, und viel­leicht haben Sie Zeit und Lust auf einen klei­nen Aus­flug. Dann packen Sie ein­fach Ihr Smart­pho­ne und ein klei­nes Pick­nick ein und fah­ren nach Hil­trup. Dort haben sich die Stadt­teil Offen­si­ve Hil­trup e. V., der TuS Hil­trup e. V. und die Pfadfinder:innen vom VCP Müns­ter-Hil­trup eine Quiz-Rad­tour aus­ge­dacht, an der Sie noch bis zum Ende der Som­mer­fe­ri­en teil­neh­men kön­nen. Die Stre­cke ist unge­fähr 15 Kilo­me­ter lang und führt auf Asphalt, Schot­ter- und Wald­we­gen durch die Hil­tru­per Umge­bung. Sie soll­ten sich vor­ab die App „Action­Bound“ und dar­in das Quiz­pa­ket her­un­ter­la­den. Die Anlei­tung dafür gibt es online. Wenn Ihnen die gan­ze Stre­cke zu lang ist, kön­nen Sie übri­gens jeder­zeit unter­bre­chen und an einem ande­ren Tag wei­ter­ma­chen. Aber ver­ges­sen Sie nicht, Ihre Ergeb­nis­se am Ende abzu­schi­cken. Nur dann kön­nen Sie näm­lich etwas gewinnen. 

+++ Nächs­ten Mon­tag heißt es an der Sputnik­hal­le mal wie­der: Büh­ne frei für Wort­akro­ba­tin­nen und Hob­by-Poe­ten. Beim Tat­Wort Poe­try Slam tre­ten zwi­schen sechs und zehn Dichter:innen an, um in sie­ben Minu­ten das Publi­kum mit ihren Tex­ten zu begeis­tern. Und dann sind Sie gefragt: Wer hat Sie am meis­ten über­zeugt, wer war wit­zi­ger und wort­ge­wand­ter als die ande­ren und darf als Sieger:in Ruhm, Ehre und die tra­di­tio­nel­le Fla­sche Schnaps mit nach Hau­se neh­men? Wenn Sie mit­ent­schei­den möch­ten, soll­ten Sie sich mög­lichst bald online eine Kar­te für 5,73 Euro sichern. Orga­ni­siert und mode­riert wird das Gan­ze von Lese­büh­nen­au­tor Andre­as Weber mit Unter­stüt­zung von DJ At (trust in wax).

+++ Eben­falls schon jetzt kön­nen Sie sich ein Zeit­fens­ter-Ticket für die Lan­ge Nacht der Muse­en am kom­men­den Frei­tag sichern. Dann öff­net das LWL-Muse­um für Kunst und Kul­tur in Müns­ter sei­ne Türen wie­der von 10 bis 24 Uhr. Ab 18 Uhr ist der Ein­tritt sogar frei. Wer nicht allein durch die Aus­stel­lung „August und Eli­sa­beth Macke. Der Maler und die Mana­ge­rin“ wan­dern möch­te, kann für 2 Euro von 18 bis 19 Uhr an einer Füh­rung der Kura­to­rin Anna Lui­sa Wal­ter teil­neh­men. Eben­falls um 18 Uhr fin­det die Tour „Gegen­über – Frau­en mit Sta­tur“ im St.-Paulus-Dom und dem Muse­um in Zusam­men­ar­beit mit der Frau­en­seel­sor­ge des Bis­tums Müns­ter statt. Die­se Füh­rung ist kos­ten­los, eine Buchung ist ab heu­te beim Besucher:innenservice des Muse­ums möglich.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann. Und ich freue mich, wenn wir uns gleich bei unse­rer Redak­ti­ons­kon­fe­renz sehen. Kom­men Sie dazu, es wird eine net­te, locke­re Runde.

Herz­li­che Grüße

Con­stan­ze Busch

Mit­ar­beit: Ralf Hei­mann, Eva Strehlke

PS

Wenn Journalist:innen über etwas berich­ten wol­len, müs­sen sie not­wen­di­ger­wei­se vor­her mit Men­schen spre­chen. Das machen jeden­falls die meis­ten in die­ser Bran­che so. Aber in den ver­gan­ge­nen Mona­ten beschränk­te sich das auf Tele­fo­na­te und Video­kon­fe­ren­zen. Daher freu­te mein Kol­le­ge sich dann auch sehr, dass eines die­ser Tref­fen in die­ser Woche mal wie­der ganz ohne Bild­schirm vor einer Knei­pe im Süd­vier­tel statt­fin­den konn­te, am spä­ten Nach­mit­tag im Son­nen­schein. Und das ist ja doch etwas anders, als nur den ble­cher­nen Klang einer Stim­me aus dem Han­dy zu hören. Man sitzt sich gegen­über, es ent­steht gleich eine ande­re Atmo­sphä­re. Und sei­en Sie ehr­lich, haben Sie schon mal erlebt, dass sich mit­ten in einer Video­kon­fe­renz eine Tau­be mit gro­ßer Wucht mit­ten auf Ihren Schreib­tisch ent­leert? Sehen Sie, so etwas geht nur bei einem rea­len Tref­fen. Zum Glück war der Tisch neben­an noch frei. Ver­letzt wur­de niemand.