Sanieren, bis die Kurve fällt | Razzia am Bremer Platz | Pleister Mühle

Müns­ter, 14. April 2022

Guten Tag,

heu­te ist ein famo­ser Tag: ein Don­ners­tag, der sich nicht wie sonst mit dem Titel Vize-Frei­tag begnü­gen muss, son­dern wie ein rich­ti­ger Frei­tag schnur­stracks ins Wochen­en­de führt. Sogar in ein lan­ges. Und weil wir uns hier in der Redak­ti­on selbst einen frei­en Kar­frei­tag geneh­migt haben, schi­cken wir Ihnen den RUMS-Brief schon heute.

Wenn Sie nicht aufs Unge­wohn­te kom­men wol­len, kön­nen Sie ihn natür­lich auch ein­fach für mor­gen auf­he­ben. Das ist ja das Tol­le an sol­chen E-Mails, sie wer­den nicht schlecht, anders als Zei­tun­gen ver­gil­ben sie auch nicht und sehen sogar in ein paar Wochen noch tau­frisch aus. Aber scrol­len Sie doch heu­te schon mal nach unten zu unse­ren Aus­geh- und Aus­flugs­tipps. Wir haben ein paar schö­ne Din­ge fürs Oster­wo­chen­en­de für Sie gefun­den und eingesammelt.

Das Wet­ter soll ja auch aus­ge­spro­chen aus­flug­s­taug­lich wer­den. Und mit die­ser gran­dio­sen Über­lei­tung – klat­schen Sie ger­ne – sind wir beim heu­ti­gen The­ma, dem Kli­ma. Ralf Hei­mann hat­te Ihnen am Diens­tag im PS das Pro­jekt Kli­ma­watch ver­linkt, das die Fort­schrit­te beim Kli­ma­schutz doku­men­tiert. Oben auf die­ser Sei­te kön­nen Sie schät­zen, bis wann Müns­ter sei­ne Emis­sio­nen auf Null sen­ken müsste.

Der Trend verläuft noch nicht so, wie er sollte

Falls Sie gera­de kei­ne Lust haben zu raten, kommt hier natür­lich direkt die Auf­lö­sung: Um das Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men zu erfül­len, hät­te Müns­ter bis etwa 2033 Zeit (rot­ge­stri­chel­te Linie in der Gra­fik „Rea­li­tät und Zie­le“). Die Stadt hat sich vor­ge­nom­men, es bis 2030 zu schaf­fen (grün­ge­stri­chel­te Linie).

Und wie läuft es nun? Das zeigt die gepunk­te­te grü­ne Linie („Trend“) an. Sie bewegt sich zwar nach unten, aber eher trä­ge, wäh­rend die Soll-Kur­ve wie eine Ach­ter­bahn von jetzt bis 2030 steil nach unten abfällt.

Die Stadt hat im letz­ten Som­mer eine ers­te Kon­zept­stu­die zur Kli­ma­neu­tra­li­tät ver­öf­fent­licht, in der steht, wie sie auf die Ach­ter­bahn-Kur­ve ein­bie­gen und die kli­ma­schäd­li­chen Emis­sio­nen bis 2030 auf Null drü­cken könn­te (RUMS-Brief von Juni). Ein paar Mona­te spä­ter leg­te die Ver­wal­tung eine aus­führ­li­che­re Fas­sung der Stu­die und dazu eine Lis­te mit soge­nann­ten Ad-hoc-Maß­nah­men vor, mit denen qua­si sofort Treib­haus­gas­emis­sio­nen ein­ge­spart wer­den soll­ten. So rich­tig klappt das zwar nicht: Die meis­ten Din­ge auf der Lis­te sind kei­ne kon­kre­ten, schnell umsetz­ba­ren Maß­nah­men, son­dern län­ger­fris­ti­ge Vor­ha­ben. Aber das Papier zeigt trotz­dem, wo die Stadt etwas tun kann und muss.

Ein Punkt auf der Lis­te heißt: kli­ma­neu­tra­le städ­ti­sche Gebäu­de. Und hier wird es nun zumin­dest kon­kre­ter. Der Rat hat in der ver­gan­ge­nen Woche die Stadt­ver­wal­tung beauf­tragt, die Sanie­rung von 46 Gebäu­den vor­an­zu­brin­gen. Die­se Gebäu­de hat die Stadt aus ihrem Bestand von meh­re­ren hun­dert Kitas, Sport­hal­len, Schul- und Ver­wal­tungs­ge­bäu­den her­aus­ge­sucht, mit denen es los­ge­hen soll. Das Kri­te­ri­um: ein beson­ders güns­ti­ges Ver­hält­nis von Auf­wand und mög­li­cher Energieeinsparung.

35 der 46 Gebäu­de sind Schu­len. Außer­dem dabei: die Stadt­häu­ser 1 (Kle­mens­stra­ße) und 3 (Albers­lo­her Weg), die Feu­er­wa­che 1 am York-Ring, das Stadt­thea­ter, das Stadt­mu­se­um, die Hal­len­bä­der Hil­trup und Ost und meh­re­re Sporthallen.

Knapp 320 Mil­lio­nen Euro soll es kos­ten, die­se Gebäu­de bis 2030 so umzu­rüs­ten, dass sie deut­lich weni­ger Strom und Wär­me ver­brau­chen – und wenn, dann nur aus erneu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len. Zum Ver­gleich: Seit Anfang 2020 hat die Stadt 16,5 Mil­lio­nen Euro für ener­ge­ti­sche Sanie­run­gen von eige­nen Gebäu­den aus­ge­ge­ben, so teil­te das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt uns auf Anfra­ge mit. Schlan­ke fünf Pro­zent der Sum­me, die nun für die nächs­ten acht Jah­re ein­ge­plant ist.

Zum Geld kom­men wir gleich natür­lich noch. Aber auch wenn die Sum­me gewal­tig aus­sieht, ist sie nicht die ein­zi­ge Her­aus­for­de­rung, mit der die Stadt auf dem Weg zu kli­ma­neu­tra­len Gebäu­den umge­hen muss. Davor ste­hen noch ein paar andere:

Herausforderung 1: Begrenzter Handlungsspielraum

Die Stadt hat sich vor zwei Jah­ren das Ziel gesteckt, dass ihre Gebäu­de bis 2030 nur noch halb so viel Ener­gie ver­brau­chen und nur noch knapp ein Drit­tel so viel CO2 ver­ur­sa­chen sol­len wie im Jahr 1990. Bei­des kann sie laut dem Bericht aus eige­ner Kraft schaf­fen. Um den Ener­gie­be­darf zu sen­ken, müs­sen etwa Gebäu­de bes­ser gedämmt und spar­sa­me LED-Lam­pen ein­ge­baut wer­den – das hat die Stadt selbst in der Hand. Was dann noch zum Hei­zen, für Licht und Elek­tro­nik gebraucht wird, soll aus erneu­er­ba­ren Quel­len kom­men. Auch dabei hat die Stadt eige­ne Mög­lich­kei­ten, zum Bei­spiel indem sie Solar­an­la­gen auf Schul- und ande­ren Dächern installiert.

Um die Emis­sio­nen wirk­lich auf Null her­un­ter­zu­be­kom­men, müs­sen aber auch die Stadt­wer­ke hel­fen, indem sie die erneu­er­ba­ren Ener­gien wei­ter aus­bau­en, also etwa grö­ße­re Solar­parks errich­ten und mehr Wind­rä­der auf­stel­len. Außer­dem ist die über­re­gio­na­le Poli­tik gefragt: Ob es genug Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len geben wird, hängt auch von den gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ab.

In Nord­rhein-West­fa­len ist zum Bei­spiel die soge­nann­te Abstands­re­gel für Wind­rä­der ein Streit­punkt. Wind­kraft­an­la­gen müs­sen min­des­tens 1.000 Meter von Wohn­sied­lun­gen ent­fernt ste­hen. Bis­her gin­gen Expert:innen des lan­des­ei­ge­nen Umwelt­am­tes (LANUV) davon aus, dass mit die­ser Regel die Aus­bau­zie­le wahr­schein­lich nicht zu schaf­fen sind. In einer neu­en Stu­die kommt das­sel­be Amt nun zu einem ande­ren Ergeb­nis: Es sei­en genü­gend Flä­chen da, zum Bei­spiel ehe­ma­li­ge Wald­flä­chen, auf denen die Bäu­me der Tro­cken­heit oder dem Bor­ken­kä­fer zum Opfer gefal­len sind. Dort kön­nen aber nicht ohne Wei­te­res Wind­rä­der auf­ge­stellt wer­den, wes­halb Kritiker:innen die Aus­bau­zie­le immer noch in Gefahr sehen. Es ist also kom­pli­ziert. Die Stadt kann in die­sem Punkt erst ein­mal nur abwarten.

Herausforderung 2: In den Schulen ist auch Unterricht

Die Stadt hat bei der Aus­wahl der Sanie­rungs­pro­jek­te auch dar­auf geach­tet, wie stark sie den All­tags­be­trieb beein­flus­sen wer­den. Bei den Schu­len heißt das: Nach Mög­lich­keit sol­len die Handwerker:innen natür­lich in den Feri­en anrü­cken. Aber je nach­dem, was und wie viel zu tun ist, wird das nicht klap­pen, und nicht alles lässt sich dann im lau­fen­den Betrieb fertigmachen.

Die Schüler:innen man­cher Schu­len wer­den also zwi­schen­durch woan­ders ler­nen müs­sen. Und zwar nach Mög­lich­keit nicht in Con­tai­nern, weil das sehr teu­er ist und auf vie­len Schul­grund­stü­cken ohne­hin kein Platz für sol­che mobi­len Klas­sen­zim­mer ist. Statt­des­sen sol­len Lern­grup­pen in die Klas­sen­räu­me benach­bar­ter Schu­len oder gleich meh­re­re Klas­sen oder Jahr­gangs­stu­fen in leer­ste­hen­de Schul­ge­bäu­de ausweichen.

Genaue­res konn­te die Stadt dazu noch nicht sagen, sie wird für die 35 Schul­sa­nie­run­gen wohl min­des­tens 35 Ein­zel­lö­sun­gen ent­wi­ckeln müs­sen. Jörg Berens von der FDP mahn­te letz­te Woche im Rat an, die Poli­tik sol­le bit­te dem­nächst nicht dar­über strei­ten, in wel­cher Rei­hen­fol­ge die Gebäu­de ener­ge­tisch fit gemacht wer­den sol­len, son­dern den Vor­schlä­gen der Ver­wal­tung ein­fach fol­gen. Und das ist hier wahr­schein­lich eine klu­ge Idee.

Herausforderung 3: Das Schulausbauprogramm

Eini­ge Schu­len auf der Lis­te sol­len nicht nur ener­ge­tisch saniert, son­dern im Zuge des Schul­aus­bau­pro­gramms auch ver­grö­ßert oder umge­baut wer­den, zum Bei­spiel das Gym­na­si­um Pau­li­num, die Real­schu­le im Kreuz­vier­tel und die Schul­zen­tren Hil­trup und Kinderhaus.

Die­se Über­schnei­dun­gen sind nicht zwin­gend ein Nach­teil. In man­chen Fäl­len könn­ten sich Sanie­rungs- und Bau­maß­nah­men auch ver­bin­den und in einem Rutsch erle­di­gen las­sen. An ande­ren Stand­or­ten müs­sen die Auf­ga­ben nach­ein­an­der umge­setzt wer­den. Auch all das muss die Ver­wal­tung auf­wen­dig pla­nen und koordinieren.

Herausforderung 4: Der Ausbau der Digitalisierung

Ein drit­tes Maß­nah­men­pa­ket, noch mehr Koor­di­na­ti­on: In den Schul­ge­bäu­den sol­len in den nächs­ten Jah­ren jede Men­ge neue Kabel und Lei­tun­gen ver­legt wer­den, damit die Schüler:innen ihre iPads und ande­re Gerä­te im Unter­richt nut­zen kön­nen und guten Inter­net­emp­fang haben (mehr dazu hier). Die Her­aus­for­de­rung besteht hier nicht allein dar­in, die Vor­ha­ben als sol­che unter einen Hut zu brin­gen. Unter Umstän­den gibt es oben­drauf auch noch Zeit­druck: Die Stadt bekommt für den Aus­bau der digi­ta­len Infra­struk­tur För­der­gel­der, und die muss sie oft inner­halb eines bestimm­ten Zeit­raums ausgeben.

Herausforderung 5: Der Ausbau der Digitalisierung

Sie haben rich­tig gele­sen, schon wie­der die Digi­ta­li­sie­rung. Dies­mal geht es nicht um die Infra­struk­tur, son­dern um die Nut­zung danach. Blö­der­wei­se fres­sen die zusätz­li­chen Gerä­te näm­lich einen Teil der Ein­spa­run­gen gleich wie­der auf (soge­nann­ter Rebound-Effekt), der Strom­ver­brauch ist seit 1990 um 8 Pro­zent gestie­gen und wird vor­aus­sicht­lich auch noch wei­ter steigen.

Die Stadt kann da nicht viel tun, wenn die Kin­der und Jugend­li­chen nicht wie­der nur auf Papier arbei­ten sol­len. Letz­te­res ist im Übri­gen nicht nur gera­de knapp, son­dern man braucht für die Her­stel­lung einer Ton­ne Papier so viel Ener­gie wie für eine Ton­ne Stahl.

Herausforderung 6: Die Fachkräfte

Das Pro­blem ist nicht neu, aber es wird immer grö­ßer: Dem Hand­werk feh­len Fach­kräf­te. Auf­trä­ge auf den städ­ti­schen Bau­stel­len zu ver­ge­ben, könn­te in den kom­men­den Jah­ren auch des­halb noch schwie­ri­ger wer­den, weil gleich­zei­tig immer mehr Pri­vat­leu­te ihre Häu­ser sanie­ren oder mit Solar­an­la­gen aus­stat­ten wollen.

Und die Stadt hat noch ein zwei­tes Per­so­nal­pro­blem: Ihr selbst feh­len Mitarbeiter:innen. Im Amt für Immo­bi­li­en­ma­nage­ment, das für sol­che Bau­pro­jek­te zustän­dig ist, sind schon jetzt zehn Voll­zeit­stel­len unbe­setzt. Und um alle Sanie­run­gen zu pla­nen, zu koor­di­nie­ren und För­der­mit­tel ein­zu­wer­ben, bräuch­te das Amt laut dem Bericht noch zehn wei­te­re Kräfte.

Die CDU for­der­te letz­te Woche in der Rats­sit­zung, die Ver­wal­tung sol­le ein kon­kre­te­res Kon­zept vor­le­gen, wie sie etwa exter­ne Fach­kräf­te beauf­tra­gen kön­ne, um ihr eige­nes Per­so­nal zu ent­las­ten. Ich habe bei der Stadt nach­ge­fragt, ob und in wel­chem Umfang das mög­lich wäre. Das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt ant­wor­te­te: Da, wo es mög­lich sei, wür­den schon Auf­ga­ben an exter­ne Inge­nieur­bü­ros ver­ge­ben. Aber nicht alle Auf­ga­ben lie­ßen sich über­tra­gen. Und laut dem Bericht für die Poli­tik haben auch sol­che Pla­nungs­bü­ros mit Per­so­nal­man­gel zu kämpfen.

Herausforderung 7: Das Geld

Da ist sie nun, die Fra­ge aller Fra­gen: Wie soll die Stadt all die Sanie­run­gen bezah­len? Es ist zwar abseh­bar, dass es wohl nicht ganz bis 2030 klap­pen wird. Aber irgend­wann muss die Käm­me­rin die 320 Mil­lio­nen Euro ja so oder so auf den Tisch legen. Woher nehmen?

Die gute Nach­richt: Knapp 42 Mil­lio­nen Euro sind bis 2025 schon ein­ge­plant, 25,5 Mil­lio­nen für spä­ter. Feh­len also nur noch gut 252 Millionen.

Ich habe es im vori­gen Abschnitt schon erwähnt: Einen Teil die­ser Sum­me könn­te die Stadt über För­der­gel­der abde­cken, auch dafür braucht sie (neu­es) Personal.

Einen ande­ren Teil möch­te sich die Stadt lei­hen, über eine Anlei­he namens Green Bond, die die Käm­me­rin und ihr Team gera­de aus­ar­bei­ten. 100 Mil­lio­nen Euro sol­len spä­ter auf die­sem Weg zusam­men­kom­men, die die Stadt in öko­lo­gisch oder sozi­al aus­ge­rich­te­te Vor­ha­ben – dar­un­ter auch sol­che Sanie­rungs­pro­jek­te – inves­tie­ren will.

In der Berichts­vor­la­ge für den Rat steht unter der Über­schrift „Mit­tel­be­reit­stel­lung“ außer­dem Fol­gen­des: „Die Ver­wal­tung wird alle Kräf­te zur Umset­zung des Kon­zep­tes mobi­li­sie­ren. Mit die­ser ein­deu­ti­gen Prio­ri­sie­rung ist die Maß­ga­be ver­bun­den, dass ande­re The­men und Maß­nah­men nur mit einer gerin­ge­ren Prio­ri­tät wei­ter­ver­folgt wer­den kön­nen. Dort, wo sich die­se Prio­ri­tä­ten­ver­schie­bung in Bud­gets aus­drückt, wird die Ver­wal­tung eine Umschich­tung der Mit­tel vornehmen.“

Ich über­set­ze kurz: Ande­re Auf­ga­ben und Vor­ha­ben wer­den zurück­ste­hen müs­sen, weil kein Geld da ist oder weil sich nie­mand dar­um küm­mern kann. Was genau wie stark zurück­ste­hen muss, wer­den Poli­tik und Stadt­ge­sell­schaft in den kom­men­den Jah­ren aus­han­deln müssen.

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In aller Kürze

+++ Jede:r Münsteraner:in hat 2019 im Schnitt 24.005 Euro ver­dient. Das hat die gewerk­schafts­na­he Hans-Böck­ler-Stif­tung aus­ge­rech­net. Sie hat alle 401 Krei­se und kreis­frei­en Städ­te in Deutsch­land unter­sucht und das ver­füg­ba­re Pro-Kopf-Ein­kom­men ermit­telt. Dabei zeigt sich ein West-Ost- und ein Süd-Nord-Gefäl­le inner­halb Deutsch­lands. Müns­ters Pro-Kopf-Ein­kom­men liegt leicht über dem Bun­des­durch­schnitt von 23.706 Euro. Die ein­kom­mens­stärks­te Stadt Deutsch­lands ist Heil­bronn (42.275 Euro), die Schluss­lich­ter lie­gen im Ruhr­ge­biet: Duis­burg (17.741 Euro) und Gel­sen­kir­chen (17.015 Euro). Mit dem Begriff ver­füg­ba­res Ein­kom­men mei­nen Wirtschaftswissenschaftler:innen übri­gens das Geld, das jede:r für den Kon­sum oder zum Spa­ren aus­ge­ben kann. Der Betrag ist nicht das­sel­be wie das Net­to­ein­kom­men, weil zum Bei­spiel auch Sozi­al­leis­tun­gen und Kapi­tal­ein­kom­men aus Akti­en mit ein­ge­rech­net und lau­fen­de Kos­ten wie bestimm­te Ver­si­che­run­gen abge­zo­gen werden.

+++ Wenn Sie in den kom­men­den Tagen Post von der Stadt bekom­men, gehö­ren Sie viel­leicht zu den 17.000 Münsteraner:innen, die für den Zen­sus 2022 aus­ge­wählt wor­den sind. „Aus­ge­wählt“ heißt in die­sem Fall: Sie müs­sen mit­ma­chen und Fra­gen zu Ihrer Wohn- und Lebens­si­tua­ti­on beant­wor­ten. Wie die Stadt erläu­tert, bekom­men Sie dazu Besuch von geschul­ten Interviewer:innen, die Geburts­da­tum, Fami­li­en­stand, Staats­an­ge­hö­rig­keit und Geschlecht abfra­gen. Wei­te­re Anga­ben, zum Bei­spiel zu Arbeit und Bil­dung, müs­sen die Befrag­ten online nach­rei­chen. Auf die­se Wei­se wer­den in den nächs­ten Mona­ten deutsch­land­weit Daten erho­ben, in Müns­ter star­ten die Inter­views am 15. Mai. Mehr Infos zum Zen­sus 2022 fin­den Sie hier, hier und hier.

+++ Bei einer gro­ßen Raz­zia am Bre­mer Platz haben Ein­satz­kräf­te der Poli­zei ges­tern 71 Men­schen ein­ge­kes­selt und kon­trol­liert. Das Ziel war es laut Pres­se­mit­tei­lung der Poli­zei her­aus­zu­fin­den, wer am Bre­mer Platz Dro­gen und Alko­hol kon­su­miert. „Die Aggres­si­vi­tät rund um den Bre­mer Platz hat zuge­nom­men, die Stim­mung dort wird immer rau­er. Wir wol­len dort nie­man­den ver­drän­gen, aber wir wol­len, dass die Per­so­nen dort wis­sen, dass auch der Bre­mer Platz kein rechts­frei­er Raum ist“, wird Poli­zei­spre­che­rin Vanes­sa Arlt in den West­fä­li­schen Nach­rich­ten zitiert. Bei der Raz­zia fand die Poli­zei Mari­hua­na und Haschi­sch­öl, meh­re­re hun­dert Euro „in deal­er­ty­pi­scher Stü­cke­lung“ sowie zwei mög­li­cher­wei­se gestoh­le­ne Fahr­rä­der. Außer­dem wur­de ein Dieb vor­läu­fig fest­ge­nom­men, der eine Tasche aus einem Fahr­rad­korb gestoh­len hat­te, das pas­sier­te aller­dings auf der ande­ren Sei­te des Hauptbahnhofes.

Corona-Update

+++ Die Wochen­in­zi­denz in Müns­ter sinkt wei­ter. Heu­te mel­det die Stadt 1.296 Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Einwohner:innen in den letz­ten sie­ben Tagen. 8.007 Men­schen sind zur­zeit in Müns­ter nach­weis­lich mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert. 65 Covid-Patient:innen lie­gen im Kran­ken­haus, sechs von ihnen auf der Inten­siv­sta­ti­on. Vier Men­schen wer­den beatmet.

+++ Offen­bar wird Müns­ter lang­sam impf­mü­de: Nur noch 100 bis 170 Men­schen las­sen sich pro Tag gegen das Coro­na­vi­rus imp­fen. Zu Best­zei­ten wur­den an einem Tag mehr als 1.000 Imp­fun­gen ver­ab­reicht. Die­se Zah­len haben die West­fä­li­schen Nach­rich­ten bei der Stadt erfragt. Die Zei­tung mel­det außer­dem, dass die Stadt noch bis Ende des Jah­res die kom­mu­na­le Impf­stel­le im Jovel offen­hal­ten wird. Dort wird dann zwar nur noch drei­mal in der Woche geimpft, aber durch das Ange­bot will sich die Stadt auf die Coro­na­wel­le vor­be­rei­ten, die im Herbst zu erwar­ten ist. Falls Sie noch nicht geimpft sind, kön­nen Sie bei der Vor­be­rei­tung direkt mit­ma­chen und hier einen Ter­min ausmachen.

Unbezahlte Werbung

Wann haben Sie zuletzt einen Aus­flug zur Pleis­ter Müh­le gemacht? Wenn es schon län­ger her ist, radeln Sie doch mor­gen mal wie­der zu dem schö­nen Land­gast­hof an der Werse. Seit die­sem Monat hat dort der Mini­golf-Par­cours wie­der täg­lich ab mit­tags geöff­net (bei tro­cke­nem Wet­ter). Und mor­gen, am Kar­frei­tag, wer­den neben den übli­chen Lecke­rei­en tra­di­tio­nell auch Stru­wen ser­viert: in Öl aus­ge­ba­cke­ne Hefe­teig­f­la­den mit Rosi­nen. Ihren Platz für 11:30 bis 12:45 Uhr, 13 bis 14:45 Uhr oder 15 bis 16:45 Uhr soll­ten Sie tele­fo­nisch unter 0251 136760 oder per E-Mail reservieren.

Falls Sie lie­ber selbst backen wol­len: Wir haben noch ein Stru­wen­re­zept für Sie aus­ge­sucht, aus­pro­biert und für sehr lecker befunden.

Drinnen und Draußen

Heu­te gibt es hier sehr vie­le Drau­ßen-, aber auch einen Drin­nen-Tipp. Eva Strehlke hat Emp­feh­lun­gen fürs Oster­wo­chen­en­de für Sie:

+++ Am Sams­tag kön­nen Sie beim tra­di­tio­nel­len Oster­marsch mit­ge­hen oder auf dem Rad mit­fah­ren und ein Zei­chen für den Frie­den set­zen. Die Fahr­rad-Demo star­tet um 13:30 Uhr am Schloss­platz, wei­te­re Infos zu Rou­te und Sta­tio­nen fin­den Sie hier.

+++ Auch am Sams­tag kön­nen Sie mit Rüdi­ger Vier­haus eine Rad­tour unter­neh­men. Die offe­ne Tour Müns­ter­Klas­si­ker von Müns­ter­Rad­Gui­de führt Sie in etwa zwei Stun­den neun Kilo­me­ter quer durch die Stadt und die nahe Umge­bung. Die Teil­nah­me kos­tet 17 Euro und lohnt sich auch für Ein­hei­mi­sche. Anmel­den müs­sen Sie sich nicht, son­dern ein­fach um 14 Uhr mit Ihrem Fahr­rad am Picasso­platz sein. Soll­ten Sie aller­dings ein Leih­rad brau­chen, müs­sen Sie sich vor­ab per Mail oder tele­fo­nisch unter 0251 1343760 melden.

+++ Wenn Sie lie­ber in Eigen­re­gie los­ra­deln oder -lau­fen möch­ten, inves­tie­ren Sie doch vor­her 4,95 Euro. Dafür bekom­men Sie in der Müns­ter-Infor­ma­ti­on im Stadt­haus 1 oder in der Buch­hand­lung die Frei­zeit­kar­te „Müns­ter und Umge­bung“, die gera­de in der neu­es­ten Auf­la­ge erschie­nen ist. Auf der Kar­te ist nicht nur das Stadt­ge­biet, son­dern auch die Umge­bung von Gre­ven bis Rin­ke­ro­de und von Telg­te bis Sen­den abge­bil­det. Ein­ge­zeich­net sind Sehens­wür­dig­kei­ten und Frei­zeit­an­la­gen, die Kunst­wer­ke der Skulp­tur­pro­jek­te sowie alle regio­na­len und über­re­gio­na­len Wan­der­rou­ten des Müns­ter­lan­des und Rad­wan­der­we­ge. Für drei aus­ge­wähl­te Rad­tou­ren fin­den Sie die GPS-Daten auch hier.

+++ Das Stru­wen­es­sen haben wir oben schon erwähnt. Was sonst noch zum Kar­frei­tag gehört, kön­nen Sie mor­gen ab 12 Uhr auf dem Müh­len­hof erfah­ren. Der Rund­gang mit Muse­ums­füh­re­rin Hel­ma Free­se ist im Ein­tritts­preis ent­hal­ten: Erwach­se­ne zah­len 6 Euro, Kin­der von sechs bis 16 Jah­ren 3,50 Euro, für jün­ge­re Kin­der ist der Ein­tritt kos­ten­los. Die Fami­li­en­kar­te kos­tet 15 Euro. Schon ab 11 Uhr wer­den mor­gen auch Kutsch­fahr­ten über den Hof ange­bo­ten. Und wer am Ende des lan­gen Oster­wo­chen­en­des noch oder wie­der Platz im Körb­chen hat, kann am Mon­tag um 12 Uhr zur gro­ßen Oster­ei­er­su­che vor­bei­kom­men – ein­fach so ohne Anmeldung.

+++ Und hier der ver­spro­che­ne Drin­nen-Tipp: das Stück „How to date a femi­nist“ von Saman­tha Ellis im Wolf­gang-Bor­chert-Thea­ter. Dar­in geht es um zwei Frisch­ver­lieb­te, eine Frau und einen Mann (Rosa­na Cle­ve und Johan­nes Lan­ger). Der im Titel erwähn­te Femi­nist ist der Mann, und das macht die Sache inter­es­sant und ein biss­chen chao­tisch. Am bes­ten schau­en Sie selbst. Kar­ten für kom­men­den Diens­tag und Mitt­woch bekom­men Sie hier.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann wie­der. Ich wün­sche Ihnen schö­ne Ostertage.

Herz­li­che Grüße

Con­stan­ze Busch

Mit­ar­beit: Sebas­ti­an Fob­be, Eva Strehlke


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PS

Am 28. April ist Girls’ Day, und wer Girls sagt, muss auch RUMS sagen. Wir laden ins­ge­samt zehn Mäd­chen zu uns in die Redak­ti­on ein, erzäh­len und zei­gen ihnen, wie wir arbei­ten, und beant­wor­ten Fra­gen zu unse­rem Beruf. Und jetzt kommt’s: Es sind noch Plät­ze frei. Falls Sie also eine Toch­ter, Nich­te oder Enke­lin haben, die uns ger­ne einen Tag lang besu­chen wür­de, mel­den Sie sich gern per E-Mail. Wir freu­en uns!

Das Gan­ze wür­den wir übri­gens gern auch für Jun­gen anbie­ten, aber lei­der fin­det der „Boys’ Day“ am sel­ben Tag statt, und die Grup­pen sol­len der Idee nach mög­lichst getrennt nach Geschlech­tern teil­neh­men. Des­halb laden wir die Jun­gen ein­fach im nächs­ten Jahr ein.