Stichwahl: Die Kandidaten im Vergleich | Wählen ohne Wahlkarte | Cho & Riso

Müns­ter, 25. Sep­tem­ber 2020

Guten Tag,

bei der Ober­bür­ger­meis­ter­wahl 2015 hol­te Mar­kus Lewe im ers­ten Wahl­gang knapp die abso­lu­te Mehr­heit, mit einem Vor­sprung von gut 26 Pro­zent­punk­ten vor dem SPD-Kan­di­da­ten Jochen Köhn­ke. In die­sem Jahr lag er im ers­ten Wahl­gang dage­gen nur 16 Pro­zent­punk­te vor Peter Todes­ki­no.

Ist das ein Zei­chen für eine ech­te Wech­sel­stim­mung – oder haben sich die Wähler:innenstimmen ein­fach anders ver­teilt, weil in die­sem Jahr neun statt sei­ner­zeit fünf Kandidat:innen im Ren­nen waren? Kann Peter Todes­ki­no den Amts­in­ha­ber in der Stich­wahl schla­gen und als ers­ter grü­ner Ober­bür­ger­meis­ter ins Rat­haus von Müns­ter zie­hen? Oder hilft der Amts­bo­nus Mar­kus Lewe dabei, genü­gend Wähler:innen für sich zu gewin­nen, die im ers­ten Wahl­gang für einen ande­ren Kan­di­da­ten gestimmt haben? Am Sonn­tag­abend wer­den wir es wissen.

Klar ist: Die bei­den Stich­wahl-Geg­ner haben im Wahl­kampf voll auf ihre kon­trä­ren Rol­len gesetzt. Hier der alt­ein­ge­ses­se­ne Müns­te­ra­ner und lang­jäh­ri­ge Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe, der die Stadt super fin­det und auf einem guten Weg sieht. Dort der (wie­der) zuge­zo­ge­ne Her­aus­for­de­rer Peter Todes­ki­no, der Müns­ter – klar – auch super fin­det, aber sehr vie­les umkrem­peln möchte.

Die­se Wahl­kampf­stra­te­gien – also Amts­bo­nus und Ur-Müns­te­ra­ner hier, Ver­än­de­rung und Fokus auf Inhal­te da – las­sen sich auch auf der Sei­te des Kom­mu­nal­wahl­check able­sen. Wenn Sie dort 30 Fra­gen beant­wor­tet haben, bekom­men Sie ein kur­zes Por­trät ange­zeigt, mit dem die CDU und die Grü­nen ihren jewei­li­gen Anwär­ter auf das höchs­te Amt der Stadt beschrie­ben haben. Bei Mar­kus Lewe steht dort: „Ich bin in Müns­ter gebo­ren und auf­ge­wach­sen. Nach Kind­heit, Jugend und Fami­li­en­grün­dung in Coer­de sind mei­ne Fami­lie und ich nach Angel­mod­de gezo­gen, wo wir in einem Rei­hen­haus leben. Mei­ne Frau und ich sind Eltern von fünf Kin­dern. Beruf­lich kom­me ich – nach einem abge­schlos­se­nen Stu­di­um der Ver­wal­tungs­wis­sen­schaf­ten – aus der Ver­wal­tung des Bis­tums Müns­ter.“ Die Grü­nen emp­feh­len kurz und bün­dig: „Infor­mie­ren Sie sich über unse­ren Kan­di­da­ten auf www.muenster-machen.de und über die GRÜNEN auf www.gruene-muenster.de.“

Stichwahl zwischen „Macher“ und Familienvater „mit Maß und Mitte“

Peter Todes­ki­no prä­sen­tiert sich auf die­sen Web­sites und bei öffent­li­chen Auf­trit­ten als Macher (ein Glücks­fall für ihn, dass er die Domain www.muenster-machen.de für sei­nen Wahl­kampf nut­zen konn­te). Er spricht kaum über Pri­va­tes und möch­te statt­des­sen sei­ne Inhal­te sehr forsch nach vor­ne brin­gen. Gegen­wind hal­te er aus, über unter­schied­li­che Posi­tio­nen müs­se man dann eben dis­ku­tie­ren. Der Amts­in­ha­ber zeigt sich als Fami­li­en­mensch und als Kan­di­dat, der alle Münsteraner:innen anspre­chen möch­te und sich mög­lichst immer in der Mit­te plat­ziert. Der Stich­wahl-Slo­gan der CDU heißt ent­spre­chend auch „Am 27.09. Lewe wäh­len. Mit Maß und Mitte“.

Dazu pas­sen die Ant­wor­ten, die die Kan­di­da­ten im Kom­mu­nal­wahl­check gege­ben haben. Bei jeder Fra­ge gab es die fünf Optio­nen „stim­me deut­lich zu“, „stim­me zu“, „neu­tral“, „leh­ne ab“ und „leh­ne deut­lich ab“. Mar­kus Lewe hat neun der 30 Fra­gen mit „neu­tral“ und vier Fra­gen gar nicht beant­wor­tet, nur eine Posi­ti­on lehn­te er „deut­lich“ ab („Die Mie­ten in der Stadt sol­len in den nächs­ten 5 Jah­ren nicht erhöht wer­den dür­fen.“). Selbst für das Pro­jekt „Musik-Cam­pus“, das der Ober­bür­ger­meis­ter bis­her stark for­ciert hat, gab er hier nur ein ein­fa­ches „ich stim­me zu“. Bei Peter Todes­ki­no sieht die Sache genau anders­her­um aus: 14 Mal ent­schied er sich für die „deut­li­che“ Zustim­mung oder Ableh­nung, „neu­tral“ klick­te er dage­gen nur fünf Mal.

Das sagen die Kandidaten zu den Themen Wohnen, Verkehr und Klimaschutz

Wenn Sie jetzt noch ein­mal genau wis­sen wol­len, wie Mar­kus Lewe und Peter Todes­ki­no sich Müns­ters Zukunft vor­stel­len, kön­nen Sie den Kom­mu­nal­wahl­check machen. Oder Sie lesen ein­fach wei­ter. Als Ent­schei­dungs­hil­fe für Sonn­tag haben wir für Sie näm­lich die Kon­zep­te und Posi­tio­nen der Kan­di­da­ten zu den drei gro­ßen The­men Woh­nen, Ver­kehr und Kli­ma­schutz zusammengefasst.

Über den Dau­er­bren­ner Woh­nen wur­de in den ver­gan­ge­nen Mona­ten hit­zig dis­ku­tiert. Meis­tens dreh­te sich die Debat­te aller­dings um den SPD-Vor­schlag, am Kanal einen neu­en Stadt­teil mit 6.000 Woh­nun­gen zu errich­ten. Die Ideen der CDU und der Grü­nen sind dabei etwas in den Hin­ter­grund gerückt.

Einig sind sich die bei­den Stich­wahl-Kan­di­da­ten dar­in, dass etwas pas­sie­ren muss: Müns­ter braucht mehr bezahl­ba­ren Wohn­raum (wie vie­le Woh­nun­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gebaut wur­den und wie vie­le eigent­lich gebraucht wer­den, hat mein Kol­le­ge Ralf Hei­mann hier zusam­men­ge­fasst). Im Inter­view mit den West­fä­li­schen Nach­rich­ten Anfang Sep­tem­ber berich­te­ten bei­de ganz bür­ger­nah von ihren eige­nen Erfah­run­gen mit der Woh­nungs­su­che (Peter Todes­ki­no: eine Her­aus­for­de­rung) und beim Haus­kauf (Mar­kus Lewe: teu­er).

Aber was für Wohn­raum soll es denn wer­den, wo und wie sol­len die Münsteraner:innen in Zukunft leben?

Dichte Wohnviertel vs. neue Einfamilienhäuser

Mar­kus Lewe spricht in sei­nem Wahl­pro­gramm und in Inter­views ger­ne über Pro­jek­te, die der Stadt­rat schon beschlos­sen hat oder die zumin­dest schon ange­sto­ßen wur­den. „Die Bau­ar­bei­ten für ins­ge­samt 3.000 Woh­nun­gen auf den ehe­ma­li­gen Kaser­nen­ge­län­den in Gie­ven­beck und Grem­men­dorf begin­nen“, heißt es da zum Bei­spiel. Grund­sätz­li­ches ist im CDU-Wahl­pro­gramm nach­zu­le­sen: Die Par­tei wol­le Wohn­bau­ge­sell­schaf­ten und -genos­sen­schaf­ten dabei unter­stüt­zen, „bezahl­ba­ren inno­va­ti­ven Wohn­raum“ zu schaf­fen. Hier ist zu beach­ten, dass eine Wohn­bau­ge­sell­schaft der Ober­be­griff für alle Unter­neh­men ist, die Immo­bi­li­en bau­en und ver­mark­ten – also nicht auto­ma­tisch ein Garant für bezahl­ba­ren Wohn­raum. Anders sieht es mit den Wohn­bau­ge­nos­sen­schaf­ten aus: Die­se Unter­neh­men und ihre Immo­bi­li­en gehö­ren allen Bewohner:innen gemein­sam, die Prei­se sind güns­ti­ger als auf dem frei­en Markt.

Peter Todes­ki­no und die Grü­nen spre­chen sich für genos­sen­schaft­li­chen Woh­nungs­bau aus. Und sie kün­di­gen an, „Müns­ters sozi­al­ge­rech­te Boden­nut­zung wei­ter­ent­wi­ckeln“ und dazu bei­spiels­wei­se den Anteil geför­der­ten Wohn­raums erheb­lich erhö­hen zu wol­len, der nach dem aktu­el­len Kon­zept bei 30 Pro­zent liegt.

Bei­de Par­tei­en sind sich im Gro­ßen und Gan­zen dar­über einig, dass neue Woh­nun­gen mög­lichst in schon bestehen­den Vier­teln gebaut wer­den sol­len. Für die Grü­nen ist die­se soge­nann­te Nach­ver­dich­tung das Mit­tel der Wahl, „um Flä­chen­fraß drau­ßen zu ver­mei­den und um eine ‚Stadt der kur­zen Wege‘ zu errei­chen“, schrei­ben sie in ihrem Wahl­pro­gramm. Weil der Platz damit trotz­dem nicht für alle rei­chen wer­de, sol­len auch neue Wohn­ge­bie­te erschlos­sen wer­den. So ähn­lich (wenn auch etwas zurück­hal­ten­der bei der Nach­ver­dich­tung) steht es auch im CDU-Wahlprogramm.

Die Stich­wahl-Kan­di­da­ten wider­spre­chen ein­an­der aller­dings bei der Fra­ge, was für Gebäu­de in den neu­en Wohn­ge­bie­ten ste­hen sol­len. Peter Todes­ki­no ist dage­gen, dass neue Bau­plät­ze für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser geschaf­fen wer­den. Ein­fa­mi­li­en­häu­ser sind für ihn „Flä­chen­ar­ro­ganz“ – ein Sei­ten­hieb gegen die FDP, die die­se Wohn­form im Stadt­rat vehe­ment ver­tei­digt hat­te. Statt­des­sen wünsch­te er sich beim WN-Kan­di­da­ten­tref­fen „ver­dich­te­te Quar­tie­re mit hoher Lebens­qua­li­tät“. Mar­kus Lewe gab sich in der­sel­ben Dis­kus­si­ons­run­de erwar­tungs­ge­mäß defen­si­ver und CDU-ziel­grup­pen­ge­recht: Die Stadt müs­se mit den Flä­chen ver­ant­wor­tungs­voll umge­hen. Er sei aber kein Freund von Ver­bo­ten (sprich: wenn jun­ge Fami­li­en ein Haus bau­en möch­ten, dür­fen sie das), son­dern wol­le lie­ber Ange­bo­te machen.

Klimaschutz: Der Pragmatiker und der Visionär

Den­sel­ben Stand­punkt ver­tritt Lewe beim The­ma Kli­ma­schutz. „Kli­ma­schutz allein durch Aske­se wird nicht funk­tio­nie­ren“, sag­te er im WN-Inter­view. Statt­des­sen setzt er auf tech­ni­schen Fort­schritt, zum Bei­spiel auf den Was­ser­stoff-Antrieb für Autos und Bus­se, Ther­mo­fo­to­gra­fie und Alt­bau­sa­nie­run­gen. Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen und eine kli­ma­neu­tra­le Mobi­li­tät will die CDU laut Wahl­pro­gramm fördern.

Ins­ge­samt sieht Mar­kus Lewe Müns­ter schon auf einem guten Weg: „Müns­ter ist als nach­hal­tigs­te Groß­stadt aus­ge­zeich­net. […] Bis 2030 will Müns­ter kli­ma­neu­tral wer­den. Immer­hin haben wir die CO2-Emis­sio­nen trotz stark stei­gen­der Ein­woh­ner­zahl seit 1990 um knapp 25 Pro­zent redu­ziert“, schreibt er auf sei­ner Wahl-Website.

Zum Hin­ter­grund: Das Ziel „Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2030“ wur­de 2019 fest­ge­legt. Der Rat hat­te damals den Kli­ma­not­stand aus­ge­ru­fen und knapp 90 Maß­nah­men zum Kli­ma­schutz beschlos­sen, unter ande­rem die Alt­bau­sa­nie­run­gen und eine För­de­rung für Las­ten­rä­der. In einem WDR-Bericht zum Rats­ent­scheid hieß es damals: „Nach Anga­ben einer Spre­che­rin im Umwelt­amt wur­den bis heu­te 23 Pro­zent ein­ge­spart. Das ist nicht viel mehr als im Jahr 2010. Da lag der Wert nach Anga­ben der Stadt bei etwa 21 Pro­zent. Das heißt: In den ver­gan­ge­nen neun Jah­ren hat sich in Müns­ter der CO2-Aus­stoß kaum mehr ver­rin­gert.“

Es ist wenig über­ra­schend, dass Peter Todes­ki­no sich beim grü­nen Kern­the­ma ambi­tio­nier­ter gibt als sein CDU-Kon­tra­hent, um das gesetz­te Kli­ma­schutz-Ziel zu errei­chen. Bei­spiel Solar­ener­gie: Er wol­le „die Stadt und auch deren Töch­ter ver­pflich­ten, son­nen­zu­ge­wand­te Dächer städ­ti­scher Gebäu­de mit Solar­an­la­gen aus­zu­stat­ten“ und „die Alt­stadt­sat­zung anpas­sen, um Solar­an­la­gen auf Dächern oder an Fas­sa­den recht­lich zu ermög­li­chen“. In der WN-Kan­di­da­ten­run­de schwärm­te er gar von „Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen in einem Maß­stab, den wir uns heu­te noch gar nicht vor­stel­len kön­nen“.

Verkehrskonzepte: Die Unterschiede sind kleiner, als sie aussehen

Als Visio­när prä­sen­tier­te sich der grü­ne Kan­di­dat auch mit Blick auf den Ver­kehr. Todes­ki­nos Kern­bot­schaft im Wahl­kampf: die auto­freie Alt­stadt bis 2025 (mit Aus­nah­me­er­laub­nis für älte­re Bürger:innen und Men­schen mit Behin­de­rung). Dafür brau­che es eine umfas­sen­de Ver­kehrs­wen­de, zum Bei­spiel durch ein S-Bahn-Netz für das Müns­ter­land und den Aus­bau von Velorouten.

Mar­kus Lewe will nach eige­nem Bekun­den kei­ne Ver­kehrs­wen­de, son­dern eine intel­li­gen­te Ver­net­zung ver­schie­de­ner Ange­bo­te – zum Bei­spiel Velo­rou­ten und eine Müns­ter­land-S-Bahn. Die Unter­schie­de sind hier also sehr viel klei­ner, als sie auf den ers­ten Blick wir­ken. Natür­lich lehnt die CDU das Kon­zept „auto­freie Alt­stadt“ erst ein­mal ab und will Anrei­ze statt Ver­bo­te. Auf sei­ner Wahl-Web­site gibt Lewe aber auch eine „neue Mobi­li­tät, die Autos in der Innen­stadt unnö­tig macht“, als Ziel aus – also „auto­frei light“ ohne kon­kre­ten Ter­min. Falls Sie das nach­le­sen möch­ten: Das steht nicht unter „Mobi­le Stadt“, son­dern unter „Kli­ma­stadt“.

Die Velo­rou­ten sind übri­gens natür­lich längst beschlos­sen. Mar­kus Lewe nennt in sei­nem Kon­zept außer­dem Elek­tro­bus­se (die ers­ten fah­ren seit 2015, bis 2029 soll die Stadt­wer­ke-Flot­te kom­plett umge­stellt wer­den) und Traf­fic on demand („Loop Müns­ter“, das Pilot­pro­jekt des Mas­ter­plans Mobi­li­tät Müns­ter 2035+).

Was ist denn nun mit der B 51 und der Münsterland-S-Bahn?

Doch bevor Sie sich ange­sichts von so viel Einig­keit ent­spannt zurück­leh­nen: Kurz vor der Wahl wur­de es auch beim Reiz­the­ma Ver­kehr noch ein­mal holp­rig. Am Diens­tag zeig­te Peter Todes­ki­no in Coer­de die Stel­le, an der die Müns­ter­land-S-Bahn sei­ner Mei­nung nach pri­ma hal­ten kön­ne. Glei­se sei­en ja schon da, bis­her sei Coer­de in den Pla­nun­gen aber ver­ges­sen wor­den, und über­haupt gehe das S-Bahn-Pro­jekt viel zu lang­sam vor­an. In der WN-Aus­ga­be vom heu­ti­gen Frei­tag kon­tert Mar­kus Lewe, es gehe ja schließ­lich nicht um eine „Märk­lin-Eisen­bahn“ (sprich: so ein Pro­jekt dau­ert eben sei­ne Zeit), und über­haupt sei die gute S-Bahn-Idee von ihm gewesen.

Zu den Fak­ten: Mar­kus Lewe und die Land­rä­te der vier Müns­ter­land­krei­se stell­ten Ende 2019 ein Kon­zept für das Pro­jekt „S-Bahn Müns­ter­land“ vor. Anders als der Pro­jekt­na­me viel­leicht ver­mu­ten lässt, sol­len bis 2030 nicht kom­plett neue Bahn­stre­cken gebaut, son­dern die Ange­bo­te auf bestehen­den Stre­cken erwei­tert wer­den: Min­des­tens alle 30 Minu­ten sol­len die Bah­nen fah­ren, und sie sol­len neue Hal­te­punk­te bedienen.

In Müns­ter hat der Stadt­rat am 12. Febru­ar 2020 dazu ein­stim­mig einen Grund­satz­be­schluss ver­ab­schie­det. In der beschlos­se­nen Ver­wal­tungs­vor­la­ge heißt es unter ande­rem: „Der NWL wird auf­ge­for­dert, die Ein­rich­tung der bis­lang im Ziel­kon­zept … feh­len­den Hal­te­punk­te Handorf/Warendorfer Straße/Handorfer Stra­ße, Coer­de/Speicherstadt/Holtmannsweg sowie Mondstraße/Warendorfer Stra­ße zu prü­fen.“ Coer­de wur­de also nicht von Mar­kus Lewe ver­ges­sen, wie Todes­ki­no sei­nem Kon­tra­hen­ten vor­ge­wor­fen hatte.

Zoff gab es in den letz­ten Mona­ten auch über ein The­ma, das Müns­ter eigent­lich gar nicht ent­schei­den kann: den vier­spu­ri­gen Aus­bau der B 51 zwi­schen Müns­ter und Telg­te. Die Stadt darf dazu nur eine Stel­lung­nah­me for­mu­lie­ren. Im Juni stimm­ten die Grü­nen – anders als ver­ein­bart – im Stadt­rat nicht mit ihrem Koali­ti­ons­part­ner CDU für das Pro­jekt, son­dern beschlos­sen (unter ande­rem zusam­men mit der SPD) eine Reso­lu­ti­on gegen den Aus­bau. Das schwarz-grü­ne Rats­bünd­nis war am Ende. Peter Todes­ki­no nann­te das B-51-Vor­ha­ben spä­ter im Wahl­kampf „völ­lig aus der Zeit gefal­len“. Der Aus­bau wer­de kei­ne Ent­las­tung brin­gen, son­dern viel­mehr neu­en Auto­ver­kehr erzeugen.

Ein wenig kuri­os ist, dass Mar­kus Lewe noch im ver­gan­ge­nen Som­mer die vier­spu­ri­ge Bun­des­stra­ße klar befür­wor­tet hat. In den West­fä­li­schen Nach­rich­ten vom heu­ti­gen Frei­tag ist zu lesen: „Neben Todes­ki­no hält auch Lewe einen vier­spu­ri­gen Aus­bau der B 51 zwi­schen Müns­ter und Telg­te für nicht erfor­der­lich. Es müs­se sich die Struk­tur der Stra­ße verbessern.“


In aller Kürze

+++ Die FDP hat ihre Wähler:innen dazu auf­ge­ru­fen, bei der Stich­wahl am Sonn­tag für Mar­kus Lewe zu stim­men. „Die gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Archi­tek­tur droht, nach links ver­scho­ben zu wer­den. Des­we­gen ist es wich­tig, einen Ober­bür­ger­meis­ter aus der Mit­te zu haben. Mar­kus Lewe hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bewie­sen, dass er ein Kan­di­dat die­ser Mit­te ist“, schrei­ben die Frei­en Demo­kra­ten in ihrer Pres­se­mit­tei­lung. SPD, ÖDP, Volt Müns­ter und MBI emp­feh­len Peter Todes­ki­no. Auch die Lin­ke hat sich inzwi­schen für den grü­nen Stich­wahl-Kan­di­da­ten aus­ge­spro­chen. Mar­kus Lewe sei „nicht geeig­net für das Amt des Ober­bür­ger­meis­ters“, weil er sich nicht klar davon distan­zie­re, dass die AfD ihn unter­stützt, und die „Müns­te­ra­ner Erklä­rung gegen Rechts“ nicht unter­schrie­ben habe. Die PARTEI spricht kei­ne Wahl­emp­feh­lung aus.

+++ Falls Sie vor zwei Wochen Ihre Wahl­be­nach­rich­ti­gung weg­ge­wor­fen haben: Das macht nichts, Sie kön­nen am Sonn­tag natür­lich trotz­dem abstim­men. Gehen Sie ein­fach zwi­schen 8 und 18 Uhr mit Ihrem (gül­ti­gen) Per­so­nal­aus­weis oder Rei­se­pass in das Wahl­lo­kal, in dem Sie auch vor zwei Wochen schon Ihre Stim­me abge­ge­ben haben. Wenn Sie sich für die Brief­wahl ent­schie­den haben und Ihre Unter­la­gen noch zu Hau­se lie­gen: Wer­fen Sie sie bis Sonn­tag­nach­mit­tag 14:30 Uhr in einem der Stadt­häu­ser oder bei einer Bezirks­ver­tre­tung in den Brief­kas­ten. Am Stadt­haus 1, Kle­mens­stra­ße 10, wird der Brief­kas­ten am Sonn­tag sogar noch um 16 Uhr geleert.

+++ Nicht nur in Müns­ter ist am Sonn­tag Stich­wahl, son­dern auch in Köln, Dort­mund, Düs­sel­dorf, Aachen, Bonn, Mön­chen­glad­bach und Hamm. Die Welt hat zusam­men­ge­fasst, wo es beson­ders span­nend wird. In Müns­ter kön­nen Sie – wie schon vor zwei Wochen – am Sonn­tag ab 18 Uhr in der Bür­ger­hal­le im Rat­haus die Ent­wick­lun­gen live mit­ver­fol­gen. 100 Gäs­te gleich­zei­tig sind erlaubt, es gel­ten die übli­chen Abstands- und Hygieneregeln.

+++ Bun­des­prä­si­dent Stein­mei­er besucht am nächs­ten Diens­tag die Uni­kli­nik Müns­ter und das Deutsch-Nie­der­län­di­sche Corps. Eigent­lich woll­te der nie­der­län­di­sche König Wil­lem-Alex­an­der ihn beglei­ten und sich bei den Klinikmitarbeiter:innen dafür bedan­ken, dass sie vie­le Corona-Patient:innen aus den Nie­der­lan­den behan­delt hat­ten. Aus­ge­rech­net wegen der Coro­na-Pan­de­mie muss­te er die­sen Besuch nun absa­gen: Das Robert-Koch-Insti­tut hat­te die Pro­vin­zen Süd- und Nord­hol­land zu Risi­ko­ge­bie­ten erklärt, dort lie­gen auch der Amts- und der Wohn­sitz des Königs.

+++ Guter Start für „Loop Müns­ter“: Mehr als 10.000 Men­schen sind schon mit den zehn Elek­tro-Klein­bus­sen gefah­ren, die seit drei Wochen in Hil­trup unter­wegs sind, berich­tet der WDR.


Corona-Update

Die Stadt Hamm ist wei­ter Coro­na-Hot­spot, und auch aus dem Müns­ter­land gab es ges­tern schlech­te Nach­rich­ten: In Ems­det­ten lau­fen Mas­sen­tests, nach­dem in einem fleisch­ver­ar­bei­ten­den Betrieb 26 Beschäf­tig­te posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wur­den. In Müns­ter gel­ten aktu­ell 50 Men­schen als infi­ziert. Ins­ge­samt wur­den seit Aus­bruch der Pan­de­mie 1.025 Infek­tio­nen bestä­tigt, davon sind 962 Patient:innen wie­der gene­sen. 13 Per­so­nen, die mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert waren, sind gestorben.


Korrektur und Ergänzungen

Im RUMS-Brief am Diens­tag haben wir in einem Fak­ten­check Vor­wür­fe gegen den Grü­nen-Ober­bür­ger­meis­ter-Kan­di­da­ten Peter Todes­ki­no über­prüft. Es ging um Todes­ki­nos Arbeit in Kiel, wo er zwi­schen 2005 und 2017 Bür­ger­meis­ter und Stadt­bau­rat war. Oli­ver Teu­te­berg von der CDU kri­ti­siert an unse­rem Fak­ten­check im Wesent­li­chen zwei Punk­te (hier sein voll­stän­di­ger Brief):

1. CDU-Frak­ti­ons­chef Ste­fan Weber habe den lang­sa­men Fort­gang beim Bau eines Möbel­hau­ses in Kiel kri­ti­siert. Wir hät­ten aus der Kri­tik nur einen Teil zitiert und sie mit dem Ver­weis auf Todes­ki­nos gute Arbeits­mo­ral zu wider­le­gen ver­sucht. Die­se sei aber gar nicht Inhalt der Kri­tik gewesen.

Hier noch ein­mal der kom­plet­te Satz aus Ste­fan Webers Face­book-Pos­ting:

„Auch in Sachen Ver­wal­tungs­tem­po hin­ter­ließ der Mann, der in Müns­ter das admi­nis­tra­ti­ve Gas­pe­dal bis zum Anschlag durch­zu­drü­cken ver­kün­det, nicht mehr als den Fort­schritt einer Schne­cke. Das Möbel­haus sieht sei­ner Kie­ler Eröff­nung am 5. August 2021 ent­ge­gen, zehn Jah­re nach den ers­ten Gesprä­chen mit Todeskino.“

Nach unse­rem Ver­ständ­nis führt Weber den Bau des Möbel­hau­ses als Bei­spiel für ein gerin­ges Ver­wal­tungs­tem­po an. In Kiel haben wir uns von zwei unab­hän­gi­gen Quel­len bestä­ti­gen las­sen, dass Peter Todes­ki­no im kon­kre­ten Fall des Möbel­hau­ses kei­ne Schuld an den Ver­zö­ge­run­gen trifft. Blie­be der Vor­wurf des gerin­gen Ver­wal­tungs­tem­pos. Das lässt sich nicht an Kenn­zah­len fest­ma­chen. Daher den­ken wir, dass Aus­sa­gen über die Arbeits­mo­ral auch gewis­se Rück­schlüs­se auf das Tem­po zulas­sen, das ein Ver­wal­tungs­chef vorgibt. 

2. Jan Schul­ze Zum­hül­sen hat­te in einem Leser­brief in den West­fä­li­schen Nach­rich­ten kri­ti­siert, Todes­ki­no habe bei einem Bau­pro­jekt in Kiel ver­ges­sen, Sozi­al­woh­nun­gen ein­zu­pla­nen. Wir schrie­ben, Todes­ki­no sei für die Sozi­al­woh­nun­gen nicht zustän­dig gewe­sen. Teu­te­berg kri­ti­siert, wir hät­ten die For­mu­lie­rung der Grü­nen über­nom­men. Todes­ki­no sei sehr wohl mit der Pla­nung und dem Bau von Sozi­al­woh­nun­gen befasst gewesen. 

Dass Peter Todes­ki­no in Kiel nicht für den Bau von Sozi­al­woh­nun­gen zustän­dig war, war das Ergeb­nis unse­rer Recher­che. Die Stadt Kiel hat uns das bestä­tigt. Zu die­ser Zeit habe es sowie­so kei­nen gro­ßen Bedarf an Sozi­al­woh­nun­gen gege­ben, weil der Woh­nungs­markt recht ent­spannt gewe­sen sei. Inzwi­schen gebe es wie­der eine städ­ti­sche Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft, die Kon­takt­stel­le im Rat­haus sei im Sozi­al­de­zer­nat (Amt für Woh­nen) angesiedelt.

Wir haben auch Peter Todes­ki­no die Mög­lich­keit gege­ben, sich zu den Vor­wür­fen zu äußern. Lesen Sie hier die Stel­lung­nah­me.


Unbezahlte Werbung

Wenn Sie Hun­ger haben, dann war­ten Sie bes­ser noch einen Moment, bevor Sie auf die­sen Link kli­cken. Die Fotos auf der Web­site der Tapas-Bar Cho & Riso an der Son­nen­stra­ße 42 sind mit Hun­ger wirk­lich kaum zu ertra­gen. Das ist Ihnen tat­säch­lich zu hei­kel gera­de? Dann erklä­ren wir es schnell. Auf der Kar­te ste­hen Tapas, also klei­ne Appe­tit­häpp­chen aus der gan­zen Welt, natür­lich aus Spa­ni­en, aber auch aus Ita­li­en oder Japan. Shime­j­ji Pil­ze, Pimi­ent­os de Padron (Papri­ka aus Spa­ni­en), süd­ame­ri­ka­ni­sche Fleisch­bäll­chen oder haus­ge­mach­te Käse-Lauch-Kro­ket­ten. Ach, schau­en Sie es sich ein­fach an. Es sieht fan­tas­tisch aus. Geöff­net ist das Cho & Riso diens­tags bis don­ners­tags von 17 bis 24 Uhr sowie frei­tags und sams­tags von 17 bis 2 Uhr.


Drinnen und draußen

+++ Wis­sen Sie, was ein Hacka­thon ist? Falls nicht, hier eine kur­ze Erklä­rung: Bei einem Hacka­thon (Wort­schöp­fung aus „Hack“ und „Mara­thon“) arbei­tet eine Grup­pe von Men­schen, die sich mit Com­pu­tern aus­ken­nen, für die Dau­er der Ver­an­stal­tung mit die­sem Namen zusam­men an einem Pro­blem. Am Ende steht im bes­ten Fall eine Lösung. Beim Müns­ter­hack im Digi­tal Hub am Hafen sind die Teams schon seit heu­te Mor­gen damit beschäf­tigt. Wenn Sie Lust haben, schau­en Sie sich mor­gen Abend ab 18 Uhr im Live­stream an, was her­aus­ge­kom­men ist. Dann prä­sen­tie­ren die Teams ihre Ergebnisse. 

+++ Und noch ein Tipp für mor­gen Abend: Die AC/DC-Tri­bu­te-Band „Big Balls“ spielt live auf der Jovel-Ter­ras­se. 196 Plät­ze sind zu ver­ge­ben. Kar­ten bekom­men Sie für 12 Euro hier. Um 19 Uhr geht’s los.

+++ Falls die­se Musik so gar nichts für Sie ist, haben Sie viel­leicht an die­sem Kon­zert Freu­de: Sonn­tag­abend um 17 Uhr in der Tri­ni­ta­tis­kir­che am Straß­bur­ger Weg. Wer­ke von Bux­te­hu­de, Chap­lin, Hän­del, Piaz­zol­la, Schu­bert. Garan­tiert ohne E-Gitar­re. Anmel­den kön­nen Sie sich unter der Num­mer 0251 29796369. 

Und falls nichts für Sie dabei war, schau­en Sie doch in den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Nadann für den Frei­tag, Sams­tag und den Sonn­tag

In der kom­men­den Woche schrei­ben wir Ihnen schon am Mon­tag, denn dann geht es noch ein­mal um die Ober­bür­ger­meis­ter-Stich­wahl. Danach haben Sie damit dann aber auch erst ein­mal Ruhe. Und ein biss­chen Ruhe, das wün­sche ich Ihnen auch fürs Wochenende. 

Herz­li­che Grüße

Con­stan­ze Busch

Mit­ar­beit: Ann-Mar­len Hoolt und Marie Schwesinger


PS

Eini­ge von Ihnen hat­ten uns geschrie­ben, weil sie in der Kolum­ne von Ruprecht Polenz in der ver­gan­ge­nen Woche eine Wahl­emp­feh­lung für Mar­kus Lewe erkannt haben. Eini­ge frag­ten: Wie­so ist die Kolum­ne so kurz vor der Wahl in die­ser Form erschie­nen? Die Ant­wort ist: Weil wir kei­nen Ein­fluss auf die Inhal­te unse­rer Kolumnist:innen neh­men. Weil wir aber auch nicht den Ein­druck ent­ste­hen las­sen wol­len, dass wir eine bestimm­te Sei­te durch Kolum­nen-Ter­mi­ne bevor­zu­gen, ver­schie­ben wir die Kolum­ne in die­ser Woche von Sonn­tag auf Mitt­woch.