Autofreie Weltreise | Geschmacksexplosionen | Häusliche Gewalt

Müns­ter, 29. Janu­ar 2021

Guten Tag,

wer in Müns­ter unter­wegs ist, ist offen­bar ganz zufrie­den mit der Ver­kehrs­si­tua­ti­on: Beim ADAC-Moni­tor „Mobil in der Stadt“ belegt Müns­ter den ers­ten Platz. Einwohner:innen, Gäs­te und Pendler:innen in 29 deut­schen Städ­ten wur­den für die Stu­die befragt, wie ange­nehm sie das Auto-, Bus- oder Rad­fah­ren und das Zufuß­ge­hen dort fin­den. Hier kön­nen Sie die Ergeb­nis­se aller Städ­te nach Ver­kehrs­mit­teln auf­ge­schlüs­selt anschau­en. Müns­ter schafft ins­ge­samt 35 von 100 Plus­punk­ten, am zufrie­dens­ten sind hier die Fußgänger:innen mit 51 Pro­zent, bei den Radfahrer:innen sind es mit 41 Pro­zent etwas weniger.

Beim ÖPNV schafft Müns­ter mit 38 Pro­zent nur den sechs­ten Platz, beim Auto dann wie­der Platz eins. Aller­dings liegt das wohl dar­an, dass man anders­wo noch unzu­frie­de­ner ist – für die­se Best­plat­zie­rung haben elf Pro­zent Zufrie­den­heit gereicht. In der städ­ti­schen Pres­se­mit­tei­lung zum ADAC-Moni­tor steht: „Da hat Müns­ter offen­sicht­lich so man­ches rich­tig gemacht“, freut sich Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe. „Natür­lich ist das Fahr­rad ein sehr wich­ti­ges Fort­be­we­gungs­mit­tel in unse­rer Stadt. Rund 40 Pro­zent der Wege wer­den ja mit dem Rad erle­digt. Gleich­zei­tig wol­len wir aber auch denen, die auf das Auto ange­wie­sen sind, die Mög­lich­keit bie­ten, ihr Ziel gut zu errei­chen.“ Klei­ner Tipp: Ver­glei­chen Sie die Pres­se­mit­tei­lung mal hier­mit.

Autoarme Stadtkerne und neue Quartierskonzepte

Die poli­ti­sche Dis­kus­si­on um die auto­freie Innen­stadt geht der­weil wei­ter. Am letz­ten Frei­tag hat­te ich Ihnen ja ver­spro­chen, dass wir Ihnen noch mehr Städ­te vor­stel­len, die auto­freie oder auto­ar­me Kon­zep­te aus­pro­biert haben oder noch aus­pro­bie­ren wol­len. Das tun wir heu­te, und es geht dabei ein­mal um die gan­ze Welt. Ann-Mar­len Hoolt und Paul Opper­mann haben für Sie recher­chiert und vie­le span­nen­de Bei­spie­le gefun­den. So vie­le, dass wir Ihnen hier nur eine Aus­wahl vor­stel­len kön­nen, denn sonst müss­ten Sie sich ein paar Stun­den Zeit neh­men zum Lesen. Wir star­ten in Deutsch­land:

  • Die ers­te Groß­stadt in Deutsch­land, die (weit­ge­hend) auto­frei wer­den woll­te, ist Lübeck. Bis­her hat es aber nicht rich­tig geklappt. In den 1980er-Jah­ren ent­stand die Idee, wur­de aber gleich wie­der auf Eis gelegt, weil die Geschäfts­leu­te ver­är­gert reagier­ten. 1990 beschloss die Bür­ger­schaft (der Stadt­rat von Lübeck), dass die Alt­stadt jeden Tag von 10 bis 18 Uhr auto­frei sein sol­le. Tat­säch­lich galt das aber erst­mal nur für die Wochen­en­den – um auch alle ande­ren Wochen­ta­ge auto­frei zu machen, müss­ten erst der ÖPNV aus­ge­baut und Park-and-Ride-Ange­bo­te geschaf­fen wer­den. Die Stadt inves­tier­te 80 Mil­lio­nen D-Mark in zwei neue Bus­li­ni­en und 5.500 Park­plät­ze, die rund 700 Meter von der Innen­stadt ent­fernt gebaut wur­den. 1996 wur­de dann die „täg­li­che auto­freie Alt­stadt“ ein­ge­läu­tet, 1998 wur­de dar­aus aber schon wie­der „Lübeck ist offen für Autos“. Der Grund: hohe Umsatz­ver­lus­te der Geschäfts­leu­te. Inzwi­schen hat die Stadt einen neu­en Ver­such gestar­tet, die Alt­stadt für zu Fuß Gehen­de freund­li­cher zu gestal­ten und den Auto­ver­kehr zu reduzieren.
  • Das Stadt­zen­trum von Stutt­gart inner­halb des City-Rings soll „deut­lich vor 2030“ auto­frei wer­den, hat der grü­ne Ober­bür­ger­meis­ter Fritz Kuhn als Ziel aus­ge­ge­ben. Auto­frei heißt aber nicht ganz auto­frei: Man soll noch ins Zen­trum fah­ren dür­fen, muss aber dort direkt ein Park­haus ansteu­ern. Park­flä­chen auf der Stra­ße sol­len Stück für Stück ver­schwin­den und Platz machen für Fußgänger:innen.
  • In Frei­burg wur­de das ehe­ma­li­ge Kaser­nen­ge­län­de Vauban zu einem fast auto­frei­en Stadt­vier­tel umge­stal­tet. Eine Stra­ßen­bahn­li­nie führt an der Haupt­stra­ße ent­lang durch das Quar­tier. Rechts und links der Bahn­li­nie gibt es vier bis fünf Meter brei­te Geh­we­ge und eine schma­le Fahr­bahn für die weni­gen Autos, die Sei­ten­stra­ßen sind ver­kehrs­be­ru­higt. Am Stra­ßen­rand gibt es nur weni­ge Park­plät­ze, die für Besucher:innen und Car­sha­ring-Wagen gedacht sind. Wer ein eige­nes Auto hat, muss einen Park­platz in einer der bei­den Quar­tiers­ga­ra­gen kau­fen. Von vie­len Wohn­häu­sern aus ist der Weg zu die­sen Park­plät­zen wei­ter als zur nächs­ten Stra­ßen­bahn-Hal­te­stel­le – das und die Car­sha­ring-Ange­bo­te machen es recht unat­trak­tiv, ein eige­nes Auto zu nut­zen.
    Das Vauban-Vier­tel ist bei Anwohner:innen und Besucher:innen beliebt. Bei der Pla­nung des neu­en Gut­leut­mat­ten-Quar­tiers in Frei­burg-Has­lach dien­te Vauban den Kommunalpolitiker:innen und Planer:innen aller­dings nicht als Vor­bild: Etli­che Anwohner:innen woll­ten nicht auf Stell­plät­ze für die eige­nen Autos im Quar­tier ver­zich­ten und setz­ten sich durch.
  • Wer im ver­kehrs­be­ru­hig­ten und auto­ar­men Quar­tier „Ben­ja­min Fran­k­lin“ in Mann­heim lebt, kann ein Paket „abgas­frei­er Fort­be­we­gung“ buchen. Für 39 Euro pro Monat kön­nen die Mieter:innen unter ande­rem das auto­nom fah­ren­de Elek­tro-Shut­tle im Vier­tel nut­zen, 16 Stun­den pro Monat mit einem Elek­tro-Auto fah­ren und zwölf Stun­den pro Jahr mit einem Elek­tro-Las­ten­rad ein­kau­fen oder Din­ge trans­por­tie­ren. Der Park­raum für Autos ist im Quar­tier absicht­lich ver­knappt: Statt der übli­cher­wei­se zwei Stell­plät­ze pro Haus­halt sind hier nur 0,8 Stell­plät­ze vorgeschrieben.
  • Der Innen­stadt­kern von Kon­stanz ist schon weit­ge­hend auto­frei. Nun soll der Rest der Innen­stadt fol­gen, unter ande­rem durch eine ÖPNV-Offen­si­ve und ein digi­ta­les Ver­kehrs­ma­nage­ment. Außer­dem sol­len mehr Park-and-Ride-Mög­lich­kei­ten für Gäs­te geschaf­fen und die Park­ge­büh­ren in der Innen­stadt erhöht werden.
  • Auch der Stadt­rat von Mün­chen hat im Juni 2019 beschlos­sen: Die Alt­stadt soll weit­ge­hend auto­frei wer­den, Aus­nah­men gel­ten für den Lie­fer­ver­kehr und den ÖPNV. Wich­ti­ge Maß­nah­men für die Umset­zung: weni­ger Stell­plät­ze für Autos und höhe­re Park­ge­büh­ren, inner­halb des Alt­stadt­rings („blaue Zone“) fal­len jetzt 2,50 Euro pro Stun­de an. Fuß­gän­ger­zo­nen sol­len aus­ge­baut werden.
  • Noch ganz am Anfang ist man in Wup­per­tal. Dort hat das Wup­per­tal Insti­tut für Kli­ma, Umwelt, Ener­gie ange­regt, die Innen­stadt bis 2027 auto­frei umzu­ge­stal­ten. Bis­her fah­ren dort 60 Pro­zent der Men­schen mit dem Auto. Alter­na­ti­ve Kon­zep­te will das Insti­tut zusam­men mit Anwohner:innen, Geschäfts­leu­ten und Besucher:innen ent­wi­ckeln. Aus der Poli­tik gibt es Wider­stand, zum Bei­spiel von der SPD.
  • In Ham­burg ist die auto­freie Stadt nicht das Ziel. Statt­des­sen soll Stück für Stück das „grü­ne Netz“ ent­ste­hen, auf dem Men­schen mit dem Rad oder zu Fuß und unge­stört vom Stra­ßen­ver­kehr unter­wegs sein kön­nen. Dazu wer­den Park­an­la­gen, Spiel- und Sport­flä­chen, Klein­gar­ten­an­la­gen und Fried­hö­fe durch Grün­ver­bin­dun­gen mit­ein­an­der verbunden.

City-Maut, Sauna-Gutscheine und ein findiger Stadtplaner

Auch in den euro­päi­schen Nach­bar­län­dern arbei­ten vie­le Städ­te dar­an, den Auto­ver­kehr zu redu­zie­ren oder kom­plett aus der Innen­stadt her­aus­zu­hal­ten. Hier eini­ge Beispiele:

  • Kopen­ha­gen ist so gut wie immer das Vor­bild für den Rad­ver­kehr. Mehr als die Hälf­te der Einwohner:innen fährt mit dem Rad zur Arbeit, nur 14 Pro­zent nut­zen täg­lich das Auto. In den 80ern wur­den Rad­we­ge vor allem durch Neben­stra­ßen ver­legt, 1993 begann die sys­te­ma­ti­sche För­de­rung von Rad­we­gen, seit 2001 hat der Fahr­rad­ver­kehr bei der Stadt­pla­nung Prio­ri­tät. Über „Fahr­rad-Auto­bah­nen“ sol­len Stadt und Umland ver­bun­den wer­den, eine Maß­nah­me des Kli­ma­schutz­pro­gramms. Ab 2030 dür­fen kei­ne Autos mit Ver­bren­ner-Motor mehr zuge­las­sen werden.
  • Das Zen­trum von Paris soll zur Fuß­gän­ger­zo­ne und fahr­rad­freund­li­cher wer­den. Bür­ger­meis­te­rin Anne Hidal­go hat Anfang 2020 ihre Plä­ne für die auto­freie Innen­stadt mit einer bes­se­ren Luft- und Lebens­qua­li­tät ver­öf­fent­licht. Sie nennt ihr Pro­jekt „Die Stadt der 15 Minu­ten“: Von jedem Ort der Stadt soll in einem Umkreis von 15 Minu­ten alles zu fin­den sein, was man im All­tag braucht. Dafür sol­len 72 Pro­zent der Park­flä­chen wei­chen, das sind etwa 60.000 Plät­ze. An ihrer Stel­le sol­len Grün­flä­chen, Bee­te und Spiel­plät­ze ent­ste­hen. Schon in ihrer ers­ten Amts­zeit (2014 bis 2020) hat Hidal­go das Ufer der Sei­ne für Autos sper­ren las­sen und den Aus­bau von Rad­we­gen vor­an­ge­trie­ben. Die Anzahl der Rad­fahr­ten stieg dadurch um 50 Pro­zent, Autos wur­den dage­gen erst­mals seit 1940 weni­ger häu­fig genutzt. Zie­le für die zwei­te Amts­zeit, die im Mai 2020 begon­nen hat: Jede Stra­ße in Paris soll einen Rad­weg bekom­men, die wich­tigs­ten Ver­kehrs­we­ge sol­len für Autos gesperrt und aus Kreu­zun­gen sol­len Fuß­gän­ger­zo­nen wer­den. Ab 2025 sol­len in Paris kei­ne Die­sel-PKW mehr fah­ren dür­fen, ab 2030 über­haupt kei­ne Autos mit Verbrennungsmotor.
  • In Hel­sin­ki will man die Infra­struk­tur bis 2025 so aus­bau­en, dass Autos über­flüs­sig sind. Das Ziel: Die Men­schen in der Stadt sol­len frei­wil­lig auf ihr Auto ver­zich­ten, weil die übri­gen Ange­bo­te so attrak­tiv sind. Über eine App kann man Taxis, Miet­wa­gen, Leih­rä­der und Bus­se fin­den und direkt buchen – die Stadt ist qua­si eine Test­re­gi­on für Smart-Mobi­li­ty-Kon­zep­te. Mit einer ande­ren App kön­nen die Bürger:innen Punk­te sam­meln, indem sie umwelt­freund­li­che Ver­kehrs­mit­tel nut­zen. Die­se Punk­te kön­nen sie spä­ter ein­lö­sen und zum Bei­spiel kos­ten­los eine Sau­na besuchen.
  • Seit zehn Jah­ren gibt es in Stock­holm eine City-Maut. Sie hat ihren Zweck erfüllt, zu den Stoß­zei­ten sind 20 Pro­zent weni­ger Autos unter­wegs, ent­spre­chend gibt es auch weni­ger Staus. Das Beson­de­re: Es gab eine sie­ben­mo­na­ti­ge Test­pha­se. Wäh­rend die­ser Zeit änder­ten vie­le Bürger:innen ihre Ein­stel­lung zu dem Vor­ha­ben: Vor der Test­pha­se spra­chen sich 80 Pro­zent der Men­schen dage­gen aus, danach 53 Pro­zent dafür. Jetzt, nach zehn Jah­ren, befür­wor­ten 65 Pro­zent der Bürger:innen die Maut. Initia­tor Jonas Eli­as­son erklärt in die­sem Inter­view, war­um.
  • Die Innen­stadt von Ljub­l­ja­na ist seit 2008 für den Auto­ver­kehr gesperrt, Anwohner:innen kön­nen in unter­ir­di­schen Gara­gen par­ken. Es wur­den meh­re­re tau­send Bäu­me gepflanzt, Bürger:innen und Besucher:innen kön­nen einen Gra­tis-Fahr­rad­ver­leih nut­zen. Klei­ne Elek­tro­ta­xis, die „Kava­lir“ hei­ßen, fah­ren Senior:innen und Men­schen mit Geh­be­hin­de­rung, aber auch Tourist:innen kos­ten­los durch die Stadt. Für die­se Maß­nah­men und ein Recy­cling­pro­gramm wur­de Ljub­l­ja­na 2016 von der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on mit dem Titel „Grü­ne Haupt­stadt Euro­pas“ aus­ge­zeich­net. Auf einem gro­ßen ehe­ma­li­gen Park­platz im Zen­trum fin­den jetzt regel­mä­ßig Ver­an­stal­tun­gen statt, es wer­den Büh­nen und Kino­lein­wän­de auf­ge­stellt. Bei der Umge­stal­tung der Haupt­ver­kehrs­ader zu einer Stra­ße für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen nutz­te der ver­ant­wort­li­che Stadt­pla­ner nach eige­nem Bekun­den einen Trick, um die Bevöl­ke­rung mit­zu­neh­men: Wegen einer Bau­stel­le wur­de der Ver­kehr schon vor­her zwei Jah­re lang umge­lei­tet. Als die Stra­ße dann auto­frei wur­de, hat­ten sich alle schon längst dar­an gewöhnt.

Busse im Minutentakt, Obergrenze für Autos

Zum Abschluss stel­len wir Ihnen noch zwei Bei­spie­le dafür vor, wie Ver­bo­te und Anrei­ze außer­halb Euro­pas ein­ge­setzt werden:

  • In der bra­si­lia­ni­schen Stadt Curi­ti­ba fah­ren seit den 1970er-Jah­ren ein Drit­tel weni­ger Autos als zuvor – und das, obwohl sich die Einwohner:innenzahl im sel­ben Zeit­raum auf 3,6 Mil­lio­nen Men­schen ver­zehn­facht hat. Mini-Bus­se fah­ren im Minu­ten­takt auf eige­nen Fahr­spu­ren durch die Stadt, dazu kom­men fünf gro­ße Schnell­li­ni­en. 80 Pro­zent der Bürger:innen nut­zen den ÖPNV. Das liegt auch dar­an, dass neue Woh­nun­gen vor allem ent­lang der Bus­li­ni­en gebaut wurden.
  • Der Pre­mier­mi­nis­ter von Sin­ga­pur gab 2018 als Ziel aus: Die Men­schen sol­len gar kein Bedürf­nis mehr haben, mit dem Auto zu fah­ren. Schon 2017 wur­den 13 Mil­li­ar­den Euro in den öffent­li­chen Nah­ver­kehr inves­tiert, damit mög­lichst nie­mand län­ger als zehn Minu­ten zur nächs­ten Hal­te­stel­le lau­fen muss. 2018 ver­häng­te die Regie­rung dann eine Ober­gren­ze für Autos: Mehr als die damals 575.000 Fahr­zeu­ge soll­ten es nicht wer­den. Man kann des­halb nur dann ein neu­es Auto anmel­den, wenn ein altes abge­mel­det wur­de. Und auch dann ist es nicht beson­ders attrak­tiv, denn eine Zulas­sung kos­tet bis zu 80.000 Dol­lar und gilt nur für zehn Jah­re, außer­dem fal­len in der Stadt Maut­ge­büh­ren an.

In aller Kürze

+++ Im Pro­zess gegen den 27-jäh­ri­gen Haupt­ver­däch­ti­gen im Miss­brauchs­kom­plex von Müns­ter hat am Don­ners­tag eine Kita-Lei­te­rin aus­ge­sagt, berich­tet unter ande­rem der WDR. Die Frau lei­tet die Ein­rich­tung, in der die Mut­ter des Haupt­ver­däch­ti­gen 23 Jah­re als Erzie­he­rin gear­bei­tet hat. Dabei sei­en neue Details ans Licht gekom­men, unter ande­rem Fotos auf denen der Haupt­ver­däch­ti­ge „sich im Bäll­chen­bad der Kita suhlt“, wie es der Rich­ter for­mu­lier­te. Auch zwei Kin­der, mut­maß­lich Opfer, sind auf Fotos zu sehen. Sie sei­en jedoch nicht in die Kita gegan­gen. Den Dach­bo­den der Ein­rich­tung soll der Haupt­ver­däch­ti­ge nach dem Bericht auch als Lager­raum für Tech­nik genutzt haben.

+++ Im Zusam­men­hang mit den Miss­brauchs­fäl­len ist schon Anfang des Jah­res ein wei­te­rer Tat­ver­däch­ti­ger fest­ge­nom­men wor­den, wie erst jetzt bekannt wur­de. Es han­delt es sich um einen 37-jäh­ri­gen Mann aus dem Land­kreis Würz­burg, teil­ten Poli­zei und Staats­an­walt­schaft in einer gemein­sa­men Erklä­rung mit. Der Mann sitzt seit Anfang Janu­ar in Unter­su­chungs­haft. Er soll bei min­des­tens einem Miss­brauch per Video zuge­schaut und Daten­trä­ger beses­sen haben, auf denen Miss­brauch­s­ta­ten zu sehen sind. Ein Urteil wird im Febru­ar erwartet.


Korrekturen und Ergänzungen

Im Dezem­ber hat­ten wir die wei­ter­füh­ren­den Schu­len in Müns­ter gefragt, wie es mit dem Distanz­un­ter­richt läuft (RUMS-Brief vom 18. Dezem­ber). Eine Schul­lei­te­rin hat­te uns geant­wor­tet, sie wün­sche sich beim Ver­fas­sen von Nut­zungs- und Daten­schutz­ver­trä­gen für Video­kon­fe­renz­mo­du­le Unter­stüt­zung von der Stadt, weil ihr und ihren Kolleg:innen das juris­ti­sche Fach­wis­sen feh­le. Wir haben den Hin­weis natür­lich auf­ge­nom­men und wei­ter­ver­folgt. Aller­dings war es etwas kom­pli­ziert, her­aus­zu­fin­den, wer hier über­haupt zustän­dig ist. Des­halb erst jetzt die Auf­lö­sung: Eigent­lich sind die Schulleiter:innen dafür ver­ant­wort­lich, sol­che Ver­trä­ge auf­zu­set­zen und sich von den Schüler:innen bezie­hungs­wei­se deren Eltern das Ein­ver­ständ­nis ein­zu­ho­len. Weil es aber sehr umständ­lich ist und viel Zeit (und damit auch Geld) kos­tet, wenn jede Schul­lei­tung sich der Sache selbst annimmt, will die Stadt nun doch unter­stüt­zen. Mar­tin Klü­sener, Schul­lei­ter des Wei­ter­bil­dungs­kol­legs und Initia­tor der Akti­on, erzähl­te uns, das Schul­amt wol­le in den nächs­ten Mona­ten eine Fach­kanz­lei suchen und damit beauf­tra­gen, ein­heit­li­che und ver­ständ­li­che Nut­zungs­er­klä­run­gen für die gän­gi­gen Video­kon­fe­renz-Anbie­ter auf­zu­set­zen. Die­se sol­len den Schu­len mög­lichst bis zu den Som­mer­fe­ri­en zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. So lan­ge müs­sen die Schul­lei­tun­gen sich also noch selbst helfen.


Corona-Update

Der posi­ti­ve Trend in Müns­ter setzt sich fort, jeden­falls bei den Infek­ti­ons­zah­len: Die Sie­ben-Tage-Inzi­denz liegt heu­te bei 31,7. 421 Men­schen aus der Stadt gel­ten als infi­ziert, zum Ver­gleich: Am 1. Janu­ar waren es noch 688, und die­se Zahl war wegen der Weih­nachts­fei­er­ta­ge wahr­schein­lich eher zu nied­rig. Seit Diens­tag hat die Stadt einen wei­te­ren Todes­fall gemel­det, ein 83-jäh­ri­ger Covid-19-Pati­ent ist gestor­ben. 63 Men­schen wer­den im Kran­ken­haus behan­delt, davon 15 auf der Inten­siv­sta­ti­on. Neun Men­schen wer­den beatmet.

Die­se Woche war die Nach­rich­ten­la­ge rund um die Impf­stof­fe ja wie­der ein­mal sehr unru­hig, aber immer­hin scheint der Lock­down end­lich zu wir­ken. Wenn Sie sich jen­seits der täg­li­chen Was­ser­stands­mel­dun­gen einen guten Über­blick dar­über ver­schaf­fen möch­ten, wo wir ste­hen, schau­en Sie am bes­ten die­ses Video an. Dar­in erklärt die Wis­sen­schafts­jour­na­lis­tin Mai Thi Nguy­en-Kim sehr unauf­ge­regt und ver­ständ­lich, wann die Pan­de­mie zu Ende sein wird.


Unbezahlte Werbung

Heu­te möch­te ich hier eine Emp­feh­lung von Freun­den an Sie wei­ter­ge­ben, die sehr gut geges­sen haben und seit Tagen davon schwär­men. Der Anlass: Geburts­tag, und dann auch noch rund. Essen­ge­hen fällt ja aus, selbst kochen machen die Freun­de sowie­so immer, des­we­gen bestel­len, und zwar etwas Beson­de­res. Rum­fra­gen, goog­len, ganz vie­le Restau­rants in Müns­ter fin­den, sich nicht ent­schei­den kön­nen, weil alles so lecker aus­sieht und dann – Restau­rant Feld­mann aus­su­chen. Denn: Es gibt die „Fin­ger­food-Box für Zwei“, in der gleich zehn Spei­sen ent­hal­ten sind, unter ande­rem eine Rauch­lach­spra­li­ne mit Zwie­belchut­ney, ein Kür­bis-Wal­nuss­sa­lat mit gebeiz­tem Hirsch, eine Fala­fel auf Cous­cous-Salat oder auch ein Gar­ne­len­cock­tail mit Cock­tail­sauce, plus Des­serts und eine Fla­sche Wein, und das alles für 65 Euro. Die net­te Frau Feld­mann über­reich­te beim Abho­len zwei rie­si­ge Papier­tü­ten, dar­in lagen vier gro­ße Papp­kar­tons mit den klei­nen Geschmacks­ex­plo­sio­nen, ange­rich­tet auf Bam­bu­stel­ler­chen oder in Glä­sern. Nach­hal­tig war es also auch noch, und geschmeckt hat‘s sowieso.


Drinnen und Draußen

+++ Für Kino­fans gibt es etwas zu fei­ern, und zwar 40 Jah­re Cine­ma an der Waren­dor­fer Stra­ße. Das Kino hat wegen des Lock­downs natür­lich geschlos­sen, aber das Team ver­kauft Essen und Trin­ken to go. Zwi­schen 12 und 17 Uhr bekom­men Sie am Sams­tag zwei war­me Gerich­te, Kuchen, Snacks, ver­schie­de­ne (Heiß-)Getränke und natür­lich Gut­schei­ne. RUMS gra­tu­liert und wünscht Ihnen viel Spaß!

+++ Sascha wur­de als Jun­ge gebo­ren, fühlt sich aber schon seit dem drit­ten Lebens­jahr als Mäd­chen. Die Arte-Doku „Ein Mäd­chen“ beglei­tet das sie­ben­jäh­ri­ge Trans­gen­der-Kind ein Jahr lang und zeigt, wie die Fami­lie dar­um kämpft, dass ihr Umfeld Sascha so akzep­tiert, wie sie ist. Sie kön­nen sich den 90-minü­ti­gen Film noch bis ein­schließ­lich Sams­tag in der Arte-Media­thek anschauen.


Neuer RUMS-Beitrag

Der Bun­des­vor­sit­zen­de der Opfer­hil­fe-Orga­ni­sa­ti­on „Wei­ßer Ring“, Jörg Ziercke, hat im Dezem­ber eine Bilanz des ers­ten Coro­na-Jah­res vor­ge­stellt. Und die zeigt lei­der genau das, was seit Beginn der Pan­de­mie vie­le befürch­tet haben: Zwi­schen Janu­ar und Okto­ber haben zehn Pro­zent mehr Men­schen, die häus­li­che Gewalt erlebt haben, beim Wei­ßen Ring Hil­fe gesucht als im sel­ben Zeit­raum 2019. Die Sta­tis­ti­ken für Novem­ber und Dezem­ber lie­gen noch nicht vor. Jörg Ziercke geht aller­dings davon aus, dass auch in die­sem Zeit­raum deut­lich mehr Fäl­le regis­triert wur­den. Die Schutz­maß­nah­men und die dadurch aus­ge­lös­ten wirt­schaft­li­chen und psy­chi­schen Belas­tun­gen gehen schließ­lich wei­ter, immer mehr Men­schen sind gereizt und leben beengt zusam­men – Bedin­gun­gen, die lei­der häu­fig dazu füh­ren, dass Men­schen gewalt­tä­tig wer­den. „Wir müs­sen mit dem Schlimms­ten rech­nen“, sag­te Ziercke.

Johan­ne Burk­hardt hat für RUMS in den Frau­en­häu­sern in Müns­ter und Telg­te nach­ge­fragt, wie die Situa­ti­on hier in der Regi­on ist. Die Lei­te­rin­nen der Häu­ser haben ihr außer­dem erzählt, was die Pan­de­mie für Frau­en bedeu­tet, die ihre gewalt­tä­ti­gen Part­ner ver­las­sen möch­ten oder schon in ein Frau­en­haus geflo­hen sind. Hier geht es zum neu­en RUMS-Bei­trag.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann wie­der. Ich wün­sche Ihnen bis dahin ein schö­nes Wochen­en­de, pas­sen Sie auf sich auf.

Herz­li­che Grüße

Con­stan­ze Busch

Mit­ar­beit: Ralf Hei­mann, Ann-Mar­len Hoolt, Paul Opper­mann.
Trans­pa­renz­hin­weis: Paul Opper­mann arbei­tet in der Fri­days-for-Future-Bewe­gung mit.


PS

Zum Abschluss noch ein Fern­seh­tipp, aller­dings in eige­ner Sache: Der WDR berich­tet mor­gen Abend in sei­ner Kul­tur­sen­dung West­art über RUMS. Das Fern­seh­team hat uns dazu vor ein paar Tagen in Müns­ter besucht, und zwar in unse­rem neu­en Büro gegen­über vom Thea­ter. Ein­zie­hen wer­den wir dort aller­dings erst im Febru­ar. In die­ser Ankün­di­gung steht, wor­um es in dem Bei­trag geht. West­art beginnt mor­gen um 18:15 Uhr. Und falls Sie da kei­ne Zeit haben, kei­ne Sor­ge, danach ist der Bei­trag in der Media­thek zu finden.