Skaterszene verliert Raum | Münsters Tauben haben keinen Schlag | Bier und Pierogi in der Dock Bar

Müns­ter, 19. August 2022

Guten Tag,

am Diens­tag hat Ihnen Ralf Hei­mann über den Gaso­me­ter geschrie­ben. Seit rund 20 Jah­ren ist unklar, was mit dem Bau am Albers­lo­her Weg pas­sie­ren soll. Jetzt gibt es immer­hin ein neu­es Nut­zungs­kon­zept, aber eini­ge Fra­gen und damit auch die Zukunft des ehe­ma­li­gen Gas­spei­chers sind noch immer offen.

Die­se Hän­ge­par­tie kann man im Grun­de auf eine Fra­ge her­un­ter­bre­chen: Wel­che Kul­tur wol­len wir in Müns­ter? Pla­ka­tiv for­mu­liert: Soll die Stadt vor allem Pres­ti­ge­pro­jek­te wie den Musik-Cam­pus för­dern oder ist dane­ben auch Platz für Räu­me der alter­na­ti­ven Szene?

Die­se Raum­fra­ge hat am Diens­tag­nach­mit­tag etwa 200 Men­schen zu einer Demons­tra­ti­on auf den Hafen­platz gebracht. Sie haben dort für den Erhalt des BTC demons­triert, denn die­ser Ort ist für sie ein Dreh- und Angel­punkt ihres sozia­len Lebens.

Falls Sie mit der Abkür­zung nichts anfan­gen kön­nen: Der BTC ist ein Skate­park zwi­schen Hafen­grenz­weg und Kanal. Seit rund sechs Jah­ren nutzt die Sze­ne die­sen Skate­park, den sie im Gegen­satz zu ande­ren Parks in Müns­ter auch selbst gestal­ten kann.

Nun hat aber ein Immo­bi­li­en­in­ves­tor die Flä­che gekauft, auf der der BTC steht. Nach dem Kauf hat der Ver­ein Müns­ter Skate­boar­ding, der sich als Sprach­rohr der Sze­ne ver­steht, Kon­takt zum Inves­tor auf­ge­nom­men, um über eine Nut­zungs­ver­ein­ba­rung zu ver­han­deln. Am Ende soll­te ein ähn­li­ches Ergeb­nis her­aus­kom­men wie in Han­no­ver, wo ein Ver­ein das Gelän­de eines ehe­mals gedul­de­ten Skate­parks pach­tet. Anfangs lie­fen die Gesprä­che auch gut, berich­tet Mei­ke Gajewi­ak, die sich im Vor­stand von Müns­ter Skate­boar­ding enga­giert. Die Immo­bi­li­en­hol­ding habe sich die Sor­gen der Skater:innen ange­hört und Ver­ständ­nis signalisiert.

Doch nur drei Wochen nach dem Kauf hat die Hol­ding Fak­ten geschaf­fen und das BTC-Gelän­de umzäunt. Seit­dem ist dort Betre­ten ver­bo­ten, auf­grund von Sicher­heits­be­den­ken, wie die Skater:innen ver­mu­ten. Sie woll­ten mit einer Nut­zungs­ver­ein­ba­rung auch die ver­si­che­rungs­tech­ni­sche Ver­ant­wor­tung für den BTC über­neh­men und füh­len sich jetzt platt gesagt in die Pfan­ne gehauen.

Und das Vor­ge­hen der Hol­ding hat schmerz­haf­te Erin­ne­run­gen geweckt. Ende Mai hat die Deut­sche Bahn einen Skate­park am alten Güter­bahn­hof zer­stört. Die soge­nann­te Dow­gy­al­lee nutz­te die Sze­ne fünf Jah­re lang zum Ska­ten, drei davon ver­han­del­te sie mit der Deut­schen Bahn über einen Pacht­ver­trag für die Flä­che. Dann kam der Abriss. Auch aus Sicher­heits­grün­den, auch von heu­te auf mor­gen, auch ohne jede Vorwarnung.

Natür­lich kann man in bei­den Fäl­len sagen: Na ja, die Skate­parks sind halt wil­de Bebau­un­gen, und wenn der Eigen­tü­mer kei­ne Ram­pen auf dem Grund­stück haben will, dann ist es auch sein gutes Recht, sie zu ent­fer­nen. Man kann aber auch sagen: Es geht hier um Frei­flä­chen, um die sich nie­mand geküm­mert hat (Dow­gy­al­lee) oder die die meis­te Zeit nie­man­dem gehört haben (BTC).

Mei­ke Gajewi­ak sagt, kul­tu­rel­le Viel­falt in Müns­ter ent­stün­de auch dadurch, dass sich die alter­na­ti­ve Sze­ne brach­lie­gen­de Flä­chen aneig­net. Dass mit dem BTC nun der letz­te nicht-kom­mer­zi­el­le Ort für die Skate­sze­ne in Müns­ter ver­schwin­det, sei für sie daher Aus­druck eines grund­sätz­li­chen Pro­blems. Mit der Demo am Diens­tag woll­te die Sze­ne kri­ti­sie­ren, dass die Suche nach Lösun­gen von jetzt auf gleich im Nichts geen­det ist.

Einen letz­ten Rest Hoff­nung haben Müns­ters Skater:innen trotz allem. Sie schla­gen einen run­den Tisch mit der Stadt, den Stadt­wer­ken und dem Inves­tor vor, um über einen Kom­pro­miss für den BTC zu dis­ku­tie­ren. (sfo)

Heute lesen Sie im RUMS-Brief:

  • Ener­gie­spa­ren: Die Ver­wal­tung macht über Weih­nach­ten dicht
  • Städ­te­bau: Müns­ter bekommt 5,2 Millionen
  • Preu­ßen-Sta­di­on: Das Geld reicht hin­ten und vor­ne nicht
  • Müns­ters Tau­ben haben kei­nen Schlag
  • Kor­rek­tu­ren: Rechen­feh­ler bei Quadratmeterpreisen
  • Coro­na: Neue Impf­emp­feh­lung der Stiko
  • Ein-Satz-Zen­tra­le: Hakenkreuz-Schmierereien
  • Unbe­zahl­te Wer­bung: Pie­ro­gi und Bier in der Dock Bar
  • Drin­nen und Drau­ßen: Musik und Thea­ter im Freibad

Kurz und Klein

+++ Ers­te Super­märk­te in Müns­ter ver­kau­fen Zimt­ster­ne, Spe­ku­la­ti­us und Glüh­wein, und das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt der Stadt gibt eine Pres­se­mit­tei­lung über die Weih­nachts­fe­ri­en her­aus. Bei­des klingt bei 27 Grad ziem­lich absurd, aber Letz­te­res hat einen erns­ten Hin­ter­grund: Um Ener­gie zu spa­ren, blei­ben alle Gebäu­de der Stadt­ver­wal­tung von Hei­lig­abend bis ein­schließ­lich Neu­jahr geschlos­sen. In die­ser Zeit läuft der Ser­vice der Stadt (bit­te sehen Sie uns die­ses ver­füh­re­risch nahe­lie­gen­de Wort­spiel nach) auf Spar­flam­me wei­ter. Und die Mit­ar­bei­ten­den? Die neh­men „Erho­lungs­ur­laub“ oder sol­len ihre Arbeits­zeit vor- oder nach­be­rei­ten, wie uns die Stadt auf Anfra­ge schreibt. Was eine ele­gan­te Ant­wort auf die Fra­ge ist, ob Urlaubs­an­sprü­che weg­fal­len. Wei­te­re Ener­gie­spar­maß­nah­men: Ab sofort ist Hän­de­wa­schen in städ­ti­schen Gebäu­den nur noch mit kal­tem Was­ser mög­lich und in den städ­ti­schen Sport­hal­len wird es in der Heiz­pe­ri­ode höchs­tens 17 Grad warm sein. (ast)

+++ Wir hat­ten es im RUMS-Brief vom 29. Juli schon ange­kün­digt: Seit Anfang August fah­ren Rik­schas durch die Innen­stadt, Sie kön­nen das noch bis zum 25. Sep­tem­ber aus­pro­bie­ren. Für das Stadt­fest Müns­ter Mit­ten­drin ver­drän­gen die drei­räd­ri­gen Gefähr­te sogar die Bus­se aus der Innen­stadt. Die Stadt­wer­ke sper­ren näm­lich an die­sem Wochen­en­de die Bus­hal­te­stel­len Kle­mens­stra­ße, Prin­zi­palmarkt und Dom­platz, wäh­rend Sie an den Sta­tio­nen Bült, Eisen­bahn­stra­ße, Lud­ge­ri­platz und Aegi­di­imarkt wei­ter ein- und aus­stei­gen kön­nen. Wenn Sie ein Stadt­wer­ke-Abo, ein 9-Euro- oder Semes­ter­ti­cket haben, zah­len Sie für Rik­scha-Fahr­ten kei­nen Auf­preis. Wei­te­re Infos und Fotos von so einem Gefährt fin­den Sie hier. Soll­te Ihnen eine Fahrt mit der Rik­scha unan­ge­nehm sein, blei­ben Sie am bes­ten beim alt­be­währ­ten Fahr­rad. (ast)

+++ Im Miss­brauchs­kom­plex Müns­ter hat das Land­ge­richt einen 39-jäh­ri­gen Mann aus Duis­burg zu acht­ein­halb Jah­ren Haft ver­ur­teilt. Er habe zwi­schen Juli und Dezem­ber 2019 zwei Kin­der in Bil­ler­beck, Duis­burg, Schöp­pin­gen und Win­ter­berg mehr­fach ver­ge­wal­tigt, schreibt der WDR. Ein Opfer sei wie­der der Stief­sohn des Haupt­tä­ters Adri­an V. Bereits im Juni 2020 sei der Duis­bur­ger wegen sexu­el­len Kin­des­miss­brauchs zu vier Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den, das zwei­te Urteil sei als Gesamt­stra­fe für alle Taten zu ver­ste­hen. (ast)

+++ Das NRW-Minis­te­ri­um für Hei­mat, Kom­mu­na­les, Bau und Digi­ta­li­sie­rung ver­teilt Geld, unter ande­rem 5,2 Mil­lio­nen Euro an die Stadt Müns­ter. Sie hat­te sich zuvor mit ihren Bau­pro­jek­ten am Stadt­ha­fen, am Bre­mer Platz und in Coer­de für die För­de­rung bewor­ben. Die För­de­rung soll 60 Pro­zent der geplan­ten Gesamt­kos­ten abde­cken und ver­teilt sich laut Pres­se­mit­tei­lung so auf die drei Pro­jek­te: 2 Mil­lio­nen Euro flie­ßen in eine Wege­ver­bin­dung vom Hafen­vor­platz bis zur Kai­flä­che am Kanal sowie in zwei Haf­en­ter­as­sen, mit wei­te­ren 1,8 Mil­lio­nen Euro gestal­tet die Stadt die Grün­flä­che am Bre­mer Platz neu. Eine hal­be Mil­li­on Euro geht nach Coer­de, um dort ein Kon­zept zur Kli­ma­an­pas­sung, einen Bau­wett­be­werb für das Stadt­teil­haus und einen Ver­fü­gungs­fonds zu för­dern. Ein Teil der Sum­me fließt außer­dem in eine Ska­te­an­la­ge an der Meer­wie­se, die die alter­na­ti­ve Skate­sze­ne aber nicht mit­ge­stal­ten darf. (ast)

+++ Sie haben es wahr­schein­lich schon mit­be­kom­men: Die Bun­des­re­gie­rung will die Mehr­wert­steu­er auf Erd­gas bis Okto­ber 2024 von 19 auf 7 Pro­zent sen­ken – und zwar noch vor der kom­men­den Heiz­pe­ri­ode. Die Stadt­wer­ke wol­len die­se Ent­las­tung laut einer Pres­se­mit­tei­lung kom­plett an ihre Kund:innen wei­ter­ge­ben. (ast)

+++ Die einen nervt das Flug­ha­fen­cha­os, die ande­ren freut’s. Zum Bei­spiel den Flug­ha­fen Müns­ter-Osna­brück. Pro Jahr star­ten und lan­den am FMO 35.000 Flü­ge, im Som­mer nut­zen 100.000 bis 150.000 Passagier:innen den Flug­ha­fen. Bis­her sei­en 10 bis 12 Pro­zent der Flug­gäs­te extra aus den Nie­der­lan­den gekom­men, um von Gre­ven aus in den Urlaub zu star­ten, sagt Flug­ha­fen­spre­cher Det­lef Döb­bert­hin. Die­ses Jahr habe sich die­se Zahl ver­dop­pelt. Auch nie­der­län­di­sche Medi­en wie die Zei­tung Tuban­tia aus Ensche­de berich­ten dar­über, dass immer mehr Niederländer:innen den FMO nut­zen. Der Grund hier­für: Seit Mai herrscht auf Schip­hol, dem größ­ten Flug­ha­fen der Nie­der­lan­de, das blan­ke Cha­os. Die Flug­ge­sell­schaf­ten hät­ten des­halb Flü­ge an den FMO umge­lei­tet, erläu­tert Döb­bert­hin, doch der Löwen­an­teil der Rei­sen­den aus den Nie­der­lan­den hät­te die­ses Jahr den Urlaubs­flug direkt vom FMO aus gebucht. Und mög­li­cher­wei­se könn­te das so wei­ter­ge­hen: Die nie­der­län­di­sche Regie­rung will die Zahl der Flü­ge von Schip­hol näm­lich ab 2023 auf 440.000 Flü­ge pro Jahr deckeln. (sfo)

Kor­rek­tur­hin­weis: In der Mel­dung stand in einer frü­he­ren Ver­si­on, dass im Som­mer über 100.000 Flü­ge am FMO abge­fer­tigt werden.

+++ Zah­len deckeln, das ist ein gutes Stich­wort: Es gibt eine neue Beschluss­vor­la­ge zum Aus­bau des Preu­ßen-Sta­di­ons. Die (wenig über­ra­schen­de) Kurz­fas­sung geht so: Für das, was geplant war, reicht das Geld vor­ne und hin­ten nicht. Die Lang­fas­sung gibt’s nächs­te Woche. (cbu)

Zahlen, bitte. 

Sie sind nicht ger­ne gese­hen und trotz­dem mit­ten unter und über uns: Tau­ben gehö­ren zur Innen­stadt wie das Kopf­stein­pflas­ter und die Wie­der­täu­fer­kä­fi­ge. Der Tier­schutz­ver­ein Tau­ben­freun­de Müns­ter hat nach­ge­zählt, wie vie­le der viel­fach unge­lieb­ten Vögel durch die Innen­stadt flat­tern. Dazu haben sich die Tau­ben­freun­de eine Metho­de zu eigen gemacht, die vie­le Städ­te in Deutsch­land nut­zen. Das Ergeb­nis: Rund 2.500 Tau­ben bewoh­nen die Innen­stadt. Tau­ben­ver­ei­ne kom­men in ver­gleich­bar gro­ßen Städ­ten wie Aachen oder Wies­ba­den auf ähn­li­che Wer­te.

Hungernde Tauben, ein Tierschutzverein und (noch) kein Stadtkonzept

Für ihr Jubi­lä­ums­fest hat sich die Initia­ti­ve Müns­ter isst veg­gie einen beson­ders hei­ßen Tag aus­ge­sucht. Am 13. August 2022 strahlt die Son­ne mit vol­ler Wucht auf den Stu­ben­gas­sen­platz, die Tem­pe­ra­tu­ren stei­gen weit über 30 Grad Cel­si­us. Trotz der Hit­ze sind vie­le Men­schen zu dem Fes­ti­val gekom­men. Es gibt Fala­fel, Pom­mes Fri­tes und eine Tom­bo­la. Die Plät­ze im Schat­ten sind durch­gän­gig besetzt.

Zwi­schen den Essens­stän­den haben auch eini­ge Kli­ma- und Tier­schutz­in­itia­ti­ven aus Müns­ter ihre Tische und Pavil­lons auf­ge­baut. Hin­ter einem Info­stand steht Danie­la Weber. Sie ver­teilt Fly­er, unter­hält sich mit Leu­ten, die am Stand vor­bei­ge­hen, und sam­melt Unter­schrif­ten. Weber, 33 Jah­re, mit som­mer­li­chem Blu­men­kleid und hoch­ge­steck­ten Haa­ren, ist in ihrem Ele­ment. Die Sache, für die sie sich ein­setzt, ist ihr Her­zens­the­ma, aber nicht jede:r kann das nach­voll­zie­hen: Weber enga­giert sich für Tau­ben in Münster.

Zusam­men mit ande­ren Akti­ven im Tier­schutz hat Danie­la Weber vor Kur­zem einen Ver­ein gegrün­det. Die Ehren­amt­li­chen, die sich Tau­ben­freun­de Müns­ter nen­nen, küm­mern sich um ver­letz­te und kran­ke Tau­ben, die die Men­schen in Müns­ter beim Ein­kau­fen oder Spa­zie­ren auf der Stra­ße fin­den. Vier Mit­glie­der päp­peln die Tie­re auf, zur­zeit sind sie kom­plett aus­ge­las­tet, weil gera­de Brut­sai­son ist und vie­le Küken abge­ge­ben wer­den. Ande­re im Ver­ein über­neh­men Trans­por­te zum Tier­arzt oder betreu­en das Notfalltelefon. 

Die Tau­ben­freun­de dre­hen auch selbst Run­den durch die Innen­stadt und schau­en nach den Tie­ren. 18 Hot­spots ken­nen sie in Müns­ter, zum Bei­spiel den Dom­platz, die Lam­ber­ti­kir­che, den Bült und das Stan­des­amt. Flug­un­fä­hi­ge oder krank wir­ken­de Tau­ben fan­gen sie mit einer soge­nann­ten Net­gun ein. Das ist eine Pis­to­le, die mit­hil­fe einer CO2-Kap­sel ein Fang­netz aus­spuckt, sobald man auf den Abzug drückt.

Hunger, Schnüre, Stürme: das Leben der Stadttauben

Geht eine Tau­be ins Netz, wird sie von den Tau­ben­freun­den unter­sucht. Weber sagt, oft sei­en die Tau­ben der­ma­ßen aus­ge­hun­gert und abge­ma­gert, dass das Brust­bein aus dem Feder­kleid her­vor­sticht. Gera­de im Coro­na­lock­down konn­ten die Tau­ben nichts zu essen fin­den, weil die Gas­tro­no­mie geschlos­sen war. Damals begann Weber auch damit, sich aus Mit­leid um die hun­gern­den Vögel zu kümmern.

Der Hun­ger macht aber nicht nur den Tau­ben das Leben schwer. Nor­ma­ler­wei­se ist Tau­ben­kot fest und kann als Dün­ger im Gar­ten oder in der Land­wirt­schaft genutzt wer­den. Hun­gern­de Tau­ben schei­den aller­dings flüs­si­gen Durch­fall aus, und die unschö­nen wei­ßen Fle­cken auf dem Stra­ßen­pflas­ter oder Gebäu­den stö­ren vie­le Menschen.

Die feh­len­de Nah­rung ist aber nicht das ein­zi­ge Pro­blem. Über­all in der Stadt lie­gen Haa­re und Fäden auf dem Boden, die für Tau­ben gefähr­lich sind. Das hört sich nach einer Klei­nig­keit an, aber tat­säch­lich ver­schnü­ren vie­le Tau­ben dadurch ihre Bei­ne. Schlimms­ten­falls ver­krüp­peln ihre Füße dadurch (Vor­sicht: Das Bild ist kein schö­ner Anblick).

Auch die Kli­ma­kri­se macht den Vögeln zu schaf­fen. Durch die Dür­re fehlt den Tau­ben Trink­was­ser, die immer häu­fi­ger auf­tre­ten­den Stür­me wehen Küken und Jung­tie­re aus ihren Nestern. 

Man­che Vögel sind auch von Para­si­ten befal­len, wenn die Tau­ben­freun­de sie fin­den oder gebracht bekom­men. Gera­de in gro­ßen Schwär­men ist das Anste­ckungs­ri­si­ko für die Tau­ben hoch.

Füttern verboten

Obwohl das Leben für die Tau­ben in der Innen­stadt immer här­ter wird, haben sie ein ein­deu­ti­ges Image­pro­blem. Umfra­gen zufol­ge ekelt sich jede:r Fünf­te vor den grau­vio­let­ten Vögeln, denen man zu Unrecht nach­sagt, ihr Dreck beschä­di­ge Gebäu­de oder ver­ur­sa­che Krank­hei­ten bei uns Men­schen. In sel­te­nen Fäl­len wird aus Ableh­nung gegen­über den angeb­li­chen „Rat­ten der Lüf­te“ purer Hass. Letz­tes Jahr erschoss eine unbe­kann­te Per­son eine Rin­gel­tau­be in Müns­ter, ver­mut­lich mit einer Arm­brust. Der Pfeil traf die Tau­be am Kopf und durch­bohr­te ihren Schä­del (Vor­sicht: Auch die­ses Foto ist nichts für schwa­che Ner­ven).

Die­se Aggres­si­on ist zwar die Aus­nah­me, doch auch in Müns­ters Innen­stadt sto­ßen die Tau­ben über­all auf Ableh­nung. Gehen Sie nur ein­mal durch die Lud­ge­ristra­ße und ach­ten Sie auf die Spikes an den Häu­ser­fas­sa­den. Im Jagdjar­gon nennt man das Ver­grä­mung. Die Nadeln sol­len die Tau­ben auf Fas­sa­den oder Fens­ter­sim­sen am Brü­ten hin­dern. Dazu kommt: In der Innen­stadt ist es ver­bo­ten, Vögel zu füt­tern. Die Stadt argu­men­tiert, nur so kön­ne der Bestand schrump­fen. Wer­den Tau­ben gefüt­tert, siche­re das zu vie­len Jung­tie­ren das Über­le­ben. Und sind die Schwär­me zu groß, ste­cken sich die Tau­ben gegen­sei­tig mit Krank­hei­ten an. Auf der Web­site des Grün­flä­chen­amts steht des­halb: „Unse­ren Stadt­tau­ben geht es schlecht, weil sie gefüt­tert werden.“

Danie­la Weber und die Tau­ben­freun­de hal­ten das für eine aben­teu­er­li­che Argu­men­ta­ti­on. Nicht zuletzt, weil sie die Ver­grä­mung und das Füt­te­rungs­ver­bot für tier­schutz­wid­rig hal­ten. Sie for­dern die Stadt zum Han­deln auf: Müns­ter brau­che wie vie­le ande­re Städ­te in Deutsch­land ein Stadt­tau­ben­ma­nage­ment. Die Tau­ben­freun­de haben in einer eige­nen Aus­wer­tung, bei der sie Stadt­ver­wal­tun­gen ange­schrie­ben und Zei­tungs­be­rich­te durch­sucht haben, 104 Städ­te gefun­den, die ein sol­ches Kon­zept erar­bei­tet haben oder in denen pri­va­te Ver­ei­ne das Tau­ben­ma­nage­ment umsetzen.

Taube ist nicht gleich Taube

Wir stei­gen gleich noch genau­er in die Kri­tik und die For­de­run­gen der Tau­ben­freun­de ein. Vor­her neh­men wir uns aber noch ein­mal kurz Zeit für die Tau­ben, um die sich schließ­lich der gan­ze Streit dreht. Juris­tisch betrach­tet gibt es näm­lich zwei Arten von Tau­ben, und die­ser Unter­schied hat Fol­gen für ein mög­li­ches Stadt­tau­ben­ma­nage­ment in Münster:

  • Stadt­tau­ben: grau­es Feder­kleid, vio­let­te Brust, grü­ner Hals. Stadt­tau­ben leben in den Innen­städ­ten und ernäh­ren sich haupt­säch­lich von Abfäl­len, nor­ma­ler­wei­se picken sie aber Kör­ner und Samen. Die heu­ti­gen Stadt­tau­ben haben aber nicht immer auf der Stra­ße gelebt. Sie wur­den frü­her vom Men­schen gezüch­tet und zum Bei­spiel als Brief­tau­ben gehal­ten. Die Men­schen haben die Tau­ben aber auch geschlach­tet und ihr Fleisch und ihre Eier geges­sen. Sie waren also Nutz­tie­re, des­halb haben sie einen vom Men­schen ange­züch­te­ten Brutzwang und legen bis heu­te ganz­jäh­rig Eier. Recht­lich betrach­tet gel­ten sie als ver­wil­der­te Haustiere.
  • Wild­tau­ben: Die­ser Sam­mel­be­griff beschreibt Tau­ben­ar­ten, die nie domes­ti­ziert wor­den sind und schon immer in der Natur gelebt haben, bei­spiels­wei­se Rin­gel­tau­ben, Tür­ken­tau­ben oder Tur­tel­tau­ben. Einen Brutzwang haben sie im Gegen­satz zu Stadt­tau­ben nicht, sie legen nur zu bestimm­ten Zei­ten Eier. In Müns­ter leben zahl­rei­che Rin­gel­tau­ben, auch in der Innen­stadt sind sie über­all zu sehen. Bei einer deutsch­land­wei­ten Zähl­ak­ti­on des Natur­schutz­bunds sind die­ses Jahr 281 Exem­pla­re in Müns­ters Gär­ten gezählt worden.

Das Auswilderungsproblem

War­um die­ser Unter­schied? Für die Pfle­ge ist er im Grun­de uner­heb­lich, sagt Tau­ben­freun­din Danie­la Weber. Die Tau­ben bekom­men die­sel­be Nah­rung und wer­den auf glei­che Wei­se ver­sorgt. Aber: „Stadt­tau­ben dür­fen wir nicht ein­fach wie­der in frei­er Wild­bahn aus­set­zen“, sagt Weber. Nach dem Päp­peln kom­men die Wild­tau­ben ein­fach nach Gre­ven in die Aus­wil­de­rungs­vo­lie­re der Tau­ben­freun­de und kön­nen danach in die Frei­heit ent­las­sen werden. 

Bei Stadt­tau­ben ist das anders. Als Haus­tie­re dür­fen sie nicht ein­fach aus­ge­setzt wer­den – das wür­de auch nie­mand machen, der einen Wel­pen oder ein Kit­ten auf der Stra­ße fin­det. Für die Stadt­tau­ben müs­sen die Tau­ben­freun­de des­halb jeweils einen End­platz in einem pri­va­ten Tau­ben­schlag oder in einer betreu­ten Volie­re finden.

Das ist ein gewal­ti­ges Pro­blem für die Ehren­amt­li­chen, denn End­plät­ze sind knapp. Man­che Tau­ben blei­ben des­halb mona­te­lang in einer Päp­pel­stel­le der Tau­ben­freun­de Müns­ter. Beson­ders gehan­di­cap­te Tau­ben, die nicht mehr flie­gen kön­nen oder hum­peln, sind schwer zu ver­mit­teln. Inzwi­schen sucht der Ver­ein deutsch­land­weit nach Mög­lich­kei­ten, die Stadt­tau­ben in einen Schlag zu inte­grie­ren. Sind sie ein­mal dort, müs­sen die Tau­ben­freun­de meist Paten­schaf­ten über­neh­men, um Fut­ter und Pfle­ge zu bezah­len. Im Schnitt kos­te das 10 Euro pro Tau­be und Monat, sagt Danie­la Weber. Geld, das der spen­den­fi­nan­zier­te Ver­ein eigent­lich nicht hat.

Hungern für den Tierschutz?

Die Stadt Müns­ter unter­schei­det übri­gens nicht zwi­schen Stadt- und Wild­tau­be. Das Pres­se­amt schreibt auf Anfra­ge, alle Tau­ben zähl­ten zu den Wild­tie­ren, weil sie im Gegen­satz zu Zucht-, Nutz- oder Haus­tie­ren in der Wild­nis leben. Den­noch dürf­ten Tau­ben nicht gejagt wer­den, weil die Innen­stadt ein befrie­de­tes Gebiet sei. Die ein­zi­ge Mög­lich­keit, den Bestand nied­rig zu hal­ten, sei des­halb das Füt­te­rungs­ver­bot, schreibt die Stadt. Sie ver­weist auf das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg, das urteil­te, das Füt­te­rungs­ver­bot sei die „ein­zi­ge ver­nünf­ti­ge und tier­schutz­ge­rech­te Metho­de zur Kon­trol­le und Ver­min­de­rung“ der Tau­ben­be­stän­de. Das sei bes­ser, als die Tie­re zu erschie­ßen oder zu vergiften.

Nur: Die­ses Urteil aus Nie­der­sach­sen ist schon 25 Jah­re alt. Als das Gericht das Urteil sprach, stand der Tier­schutz noch nicht als Staats­ziel im Grund­ge­setz. Ein Gut­ach­ten der Ber­li­ner Lan­des­tier­schutz­be­auf­trag­ten vom Okto­ber 2021 kommt vor dem Hin­ter­grund der aktu­el­len Rechts­la­ge aller­dings zu dem Schluss, Stadt­tau­ben sei­en ein­deu­tig Haus­tie­re, das zeig­ten unter ande­rem DNA-Ana­ly­sen. Die Kom­mu­nen sei­en des­halb recht­lich ver­pflich­tet, die „men­schen­ge­mach­ten tier­schutz­recht­li­chen Pro­ble­me soge­nann­ter Stadt­tau­ben“ zu lösen, „da es sich bei Stadt­tau­ben um von Men­schen gezüch­te­te Tie­re (…) bzw. deren Nach­kom­men und damit um Fund­tie­re handelt.“

Die bes­te Lösung aus Sicht der Tier­schutz­be­auf­trag­ten sind betreu­te Tau­ben­schlä­ge. Sie wür­den den Tier­schutz nach­hal­tig ver­bes­sern, die Grö­ße der Stadt­tau­ben­po­pu­la­ti­on regu­lie­ren, eine art­ge­rech­te Füt­te­rung garan­tie­ren und gleich­zei­tig auch noch für weni­ger Tau­ben­kot in der Öffent­lich­keit sor­gen. In Ber­lin haben die­se Argu­men­te offen­bar gefruch­tet: Im Dezem­ber 2021 haben SPD, Grü­ne und Lin­ke ein Stadt­tau­ben­kon­zept und betreu­te Tau­ben­schlä­ge in ihren Koali­ti­ons­ver­trag aufgenommen.

Das Augsburger Modell

Als Vor­bild für ein gelin­gen­des Stadt­tau­ben­ma­nage­ment nennt die Lan­des­tier­schutz­be­auf­trag­te aus Ber­lin die Stadt Augs­burg. Sie hat vor über 25 Jah­ren ein Kon­zept ent­wi­ckelt, das als Augs­bur­ger Modell in vie­len ande­ren Städ­ten bereits Schu­le gemacht hat. Was aber bedeu­tet das konkret?

Nach­ge­fragt bei Sabi­na Gas­s­ner. Sie ist die Geschäfts­füh­re­rin des Augs­bur­ger Tier­schutz­ver­eins, der mit der Betreu­ung der Tau­ben­schlä­ge beauf­tragt ist. Die Stadt Augs­burg über­nimmt die Kos­ten für Fut­ter, Betreu­ung und Logis­tik für die Tau­ben­schlä­ge. Das Geld stammt aus einem Topf, den die Stadt für den Gebäu­de­schutz nutzt, denn fast alle der zehn Tau­ben­schlä­ge befin­den sich in his­to­ri­schen Gebäu­den der Stadt. Spikes, die die Tau­ben ver­grä­men, fin­de man in der Augs­bur­ger Alt­stadt des­halb nicht, sagt Gas­s­ner. Ein Füt­te­rungs­ver­bot gilt dort auch nicht.

Gas­s­ner sagt, der Erfolg der Tau­ben­schlä­ge hän­ge maß­geb­lich von den Stand­or­ten ab. Tau­ben sind stand­ort­treue Tie­re, des­halb sei es wich­tig, die Schlä­ge dort auf­zu­stel­len, wo die Schwär­me zu Hau­se sind. Auf Dach­bö­den zum Bei­spiel, in Kirch­tür­men oder auf Flach­dä­chern. Am bes­ten funk­tio­nie­re in Augs­burg ein Tau­ben­schlag in einem Park­haus, sagt sie. Das lie­ge dar­an, dass die Betreuer:innen mit dem Auto dort­hin fah­ren kön­nen. Neben den zehn Tau­ben­schlä­gen ste­hen in Augs­burg auch noch zwei Tau­ben­tür­me. Die sei­en sehr schön anzu­se­hen, sagt Gas­s­ner, aber auch teu­er und eher unprak­tisch für das Betreuungspersonal.

In den Tau­ben­schlä­gen tau­schen die Betreuer:innen die Eier gegen Attrap­pen aus Gips oder Kunst­stoff aus, bevor sich Embryo­nen ent­wi­ckeln. Auf die­se Wei­se kön­ne der Bestand kon­trol­liert wer­den: Jedes Jahr wür­den in Augs­burg sechs- bis sie­ben­tau­send Tau­ben­ei­er ent­sorgt. Dane­ben hiel­ten die Tau­ben­schlä­ge die Stadt sau­ber, sagt Gas­s­ner. Laut offi­zi­el­len Anga­ben ent­sor­gen die Betreuer:innen pro Jahr unge­fähr fünf Ton­nen Tau­ben­kot, der sonst die Augs­bur­ger Innen­stadt ver­dre­cken wür­de. Wenn Sie noch mehr über das Augs­bur­ger Modell wis­sen wol­len, schau­en Sie sich die­ses Video ein­mal an.

Konzeptlosigkeit in Münster

Danie­la Weber von den Tau­ben­freun­den Müns­ter wür­de das Augs­bur­ger Modell ger­ne auch hier umset­zen. Der Ver­ein hat dazu das Pro­jekt Reflugi­um ins Leben geru­fen. Die Tau­ben­freun­de sam­meln in einer Peti­ti­on an den Stadt­rat Unter­schrif­ten für betreu­te Schlä­ge in Müns­ter. Am liebs­ten wür­de Danie­la Weber die Tau­ben­schlä­ge wie in Augs­burg in Dach­bö­den, Park­häu­sern oder auf Flach­dä­chern sehen, sagt sie, denn eben­erdi­ge Schlä­ge sei­en oft Ziel von Van­da­lis­mus. Neben der Peti­ti­on arbei­ten die Tau­ben­freun­de auch an einem Kon­zept für ein Stadt­tau­ben­ma­nage­ment, das sie den Rats­frak­tio­nen vor­stel­len wollen.

Weni­ger Tier­leid, weni­ger Dreck, weni­ger Tau­ben – die­se drei Punk­te dürf­ten auf offe­ne Ohren bei der Stadt Müns­ter sto­ßen. Bis­her hält die Stadt aber nichts von betreu­ten Tau­ben­schlä­gen: „Sie die­nen dem Schutz vor Räu­bern wie Mar­der oder Rat­ten, bewir­ken also in die­sem Sin­ne nicht eine Redu­zie­rung des Bestan­des“, schreibt das Pres­se­amt auf Nach­fra­ge. Anders gesagt: In den geschütz­ten Tau­ben­schlä­gen kön­nen die Eier oder Küken der Stadt­tau­ben nicht so ein­fach von ande­ren Tie­ren gefres­sen wer­den. Die Stadt fürch­tet, durch einen Tau­ben­schlag wür­den ande­re Schwär­me die frei gewor­de­nen Berei­che ein­fach wie­der beset­zen. Aber spricht nicht genau das für ein Stadt­tau­ben­man­ge­ment, das den Bestand kon­trol­liert? (sfo)

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Korrekturen

Im RUMS-Brief am Diens­tag hat­ten wir eine gute Nach­richt ver­steckt, die aber lei­der nicht stimmt. Der Qua­drat­me­ter einer Eigen­tums­woh­nung ist lei­der nicht für 4,79 Euro zu haben. Das wür­de bedeu­ten, eine 60-Qua­drat­me­ter-Woh­nung in durch­schnitt­li­cher Lage wür­de in Müns­ter 287,40 Euro kos­ten. Damit kommt man aller­dings nicht ganz hin, denn der Qua­drat­me­ter­preis bewegt sich inzwi­schen bei 4.972 Euro. Man müss­te als knapp 300.000 Euro ein­pla­nen, wenn man so eine Woh­nung ger­ne hät­te. Und seit Sie anfan­gen haben, die­se Mel­dung zu lesen, ist der Preis mög­li­cher­wei­se schon wie­der gestie­gen. (rhe)

Einladung zur Veranstaltung „Münster 2050 – Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“. Mit Autor Nick Reimer

Am Don­ners­tag, 25. August 2022, ab 18 Uhr laden wir Sie zur Dis­kus­si­on zum The­ma „Müns­ter 2050 – Wie der Kli­ma­wan­del unser Leben ver­än­dern wird“ ein. Unser Gesprächs­part­ner ist der Jour­na­list und Autor Nick Rei­mer (Foto: Joa­chim Gern). In sei­nem Buch Deutsch­land 2050 – Wie der Kli­ma­wan­del unser Leben ver­än­dern wird beschäf­tigt er sich mit der Fra­ge, wie unser Leben Mit­te des Jahr­hun­derts kon­kret aus­se­hen wird, wenn es immer hei­ßer, tro­cke­ner und stür­mi­scher wird. Mode­rie­ren wird RUMS-Redak­­ti­on­s­­lei­­te­­rin Con­stan­ze Busch.

Die Ver­an­stal­tung fin­det ab 18 Uhr im Local­host statt, dem Ver­an­stal­tungs­raum neben dem RUMS-Büro an der Neu­brü­cken­stra­ße 8 – 11. Nach der Ver­an­stal­tung, ab etwa 19:30 Uhr, gibt es Kalt­ge­trän­ke, drin­nen und drau­ßen an der Straßenecke.

Mel­den Sie sich gern vor­her unter kontakt@rund-um-muenster.ms an. Sie kön­nen aber auch spon­tan ohne Anmel­dung kom­men. Der Ein­tritt zur Ver­an­stal­tung ist frei.

Die­se Ver­an­stal­tung ist übri­gens die ers­te des gemein­nüt­zi­gen Ver­eins Rund um Müns­ter – Forum für loka­le Öffent­lich­keit. Die drei RUMS-Mit­­­grün­­der Marc-Ste­­fan And­res, Götz Grom­mek und Chris­ti­an Hum­borg haben den Ver­ein mit­ge­grün­det, die Vor­sit­zen­den sind Chris­ti­an Hum­borg und Eva Wind­hau­sen. Mit dem Ver­ein sol­len The­men in der Stadt iden­ti­fi­ziert, Impul­se gesetzt, Gesprä­che, Koope­ra­tio­nen und Pro­jek­te initi­iert wer­den. Er soll Men­schen mit ver­schie­de­nen Hin­ter­grün­den zusam­men­brin­gen, Wis­sen ver­mit­teln, auf­klä­ren und mode­rie­ren. Mehr dar­über erfah­ren Sie in unse­rem RUMS-Brief vom 12. August 2022 und auf der Web­site des Ver­eins.

Corona-Update

+++ Die Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on (Sti­ko) hat ges­tern ihre Impf­emp­feh­lung ange­passt: Allen Per­so­nen über 60 Jah­ren emp­fiehlt sie jetzt den vier­ten Stich. Laut Impf­da­sh­board der Bun­des­re­gie­rung haben sie­ben Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land die zwei­te Auf­fri­schungs­imp­fung erhal­ten (Kor­rek­tur­hin­weis: Hier stand vor­her, dass sie­ben Mil­lio­nen Münsteraner:innen vier­mal geimpft sei­en. Autsch!). Das ent­spricht 8,4 Pro­zent der Bevöl­ke­rung. Es ist also noch Luft nach oben – ver­mut­lich war­ten vie­le zur­zeit auf die neu­en Impf­stof­fe, die an die Omi­kron­va­ri­an­te des Coro­na­vi­rus ange­passt sind. Die ers­ten Kan­di­da­ten dürf­ten ab Sep­tem­ber zuge­las­sen sein. Auf Twit­ter kom­men­tiert die Viro­lo­gin Jana Schroe­der aus Müns­ter aller­dings, alle War­ten­den soll­ten nicht ver­ges­sen, dass „nach heu­ti­gem Stand bei den meis­ten die Impf­ab­stän­de 4 (bes­ser 6) Mona­te nicht unter­schrit­ten wer­den soll­ten“. Die Sti­ko emp­fiehlt den über 60-Jäh­ri­gen die zwei­te Auf­fri­schung übri­gens sechs Mona­te nach dem ers­ten Boos­ter. So oder so: Ter­mi­ne gibt’s hier. (sfo)

+++ Für Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach ist der Zenit der Som­mer­wel­le über­schrit­ten, hier in Müns­ter scheint sie sich auf hohem Niveau ein­ge­pen­delt zu haben: Heu­te mel­det die Stadt 210 posi­ti­ve PCR-Tests, im Wochen­schnitt ent­spricht das einer Inzi­denz von 422 posi­ti­ven Tests (pro 100.000 Einwohner:innen in den letz­ten sie­ben Tagen). Zum Ver­gleich: Laut Robert-Koch-Insti­tut liegt die Bun­des­in­zi­denz heu­te bei 312 und in Nord­rhein-West­fa­len bei 399. 2.119 Per­so­nen gel­ten in Müns­ter als nach­weis­lich infi­ziert. Zwei Covid-Erkrank­te lie­gen in Müns­ter auf der Inten­siv­sta­ti­on. (sfo)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Die Stadt ver­bie­tet nicht nur das Füt­tern von Tau­ben, son­dern auch von Enten, Gän­sen oder Bläss­hüh­nern, weil sonst die Gewäs­ser ver­schmutzt wür­den. (Stadt Müns­ter)

+++ Trotz der Ener­gie­kri­se wird der Müns­te­ra­ner Dom vor­erst wei­ter beleuch­tet. (Bis­tum Müns­ter)

+++ Am Hafen wur­de der Grund­stein für einen wei­te­ren Neu­bau gelegt. (Anten­ne Müns­ter)

+++ Am 9. Sep­tem­ber fin­det ein Pro­jekt­tag statt, bei dem Ideen für das Oxford-Quar­tier dis­ku­tiert wer­den. (Stadt Müns­ter)

+++ Weil es sehr heiß und tro­cken ist, müs­sen eini­ge Bäu­me gefällt wer­den. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Unbe­kann­te haben zwi­schen Mit­te Juni und Mit­te August meh­re­re Stra­ßen und Geh­we­ge in Gie­ven­beck und Sen­trup mit Haken­kreu­zen beschmiert. (Poli­zei Müns­ter)

+++ Am AStA-Häus­chen wur­de eine Pri­de-Flag­ge beschmiert und mit einem Auf­kle­ber der rech­ten Bur­schen­schaft Fran­ko­nia beklebt. (Face­book AStA uni Müns­ter)

+++ Der Aschen­dorff-Betriebs­rat kri­ti­siert, dass der Ver­lag offen­bar vie­le Stel­len in sei­ner IT-Abtei­lung abbau­en will. (Müns­ter­sche Volks­zei­tung)

+++ Das Cuba erhält knapp 150.000 Euro Kon­zept­för­de­rung vom Land NRW. (Gütsel Online)

+++ Die Wirt­schafts­för­de­rung Müns­ter lädt wer­den­de Selbst­stän­di­ge zu Work­shops ein. (Wirt­schafts­för­de­rung Müns­ter)

+++ Ein neu­es Start-up braut ein loka­les Bier namens „Ket­tel­bräu“. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die Initia­ti­ve Star­ke Innen­stadt hat einen neu­en Slo­gan für Müns­ter vor­ge­stellt: „ganz schön müns­ter“. (Anten­ne Müns­ter)

+++ Preu­ßen Müns­ter hat einen Rekord­sieg zum Pokal-Auf­takt geholt: 13:0 in Hüns­born. (100 Pro­zent mein SCP)

+++ Der WDR ist auf der Suche nach Sprayer:innen, die über­all „EQT“ spray­en. (WDR)

+++ Die Vil­la ten Hom­pel sucht eine:n neue:n Chef:in. (Twit­ter Vil­la ten Hom­pel)

Unbezahlte Werbung

Wis­sen Sie, was eine Milch­bar ist? Wenn Sie schon ein­mal in Polen Urlaub gemacht haben, ken­nen Sie die uri­gen Bis­tros bestimmt: Pol­ni­sche Haus­frau­en ser­vie­ren dort aller­lei Köst­lich­kei­ten aus der Lan­des­kü­che, und das zu unschlag­bar güns­ti­gen Prei­sen. Milch oder Alko­hol wer­den dort nicht aus­ge­schenkt, obwohl der Name das ver­mu­ten lässt. So etwas Ähn­li­ches wie eine pol­ni­sche Milch­bar gibt es jetzt auch in der Aegi­di­i­stra­ße 35. In der Dock Bar kön­nen Sie sich einen Klas­si­ker der pol­ni­schen Haus­manns­kost schme­cken las­sen: Pie­ro­gi. Das sind Teig­ta­schen, gefüllt mit Sauer­kraut, Kar­tof­fel­pür­ree oder Pil­zen, die mit einem guten Klecks Schmand ser­viert wer­den. Im Gegen­satz zu den Milch­bars in Polen hat die Dock Bar in Müns­ter eine gut bestück­te Bier­kar­te mit zehn ver­schie­de­nen Bier­sor­ten aus Müns­ter, Ber­lin, Lett­land und den Nie­der­lan­den. Klei­ner Tipp, falls Sie sich nicht ent­schei­den kön­nen: Die Pie­ro­gi und die Bie­re kön­nen Sie auch in Pro­bier­por­tio­nen bestel­len. In die­sem Sin­ne: Smacz­ne­go!

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen

Vik­to­ria Pehl­ke hat wie­der eini­ge schö­ne Tipps für Sie herausgesucht:

+++ In der auto­frei­en Sied­lung Wei­ßen­burg im Geist­vier­tel fin­det am Sonn­tag ab 11 Uhr ein Floh­markt statt. Wenn Sie mit­ma­chen wol­len, kön­nen Sie Ihren Ver­kaufs­stand gegen eine klei­ne Gebühr ab 9:30 Uhr ohne Anmel­dung auf­bau­en. Auch für die Ver­pfle­gung im Café Geist­reich sind Kuchen- und Salat­spen­den willkommen. 

+++ Der Ver­ein Vamos gibt in Koope­ra­ti­on mit dem LWL-Natur­kun­de­mu­se­um am Diens­tag eine kon­sum­kri­ti­sche Stadt­füh­rung unter dem Titel FAIR­führt. Los geht der zwei­stün­di­ge Rund­gang um 18 Uhr am Mari­en­platz. Die Stadt­füh­rung kos­tet 10 Euro. 

+++ Die Film­werk­statt lädt am Mitt­woch um 20 Uhr zum Kurz­film­abend mit dem Film­pro­jekt Human/Nature ein. Im Pla­ne­ta­ri­um lau­fen fünf kur­ze Doku­men­tar­fil­me zu unse­rem kom­pli­zier­ten Ver­hält­nis mit der Natur. Der Ein­tritt ist frei, Ein­lass ist eine hal­be Stun­de vor Beginn. 

+++ Nächs­ten Diens­tag begin­nen in Müns­ter die jüdi­schen Kul­tur­ta­ge. Der Fokus der dies­jäh­ri­gen Ver­an­stal­tung liegt auf deutsch-jüdi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur jun­ger jüdi­scher Autorin­nen. Die Volks­hoch­schu­le bie­tet dazu ver­schie­de­ne Vor­trä­ge und Lesun­gen an. Das Pro­gramm fin­den Sie hier.

+++ Was gibt es Bes­se­res als Live­mu­sik und Thea­ter? Natür­lich Live­mu­sik und Thea­ter im Frei­bad! Ab dem 24. August fin­det an der Sud­müh­le das fünf­tä­gi­ge Freu­bad-Fes­ti­val statt. Kar­ten gibt’s hier.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann. Haben Sie ein schö­nes Wochenende.

Herz­li­che Grü­ße
Sebas­ti­an Fobbe

Mit­ar­beit: Con­stan­ze Busch, Jan Gro­ße Nobis, Ralf Hei­mann, Vik­to­ria Pehl­ke, Anto­nia Strot­mann
Lek­to­rat: Anto­nia Strotmann

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PS

Schon wie­der ist ein Blind­gän­ger in Müns­ter auf­ge­taucht, dies­mal am Müns­ter­mann­weg. Jeden­falls hieß es so. Die Stadt hat­te schon einen Shut­tle­bus zur York-Kaser­ne gechar­tert für den Fall, dass irgend­was in die Luft fliegt. Doch am Ende brach­te die Aus­gra­bung nur einen Hau­fen „neu­zeit­li­chen Schrott“ ans Tages­licht. Hm. Neu­zeit­li­cher Schrott. Was könn­te das wohl sein? Viel­leicht aus­ran­gier­te Röh­ren­fern­seh­ge­rä­te, mas­sen­wei­se klo­bi­ge Han­dys der Genera­ti­on Nokia 3200 oder Laden­hü­ter aus der Video­spiel­bran­che? Bevor Sie jetzt anfan­gen wol­len zu bud­deln: Blei­ben Sie lie­gen, am Müns­ter­mann­weg gibt’s nichts zu holen. Die ver­meint­li­chen Schät­ze waren doch nur alte Rohre.