Das Jahr 2025: Wie sich die Pflege in Münster verändern wird | Das Jahr 2023: Wer soll die Energiekosten der Krankenhäuser zahlen? | Wein und Tapas im Lütkes

Müns­ter, 13. Sep­tem­ber 2022

Guten Tag,

am ver­gan­ge­nen Sonn­tag stan­den zwei beson­de­re Tage im Kalen­der, die auf den ers­ten Blick nichts mit­ein­an­der zu tun haben, auf den zwei­ten aber doch. Zum einen fand der Tag des offe­nen Denk­mals statt. Über­all in der Stadt konn­ten Inter­es­sier­te an Füh­run­gen und Ver­an­stal­tun­gen teil­neh­men, die sich mit den Denk­mä­lern in Müns­ter beschäftigten.

Eines davon war das Haus in der Frau­en­stra­ße 24. 1973 wur­de das Gebäu­de von Stu­die­ren­den besetzt, um es vor dem Abriss zu ret­ten. Heu­te ist das F24 nicht nur ein Wohn­haus, eine Knei­pe und ein Kul­tur­ver­ein, son­dern auch ein Denk­mal (oder eher Mahn­mal) für die Wohn­raum­knapp­heit und den Miet­wu­cher in Münster.

Um die­se The­men dreh­te sich am ver­gan­ge­nen Sonn­tag auch der Tag der Woh­nungs­lo­sen. Erst seit die­sem Jahr gibt es eine Sta­tis­tik, die nach­zählt, wie vie­len Men­schen die­ser Tag gewid­met ist: Bun­des­weit gel­ten dem­nach 178.000 Men­schen als woh­nungs­los. Die­se Zahl gibt ein Gefühl für das Aus­maß der Woh­nungs­lo­sig­keit, denn die Sta­tis­tik erfasst nur Men­schen, die die Nacht zum 1. Febru­ar in einer Not­un­ter­kunft ver­bracht haben. Allein in Müns­ter über­nach­te­ten am Stich­tag 1.665 Woh­nungs­lo­se in sol­chen Unterkünften.

Men­schen, die vor­über­ge­hend bei Freund:innen unter­kom­men, feh­len aller­dings in der Sta­tis­tik. Und eine ande­re Grup­pe wird aus­ge­blen­det: Obdach­lo­se. Denn wie vie­le Men­schen auf der Stra­ße leben, weiß nie­mand genau. Eine Schät­zung des Lan­des­so­zi­al­mi­nis­te­ri­ums kommt auf knapp 5.000 Obdach­lo­se in Nord­rhein-West­fa­len. Geht es nach den Plä­nen der Bun­des­re­gie­rung, dürf­ten aber bei­de Sta­tis­ti­ken bald über­flüs­sig wer­den. Das ambi­tio­nier­te Ziel: Im Jahr 2030 soll es kei­ne Woh­nungs- und Obdach­lo­sen mehr in Deutsch­land geben.

Nur ob das noch etwas wird? Es gibt vie­le Ansät­ze, Men­schen aus der Woh­nungs­lo­sig­keit zu holen, auch in Müns­ter. Zum Bei­spiel ein Arbei­ter­wohn­haus für berufs­tä­ti­ge Woh­nungs­lo­se oder ein Pro­jekt, das Wohn­raum bedin­gungs­los ver­mit­telt. Gera­de durch die Ener­gie­kri­se stellt sich aber die Fra­ge , ob die bis­he­ri­gen Hilfs­sys­te­me noch rei­chen wer­den. Stei­gen die Kos­ten für Ener­gie wei­ter ins Uner­mess­li­che, dro­hen mehr Men­schen in die Armut abzu­rut­schen und ihre Woh­nung zu ver­lie­ren. Und blei­ben die Neben­kos­ten schwin­del­erre­gend hoch, wird es für Woh­nungs­lo­se immer schwie­ri­ger, ein bezahl­ba­res Zuhau­se zu fin­den. So lau­tet die Pro­gno­se der Sozi­al­ver­bän­de zum Tag der Woh­nungs­lo­sen. (sfo)

Heute lesen Sie im RUMS-Brief:

  • Ein Monat spä­ter: Wie umge­hen mit Kranbesetzern?
  • ADFC-Fahr­rad­kli­ma­test: Bleibt Müns­ter die Num­mer 2?
  • Das Jahr 2025: Wie sich die Pfle­ge in Müns­ter ver­än­dern wird
  • Das Jahr 2023: Wer soll die Ener­gie im Kran­ken­haus bezahlen?
  • Kor­rek­tu­ren: Ost-West-Schwä­che, fal­scher Streit, Marathonläufer:innen
  • Nach der Flucht: Gute Nach­rich­ten aus der Ukraine
  • Coro­na-Update: kein Todes­op­fer mehr seit dem 25. August
  • Ein-Satz-Zen­tra­le: Gas­man­gel und Parkhausflaute
  • Unbe­zahl­te Wer­bung: Wein und Tapas im Lütkes
  • Drin­nen und Drau­ßen: Aus­stel­lun­gen, Lesun­gen, Filme

Kurz und Klein 

+++ Einen Monat nach Ende der Kran­be­set­zung an der Ham­mer Stra­ße hat der psy­chisch kran­ke Nico­las T., der knapp drei Wochen oben auf dem Kran saß, schon wie­der Nach­barn bedroht und belei­digt. Doch er ist, nach einem Auf­ent­halt in der Psych­ia­trie, wei­ter frei. Das Nach­rich­ten­ma­ga­zin „Der Spie­gel“ beschäf­tigt sich in sei­ner aktu­el­len Aus­ga­be mit der Fra­ge, wie eine Gesell­schaft sich gegen Querulant:innen wie Nico­las T. weh­ren kann. In dem Text geht es unter ande­rem um die Art der psy­chi­schen Erkran­kung, die bei T. dia­gnos­ti­ziert wur­de: eine schi­zo­ide Per­sön­lich­keits­stö­rung. Sie zeigt sich durch „Gleich­gül­tig­keit gegen­über sozia­len Bezie­hun­gen, emo­tio­na­le Küh­le, eine aus­ge­präg­te Kränk­bar­keit“. Der wun­de Punkt von T., so ste­he es in einem Gut­ach­ten, sei „sei­ne ‚My home is my castle‘-Mentalität: die Frei­heit, auf sei­nem Grund­stück bis zur Unbe­wohn­bar­keit zu lagern, was er sich vor­her mit viel Auf­wand zusam­men­ge­sucht hat“. T. ver­büßt zur­zeit eine Bewäh­rungs­stra­fe. Das könn­te sich ändern, falls er am 28. Sep­tem­ber ver­ur­teilt wird. Dann steht er wie­der vor Gericht, dies­mal wegen Bedro­hung. (rhe)

+++ Vor zwei Jah­ren wur­de Müns­ter nach sechs Sie­gen in Fol­ge ent­thront: 2020 schnapp­te sich Karls­ru­he den ers­ten Platz beim Fahr­rad­kli­ma­test des ADFC. Der Rad­club führt alle zwei Jah­re bun­des­wei­te Umfra­gen durch und erstellt Rang­lis­ten mit den fahr­rad­freund­lichs­ten Städ­ten in Deutsch­land. Jetzt ist es wie­der so weit: Bis Ende Novem­ber kön­nen Sie den Online-Fra­ge­bo­gen aus­fül­len. Beim letz­ten Fahr­rad­kli­ma­test ärger­ten sich die Rad­fah­ren­den in Müns­ter noch über zuge­park­te und zu enge Rad­we­ge und die vie­len Dieb­stäh­le in der Stadt. Ob es dies­mal bes­ser aus­sieht, wis­sen wir im Früh­jahr 2023. Dann stellt der ADFC die Ergeb­nis­se vor. (sfo)

+++ Um sich den Ärger einer hohen Nach­zah­lung zu erspa­ren, haben vier von zehn Stadtwerke-Kund:innen schon ihren monat­li­chen Abschlag für Strom oder Gas erhöht. Bei allen übri­gen Kund:innen wird das bald auto­ma­tisch pas­sie­ren, schrei­ben die Stadt­wer­ke auf Nach­fra­ge. Zum 1. Okto­ber setzt der Ver­sor­ger den Abschlag in den Strom-Grund­ver­sor­gungs­ta­ri­fen nach oben, falls das noch nicht pas­siert ist oder der neue Abschlag noch zu nied­rig ist. Ab Novem­ber stei­gen dann auch die Abschlä­ge für die Gas­kund­schaft. So kön­ne man die ange­kün­dig­te Mehr­wert­steu­er­sen­kung (ab Okto­ber) sowie die Gas­um­la­ge (ab Novem­ber) berück­sich­ti­gen. Bei­des habe noch nicht fest­ge­stan­den, als man die Schrei­ben zur Preis­an­pas­sung ver­schickt habe. In den Brie­fen hat­ten die Stadt­wer­ke den höhe­ren Abschlag schon für Okto­ber ange­kün­digt. (rhe)

Zahlen, bitte. 

Nir­gend­wo in Nor­d­rhein-Wes­t­­fa­­len bekom­men Frau­en so weni­ge Kin­der wie in Müns­ter: Sie haben hier im Schnitt 1,24 Kin­der. Der Durch­schnitt liegt in NRW bei 1,60 Kin­dern pro Frau. In Hagen kom­men mit 1,89 Kin­dern die meis­ten Kin­der pro Frau zur Welt.

Quel­le: IT NRW

Wie sich die Pflege in Münster verändern wird

Haben Sie schon ein­mal dar­über nach­ge­dacht, wie Sie gepflegt wer­den wol­len? Ich muss zuge­ben: Die­se Fra­ge habe ich mir noch nie gestellt. Mit mei­nen 27 Jah­ren bin ich noch recht weit von der Alten­pfle­ge ent­fernt und auch das Kran­ken­haus ken­ne ich bis­her nur als Besu­cher oder aus Erzählungen.

Auf mei­ne Ein­stiegs­fra­ge haben die meis­ten Men­schen aber eine ein­deu­ti­ge Ant­wort: 89 Pro­zent sagen, sie möch­ten zu Hau­se gepflegt wer­den, 56 Pro­zent wür­den die­se Auf­ga­be am liebs­ten ihrer Fami­lie über­tra­gen. Das hat eine Umfra­ge der Stif­tung Pati­en­ten­schutz im August 2022 her­aus­ge­fun­den. Laut DAK-Pfle­ge­re­port 2021 wären auch zwei Drit­tel der jun­gen Erwach­se­nen dazu bereit, ihre Ange­hö­ri­gen zu pflegen.

Der Wunsch, im Pfle­ge­fall so lan­ge wie mög­lich zu Hau­se woh­nen zu blei­ben, ist eine nach­voll­zieh­ba­re und schö­ne Vor­stel­lung. Aber das stellt vie­le Fami­li­en vor Her­aus­for­de­run­gen. Nach Zah­len des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung wer­den drei von vier Pfle­ge­be­dürf­ti­gen zu Hau­se ver­sorgt. Einen gro­ßen Teil davon über­neh­men die Fami­li­en in Eigen­re­gie, in den aller­meis­ten Fäl­len sind es Frau­en, die für die Ange­hö­ri­gen­pfle­ge in der Regel beruf­lich kür­zer treten.

In Müns­ter ist das ähn­lich. Mehr als 10.600 Men­schen gel­ten hier als pfle­ge­be­dürf­tig und bekom­men Leis­tun­gen aus der Pfle­ge­ver­si­che­rung. Der Groß­teil der Leis­tun­gen ent­fällt auf das Pfle­ge­geld und ambu­lan­te Diens­te, die Men­schen leben also zu Hause.

Aber kann das in Zukunft noch funk­tio­nie­ren? Einen Teil der Fra­ge soll der Pfle­ge­be­darfs­plan beant­wor­ten, den die Stadt Müns­ter jedes Jahr ver­öf­fent­licht. Er soll die Grund­la­ge schaf­fen für die nächs­ten drei Jah­re und unter­su­chen, ob die Pfle­ge in Müns­ter wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den muss.

Fest steht: Bis 2025 gibt es viel zu tun. Die Quar­tie­re und die häus­li­che Pfle­ge sol­len künf­tig eine wich­ti­ge­re Rol­le spie­len, das wird sicher­lich vie­le freu­en. Und trotz­dem braucht Müns­ter mehr Platz in den Pfle­ge­hei­men und vor allem mehr Per­so­nal, das Alte und Kran­ke pflegt. Aber alles nach­ein­an­der: Schau­en wir uns zuerst an, wie es im Moment um die Pfle­ge in Müns­ter bestellt ist.

Münster ist jung und gesund

Wir kön­nen mit einer guten Nach­richt anfan­gen: Müns­ter ist eine jun­ge und gesun­de Stadt. Ende 2021 war nicht ein­mal jeder vier­te Mensch in Müns­ter älter als 60 Jah­re. Nach Zah­len des NRW-Sta­tis­tik­am­tes leben in Müns­ter über­durch­schnitt­lich vie­le jun­ge Men­schen – wahr­schein­lich wegen der vie­len Stu­die­ren­den in der Stadt. In Zah­len: Auf 100 jün­ge­re Men­schen (20 bis 65 Jah­re) kom­men 23 älte­re (über 66 Jah­re) – im Lan­des­schnitt sind es 30 älte­re, also deut­lich mehr.

Das Ver­hält­nis zwi­schen den Alters­grup­pen spielt eine wich­ti­ge Rol­le für die Pfle­ge­pla­nung. Denn anhand die­ser Grö­ße kann die Stadt abschät­zen, wie Älte­re ver­sorgt wer­den kön­nen. Mit dem Alter erhöht sich zwar die Wahr­schein­lich­keit, gepflegt wer­den zu müs­sen; aber nicht alle alten Men­schen sind pflegebedürftig.

Auch das zeigt das Bei­spiel Müns­ter sehr gut: Vor dem 80. Geburts­tag ist es hier sta­tis­tisch gese­hen recht unwahr­schein­lich, pfle­ge­be­dürf­tig zu wer­den. Ende 2019 wur­de nur knapp jeder zehn­te Mensch (8,9 Pro­zent) aus der Alters­grup­pe der 70- bis 79-Jäh­ri­gen gepflegt. Fast 60 Pro­zent der Men­schen, die Leis­tun­gen aus der Pfle­ge­ver­si­che­rung in Anspruch nah­men, waren älter als 80 Jahre.

Schaut man auf die Gesamt­be­völ­ke­rung, sieht das Bild so aus: In Müns­ter erhal­ten unge­fähr 3 von 100 Men­schen Pfle­ge­leis­tun­gen, in Nord­rhein-West­fa­len sind es etwas mehr, und zwar 5 von 100. All das zeigt: Die Men­schen blei­ben in Müns­ter län­ger gesund und wer­den erst spä­ter pflegebedürftig.

Viele Menschen leben in Pflegeheimen

Das ist aber nicht die ein­zi­ge sta­tis­ti­sche Auf­fäl­lig­keit im Pfle­ge­be­darfs­plan der Stadt. Ver­gli­chen mit ande­ren Städ­ten leben auch vie­le Münsteraner:innen in Pfle­ge­hei­men. Ende 2019 waren es 2.649 Men­schen, das sind fast 25 Pro­zent der­je­ni­gen, die Pfle­ge­leis­tun­gen bekom­men. Und es sind weit­aus mehr als in Bie­le­feld (16 Pro­zent), Bochum (18 Pro­zent) oder Wup­per­tal (20 Pro­zent). Wor­an könn­te das liegen?

Das hat eine Begleit­stu­die zum Pfle­ge­be­darfs­plan unter­sucht. 22 von ins­ge­samt 32 Pfle­ge­hei­men in Müns­ter haben dazu von Janu­ar bis Juni 2022 nach­ge­fragt, war­um die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen ins Heim zie­hen. In zwei Drit­teln der Fäl­le war der Haupt­grund der hohe Pfle­ge­be­darf, durch den die Per­son nicht mehr zu Hau­se ver­sorgt wer­den konn­te. Bei 23 Pro­zent fehl­te das sozia­le Umfeld für die häus­li­che Pfle­ge, bei 4 Pro­zent eine ambu­lan­te Alter­na­ti­ve, 3 Pro­zent leb­ten in unge­eig­ne­ten Woh­nun­gen. Nur 8 Pro­zent der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen zogen auf eige­nen Wunsch ins Heim.

Laut Pfle­ge­be­darfs­plan könn­te die Ant­wort aber auch ein­fa­cher sein: Die Münsteraner:innen wol­len es so. In der Stadt leben vie­le hoch­qua­li­fi­zier­te und gut ver­die­nen­de Men­schen, die sich poli­tisch dem lin­ken oder grü­nen Spek­trum zurech­nen. Die­se Grup­pe sieht Pfle­ge als staat­li­che Auf­ga­be, heißt es darin.

Ein ande­rer Grund für die vie­len Heimbewohner:innen könn­te die „Rol­le Müns­ters als Ober­zen­trum für die angren­zen­den Land­krei­se“ sein. Soll hei­ßen: Vie­le Men­schen zie­hen von außer­halb in ein Pfle­ge­heim nach Müns­ter, gera­de wenn sie hier Fami­lie haben. Tat­säch­lich leb­te laut Pfle­ge­be­darfs­plan jede:r fünf­te Bewohner:in vor dem Ein­zug ins Pfle­ge­heim nicht in Müns­ter. Ande­rer­seits ver­las­sen auch vie­le Münsteraner:innen die Stadt, um andern­orts gepflegt zu wer­den. 2019 sind 288 Men­schen in ein Heim außer­halb von Müns­ter gezo­gen, 213 Per­so­nen sind gleich­zei­tig den umge­kehr­ten Weg gegan­gen. Müns­ter ist also ein attrak­ti­ver Pfle­ge­stand­ort. Das allein erklärt aber nicht die hohe Aus­las­tung in den Einrichtungen.

Die Grenzen sind erreicht

Soweit zum jet­zi­gen Stand. Der Pfle­ge­be­darfs­plan ver­folgt ja ein ande­res Ziel: eine mög­lichst genaue Pla­nung der Pfle­ge bis 2025.

Wie Sie sich aber bestimmt den­ken kön­nen, gleicht das einem Blick in die Glas­ku­gel. Der Bedarf an Pfle­ge ist jetzt schon groß – prak­tisch über­all müs­sen Ange­bo­te ent­ste­hen. In den Hei­men, in der Ambu­lanz und in der Kurz­zeit- und Tagespflege.

An einer Stel­le heißt es im Bericht: „Per­so­nen, die eine sta­tio­nä­re Pfle­ge­ein­rich­tung suchen, schil­dern nach wie vor die Erfah­rung, dass es schwie­rig ist, einen geeig­ne­ten Platz zu fin­den.“ 95,5 Pro­zent der Heim­plät­ze sind belegt, die Ein­rich­tun­gen füh­ren War­te­lis­ten, und bis ein Platz frei wird, kann eine gefühl­te Ewig­keit vergehen.

Und in der ambu­lan­ten Ver­sor­gung sieht das nicht anders aus. Dar­über heißt es im Pfle­ge­be­darfs­plan ziem­lich schnör­kel­los: „Die ambu­lan­te Pfle­ge in Müns­ter hat die Kapa­zi­täts­gren­ze erreicht.“ Die Pfle­ge­diens­te spü­ren eine zuneh­men­de Nach­fra­ge und Bera­tungs­stel­len kom­men mit der Ver­mitt­lung nicht hin­ter­her. Bei­spiels­wei­se sind 91 Pro­zent der Plät­ze in soge­nann­ten Pfle­ge-Wohn­ge­mein­schaf­ten belegt.

Es müs­sen also mehr Ange­bo­te her und das bes­ser heu­te als mor­gen. Denn der demo­gra­fi­sche Wan­del macht vor Müns­ter kei­nen Halt: Laut Pfle­ge­be­darfs­plan wird die Alters­klas­se zwi­schen 65 und 80 Jah­ren bis 2030 um ein Drit­tel wach­sen. Und immer mehr Men­schen wer­den 90 Jah­re oder älter werden.

Die Pflege wandelt sich

Doch Ange­bo­te zu schaf­fen, ist schwie­rig. Allein schon, weil Grund­stü­cke und Mie­ten in Müns­ter teu­er sind. Und es feh­len Pfle­ge­kräf­te, die in den Ein­rich­tun­gen arbei­ten könn­ten. Dazu spä­ter mehr.

Mit den neu­en Ange­bo­ten will die Stadt den Wün­schen der Men­schen ent­ge­gen­kom­men. Denn wie gesagt: Fast nie­mand will im Alter ins Heim zie­hen. Wie soll das laut Pfle­ge­be­darfs­plan funktionieren?

  • Die Stadt will die Grün­dung von ambu­lan­ten Pfle­ge­diens­ten unter­stüt­zen. Wie genau, bleibt im Pfle­ge­be­darfs­plan aller­dings offen. Zur­zeit gibt es 36 sol­cher Dienst­leis­ter mit 663 Beschäf­tig­ten in Müns­ter. Ab dem kom­men­den Jahr soll auf der Web­site der Stadt eine Platt­form zu fin­den sein, die immer­hin die Ver­mitt­lung zwi­schen Hil­fe­su­chen­den und Pfle­ge­diens­ten verbessert.
  • Es sol­len auch mehr Pfle­ge-WGs ent­ste­hen. Am bes­ten in jedem Stadt­teil, damit die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen ihre gewohn­te Umge­bung nicht ver­las­sen müs­sen, wenn sie umzie­hen. 27 sol­cher Wohn­ge­mein­schaf­ten gibt es schon für 281 Per­so­nen. Die Bewohner:innen mie­ten dort ein Zim­mer und wer­den von einem ambu­lan­ten Pfle­ge­dienst ver­sorgt. Geplant sind neue Pfle­ge-WGs in Nien­ber­ge, im York- und Oxford-Quar­tier. In Amels­bü­ren soll eine WG für jun­ge Pfle­ge­be­dürf­ti­ge entstehen.
  • Auch die Tages­pfle­ge muss aus­ge­baut wer­den. Denn der Bedarf, Pfle­ge­be­dürf­ti­ge tags­über in Hei­men unter­zu­brin­gen, dürf­te wei­ter stei­gen. Eini­ge Stadt­tei­le sind in der Tages­pfle­ge bes­ser ver­sorgt als ande­re. Gab es 2007 noch weni­ger als 100 Tages­pfle­ge­plät­ze in Müns­ter, sind es heu­te 293. Die Gäs­te­zah­len haben sich allein zwi­schen 2015 und 2019 ver­dop­pelt, sind aber coro­nabe­dingt ein­ge­bro­chen. Einen Vor­schlag zum Aus­bau der Tages­pfle­ge macht der Pfle­ge­be­darfs­plan nicht, wahr­schein­lich weil die Aus­las­tung momen­tan noch gering ist. Sie liegt je nach Ein­rich­tung bei 60 bis 80 Prozent.
  • Auch die Kurz­zeit­pfle­ge wird künf­tig eine wich­ti­ge­re Rol­le spie­len. Sie springt in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen ein, zum Bei­spiel wenn ambu­lan­te Pfle­ge­kräf­te oder Ange­hö­ri­ge aus­fal­len. Es gibt 78 Dau­er­plät­ze für Kurz­zeit­pfle­ge in Müns­ters Pfle­ge­hei­men, 213 kön­nen bedarfs­wei­se in den Pfle­ge­be­trieb ein­ge­streut wer­den. Das Pro­blem: Als Kom­mu­ne kann Müns­ter wenig tun, um die Kurz­zeit­pfle­ge­plät­ze aus­zu­bau­en. Die Stadt hofft des­halb auf den Bund: Die Ampel hat einen Aus­bau der stän­di­gen Kurz­zeit­pfle­ge­plät­ze im Koali­ti­ons­ver­trag ver­ein­bart. Genaue­res steht dort aber nicht.

Der Ausbau gerät ins Stocken

Aber nicht nur in der Ambu­lanz ist der Bedarf groß. Auch die Pfle­ge­hei­me brau­chen mehr Plät­ze, denn dort kommt die Aus­las­tungs­gren­ze von 98 Pro­zent beleg­ten Plät­zen bedroh­lich nahe. Die Stadt geht den­noch davon aus, dass die Zahl der Pfle­ge­heim­plät­ze rei­chen wird, zumin­dest in den nächs­ten drei Jah­ren. Gemäß der Logik: Bei 95,5 Pro­zent beleg­ten Plät­zen sind ja noch 4,5 Pro­zent in den Pfle­ge­hei­men frei, und ein frei­er Platz ist nach wie vor ein frei­er Platz. Fazit: Im Moment brau­chen wir kei­nen Aus­bau der Pfle­ge­hei­me. Mehr noch: Es ist auch gar nicht mög­lich, mehr Pfle­ge­plät­ze anzu­bie­ten – ganz ein­fach, weil wie über­all sonst auch Per­so­nal fehlt.

Und in abseh­ba­rer Zeit wird sich die­ser Eng­pass laut Pfle­ge­be­darfs­plan zuspit­zen. Allein zwi­schen 2017 und 2019 hat sich die Zahl der feh­len­den Pfle­ge­kräf­te in Nord­rhein-West­fa­len von knapp 11.000 auf über 23.000 ver­dop­pelt. Arbeits­su­chen­de Pfle­ge­kräf­te gibt es kaum. In Müns­ter kann sich eine Fach­kraft auf 6,6 Stel­len in der Alten­pfle­ge und 4,8 Stel­len in der Kran­ken­pfle­ge bewer­ben. Im März 2021 waren acht Altenpfleger:innen in Müns­ter arbeits­los gemel­det, bei den Gesund­heits- und Krankenpfleger:innen waren es zwölf. In den nächs­ten sie­ben bis zehn Jah­ren dürf­te außer­dem eine Ver­ren­tungs­wel­le auf die Pfle­ge zurol­len: Jede vier­te Fach­kraft im Alten­heim ist über 56 Jah­re alt, im Kran­ken­haus ist es fast jede fünfte.

Und was jetzt? Im Pfle­ge­be­darfs­plan ste­hen fünf Ideen:

  • Eine Arbeit­ge­ber­kam­pa­gne. Die läuft seit 2017 unter dem Namen Star­ke Pfle­ge in Müns­ter. Sie soll das Image der Pfle­ge­be­ru­fe ver­bes­sern, für eine Aus­bil­dung wer­ben und Aus­zu­bil­den­de unter­stüt­zen. Im Okto­ber soll außer­dem eine Ver­an­stal­tung zur Pfle­ge­aus­bil­dung statt­fin­den, um Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge für die Poli­tik zu erar­bei­ten, teilt uns das Pres­se­amt mit. Vor­aus­sicht­lich noch die­sen Monat will das Job­cen­ter außer­dem eine Pfle­ge-Sprech­stun­de anbieten.
  • Aus­län­di­sche Pfle­ge­kräf­te. Das Land NRW zahlt jeder Pfle­ge­kraft, die aus einem Nicht-EU-Staat hier­hin zieht, seit Kur­zem 3.000 Euro Will­kom­mens­geld.
  • Wei­ter­bil­dung. Die Stadt will Arbeit­ge­ber dazu ani­mie­ren, Pfle­ge­hilfs­kräf­te wei­ter­zu­bil­den. Die Assis­tenz­kräf­te dür­fen nach ihrer Aus­bil­dung die Grund­pfle­ge sowie sozia­le und haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten über­neh­men, kön­nen aber auch zur Pfle­ge­fach­kraft aufsteigen.
  • Mehr arbei­ten. Die wohl ein­fachs­te Lösung, aber auch die unwahr­schein­lichs­te. Laut Pfle­ge­be­darfs­plan wol­len nur 3 Pro­zent der Pfle­ge­kräf­te ihre Arbeits­zeit aufstocken.

Mehr Ambu­lanz, mehr Heim­plät­ze und vor allem mehr Per­so­nal – Sie sehen: Bis 2025 und wahr­schein­lich noch weit dar­über hin­aus bleibt noch viel zu tun, um die Pfle­ge in Müns­ter wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Wie es wei­ter­geht, wer­den wir in den kom­men­den Wochen und Mona­ten kon­struk­tiv-kri­tisch beglei­ten. (sfo)

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Die Krankenhäuser und die Inflation: Wer soll das bezahlen?

Bei den bei­den Stich­wör­tern „Kran­ken­häu­ser“ und „Herbst“ den­ken Sie jetzt wahr­schein­lich: Coro­na. Tat­säch­lich berei­tet die Aus­sicht auf die nächs­te Infek­ti­ons­wel­le den Ver­ant­wort­li­chen in vie­len Kli­ni­ken Sor­gen – in die­sem Herbst kom­men aber zusätz­lich finan­zi­el­le Her­aus­for­de­run­gen durch die Infla­ti­on dazu, beson­ders durch die stei­gen­den Ener­gie­prei­se. Die Kran­ken­haus­ge­sell­schaft Nord­rhein-West­fa­len drückt es so aus: „Extre­me Preis­sprün­ge brin­gen Kli­ni­ken in bedroh­li­che Schief­la­ge“, und: „Ohne Infla­ti­ons­aus­gleich droht in der Gesund­heits­ver­sor­gung ein Kol­laps“. In einer Pres­se­mit­tei­lung rech­net sie das an eini­gen Kran­ken­häu­sern bei­spiel­haft vor. Die Cari­tas in Müns­ter hat auch Zah­len parat: Kos­ten­stei­ge­run­gen von bis zu 500 Pro­zent beim Erd­gas und statt 1,3 Mil­lio­nen Euro bald 2,6 Mil­lio­nen Euro Strom­kos­ten für Cle­mens­hos­pi­tal und Rapha­els­kli­nik. Die kon­fes­sio­nel­len Kran­ken­häu­ser müss­ten die­se Kos­ten allein tra­gen, schreibt das katho­li­sche Online-Maga­zin Kir­che und Leben dazu, „anders als kom­mu­na­le Häu­ser oder die Uni-Kli­ni­ken in Trä­ger­schaft des Landes“.

Aller­dings gibt es offen­bar auch für die Uni­kli­nik bis­her noch kei­ne Lösung, wie die hohen Mehr­kos­ten auf­ge­fan­gen wer­den sol­len. Spre­che­rin Anja Wen­gen­roth schreibt auf Anfra­ge, bis Jah­res­en­de habe die Uni­kli­nik „noch sehr gute Ener­gie­prei­se, die wir ver­trag­lich fest ver­ein­bart haben (Anm.: Genaue Zah­len woll­te sie mit Ver­weis auf Ver­trags­an­ge­le­gen­hei­ten nicht nen­nen). Für das neue Jahr 2023 haben wir aller­dings kei­ner­lei fes­te Lie­fe­ran­ten­zu­sa­gen für Strom und Gas, unse­re bei­den wesent­li­chen Ener­gie­trä­ger. Bei­de Ener­gien müs­sen wir nach jet­zi­gem Stand ab dem kom­men­den Jahr dann über die Bör­se kau­fen, zu den dann gül­ti­gen Prei­sen.“ Wie sich die­se Prei­se ent­wi­ckeln wer­den, ist jetzt noch nicht sicher abseh­bar. Aber man muss wohl davon aus­ge­hen, dass sie wei­ter steigen.

Das gilt auch für ener­gie­in­ten­si­ve Pro­duk­te, die die Uni­kli­nik ein­kau­fen muss, schreibt Anja Wen­gen­roth (wir hat­ten unter ande­rem nach Lebens­mit­teln gefragt). Bis­her gebe es „noch kei­ne Zusa­gen von Drit­ten, die­se Mehr­kos­ten zu über­neh­men, sodass das UKM – Stand jetzt – zumin­dest in Vor­leis­tung gehen müss­te.“ Das könn­te sich dem­nächst ändern: Gesund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach hat ein Hilfs­pa­ket für die Kran­ken­häu­ser ange­kün­digt, um die Infla­ti­on auf­zu­fan­gen. Jetzt müs­sen sich Bund und Län­der nur noch auf die Details einigen.

Wäh­rend wir dar­auf war­ten, noch eine inter­es­san­te Nach­richt aus der Uni­kli­nik: Anja Wen­gen­roth schreibt, die Kli­nik zah­le zur­zeit so viel für Ener­gie wie zuletzt im Jahr 2006, obwohl seit­dem die Ener­gie­prei­se gestie­gen sei­en und mehr Patient:innen ver­sorgt wer­den. Ein Grund dafür ist, dass die Abwär­me des Zen­tral­kli­ni­kums nicht mehr aus­ge­lei­tet, son­dern zum Hei­zen ver­wen­det wird. Das spart laut Anja Wen­gen­roth etwa eine Mil­li­on Euro pro Jahr. (cbu)

Korrekturen

Im RUMS-Brief am Frei­tag haben wir an einer Stel­le die Ost- und West­kur­ve im Preu­ßen-Sta­di­on ver­wech­selt. Außer­dem hat­ten wir in der Pas­sa­ge über das Stadt­haus 4 geschrie­ben, die Käm­me­rin Chris­ti­ne Zel­ler und der Stadt­wer­ke-Geschäfts­füh­rer hät­ten eine Aus­ein­an­der­set­zung gehabt. Hier ging es aller­dings um Stadt­wer­ke-Geschäfts­füh­rer Frank Gäf­gen, nicht, wie wir schrie­ben, um Sebas­ti­an Jurc­zyk, der das Unter­neh­men zusam­men mit Gäf­gen lei­tet. Und wir müs­sen noch eine Zahl rich­tig­stel­len. Wir hat­ten geschrie­ben, 8.500 Men­schen wür­den am Wochen­en­de den Müns­ter-Mara­thon lau­fen. Unge­fähr so vie­le neh­men zwar teil, mitt­ler­wei­le sogar über 9.000, aber die vol­le Distanz, also den Mara­thon, sind nur etwa 2.000 Men­schen gelau­fen. (rhe)

Nach der Flucht

Ende März hat­te Johan­ne Burk­hardt für RUMS mit dem Müns­te­ra­ner And­re Gro­ten gespro­chen. Er hat zusam­men mit sei­ner Frau in Kyjiw gelebt und muss­te zu Beginn des Kriegs flüch­ten. Hier erzäh­len wir, wie es für die bei­den nach ihrer Flucht weiterging.

Am Wochen­en­de kamen aus der Ukrai­ne gute Nach­rich­ten: Inner­halb von fünf Tagen erober­te die ukrai­ni­sche Armee mehr Gebiet zurück, als Russ­land inner­halb von fünf Mona­ten ein­ge­nom­men hat­te. And­re Gro­ten sah in Vide­os, wie die ukrai­ni­schen Soldat:innen mit Jubel emp­fan­gen wur­den. Sei­ne Frau Mari­ia tele­fo­nier­te mit ihren Eltern zu Hau­se in Kiro­woh­rad. Sie freu­ten sich, aber der Krieg geht wei­ter. Er begann ges­tern vor genau 200 Tagen, und er ist Marii­as Eltern immer näher gekom­men. 200 Kilo­me­ter sind es noch bis zur Front. And­re und Mari­ia haben in Müns­ter ein neu­es Leben begon­nen. Sie haben sich ein Auto gekauft, sie schla­gen sich mit klei­nen Sor­gen her­um, klei­ne Defek­te, Besu­che in der Werk­statt. Ande­res hat sich gut ent­wi­ckelt. And­re hat einen neu­en Job. Zur­zeit arbei­tet er sich ein. Und bald wird sich, wenn alles klappt, eine selt­sa­me Situa­ti­on erge­ben. Marii­as Eltern wol­len zu Besuch kom­men. Sie haben das Gebiet der alten Sowjet­uni­on noch nie ver­las­sen. Aber jetzt wol­len sie sich in den Zug set­zen, um zu sehen, wo ihre Toch­ter mit ihrem Mann lebt. Sie wol­len des­sen Fami­lie ken­nen­ler­nen. Danach wer­den sie in den Krieg zurück­keh­ren. War­um sie nicht blei­ben? „Die gehen nicht weg. Die geben ihr Land nicht her. Die Leu­te las­sen sich nicht bre­chen. Und das ist auch der Grund dafür, dass es die Ukrai­ne noch gibt“, sagt And­re Gro­ten. Im Febru­ar fei­ert Marii­as Vater sei­nen 60. Geburts­tag. Dann will die Fami­lie zusam­men fei­ern. Das ist der Plan. Am Frei­tag gibt es erst mal etwas ande­res zu fei­ern – den ers­ten Hoch­zeits­tag von And­re und Mari­ia. Abends wol­len sie sich ein Kon­zert anse­hen. Oddi­see & Good Com­pa­ny im Ska­ters Palace. (rhe)

Corona-Update

+++ Ich will es nicht auf­schrei­ben und Sie wol­len es wahr­schein­lich auch nicht lesen, aber es nützt ja nichts: Es ist eine neue Omi­kron­va­ri­an­te in Öster­reich auf­ge­taucht. Nach allem, was schon bekannt ist, kann die offen­bar stark mutier­te BJ.1-Variante mög­li­cher­wei­se unse­ren Immun­schutz recht ein­fach aus­trick­sen. Was bedeu­tet das für uns? Erst mal nichts, solan­ge BJ.1 hier noch nicht hei­misch gewor­den ist. Was dann pas­sie­ren könn­te, kön­nen Sie hier nach­le­sen. (sfo)

+++ Es gibt aber auch gute Nach­rich­ten in Sachen Coro­na: Ein For­schungs­team der Uni­ver­si­tät Tel Aviv soll zwei Anti­kör­per ent­deckt haben, die sämt­li­che Coro­na­va­ri­an­ten neu­tra­li­sie­ren. Das mel­det die Frank­fur­ter Rund­schau. Wenn sich dar­aus eine Anti­kör­per­the­ra­pie ent­wi­ckeln lie­ße, wäre das ein ech­ter Durch­bruch im Kampf gegen die Del­tas und Omi­krons die­ser Welt. (sfo)

+++ Und noch eine gute Nach­richt aus Müns­ter: Seit dem 25. August ist in Müns­ter nie­mand mehr an oder mit Coro­na gestor­ben. Die Stadt Müns­ter mel­det wei­ter 230 Todes­op­fer. Die Zahl der gemel­de­ten Infek­tio­nen ist etwas gerin­ger als vor einem Monat. Mit­te August waren es etwa 2.000. Heu­te mel­det die Stadt Müns­ter 1.161 infi­zier­te Men­schen im Stadt­ge­biet. Die Inzi­denz liegt nach Zah­len der Bezirks­re­gie­rung in Müns­ter bei 272 (posi­ti­ven PCR-Tests pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche). Der Wert ist nach dem in Waren­dorf der zweit­höchs­te im Regie­rungs­be­zirk. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Im Fal­le eines Gas­man­gels wür­den die Stadt­wer­ke 45 gewerb­li­che Großabnehmer:innen vom Netz neh­men, um den Ver­brauch um 30 Pro­zent zu sen­ken. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ In den drei Mona­ten des Neun-Euro-Tickets wur­de in den acht inner­städ­ti­schen WBI-Park­häu­sern 86.787 Mal weni­ger geparkt als im Vor­jah­res­zeit­raum. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Das Stadt­ar­chiv über­nimmt das Par­tei­ar­chiv der ehe­ma­li­gen Unab­hän­gi­gen Wäh­ler­ge­mein­schaft für Müns­ter, die bis zur Auf­lö­sung 2020 in der Kom­mu­nal­po­li­tik aktiv war. (Stadt Müns­ter)

+++ Die Uni Müns­ter will eine Stra­te­gie ent­wi­ckeln, um Chan­cen­ge­rech­tig­keit und Dis­kri­mi­nie­rungs­frei­heit zu för­dern. (Uni Müns­ter)

+++ Bischof Felix Genn und die Weih­bi­schö­fe Wil­fried Thei­sing und Chris­toph Heg­ge aus Müns­ter haben auf der Syn­odal­ver­samm­lung in Frank­furt für eine Reform der kirch­li­chen Sexu­al­mo­ral gestimmt, die eine Mehr­heit der Bischö­fe aber ablehn­te. (Kir­che und Leben)

+++ Die drau­ßen! braucht min­des­tens 100 Fan-Stim­men, um För­der­gel­der für eine gemisch­te Fuß­ball­mann­schaft zu bekom­men. (drau­ßen!)

Unbezahlte Werbung

An der Lüt­ke Gas­se (lüt­ke bedeu­tet klein), die par­al­lel zur Rothen­burg ver­läuft, steht eines der ältes­ten Häu­ser der Stadt. Das Holz im Fach­werk des alten Gadems an der Haus­num­mer 17 ist fast 500 Jah­re alt. Heu­te gehört das Haus dem Inves­tor Andre­as Deil­mann. Vor weni­gen Wochen haben die Marok­ka­ner Simo und Yas­si­ne Sai­da­ni hier eine klei­ne Wein- und Tapas­bar eröff­net: das Lüt­kes. Eine Kar­te gibt es nicht. Was es zu essen gibt, erfährt man am Tisch. Ein ganz wun­der­ba­res klei­nes Restau­rant. Hier fin­den Sie ein klei­nes Por­trät der Bar. Geöff­net ist das Lüt­kes mitt­wochs bis sams­tags von 17 bis 0 Uhr. (rhe)

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen

Aus­stel­lun­gen, Lesun­gen, Fil­me: In der Stadt ist rich­tig viel los. Dies­mal hat Ralf Hei­mann ein paar Kul­tur­tipps für Sie zusam­men­ge­stellt. Der vor­letz­te Tipp kommt von Eva Strehlke und der letz­te von mir:

+++ Ein Tipp für cho­le­ri­sche Mit­men­schen: Bei der Belei­di­gungs­show im Gitar­ren­la­den Rare Gui­tar ist all das gefragt, wofür man anders­wo raus­ge­wor­fen wird. In der Ein­la­dung steht: „Lasst euch über­ra­schen, ihr Pen­ner.“ Mor­gen Abend um 19 Uhr geht’s los. Adres­se: Hafen­stra­ße 64 (Alter Güterbahnhof). 

+++ Auf Schloss Cap­pen­berg in Selm beginnt am Mitt­woch eine Aus­stel­lung zum 900. Geburts­tag von Kai­ser Bar­ba­ros­sa, die an zwei Orten statt­fin­det. Titel: „Bar­ba­ros­sa. Die Kunst der Herr­schaft“. Der zwei­te Ort ist das LWL-Muse­um am Dom­platz. Die Aus­stel­lung dort beginnt am 28. Okto­ber. Die­ser zehn­mi­nü­ti­ge Ani­ma­ti­ons­film zeigt, wie es zur Grün­dung des Klos­ters Cap­pen­berg kam (das spä­ter zum Schloss wur­de). Hier alles Wei­te­re zur Aus­stel­lung.

+++ Auf der Burg Hüls­hoff eröff­net am Don­ners­tag die zwei­wö­chi­ge Aus­stel­lung „DROSTE DIGITAL. Hand­schrif­ten – Räu­me – Instal­la­tio­nen“. Ab 17 Uhr gibt’s ein Büh­nen­pro­gramm – mit Nora Gom­rin­ger, Doro­thee Elmi­ger, Anna Kpok, Hyphen-Labs und dem Tableau-Quar­tett. Wei­te­re Infos hier.

+++ Beim Lite­ra­tur-Film­fes­ti­val „Lit­films“ ist am Mitt­woch Susan­ne Abel zu Gast. Sie liest ab 20 Uhr in der Stu­dio­büh­ne am Dom­platz aus ihrem Roman „Was ich nie gesagt habe – Gret­chens Schick­sals­fa­mi­lie“. Tickets kos­ten 15 Euro. Das übri­ge Fes­ti­val­pro­gramm sowie wei­te­re Infos zur Lesung (Sei­te 34) fin­den Sie hier.

+++ Der Schau­spie­ler Charles Brau­er (ken­nen Sie viel­leicht aus dem Ham­bur­ger Tat­ort mit Man­fred Krug) liest am Frei­tag ab 19:30 Uhr in der Stu­dio­büh­ne am Dom­platz aus Wer­ken von Gott­fried Benn und Carl Ein­stein. Titel: „Gott­fried Benn und Carl Ein­stein – eine Freund­schaft in Tex­ten“). Der Ein­tritt ist frei.

+++ Am Sams­tag sind Zoo­ta­ge, und das bedeu­tet: Die Tickets sind güns­ti­ger als sonst. Tages­kar­ten für Erwach­se­ne kos­ten 10,90 Euro, Kin­der zwi­schen 3 und 14 Jah­ren zah­len 6,50 Euro, Senior:innen 9,50 Euro, Stu­die­ren­de 7,90 Euro.

+++ Bei den Kli­ma­ge­s­prä­chen am Don­ners­tag dis­ku­tie­ren Jonas Lage (Uni Flens­burg), Tho­mas Möl­ler (Stadt Müns­ter), Robin Kor­te (Grü­ne) und Babet­te Lich­ten­stein von Len­ge­rich (CDU) dar­über, wie es in Müns­ter gelin­gen kann, weni­ger Res­sour­cen und Roh­stof­fe zu ver­brau­chen. Zuschau­en kön­nen Sie im Haupt­aus­schuss­zim­mer des Stadt­wein­hau­ses am Prin­zi­palmarkt oder am Bild­schirm. In die Video­kon­fe­renz kom­men Sie mit die­sem Link.

+++ Und noch was für die letz­ten Spät­som­mer­ta­ge (hof­fent­lich nicht): eine Füh­rung durch den 500 Jah­re alten Zwin­ger an der Pro­me­na­de. Los geht es um 20 Uhr, Kos­ten: 3 Euro, ermä­ßigt 2. Anmel­den kön­nen Sie sich per E-Mail hier.

+++ Nächs­ten Mitt­woch gibt’s für alle Vegetarier:innen und sol­che, die es viel­leicht mal wer­den wol­len, einen span­nen­den Vor­trag im Rat­haus­saal. Die Initia­ti­ve Müns­ter isst Veg­gie infor­miert über den Zusam­men­hang von Ernäh­rung, Kli­ma und Zoo­no­sen. Mit­ma­chen dür­fen Sie auch, denn zwi­schen­durch gibt es immer wie­der Quiz­fra­gen zu beant­wor­ten. Die Teil­nah­me ist kos­ten­los, los geht es um 19 Uhr.

+++ Der 25. März 1999 ver­än­dert alles im Leben der Koso­va­rin Fah­ri­je Hoti. Ser­bi­sche Trup­pen über­fal­len ihr klei­nes Hei­mat­dorf Kru­sha e Mad­he und töten bei dem Angriff 250 Män­ner und Jun­gen. Die Lei­che von Hotis Ehe­mann wird nie gefun­den. Nach dem Mas­sa­ker muss Hoti arbei­ten und Geld für ihre Fami­li­en ver­die­nen. Sie schließt sich mit ande­ren Wit­wen zusam­men, grün­det einen Frau­en­ver­ein und spä­ter eine Genos­sen­schaft, die Honig und Ajvar in Prishtina ver­kauft – im Dorf gleicht das einem Affront gegen eine män­ner­do­mi­nier­te Welt. Von der beein­dru­cken­den Lebens­ge­schich­te der wil­lens­star­ken Fah­ri­je Hoti han­delt der Film Hive. Das preis­ge­krön­te Sozi­al­dra­ma ohne viel Dia­log und Musik läuft mor­gen in der Kur­bel­kis­te, dies­mal in der alba­ni­schen Ori­gi­nal­fas­sung mit Unter­ti­teln. Kar­ten gibt’s ab 8 Euro hier, die Vor­stel­lung beginnt um 20 Uhr.

Am Frei­tag schreibt Ihnen Con­stan­ze Busch. Es soll ja die­se Woche end­lich wie­der reg­nen, ein Tief namens Quee­nie aus dem Ver­ei­nig­ten König­reich ist im Anmarsch (kein Scherz). In die­sem Sin­ne: Genie­ßen Sie die ers­ten Herbst­ta­ge des Jahres.

Herz­li­che Grü­ße
Sebas­ti­an Fobbe

Mit­ar­beit: Con­stan­ze Busch, Jan Gro­ße Nobis, Ralf Hei­mann, Eva Strehlke
Lek­to­rat: Julia Albers

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PS

Wenn Sie ger­ne am Aasee und der Pro­me­na­de spa­zie­ren gehen, ist bestimmt schon ein­mal ein Teich­huhn an Ihnen vor­bei­stol­ziert. Für mich ist das Teich­huhn der ele­gan­tes­te Vogel in Müns­ter und das liegt nicht nur an sei­nem pech­schwar­zen Feder­kleid und dem glut­ro­ten Schna­bel. Beson­ders fas­zi­niert mich, wie sich das Teich­huhn auf sei­nen lan­gen gel­ben Stel­zen­bei­nen durchs Dickicht fort­be­wegt, so gra­zil und vor­sich­tig. Wenn Sie auch Fan sind, kön­nen Sie bis zum 23. Okto­ber bei der Wahl zum Vogel des Jah­res 2023 für das Teich­huhn abstim­men. Nomi­niert sind auch das Braun­kehl­chen, der Feld­sper­ling, der Neun­tö­ter und der Trau­er­schnäp­per. Die Wahl zum Vogel des Jah­res ist aber kein Schön­heits­wett­be­werb. Der Natur­schutz­bund Nabu will mit dem Preis auf das Vogel­ster­ben in Deutsch­land, Euro­pa und welt­weit auf­merk­sam machen. Und es wäre doch scha­de, wenn Müns­ter so einen ele­gan­ten Bewoh­ner wie das Teich­huhn irgend­wann ver­lie­ren würde.