Wird Münster eine stillfreundliche Kommune? | Freie Gehwege für freie Bürger:innen | Vegetarisch dinieren im Sülz Speisehaus

Müns­ter, 11. Okto­ber 2022

Guten Tag,

Fahr­plan­än­de­rung, was für ein Hor­ror­wort. Erst letz­te Woche muss­ten zig­tau­sen­de Bahn­rei­sen­de in Nord­deutsch­land spon­tan ihre Rei­se­plä­ne umwer­fen, weil Unbe­kann­te den Schie­nen­ver­kehr sabo­tiert hat­ten. Aber kei­ne Panik, heu­te kann ich Ihnen von einer Fahr­plan­än­de­rung berich­ten, in der für Müns­ter eine gute Nach­richt steckt. Die Bahn will ihre ICE-Flot­te aus­bau­en und davon wird die Stadt profitieren.

Ab Dezem­ber fährt jede Stun­de eine Bahn direkt nach Mann­heim und zum Frank­fur­ter Flug­ha­fen, außer­dem geht’s zwei­mal pro Stun­de nach Karls­ru­he, Frei­burg und Basel. Ins Mit­tel­rhein­tal fährt der ICE neun­mal am Tag.

Vor­aus­ge­setzt natür­lich, es fin­den sich Men­schen, die den Zug fah­ren. Und damit kom­men wir zu einer wei­te­ren Fahr­plan­än­de­rung, die genau damit zu tun hat. Den Stadt­wer­ken feh­len näm­lich Men­schen, die Bus­se fah­ren. Und das schon ab Mon­tag: Dann fah­ren die Lini­en 12 und 22 nur noch zwei­mal pro Stun­de. Die Nacht­bus­se N80 und N85 fah­ren nach 1 Uhr gar nicht mehr am Haupt­bahn­hof ab. Wenn Ihr Zug in die­ser Zeit ankommt, kön­nen Sie sich natür­lich ein­fach mit dem Auto abho­len las­sen. Sie müss­ten eben nur einen Men­schen fin­den, der den Wagen fährt. (sfo)

Kurz und Klein 

+++ Nächs­ter Akt im weni­ger lus­ti­gen Lust­spiel „Quo Vadis Gaso­me­ter?“: Der Ver­ein Sozi­al­pa­last und das Kol­lek­tiv Gazo haben nach Ende des Miet­ver­trags den Ter­min zur Schlüs­sel­über­ga­be am Frei­tag plat­zen las­sen – auf anwalt­li­chen Rat hin, wie Erik Biem­ba­cher vom Ver­ein Sozi­al­pa­last sagt. Die Stadt­wer­ke sind nicht so begeis­tert, genau­er gesagt sogar „erbost“. Das sag­te Unter­neh­mens­spre­cher Flo­ri­an Adler am Mon­tag in einem WDR-Bei­trag. Und er sag­te: „Wir for­dern jetzt auf, in den nächs­ten 14 Tagen das Gelän­de zu räu­men.“ In zwei Wochen ist der nächs­te Ter­min zur Schlüs­sel­über­ga­be. Der Ver­ein und das Kol­lek­tiv über­le­gen jetzt, ob sie dann nicht doch bes­ser erschei­nen, um einen neu­en Miet­ver­trag zu bekom­men. Das erscheint im Moment aus­sichts­los, wenn man die State­ments der Stadt­wer­ke hört, aber nicht ganz so aus­sichts­los, wenn man mit der Poli­tik spricht. Im äußers­ten Fall könn­te der Rat die Stadt­wer­ke am 26. Okto­ber zwin­gen, Ver­ein und Kol­lek­tiv eine Ver­län­ge­rung zu gewäh­ren. Damit wür­de aller­dings viel Por­zel­lan zu Bruch gehen. Man hofft nun, vor­her eine Lösung zu fin­den. In der Zwi­schen­zeit hat sich noch ein wei­te­rer Hand­lungs­strang auf­ge­tan. Eine Bür­ger­initia­ti­ve, deren Grö­ße nicht ganz klar ist, hät­te lie­ber einen Büro­turm als einen Kul­tur­ort. Wir haben am Frei­tag schon dar­über berich­tet und hal­ten Sie wei­ter auf dem Lau­fen­den. (rhe)

Wie es weiterging – mit der Stillfreundlichkeit in Münster

Im Sep­tem­ber habe ich Ihnen über eine Geset­zes­in­itia­ti­ve von Nord­rhein-West­fa­lens Fami­li­en­mi­nis­te­rin Jose­fi­ne Paul geschrie­ben (RUMS-Brief vom 23. Sep­tem­ber 2022). Sie for­dert ein bun­des­wei­tes Recht auf Stil­len in der Öffent­lich­keit, denn bis­her ist das gesetz­lich nicht gere­gelt. Statt­des­sen gilt das Haus­recht: Cafés, Restau­rants oder Geschäf­te kön­nen Müt­tern des­halb das Stil­len ver­bie­ten und sie schlimms­ten­falls auf­for­dern zu gehen.

In mei­ner Anfra­ge an die Stadt hat­te ich mich auch erkun­digt, ob Müns­ter der Kam­pa­gne Still­freund­li­che Kom­mu­nen in Nord­rhein-West­fa­len bei­tre­ten wird. Mit die­ser Kam­pa­gne des Heb­am­men­ver­ban­des NRW kön­nen sich Städ­te und Gemein­den zer­ti­fi­zie­ren las­sen, die Müt­tern in öffent­li­chen Gebäu­den einen Rück­zugs­ort zum Stil­len anbie­ten. Tritt Müns­ter bei, muss die Stadt zum Bei­spiel im Rat­haus ein ruhi­ges Zim­mer her­rich­ten und aus­wei­sen, in dem Müt­ter ihre Kin­der wickeln und stil­len können.

Die Stadt schreibt, das Jugend­amt prü­fe, die­ser Kam­pa­gne bei­zu­tre­ten. Die Stadt habe aller­dings schon in Zusam­men­ar­beit mit dem Heb­am­men­netz­werk Müns­ter­land einen Fly­er mit still­freund­li­chen Orten in der Innen­stadt erar­bei­tet. Die­sen Fly­er hat­te ich Ihnen im Sep­tem­ber schon ein­mal vor­ge­stellt. Dar­auf ein­ge­zeich­net sind zwölf Orte, an denen Müt­ter in Ruhe stil­len kön­nen. Dazu gehö­ren auch vier öffent­li­che Gebäu­de: das Fami­li­en­bü­ro, das Haus der Fami­lie, das Stadt­mu­se­um und die Stadt­bü­che­rei. Außer­dem ver­weist der Fly­er auf den Stil­lauf­kle­ber, mit dem sich zum Bei­spiel Cafés, Apo­the­ken oder Kauf­häu­ser als still­freund­lich aus­wei­sen können.

Wie weit fort­ge­schrit­ten der Bei­tritt zu den still­freund­li­chen Kom­mu­nen schon ist, teilt das Pres­se­amt uns aller­dings nicht mit. Der Kam­pa­gne gehö­ren bereits eini­ge Städ­te in NRW an, zum Bei­spiel Bie­le­feld, Solin­gen und Coes­feld. (sfo)

Freie Gehwege für freie Bürger:innen

Ste­fan Tig­ges geht es ums Prin­zip. Der Mann von der Initia­ti­ve Ver­kehrs­wen­de im Kreuz­vier­tel will auf dem Geh­weg end­lich Fak­ten schaf­fen. Zu vie­le Men­schen im Vier­tel stell­ten ihren Krem­pel auf den Bür­ger­steig, der gehör­te dort aber nicht hin, sagt er. Schrott­rei­fe Fahr­rä­der, rie­si­ge Müll­ton­nen oder Autos. Das nervt Tig­ges gewal­tig. Er will die Geh­we­ge frei haben, Geh­we­ge sei­en nun mal zum Gehen da.

Aber ist das nicht ein biss­chen klein­ka­riert? Nicht, wenn es nach der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung oder der Abfall­sat­zung der Stadt Müns­ter geht. Dort ist klar gere­gelt, dass Geh­we­ge nicht zum Par­ken oder Müll­ent­sor­gen zweck­ent­frem­det wer­den dür­fen. Wer­den sie aber. Wer in Müns­ter sein Auto auf dem Bür­ger­steig abstellt, muss aller­dings kei­ne Stra­fe fürch­ten, denn die Stadt dul­det das Geh­weg­par­ken. Und auch bei Müll­ton­nen und Fahr­rad­wracks ist die Stadt nachsichtig

Zumin­dest bis­her. Denn wenn sich nichts ändert, wol­len die Ver­kehrs­wen­de-Akti­ven um Ste­fan Tig­ges die Stadt Müns­ter ver­kla­gen. „Aus Not­wehr“, wie er sagt. Soll­ten die Akti­ven vor Gericht gewin­nen, müss­te die Stadt han­deln und gel­ten­des Recht umset­zen. Aber war­um unter­nimmt die Stadt eigent­lich nichts?

Schrotträder vermisst niemand

Um eine Ant­wort auf die­se Fra­ge zu fin­den, müs­sen wir zurück ins Früh­jahr sprin­gen. Im Mai hat­te die Ver­kehrs­wen­de-Initia­ti­ve eine Sam­mel­ak­ti­on ver­an­stal­tet, bei der kaput­te Fahr­rä­der ver­schrot­tet wur­den. Mehr als 250 sol­cher Schrott­rä­der kamen dabei zusam­men. Aller­dings ver­är­ger­te die Initia­ti­ve eini­ge Men­schen aus der Nach­bar­schaft. Sie rie­fen die Poli­zei. Die Akti­ven ver­grif­fen sich schließ­lich an frem­der Leu­te Privateigentum.

Für künf­ti­ge Aktio­nen wie die­se wünscht sich Ste­fan Tig­ges Unter­stüt­zung von der Stadt. Sie bezu­schus­se das Ver­kehrs­wen­de­pro­jekt mit För­der­gel­dern, um im Stadt­teil auf den Bür­ger­stei­gen für Ord­nung zu sor­gen. Tig­ges möch­te Auf­kle­ber auf Fahr­rä­dern anbrin­gen, die offen­sicht­lich schrott­reif sind oder nie­man­den gehö­ren. Das sol­len mög­li­che Besitzer:innen als War­nung ver­ste­hen: Ent­we­der ihr küm­mert euch um eure Räder oder wir brin­gen sie zum Schrottplatz.

Das hört sich hart an – ist aber andern­orts gän­gi­ge Pra­xis. In Mün­chen zum Bei­spiel: Die baye­ri­sche Lan­des­haupt­stadt beschäf­tigt ein vier­köp­fi­ges Team, das jeden Tag die Stra­ßen nach ver­wahr­los­ten Fahr­rä­dern absucht und die­se zu einer Fund­sta­ti­on bringt. Im ver­gan­ge­nen Jahr sind bei den Sam­mel­ak­tio­nen über 5.000 Fahr­rä­der zusam­men­ge­kom­men. Ver­misst hat die Räder kaum jemand, nur 40 wur­den wie­der abge­holt. Der Rest wur­de verschrottet.

War­um gin­ge das in Müns­ter nicht? Laut Stadt fehlt dazu das Per­so­nal. In einer E-Mail schreibt die Ver­wal­tung der Ver­kehrs­wen­de-Initia­ti­ve, sie kön­nen bei künf­ti­gen Sam­mel­ak­tio­nen nicht mit per­so­nel­ler Unter­stüt­zung von der Stadt rechnen.

Keine Ausnahmegenehmigungen für Mülltonnen

Und wegen die­ser Per­so­nal­knapp­heit kön­ne sich die Stadt auch um ein zwei­tes Pro­blem nicht küm­mern, heißt es in der E-Mail: um die Müll­ton­nen auf dem Geh­weg. Laut Abfall­sat­zung der Stadt dür­fen die Ton­nen nur am Tag der Müll­ab­fuhr auf den Bür­ger­steig gestellt wer­den. Die­se Regel wird aber oft missachtet.

Wo über­all Müll­ton­nen ver­bo­te­ner­wei­se auf dem Geh­weg ste­hen, hat die Ver­kehrs­wen­de-Initia­ti­ve fein säu­ber­lich auf einer Kar­te doku­men­tiert. Die Akti­ven wol­len, dass die Stadt die Hausbesitzer:innen über das Ver­bot auf­klärt und das Pro­blem anpackt. Ende August hat­te die Stadt uns noch mit­ge­teilt, dass sie bis­her kei­ne Buß­gel­der wegen ord­nungs­wid­rig abge­stell­ter Müll­ton­nen ein­kas­siert und auch kei­ne Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen erteilt habe. Statt­des­sen habe man vor Ort immer eine Lösung gefun­den. Wie die­se Lösung aus­sieht, sag­te die Stadt nicht.

Ste­fan Tig­ges hat einen Vor­schlag: Wenn kei­ne Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung erteilt wer­den kann, muss die Stadt Abstell­flä­chen schaf­fen. Zum Bei­spiel auf einem ehe­ma­li­gen Park­platz oder zwi­schen zwei Baum­schei­ben, Haupt­sa­che run­ter mit den Ton­nen vom Geh­weg. Aber auch die­sen Vor­schlag weist die Stadt in ihrer Mail zurück – wie­der mit dem Argu­ment, dafür feh­le das Per­so­nal. Der für Müll­ton­nen zustän­di­ge Mit­ar­bei­ter sei in Ren­te gegan­gen, aber ein:e Nachfolger:in sei noch nicht gefun­den worden.

Fair Parken in der Melchersstraße

Die Stadt dul­det nicht nur Müll­ton­nen auf dem Geh­weg, son­dern auch gepark­te Autos. Und das, obwohl Para­graf 12 der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung das ver­bie­tet. Im Kreuz­vier­tel hat man für die­ses Pro­blem aber schon einen Lösungs­an­satz gefun­den. Ende Sep­tem­ber hat die Stadt in der Mel­chers­stra­ße einen Ver­kehrs­ver­such mit dem Titel Fair Par­ken begon­nen. Wohl aus gutem Grund: Laut Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt par­ken dort bis­lang acht von zehn Autos ord­nungs­wid­rig auf dem Gehweg.

Das Kon­zept für das Modell­pro­jekt hat Müns­ter aus Karls­ru­he über­nom­men: Dort dür­fen Autos nur inner­halb aus­ge­wie­se­ner Park­zo­nen abge­stellt wer­den. Wer außer­halb parkt, bekommt ein Knöll­chen oder wird abge­schleppt. Das klingt hart für Auto­fah­ren­de, aber in Wahr­heit ist das Modell­pro­jekt ein Kom­pro­miss. Denn die Park­zo­nen kön­nen zum Teil auch auf dem Geh­weg ent­ste­hen, falls min­des­tens 1,60 Meter für die Fußgänger:innen übrig­blei­ben. In der Mel­chers­stra­ße blei­ben laut Stadt sogar min­des­tens zwei Meter auf dem Geh­weg frei. (Kor­rek­tur­hin­weis: Die­se Info zur Mel­chers­stra­ße hat in einer frü­he­ren Ver­si­on gefehlt.)

Für Ste­fan Tig­ges ist der Ver­kehrs­ver­such schon weni­ge Wochen nach Test­be­ginn „ein über­ra­gen­der Erfolg“. Die Reso­nanz sei „durch­weg posi­tiv“ und die Men­schen im Vier­tel sei­en „dank­bar dafür, dass sie end­lich wie­der auf den Geh­we­gen spa­zie­ren kön­nen“. Am liebs­ten wür­de Tig­ges das Park­mo­dell jetzt auch auf wei­te­re Stra­ßen aus­wei­ten, damit die Autos vom Bür­ger­steig verschwinden.

Ein Drittel fehlt

Nur dar­aus wird wahr­schein­lich nichts. Schon im Mai woll­ten Grü­ne und Volt das Fair- Par­ken-Modell in Müns­ter-Mit­te ein­füh­ren. Jedes Auto, das außer­halb einer Park­zo­ne steht, hät­te laut Antrag abge­schleppt wer­den müs­sen. Die Ver­wal­tung ent­geg­ne­te damals, auch hier­für sei der Per­so­nal­auf­wand immens (RUMS-Brief vom 6. Mai 2022). Aber stimmt das auch?

Auf Anfra­ge schreibt uns die Stadt, im Ord­nungs­amt sei­en „gut 30 Stel­len“ für die Park­raum­über­wa­chung ein­ge­plant. Die­se sei­en alle besetzt, aller­dings fie­len vie­le Mitarbeiter:innen krank­heits­be­dingt aus oder könn­ten noch nicht selbst­stän­dig arbei­ten, weil sie noch in Aus­bil­dung sei­en. Fak­tisch blie­ben damit nur noch rund 20 Ordnungshüter:innen für die Park­raum­über­wa­chung übrig.

Ste­fan Tig­ges bezwei­felt aller­dings, dass es ein­zig am Per­so­nal schei­tert, gel­ten­des Recht auf den Geh­we­gen in Müns­ter umzu­set­zen. Er glaubt viel­mehr, dass die Prio­ri­tä­ten zu Las­ten der Fußgänger:innen gesetzt werden.

Fleißarbeit bei E-Scootern

Dass die Kapa­zi­tä­ten mög­li­cher­wei­se ungleich ver­teilt sind, zeigt aber auch ein wei­te­res Bei­spiel. Die Stadt geht näm­lich mit wild gepark­ten E-Scoo­tern alles ande­re als zim­per­lich um. 1.500 Ver­fah­ren hat das Ord­nungs­amt wegen E-Rol­lern auf dem Geh­weg ein­ge­lei­tet. Hier scheint also das Inter­es­se groß zu sein, die­ses Pro­blem anzu­ge­hen, wäh­rend das Ord­nungs­amt bei Autos, Müll­ton­nen und Schrott­rä­dern ger­ne ein Auge zudrückt.

Im Kreuz­vier­tel sind E-Scoo­ter aller­dings nur eine „punk­tu­el­le Belas­tung“, sagt Ste­fan Tig­ges. In ande­ren Stadt­tei­len sieht das anders aus, etwa im Han­sa­vier­tel oder in der Alt­stadt. Seit Anfang März ver­langt die Stadt eine Gebühr in Höhe von 50 Euro pro Rol­ler und Jahr von den Anbie­tern. Das ist nicht wenig: Anwoh­ner­par­ken kos­tet pro Auto nur 17 Euro im Jahr. Und auch für die Nutzer:innen kann es teu­er wer­den, den E-Rol­ler an den fal­schen Orten abzu­stel­len. An der Pro­me­na­de zum Bei­spiel herrscht Park­ver­bot. Wer dort sei­nen E-Scoo­ter abstellt, zahlt weiter.

Trotz­dem: Eine nach­hal­ti­ge Lösung hat Müns­ter noch nicht, um die Abstell-Anar­chie mit den E-Scoo­tern in den Griff zu bekom­men. Anders in Düs­sel­dorf, wo die Stadt an der Kö sechs Park­zo­nen für elek­tri­sche Rol­ler ein­ge­rich­tet hat. Im Aus­land fährt man noch schär­fe­re Geschüt­ze auf. In Paris könn­ten alle Anbie­ter­fir­men ihre Ver­leih­li­zenz ver­lie­ren, wenn sie die­sen Monat kei­ne Lösung fürs wil­de Par­ken in Frank­reichs Haupt­stadt fin­den. Und in den Nie­der­lan­den hat das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um die E-Scoo­ter erst gar nicht zuge­las­sen. Immer­hin: Nächs­te Woche wer­den sich der Ord­nungs- und der Ver­kehrs­aus­schuss mit dem E-Scoo­ter-Pro­blem in Müns­ter beschäftigen.

Lieber Einigung als Klage

Wie aber soll es jetzt im Kreuz­vier­tel wei­ter­ge­hen? Ste­fan Tig­ges hofft einer­seits, dass die Stadt von sich aus etwas unter­nimmt. Wenn sie es schafft, die Geh­we­ge frei­zu­be­kom­men, wür­de man auch von einer Kla­ge abse­hen, sagt er. Trotz­dem sucht die Ver­kehrs­wen­de-Initia­ti­ve gera­de einen Anwalt oder eine Anwäl­tin, um eine Kla­ge bis März 2023 vor­zu­be­rei­ten. Drei Jurist:innen hät­ten sich schon bewor­ben, sagt Tigges.

Ob die Ver­kehrs­wen­de-Initia­ti­ve vor Gericht Erfolg hät­te, wird sich im nächs­ten Jahr zei­gen. In Bre­men ist es ande­ren Akti­ven schon gelun­gen, die Geh­we­ge frei zu kla­gen. Dort urteil­te im Febru­ar ein Gericht, die 50.000 Gehwegparker:innen in Bre­men könn­ten sich nicht auf ihr Gewohn­heits­recht beru­fen, ihre Blech­kis­ten immer auf dem Bür­ger­steig abzustellen.

Die grü­ne Ver­kehrs­se­na­to­rin Mai­ke Schae­fer, die das Urteil für einen „Mei­len­stein für die Ver­kehrs­wen­de“ hält, und SPD-Innen­se­na­tor Ulrich Mäu­rer, der das Urteil als „völ­lig lebens­fremd“ bewer­tet, sind aller­dings in Beru­fung gegan­gen. Ein Sieg der Ver­kehrs­wen­de-Akti­ven in Müns­ter könn­te also auch andern­orts gute Argu­men­te lie­fern. (sfo)

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Corona-Update

Seit ges­tern mel­det die Stadt 652 posi­ti­ve PCR-Tests. Damit sind 2.686 Münsteraner:innen nach­weis­lich infi­ziert. Und die Wochen­in­zi­denz geht in Rich­tung 1.000. Aktu­ell liegt sie in Müns­ter bei 736 (posi­ti­ven PCR-Tests pro 100.000 Men­schen). Das ist der zweit­höchs­te Wert im Regie­rungs­be­zirk, hin­ter dem im Kreis Waren­dorf. Dort ist die Inzi­denz bereits vier­stel­lig (1.044). In Nord­rhein-West­fa­len ist das der dritt­höchs­te Wert. Und ein Blick auf die Kran­ken­häu­ser: Sie­ben Patient:innen mit Covid-19 lie­gen laut Inten­siv­re­gis­ter auf der Inten­siv­sta­ti­on. Eine Per­son wird beatmet. (vpe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Müns­ters Stadt­wer­ke sehen in der Gas­preis­brem­se meh­re­re Vor­tei­le: kurz­fris­ti­ge Hil­fe, Spar­an­rei­ze und Pla­nungs­si­cher­heit. (Anten­ne Müns­ter)

+++ Im gesam­ten Stadt­ge­biet ste­hen mit 34 Wind­rä­dern mehr als irgend­wo anders im Müns­ter­land. (Anten­ne Müns­ter)

+++ Nach einer neu­en Stu­die gehört Müns­ter unter 400 Städ­ten zu den fünf Pro­zent, die mit Blick auf den wirt­schaft­li­chen Wan­del am bes­ten auf die Zukunft vor­be­rei­tet sind. (West­fa­len­spie­gel)

+++ Rech­te BVB-Fuß­ball­fans, dar­un­ter ein Müns­te­ra­ner, haben in der Regio­nal­bahn ande­re BVB-Fans ver­prü­gelt. (Bun­des­po­li­zei)

+++ An der Demo gegen eine Kund­ge­bung der rech­ten Grup­pie­rung „Pax Euro­pa“ haben deut­lich mehr Men­schen teil­ge­nom­men als an der Kund­ge­bung selbst. (Alles Müns­ter)

+++ 600 Men­schen haben am Sams­tag für das Recht auf kör­per­li­che und sexu­el­le Selbst­be­stim­mung demons­triert – und damit gegen den „1000-Kreu­ze-Marsch“, der zum 20. Mal in Müns­ter statt­fand. (Müns­ter­Tu­be)

+++ Weil Per­so­nal fehlt, sind in die­ser Woche vie­le vol­le Müll­ton­nen an der Stra­ße ste­hen geblie­ben. (Stadt Müns­ter)

+++ Das Café Tan­te August bleibt im Süd­vier­tel. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Das Bis­tum Müns­ter bie­tet Jugend­li­chen an, ins Aus­land zu gehen und sich dort sozi­al zu enga­gie­ren. (Bis­tum Müns­ter)

Unbezahlte Werbung

Im Som­mer ist in der Wien­burg­stra­ße 148 das Sülz Spei­se­haus ein­ge­zo­gen. Ein kom­plett vege­ta­ri­sches Restau­rant mit hei­me­li­gem Ambi­en­te und regio­na­ler Fusi­ons­kü­che nach medi­ter­ra­ner Art. Die Kar­te wech­selt monat­lich und bie­tet, was eben gera­de Sai­son hat. Im Okto­ber heißt das: Kür­bis­creme­sup­pe, mari­nier­te Pas­ti­na­ken und zum Nach­tisch Apfel-Bir­nen-Kuchen. Was sonst noch auf der Kar­te steht, fin­den Sie hier.

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen

Vik­to­ria Pehl­ke hat für Sie in den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der geschaut. Das sind ihre Empfehlungen: 

+++ In der Tra­fo­sta­ti­on rich­tet sich der Blick am Don­ners­tag auf Latein­ame­ri­ka. Die Fra­ge ist: „Wie kön­nen glo­ba­le Per­spek­ti­ven, Kon­zep­te und Ideen unse­ren Akti­vis­mus in Deutsch­land berei­chern?“ Los geht es um 15:45 Uhr mit einem inter­ak­ti­ven Work­shop zu deko­lo­nia­lem Femi­nis­mus in Latein­ame­ri­ka. Anmel­dung per E-Mail. Im Anschluss beginnt um 19 Uhr die Kon­zert­le­sung „Die Welt im Zenit“. Sie the­ma­ti­siert indi­ge­nen Kli­ma­ak­ti­vis­mus in Latein­ame­ri­ka und ist unab­hän­gig von der Teil­nah­me am Work­shop zugäng­lich. Tickets sind bei der Tra­fo­sta­ti­on erhältlich. 

+++ Das Autoren­kol­lek­tiv Anna Kpok stellt am Sams­tag das Pro­jekt „Hor­ror Vacui“ vor. Die Schrei­ben­den haben gemein­sam einen Text erar­bei­tet, den 15 Künstler:innen in Instal­la­tio­nen, Per­for­man­ces und Kon­zer­ten im Haus Rüsch­haus erleb­bar machen. Das „begeh­ba­re Buch“ ist ab 15 Uhr geöff­net. Tickets gibt es online.

+++ In der Vil­la ten Hom­pel beginnt am Mon­tag die zwei­te Hälf­te des Ver­an­stal­tungs­jah­res. Es geht vor allem um rech­te Gewalt und anti­se­mi­ti­sches und ras­sis­ti­sches Den­ken nach 1945. Bei der ers­ten Ver­an­stal­tung am Mon­tag­abend stellt der His­to­ri­ker Grze­gorz Ros­so­liń­ski-Lie­be den ukrai­ni­schen Natio­na­lis­ten Ste­pan Ban­de­ra vor, der zu Leb­zei­ten die Orga­ni­sa­ti­on ukrai­ni­scher Natio­na­lis­ten führ­te und radikalisierte. 

+++ Im Cine­ma zeigt der Ver­ein Vamos ab kom­men­dem Diens­tag die Film­rei­he „Klap­pe auf für Men­schen­rech­te“. In den nächs­ten sechs Wochen sind jeweils diens­tags um 18 Uhr Fil­me rund um das The­ma Men­schen­rech­te und nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung zu sehen. Das Pro­gramm fin­den Sie hier.

Und noch ein Tipp von Ralf Heimann: 

+++ Mor­gen Abend spie­len die Bands Entro­py und Pali­la im Gitar­ren­la­den Rare Gui­tar am Alten Güter­bahn­hof. Tickets kos­ten 10,65 Euro, wenn Sie jetzt buchen, und 12 Euro, wenn Sie an der Abend­kas­se bezahlen.

Am Frei­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann. Ich wün­sche Ihnen eine schö­ne Woche.

Herz­li­che Grü­ße
Sebas­ti­an Fobbe

Mit­ar­beit: Jan Gro­ße Nobis, Ralf Hei­mann, Vik­to­ria Pehl­ke
Lek­to­rat: Anto­nia Strotmann

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PS

Der Schlacht­be­trieb West­fleisch insze­niert sich ger­ne als Vor­zei­ge­fir­ma in der Fleisch­wirt­schaft. Das Unter­neh­men aus Müns­ter wirbt auf sei­ner Web­site damit, Schwei­ne­fleisch direkt vom Bau­ern anzu­bie­ten und den Tier­schutz in den Fokus zu neh­men. Zusam­men mit dem Kreis Coes­feld und den Land­wirt­schafts­kam­mern Nie­der­sach­sen und Nord­rhein-West­fa­len hat West­fleisch sogar einen Leit­fa­den ent­wi­ckelt, der einen „respekt­vol­len Umgang mit Lebe­we­sen bis zur Schlach­tung“ garan­tie­ren soll. Nach einer Recher­che des Ver­eins „Deut­sches Tier­schutz­bü­ro“ sieht die Rea­li­tät anders aus: Die Grup­pe hat auf­ge­deckt, dass kran­ke und ver­wahr­los­te Schwei­ne in den sie­ben Zulie­fer­be­trie­ben von West­fleisch unter so schlech­ten Bedin­gun­gen gehal­ten wer­den, dass die Akti­ven die Fir­men wegen Tier­quä­le­rei ange­zeigt haben. Der Ver­ein hat West­fleisch dafür heu­te mit dem Preis der Herz­lo­sig­keit ausgezeichnet.