Weihnachtsmarkt: Was machen die ganzen Niederländer:innen in Münster? | Geburtshilfe: Wie viel ist eine Hebamme wert? | Frühstücken im ExKaffee

Müns­ter, 2. Dezem­ber 2022

Guten Tag,

in den Nie­der­lan­den erzählt man sich ger­ne Wit­ze über Deut­sche. Einer davon geht so: „Wel­ches Geräusch hört man am meis­ten im Som­mer am Strand?“ – „Die deut­sche Sprache.“

Wer in den ver­gan­ge­nen Tagen in der Innen­stadt von Müns­ter unter­wegs war, kann den Spieß pro­blem­los umdre­hen. Das gin­ge dann so: „Wel­ches Geräusch hört man am meis­ten am Weih­nachts­markt in Müns­ter?“ – „Die nie­der­län­di­sche Sprache.“

Jedes Jahr kom­men unzäh­li­ge Niederländer:innen nach Müns­ter, im Vor-Coro­na-Jahr 2019 mach­ten sie im Advent knapp die Hälf­te aller aus­län­di­schen Hotel­gäs­te aus. Denn unse­re Nachbar:innen lie­ben den Weih­nachts­markt in Müns­ter, in einer Rang­lis­te der belieb­tes­ten Weih­nachts­märk­te belegt er den vier­ten von zehn Plätzen.

Schaut man sich die­se Top 10 etwas genau­er an, fällt auf, dass sie­ben der zehn Lieb­lings­weih­nachts­märk­te der Niederländer:innen im Aus­land lie­gen. Und die drei nie­der­län­di­schen Weih­nachts­märk­te lie­gen nicht etwa in den gro­ßen Städ­ten wie Rot­ter­dam, Ams­ter­dam oder Den Haag, son­dern in Maas­tricht, der Klein­stadt Val­ken­burg und im 500-See­len-Dorf Haarzuilens.

Acht von zehn Niederländer:innen besu­chen laut Umfra­ge min­des­tens ein­mal im Jahr einen Weih­nachts­markt, aber einen eige­nen rich­ten sie nicht aus. Auch in Ensche­de fin­det kei­ner statt, son­dern bis zum 8. Janu­ar ein Win­ter Won­der­land mit Schlitt­schuh­bahn in der Innen­stadt. Offen­sicht­lich füh­ren die Men­schen in den Nie­der­lan­den eine son­der­ba­re Bezie­hung zum Kerst­markt. Wor­an liegt das?

Ich fra­ge nach bei einer befreun­de­ten Nie­der­län­de­rin, die schon eini­ge Jah­re in Müns­ter lebt. Sie erklärt mir, Weih­nach­ten habe in ihrer Hei­mat einen ande­ren Stel­len­wert als in Deutsch­land. Zum Bei­spiel habe sie als Kind nie Geschen­ke an Hei­lig­abend bekom­men. Das sei vie­ler­orts üblich, denn die Besche­rung fin­det in den Nie­der­lan­den schon am 5. Dezem­ber, dem Sin­ter­klaas­abend, statt. Immer­hin habe jedes Jahr ein Tan­nen­baum im Wohn­zim­mer gestan­den, sagt sie. Und man habe die Ver­wandt­schaft an den Fei­er­ta­gen besucht, um gemein­sam zu essen, meis­tens Raclette.

Einen Weih­nachts­markt, so wie wir ihn in Müns­ter ken­nen, habe mei­ne Freun­din aus den Nie­der­lan­den aber in ihrer Kind­heit nie besucht. Das sei eine Tra­di­ti­on, die es dort in die­ser Form nicht gibt. Falls Sie sich also dem­nächst fra­gen, war­um so vie­le Niederländer:innen gera­de in der Innen­stadt Glüh­wein trin­ken und Pof­fert­jes essen, ken­nen Sie jetzt die Ant­wort: Sie haben ein­fach kei­ne ande­re Wahl. (sfo)

Kurz und Klein 

+++ Die Kin­der­kli­ni­ken und Kin­der­arzt­pra­xen in Müns­ter sind wei­ter über­füllt, vor allem weil eine Atem­wegs­er­kran­kung sich wei­ter aus­brei­tet: das RS-Virus. Fach­leu­te, unter ande­rem die Lei­ter der drei Kin­der­kli­ni­ken in Müns­ter, haben am Don­ners­tag in einer Pres­se­kon­fe­renz auf die schwie­ri­ge Situa­ti­on auf­merk­sam gemacht. Die Kli­ni­ken sei­en so über­füllt, dass Kin­der aus Müns­ter bis ins Ruhr­ge­biet ver­legt wer­den müss­ten, sag­te Hey­mut Omran, Chef­arzt der Kin­der- und Jugend­me­di­zin an der Uni­kli­nik. Die Uni­kli­nik nimmt schwer kran­ke Kin­der von ande­ren Kran­ken­häu­sern auf, muss dafür aber momen­tan täg­lich weni­ger schwer kran­ke Kin­der in ande­re Häu­ser ver­le­gen. Die Kapa­zi­täts­gren­zen in Müns­ter sei­en erreicht, wie auch in ganz Deutsch­land, hieß es. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach (SPD) sprach ges­tern von weni­ger als hun­dert frei­en Inten­siv­bet­ten im gan­zen Land. Das Pro­blem ist offen­bar nicht nur das Virus, son­dern wie so oft das Geld. Jörg­Dötsch, Prä­si­dent der Deut­schen Gesell­schaft für Kin­der- und Jugend­me­di­zin, sag­te, der andau­ern­de betriebs­wirt­schaft­li­che Druck habe unter ande­rem dazu geführt, dass vie­le Pfle­ge­kräf­te gegan­gen sei­en. Die Kin­der­kran­ken­pfle­ge wur­de als spe­zi­el­le Aus­bil­dung sogar ganz abge­schafft. Das beur­teil­ten die Fach­leu­te am Don­ners­tag ein­hel­lig als Feh­ler. Die Uni­kli­nik will ab August in die­sem Beruf wie­der aus­bil­den. Zu dem knap­pen Per­so­nal kom­men knap­pe Medi­ka­men­te. Fie­ber­mit­tel für Kin­der etwa sind zur­zeit kaum zu bekom­men. Die Fach­leu­te baten um Ver­ständ­nis, Geduld und dar­um, auf nicht ganz so drin­gen­de Unter­su­chun­gen zu ver­zich­ten, sowohl in den Kli­ni­ken als auch in den Pra­xen. Zu Imp­fun­gen, die ja ver­hin­dern kön­nen, dass Kin­der krank wer­den, raten sie den­noch. (rhe)

+++ Kor­rek­tu­ren ste­hen eigent­lich etwas wei­ter unten, jeden­falls unse­re eige­nen, aber hier geht es um eine Mel­dung der Bezirks­re­gie­rung, zu der die Stadt­wer­ke eine Kor­rek­tur schrei­ben. Um es kurz zu machen: Rich­tig ist, es gibt einen Ölfilm auf dem Kanal. Aber das hat laut den Stadt­wer­ken anders als berich­tet kei­ne Fol­gen für Müns­ters Trink­was­ser. (rhe)

+++ Die Bahn­stre­cke zwi­schen Köln und Ham­burg ist für die Wirt­schaft eine wich­ti­ge Ver­bin­dung. Daher wün­schen sich sechs Indus­trie- und Han­dels­kam­mern, dass die Stre­cke aus­ge­baut wird. Die soge­nann­te Nord-West-Schie­nen­ma­gis­tra­le ver­bin­det die Regio­nen, die zusam­men ein Vier­tel der deut­schen Wirt­schafts­leis­tung erbrin­gen, doch seit den 1970er-Jah­ren sei die Infra­struk­tur nicht wesent­lich ver­bes­sert wor­den, sag­te Ralf Mit­tel­städt, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer Nord­rhein-West­fa­len, bei einem Tref­fen der sechs Kam­mern mit der Staats­se­kre­tä­rin Susan­ne Henckel aus dem Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um ges­tern in Müns­ter. Henckel sag­te ihre Unter­stüt­zung zu, aller­dings wenig kon­kret. Wir haben das jetzt in einem Jahr in den Kalen­der geschrie­ben. Und mal schau­en, gege­be­nen­falls machen wir das dann noch mal. (rhe)

+++ Freie Woh­nun­gen sind nur in einer deut­schen Stadt noch knap­per als in Müns­ter, in Mün­chen. Das berich­tet die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung in die­ser Woche. Danach stan­den Ende des ver­gan­ge­nen Jah­res in Müns­ter nur 0,3 Pro­zent der Woh­nun­gen leer, wie auch in Frank­furt. In Mün­chen waren es 0,2 Pro­zent. Nur um das zu ver­deut­li­chen: Von ein­tau­send Woh­nun­gen sind das zwei. (rhe)

+++ In Deutsch­land gibt es unge­fähr 300 digi­ta­le Radio­sen­der. Einer davon ist „Bril­lux Radio“, ein Sen­der des gleich­na­mi­gen Far­ben­her­stel­lers aus Müns­ter. Dass ein Unter­neh­men sich ein eige­nes Radio­pro­gramm leis­tet, ist rela­tiv neu, und es stra­pa­ziert die vor­han­de­nen Rund­funk­re­geln. Der Sen­der hat eine Lizenz für ein redak­tio­nel­les Voll­pro­gramm, macht aber – der Name lässt es erah­nen – ein Pro­gramm auf der Gren­ze zum Mar­ke­ting. Das Deutsch­land­funk-Medi­en­ma­ga­zin „@mediasres“ hat sich damit beschäf­tigt. (rhe)

+++ Im Stadt­haus 1 ist in die­ser Woche der Strom aus­ge­fal­len, und das ver­mit­tel­te schon ein Gefühl dafür, wie es sein könn­te, wenn das groß­flä­chig pas­siert. Damit der Strom sicher fließt, las­sen die Stadt­wer­ke ihre Wind­rä­der ab sofort bis Mit­te April län­ger lau­fen, wie das Unter­neh­men in einer Pres­se­mit­tei­lung schreibt. Mög­lich wird das, weil die Bun­des­re­gie­rung ein Gesetz geän­dert hat, das in nor­ma­len Zei­ten ver­hin­dern soll, dass die Anla­gen rund um die Uhr Geräu­sche und Schat­ten pro­du­zie­ren. (rhe)

+++ Der als Müll­samm­ler bekann­te Mann aus Kin­der­haus ist laut den West­fä­li­schen Nach­rich­ten in letz­ter Zeit immer aggres­si­ver gewor­den. Das könn­te ein Grund dafür sein, dass die Staats­an­walt­schaft ange­ord­net hat, den Mann in Unter­su­chungs­haft zu neh­men (RUMS-Brief). Das war erst pas­siert, nach­dem das Amts­ge­richt es abge­lehnt hat­te, den Mann in die Psych­ia­trie zu ste­cken. Die Zei­tung hat zu dem Fall eine Chro­nik zusam­men­ge­stellt. (rhe)

+++ Noch vor ein paar Wochen waren die Tari­fe der Grund­ver­sor­gung in Deutsch­land die güns­tigs­ten. Laut einer Preis­stu­die der Inter­net­sei­te Stromauskunft.de kann es sich jetzt aber wie­der loh­nen, den Anbie­ter zu wech­seln. Wie viel Verbraucher:innen dabei wirk­lich spa­ren kön­nen, hängt vom Wohn­ort ab. Im Schnitt könn­ten Wech­sel­wil­li­ge aber rund 75 Euro weni­ger bezah­len. Das liegt laut Ener­gie­ex­per­te Jörg Heid­jann dar­an, dass in den ver­gan­ge­nen zwei Wochen vie­le Grund­ver­sor­ger ihre Tari­fe erhöht haben. Nun bie­te sich ein kur­zer Ver­gleich des eige­nen Tarifs an. In Müns­ter lohnt sich ein Wech­sel noch nicht, die Grund­ver­sor­gung der Stadt­wer­ke Müns­ter ist güns­ti­ger als die Tari­fe ande­rer Ver­sor­ger. Das kann sich aber ändern, wenn die Stadt­wer­ke im Febru­ar die Prei­se erhö­hen. (ast)

+++ Der Ver­kehrs­aus­schuss hat in die­ser Woche beschlos­sen, das Geld für das 29-Euro-Ticket zur Ver­fü­gung zu stel­len, das die Rat­haus­ko­ali­ti­on ange­kün­digt hat. Das Bünd­nis aus Grü­nen, SPD und Volt will das Ticket unter ande­rem durch höhe­re Park­ge­büh­ren quer­fi­nan­zie­ren. Anwoh­ner­park­aus­wei­se etwa sol­len teu­rer wer­den. Sie sind mit 17 Euro im Jahr recht güns­tig. Das sind knapp fünf Cent pro Tag. Die Idee dahin­ter ist: Auto­fah­ren ver­ur­sacht Kos­ten, für die bis­lang nie­mand Geld ver­langt hat – etwa dadurch, dass Abga­se das Kli­ma belas­ten und gepark­te Fahr­zeu­ge öffent­li­chen Raum in Anspruch neh­men. Zum Bei­spiel durch höhe­re Park­kos­ten sol­len Kos­ten ent­ste­hen, die tat­säch­lich auch abge­rech­net wer­den – zu Guns­ten von kli­ma­freund­li­chen Arten, sich fort­zu­be­we­gen, zum Bei­spiel Bus­fah­ren. Um den Druck auf die Stadt­ver­wal­tung zu erhö­hen, so schrei­ben die Grü­nen in einer Pres­se­mit­tei­lung, hat das Bünd­nis das Geld für den Unter­halt von Stra­ßen gekürzt. „Stadt­bau­rat Denstorff kann die­se Mit­tel zügig wie­der auf den alten Stand brin­gen, indem er der lächer­li­chen 17-Euro-Jah­res­ge­bühr für Anwoh­ner­park­plät­ze ein Ende berei­tet und eini­ge Flä­chen zusätz­lich bewirt­schaf­tet“, sagt die Ver­kehrs­aus­schuss­vor­sit­zen­de Andrea Blo­me laut der Pres­se­mit­tei­lung. Die CDU sieht in dem 29-Euro-Ticket weder die Lösung der Ver­kehrs­pro­ble­me, etwa die gro­ße Zahl der zur Arbeit pen­deln­den Men­schen, noch hält sie die Idee für ver­nünf­tig, an der Sanie­rung von Stra­ßen zu spa­ren. „Man hat offen­sicht­lich über­se­hen, dass dies nicht nur Stra­ßen für Autos und Stadt­bus­se, son­dern auch Rad- und Fuß­we­ge betrifft“, sagt Rats­herr Ulrich Möl­len­hoff laut der Mit­tei­lung. (rhe)


Der Rürup 


Geburtshilfe in Münster: Wie viel ist eine Hebamme wert?

Wenn sich Julia Arnst mit ihren Kol­le­gin­nen unter­hält, dann hört sie von man­chen trau­ri­ge Geschich­ten. Es geht in den Gesprä­chen oft um Stress am Arbeits­platz, um feh­len­de Frei­zeit und Über­las­tung. Aber eigent­lich hat Arnst einen sehr schö­nen Beruf. Sie ist Heb­am­me und Vor­sit­zen­de des Heb­am­men­netz­werks Müns­ter­land. Sie und ihre Kol­le­gin­nen beglei­tet Frau­en und Fami­li­en durch die Schwan­ger­schaft, die Geburt und das Wochen­bett. Eine erfül­len­de und sinn­stif­ten­de Aufgabe.

Von die­ser Ide­al­vor­stel­lung ist die Wirk­lich­keit aber lei­der weit ent­fernt, vor allem in den Geburts­kli­ni­ken. In man­chen Ein­rich­tun­gen lau­fe es in Müns­ter zwar bes­ser als in ande­ren, sagt Arnst. Aber unterm Strich sei die Arbeits­be­las­tung in der Geburts­hil­fe hoch. Eini­ge Heb­am­men hät­ten auch schon ihren Job in der Kli­nik gekün­digt, sagt Arnst. Die Diens­te sei­en zum Teil schlecht besetzt, die Räu­me knapp, außer­dem blei­be kaum Zeit, Fami­li­en zu betreu­en, das Über­stun­den­kon­to fül­le sich und für all das gebe es noch nicht ein­mal einen geschei­ten Frei­zeit­aus­gleich. „Über­las­te­te Heb­am­men soll­ten aber lie­ber nicht im Kreiß­saal arbei­ten“, sagt Arnst.

Die Poli­tik hat die­ses Pro­blem erkannt. Der Bun­des­tag hat heu­te Vor­mit­tag ein Gesetz ver­ab­schie­det, das die Kli­ni­ken ent­las­ten soll und Teil einer gro­ßen Kran­ken­haus­re­form ist, die Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach auf den Weg gebracht hat. Die Reform soll unter ande­rem mehr ambu­lan­te Behand­lun­gen ermög­li­chen und die Finan­zie­rung der Kran­ken­häu­ser sichern. Das wirkt sich auch auf die Geburts­hil­fe aus.

Was sich gut anhört, hat aber für viel Pro­test gesorgt. Der Deut­sche Heb­am­men­ver­band spricht in einer Pres­se­mit­tei­lung sogar davon, die geplan­te Reform könn­te das Aus für die kli­ni­sche Geburts­hil­fe in Deutsch­land bedeu­ten. Was war los?

Ein Systemfehler

Um zu ver­ste­hen, was das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um vor­hat­te, müs­sen wir uns kurz anse­hen, wie sich Kran­ken­häu­ser finan­zie­ren. Grob gesagt, bekom­men die Ein­rich­tun­gen ihr Geld aus zwei Töp­fen: den Fall­pau­scha­len und dem Pfle­ge­bud­get. Die Fall­pau­scha­len legen fest, wie viel Geld ein Kran­ken­haus bei der Kran­ken­kas­se für eine Leis­tung abrech­nen darf. Die­ses Sys­tem funk­tio­niert aber in der Geburts­hil­fe nicht, denn es han­delt sich um Stan­dard­be­trä­ge, die für eine bestimm­te Leis­tung immer gleich hoch aus­fal­len. Es ist also egal, ob die Mut­ter stun­den­lang Wehen hat­te oder nach der Geburt mit dem Kind noch in der Kli­nik blei­ben muss. Die Fall­pau­scha­le ist immer dieselbe.

Weil das unge­recht ist, ver­han­deln die Kran­ken­häu­ser indi­vi­du­el­le Pfle­ge­bud­gets mit den Kran­ken­kas­sen. Das neue Gesetz sah vor, Heb­am­men künf­tig nicht mehr in die­sen Bud­gets zu berück­sich­ti­gen, son­dern nur noch Fach- und Hilfs­kräf­te in der Pfle­ge. Schließ­lich ist Geburts­hil­fe kei­ne Pfle­ge: Heb­am­men küm­mern sich nicht um kran­ke Patient:innen, son­dern – im Regel­fall – um gesun­de Frau­en und Babys.

Die Fol­gen die­ses Finan­zie­rungs­ge­set­zes hät­ten sich dra­ma­tisch auf die Geburts­hil­fe aus­ge­wirkt, denn die Kran­ken­häu­ser hät­ten sich schlicht kei­ne Heb­am­men mehr leis­ten kön­nen. Hin­zu wäre eine Per­so­nal­un­ter­gren­zen­ver­ord­nung gekom­men, die vor­schreibt, dass Heb­am­men nur noch maxi­mal zehn Pro­zent des Per­so­nals auf den Geburts­sta­tio­nen aus­ma­chen dür­fen. Den Groß­teil der Arbeit auf den Sta­tio­nen hät­ten Pfle­ge­kräf­te über­neh­men müs­sen, die aber für den Umgang mit Schwan­ge­ren und Müt­tern nicht aus­ge­bil­det sind und andern­orts gebraucht wer­den. Wer mehr Heb­am­men enga­giert, hät­te eine Stra­fe zah­len müssen.

Die­se Ände­run­gen sind zum Glück vom Tisch. Der Bun­des­tag ent­schied heu­te, dass die Heb­am­men bis 2025 wei­ter­hin aus dem Pfle­ge­bud­get bezahlt wer­den kön­nen. Das ist nicht zuletzt dem Pro­test der Heb­am­men zu ver­dan­ken: Inner­halb kür­zes­ter Zeit hat­ten über 1,5 Mil­lio­nen Men­schen eine Online­pe­ti­ti­on gezeich­net, die gefor­dert hat­te, Heb­am­men wei­ter­hin aus dem Pfle­ge­bud­get zu finan­zie­ren. Bun­des­mi­nis­ter Lau­ter­bach ruder­te kur­ze Zeit spä­ter öffent­lich zurück und knick­te schließ­lich ein.

Es fehlen Hebammen

Das alles ändert aber nichts an den grund­sätz­li­chen Pro­ble­men in den Geburts­kli­ni­ken. Die größ­te Her­aus­for­de­rung: Es feh­len Heb­am­men. Bar­ba­ra Blo­m­ei­er vom Heb­am­men­ver­band Nord­rhein-West­fa­len sagt, eine Geburts­kli­nik in Pader­born sei Ende Febru­ar wegen Per­so­nal­knapp­heit geschlos­sen wor­den. Damit es erst gar nicht so weit kommt, wür­den sich eini­ge Kli­ni­ken bereits mit Leih­heb­am­men aus­hel­fen. „Es kann nicht sein, dass eine Heb­am­me alles wup­pen soll“, sagt Blo­m­ei­er. Neben der Betreu­ung auch noch den Kreiß­saal zu put­zen oder wer­den­de Müt­ter anzu­mel­den, sei ein­fach zu viel des Guten.

Auch in Müns­ter ist der Heb­am­men­man­gel zu spü­ren. Anja Wen­gen­roth, Pres­se­spre­che­rin der Uni­kli­nik, schreibt auf Anfra­ge, alle Berei­che der Uni­kli­nik müss­ten wegen der ange­spann­ten Per­so­nal­la­ge ihre Kapa­zi­tä­ten zurück­schrau­ben. „Dies ist aber etwas, das mit sehr hoher Wahr­schein­lich­keit auch ande­re Häu­ser betrifft“, schreibt sie. Die Uni­kli­nik beschäf­ti­ge im Moment 18 Heb­am­men, die aber nur 14 Voll­zeit­stel­len aus­fül­len. Zwei Teil­zeit­kräf­te wür­den Anfang 2023 aus dem Dienst aus­schei­den, danach stel­le die Uni­kli­nik statt­des­sen zwei wei­te­re Voll­zeit­kräf­te ein.

Die Uni­kli­nik sei „erfreu­li­cher­wei­se“ auf kei­ne Leih­heb­am­men ange­wie­sen, schreibt Wen­gen­roth. Den­noch kön­ne nie­mand aus­schlie­ßen, dass es zu Eng­päs­sen in der Geburts­hil­fe kom­men kön­ne, wenn wei­ter­hin Fach­kräf­te feh­len. Aber: „Das UKM wür­de und darf Schwan­ge­re in Not­fäl­len nicht abwei­sen“, schreibt Wen­gen­roth. Als Maxi­mal­ver­sor­ger kön­ne sich die Uni­kli­nik nicht vom Not­dienst abmelden.

Im Fran­zis­kus-Hos­pi­tal sieht das ähn­lich aus. Not­fäl­le und Frau­en mit Wehen wer­den dort in jedem Fall auf­ge­nom­men, schreibt uns Spre­che­rin Frie­de­ri­ke Loh­mei­er. Aller­dings kön­nen Schwan­ge­re bei hoher Nach­fra­ge abge­wie­sen wer­den, wenn kein Platz in den sechs Kreiß­sä­len ist oder Per­so­nal coro­na- oder grip­p­ebe­dingt aus­fällt. Das Fran­zis­kus-Hos­pi­tal beschäf­tigt 46 Heb­am­men, die sich 25 Voll­zeit­stel­len tei­len. Leih­heb­am­men braucht das Kran­ken­haus nicht, schreibt Lohmeier.

Laut offi­zi­el­len Zah­len prak­ti­zie­ren 27.000 Heb­am­men in Deutsch­land, so vie­le wie noch nie. Kann da über­haupt die Rede von einem Heb­am­men­man­gel sein? Bern­hard Mar­schall, Stu­di­en­de­kan der Medi­zi­ni­schen Fakul­tät der Uni Müns­ter, sagt, der Man­gel bemes­se sich auch an dem Anspruch, den die Gesell­schaft an die Heb­am­men­ver­sor­gung stellt. Seit 2020 müss­ten Heb­am­men in Deutsch­land stu­die­ren, damit sich die Ver­sor­gung am neu­es­ten Stand der For­schung aus­rich­te. Das Stu­di­um wer­te den Beruf außer­dem auf. Eine Ant­wort auf den Heb­am­men­man­gel sei die Aka­de­mi­sie­rung aber nicht, sagt Mar­schall, schon gar nicht in den Kran­ken­häu­sern. Die Kli­nik sei ein unbe­lieb­ter Arbeits­platz, das sei bei den Ärzt:innen auch nicht anders.

Kein Geld, keine Kreißsäle

Um die Miss­stän­de in den Geburts­kli­ni­ken anzu­ge­hen, will das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um in den kom­men­den zwei Jah­ren 240 Mil­lio­nen Euro inves­tie­ren. Aber auch hier bahn­te sich im Vor­feld eine Schein­lö­sung an, denn die­se För­de­rung ist an Bedin­gun­gen geknüpft. Zunächst hieß es, das Geld hät­ten nur Kran­ken­häu­ser mit ange­schlos­se­ner Kin­der­kli­nik oder Inten­siv­sta­ti­on für Neu­ge­bo­re­ne bekom­men sol­len. „Das hät­te vor allem die gro­ßen Zen­tren begüns­tigt“, sagt Bar­ba­ra Blo­m­ei­er. Klei­ne­re Kli­ni­ken auf dem Land wären leer aus­ge­gan­gen. Jetzt sol­len aber auch Kli­ni­ken Geld bekom­men, die Pra­xis­plät­ze für Heb­am­men­stu­den­tin­nen anbieten.

Die­se Inves­ti­tio­nen sind bit­ter­nö­tig, denn die Geburts­hil­fe in Deutsch­land ist chro­nisch unter­fi­nan­ziert. Die Zahl der Geburts­sta­tio­nen hat sich seit den 1990er-Jah­ren laut einer Stu­die hal­biert. Das klingt dras­tisch, muss aber nichts Schlech­tes sein. In Skan­di­na­vi­en über­le­ben mehr Früh­chen als in Deutsch­land, obwohl es dort weni­ger Geburts­kli­ni­ken gibt. Der Grund: Früh­chen zu ver­sor­gen, ist kom­plex, sie brau­chen Fach­leu­te, die die Ein­grif­fe stän­dig wie­der­ho­len. Das deut­sche Fall­pau­scha­len­sys­tem hält die hohe Zahl an Früh­chen­sta­tio­nen aller­dings künst­lich am Leben – ganz ein­fach, weil die Kran­ken­häu­ser an den Früh­chen viel Geld ver­die­nen.

Freiberuflerinnen auf der Geburtsstation

Auch in Müns­ter wur­den Kreiß­sä­le geschlos­sen: 2006 in der Rapha­els­kli­nik, 2013 im Evan­ge­li­schen Kran­ken­haus Johan­nis­stift. Das Herz-Jesu-Hos­pi­tal in Hil­trup und das Cle­mens­hos­pi­tal haben außer­dem auf ein Beleg­sys­tem umge­stellt, damit die Geburts­sta­tio­nen dort wei­ter exis­tie­ren kön­nen. Dadurch arbei­ten kei­ne fest­an­ge­stell­ten Heb­am­men mehr an den Kran­ken­häu­sern, son­dern nur noch Freiberuflerinnen.

Aber hat die­ses Sys­tem Vor­tei­le? Tan­ja Decar­rois arbei­tet als Beleg­heb­am­men für das Cle­mens­hos­pi­tal. Sie sagt, durch die Unab­hän­gig­keit kön­ne sich das Team einen eige­nen Stel­len­schlüs­sel set­zen, der sich an der Zahl der Gebur­ten und dem Betreu­ungs­be­darf ori­en­tiert. Die Heb­am­men könn­ten dadurch zwei Frau­en gleich­zei­tig betreu­en. Das ist in vie­len Kli­ni­ken anders, fast die Hälf­te der Heb­am­men küm­mern sich laut Wis­sen­schaft­li­chem Dienst des Bun­des­tags um drei Gebä­ren­de gleich­zei­tig. „Die­ser Betreu­ungs­schlüs­sel wäre für vie­le Heb­am­men ein Traum“, sagt Decar­rois. „In vie­len Kli­ni­ken liegt er bei eins zu fünf.“

Die Heb­am­men am Cle­mens­hos­pi­tal sind durch das Beleg­sys­tem zwar bes­ser auf­ge­stellt, aller­dings erfül­len auch sie immer noch nicht den Eins-zu-Eins-Betreu­ungs­schlüs­sel, den die Bun­des­re­gie­rung im Koali­ti­ons­ver­trag für die kli­ni­sche Geburts­hil­fe anpeilt. Immer­hin müss­ten die Heb­am­men am Cle­mens­hos­pi­tal nie­man­den abwei­sen. Wenn neue Fäl­le kom­men, schau­en die Heb­am­men, wel­che Kol­le­gin Zeit für die Betreu­ung hat und wel­che Räu­me frei sind, sagt Tan­ja Decar­rois. Teil­wei­se sei es recht voll gewor­den, aber bis­her habe man es in den Kreiß­sä­len per­so­nell immer irgend­wie hin­be­kom­men. Aller­dings: Es fehl­ten Räu­me auf der Wochen­bett­sta­ti­on, sagt sie.

Die Hebammen ernstnehmen

Was muss sich also ändern in den Geburts­kli­ni­ken in Müns­ter? Julia Arnst vom Heb­am­men­netz­werk Müns­ter­land hat dar­auf drei Ant­wor­ten. Zum einen braucht es mehr Per­so­nal auf den Sta­tio­nen, nicht nur Heb­am­men, son­dern auch Pfle­ge­kräf­te und Fachärzt:innen. Und die Arbeits­be­din­gun­gen müss­ten sich ver­bes­sern. Arnst sagt, ihre Kol­le­gin­nen bekä­men es in den Kli­ni­ken immer irgend­wie hin, den Frau­en ein Gefühl von Gebor­gen­heit zu ver­mit­teln. Aber eben unter wid­ri­gen Umständen.

Die drit­te Lösung: Die Fall­pau­scha­len soll­ten in der Geburts­hil­fe abge­schafft wer­den, sagt Arnst. Gebur­ten sei­en nicht plan­bar und im jet­zi­gen Sys­tem sei­en natür­li­che Gebur­ten kein lukra­ti­ves Geschäft. Das sieht Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach genau­so. „Es darf nicht län­ger sein, dass auf dem Rücken von Kin­dern, Pfle­ge­kräf­ten und Heb­am­men Gewin­ne gemacht wer­den“, sag­te er heu­te im Bun­des­tag. Und er ver­sprach: „Jede Heb­am­me, die im Kran­ken­haus arbei­tet, wird voll finan­ziert.“ Die Fall­pau­scha­len will Lau­ter­bach über­win­den. Bleibt nur zu hof­fen, dass er und sein Minis­te­ri­um bei allen wei­te­ren Schrit­ten auch wirk­lich an die Heb­am­men den­ken wer­den. (sfo)


Unser Adventskalender-Gewinnspiel

Wir hat­ten es in unse­rem letz­ten Brief schon ange­kün­digt: In unse­rem Advents­­ka­­len­­der-Gewin­n­­spiel ver­lo­sen wir vom 1. bis 24. Dezem­ber vie­le tol­le Geschen­ke, unter ande­rem Gut­schei­ne für Müns­ter, unse­ren RUMS-Geburts­­­tags­­­ka­­len­­der und unse­re Geschenk-Abos.

Was wir Ihnen aber nicht mit­ge­teilt haben, ist, dass Sie auch über unse­re Web­sei­te www.rums.ms/instagram/ an unse­rem Gewinn­spiel teil­neh­men kön­nen und nicht nur über Social Media.

Heu­te öff­nen wir das zwei­te Tür­chen. Und wir ver­ra­ten Ihnen hier schon mal, was Sie heu­te gewin­nen kön­nen: einen 25-Euro-Gut­­schein für den Müns­­ter­4­­Li­­fe-Shop am Alten Fisch­markt. Für die Thea­ter­be­geis­ter­ten unter Ihnen hier schon mal der gehei­me Hin­weis, dass wir am Sams­tag zwei Ein­tritts­kar­ten für das Pum­pen­haus ver­lo­sen werden …

Korrekturen

Im RUMS-Brief am Diens­tag ging es um Fuß­ball, um die Welt­meis­ter­schaft und um ein Tor, das fiel, als die eigent­li­che Spiel­zeit vor­bei war. Das war in die­sem Fall aller­dings nicht die Ver­län­ge­rung, was man nach 40 Jah­ren Fuß­ball­gu­cken natür­lich wis­sen müss­te, es war die Nach­spiel­zeit. Wir haben das geän­dert. (rhe)

Corona-Update

+++ Am Diens­tag haben wir im RUMS-Brief gemel­det, dass es mit der Ver­län­ge­rung der Coro­na-Schutz­ver­ord­nung in Nord­rhein-West­fa­len kei­ne neu­en Regeln gibt. Das hat sich kei­ne 24 Stun­den spä­ter schon wie­der geän­dert: Der WDR mel­de­te am Mitt­woch, dass das Frei­tes­ten weg­fällt. Wer posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wird, muss sich aber wei­ter­hin fünf Tage iso­lie­ren. Danach endet die Iso­la­ti­ons­pflicht, egal wel­ches Ergeb­nis ein Kon­troll­test anzeigt. NRW-Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann appel­liert aller­dings zur Eigen­ver­ant­wor­tung: Wer nach fünf Tagen immer noch posi­tiv getes­tet wer­de oder sich krank füh­le, sol­le bit­te zu Hau­se blei­ben. Das dürf­te bei dem der­zei­ti­gen Schmud­del­wet­ter zum Glück kein Pro­blem sein. (sfo)

+++ Und wo wir gera­de bei den ver­wir­ren­den Coro­na­re­geln sind: Falls Sie den Über­blick über die Impf­emp­feh­lun­gen ver­lo­ren haben, schau­en Sie ein­mal beim Impf­check der Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung nach. Dort kön­nen Sie ein paar Fra­gen beant­wor­ten, um zu schau­en, ob Sie sich noch gegen Covid-19 imp­fen las­sen soll­ten. Noch bis zum Ende des Jah­res kön­nen Sie sich übri­gens im Jovel imp­fen las­sen. (sfo)

+++ Die Stadt mel­det seit ges­tern 129 posi­ti­ve PCR-Tests. Ins­ge­samt gel­ten 1.139 Münsteraner:innen offi­zi­ell als infi­ziert. Die Sie­ben-Tage-Inzi­denz pro 100.000 Men­schen liegt laut Robert-Koch-Insti­tut bei 226. Auf der Inten­siv­sta­ti­on lie­gen in Müns­ter drei Infi­zier­te, mel­det das Inten­siv­re­gis­ter. Nie­mand wird inva­siv beatmet. Aller­dings ist die­se Woche lei­der ein neu­er Todes­fall im Zusam­men­hang mit Covid-19 bekannt gewor­den. Seit Beginn der Pan­de­mie sind 239 Men­schen an oder mit Coro­na ver­stor­ben. (vpe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Von Mon­tag bis Frei­tag ist die Münz­stra­ße tags­über auf einer Stra­ßen­sei­te in Rich­tung Schloss­platz gesperrt. (Stadt Müns­ter)

+++ Weil die Grund­schu­le auf dem York-Gelän­de nicht recht­zei­tig fer­tig wird, rich­tet die Stadt ein­ma­lig eine fünf­te ers­te Klas­se an der Ida-Schu­le ein. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die Unter­neh­men in Müns­ter stel­len im Moment nur ver­hal­ten Per­so­nal ein. (Arbeits­agen­tur Ahlen-Müns­ter)

+++ Da sich Betrof­fe­ne von sexua­li­sier­ter Gewalt ein Seel­sor­gean­ge­bot wün­schen, bit­tet das Bis­tum sie um Hin­wei­se. (Kir­che und Leben)

+++ Rai­ner Autsch wird Lei­ter des Kir­chen­ge­richts der Diö­ze­se Müns­ter. (Dom­ra­dio)

+++ Der SC Preu­ßen Müns­ter will mit Mot­to-Tri­kots („Schwarz-Weiß-Grün ist bunt“) am Sams­tag ein Zei­chen set­zen. (Alles Müns­ter)

+++ Der Land­schafts­ver­band und sei­ne Kul­tur­stif­tung wol­len den Blick auf die kolo­nia­le Ver­gan­gen­heit der Regi­on len­ken. (Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe)

+++ Die Stadt eröff­net am Mon­tag eine Bera­tungs­stel­le für Wohn- und Ener­gie­kos­ten. (Stadt Müns­ter)

+++ Die Auto­bahn 1 ist von Frei­tag­abend 22 Uhr bis Mon­tag­mor­gen 5 Uhr zwi­schen Hil­trup und Asche­berg in bei­de Rich­tun­gen gesperrt, weil dort acht Brü­cken­tei­le plat­ziert wer­den. (Zeit Online)

+++ Müns­ters Kli­ma­bei­rat unter­stützt die Idee des Ober­bür­ger­meis­ters, einen Kli­ma­haus­halt ein­zu­rich­ten. (Kli­ma­bei­rat)

Unbezahlte Werbung

Im ExKaf­fee am Han­sa­ring gibt es kal­te Geträn­ke, lecke­ren Kaf­fee von Herrn Hase, täg­lich wech­seln­de Mit­tags­ge­rich­te und am Wochen­en­de vege­ta­ri­sche sowie vega­ne Früh­stücks­krea­tio­nen – auch vom Buf­fet. Das gemüt­li­che Café hat als eine Art Kan­ti­ne ange­fan­gen. Ursprüng­lich dien­te es als Auf­ent­halts­ort für die Män­ner, die tags­über Gebäu­de ent­kern­ten. Das Unter­neh­men ist inzwi­schen nach Hil­trup umge­zo­gen, der Charme des indus­tri­el­len Ein­rich­tungs­stils ist geblieben. 

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen 

Nicht nur der Weih­nachts­markt in Müns­ter ist einen Besuch wert. Auch sonst ist in der Stadt wie­der viel los. Eva Strehlke hat die­se Emp­feh­lun­gen für Sie herausgesucht:

+++ Ein Spon­tan­tipp: Heu­te fin­det die Digi­ta­le Mathen­acht aus Ber­lin, Bonn und Müns­ter statt. Noch bis Mit­ter­nacht lockt ein viel­fäl­ti­ges Pro­gramm. Einen Über­blick über die Vor­trä­ge bekom­men Sie auf der Home­page der Uni Müns­ter, zuhö­ren kön­nen Sie direkt über die­sen Link. Eine Anmel­dung ist nicht notwendig.

+++ Juli­an Assan­ge, Wiki­leaks-Grün­der und mög­li­cher­wei­se der berühm­tes­te poli­ti­sche Gefan­ge­ne der Welt, soll an die USA aus­ge­lie­fert wer­den. Dort dro­hen ihm bis zu 175 Jah­re Gefäng­nis. Mor­gen wird im Cine­ma Itha­ka gezeigt, ein Film über den Kampf sei­nes Vaters um Ass­an­ges Frei­heit. Im Anschluss fin­det ein Publi­kums­ge­spräch mit Ass­an­ges Ehe­frau und Anwäl­tin Stel­la Assan­ge, Pro­du­zent Adri­an Devant und den Jour­na­lis­ten Craig Mur­ray und Niels Lade­fo­ged statt. Tickets gibt es online. Wenn Sie sich vor­ab die Gescheh­nis­se rund um Ass­an­ges Ver­haf­tung in Erin­ne­rung rufen wol­len, emp­feh­len wir den Pod­cast von Zeit Ver­bre­chen zum The­ma.

+++ Unse­ren Advents­ka­len­der haben Sie hof­fent­lich schon ent­deckt. Auch bei der Uni Müns­ter kön­nen Sie täg­lich ein Tür­chen öff­nen. Dahin­ter war­ten auf Sie: Quiz­fra­gen aus allen Fach­be­rei­chen, inter­es­san­te Fak­ten und wert­vol­le Prei­se aus Müns­ter und ganz Deutsch­land. Heu­te zum Bei­spiel ein Schnup­per-Segel­kurs bei der Yacht­schu­le Overschmidt. 

+++ Am Sonn­tag fin­det das Advents­sin­gen auf dem Dom­platz statt. Von 16:30 bis 17:30 Uhr wer­den unter Anlei­tung von David Rau­ter­berg und Phil­ip Rit­ter Weih­nachts­lie­der gesun­gen. Brin­gen Sie ein Wind­licht mit, wenn Sie vorbeikommen!

+++ Über die Debat­te rund um den Namen der Uni Müns­ter haben wir schon mehr­fach berich­tet, in einem Brief im ver­gan­ge­nen Jahr sehr aus­führ­lich. Nächs­te Woche fin­den gleich zwei Ver­an­stal­tun­gen zum The­ma statt: Am 5. Dezem­ber die Debat­te „Wil­helm II. heu­te“ und am 7. Dezem­ber eine Dis­kus­si­on unter dem Titel „Umstrit­te­ne Erin­ne­rung“. Bei­de Ver­an­stal­tun­gen fin­den in der Aula im Schloss statt und begin­nen um 18:15 Uhr. Sie kön­nen auch per Live­stream zuschau­en. Den Link und wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den Ver­an­stal­tun­gen fin­den Sie dann hier.

+++ Am Mon­tag von 19 bis 20 Uhr spricht Dr. Gerd Wie­gel von der Lin­ken im F24 über die Ent­wick­lung der extre­men Rech­ten in Euro­pa in den letz­ten Jah­ren. Der Vor­trag ist Teil der Ver­an­stal­tungs­rei­he „100 Jah­re Anti­fa­schis­mus“. Der Ein­tritt ist frei.

+++ Die Roy­al Socie­ty for Put­ting Things on Top of Other Things, also die König­li­che Gesell­schaft, die Din­ge auf ande­re legt, ist bekannt als Sketch von Mon­ty Python. Auch das neue Pro­jekt des Müns­te­ra­ner Saxo­pho­nis­ten Jan Kla­re trägt die­sen Titel. Gemein­sam mit ande­ren Musiker:innen hat er – teil­wei­se aus­ge­hend von Gesell­schafts­spie­len – Tex­te und Kom­po­si­tio­nen ent­wi­ckelt, die jetzt im Pum­pen­haus zu hören sind. Tickets für die Auf­füh­rung am Mitt­woch um 20 Uhr bekom­men Sie hier.

Und zwei Emp­feh­lun­gen von Ralf Hei­mann, für die Sie das Haus nicht ver­las­sen müssen: 

+++ Die Stif­tung „Ena­b­le­Me Deutsch­land“ hat ein Inter­view mit unse­rem Kolum­nis­ten Lud­wig Lüb­bers geführt. Wenn Sie ihn noch etwas bes­ser ken­nen­ler­nen möch­ten, hier ent­lang.

+++ Hei­ner Wem­ber, der an der Wart­burg-Grund­schu­le in Gie­ven­beck Radio macht, viel­leicht erin­nern Sie sich, hat für den WDR ein Radio­fea­ture gemacht, in dem es um Bestat­tun­gen geht. Klingt nicht so, als woll­te man sich das anhö­ren. Aber machen Sie das mal, es ist eine sehr lie­be­voll erzähl­te Geschich­te, in der zum Bei­spiel ein alter Por­sche eine Rol­le spielt und eine älte­re Frau, über die Wem­ber sagt: „Sie ist weit über 90. Dafür fährt sie weit unter 90.“ Hier fin­den Sie die 22 Minu­ten lan­ge Sen­dung.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes Wochen­en­de und einen schö­nen zwei­ten Advent.

Herz­li­che Grü­ße
Sebas­ti­an Fobbe

Mit­ar­beit: Jan Gro­ße Nobis (jgn), Ralf Hei­mann (rhe), Vik­to­ria Pehl­ke (vpe), Anto­nia Strot­mann (ast)
Lek­to­rat: Anto­nia Strotmann


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PS

Die Aid­sam­bu­lanz der Uni­kli­nik Müns­ter betreut knapp 700 Patient:innen, die mit dem HI-Virus leben. Seit Anfang des Jah­res suchen dort ver­mehrt Geflüch­te­te aus der Ukrai­ne Hil­fe, denn das Land hat die zweit­höchs­te HIV-Prä­va­lenz in Euro­pa. Eine Anste­ckung hat für die Betrof­fe­nen lebens­lan­ge Fol­gen. Das ist die eine Sei­te der Geschich­te, die nega­ti­ve. Aber die Geschich­te wäre nicht kom­plett, wenn wir uns nicht die ande­re Sei­te anschau­en wür­den: das, was gut läuft. Die­sen ande­ren, aber sehr wich­ti­gen Teil hat die Jour­na­lis­tin Lara Mal­ber­ger von Per­spec­ti­ve Dai­ly vor ein paar Jah­ren auf­ge­schrie­ben. Ihr Text han­delt von den Fort­schrit­ten der Wis­sen­schaft, denn die Dia­gno­se „HIV-posi­tiv“ bedeu­tet schon lan­ge kein Todes­ur­teil mehr. The­ra­pien und Medi­ka­men­te kön­nen den Betrof­fe­nen inzwi­schen ein lan­ges und erfüll­tes Leben ermög­li­chen. Das ist ein groß­ar­ti­ger Erfolg, an den der gest­ri­ge Welt­aids­tag erinnert.