Die Baukosten-Spirale | Für oder gegen Enteignung | Kommunalwahl-Check

Müns­ter, 29. August 2020

Guten Tag,

war­um ist Bau­en in Müns­ter eigent­lich so teu­er? Liegt es dar­an, dass die Grund­stücks­prei­se mit einer wahn­sin­ni­gen Geschwin­dig­keit stei­gen? Oder hat es damit zu tun, dass kaum Bau­un­ter­neh­men zu bekom­men sind, weil die Nach­fra­ge so groß ist? Oder trei­ben die Ener­gie­stan­dards die Bau­prei­se in die Höhe? 

Um einen Ein­druck davon zu geben, wovon wir spre­chen: Im Jahr 2011 kos­te­te ein frei­ste­hen­des Ein­fa­mi­li­en­haus in Müns­ter durch­schnitt­lich 355.000 Euro, der Preis für ein Rei­hen­haus lag zwi­schen 140.000 und 280.000 Euro. Für eine Dop­pel­haus­hälf­te zahl­te man zwi­schen 170.000 und 350.000 Euro. So steht es im Grund­stücks­markt­be­richt der Stadt Müns­ter für das Jahr 2012. 

Vor drei Mona­ten ver­öf­fent­lich­te die Stadt Müns­ter die neu­en Zah­len. Im ver­gan­ge­nen Jahr kos­te­te ein Ein­fa­mi­li­en­haus im Durch­schnitt 580.000 Euro, eine Dop­pel­haus­hälf­te zwi­schen 280.000 und 650.000 Euro, der Preis für Rei­hen­häu­ser liegt mitt­ler­wei­le zwi­schen 245.000 und 490.000 Euro.

Noch teu­rer als in Müns­ter ist Woh­nen in Nord­rhein-West­fa­len nach dem LEG-Woh­nungs­markt­be­richt 2019 nur in Köln und Düs­sel­dorf. In der fünf­stün­di­gen Rats­sit­zung am Mitt­woch ging es nach unge­fähr zwei Stun­den um die Fra­ge, ob die­se Ent­wick­lung sich noch ver­schärft, wenn die Stadt sich um mehr Kli­ma­schutz bemüht. 

Auf dem Tisch lagen zwei Anträ­ge, die das Tem­po noch etwas erhö­hen soll­ten. Einer von der Lin­ken, der ödp, den Pira­ten und Rüdi­ger Sagel. Und einer von den Grü­nen. Sie hat­ten vor neun Mona­ten zusam­men mit der CDU ein Kli­ma­pa­ket mit einem Volu­men von 40 Mil­lio­nen Euro ver­ab­schie­det. Was seit­dem pas­siert ist, steht in einem Bericht der Stadt­ver­wal­tung. Elf Punk­te. Es ist ein Anfang, aber gemes­sen am Pro­blem sieht es ein biss­chen aus, als hät­te man schon mal ein Glas Was­ser bereit­ge­stellt, um die lich­ter­loh bren­nen­de Hal­le Müns­ter­land zu löschen.

  • Aus­bau von zahl­rei­chen Fahr­rad­stra­ßen im Stadtgebiet
  • Ent­wick­lung und Umset­zung eines För­der­pro­gramms für Lastenräder
  • Aus­bau und Inten­si­vie­rung der Öffent­lich­keits­ar­beit für den Klimaschutz

Das sind drei der Punk­te. Ein soge­nann­ter Bür­ger­pakt, der eben­falls in der Lis­te steht, hat den Namen „Müns­ters Kli­ma­Misch­po­ke“ bekom­men. Die Kli­ma­be­we­gung schrieb in einer Pres­se­mit­tei­lung, die Ver­wal­tung ver­nied­li­che das Pro­blem.

Die Lin­ke, die ödp, die Pira­ten, Rüdi­ger Sagel und die Grü­nen woll­ten nun mit ihrem Antrag errei­chen, dass die Stadt eine Stra­te­gie erar­bei­tet und einen kon­kre­ten Plan macht – und dass dann auch über­wacht wird, ob die­ser Plan funktioniert. 

FDP-Frak­ti­ons­chef Jörg Berens (FDP) stimm­te dafür, wand­te aber ein, er sei skep­tisch, ob die Kli­ma­neu­tra­li­tät im Jahr 2030 tat­säch­lich eine rea­lis­ti­sche Vor­stel­lung sei. Die Stadt­ver­wal­tung habe das Ziel „extrem ambi­tio­niert“ genannt. „Im Ver­wal­tungs­deutsch heißt das glaub ich so viel wie ‚so gut wie unmög­lich’, um nicht zu sagen ‚unmög­lich‘“, sag­te er. Man wer­de sich immer wie­der fra­gen müs­sen: Steht das, was wir hier zum Kli­ma­schutz pla­nen, nicht ande­ren Zie­len im Weg? Und da sei das Bau­en eben ein Bei­spiel. Wei­te­re „Kne­be­lun­gen und Gei­ße­lun­gen“ bei der Ener­gie­ef­fi­zi­enz mach­ten den Woh­nungs­bau nur noch teu­rer. „Damit trei­ben wir jun­ge Fami­li­en, die den Traum vom eige­nen Haus haben, aus der Stadt her­aus“, sag­te Berens. 

Wenn das stim­men soll­te, wür­de es bedeu­ten: Die Ener­gie­stan­dards sind einer der maß­geb­li­chen Kos­ten­trei­ber. Bür­ger­meis­ter Ger­hard Joksch (Grü­ne) wies das hef­tig zurück: „Wenn das Woh­nen in Müns­ter so teu­er ist, dann liegt das ein­zig und allein dar­an, dass unse­re Grund­stücks­prei­se astro­no­misch hoch sind. An nichts ande­rem liegt das“, sag­te er. Das habe mit Wär­me­däm­mung und Ener­gie­ef­fi­zi­enz über­haupt nichts zu tun. „Wer das behaup­tet, sagt nicht die Wahr­heit“, sagt er. 

Aber was ist nun richtig? 

Die Grund­stücks­prei­se sind tat­säch­lich mit einer enor­men Geschwin­dig­keit gewach­sen. Im Jahr 2011 lag der Qua­drat­me­ter­preis eines bau­rei­fen Grund­stücks für ein Wohn­haus in einer guten Lage in Müns­ter laut dem Grund­stücks­markt­be­richt der Stadt bei 370 Euro. Ein Qua­drat­me­ter Grund für ein drei- bis vier­stö­cki­ges Wohn­haus kos­te­te zu die­ser Zeit 450 Euro. Im ver­gan­ge­nen Jahr zahl­te man für das Ein­fa­mi­li­en­haus-Grund­stück in der glei­chen Lage pro Qua­drat­me­ter 830 Euro. Das Grund­stück für ein mehr­stö­cki­ges Wohn­haus kos­te­te pro Qua­drat­me­ter 1300 Euro. Fast drei Mal so viel wie vor neun Jahren. 

Und was ist mit den Energiestandards? 

Die sei­en sicher nicht ganz kos­ten­los zu haben, sagt Chris­ti­an Schrö­der, Spre­cher der Bau­spar­kas­se LBS West. Aber man müs­se beden­ken: In Nord­rhein-West­fa­len gebe es neun Mil­lio­nen Woh­nun­gen. Im Jahr wer­de nur ein hal­bes Pro­zent davon neu gebaut. „Wenn wir auch nur ansatz­wei­se die Kli­ma­schutz­zie­le errei­chen wol­len, müs­sen die­se Woh­nun­gen in den nächs­ten Jah­re so wenig Ener­gie wie mög­lich ver­brau­chen“, sagt Schrö­der. Und man kön­ne die Kos­ten ja kom­pen­sie­ren. Wer der­zeit ein Haus baut, müs­se Stell­plät­ze für Autos nach­wei­sen. Dabei hät­ten vie­le jun­ge Fami­li­en in der Stadt gar kein Auto mehr. Auch über die Höhe der Grund­er­werbs­steu­er kön­ne man die Kos­ten redu­zie­ren. Oder dadurch, dass man gleich meh­re­re Woh­nun­gen auf die glei­che Wei­se baut. Auch das sen­ke den Einzelpreis. 

Der Öko­nom Micha­el Voigt­län­der, Autor des Buchs „Luxus­gut Woh­nen“, sieht unter dem Strich drei Grün­de für die Ent­wick­lung. „Ers­tens: Die Grund­stücks­prei­se sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren enorm gestie­gen, vor allem in den Bal­lungs­ge­bie­ten. Die Bau­land­prei­se stei­gen zwi­schen 10 und 15 Pro­zent pro Jahr. Zwei­tens: Der Immo­bi­li­en­boom sorgt für einen Fach­kräf­te­man­gel unter Hand­wer­kern, das treibt die Prei­se für deren Dienst­leis­tun­gen in die Höhe. Und drit­tens: Wir haben im Gegen­satz zu ande­ren Län­dern sehr hohe Bau­stan­dards, vom Schall­schutz bis hin zu ener­ge­ti­schen Ver­ord­nun­gen, auch das kos­tet immer mehr“, hat Voigt­län­der vor zwei Jah­ren dem Maga­zin Spie­gel in einem Inter­view gesagt.

Auch die Ansprü­che in Deutsch­land spie­len danach eine Rol­le. „Die Nie­der­län­der und US-Ame­ri­ka­ner nut­zen etwa Holz und Press­span­plat­ten als Bau­ma­te­ri­al oder ver­zich­ten ganz auf einen Kel­ler“, sagt Voigt­län­der. In Deutsch­land sei man an höchs­te Qua­li­täts­stan­dards gewöhnt. Und: „Kei­ne Bau­fir­ma wür­de auf ein teu­res Grund­stück ein bil­li­ges Haus set­zen.“ Die Bran­che kon­zen­trie­re sich also im Grun­de auf die gut ver­die­nen­de Kundschaft. 

Um die­ser Ent­wick­lung ent­ge­gen­zu­wir­ken, hat die Stadt Müns­ter vor sechs Jah­ren beschlos­sen: In der Innen­stadt muss ein Drit­tel der Net­to-Wohn­flä­che eines neu­en Hau­ses güns­ti­ger Wohn­raum sein (öffent­lich geför­der­ter Woh­nungs­bau). Außer­dem gilt seit fünf Jah­ren: Bei der Ver­ga­be von Ein­fa­mi­li­en­haus-Gründ­stü­cken spie­len sozia­le Kri­te­ri­en eine Rol­le. Und: Beim Bau von Miet­woh­nun­gen bekommt nicht das Unter­neh­men den Zuschlag, das den Höchst­preis bie­tet. Ent­schei­dend ist, wer die güns­tigs­te Start­mie­te garantiert. 

Drei neue Baugebiete

Die hohen Prei­se wer­den den Bau­boom in Müns­ter nicht brem­sen. Erst in die­ser Woche haben Grü­ne und SPD den Weg für drei neue Bau­ge­bie­te frei­ge­macht. Süd­lich des Dort­mund-Ems-Kanals (auf bei­den Sei­ten des Albers­lo­her Wegs), an der Stein­fur­ter Stra­ße (hin­ter der ehe­ma­li­gen Eis­sport­hal­le) und von dort ein paar hun­dert Meter wei­ter in Rich­tung Gie­ven­beck an der Bus­so-Peus-Stra­ße sol­len 5000 Woh­nun­gen ent­ste­hen, unge­fähr 1000 mehr als ursprüng­lich geplant. 

Grü­ne und SPD haben gegen den Wil­len von CDU und FDP ihre Vor­stel­lun­gen durch­ge­setzt. Die Woh­nun­gen in die­sen Gebie­ten müs­sen hohe Ener­gie­stan­dards erfül­len (KfW-Effi­zi­enz­haus 40), aus umwelt­ver­träg­li­chen Bau­stof­fen bestehen und begrün­te Dächer haben. Die Sied­lun­gen wer­den auto­frei sein. Man will auf einen Teil der Park­plät­ze ver­zich­ten (Stell­platz­ver­pflich­tung), und die Autos sol­len nicht an den Stra­ßen her­um­ste­hen, son­dern in Tief­ga­ra­gen, jeden­falls nicht eben­erdig. Tief­ga­ra­gen­plät­ze wer­den die Kos­ten aller­dings nicht unbe­dingt sen­ken. Für so einen Platz muss man min­des­tens einen mitt­le­ren fünf­stel­li­gen Betrag einkalkulieren. 

Ein Pro­blem könn­te sein, dass der Stadt nicht alle Grund­stü­cke gehö­ren, um die es hier geht. Daher steht in den Rats­un­ter­la­gen mehr­fach die etwas umständ­li­che, aber nicht wei­ter bedroh­lich klin­gen­de For­mu­lie­rungstäd­te­bau­li­che Ent­wick­lungs­maß­nah­me“. Ganz so harm­los ist die­se Maß­nah­me aller­dings nicht, denn sie gibt der Stadt die Mög­lich­keit, unter bestimm­ten Umstän­den (Wohl der All­ge­mein­heit, beson­de­re Bedeu­tung) Eigen­tü­mer von Grund­stü­cken zu ent­eig­nen. In der Rats­sit­zung ging es zunächst um die Fra­ge, ob man tat­säch­lich von einer Ent­eig­nung spre­chen kann, wenn jemand sein Grund­stück gegen sei­nen Wil­len abge­ben muss. 

Stadt­bau­rat Robin Denstorff sieht das nicht so. Er beton­te: „Das ist kein Ent­eig­nungs­be­schluss.“ Es wer­de ein ange­mes­se­ner Preis gezahlt, mit die­sem Instru­ment kön­ne ver­hin­dert wer­den, dass die Stadt mit ihren Pla­nun­gen selbst den Preis für Grund­stü­cke in die Höhe trei­be. Caro­la Möl­le­mann-Appel­hoff (FDP) schätzt das anders ein. Sie sag­te: „Herr Denstorff traut sich gar nicht, den Begriff der Ent­eig­nung in den Mund zu neh­men, obwohl er genau weiß, dass das das End­ergeb­nis ist.“ Peter Bör­gel (CDU) sag­te, er habe sich mit dem Instru­ment anfangs schwer getan, aber es sei schon gut, dass die Stadt die­ses Mit­tel habe. „Es kann doch nicht sein, dass ein Mensch, der vor 20 Jah­ren mal die gute Idee gehabt hat, etwas Acker­land zu kau­fen, jetzt die Ent­wick­lung der Stadt auf­hält“, sag­te er. Das wie­der­um kann Jörg Berens nicht ver­ste­hen. Die Ver­wal­tung sei schon mäch­tig genug. Da brau­che es nicht noch wei­te­re Instru­men­te, sag­te er. 

Gesucht und gefunden

Und nun noch eine Ver­lust­mel­dung: Der SPD ist am Ende der Rats­sit­zung ihr größ­tes Wahl­kampf-The­ma abhan­den gekom­men: der neue Stadt­teil am Kanal zwi­schen Wol­be­cker Stra­ße und Albers­lo­her Weg. Frak­ti­ons­chef und Ober­bür­ger­meis­ter-Kan­di­dat Micha­el Jung hat­te die Plä­ne im Juni zusam­men mit Rats­herr Mathi­as Kers­t­ing vor­ge­stellt. 6000 Woh­nun­gen soll­ten ent­ste­hen. Doch das hät­te bedeu­tet: Der Sport­ver­ein TuS Saxo­nia müss­te Platz machen, und auch eini­ge Klein­gär­ten wür­den ver­schwin­den. Aber gut orga­ni­sier­te Grup­pen gegen sich auf­zu­brin­gen, ist im Wahl­kampf immer gefähr­lich. Die SPD kor­ri­gier­te zwar ihre Plä­ne, sprach von einem Miss­ver­ständ­nis und einer unglück­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on. Doch die CDU nutz­te die Schwä­che geschickt für ein Signal an die Sport­ver­ei­ne und Klein­gärt­ner in der Stadt. Frak­ti­ons­chef Ste­fan Weber stell­te den Antrag, die Plä­ne zu begra­ben und den Sport- und Klein­gar­ten­ver­ei­nen eine Bestands­ga­ran­tie zu geben. Vie­le Mit­glie­der der Ver­ei­ne hat­ten am Mitt­woch­nach­mit­tag vor der Hal­le Müns­ter­land pro­tes­tiert. Eini­ge von ihnen saßen nun am spä­ten Abend im Zuschau­er­raum und war­te­ten auf die Ent­schei­dung, die schließ­lich gegen kurz vor 23 Uhr fiel. Die SPD ent­hielt sich, alle übri­gen Par­tei­en stimm­ten geschlos­sen für den Antrag CDU-Frak­ti­on. Die Mit­glie­der des Sport­ver­eins ver­lie­ßen die Hal­le Müns­ter­land gut gelaunt. Ein biss­chen wie nach einem gewon­ne­nen Spiel. 


In aller Kürze

+++ Die Poli­zei hat am Diens­tag zwei Män­ner ver­haf­tet, die bei­de im Ver­dacht ste­hen, ein Opfer des in Müns­ter ent­tarn­ten Pädo­phi­len-Rings miss­braucht zu haben. Das berich­tet der MDR. Danach han­delt es sich um einen 22-Jäh­ri­gen aus Erfurt (Thü­rin­gen) und einen 55-Jäh­ri­gen aus Pir­na (Sach­sen). Die Poli­zei war auf die Män­ner laut MDR bei der Aus­wer­tung der Daten auf­merk­sam gewor­den, die sie in Müns­ter sicher­ge­stellt hatten. 

+++ NRW-Ver­kehrs­mi­nis­ter Hen­drik Wüst (CDU) hat am Frei­tag in Müns­ter auf sehr schö­ne Wei­se die neue Stadt­wer­ke-Taxi-App „Loo­ps“ erklärt, die Men­schen da abholt, wo sie sind – die also genau das tat­säch­lich macht, was vie­le Unter­neh­men ver­spre­chen, aber nicht hal­ten („Wol­len die Men­schen da abho­len, wo sie sind“). Anders als vie­le Unter­neh­men und auch anders als ein nor­ma­les Taxi sam­melt der Loo­ps-Dienst unter­wegs aber auch Fahr­gäs­te ein. Hen­drik Wüst erklär­te das Prin­zip laut den West­fä­li­schen Nach­rich­ten mit einem Satz, der klingt wie eine ewi­ge Weis­heit: „Es gibt damit kei­ne Leer­fahr­ten ohne Sinn“, sag­te er. Und fürs Pro­to­koll: Mit dabei waren auch Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe (CDU), Stadt­wer­ke-Geschäfts­füh­rer Frank Gäf­gen, Stadt­bau­rat Robin Denstorff. Sogar Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU) ist extra aus Ber­lin gekom­men. Und trotz­dem ist eigent­lich nichts Grö­ße­res schiefgegangen. 

+++ Haben Sie Freu­de an Zah­len? Dann neh­men Sie sich fürs Wochen­en­de bes­ser nichts vor. Die Stadt Müns­ter hat ihre Jah­res­sta­tis­tik für das Jahr 2019 ver­öf­fent­licht, und in die­sem Daten-Para­dies kön­nen Sie sich wun­der­bar Small­talk-Wis­sen für Steh­par­tys aneig­nen, die zur­zeit ja lei­der nicht statt­fin­den. Wuss­ten Sie zum Bei­spiel, dass der Anteil der Bei­set­zun­gen in Urnen­grä­bern auf städ­ti­schen Fried­hö­fen von 17,2 im Jahr 1999 auf 67,1 Pro­zent im Jahr 2019 gestie­gen ist? Sehen Sie. Und wenn Sie das nächs­te Mal vor dem Ham­bur­ger Tun­nel ste­hen und jemand neben Ihnen sich laut den­kend die Fra­ge stellt: Wie vie­le von die­sen gan­zen Rädern in der Stadt wohl jähr­lich im Fund­bü­ro lan­den?, kön­nen Sie sich augen­blick­lich zur Sei­te dre­hen, nicken und mit der fol­gen­den Infor­ma­ti­on aus­hel­fen: „Im ver­gan­ge­nen Jahr waren es genau 2634.


Kommunalwahl und RUMS

Der Kom­mu­nal­wahl-Check für Müns­ter ist seit heu­te online. Sie fin­den ihn auf der Sei­te: rums.kommunalwahlcheck.de. Hier erklä­ren wir alles, was Sie dazu wis­sen müs­sen. Und in eige­ner Sache: Falls Sie bei irgend­wel­chen Medi­en, die ungern die Namen ande­rer Medi­en nen­nen, lesen, der Wahl­check sei mit Unter­stüt­zung von „Medi­en­part­nern in NRW“ ent­stan­den, Sie haben es schon gese­hen: In Müns­ter sind wir das. Und es ist nicht das ein­zi­ge Pro­jekt, das in den nächs­ten Tagen kom­men wird. Am Don­ners­tag­abend haben wir mit Ari­el Haupt­mei­er, dem Lei­ter der Repor­ta­ge­schu­le Reut­lin­gen, zwölf Schü­le­rin­nen und Schü­lern, die für uns in der ver­gan­ge­nen Woche in Müns­ter Geschich­ten recher­chiert haben, und dem RUMS-Team am Hawerkamp zusam­men­ge­ses­sen. Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler haben von ihren Recher­chen erzählt. Ich ver­spre­che Ihnen, das wer­den tol­le Tex­te. Ab der nächs­ten Woche kön­nen Sie die Ergeb­nis­se bei uns lesen. 


Corona Update

Die Coro­na-Fol­gen bedro­hen die Exis­tenz vie­ler Geschäf­te. Aber als Begrün­dung für vier ver­kaufs­of­fe­ne Sonn­ta­ge im zwei­ten Halb­jahr 2020 reicht das nicht aus, hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter am Frei­tag ent­schie­den, wie unter ande­rem das West­fa­len-Blatt berich­tet. Aus den Plä­nen der Städ­te Lem­go und Bad Sal­zu­flen wird damit in die­sem Jahr nichts. Dabei hat­ten sie alles genau so gemacht, wie das NRW-Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um es emp­foh­len hat­te. In Müns­ter gibt’s in die­sem Jahr kei­nen ver­kaufs­of­fe­nen Sonn­tag. Der nächs­te, von dem wir wis­sen, ist am 31. Mai 2021 in Hil­trup geplant. Hof­fent­lich dann ohne Sicher­heits­ab­stand und Mas­ken. Im Moment sieht es gar nicht so schlecht aus. Die Zah­len stei­gen zwar, aber nur leicht. Die Stadt mel­det am Frei­tag­mit­tag sechs Neu­in­fek­tio­nen. Drei Men­schen sind wie­der gene­sen. Damit gel­ten zur­zeit 43 Men­schen im Stadt­ge­biet als infiziert. 


Unbezahlte Werbung

Vie­le Jah­re lang hat das Matrat­zen-Geschäft an der Wol­be­cker Stra­ße 99 sei­nen Aus­zug ange­kün­digt („Räu­mungs­ver­kauf!“). Wirk­lich gerech­net hat­te damit nie­mand mehr, aber dann war es irgend­wann plötz­lich pas­siert; das Geschäft stand leer. Die gro­ße Fra­ge ist nun: War es das ers­te Matrat­zen­ge­schäft in Deutsch­land, das nach einem Räu­mungs­ver­kauf tat­säch­lich auch aus­zog? Das kön­nen wir lei­der nicht sagen, aber dafür etwas ande­res: Vor weni­gen Tagen hat in genau die­sem Laden­lo­kal ein wun­der­schö­nes Café mit dem Namen 19sieben eröff­net. Es gibt sehr lecke­re Müs­lis, die sehr toll aus­se­hen. Auf der Goog­le-Sei­te kön­nen Sie sich Fotos anschau­en, auch vom Café. Geöff­net hat das 19sieben an allen Tagen (außer mon­tags) von 9 bis 18 Uhr.


Drinnen

+++ Das Sin­fo­nie-Orches­ter eröff­net heu­te die neue Spiel­zeit, und wir haben eine gute und eine schlech­te Nach­richt. Die schlech­te zuerst: Die Kon­zer­te am Sams­tag und Sonn­tag sind aus­ver­kauft. Die gute: Für die nächs­te Woche, also für Mitt­woch, Don­ners­tag, Frei­tag, Sams­tag und Sonn­tag gibt es noch Kar­ten. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr im Gro­ßen Haus. Und Sie möch­ten sicher auch noch wis­sen, was Sie dann hören wer­den: Stra­win­sky, Mozart und Beethoven. 

+++ Wir hät­ten aber auch noch etwas für die­ses Wochen­en­de: „Bezahlt wird nicht“, ein Stück des Lite­ra­tur-Nobel­preis­trä­gers Dario Fo, im Wolf­gang-Bor­chert-Thea­ter. Der Inhalt in einem Satz: Anto­nia, Mar­ghe­ri­ta und vie­le ande­re Frau­en plün­dern in Mai­land sämt­li­che Super­märk­te, kön­nen den gan­zen Kram aber nir­gend­wo unter­brin­gen, weil sie Angst haben, dass Anto­ni­as Mann von der Sache Wind bekommt. Alles wei­te­re dann vor Ort (Am Mit­tel­ha­fen 10). Los geht es heu­te (Sams­tag) um 20 Uhr, mor­gen (Sonn­tag) um 18 Uhr. Kar­ten gibt es hier.

Am Diens­tag schreibt Ihnen mei­ne Kol­le­gin Kat­rin Jäger. Haben Sie ein schö­nes Wochenende! 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann


PS

Die­se Mel­dung kommt lei­der zu spät, aber sie wäre wahr­schein­lich auch schon am Frei­tag­mor­gen zu spät gekom­men. Vom Haupt­bahn­hof in Müns­ter sind es näm­lich laut Goog­le-Maps mit dem Auto 42 Minu­ten bis zum Gewer­be­ge­biet Klei­wel­len­feld in Ahlen, wo am Frei­tag­mor­gen 200 blaue Kis­ten Bier auf der Stra­ße lagen – und viel mehr Zeit als 42 Minu­ten dürf­ten nicht ver­gan­gen sein, bis „eine Fach­fir­ma“ die unver­sehr­ten Kis­ten Hand in Hand mit der Poli­zei in Sicher­heit brach­te, wie die Glo­cke am Frei­tag­nach­mit­tag mel­de­te. Bei der Fach­fir­ma han­delt es sich nicht, wie wir zunächst ver­mu­te­ten, um ein auf das In-Sicher­heit-Brin­gen von Bier spe­zia­li­sier­tes Unter­neh­men, son­dern um die Fir­ma Hüls­mann Umwelt­tech­nik aus Dren­stein­furt. Auf wel­che Wei­se die Fir­ma und die Poli­zei das Bier in Sicher­heit gebracht haben, ob sie damit noch lan­ge beschäf­tigt waren, und falls ja, ob das alles in gemüt­li­cher Atmo­sphä­re statt­fand, das konn­ten wir lei­der noch nicht herausfinden.