Was tun mit dem leeren Laden? | Wie geht es mit dem Stadion weiter? | Warum macht eine Grundschule Radio?

Müns­ter, 23. August 2022

Guten Tag,

wann immer man Lust hat, schlech­te Lau­ne zu bekom­men, kann man sich im Inter­net auf die Suche nach neu­en Zah­len zum Miet­markt machen. Vor ein paar Tagen hat das Por­tal Immo-Welt eine neue Stu­die ver­öf­fent­licht. In der Über­schrift steht: „Kalt­mie­te frisst bis zu 42 Pro­zent vom Gehalt.“ Das gilt aller­dings nur für Mün­chen, in Frank­furt oder Ber­lin geht gera­de mal ein Drit­tel drauf. Und in zwei Jah­ren wer­den wir wahr­schein­lich sagen: Das ist doch noch voll im Rahmen. 

Ange­nom­men, Sie stu­die­ren und ver­die­nen 2.400 Euro net­to im Monat (ja ja, wit­zig, ich weiß). Dann kön­nen Sie sich zum Bei­spiel ein 22 Qua­drat­me­ter gro­ßes Apart­ment hin­ter dem Bahn­hof (vor dem Bahn­hof ver­mut­lich dop­pel­ter Preis) im Luxus­tem­pel Han­sa­tor leis­ten – nicht für 800 Euro, son­dern für sen­sa­tio­nel­le 799 Euro im Monat.

Weil die Stadt hier so nett war, es beim alten Bau­recht zu belas­sen, muss­te die Inves­ti­ti­ons­ge­sell­schaft auch kei­ne läs­ti­gen Sozi­al­woh­nun­gen bau­en, man kann hier schön die gan­ze Ren­di­te abschöp­fen. Es steht nicht in der Anzei­ge, aber mög­li­cher­wei­se kann man sich für 499,99 Euro im Monat noch ein Fahr­rad dazu­mie­ten, natür­lich kein E-Bike, das kos­tet, wahr­schein­lich, 699,99 Euro. 

Wie viel das Laden­lo­kal im „Knip­per­dol­ling-Haus“ am Prin­zi­palmarkt 41 kos­tet, steht nicht in der E-Mail, die heu­te Mor­gen bei uns ankam. Ver­mut­lich eben­falls einen Klein­wa­gen im Monat, aber hier soll ja auch nie­mand woh­nen. Hier sol­len vor­über­ge­hend „Aus­stel­lun­gen, Vor­trä­ge, Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tun­gen oder auch Kul­tur­events statt­fin­den“. Der neue Mie­ter kommt näm­lich erst im Januar. 

Der Eigen­tü­mer Tobi­as Vie­hoff sagt laut der Mit­tei­lung: „Wir hät­ten die Flä­che in die­ser Zeit auch für gutes Geld zwi­schen­ver­mie­ten kön­nen. Das wäre dann aber wohl Abver­kauf mit roten Prei­sen im Out­let-Stil gewor­den.“ Die­se Art von Geschäf­ten ste­he für den Nie­der­gang der Innen­städ­te. Und das sei ein fal­sches Signal. 

Wir wol­len aber nicht immer nur meckern, son­dern hier auch mal das gute Signal sehen. Ein paar Ideen gebe es schon, aber man sei offen für wei­te­re, sagt Tobi­as Vie­hoff. Und jetzt die Bit­te an Sie: Was könn­te man bis zum Jah­res­en­de mit dem Laden­lo­kal denn machen? Schrei­ben Sie uns. Wir ver­öf­fent­li­chen Ihre Vor­schlä­ge im RUMS-Brief. (rhe)

Heute lesen Sie im RUMS-Brief:

  • Knap­pes Per­so­nal: Stadt­wer­ke strei­chen Buslinien
  • Zug­fahr­ten auf Vor-Corona-Niveau
  • Preu­ßen Müns­ter: Die Stadion-Odyssee
  • Inter­view: War­um eine Grund­schu­le Radio macht
  • Coro­na: Inzi­denz bei 377
  • Unbe­zahl­te Wer­bung: Chris­ti­ans An- und Verkauf
  • Drin­nen und Drau­ßen: Robert Habeck im Livestream

Kurz und Klein

+++ Die Stadt­wer­ke redu­zie­ren ab mor­gen ihr Fahr­plan­an­ge­bot, weil coro­nabe­dingt zu viel Per­so­nal aus­fällt. Betrof­fen sind die Lini­en 1, 5, 6, 8, 9, 13, 14, 15, 17, 33, 34 und N85. Die­se Fahr­ten sei­en weni­ger nach­ge­fragt oder es gebe gute Alter­na­ti­ven, heißt es in der Pres­se­mit­tei­lung. Die Ände­run­gen gel­ten zunächst bis zum 16. Okto­ber, danach bewer­ten die Stadt­wer­ke die Situa­ti­on neu. „Situa­ti­on“ könn­te lei­der ein Syn­onym für die fünf­te Coro­na­wel­le sein, also freu­en Sie sich nicht zu früh. (ast)

+++ Wohin wür­den Sie mit dem Zug fah­ren, wenn Geld kei­ne Rol­le spiel­te? An die Nord­see, ins Mit­tel­rhein­tal oder von Müns­ter über Wien nach Asi­en? Die­se Traum­vor­stel­lung ist dank des 9-Euro-Tickets seit Juni Rea­li­tät, na ja, zumin­dest ein biss­chen. Gera­de in den länd­li­chen und tou­ris­ti­schen Gebie­ten Deutsch­lands ist im Moment rich­tig viel los auf der Schie­ne. Die Zeit-Online-Redak­ti­on hat sich das noch ein­mal genau­er ange­schaut und die Aus­wir­kun­gen des 9-Euro-Tickets auf jede ein­zel­ne Bahn­stre­cke unter­sucht. Die­ser Aus­wer­tung nach sind nicht etwa Ham­burg, Köln oder Ber­lin die momen­ta­nen Lieb­lings­zie­le der Zug­rei­sen­den, son­dern – kein Witz! – Pader­born und Güters­loh. Im Ver­gleich zum Mai hat sich das Fahr­gast­auf­kom­men zwi­schen bei­den Städ­ten mehr als ver­drei­facht. Müns­ter kommt auf den ers­ten 200 Plät­zen des Zeit-Ran­kings übri­gens nicht vor. Das hat uns doch stut­zig gemacht und des­halb haben wir sicher­heits­hal­ber beim Nah­ver­kehr West­fa­len-Lip­pe nach­ge­fragt, wie sich die Fahr­gast­zah­len seit Juni ver­än­dert haben. Spre­cher Uli Bee­le ant­wor­tet uns, ihm lägen kei­ne spe­zi­el­len Zah­len für Fahr­ten nach oder von Müns­ter vor. Das Fahr­gast­vo­lu­men lie­ge aber seit dem Ver­kaufs­start des 9-Euro-Tickets wie­der auf Vor-Coro­na-Niveau. Immer­hin. (sfo)

+++ Die SPD lehnt den Vor­schlag ab, beim Loop-Taxi pro Buchung einen Euro extra zu ver­lan­gen. Das hat­te die Stadt­ver­wal­tung vor­ge­schla­gen, um es Men­schen schwe­rer zu machen, die Spaß dar­an haben, Taxis in die Irre zu schi­cken. Wo ohne­hin alles teu­rer wer­de, kön­ne die SPD da nicht mit­ge­hen und den Preis anhe­ben, denn das tref­fe Men­schen mit wenig Geld, schreibt Mat­thi­as Glomb, der ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­cher der Frak­ti­on. Die SPD habe der Ver­wal­tung ande­re Vor­schlä­ge gemacht, um das Pro­blem zu lösen. Die sol­le sie jetzt prü­fen. Wel­che Vor­schlä­ge das sind, schreibt die SPD nicht. Daher eine Idee von uns: Wer ein Loop-Taxi bucht, dann aber am ver­ein­bar­ten Ort nicht erscheint, wird beim nächs­ten Mal ein­fach abge­holt und irgend­wo hin­ge­bracht, ohne ein Taxi bestellt zu haben. Doch nicht so gut? Na, dann war­ten wir auf die Vor­schlä­ge der SPD. (rhe)

Der Rürup 

Rathaus: Übersteht das Bündnis die Stadionfrage?

Wie geht es jetzt wei­ter mit dem Preu­ßen-Sta­di­on? Das ist in der Stadt­po­li­tik die gro­ße Fra­ge der nächs­ten Wochen. Die Stadt­ver­wal­tung hat am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag einen Sta­pel Unter­la­gen ver­öf­fent­licht, der eini­ge Fra­gen beant­wor­tet, damit aber auch vie­le neue auf­wirft. Und die­se Fra­gen zu beant­wor­ten, wird so schwer wer­den, dass in der Rat­haus­ko­ali­ti­on aus Grü­nen, SPD und Volt schon die Fra­ge zu hören ist: Wird das Bünd­nis das überstehen? 

Aber zuerst zu den Fak­ten. Vor allem geht es wie immer ums Geld. Die Stadt­ver­wal­tung hat vor­ge­rech­net, wie viel das neue Preu­ßen-Sta­di­on kos­ten wür­de, und damit wird deut­lich: Für die 40 Mil­lio­nen, die man als Ober­gren­ze fest­ge­legt hat, wird es nicht zu haben sein – jeden­falls nicht so, wie es auf den Hoch­glanz­plä­nen aussieht. 

Nach der neu­en Rech­nung wür­de das Sta­di­on 99 Mil­lio­nen Euro kos­ten. 86 Mil­lio­nen davon müss­te die Stadt zah­len, knapp 13 Mil­lio­nen der Verein. 

In den 86 Mil­lio­nen der Stadt ste­cken 20 Mil­lio­nen Euro für das soge­nann­te Mobi­li­täts­kon­zept – eine Mobil­sta­ti­on mit Auto- und Fahr­rad­park­plät­zen, Fahr­rad­park­plät­zen an drei ande­ren Stel­len und Flä­chen für Bus­se. Die Stadt hat die Zahl der Auto­park­plät­ze schon stark redu­ziert, aber ganz ohne Park­mög­lich­kei­ten wird es nicht gehen, wenn mehr Leu­te ins Sta­di­on kom­men. Daher wird man auf die­sen Teil nicht ein­fach ver­zich­ten können. 

Eine Frage der Prioritäten

Das Sta­di­on wür­de in meh­re­ren Abschnit­ten gebaut (Modu­le), wobei die­se Abschnit­te sich zeit­lich ver­schie­ben las­sen. Als Ers­tes ist wahr­schein­lich die West­tri­bü­ne dran, die schon abge­ris­sen wird. Dann käme ent­we­der die Ost­tri­bü­ne für die Preu­ßen­fans oder die Nord­sei­te gegen­über der Haupt­tri­bü­ne. Aber damit fängt das Pro­blem schon an. 

Wird bei­des über­haupt bezahl­bar sein? Und was hat Prio­ri­tät? Der Neu­bau der Gegen­ge­ra­de (Nord­tri­bü­ne) wür­de laut dem Plan knapp 30 Mil­lio­nen Euro kos­ten, die Ost­tri­bü­ne 13 Millionen. 

Im Koali­ti­ons­ver­trag von Grü­nen, SPD und Volt steht, die Stadt wer­de „ca. 40 Mil­lio­nen Euro“ zur Ver­fü­gung stel­len. „Falls der Aus­bau die­ses Kos­ten­bud­get über­steigt, müs­sen die Mehr­kos­ten vom Ver­ein, der das Sta­di­on nutzt, bzw. Spon­so­ren getra­gen oder eine Reduk­ti­ons­va­ri­an­te rea­li­siert werden.“ 

Das klingt eigent­lich deut­lich. Aber wel­che Kos­ten sind in die­sen 40 Mil­lio­nen ent­hal­ten? Der Koali­ti­ons­ver­trag macht eini­ge Aus­nah­men. Er nimmt zum Bei­spiel Kos­ten aus, die durch eine öko­lo­gi­sche Bau­wei­se ent­ste­hen, für die Sanie­rung von Alt­las­ten oder durch Bau­kos­ten­stei­ge­run­gen. Und – so steht es eben­falls im Ver­trag – für ein Ver­kehrs­kon­zept mit Bahn­hal­te­punkt wer­de die Stadt im Haus­halt wei­te­res Geld bereitstellen. 

Worauf verzichten?

Was bedeu­tet das? Ganz sicher bedeu­tet es: Der Koali­ti­ons­ver­trag wird sich nur dann ein­hal­ten las­sen, wenn das Bünd­nis sich für eine redu­zier­te Vari­an­te ent­schei­det. Im ande­ren Fall wird die Stadt mehr zah­len müs­sen als 40 Mil­lio­nen Euro. Und auch bei einer redu­zier­ten Vari­an­te ist das sehr wahrscheinlich. 

Eine redu­zier­te Vari­an­te könn­te bedeu­ten: Man ver­zich­tet auf ein­zel­ne Bau­tei­le. Aber wor­auf könn­te man ver­zich­ten? Auf die Nord­tri­bü­ne? Auf die im Osten?

Baut die Stadt nur die West­tri­bü­ne für die aus­wär­ti­gen Fans und die Nord­tri­bü­ne mit den VIP-Logen, könn­te die Stadt knapp 15 Mil­lio­nen Euro spa­ren (Bau und Rück­bau). In die Röh­re schau­en wür­den die Preu­ßen­fans in der Ostkurve. 

Ver­zich­tet man auf den Bau der Nord­tri­bü­ne, könn­te man knapp 30 Mil­lio­nen Euro spa­ren. Die Stadt müss­te für den Sta­di­on­aus­bau dann 36 Mil­lio­nen Euro hin­le­gen. Und weil Bau­stel­len am Ende meis­tens doch noch etwas teu­rer wer­den, käme man mit den ein­ge­plan­ten 40 Mil­lio­nen Euro mög­li­cher­wei­se hin. 

Nur könn­te es dann sein, dass der Ver­ein in Schwie­rig­kei­ten gerät, denn auch er muss knapp 13 Mil­lio­nen Euro zuschie­ßen. Ohne Nord­tri­bü­ne mit den VIP-Logen könn­te das schwer wer­den. Dort ver­dient der Ver­ein Geld. 

Ver­zich­ten könn­te die Stadt auch auf die Kita, die im Süd­os­ten des Sta­di­ons ihren Platz fin­den soll. Das wür­de aller­dings gera­de ein­mal 5 Mil­lio­nen Euro aus­ma­chen. Und dann müss­ten die Eltern auf die Kita im Süden ver­zich­ten, damit die Preu­ßen ihr neu­es Sta­di­on bekom­men. Das wäre ein poli­tisch sehr unglück­li­ches Signal.

Das Problem mit der Vorsteuer

Was bei allem nicht ganz unwich­tig ist: Die Zah­len gel­ten nur unter der Vor­aus­set­zung, dass die Stadt ein Pro­blem lösen kann, das in der Ver­wal­tungs­vor­la­ge unter Punkt 4. g. steht. 

Wür­de ein pri­vat­wirt­schaft­li­ches Unter­neh­men das Sta­di­on bau­en und spä­ter alles betrei­ben, könn­te es die Vor­steu­er ein­fach abzie­hen und müss­te nur die Net­to­be­trä­ge zah­len, von denen wir oben sprechen. 

Weil die Stadt aber in der Sache drin­hängt und Preu­ßen Müns­ter das Sta­di­on nur pach­ten wür­de, ist nicht ganz klar, ob man die Vor­steu­er am Ende tat­säch­lich abzie­hen kann. 

Das war beim Stadt­haus 4 ein Pro­blem. Da war man von Net­to­be­trä­gen aus­ge­gan­gen, bis sich her­aus­stell­te: Man wird die Vor­steu­er (also Mehr­wert­steu­er) wohl noch drauf­schla­gen müs­sen. Muss die Stadt für das Sta­di­on am Ende Brut­to­be­trä­ge zah­len, wür­de das bedeu­ten: Aus den 99 Mil­lio­nen Euro wür­den mit einem Mal über 118 Mil­lio­nen Euro. Das Pro­blem bekä­me eine ganz ande­re Dimension. 

Und es ist ohne­hin schon groß genug, auch weil das Preu­ßen-Sta­di­on kein iso­lier­tes Pro­jekt ist, son­dern mit ande­ren Vor­ha­ben um das knap­pe städ­ti­sche Geld konkurriert. 

Eine Mehrheit ist wahrscheinlich

Beim Stadt­haus 4 hat man sich gera­de dar­auf geei­nigt, den Bau erst ein­mal zu ver­schie­ben – in der Hoff­nung, dass Bau­en in ein paar Jah­ren wie­der güns­ti­ger wird. In der Rats­sit­zung am 7. Sep­tem­ber wird man das aller Vor­aus­sicht nach beschließen. 

Man erklärt also meh­re­ren hun­dert städ­ti­schen Beschäf­tig­ten: Tut uns leid, das neue Gebäu­de ist gera­de zu teu­er. Aber dem Fuß­ball­ver­ein sagt man: Die Preis­stei­ge­run­gen sind uns egal, wir bau­en trotzdem? 

Dass es im Rat eine Mehr­heit für das Sta­di­on geben wird, ist wei­ter wahr­schein­lich – wie auch immer sie aus­se­hen wird. CDU-Frak­ti­ons­chef Ste­fan Weber sagt: „Wir wol­len das Preu­ßen-Sta­di­on hier rea­li­sie­ren. Stadt, Ver­ein und Fan­sze­ne müs­sen jetzt Prio­ri­tä­ten set­zen.“ Man wis­se, dass der Bau deut­lich teu­rer wer­de als bis­lang gedacht. Aber Weber sieht Grund zur Hoff­nung, dass der finan­zi­el­le Spiel­raum bald wie­der etwas grö­ßer wer­den könn­te. Die städ­ti­sche Käm­me­rin Chris­ti­ne Zel­ler sei in der Frak­ti­on zu Gast gewe­sen und habe ange­deu­tet, dass die Finanz­la­ge der Stadt sich ab 2024 ver­bes­sern wer­de. Weber hofft auf eine gro­ße Mehr­heit, die am Ende für den Bau des Sta­di­ons stimmt. 

Ob eine Mehr­heit im Rat­haus­bünd­nis zustan­de kommt, ist im Moment noch nicht klar. Die SPD möch­te das Sta­di­on unbe­dingt. Dass es für 40 Mil­lio­nen Euro nicht zu haben sei, das sei auch vor­her schon klar gewe­sen, sagt Phil­ipp Hage­mann, der sport­po­li­ti­sche Spre­cher der Frak­ti­on. Aber als Richt­wert sei­en die 40 Mil­lio­nen wei­ter gül­tig. Der Bau des rei­nen Sta­di­ons (Modul a) kos­te 53,7 Mil­lio­nen Euro. Das sei von den 40 Mil­lio­nen nicht so weit entfernt. 

Es hängt alles ein biss­chen davon ab, wie man rech­net. Man könn­te auch auf deut­lich mehr als 120 Mil­lio­nen für das Sta­di­on kom­men, brut­to. Noch ist zum Bei­spiel gar nicht geklärt, wie viel Geld die Stadt­wer­ke-Toch­ter Bau­wer­ke bekom­men wird. Sie soll das Sta­di­on bauen. 

Zudem ist es nicht unwahr­schein­lich, dass sich spä­ter abzeich­nen wird: Die Kos­ten wer­den doch noch mal höher. So war es beim Stadt­haus 4. Erst vor weni­gen Tagen mel­de­te die Stadt, dass die Grund­schu­le im York­quar­tier nicht 25 Mil­lio­nen kos­ten wird, son­dern fast 46. 

„Finanzierung auf tönerneren Füßen“

FDP-Frak­ti­ons­chef Jörg Berens sagt: „Es ist alles ziem­lich wild, wenn man mal ehr­lich ist.“ Die Finan­zie­rung sei voll­kom­men unklar. Schon der ers­te Bau­ab­schnitt (Modul a) sei unter­fi­nan­ziert. Das ist der 53,7 Mil­lio­nen Euro teu­re Sta­di­on­aus­bau, von dem Phil­ipp Hage­mann sprach. Ein­ge­plant waren ja nur 40 Millionen. 

„Mein Ein­druck ist, dass die Finan­zie­rung auf noch töner­ne­ren Füßen steht als beim Musik-Cam­pus“, sagt Berens. Ihm feh­le die Fan­ta­sie, wie man das alles hin­be­kom­men könne. 

Tim Pasch von Volt sagt, sei­ne Par­tei sit­ze ein biss­chen zwi­schen den Stüh­len. Die eine Par­tei im Bünd­nis wol­le das Sta­di­on unbe­dingt. Das ist die SPD. In der ande­ren Par­tei gebe es Vor­be­hal­te. Das sind die Grünen. 

Grü­nen-Frak­ti­ons­spre­cher Chris­toph Kat­tentidt mag zum aktu­el­len Stand im Moment nicht viel sagen, nur: „Wir befin­den uns in einem Abstim­mungs­pro­zess.“ In der Frak­ti­ons­sit­zung am Mon­tag­abend hat man so lan­ge dis­ku­tiert, dass am Ende kei­ne Zeit mehr blieb, sich mit den übri­gen Par­tei­en im Bünd­nis abzustimmen. 

Eine Fra­ge, auf die es in den Bünd­nis­par­tei­en unter­schied­li­che Ant­wor­ten gibt, ist: Wie ist das zu bewer­ten, was im Koali­ti­ons­ver­trag steht?

„Kosten sind schon immens“

Tim Pasch sagt: „Man­che Din­ge müs­sen wir reeva­lu­ie­ren.“ Das sind zum einen die Kos­ten, zum ande­ren ist es auch die gene­rel­le Fra­ge, ob das Bünd­nis nach der Coro­na­zeit, dem Beginn des Ukrai­ne­kriegs, der Gas­kri­se, der Infla­ti­on und einer dro­hen­den Rezes­si­on wei­ter­hin zu all dem steht, was es im Koali­ti­ons­ver­trag fest­ge­legt hat. 

Dass der Sta­di­on-Aus­bau in Fra­ge steht, denkt Pasch nicht. Mit dem, was die Ver­wal­tung vor­ge­legt habe, sei man bei Volt sehr zufrie­den. Man müs­se auch beden­ken, man bekom­me nicht nur das Sta­di­on, son­dern auch eine Mobi­li­täts­sta­ti­on. Und wenn man sich das Ener­gie­kon­zept anschaue, dann sehe man, das Sta­di­on erzeu­ge einen Über­schuss an Ener­gie und Wär­me. Aber: „Die Kos­ten sind schon immens“, sagt Pasch. Man müs­se schau­en, wie man das stem­men könne. 

Phil­ipp Hage­mann sagt: „Wir als SPD-Frak­ti­on sehen das wei­ter alles posi­tiv.“ Die Ent­schei­dung für den Aus­bau des Sta­di­ons in der Frak­ti­ons­sit­zung am Mon­tag sei ein­stim­mig gefallen. 

Nach dem Rück­zug von Mari­us Her­wig als Frak­ti­ons­chef will die SPD an die­sem Mitt­woch eine Nach­fol­ge­rin oder einen Nach­fol­ger wäh­len. Bis­lang gibt es nur eine Kan­di­da­tin, das jüngs­te Frak­ti­ons­mit­glied, Lia Kirsch. Sie hat schon deut­lich gemacht: Auch sie steht hin­ter dem Aus­bau des Stadions.

Und die TV-Arbeitsplätze?

Soll­te das bei den Grü­nen am Ende anders sein, wird es alles nichts nüt­zen. Dann wird man sich auf einen Kom­pro­miss eini­gen müssen. 

Phil­ipp Hage­mann sagt, er wür­de sich auch von der Stadt­ver­wal­tung eine Hand­lungs­emp­feh­lung oder eine Ein­schät­zung dazu wün­schen, wie sich das Pro­jekt umset­zen lässt. Dar­über, dass so eine Emp­feh­lung fehlt, hat man sich auch bei den Grü­nen gewundert. 

Es geht um die Fra­ge, in wel­cher Rei­hen­fol­ge der Bau der ein­zel­nen Ele­men­te (Modu­le) sinn­voll sein könn­te. Viel­leicht muss auch nicht alles sofort umge­setzt wer­den, was in den Plä­nen steht. Die 20 Arbeits­plät­ze für Men­schen, die TV-Über­tra­gun­gen kom­men­tie­ren, wird der Ver­ein wohl erst mal nicht brau­chen. So etwas könn­te man auch erst dann in Angriff neh­men, wenn tat­säch­lich Ver­ei­ne wie der HSV, For­tu­na Düs­sel­dorf oder St. Pau­li zu Gast sind. Das wird aller­dings noch ein biss­chen dau­ern. Am nächs­ten Wochen­en­de geht es in der Rea­li­tät wei­ter, beim Sport­ver­ein Strae­len, dem Tabel­len­letz­ten der Regio­nal­li­ga West. (rhe)

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Münster 2050 – Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird

Am Don­ners­tag ab 18 Uhr laden wir Sie zur Ver­an­stal­tung und Dis­kus­si­on „Müns­ter 2050 – Wie der Kli­ma­wan­del unser Leben ver­än­dern wird“ ein. Mei­ne Kol­le­gin Con­stan­ze Busch wird mit dem Jour­na­lis­ten und Autor Nick Rei­mer spre­chen. In sei­nem Buch Deutsch­land 2050 – Wie der Kli­ma­wan­del unser Leben ver­än­dern wird beschäf­tigt er sich mit der Fra­ge, wie unser Leben Mit­te des Jahr­hun­derts kon­kret aus­se­hen wird, wenn es immer hei­ßer, tro­cke­ner und stür­mi­scher wird.

Die Ver­an­stal­tung fin­det ab 18 Uhr im Local­host statt, dem Ver­an­stal­tungs­raum neben dem RUMS-Büro an der Neu­brü­cken­stra­ße 8 – 11. Nach der Ver­an­stal­tung, ab etwa 19:30 Uhr, gibt es Kalt­ge­trän­ke, drin­nen und drau­ßen an der Straßenecke.

Mel­den Sie sich gern vor­her unter kontakt@rund-um-muenster.ms an. Sie kön­nen aber auch spon­tan ohne Anmel­dung kom­men. Der Ein­tritt zur Ver­an­stal­tung ist frei.

Die­se Ver­an­stal­tung ist die ers­te des gemein­nüt­zi­gen Ver­eins Rund um Müns­ter – Forum für loka­le Öffent­lich­keit. Unse­re drei RUMS-Mit­grün­der Marc-Ste­fan And­res, Götz Grom­mek und Chris­ti­an Hum­borg haben den Ver­ein mit­ge­grün­det, die Vor­sit­zen­den sind Chris­ti­an Hum­borg und Eva Wind­hau­sen. Der Ver­ein soll The­men in der Stadt iden­ti­fi­zie­ren und Impul­se set­zen, Gesprä­che, Koope­ra­tio­nen und Pro­jek­te initi­ie­ren. Er soll Men­schen mit ver­schie­de­nen Hin­ter­grün­den zusam­men­brin­gen, Wis­sen ver­mit­teln, auf­klä­ren und mode­rie­ren. Mehr dar­über erfah­ren Sie in unse­rem RUMS-Brief vom 12. August 2022 und auf der Web­site des Ver­eins.

Und noch ein Hin­weis: Wir freu­en uns, wenn Sie vor der Ver­an­stal­tung am Don­ners­tag einen Coro­na­test machen und/oder in unse­ren Räu­men eine Mas­ke tra­gen. Da bei­des zur­zeit nicht vor­ge­schrie­ben ist, sind das aber natür­lich nur Empfehlungen.

Warum eine Grundschule Radio macht

Frei­tag­mit­tag in der Wart­burg-Grund­schu­le Gie­ven­beck. Auf den Gän­gen vor den Klas­sen­räu­men ist nicht mehr viel los. Es fühlt sich an, als wäre schon Wochen­en­de. Aber ganz so weit ist es hin­ter den Türen noch nicht. Das ver­rät die Geräusch­ku­lis­se. Frei­tags kön­nen die Eltern ihre Kin­der um 12:40 Uhr abho­len – oder auch spä­ter, um 14 Uhr oder um 15:40 Uhr. An der Wart­burg-Grund­schu­le endet die Woche nicht für alle Kin­der gleich­zei­tig, aber um Gleich­zei­tig­keit ging es hier von Anfang an nicht. 

Die Schu­le war ihrer Zeit schon oft vor­aus. Im Jahr 2008 bekam sie dafür den deut­schen Schul­preis, mit dem die päd­ago­gisch bes­ten Schu­len des Lan­des aus­ge­zeich­net werden. 

Die Wart­burg­schu­le war die ers­te Grund­schu­le in Müns­ter, die den Ganz­tag anbot. Der Fron­tal­un­ter­richt kam hier schon früh aus der Mode. Noten und Stun­den­plä­ne gibt es nicht. Die Kin­der ler­nen nach soge­nann­ten Lern­land­kar­ten. Auf ihnen sehen sie, wo im Lern­stoff es lang­geht. Auch Klas­sen gibt es nicht. Sie hei­ßen hier Lern­grup­pen, weil die Kin­der aus ver­schie­de­nen Jahr­gän­gen zusam­men arbeiten. 

Ein Leh­rer­zim­mer gibt es schon. Und das sieht unge­fähr so aus, wie man sich so einen Raum vor­stellt. Ein gro­ßer Tisch in der Mit­te, Fächer und Rega­le mit Maga­zi­nen, Büchern und Ord­nern und am Rand eine klei­ne Kaf­fee­kü­che. Am Tisch sit­zen zwölf Frau­en und zwei Män­ner. Vor ihnen Lap­tops, iPads und Kaf­fee­tas­sen. Einer der bei­den Män­ner ist Hei­ner Wem­ber, 63 Jah­re alt, His­to­ri­ker und Radiojournalist.

Sei­ne Frau und er hat­ten in der Coro­na­zeit die Idee, hier ein Schul­ra­dio zu star­ten. Es wur­de ein gro­ßer Erfolg. Seit einer Woche haben die Lern­grup­pen ihr eige­nes Pro­gramm. Die ers­ten Bei­trä­ge sind auf­ge­nom­men. Sie müs­sen nur noch geschnit­ten wer­den. Das soll heu­te pas­sie­ren. Hei­ner Wem­ber ist gekom­men, um dabei zu hel­fen. Aber vor­her hat er noch Zeit für ein Gespräch. 

Herr Wember, wieso machen Sie Radio an einer Grundschule?

Mei­ne Frau Chris­tia­ne ist an die­ser Schu­le seit 30 Jah­ren Leh­re­rin. Und im ers­ten Lock­down hat­ten wir das Gefühl, die Klas­sen­ver­bän­de bre­chen aus­ein­an­der. Da hat­ten wir erst die Idee, ein Klas­sen­fern­se­hen zu machen. Es war aber schnell klar: Das ist zu auf­wän­dig. Und da dach­ten wir: Wir machen ein Radioprogramm. 

Wie haben Sie angefangen?

Die Kin­der soll­ten zu Hau­se mit Smart­pho­nes Bei­trä­ge auf­neh­men – nicht all­zu lang, maxi­mal zwei Minu­ten. Mei­ne Frau und ich haben das zusam­men­ge­schnit­ten und mode­riert. Das war sehr schön. Sie kennt die Schu­le von innen. Ich war der Depp, der von außen Fra­gen gestellt hat. Und das lief so gut, dass wir am Ende 38 Fol­gen gemacht haben. 

Danach haben Sie dann gesagt: Das Radio muss bleiben. 

Ja, das war ein so gro­ßer Erfolg, dass wir uns gefragt haben, wie man die­se Form des Radio­ma­chens auf die Schu­le über­tra­gen kann. 

Wie machen Sie das jetzt?

Es gab eine Schul­zei­tung, den Wart­bur­ger-Kurier. Der kam vier Mal im Jahr. Die Idee war, die Zei­tung teil­wei­se durch das Radio­pro­gramm zu erset­zen. Das hat die Schul­kon­fe­renz dann tat­säch­lich beschlos­sen. Jetzt gibt es die Zei­tung nur noch ein­mal im Jahr, den Burg­funk dafür aber drei Mal. 

Und die Sendungen produzieren Sie? 

Ja. Die Lern­grup­pen der Schu­le lie­fern jeweils zwei Minu­ten lan­ge Bei­trä­ge. Und dar­aus machen wir dann eine Sendung. 

Was für Beiträge kommen von den Kindern?

Das sind zum Bei­spiel Lie­der oder Gedich­te. Sie kön­nen sich das auf der Schul­home­page anhö­ren.

Seit einer Woche haben sogar die Lerngruppen ein eigenes Radioprogramm. Wie kam es dazu? 

Der Burg­funk, also die Sen­dung für die gan­ze Schu­le, stärkt die Iden­ti­tät der Schu­le. Die Idee des neu­en Pro­gramms war, die Gemein­schaft inner­halb der Lern­grup­pen zu ver­bes­sern. Des­we­gen hört man am Ende der Sen­dun­gen auch alle rufen: „Wir sind die Pythons!“ Oder: „Wir sind die Din­gos!“ So hei­ßen die Lerngruppen. 

Wie viele Lerngruppen haben ein eigenes Programm? 

Wir haben 16 Lern­grup­pen an der Schu­le, acht davon im drit­ten und vier­ten Jahr­gang. Und die haben jetzt ihr eige­nes Radio. 

Ist das für Sie ein Vollzeitjob?

Wenn ich die Kin­der selbst aus­bil­den wür­de, wäre es einer. Aber wir hat­ten die Idee, mit der Uni zusam­men­zu­ar­bei­ten. Und das hat auch geklappt. Man hat mir einen Lehr­auf­trag gege­ben. Ich bil­de jetzt ange­hen­de Leh­re­rin­nen und Leh­rer aus. Drei Stu­den­tin­nen aus die­ser Grup­pe betreu­en hier an der Schu­le die Lerngruppen. 

Was lernen die bei Ihnen?

Sie ler­nen vor allem, dass man in zwei Minu­ten eine Geschich­te erzäh­len kann. Sie müs­sen es in der kur­zen Zeit schaf­fen, ein Lied zu sin­gen, ein Gedicht auf­zu­sa­gen oder einen For­schungs­be­richt abzu­ge­ben. Und sie ler­nen, wie man Bei­trä­ge schneidet. 

Und die Kinder?

Ihre Moti­va­ti­on soll sein: Wir kön­nen am Wochen­en­de Papa, Mama, Onkel, Tan­te, Oma und Uroma vor­füh­ren, was wir in die­ser Woche gelernt haben. 

Wie entsteht denn das Programm?

Es gibt einen Mor­gen­kreis, da wird über­legt: Was machen wir heu­te? Und es gibt viel freie Lern­zeit. Es soll also nicht eine Stun­de geben, wo Radio gemacht wird. Das Radio soll den gan­zen Tag dabei sein. 

Gibt es denn Vorgaben, wie so eine Sendung aussehen muss?

Die Grup­pen haben ihrem Radio eige­ne Namen gege­ben. Es gibt zum Bei­spiel den Rudel­funk, das Radio der Wöl­fe. Jede Sen­dung ist 10 bis 15 Minu­ten lang. Und sie hat ein Gerüst. Einen Trai­ler, einen Vor­spann und einen Abspann. Ins­ge­samt gibt es fünf Ele­men­te. Erst kom­men die Rudel­funk-Nach­rich­ten. Dann kommt die For­scher­zeit, dann die Geschich­ten­zeit, und am Ende noch eine Witzecke. 

Jede Lerngruppe macht ihre eigenen Inhalte? 

Genau. Nur ein Ele­ment kommt in jeder Sen­dung vor. Das ist die Lese­ge­schich­te. Das ist sozu­sa­gen der Tat­ort. Den schau­en vie­le sonn­tags ja nur, damit sie mon­tags mit­re­den kön­nen. So ist das auch auf dem Schul­hof: Alle haben im Radio die glei­che Geschich­te gehört. Das ist das ver­bin­den­de Element. 

Was sind die übrigen Elemente?

Das kön­nen ganz ver­schie­de­ne Inhal­te sein. Zum Bei­spiel ein Bericht über eine Müll­sam­mel­ak­ti­on auf dem Schul­hof. Da gibt es Kin­der, die zu so etwas gar kei­nen Zugang haben. Denen kann man sagen: Du machst dar­über eine Repor­ta­ge. So erreicht man oft auch die Kin­der, die nicht so leicht zu bän­di­gen sind. 

Sie meinen Kinder, denen das Lernen schwerer fällt? 

Ja. Vie­le Kin­der in den Lern­grup­pen haben einen För­der­be­darf. Und wir haben fest­ge­stellt, dass die­se Kin­der bei den Radio­bei­trä­gen stark über­re­prä­sen­tiert sind.

Wie erklären Sie sich das?

Es gibt zum Bei­spiel Kin­der, die Pro­ble­me mit dem Lesen und Schrei­ben haben. Die haben teil­wei­se eine ande­re Art gefun­den, sich aus­zu­drü­cken. Wir hat­ten ein Kind dabei, das im Lock­down ein gan­zes Buch geschrie­ben hat – einen Sci­ence-Fic­tion-Roman von 250 Sei­ten, den es dann auch bei einem Ver­lag ein­ge­reicht hat. In einer Lern­grup­pe mei­ner Frau war ein Kind, das gera­de aus Tsche­chi­en gekom­men war und noch kein Wort Deutsch sprach. Ein hal­bes Jahr spä­ter hat der Jun­ge dann in andert­halb Minu­ten erklärt, wie eine Wind­kraft­an­la­ge funk­tio­niert. Er hat das ver­gli­chen mit einem Dyna­mo am Fahr­rad, auf Deutsch. Das war rich­tig anrüh­rend. Mich hat das sehr beeindruckt. 

Wie gelingt es Ihnen denn, alle Kinder gleichmäßig an dem Radioprogramm zu beteiligen? 

Das ergibt sich meis­tens ganz von selbst. Im Mor­gen­kreis zum Bei­spiel mode­riert jedes Kind mal. 

Wissen die Kinder, wie so etwas geht? Also hören die selbst Radio? 

Es gibt Kin­der, die sehr tech­ni­kaf­fin sind, aber ich wür­de sagen: Radio hören sie eher weniger. 

Warum nennen Sie das, was Sie machen, nicht einfach Podcast? Trifft es das nicht auch eher?

Das stimmt. Eigent­lich machen wir einen Pod­cast. Aber wir haben fest­ge­stellt: Das Radio hat einen Zau­ber. Das haben wir vor einer Woche noch gese­hen, als ich den Kin­dern vor­ge­stellt habe, was wir vor­ha­ben. Da habe ich als Ers­tes ein Bild von der Sen­dung mit der Maus gezeigt, die es ja auch als Radio gibt. Und da waren sofort alle dabei. 

Haben Sie sich für Ihr Projekt ein Ziel gesetzt?

Mei­ne Frau, die ja hier Leh­re­rin ist, sagt immer: Das Wich­tigs­te, was die Kin­der ler­nen sol­len, ist die Lust am Ler­nen. Ich fin­de, dass die­ses Medi­um unglaub­li­che Lust dar­auf machen kann. (rhe)

Korrekturen

Ach ja, Zah­len und Jour­na­lis­mus. Das ist ein The­ma, über das man ein gan­zes Buch schrei­ben könn­te (die­ses zum Bei­spiel). Im RUMS-Brief vom ver­gan­ge­nen Frei­tag haben wir gleich zwei Zah­len­feh­ler gemacht. Feh­ler 1: In Kurz und Klein mel­de­ten wir, allein im Som­mer­ge­schäft wür­den 100.000 bis 150.000 Flü­ge am Flug­ha­fen Müns­ter-Osna­brück abge­fer­tigt. Das ist viel zu viel. Tat­säch­lich star­ten und lan­den 35.000 Flü­ge pro Jahr am FMO. Und die 100.000 bis 150.000 bezo­gen sich auf die Flug­gäs­te, die im Som­mer vom FMO abrei­sen. Feh­ler 2: Im Coro­na-Update schrie­ben wir, es hät­ten sich schon sie­ben Mil­lio­nen Münsteraner:innen vier­mal gegen das Coro­na­vi­rus imp­fen las­sen. Sie sehen es sofort: Da war ein Tacken Wunsch­den­ken zu viel dabei. Die sie­ben Mil­lio­nen bezo­gen sich natür­lich auf die bun­des­wei­ten Imp­fun­gen. Wir haben bei­des kor­ri­giert. (sfo)

Corona-Update

+++ Die Stadt mel­det heu­te 235 Neu­in­fek­tio­nen mit dem Coro­na­vi­rus in den letz­ten 24 Stun­den. Laut Robert-Koch-Insti­tut liegt die offi­zi­el­le Wochen­in­zi­denz in Müns­ter bei 377,4 Anste­ckun­gen pro 100.000 Einwohner:innen in den letz­ten sie­ben Tagen. 1.698 Men­schen in der Stadt gel­ten als nach­weis­lich infiziert.

+++ Laut Divi-Inten­siv­re­gis­ter lie­gen aktu­ell kei­ne Men­schen auf der Inten­siv­sta­ti­on in Münster. 

+++ Ges­tern ist laut der Stadt ein Mensch mit oder an einer Coro­na-Infek­ti­on gestor­ben. (ast)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Der Zoo und das Natur­kun­de­mu­se­um bekom­men ein neu­es digi­ta­les Park­raum­kon­zept. (Alles Müns­ter)

+++ In Kin­der­haus soll ein neu­es Bau­ge­biet mit 195 neu­en Woh­nun­gen ent­ste­hen. (Stadt Müns­ter)

+++ Die CDU-Frak­ti­on will die Bau­stan­dards sen­ken, falls das Stadt­haus 4 gebaut wird. (CDU-Frak­ti­on Müns­ter)

+++ Das Men­sa­es­sen ist in Müns­ter teu­rer gewor­den, Wohn­heim­mie­ten wer­den es viel­leicht auch. (Lokal­zeit Müns­ter­land)

+++ Die Aus­sich­ten für die Kar­tof­fel-, Mais- und Zucker­rü­ben-Ern­te sind wegen der Dür­re nicht gut. (West­fa­len­spie­gel)

+++ Die Wohn- und Stadt­bau ver­klagt den Kran­be­set­zer auf Scha­dens­er­satz. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ In Coer­de ist ein Auto in ein Tank­stel­len­ge­bäu­de gefah­ren. (Poli­zei Müns­ter)

+++ Um Müns­ters Part­ner­stadt Rja­san bren­nen die Wäl­der. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

Unbezahlte Werbung

Von einer RUMS-Lese­rin habe ich kürz­lich den Tipp bekom­men, mal bei Chris­ti­ans An- und Ver­kauf an der Ham­mer Stra­ße 56 vor­bei­zu­schau­en. Heu­te Mor­gen habe ich dem Trö­del­la­den einen Besuch abge­stat­tet und war genau­so begeis­tert wie unse­re Lese­rin. Wie auf einem klei­nen Floh­markt kann man dort ein paar Run­den dre­hen und vie­le Klei­nig­kei­ten ent­de­cken, von Tee­kes­seln, Plat­ten­spie­lern und Kin­der­bü­chern bis hin zu Lego-Ein­zel­tei­len und Werk­zeug, alles zu sehr guten Prei­sen. Wer kann, soll­te für einen Besuch ein wenig Zeit mit­brin­gen, um zu stö­bern, zu kra­men – und beim Anblick von Play­mo­bil und Omas Geschirr ein biss­chen nost­al­gisch zu wer­den. (vpe)

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen

Einen Tipp – unse­re Ver­an­stal­tung am Don­ners­tag­abend – haben wir Ihnen ja oben schon vor­ge­stellt. Vik­to­ria Pehl­ke hat sich ange­schaut, was noch los ist:

+++ Wenn Sie die Tra­fo­sta­ti­on ken­nen­ler­nen möch­ten, gehen Sie doch am Sams­tag bei ihrem Pop-Up-Fes­ti­val vor­bei. Zwi­schen 15 und 18 Uhr gibt es in dem Kul­tur­zen­trum an der Schlaun­stra­ße Musik, eine Aus­stel­lung und Essen von Elbēn.

+++ Am Frei­tag fin­det in der Chir­ur­gie der Uni­kli­nik Müns­ter die lan­ge Nacht der Robo­tik statt. Zwi­schen 16 und 22 Uhr stel­len Expert:innen im Hör­saal in der Wal­dey­er­stra­ße 1 die Tech­no­lo­gie vor. Das Pro­gramm ist auch für Fami­li­en mit Kin­dern gedacht.

+++ Das Pla­ne­ta­ri­um hat eine neue Show im Pro­gramm: „Big Astro­no­my“ zeigt neben Tele­sko­pen und Maschi­nen auch die Men­schen, die hin­ter der Tech­nik und For­schung im All ste­cken. Beginn der ers­ten Vor­stel­lung ist am Frei­tag um 18 Uhr. Tickets bekom­men Sie online.

+++ Am Frei­tag eröff­net im Cuba an der Ach­ter­mann­stra­ße 10 bis 12 die Aus­stel­lung Sleep later von Katha­ri­na Kneip. Die Künst­le­rin beschäf­tigt sich in Tex­ten, Zeich­nun­gen und Col­la­gen mit dem ambi­va­len­ten Ver­hält­nis von Selbst­dis­zi­plin zu Här­te und Unge­duld mit sich selbst. Die Aus­stel­lung bleibt bis zum 30. Sep­tem­ber geöffnet. 

+++ In der Vil­la ten Hom­pel fin­det am Sonn­tag wie­der eine öffent­li­che Füh­rung durch die Dau­er­aus­stel­lung statt. In „Geschich­te – Gewalt – Gewis­sen“ geht es um die Geschich­te des Hau­ses wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs und in der Nach­kriegs­zeit. Die Füh­rung star­tet um 15 Uhr. 

+++ Ein The­men­abend im Stadt­ar­chiv beschäf­tigt sich am Don­ners­tag mit der Fra­ge, wie man mit Online-Ahnen­for­schung der eige­nen Fami­li­en­ge­schich­te nach­ge­hen kann. Der Fami­li­en­for­scher Vol­ker Wilm­sen hält dar­über einen Vor­trag, der ab 18 Uhr auch online live über­tra­gen wird.

+++ Bevor der Lyrik­kel­ler der Bau­stel­le an der Bre­mer Stra­ße wei­chen muss, öff­net er am Sams­tag noch ein letz­tes Mal. Sie kön­nen Musi­ke­rin Mori­na Micon­net und Lyri­ker Andi­Sub­stanz hören, Ein­lass ist ab 19 Uhr. 

+++ Heu­te ist Wirt­schafts­mi­nis­ter Robert Habeck (Grü­ne) zusam­men mit Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz (SPD) in Kana­da. Am Don­ners­tag­abend wird er beim West­fä­li­schen Wirt­schafts­tag in Müns­ter spre­chen. Falls Sie sich die Rede anse­hen möch­ten: Die Wirt­schaft­li­che Gesell­schaft für West­fa­len und Lip­pe über­trägt den Auf­tritt ab 18:30 Uhr via Live­stream. (Kor­rek­tur­hin­weis: Wir hat­ten die Ver­an­stal­tung irr­tüm­lich für Frei­tag ange­kün­digt. Wir haben das korrigiert.)

Am Frei­tag schreibt Ihnen Sebas­ti­an Fob­be. Haben Sie eine gute Woche. 

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Sebas­ti­an Fob­be, Con­stan­ze Busch, Jan Gro­ße Nobis, Anto­nia Strot­mann
Lek­to­rat: Anto­nia Strotmann

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PS

Wenn Sie bei Goog­le ein­ge­ben „Wel­pen Müns­ter“, dann fin­den Sie im Moment bei Ebay Klein­an­zei­gen einen Labra­dood­le aus Grem­men­dorf für 2.400 Euro, einen Mal­ti­poo-Wel­pen aus der Innen­stadt für 1.900 Euro (Spitz­na­me Midd­le) oder den Rau­haar­da­ckel Zau­sel für 61,99 Euro. Der ist aller­dings aus Stoff. Kauf­land hat zwi­schen die Ange­bo­te eine Anzei­ge geschal­tet. Und damit sind wir bei der Poli­zei, die auf den Ver­such, jun­ge Hun­de zu ver­kau­fen, jetzt mit einer Anzei­ge reagiert hat, aller­dings mit einer Straf­an­zei­ge. In Coer­de haben drei Män­ner offen­bar ille­gal mit Wel­pen gehan­delt. Dass die Poli­zei davon erfuhr, haben die Män­ner sich selbst zuzu­schrei­ben, denn anschei­nend waren sie so raff­gie­rig, dass sie die Tie­re hun­gern lie­ßen. Nach der Dar­stel­lung der Poli­zei eska­lier­te ein Streit über den Zustand eines Hun­des in der Öffent­lich­keit. Zeit­gleich gab jemand in einer Tier­arzt­pra­xis am Wien­burg­park einen Wel­pen ab, der so stark unter­ernährt war, dass er ein­ge­schlä­fert wer­den muss­te. Die Poli­zei zähl­te eins und eins zusam­men, kam auf zwei. Und dann war da auch noch die Idee, nach Coer­de zu fah­ren. In der Poli­zei­mel­dung steht: „Sie tra­fen auf zwei Män­ner, die jeweils einen Wel­pen auf dem Arm hiel­ten.“ Dann schmol­zen sie dahin. Das stand so nicht in der Poli­zei­mel­dung, hät­te aber, wenn man sich die Bil­der anschaut, durch­aus pas­sie­ren können.