Wie viel kostet das 29-Euro-Ticket? | Reportage: Ein Abend auf der Jüdefelder Straße | Energiepreise: Was Sie jetzt wissen müssen 

Müns­ter, 22. Novem­ber 2022

Guten Tag,

vor einer Woche kam aus dem Rat­haus die Nach­richt, dass Müns­ter ein 29-Euro-Ticket bekom­men wird, mit dem man über­all in der Stadt Bus fah­ren kann, solan­ge man möch­te, viel­leicht sogar über­all in West­fa­len, so hieß es. Sie­ben Mil­lio­nen Euro soll das Ticket kos­ten, über vier Jah­re ver­teilt, das hat­te das Rat­haus­bünd­nis aus Grü­nen, SPD und Volt sich von den Stadt­wer­ken aus­rech­nen las­sen. Eine Woche spä­ter lie­gen eini­ge wei­te­re Zah­len auf dem Tisch, und oben drü­ber steht die Fra­ge: Was ist da denn schiefgelaufen? 

Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten schrie­ben am Frei­tag, die Stadt­wer­ke hät­ten Kos­ten von 14 Mil­lio­nen Euro „rea­lis­tisch“ genannt, also die­sel­ben Stadt­wer­ke, die vor­her die sie­ben Mil­lio­nen bestä­tigt hat­ten. Aber was sagen die Stadt­wer­ke selbst? 

Dort heißt es, man habe die Kos­ten über­schla­gen und die Zahl 2,8 Mil­lio­nen Euro pro Jahr her­aus­ge­ge­ben. Danach wür­de das Ticket 11,2 Mil­lio­nen pro Jahr kos­ten. Sind Sie noch dabei? 

Viel­leicht machen wir hier mit einem Witz wei­ter. Ein His­to­ri­ker, eine Sta­tis­ti­ke­rin und ein Poli­ti­ker sol­len in einem Vor­stel­lungs­ge­spräch die Fra­ge beant­wor­ten: Wie viel ist eins plus eins? 

Der His­to­ri­ker über­legt eine Wei­le und sagt: „Nach unse­ren Erfah­run­gen in der Ver­gan­gen­heit kön­nen wir davon aus­ge­hen, dass eins plus eins zwei ist.“

Die Sta­tis­ti­ke­rin sagt: „Mit einer Wahr­schein­lich­keit von 99 Pro­zent ist das Ergeb­nis zwei.“ 

Der Poli­ti­ker lässt erst mal die Vor­hän­ge her­un­ter, schal­tet das Licht aus und flüs­tert: „Wie viel soll es denn sein?“

Reden wir also nicht lan­ge drum­her­um: Hin­ter den Zah­len aus dem Bünd­nis steht dem Ein­druck nach das Inter­es­se, das Ticket mög­lichst güns­tig zu rech­nen. Hin­ter den Zah­len aus der Zei­tung darf man die Absicht ver­mu­ten, es mög­lichst teu­er erschei­nen zu lassen. 

Die Stadt­wer­ke spre­chen inzwi­schen von Kos­ten zwi­schen 2,8 und 3,5 Mil­lio­nen Euro pro Jahr, denn es gibt eini­ge Unwäg­bar­kei­ten – auf vier Jah­re gerech­net läge der Betrag also irgend­wo zwi­schen knapp über 11 und 14 Mil­lio­nen Euro. Es hört gleich auf mit den Zah­len. Aber erst müs­sen wir noch klä­ren, wie man auf 7 Mil­lio­nen kommt. 

Das Bünd­nis geht davon aus, dass man im ers­ten Jahr nur drei Vier­tel des Gel­des braucht, denn das Ticket kommt nicht gleich zum 1. Janu­ar. Eine wei­te­re Annah­me ist, dass man dann Jahr für Jahr 20 Pro­zent weni­ger Zuschüs­se benö­tigt. So kommt man nach vier Jah­ren auf 7,57 Mil­lio­nen. Und wenn man das groß­zü­gig abrun­det, ist man bei 7 Mil­lio­nen Euro. 

Tat­säch­lich lässt sich kaum sagen, wie vie­le Mil­lio­nen es am Ende sein wer­den, denn das hängt von den Men­schen ab, die Fahr­kar­ten kaufen. 

Das Job­ti­cket der Stadt­wer­ke zum Bei­spiel kos­tet 39 Euro. In Zukunft hät­ten Men­schen mit Job­ti­cket die Wahl: Kau­fen sie für zehn Euro mehr das 49-Euro-Ticket von Bund und Land, das in ganz Deutsch­land gilt? Oder geben sie zehn Euro weni­ger für das Abo der Stadt­wer­ke aus, mit dem man nur in Müns­ter fah­ren kann. Wobei auch das noch nicht feststeht. 

Das Rat­haus­bünd­nis hofft, für 29 Euro ein Ticket anbie­ten zu kön­nen, das in der gan­zen Regi­on gül­tig ist oder sogar in ganz West­fa­len. Im Nach­hin­ein könn­te sich nun her­aus­stel­len, dass es bes­ser gewe­sen wäre, das vor der Ankün­di­gung erst ein­mal zu klären. 

Dann hät­ten Stadt und Regi­on das Ticket als gemein­sa­men poli­ti­schen Erfolg ver­kau­fen kön­nen. So aber könn­te es aus­se­hen, als müss­ten die schwar­zen Land­rä­te aus dem Umland auf den grün-rot-vio­let­ten Bus aus Müns­ter auf­sprin­gen. Und um her­aus­zu­fin­den, wie schwer es sein wird, sich da einig zu wer­den, muss man im Prin­zip nur eins und eins zusam­men­zäh­len. (rhe)

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Kurz und Klein

+++ Seit ges­tern sind die sechs Weih­nachts­märk­te in der Innen­stadt geöff­net. In die­sem Jahr gel­ten zwar kei­ne Coro­na-Ein­schrän­kun­gen mehr, aller­dings ist wegen der Ener­gie­kri­se doch eini­ges anders als in den Jah­ren zuvor. Die Märk­te öff­nen eine Stun­de spä­ter als sonst (Mon­tag bis Don­ners­tag um 12 Uhr, Frei­tag bis Sonn­tag um 11 Uhr) und die Beleuch­tung wird spä­ter ein­ge­schal­tet. An der Lam­ber­ti-Tan­ne hängt kei­ne 400 Meter lan­ge Lich­ter­ket­te, in die­sem Jahr ist sie „nur“ 250 Meter lang. Auch der Glüh­wein wird teu­rer: Wie Anten­ne Müns­ter berich­tet, kos­tet eine Tas­se vier Euro, der Tas­sen­pfand steigt auf drei Euro. Der Weih­nachts­markt am Har­se­win­kel­platz plant immer­hin, bei den alten Prei­sen zu blei­ben. Dort kos­tet der Glüh­wein wei­ter­hin drei Euro. Am 23. Dezem­ber schlie­ßen die Weih­nachts­märk­te in Müns­ter, an der Lam­ber­ti­kir­che und der Über­was­ser­kir­che ist sogar schon einen Tag frü­her Schluss. (vpe)

+++ Und wie geht’s wei­ter am Gaso­me­ter? Das ist noch immer nicht ganz klar. Das Kol­lek­tiv, auf des­sen Schlüs­sel die Stadt­wer­ke wei­ter war­ten, schrieb vor drei Tagen bei Insta­gram: „Hal­lö­chen, uns gibt es noch!“ Dann führ­te die Grup­pe auf, was seit Ende Okto­ber so los ist, und was seit dem letz­ten Kon­takt zu den Stadt­wer­ken Anfang Novem­ber pas­siert ist. Also was? „Seit­dem war­ten wir. Nicht auf Godot, son­dern auf die Stadt­wer­ke.“ Bei­de Sei­ten war­ten also, irgend­wie. Etwas ist aber doch pas­siert. 3.000 Men­schen hät­ten die Peti­ti­on unter­schrie­ben, mit der das Kol­lek­tiv errei­chen möch­te, dass es blei­ben kann, schreibt die Grup­pe. Damit ist das Quo­rum erreicht, also die Mar­ke, ab der eine Stel­lung­nah­me ein­ge­holt wird. Und es ist noch etwas pas­siert. Wir haben die Stadt­wer­ke gefragt, ob es inzwi­schen einen Ter­min für das Tref­fen gibt. Ja, gibt es. Anfang Dezem­ber. Dann wird man dar­über spre­chen, was mit dem Schlüs­sel für das Gaso­me­ter-Gelän­de pas­siert. Bis dahin geht das War­ten jetzt wei­ter. (rhe)

+++ Vor drei Jah­ren fuh­ren die Bus­se an den Advents­sams­ta­gen kos­ten­los durch die Stadt. War­um eigent­lich in die­sem Jahr nicht? Oder war­um nicht wenigs­tens an den letz­ten bei­den Advents­sams­ta­gen? „Die dafür not­wen­di­gen rund 200.000 Euro wären, in Kom­bi­na­ti­on mit einem 5-minü­ti­gen Shut­tle-Bus vom Park­haus Coes­fel­der Kreuz, gut inves­tier­tes Geld und zudem für Müns­ter eine gute Wer­bung“, schreibt Rüdi­ger Sagel in einer Pres­se­mit­tei­lung des Ver­bands Natur­freun­de Müns­ter. Die Ant­wort der Stadt­wer­ke auf die Fra­gen, war­um das denn nicht pas­siert, klingt wenig eupho­risch. Das Gan­ze sei ein poli­ti­scher Beschluss gewe­sen, das Geld sei aus dem Haus­halt gekom­men. So etwas jetzt noch zu ver­ein­ba­ren, wäre arg kurz­fris­tig, auch weil ohne­hin Per­so­nal fehlt, das die Bus­se fah­ren könn­te. Das größ­te Hin­der­nis aber dürf­te sein: Das Rat­haus­bünd­nis will das kos­ten­lo­se Ange­bot gar nicht, denn die Shut­tle-Bus­se vom Coes­fel­der Kreuz zum Bei­spiel bräch­ten Men­schen in die Stadt, die zuvor den Groß­teil des Weges mit dem Auto zurück­ge­legt haben. Kli­ma­po­li­tisch wäre das also kei­ne gute Inves­ti­ti­on, heißt es von den Grü­nen. Aller­dings: Das Park­haus am Coes­fel­der Kreuz öff­net auch in die­sem Jahr für Men­schen, die dann mit dem Bus in die Stadt fah­ren möch­ten. Par­ken und Bus­fahrt kos­ten dann für fünf Per­so­nen fünf Euro. (rhe)


Zahlen, bitte. 

Der Anwoh­ner­park­aus­weis in Müns­ter ist ver­gleichs­wei­se bil­lig. Kei­ne fünf Cent zah­len Men­schen mit Auto am Tag für den Aus­weis, aufs Jahr gerech­net kom­men sie auf 17 Euro. Zum Ver­gleich: In Zürich zah­len Par­ken­de umge­rech­net 272 Euro pro Jahr, in Frei­burg müs­sen sie 360 Euro aus­ge­ben, in Ams­ter­dam 535 Euro und in Stock­holm sogar 827 Euro.

Quel­len: Stadt Müns­ter, Stadt Frei­burg, taz

Wie es weiterging – in Münsters Kitas

Wir haben es im RUMS-Brief vom 16. August geschrie­ben: Den Kitas in Müns­ter fehlt Per­so­nal. Drei Mona­te spä­ter hat sich die Situa­ti­on nicht ver­bes­sert – im Gegen­teil. Immer mehr Erzieher:innen kün­di­gen, weil die Belas­tung zu hoch ist. Und die Pro­gno­sen sind noch schlech­ter: Eine neue Stu­die der Ber­tels­mann Stif­tung rech­net im Jahr 2023 mit rund 384.000 feh­len­den Kita-Plät­zen, weil das Per­so­nal knapp ist. 

Die Erzieher:innen leiden

Kirs­ten Bücker-Enking ist seit vie­len Jah­ren mit Herz Lei­te­rin einer Kita in Eltern­trä­ger­schaft in Hil­trup. In ihrer Kita gibt es drei Grup­pen, in denen sich zehn Fach­kräf­te um knapp 50 Kin­der küm­mern: acht in Teil­zeit, zwei in Voll­zeit. Ab Janu­ar arbei­tet nur noch eine Fach­kraft in Voll­zeit. In letz­ter Zeit fal­le fast jede Woche jemand krank­heits­be­dingt aus, sagt Kirs­ten Bücker-Enking. Und Urlaub kom­me noch hin­zu. Dadurch stei­ge die Belas­tung für die übri­gen Fach­kräf­te. Wie sie die hal­ten soll, weiß Kirs­ten Bücker-Enking nicht: „Kaum einer geht noch gern zur Arbeit, weil man nicht weiß, wel­che Kata­stro­phe als Nächs­tes kommt.“

In der Kita unter den Eichen in Meck­len­beck sieht es noch nicht ganz so schlimm aus. Dort „geht es so gera­de noch“, sagt uns Erzie­he­rin Moni­ka Bad­de. Es gebe zwar kei­nen Tag mehr, an dem alle Fach­kräf­te anwe­send sind, aber die Kita könn­te noch plan­mä­ßig öffnen.

Die Eltern leiden

Wenn zu viel Per­so­nal aus­fällt und die übri­gen Fach­kräf­te die Betreu­ung der Kin­der nicht mehr gewähr­leis­ten kön­nen, kommt es zu Schließ­ta­gen – trotz Rechts­an­spruch auf Betreu­ung. In der Kita Schatz­kis­te in Grem­men­dorf feh­len sechs Erzieher:innen außer­plan­mä­ßig, drei wei­te­re haben gekün­digt. Des­halb hat die Kita in den letz­ten vier Wochen jedem Kind fünf Schließ­ta­ge zuge­lost. Wei­te­re sol­len hin­zu­kom­men, sagt uns Katha­ri­na Ste­ge­mann, die ihre bei­den Söh­ne in die Kita Schatz­kis­te schickt. Ter­mi­ne unter­ein­an­der zu tau­schen, ist erlaubt, aber auch nötig, wenn Geschwis­ter­kin­der teil­wei­se unter­schied­li­che Schließ­ta­ge bekom­men. Die­ser Zustand sei schon für berufs­tä­ti­ge Eltern eine Zumu­tung. Aber allein­er­zie­hen­de Berufs­tä­ti­ge müss­ten irgend­wann um ihren Job ban­gen, wenn sie wegen ihres Kin­des so oft fehl­ten, sagt Katha­ri­na Ste­ge­mann. Den für die Betreu­ung gezahl­ten Eltern­bei­trag erhält sie übri­gens nicht zurück.

Die Kinder leiden

Ach ja, da sind ja auch noch die Kin­der. Die sind natür­lich auch direkt betrof­fen. Wenn in der Kita in Hil­trup wie­der unge­plant Per­so­nal aus­fällt, müs­sen Grup­pen zusam­men­ge­legt wer­den, sagt Kirs­ten Bücker-Enking. Aber auch dann könn­ten die rest­li­chen Fach­kräf­te die Kin­der nicht mehr so betreu­en, wie sie eigent­lich woll­ten. Sie bräuch­te eigent­lich zwei wei­te­re Voll­zeit­kräf­te. Und auch wenn die Kita unter den Eichen in Meck­len­beck den All­tag noch eini­ger­ma­ßen stem­men kann, die gesetz­lich gere­gel­ten päd­ago­gi­schen Auf­ga­ben und die Bil­dungs­ar­beit der Fach­kräf­te blie­ben schon jetzt auf der Stre­cke und das berei­te Erzie­he­rin Moni­ka Bad­de Sorgen. 

Und die Politik?

Müns­ters Rats­bünd­nis hat am Diens­tag die Ergeb­nis­se der Etat­ver­hand­lun­gen vor­ge­stellt. Dabei berück­sich­tig­ten sie auch den Per­so­nal­man­gel in den Kitas. Leon Herbst­mann von den Grü­nen hat mit uns über zwei Maß­nah­men zur Ent­las­tung der Fach­kräf­te gesprochen: 

Ers­tens soll es ein jähr­li­ches Super­vi­si­ons­an­ge­bot für die Ein­rich­tun­gen geben. Das soll das Team­ge­fühl stär­ken, die Fach­kräf­te ermu­ti­gen, offen über die Eng­päs­se zu spre­chen, und sie an ihre Ein­rich­tun­gen binden. 

Zwei­tens, und hier han­delt es sich um die teu­re­re Maß­nah­me, soll das Jugend­amt eine Koor­di­nie­rungs­stel­le „Fach­kräf­te“ ein­stel­len, die zwi­schen allen Betrof­fe­nen koor­di­niert, Betreu­ungs­an­ge­bot und -nach­fra­ge über­wacht sowie in Schu­len und bei Quereinsteiger:innen für das Berufs­feld der Erzieher:innen wirbt. Außer­dem soll sie prü­fen, ob nach den städ­ti­schen Kitas auch freie Trä­ger aus­län­di­sche Fach­kräf­te anwer­ben können. 

Am 1. Dezem­ber ent­schei­det der Aus­schuss für Kin­der, Jugend­li­che und Fami­li­en dar­über. Erst dann lie­gen genaue Details vor. (ast)


Die Reportage 

Seit Okto­ber gibt es in Müns­ter zwei Men­schen, die sich immer dann küm­mern, wenn es Ärger gibt zwi­schen denen, die fei­ern wol­len, und denen, die das ertra­gen müs­sen. Lisa Marie Tubies und Manu­el Roja­no Marin sind seit Okto­ber Nacht­bür­ger­meis­te­rin und Nacht­bür­ger­meis­ter. Sie ver­mit­teln und hel­fen wei­ter, damit alle irgend­wie mit­ein­an­der aus­kom­men. Flo­ri­an Bay­er von der Repor­ta­ge­schu­le Reut­lin­gen hat die bei­den zum Inter­view getrof­fen. Es ging um die 170 Meter zwi­schen David­wa­che und Destil­le, Cor­nern am Han­sa­ring, den Ärger mit K.-o.-Tropfen und um das, was Müns­ters Nacht­le­ben fehlt. Um sich selbst ein Bild zu machen, hat Flo­ri­an Bay­er einen gan­zen Abend in der Jüde­fel­d­er­stra­ße ver­bracht. Er hat mit Men­schen gespro­chen, die dort woh­nen, auch mit einer Fami­lie, die dort einen Kiosk betreibt. Das hier ist Flo­ri­an Bay­ers Repor­ta­ge. Und hier geht es zum Inter­view.

Neues Jahr, neue Energiepreise – nur welche?

Die Stadt­wer­ke infor­mie­ren ihre Kund:innen gera­de über die Preis­an­pas­sun­gen: Strom, Gas und Wär­me wer­den 2023 wie­der teu­rer. Die Bun­des­re­gie­rung hat aller­dings ande­re Plä­ne. Wie geht es also wei­ter mit den Ener­gie­prei­sen? Sie­ben Nach­rich­ten für einen Überblick:

+++ Fan­gen wir mit der bes­ten der sie­ben Nach­rich­ten an: Der Bund über­nimmt die­ses Jahr den Dezem­ber­ab­schlag für Gas und Wär­me, so hat es der Bun­des­tag im drit­ten Ent­las­tungs­pa­ket beschlos­sen. Und was muss man machen, um von die­ser Sofort­hil­fe zu pro­fi­tie­ren? Nichts, schrei­ben die Stadt­wer­ke in einer Pres­se­mit­tei­lung. Das geht alles automatisch.

+++ Jetzt aber zum Schlech­te-Lau­ne-Teil: Nächs­tes Jahr wer­den Strom und Gas teu­rer, wie­der ein­mal. Die Stadt­wer­ke erhö­hen die Prei­se für Gas um mehr als 320 Euro pro Jahr (bei einem Gesamt­ver­brauch von 15.400 Kilo­watt­stun­den) und für Strom um 130 Euro im Jahr (bei 1.800 Kilo­watt­stun­den Jahresverbrauch).

+++ Stopp mal, war da nicht was? Heu­te Vor­mit­tag hat Spie­gel Online gemel­det, dass die Gas- und Strom­preis­brem­se schon rück­wir­kend ab Janu­ar gel­ten sol­len. So steht es zumin­dest in einem Gesetz­ent­wurf des Bundeswirtschaftsministeriums.

+++ War’s das also mit den Preis­er­hö­hun­gen? Nicht ganz. Stadt­wer­ke-Spre­che­rin Lisa Schme­es sagt, den Plan, die Ener­gie­preis­brem­se vor­zu­zie­hen, habe man „erstaunt“ zur Kennt­nis genom­men, aller­dings „nicht im posi­ti­ven Sin­ne“. Das Pro­blem ist laut Schme­es, dass der Bun­des­tag erst am 16. Dezem­ber über das Gesetz abstim­men soll. Damit hät­ten die Stadt­wer­ke nur neun Werk­ta­ge Zeit, das gesam­te Tarif­sys­tem tech­nisch und orga­ni­sa­to­risch umzu­stel­len. „Das ist aber nicht mach­bar“, sagt Schmees.

+++ Was wäre die Alter­na­ti­ve? Lisa Schme­es ant­wor­tet, der Dezem­ber­ab­schlag könn­te ein Vor­bild sein. Die Umset­zung sei zwar auch „nicht tri­vi­al“, aber ein­fa­cher umzu­set­zen als die Ener­gie­preis­brem­sen. Ähn­lich äußer­te sich auch Kers­tin And­reae, die Vor­sit­zen­de des Bun­des­ver­bands für Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft, in einer Pres­se­mit­tei­lung Anfang November.

+++ Aus­sicht auf güns­ti­ge­re Prei­se gibt es abge­se­hen von den Ener­gie­preis­brem­sen kaum. Laut Ener­gie­mo­ni­tor von Zeit Online lie­gen die Gas- und Strom­prei­se für Neukund:innen zwar wie­der auf dem Niveau von 2021, aller­dings wird es dau­ern, bis sich das bei den Haus­hal­ten bemerk­bar machen könn­te. Lisa Schme­es sagt, dass die Prei­se für Ener­gie an den Beschaf­fungs­märk­ten stark schwan­ken. Am Spot­markt sei­en sie kürz­lich stark gefal­len, aller­dings kommt die­ser wegen des hohen Risi­kos für die Beschaf­fung nicht in Fra­ge. Die Stadt­wer­ke ori­en­tie­ren sich hin­ge­gen am Ter­min­markt, der län­ger­fris­ti­ge Preis­ent­wick­lun­gen abbildet.

+++ Fazit: „Zum Preis­ni­veau vor der Ener­gie­kri­se wer­den wir nicht zurück­kom­men“, sagt Lisa Schme­es. Nach dem Krieg in der Ukrai­ne wer­de wohl kaum jemand noch rus­si­sches Gas ein­kau­fen. An die hohen Ener­gie­prei­se müs­sen wir uns wohl gewöh­nen. (sfo)

Korrekturen

Im RUMS-Brief vom ver­gan­ge­nen Frei­tag sind wir mit den Jah­res­zah­len durch­ein­an­der gekom­men. Wir schrie­ben, dass die Stadt 2018 und 2019 je 6 Mil­lio­nen Euro für den offe­nen Ganz­tag zuschie­ßen muss­te, und dass das Defi­zit 2019 auf 7,5 Mil­lio­nen ange­wach­sen ist. Die letz­te Anga­be bezieht sich aber auf das Jahr 2020. Wir haben den Feh­ler kor­ri­giert. (sfo)

Corona-Update

+++ Wer Ange­hö­ri­ge im Alten­heim, in einer Pfle­ge­ein­rich­tung oder im Kran­ken­haus besucht, bekommt einen kos­ten­lo­sen Coro­na­test. Die­se Rege­lung galt bis­her und so soll es auch blei­ben, laut Tages­schau noch bis Ende Febru­ar. Auch Men­schen mit Behin­de­rung, deren Betreu­ungs­kräf­te und Men­schen, die sich aus der Iso­la­ti­on frei tes­ten müs­sen, bekom­men den Test im Test­zen­trum kos­ten­los. (vpe)

+++ Die Impf­pflicht für Beschäf­tig­te in medi­zi­ni­schen Beru­fen wird zum Ende des Jah­res ver­mut­lich aus­lau­fen. Ende 2021 hat­te der Bun­des­tag die­se Teil­impf­pflicht beschlos­sen. Wer kei­ne voll­stän­di­ge Coro­na­imp­fung vor­wei­sen kann, dem dro­hen ein Tätig­keits­ver­bot oder Buß­geld. Sofern kei­ne Ver­län­ge­rung beschlos­sen wird, läuft das Gesetz Ende des Jah­res aus. Medi­zi­nisch wird das Aus­lau­fen mit der Aus­brei­tung der Vari­an­te BQ.1.1 begrün­det. Der Sub­typ der Omi­kron-Vari­an­te sorgt dafür, dass mehr gene­se­ne und geimpf­te Per­so­nen an Coro­na erkran­ken – die Imp­fung schützt also weni­ger davor, das Virus auf ande­re zu über­tra­gen. Dar­um sei die Impf­pflicht für Gesund­heits­fach­kräf­te nicht mehr zu recht­fer­ti­gen. (vpe)

+++ Die Infek­ti­ons­zah­len sin­ken wei­ter. Seit ges­tern mel­de­te die Stadt 98 posi­ti­ve PCR-Tests in Müns­ter. Ins­ge­samt gel­ten 870 Men­schen als nach­weis­lich infi­ziert. Das Robert-Koch-Insti­tut errech­net eine Inzi­denz von 201 posi­ti­ven PCR-Tests pro 100.000 Men­schen in der ver­gan­ge­nen Woche. Laut Inten­siv­re­gis­ter lie­gen sechs Patient:innen mit Covid-19 auf der Inten­siv­sta­ti­on, drei Erkrank­te wer­den beatmet. (vpe)

Wir suchen Verstärkung für die RUMS-Redaktion

Lust auf Journalismus?*
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Arbei­ten in einem net­ten und enga­gier­ten Team, eigen­ver­ant­wort­lich recher­chie­ren, neue For­ma­te aus­pro­bie­ren und The­men anders erzäh­len als im klas­si­schen Lokal­jour­na­lis­mus – das und noch eine Men­ge mehr bie­ten wir bei RUMS.

Wir suchen für unser Redak­ti­ons­team ein:e Journalist:in mit mehr­jäh­ri­ger Erfah­rung und Lust, guten und span­nen­den Lokal­jour­na­lis­mus für Müns­ter vor­an­zu­brin­gen. Das klingt inter­es­sant für dich? Dann schrei­be uns gern eine E-Mail oder lei­te unser Ange­bot an Inter­es­sier­te in dei­nem Umfeld wei­ter. Wir freu­en uns auf dei­ne Nachricht.

Ein-Satz-Zentrale

+++ Haupt­bahn­hof I: Nach dem Tod eines mut­maß­li­chen Obdach­lo­sen in einer aus­ge­brann­ten Die­sel­lok for­dert Richard Micha­el Hal­ber­stadt von der Ord­nungs­part­ner­schaft Bahn­hof mehr Zäu­ne, Lam­pen und Über­wa­chung am Haupt­bahn­hof. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Haupt­bahn­hof II: Die Lin­ke kri­ti­siert die Vor­schlä­ge von Hal­ber­stadt als men­schen­feind­li­che Archi­tek­tur und schlägt vor, statt­des­sen etwas gegen die Woh­nungs­lo­sig­keit zu unter­neh­men. (Die Lin­ke)

+++ Von der Sei­te an der Ham­mer Stra­ße aus kommt man vor­über­ge­hend nicht mehr in den Süd­park, weil die Stadt den Park saniert. (Stadt Müns­ter)

+++ FDP-Frak­ti­ons­chef Jörg Berens hält ein kom­plett aus­ge­bau­tes Sta­di­on für nicht finan­zier­bar und will statt­des­sen nur die Ost- und West­tri­bü­ne neu bau­en las­sen. (FDP Müns­ter)

+++ An der Fach­hoch­schu­le Müns­ter kann man jetzt pro­mo­vie­ren. (FH Müns­ter)

+++ Bei der Cari­tas sind bis­lang 45.000 Euro von Men­schen aus dem Müns­ter­land ein­ge­gan­gen, die ihre Ener­gie­pau­scha­le gespen­det haben. (WDR)

Unbezahlte Werbung

Weih­nacht­li­che Gemüt­lich­keit hin oder her: Die vol­le Innen­stadt und ein­stel­li­ge Tem­pe­ra­tu­ren moti­vie­ren nicht unbe­dingt dazu, Ein­käu­fe zu erle­di­gen. Die Platt­form Onloc könn­te dafür eine Lösung sein. Sie bie­tet über tau­send Pro­duk­te von 20 Einzelhändler:innen aus Müns­ter an. Die Aus­wahl reicht von Gus­tav-Grün-Brot­auf­strich über Kin­der­bü­cher von der Buch­hand­lung Schatz­in­sel bis hin zu plas­tik­frei­en Dro­ge­rie­ar­ti­keln von Natür­lich Unver­packt. Der Online­shop befin­det sich noch in der Test­pha­se. Es lohnt sich also, Onloc im Blick zu behal­ten. Viel­leicht kom­men ja noch ein paar Geschäf­te dazu. 

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

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Drinnen und Draußen

Wie bekommt man die Zeit rum in der fuß­ball­frei­en Bun­des­li­ga­pau­se? Vik­to­ria Pehl­ke hat für Sie in den Kalen­der geschaut. Das hier sind ihre Empfehlungen: 

+++ Die Jour­na­lis­tin Gil­da Sahe­bi schreibt täg­lich auf Twit­ter und Insta­gram über die Pro­test­ent­wick­lung im Iran. Über enge Kon­tak­te trägt sie Infor­ma­tio­nen wei­ter, die aus dem Iran wegen Sper­run­gen des Inter­nets sonst nicht an die Öffent­lich­keit gelan­gen wür­den. Gemein­sam mit ande­ren Expert:innen nimmt sie an einer Debat­te zu den Frau­en­pro­tes­ten des Ver­eins Debat­te Müns­ter teil. Die Ver­an­stal­tung fin­det am Don­ners­tag um 20 Uhr digi­tal über Zoom statt. Die Zugangs­da­ten bekom­men Sie nach einer Anmel­dung per E-Mail.

+++ Bis Ende des Jah­res ist das für eini­ge Wochen leer­ste­hen­de Laden­lo­kal am Prin­zi­palmarkt 41 der „Urban Club P41”. Dort fin­den Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen und Dis­kus­sio­nen stattt, bei denen es um das The­ma Urba­ni­tät geht. Am Frei­tag beginnt um 19 Uhr eine Gesprächs­rei­he der Grup­pe, die in Müns­ter die Ideen­kon­fe­renz TEDx­Müns­ter ver­an­stal­tet. Um 19 Uhr geht’s los. Zu Gast sind die Nawal­ny-Über­set­ze­rin Alex­an­dra Ber­li­na und der Lei­ter des Inno­va­ti­on Office Bie­le­feld Hen­ning Duder­stadt. Tickets gibt es online.

+++ Designer:innen aus dem Müns­ter­land und dar­über hin­aus zei­gen am Wochen­en­de ihre Pro­duk­te in der Men­sa am Ring. Beim Design-Gip­fel bau­en 80 Aussteller:innen einen alter­na­ti­ven Weih­nachts­markt auf, mit Hand­ge­mach­tem von Mode bis Foto­gra­fie. Der Markt öff­net am Sams­tag und Sonn­tag jeweils von 12 bis 18 Uhr. Ein­tritt: fünf Euro. 

Am Frei­tag kommt Post von Con­stan­ze Busch. Haben Sie eine gute Woche. Und regen Sie sich am bes­ten nicht so sehr wie ich über die Fifa auf. 

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Sebas­ti­an Fob­be (sfo), Jan Gro­ße Nobis (jgn), Vik­to­ria Pehl­ke (vpe), Anto­nia Strot­mann (ast)
Lek­to­rat: Anto­nia Strotmann

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PS

Vie­le jun­ge Men­schen wis­sen wahr­schein­lich gar nicht, was eine Tele­fon­zel­le ist. War­um soll man sich auch irgend­wo drau­ßen in einen stin­ken­den Raum stel­len, um zu tele­fo­nie­ren, wenn man doch ein­fach ein Han­dy neh­men kann? Bald wird es nicht mehr so vie­le Gele­gen­hei­ten geben, den Kin­dern vor so einer Zel­le ste­hend zu erklä­ren, war­um man das frü­her gemacht hat, denn die letz­ten Tele­fon­zel­len in Müns­ter wer­den abge­baut. Petra Bröns­trup hat für den WDR ein sehr schö­nes klei­nes Film­chen dar­über gemacht. Und wir hät­ten eine klei­ne Bit­te. Viel­leicht kön­nen Sie uns sagen: Wo ste­hen denn eigent­lich noch Tele­fon­zel­len in Müns­ter? Viel­leicht haben Sie sogar Fotos für uns. Dann schi­cken Sie uns doch eine E-Mail, eine Whats­app-Nach­richt an die Num­mer 0178 35 210 97. Oder rufen Sie uns an, gern auch aus einer Tele­fon­zel­le. (rhe)