Spenden: Wer kontrolliert Gerichte und Staatsanwaltschaften? | Wie löst man die Kita-Misere? | Ist der neue Parkausweis zu teuer?

Müns­ter, 17. Febru­ar 2023

Guten Tag,

in Deutsch­land gibt es die Mög­lich­keit, sich vor Gericht frei­zu­kau­fen, wenn das Gericht oder die Staats­an­walt­schaft das vor­schlägt. Das klingt etwas selt­sam, aber eigent­lich steht dahin­ter eine gute Idee. Das Ver­fah­ren soll die Gerich­te ent­las­ten. Über Ban­de ent­las­tet das auch die Kas­sen von gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­tio­nen, denn an sie geht das Geld – wenn sie Glück haben. Und das ist ein Pro­blem. Die Gerich­te kön­nen frei ent­schei­den, ob das Geld an den Staat geht, an die Geschä­dig­ten oder an irgend­ei­nen gemein­nüt­zi­gen Verein. 

In Müns­ter sind so im Jahr 2021 eine knap­pe Mil­li­on Euro ver­teilt wor­den. Etwa drei Vier­tel des Gel­des hat die Staats­kas­se bekom­men, der Rest floss an Orga­ni­sa­tio­nen und Ver­ei­ne. Das Recher­chen­etz­werk Cor­rec­tiv hat in einer Daten­bank zusam­men­ge­tra­gen, wer in den ver­gan­ge­nen Jah­ren von den Zah­lun­gen pro­fi­tiert hat. Und das ist inter­es­sant, denn war­um wel­che Orga­ni­sa­ti­on das Geld bekam, ist oft nicht so rich­tig klar. 

Der Kampf­kunst­ver­ein Aiki­kai am Kat­tha­gen zum Bei­spiel hat in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren min­des­tens 19.000 Euro bekom­men. Der Ver­ein „Müns­ter Modell“, der mit einem gro­ßen Modell der Stadt ein Bewusst­sein für Stadt­ent­wick­lung schaf­fen will, hat seit 2010 min­des­tens knapp 28.000 Euro erhal­ten, im ers­ten Jahr mit einem Schlag 15.000 Euro. Min­des­tens 7.500 Euro gin­gen an den Ver­ein „Dein Brun­nen für Müns­ter“, der sich für die Rück­kehr des Eisen­mann-Brun­nens an der Pro­me­na­de ein­ge­setzt hat. Der Zoo hat seit 2008 min­des­tens über 125.000 Euro bekom­men, das Box­zen­trum am Schiff­fahr­ter Damm min­des­tens 8.000 Euro, die Kat­zen­hil­fe min­des­tens 5.000 Euro, der Schach­club min­des­tens knapp 800 Euro.

Für die Ver­ei­ne, die alle­samt als gemein­nüt­zig aner­kannt sind, ist das eine gute Sache. Aber durch das undurch­sich­ti­ge Ver­fah­ren blei­ben Fra­gen offen. Wel­che Inter­es­sen bei der Ver­ga­be eine Rol­le gespielt haben, ist nicht zu erken­nen. Und das bedeu­tet: Wer das Sys­tem miss­brau­chen möch­te, hat es leicht. Vor knapp zehn Jah­ren flog in Mün­chen etwa eine Rich­te­rin auf, die über vie­le Jah­re einen Ver­ein für archäo­lo­gi­sche Aus­gra­bun­gen in Ägyp­ten begüns­tig­te, den sie selbst mit­ge­grün­det hat­te. In Baden-Würt­tem­berg lei­te­te ein kor­rup­ter Rich­ter gegen Ein­la­dun­gen zum Essen Geld an den Sport­ver­ein eines Freun­des weiter.

Die Lan­des­rech­nungs­hö­fe haben das Ver­fah­ren immer wie­der kri­ti­siert. In Nord­rhein-West­fa­len stellt seit zwölf Jah­ren immer­hin eine Ver­wal­tungs­vor­schrift klar, dass durch die Zah­lun­gen nicht mal der Anschein erweckt wer­den darf, dass hier irgend­wer mit den Zuwen­dun­gen ein pri­va­tes Inter­es­se ver­folgt. Die Orga­ni­sa­tio­nen müs­sen spä­ter dar­über berich­ten, was sie mit dem Geld gemacht haben.

Es gibt ver­schie­de­ne Vor­schlä­ge, wie man das Ver­fah­ren ver­bes­sern könn­te. Man könn­te Gerich­te ver­pflich­ten, trans­pa­rent zu machen, wohin das Geld geht. Man könn­te genaue­re Vor­ga­ben dazu machen, wel­che Orga­ni­sa­tio­nen unter wel­chen Bedin­gun­gen begüns­tigt wer­den. Oder man könn­te auf Geld­auf­la­gen ver­zich­ten und statt­des­sen gemein­nüt­zi­ge Arbeit anord­nen. Das wür­de auch noch einen Ein­druck ver­hin­dern, der durch die­se Pra­xis ent­steht: Straf­ta­ten muss man sich leis­ten kön­nen. (rhe)

Kor­rek­tur­hin­weis:

In einer frü­he­ren Ver­si­on stand, der Zoo habe seit 2018 min­des­tens 40.000 Euro erhal­ten. Das stimm­te nicht. Doku­men­tiert sind hier Spen­den ab dem Jahr 2008. Allein 2014 waren es min­des­tens 40.000 Euro, ins­ge­samt kamen min­des­tens 125.000 Euro zusammen. 

Kurz und Klein 

+++ Schon den nächs­ten Kurz­trip geplant? Für die Bahn­fans unter Ihnen hier ein klei­ner Ser­vice-Tipp: Ab April fährt ein Nacht­zug von Osna­brück nach Prag. Nicht von der Deut­schen Bahn, die hat ihr Nacht­zug­an­ge­bot ja ein­ge­stellt. Die­ses Mal ist es das nie­der­län­di­sche Start-up Green­Ci­ty­Trip, das einen hal­ben Kilo­me­ter Wag­gons auf die Schie­ne bringt. Bis­her sind aller­dings nur fes­te Rei­sen buch­bar, Hin­fahrt an Tag 1, Rück­fahrt an Tag 5. Man wol­le die Flot­te erwei­tern, aber bis dahin gel­te: Ver­läss­lich­keit vor hoher Fre­quenz, schreibt ein Mit­ar­bei­ter. Klingt erst­mal gut? Wenn Sie sich jetzt noch vor­stel­len, Sie könn­ten das Gan­ze zusam­men mit Ihrem Ticket von Müns­ter nach Osna­brück bei der­sel­ben Bahn­ge­sell­schaft buchen und hät­ten sogar die Mög­lich­keit, ein­fach einen Alter­na­tiv­zug zu nut­zen, falls Sie den Anschluss ver­pas­sen – das wär’ doch was! Das Bünd­nis „Bahn für Alle“ hat gera­de ein Kon­zept­pa­pier zu sei­ner For­de­rung ver­öf­fent­licht, ein bezahl­ba­res euro­pa­wei­tes Nacht- und Fern­rei­se­zug­netz zu eta­blie­ren. Bis dahin haben Sie die Wahl zwi­schen einer poten­zi­ell aben­teu­er­li­chen Fahrt am Tag nach Prag – oder der unfle­xi­blen Rei­se im Schlaf. (sst)

Zahlen, bitte. 

Eine leich­te Mehr­heit der­je­ni­gen in Müns­ter, die Grund­si­che­rung bekom­men, ist weib­lich. Die Stadt erklärt sich das mit dem Zuzug von Geflüch­te­ten aus der Ukrai­ne, von denen der Groß­teil Frau­en sind. Quel­le: Job­cen­ter Münster

Fachkräftemangel in Kitas: Warum nicht mal über Geld reden?

Die Stadt Müns­ter hat inzwi­schen her­aus­ge­fun­den, war­um der Kita-Navi­ga­tor ver­sagt hat. Die Soft­ware hat offen­bar Ergeb­nis­se falsch sor­tiert und dann Kin­der falsch zuge­ord­net, so erklärt die Stadt das Pro­blem in einer Pres­se­mit­tei­lung. Ver­trä­ge, die von bei­den Sei­ten unter­schrie­ben sind, blei­ben gül­tig. Das hat die Stadt in der Mit­tei­lung noch ein­mal bestä­tigt. Rei­ne Zusa­gen dage­gen sind nichts mehr wert. Die Stadt wird das gan­ze Ver­fah­ren wiederholen. 

Um wie vie­le Zu- und Absa­gen es dabei geht, ist bei der Stadt noch gar nicht bekannt. Man spre­che gera­de mit den 200 Kitas, um die Zah­len zu erhe­ben, schreibt das städ­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt am Freitagnachmittag. 

Das will die Stadt noch ein­mal machen, wenn der Kita-Navi­ga­tor die neu­en Ergeb­nis­se aus­ge­wor­fen hat, sag­te Stadt­di­rek­tor Tho­mas Paal am Mitt­woch­abend in der Rats­sit­zung. Ein zwei­tes Mal soll so etwas nicht passieren. 

Und das bedeu­tet: Ob und wo ihre Kin­der einen Betreu­ungs­platz haben, wer­den die Eltern erst in drei Wochen erfah­ren, ab dem 6. März, kün­dig­te Paal an. 

Vor der Rats­sit­zung hat­ten etwa hun­dert Eltern auf dem Prin­zi­pal­markt demons­triert. Im Stadt­wein­haus stan­den Kin­der­wa­gen vor dem Auf­gang zur Trep­pe. Wäh­rend der Sit­zung waren immer wie­der schrei­en­de Babys zu hören. Viel bes­ser hät­te man die Debat­te akus­tisch nicht unter­ma­len können. 

Die Eltern woll­ten sich anhö­ren, was die Stadt und die Par­tei­en zu der Mise­re zu sagen hat­ten. Dabei ging es nicht nur um den Navi­ga­tor. Als die Lin­ke die aktu­el­le Stun­de bean­tragt hat­te, war das Pro­blem mit der irr­lich­tern­den Ver­mitt­lungs­soft­ware noch gar nicht bekannt. 

Das Problem in fünf Worten

Es ging um die Gesamt­si­tua­ti­on: Eltern haben recht­lich einen Anspruch auf einen Betreu­ungs­platz, doch weil Per­so­nal fehlt, kann die Stadt nicht allen einen bie­ten. Schon jetzt zeich­net sich ab, dass die Lücke in den nächs­ten Jah­ren noch sehr viel grö­ßer wird. 

Die Stadt hat dazu im Sep­tem­ber einen Bericht ver­öf­fent­licht. Schon seit Jah­ren braucht Müns­ter immer mehr Betreu­ungs­per­so­nal. Seit 2014 ist der Bedarf um ein knap­pes Drit­tel gestie­gen. „Und die beein­dru­cken­de Zahl kommt erst jetzt“, sag­te Paal, denn in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wer­de der Bedarf noch schnel­ler wach­sen. Bis zum Jahr 2030 wird die Stadt noch ein­mal knapp 40 Pro­zent mehr Per­so­nal ein­stel­len müs­sen, um alle Kin­der betreu­en zu kön­nen. Das sind über 600 Stellen. 

Es wird nicht nur schwer sein, die­se Men­schen zu fin­den und zu über­zeu­gen. Es wird schon eine gro­ße Auf­ga­be sein, die vor­han­de­nen Beschäf­tig­ten zu halten. 

Das Pro­blem lässt sich in fünf Wor­ten zusam­men­fas­sen: Der Beruf ist zu unattraktiv. 

Ulrich Tho­den von den Lin­ken, von Beruf Leh­rer, sag­te, er habe am Berufs­kol­leg Jugend­li­che, die sich für so eine Aus­bil­dung inter­es­sie­ren, die gern an einer Kita arbei­ten wür­den. Aber wenn er fra­ge: „Und war­um machst du das nicht?“, sei die Ant­wort: „Von dem Gehalt kann ich kei­ne Fami­lie ernäh­ren.“ Der Beruf brin­ge eine gro­ße Ver­ant­wor­tung mit sich. „Der wird aber bezahlt, als gin­ge es um nichts“, sag­te Thoden. 

Das Per­so­nal in Kitas in Nord­rhein-West­fa­len ver­dient laut einem Arbeits­pa­pier der gewerk­schafts­na­hen Hans-Böck­ler-Stif­tung aus dem ver­gan­ge­nen Juni zwi­schen 2.650 Euro beim Ein­stieg und 3.300 Euro nach 20 Berufs­jah­ren. Das Durch­schnitts­ein­kom­men in Deutsch­land lag im ver­gan­ge­nen Jahr bei 4.100 Euro.

Die Zahl ist etwas irre­füh­rend, denn berech­net wur­de der arith­me­ti­sche Mit­tel­wert: Das bedeu­tet: Ver­dient ein Mensch zehn Mil­lio­nen Euro im Jahr, einer nur 20.000 Euro, liegt der Durch­schnitts­lohn bei etwa fünf Mil­lio­nen Euro. Doch an der Dia­gno­se ändert das nichts. Die Stadt zitiert in ihrem Sep­tem­ber-Bericht eine Stu­die der Indus­trie­staa­ten-Orga­ni­sa­ti­on OECD, die zu einem ein­deu­ti­gen Ergeb­nis kommt: Die Haupt­ur­sa­chen für den Kita-Fach­kräf­te­man­gel sei­en die schlech­te Ent­loh­nung und die feh­len­de Anerkennung. 

So wichtig ist es dann auch nicht

Zu einem ähn­li­chen Ergeb­nis kam eine Umfra­ge unter 75 zukünf­ti­gen Fach­kräf­ten vor genau einem Jahr. Das steht eben­falls in dem Bericht. Die Fach­kräf­te wün­schen sich eine bes­se­re Bezah­lung und gute Arbeits­be­din­gun­gen. Als Haupt­pro­ble­me sehen sie das knap­pe Per­so­nal, befris­te­te Ver­trä­ge und die Arbeitsbelastung. 

Es gäbe also einen Hin­weis, wo man anset­zen könn­te. Doch das pas­siert nicht. Und ehr­li­cher­wei­se muss man sagen: Die Kom­mu­nen allein kön­nen das Pro­blem nicht lösen. Und hier ist es genau wie bei den Pfle­ge­kräf­ten. Alle beto­nen immer wie­der, wie wich­tig die Arbeit ist, die die­se Men­schen leis­ten. Aber zur Ehr­lich­keit wür­de auch gehö­ren, zu sagen: So wich­tig, dass wir sehr viel mehr Geld zah­len, ist es dann auch nicht. 

Die Stadt hat sich schon vie­les über­legt. Nur das offen­kun­di­ge Pro­blem geht sie nicht an. Sie plant zum Bei­spiel eine Image­kam­pa­gne für 100.000 Euro. Dahin­ter steht der Gedan­ke, dass es viel­leicht schon aus­rei­chen könn­te, den Beruf etwas vor­teil­haf­ter dar­zu­stel­len, um Fach­kräf­te zu fin­den. Das wäre sehr güns­tig und hät­te den Vor­teil, dass man am eigent­li­chen Pro­blem nichts ändern müsste. 

Dazu möch­te die Stadt eine „trä­ger­über­grei­fen­de Anreiz­struk­tur“ schaf­fen, wie auch Ingol­stadt es seit zwei Jah­ren macht. In ande­ren Wor­ten: eine Prä­mie, die den Leu­ten hel­fen soll, sich einen Ruck zu geben. Aber dau­er­haft ändern wür­de auch sie nichts. 

Wobei, viel­leicht doch ein biss­chen: Teil der Über­le­gun­gen sind Sach­prä­mi­en. Ein Miet­fahr­rad, ein Zuschuss zu den Kos­ten für den Umzug, eine Jah­res­kar­te für den Bus, eine wöchent­li­che Gemü­se­kis­te. Wit­zi­ger­wei­se käme nie­mand auf die Idee, Sach­prä­mi­en anzu­bie­ten, wenn eine Per­son hin­rei­chend wich­tig ist. Möch­te man den Stadt­wer­ke-Geschäfts­füh­rer hal­ten, dann ist klar: Das kostet. 

Bei den Kita-Beschäf­tig­ten dage­gen ist klar: Es soll mög­lichst nichts kos­ten. Das war auch bis­lang schon so. In der Pas­sa­ge des städ­ti­schen Berichts, in der es um das geht, was die Stadt bis­her gemacht hat, heißt es: „Zusam­men­fas­send lässt sich sagen, dass es in Müns­ter bis­her ein Patch­work an ver­schie­de­nen Ansät­zen gege­ben hat, die ohne zusätz­li­che per­so­nel­le und finan­zi­el­le Res­sour­cen umge­setzt wurden.“

Es kommen mehrere Probleme zusammen

Vie­les, was die Stadt plant, hat aller­dings ein ganz ande­res Pro­blem: Es braucht Zeit. Die Stadt will mehr Fach­kräf­te aus­bil­den. Aber hier kom­men unglück­li­cher­wei­se gleich meh­re­re Pro­ble­me zusam­men: Was, wenn sich nicht mehr jun­ge Men­schen fin­den, die die­se Aus­bil­dung machen wollen?

Außer­dem will die Stadt eine Koor­di­nie­rungs­stel­le ein­rich­ten, die sich um das Pro­blem küm­mern soll. Das woll­te sie auch schon im Sep­tem­ber. Aber hier ist noch nie­mand gefunden. 

Das kri­ti­sier­te Doris Feld­mann von der SPD. Leon Herbst­mann von den Grü­nen frag­te: „Wo sind die Mil­lio­nen­be­trä­ge im städ­ti­schen Haus­halt, um die Kri­se zu bewäl­ti­gen? Wo ist der Kita-Gip­fel, bei dem Ver­wal­tung, Poli­tik, Trä­ger und Eltern gemein­sam nach kurz­fris­ti­gen Lösun­gen und einer lang­fris­ti­gen Stra­te­gie arbei­ten?“ All das, was beim Musik-Cam­pus mög­lich gewe­sen sei, ver­miss­ten Fami­li­en und Fach­kräf­te bei die­sem The­ma seit Mona­ten vom Ober­bür­ger­meis­ter, sag­te Herbstmann. 

Mar­kus Lewe sag­te am Frei­tag­mor­gen in einem Video bei Insta­gram, er habe in der ver­gan­ge­nen bereits meh­re­re Gesprä­che geführt, auch mit dem Deut­schen Städ­te­tag auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne „ent­spre­chen­de Maß­nah­men auf­ge­gleist“. Um was es da geht, sagt er nicht. 

SPD-Frak­ti­ons­chefin Lia Kirsch mach­te am Mitt­woch­abend den Vor­schlag, Kita-Fach­kräf­te bei der Ver­ga­be von Betreu­ungs­plät­zen zu bevor­zu­gen. Dann könn­te man mehr Kin­der betreu­en. Das klingt gut und schnell mach­bar, aber zumin­dest für die­ses Jahr schei­tert das wie­der an Vorschriften. 

Für das lau­fen­de Jahr kön­ne man die Kri­te­ri­en bei der Platz­ver­ga­be aus recht­li­chen Grün­den nicht mehr ändern, schreibt das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt. Ob es grund­sätz­lich recht­lich mög­lich wäre, beant­wor­tet die Stadt nicht. 

Bislang nur eine Klage

Aber was, wenn die Stadt in drei Wochen nicht allen Eltern einen Platz anbie­ten kann, die einen Anspruch dar­auf haben? Die Wahr­schein­lich­keit, dass Eltern sich das irgend­wann nicht mehr gefal­len las­sen und ihr Recht ein­kla­gen, wächst von Jahr zu Jahr. 

Bis­lang ist das laut den West­fä­li­schen Nach­rich­ten erst ein­mal pas­siert. Vor sechs Jah­ren zog eine in Hamm arbei­ten­de Ärz­tin vor Gericht, weil die Stadt ihr einen Platz bei einer Tages­mut­ter anbot. Dort muss­te sie ihr Kind so früh abho­len, dass es sich mit ihrem Job nicht ver­ein­ba­ren ließ. Erst gab das Ver­wal­tungs­ge­richt der Frau recht, dann auch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt. Die Stadt muss­te ihr einen Kita-Platz anbieten. 

Inter­es­sant ist, dass die Stadt sich auf die Kla­ge ein­ließ. Man kann dar­in auch den Ver­such sehen, Eltern abzu­schre­cken. Im Sin­ne von: Wenn ihr euer Recht durch­set­zen wollt, dann müsst ihr zual­ler­erst durch zwei Instan­zen. Wenn die Stadt in Zukunft auch wei­ter­hin immer wie­der vor Gericht ver­liert, ist die Fra­ge, ob das in Zukunft noch als Abschre­ckung aus­reicht. (rhe)

Kor­rek­tur­hin­weis:

In einer frü­he­ren Ver­si­on schrie­ben wir, dass Müns­ter, Köln und Dort­mund Zula­gen ver­ein­bart oder einen eige­nen Tarif­ver­trag abge­schlos­sen haben, um Per­so­nal in Kitas bes­ser bezah­len zu kön­nen. Das beruh­te auf einem Miss­ver­ständ­nis und war lei­der falsch. Wir haben den Feh­ler korrigiert. 

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Höhere Parkgebühren: Guter Anreiz oder Schikane?

Und dann war da noch die Geschich­te mit dem Bewoh­ner­par­ken. Die Lin­ke* ver­an­lasst, den Tages­ord­nungs­punkt zu ver­schie­ben, man könn­te ja erst ein­mal die Ergeb­nis­se des Gut­ach­tens zur Park­raum­be­wirt­schaf­tung abwar­ten – das hat kei­ne Mehr­heit gefun­den. Und war viel­leicht auch eher eine Spit­ze gegen die Grü­nen, die kurz zuvor noch bean­tragt hat­ten, in die­ser Sit­zung nicht über die Finan­zie­rung des 29-Euro-Tickets zu spre­chen, da ja eh bald ein Plan vor­lie­gen wür­de. Führt natür­lich trotz­dem dazu, dass sich alle Sei­ten schon ein­mal auf­wär­men für die fol­gen­de Diskussion.

Einig ist man sich zumin­dest, dass 17 Euro Gebüh­ren pro Jahr für das Bewoh­ner­par­ken ziem­lich wenig sind. Und zunächst: Ja, es ist nun beschlos­se­ne Sache. Die Park­platz­prei­se für Anwoh­nen­de wer­den ab dem 1. Juli anstei­gen, und zwar in zuvor bereits geplan­ter Form. Der Hin­ter­grund: Die Gebüh­ren sol­len in etwa die Kos­ten decken, die tat­säch­lich pro Park­platz anfal­len. Der will schließ­lich auch gebaut, instand gehal­ten und kon­trol­liert wer­den. Die Ver­wal­tung ist hier­bei auf 320 Euro pro Jahr gekom­men, was dem mitt­le­ren Gebüh­ren­satz der neu­en Ord­nung ent­spricht. Hit­zig dis­ku­tiert wur­de das trotz­dem noch einmal.

CDU, FDP und Lin­ke fra­gen sich und den Rat, wer sich das so denn eigent­lich leis­ten kön­ne. Die CDU möch­te zum Bei­spiel den Geld­beu­tel von Groß­fa­mi­li­en mit gro­ßen Autos nicht unnö­tig belas­ten, und die Lin­ke hält eine Kos­ten­er­hö­hung nicht für eine sinn­vol­le Maß­nah­me, die zur Ver­kehrs­wen­de bei­trägt – denn Park­plät­ze blie­ben ja bestehen, sie wür­den ein­fach nur teu­rer. Die FDP nutzt die Gunst der aktu­el­len Stun­de und zeigt auf, dass Fach­kräf­te, zum Bei­spiel die in Kitas, ja durch­aus auch aus Städ­ten ver­trie­ben wür­den, wenn denn die Lebens­hal­tungs­kos­ten so hoch seien.

Dem­entge­gen ste­hen Grü­ne, Volt, die Inter­na­tio­na­le Frak­ti­on, die PARTEI, ÖDP und SPD, die die Höhe der Park­ge­büh­ren vor dem Hin­ter­grund der Ver­kehrs­wen­de­als ange­mes­sen fin­den. Hier wird unter ande­rem betont, dass die höhe­ren Park­platz­kos­ten ein Grund sein könn­ten, auf Car­sha­ring umzu­stei­gen oder einen Gara­gen­stell­platz zu buchen. Außer­dem, dass der ÖPNV mit den geschätz­ten zwei Mil­lio­nen Euro zusätz­lich unter­stützt wird, dass die Park­raum­prü­fung trotz erhöh­ter Gebüh­ren wei­ter­ge­führt wird und dass es ja durch­aus Ver­güns­ti­gun­gen für Men­schen mit Müns­ter-Pass gibt, die 80 Euro pro Jahr fürs Par­ken im öffent­li­chen Raum zah­len werden.

Studie: Höhere Gebühren reduzieren Zahl der Autos

Aber kön­nen teu­re­re Park­plät­ze wirk­lich einen Bei­trag zur Ver­kehrs­wen­de leis­ten? Nicht im Sin­ne der Erfinder:innen wäre es natür­lich, wenn die Men­schen, die in der Innen­stadt leben und ein Auto haben, nun in einen Rand­be­zirk zie­hen und von dort aus immer mit dem Auto in die Innen­stadt fah­ren. Wo sie dann einen Park­platz suchen müs­sen und sich über die hohen Prei­se ärgern. Die­se nie­der­län­di­sche Stu­die geht aller­dings eher davon aus, dass höhe­re Park­platz­kos­ten den Pri­vat­be­sitz von Autos redu­zie­ren. Bei einer Erhö­hung von 100 Euro im Jahr kom­men die Wis­sen­schaft­ler auf 17 Autos weni­ger pro 1.000 Haus­hal­te. Die zwei Mil­lio­nen Euro, die die Stadt etwa zusätz­lich ein­neh­men wird, wer­den für den ÖPNV ein­ge­setzt. So steht es auch als Anre­gung in die­sem Hin­weis­pa­pier vom Zukunfts­netz Mobi­li­tät NRW.

Und was ist mit den Men­schen, die finan­zi­ell nicht so gut auf­ge­stellt sind und sich nicht dafür ent­schei­den kön­nen, das Zweit­au­to eben doch zu ver­kau­fen oder sich jetzt den Luxus einer Gara­ge zu gön­nen? Bei Ago­ra Ver­kehrs­wen­de heißt es dazu, dass nur etwa zwei Pro­zent der Haus­hal­te in Deutsch­land ein sehr nied­ri­ges Ein­kom­men haben, aber gleich­zei­tig ein Auto brau­chen. Die wie­der­um leben nicht alle da, wo sie fürs Par­ken auf der Stra­ße bezah­len müs­sen. Im Land NRW ist es bis­her nicht mög­lich, die Gebüh­ren nach Ein­kom­men zu staf­feln. In Müns­ter erhal­ten aber zumin­dest die­je­ni­gen mit Müns­ter-Pass einen ver­güns­tig­ten Park­aus­weis für 80 Euro im Jahr.

Eine Fra­ge, die frei­lich noch nicht beant­wor­tet ist: Wird es bald mehr bewirt­schaf­te­ten Park­raum in Müns­ter geben? Im Rat etwa hieß es, dass das Süd­vier­tel am Wochen­en­de stark befah­ren sei, und an die­ser Stel­le läuft eine Anfra­ge nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz zu vor­han­de­nen öffent­li­chen Park­plät­zen im Kreuz­vier­tel. In den bei­den Berei­chen gibt es aktu­ell noch kei­ne Bewoh­ner­park­zo­nen. Hier war­tet man wohl gespannt auf das Inte­grier­te Park­raum­kon­zept, das gegen Herbst fer­tig sein soll. (sst)

*Hier stand zuvor, dass die CDU ver­an­lasst habe, den Tages­ord­nungs­punkt zu ver­schie­ben. Wir wur­den auf den Feh­ler hin­ge­wie­sen und haben ihn nach­träg­lich korrigiert.


Anony­mer Briefkasten

Haben Sie eine Infor­ma­ti­on für uns, von der Sie den­ken, sie soll­te öffent­lich wer­den? Und möch­ten Sie, dass sich nicht zurück­ver­fol­gen lässt, woher die Infor­ma­ti­on stammt? Dann nut­zen Sie unse­ren anony­men Brief­kas­ten. Sie kön­nen uns über die­sen Weg auch anonym Fotos oder Doku­men­te schicken.

Was war sonst noch im Rat?

+++ Die Spin­ne an der Wese­ler Stra­ße muss wei­ter mit ihren weni­gen dün­nen Bein­chen aus­kom­men. Sie bekommt kei­ne wei­te­re Links­ab­bie­ge­spur, weil das Rat­haus­bünd­nis kei­nen neu­en Stra­ßen bau­en möch­te, aber mög­li­cher­wei­se bekommt die Spin­ne eine Rechts­ab­bie­ge­spur, weil die Stra­ße an die­ser Stel­le nicht der Stadt gehört, son­dern dem Land. Es ist kom­pli­ziert. Mar­kus Lewe gab die Debat­te auf sei­nem Insta­gram-Kanal am Frei­tag­mor­gen so wie­der: Müns­ter wer­de bald eine Umge­bungs­stra­ße haben, auf der man die Stadt im Osten umfah­ren kann. Die Stadt­ver­wal­tung habe einen Vor­schlag gemacht, der mög­lichst vie­le Autos dort­hin füh­ren soll. Die eine Sei­te, das Rat­haus­bünd­nis, argu­men­tie­re mit dem Kli­ma­schutz, die ande­re Sei­te damit, dass die Stadt erreich­bar blei­ben soll. Das ist etwas miss­ver­ständ­lich, denn das wol­len bei­de Sei­ten. Die Fra­ge ist, wie das gelin­gen kann? Die einen argu­men­tie­ren: Wenn wir eine neue Links­ab­bie­ge­spur bau­en, ent­las­ten wir den Ver­kehr an die­ser Stel­le. Die ande­ren beru­fen sich auf Beob­ach­tun­gen, die seit Jah­ren immer wie­der gemacht wer­den: Neue Spu­ren ent­las­ten den Ver­kehr ein oder zwei Jah­re lang. Dann haben die Leu­te ver­stan­den, dass man an der Stel­le gut durch­kommt. Es ent­steht neu­er Ver­kehr und damit wie­der Stau. Eine gute Nach­richt könn­te sein: An der Spin­ne hat man dann ja bald bei­des. Und ist doch viel­leicht immer­hin ein guter Ver­kehrs­ver­such. (rhe)

+++ Über Stra­ßen­na­men ent­schei­det die Bezirks­ver­tre­tung, also das Stadt­teil­par­la­ment, denn die Stra­ßen kennt jen­seits der Bezir­ke oft eh nie­mand. Ist das anders, weil die Stra­ßen grö­ßer sind, ent­schei­det der Rat. Daher muss er sich jetzt mit den Namen Ost­mark­stra­ße, Andre­as-Hofer-Stra­ße und Man­fred-von-Richt­ho­fen-Stra­ße beschäf­ti­gen. Das soll aber erst spä­ter pas­sie­ren, erst soll die Sache durch die Aus­schüs­se, denn man will ja nichts über Knie bre­chen. CDU-Frak­ti­ons­chef Ste­fan Weber hat am Mitt­woch trotz­dem schon mal sei­ne Mei­nung geäu­ßert: Ob die Stra­ßen neue Namen bekom­men, das sol­len am Ende die Men­schen ent­schei­den, die dort woh­nen. Hier endet für heu­te schon die Debat­te, denn die Dis­kus­si­on soll ja erst spä­ter wei­ter­ge­hen. Des­we­gen habe man die Sache ja ver­wie­sen, sag­te Grü­nen-Frak­ti­ons­spre­cher Chris­toph Kat­tent­idt. Mut­maß­lich gibt es noch ande­re Argu­men­te. Zum Bei­spiel: Wenn die Leu­te gegen einen neu­en Stra­ßen­na­men stim­men, weil sie sich gera­de neu­es Brief­pa­pier dru­cken las­sen haben, ist das mög­li­cher­wei­se das fal­sche Motiv. Und: Was sol­len die geschichts­sen­si­blen Men­schen auf der ande­ren Sei­te der Stadt den­ken, wenn sie die Namen wei­ter in den Ver­kehrs­nach­rich­ten hören müs­sen? Vor­sich­ti­ge Pro­gno­se: Sie müs­sen es bald nicht mehr. Alles wei­te­re in den Aus­schüs­sen. (rhe)

+++ Cor­ne­lia Wil­kens bleibt für wei­te­re acht Jah­re Dezer­nen­tin für Kul­tur und Soziales.

+++ Der His­to­ri­ker­preis der Stadt hat einen neu­en Namen und heißt jetzt „Historiker*innen-Preis“ – nicht „His­to­ri­ke­rin­nen-Preis“, wie Mar­kus Lewe heu­te Mor­gen in einem Video bei Insta­gram erklär­te. Der Unter­schied, Sie wis­sen es, liegt in der klei­nen Sprech­pau­se in Höhe des Gen­der­sterns (der bei uns ein Dop­pel­punkt ist). Das ist der soge­nann­te Glot­tis­schlag. Und bei der Gele­gen­heit: Der „Kiga-Navi­ga­tor“ aus dem Video heißt im wirk­lich Leben (oder jeden­falls auf den Sei­ten der Stadt) Kita-Navi­ga­tor. Es kom­men­tiert der Navi­ga­tor selbst: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“ (rhe)

+++ Zur Debat­te um einen neu­en Namen mit Gen­der­stern gehört übli­cher­wei­se eine Dis­kus­si­on um den Gen­der­stern, in der alle mög­li­chen Posi­tio­nen noch ein­mal die Mög­lich­keit bekom­men, gehört zu wer­den. Also los: Vor­schlag der CDU: ein neu­tra­ler Name ohne Gen­der­stern, in die­sem Fall: „Preis der Stadt Müns­ter für her­aus­ra­gen­de Geschichts­wis­sen­schaft“. So steht es im CDU-Ände­rungs­an­trag. Diet­mar Erb­er (CDU): Ein neu­tra­ler Name habe „dann auch län­ger Bestand“, also für den von der CDU favo­ri­sier­ten Fall, dass der Stern wie­der ver­schwin­det. Gegen­re­de Syl­via Rie­ten­berg (Grü­ne): Der neu­tra­le Name neu­tra­li­sie­re lei­der mit dem Stern auch das poli­ti­sche Signal, das der Stern sen­den soll. Mari­us Her­wig (SPD): „Ich fra­ge mich, war­um wir die Jury damit beauf­tragt haben, wenn der Rat jetzt in sei­ner gren­zen­lo­sen Weis­heit mal eben in einem Schnell­schuss zu einem ande­ren Namen kommt?“ Hein­rich Göt­ting (FDP): Der Mar­ken­na­me sei ja auch nicht ganz unwich­tig, daher ein zäh­ne­knir­schen­des Ja zum Namen mit Stern. Jörg Ber­ens (FDP): Mit dem neu­en Namen wer­de ja schon gewis­ser­ma­ßen ein „Zwang insi­nu­iert, dass der nächs­te Preis­trä­ger eine Frau sein muss“. Lia Kirsch (SPD): „Oh nein, jetzt hat man Angst, dass der nächs­te Preis an eine Frau ver­ge­ben wer­den muss. Das hat doch kei­ner hier gesagt. Und des­halb ist es auch Quatsch, was Sie da vor­hin von sich gege­ben haben, hier auf der ande­ren Sei­te. Und das ist ein­fach trau­rig, dass man die­se Debat­ten immer noch füh­ren muss. Und das ist ein­fach schei­ße.“ Hal­be Stun­de spä­ter, Pres­se­mit­tei­lung der Stadt: „Historiker*innenpreis der Stadt Müns­ter geht an Ute Dani­el.“ Von uns dazul herz­li­chen Glück­wunsch! (rhe)

+++ Die Stadt Müns­ter will sich die Erlaub­nis für eine Gesamt­schu­le in Roxel wie erwar­tet vor Gericht holen. Die Par­tei­en im Rat sowie Ober­bür­ger­meis­ter und Stadt­di­rek­tor sind sich dem Anschein nach sicher, dass das auch gelin­gen wird. Ein­zig Jörg Ber­ens (FDP) erin­nert dar­an, dass man vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt und auf hoher See viel­leicht doch bes­ser abwar­tet. (rhe)

+++ Ein schnel­ler Blick in die Glas­ku­gel: Im Som­mer könn­te es am Aasee wie­der hit­zig wer­den, ganz unab­hän­gig vom Wet­ter, denn Glas bleibt dort wei­ter erlaubt. Das hat der Rat am Mitt­woch ent­schie­den. Die Fra­ge ist: Kann ein Glas­ver­bot Aus­schrei­tun­gen über­haupt ver­hin­dern? Kann natür­lich sein, dass die Kra­wall­schach­teln sagen: Wenn wir nicht mal Bier­fla­schen mit­neh­men dür­fen, dann geht das mit den Aus­schrei­tun­gen eben in Zukunft mehr. Sel­ber schuld. Kann aber auch sein, dass die Leu­te machen, was Mar­tin Gre­wer von der Par­tei Volt ver­mu­tet: Dann trin­ken sie eben Dosen­bier. Über allem steht noch eine ande­re Fra­ge. Wer muss den Müll denn eigent­lich weg­räu­men? Die Abfall­wirt­schafts­be­trie­be? Oder die Leu­te selbst? Dar­über war man sich am Mitt­woch nicht ganz einig. Lars Nowak (Die Par­tei) sieht die Ver­ant­wor­tung bei den Abfall­wirt­schafts­be­trie­ben, Babet­te Lich­ten­stein van Len­ge­rich (CDU) eher bei den Leu­ten. Blie­be die phi­lo­so­phi­sche Fra­ge, ob man zu unter­schied­li­chen Zeit­punk­ten zu ver­schie­de­nen Ein­schät­zun­gen kom­men kann. Ent­schei­dend ist aber vor allem, wie das Ord­nungs­amt die Sache sieht. Das kann im Zwei­fel näm­lich ein­fach ver­fü­gen: Glas ist am Aasee pas­sé. Und dann ist es ein­deu­tig die Auf­ga­be der Leu­te, mit ihren Glas­fla­schen schnell zu ver­schwin­den. (rhe)

Korrekturen

Im RUMS-Brief am Diens­tag woll­ten wir wit­zig sein und schrie­ben, die aktu­el­le Stun­de zur Kita-Mise­re wer­de eine Stun­de dau­ern. Ärger­lich natür­lich, wenn man dann nicht mal rich­tig Bescheid weiß. Inzwi­schen wis­sen wir: Die aktu­el­le Stun­de im Rat dau­ert 30 Minu­ten. (rhe)

Klima-Update

+++ Nach­hal­tig­keits­kri­te­ri­en gibt es auch in der Finanz­bran­che. Schließ­lich ist der Weg zur Kli­ma­neu­tra­li­tät nicht ohne pas­sen­de Inves­ti­tio­nen zu meis­tern. Die Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BaFin) for­dert seit letz­tem Jahr, dass Ban­ken sich an die soge­nann­ten ESG-Kri­te­ri­en hal­ten, wenn sie Kre­di­te ver­ge­ben. Die Abkür­zung steht für Envi­ron­ment, Social Respon­si­bi­li­ty und Gover­nan­ce. Das bedeu­tet, die Insti­tu­te sol­len die Aspek­te Umwelt, Sozi­al­we­sen und Unter­neh­mens­füh­rung berück­sich­ti­gen und eben nicht nur wirt­schaft­li­che Fak­to­ren. Risi­ko­ma­nage­ment bei Umwelt­ka­ta­stro­phen und ande­ren Fol­gen der Kli­ma­kri­se gehört da bei­spiels­wei­se dazu. Und wie läuft das in der Umset­zung? Die Fach­hoch­schu­le Müns­ter hat in einer Stu­die unter­sucht, wie es um die­se Kri­te­ri­en bei der Kre­dit­ver­ga­be eigent­lich steht. Alle Ergeb­nis­se fin­den Sie hier. Die Kurz­fas­sung: Vie­le Ban­ken pla­nen flei­ßig, wie sie sich tat­säch­lich an die Vor­ga­ben hal­ten kön­nen, tat­säch­lich berück­sich­tigt wer­den sie aller­dings bis­her nicht ein­mal von der Hälf­te. Auch wenn die Mehr­heit die Anfor­de­run­gen der BaFin als ange­mes­sen ein­schätzt, so stu­fen 40 Pro­zent die­se als zu hoch ein. Die Stu­die der FH zeigt außer­dem, dass die Erwar­tun­gen an die ESG-Kri­te­ri­en nicht ganz kon­kret kom­mu­ni­ziert werden.(fkr)

+++ Die deut­sche Umwelt­hil­fe ver­klagt das Land NRW wegen der schlech­ten Was­ser­qua­li­tät im Müns­ter­land. Die wur­de bei 95 Pro­zent der Gewäs­ser fest­ge­stellt. Das betrifft vor allem die Wer­te von Nitrat, Phos­phat, Ammo­ni­um und Stick­stoff. Eine Ursa­che sei vor allem Gül­le aus der Tier­mast. Wenn zu viel Dün­ger im Was­ser lan­det, wach­sen zum Bei­spiel Algen schnel­ler, was wie­der­um zum Fisch­ster­ben füh­ren kann. So gesche­hen 2018, als im Aasee vie­le tote Fische waren. Die Umwelt­hil­fe for­dert Maß­nah­men in der Land­wirt­schaft und hofft, dass sich die Lan­des­re­gie­rung an die EU-Vor­ga­ben zur Was­ser­qua­li­tät hält, denn laut Umwelt­hil­fe ver­stößt Deutsch­land seit über 30 Jah­ren gegen die euro­päi­schen Richt­li­ni­en für Nitrat­gren­zen. (fkr)

+++ Der nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­ver­band Erneu­er­ba­re Ener­gien (LEE) hat eine Ana­ly­se ver­öf­fent­licht, in der es um den Aus­bau von Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen geht. Der geht in NRW wohl wie­der bes­ser vor­an, aber um die selbst gesteck­ten Zie­le zu errei­chen, reicht das offen­bar nicht. Dazu wäre laut LEE ein jähr­li­cher Zuwachs von 2.000 Mega­watt nötig. Zur Ein­ord­nung: 2022 lag der Zuwachs in NRW bei 913 Mega­watt. Damit Sie trotz­dem nicht den Mut ver­lie­ren, hier noch eine schö­ne Nach­richt: Müns­ter liegt gemes­sen an der Anzahl der Ein­woh­nen­den auf dem drit­ten Platz, was den Solar­aus­bau im Bun­des­land angeht. (fkr)

+++ Wenn Sie einen Gar­ten haben, bemer­ken Sie wahr­schein­lich schon län­ger, dass die Kli­ma­kri­se auch dort ange­kom­men ist. Mil­de Win­ter, Spät­frost und Hit­ze­wel­len kön­nen Sie nicht ein­fach auf den Kom­post hau­en. Aber die Bedin­gun­gen hin­ter der eige­nen Hecke anpas­sen, das geht. Der Land­schafts­gärt­ner Micha­el Dal­drup erklärt kom­men­den Diens­tag­abend (21.2) auf Schloss Hüls­hoff, wie. Mehr Infos und Anmel­dung fin­den Sie hier. (fkr)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Nach­dem die Luft­han­sa zwi­schen­zeit­lich ein Pro­blem mit einem durch­trenn­ten IT-Kabel gehabt hat­te, fliegt sie jetzt auch aus Gre­ven wie­der. (Anten­ne Müns­ter)

+++ An der Stel­le des Paul-Ger­hardt-Hau­ses an der Fried­rich­stra­ße soll ein neu­er Cam­pus ent­ste­hen, aller­dings kein Musik-Cam­pus. (Alles Müns­ter)

+++ Der Albers­lo­her Weg hat in den nächs­ten 18 Mona­ten zwi­schen der Eisen­bahn­brü­cke am Mün­nich­weg und dem Wiltshire­weg nur noch eine Spur. (Stadt­net­ze Müns­ter)

+++ Die Men­schen am Breul hal­ten die Ver­kehrs­si­tua­ti­on dort, seit die Berg­stra­ße gesperrt ist und Park­plät­ze weg­ge­fal­len sind, für untrag­bar. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die Arbei­ten an den neu­en Phy­si­ka­li­schen Insti­tu­ten am Coes­fel­der Kreuz (hin­ter der Men­sa) haben begon­nen. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ 300 Men­schen haben über das neue Grem­men­dor­fer Stadt­teil­zen­trum und das York-Quar­tier dis­ku­tiert. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Der Par­do-Pier am Aasee wird im Früh­jahr saniert. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die Dro­gen­sze­ne am Bre­mer Platz hat jetzt vor­über­ge­hend einen neu­en Treff­punkt. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die neue Initia­ti­ve „Der Rote Kie­bitz“ will sich für den Erhalt der - genau -, Kie­bit­ze ein­set­zen. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Der Mann aus Gie­ven­beck, der in sei­nem Kühl­schrank eine omi­nö­se Spreng­vor­rich­tung lager­te, bleibt wei­ter in Unter­su­chungs­haft, denn die Vor­rich­tung war laut Poli­zei sehr gefähr­lich. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Das Rei­se­ziel Müns­ter hat sich gut von der Pan­de­mie erholt und im ver­gan­ge­nen Jahr zehn Pro­zent mehr Über­nach­tun­gen gezählt als im Jahr 2019. (Stadt Müns­ter)

+++ Das ver­meint­li­che Ufo, das über der Stadt gese­hen wur­de, war dann doch bloß ein Bal­lon – glück­li­cher­wei­se kein chi­ne­si­scher. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

Unbezahlte Werbung

Cur­ry­wurst-Pom­mes – oder auch klassisch:die Man­t­a­plat­te – ist zwar eher im Ruhr­ge­biet behei­ma­tet, das muss einen vom Genuss aller­dings nicht abhal­ten. Den „Kraft­rie­gel der Fach­ar­bei­te­rin“ gibt es bei „Feu­er frei“ nicht nur in sie­ben Schär­fe­gra­den, son­dern auf Wunsch auch vege­ta­risch. Das alles bekom­men Sie im Orts­kern von Gie­ven­beck in der Atmo­sphä­re eines Ame­ri­can Diners. 

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Werbung im RUMS-Brief

Ab März wird es im RUMS-Brief Wer­bung geben. Hier haben wir Ihnen erklärt, war­um wir das machen und wie auch Sie lang­fris­tig davon pro­fi­tie­ren werden.

Die Wer­­be- und Stel­len­an­zei­gen kos­ten Geld. Alle bis auf eine: unse­re Ehren­amts­an­zei­ge. Die­ser Platz ist für klei­ne­re gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen oder ein­ge­tra­ge­ne Ver­ei­ne reser­viert, die auf das Ehren­amt set­zen. Die­se Anzei­ge ist kos­ten­los. Wir haben schon eini­ge Vor­schlä­ge von Ihnen bekom­men, vie­len Dank dafür. Schrei­ben Sie uns ger­ne, wenn Sie noch mehr Tipps haben. Wir freu­en uns, mög­lichst vie­len Orga­ni­sa­tio­nen ein biss­chen mehr Öffent­lich­keit geben zu können.

Und wenn Sie Inter­es­se haben soll­ten, selbst eine Wer­­be- oder Stel­len­an­zei­ge im RUMS-Brief zu ver­öf­fent­li­chen, freu­en wir uns natür­lich auch. Schrei­ben Sie uns ger­ne eine E-Mail an werbung@rums.ms. Wel­che Wer­be­for­ma­te wir genau anbie­ten, erfah­ren Sie hier.

Drinnen und Draußen 

In den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der haben heu­te Fabi­an Cohrs und Jan Gro­ße Nobis für Sie geschaut. Das hier sind ihre Empfehlungen:

+++ Der ras­sis­ti­sche Anschlag von Hanau jährt sich an die­sem Wochen­en­de. Ein Mann hat dort vor drei Jah­ren neun Men­schen ermor­det. Eine Gedenk­de­mons­tra­ti­on star­tet am Sams­tag um 13 Uhr in der Wind­thorst­stra­ße am Haupt­bahn­hof. Die Initia­ti­ve 19. Febru­ar Hanau beglei­tet bis heu­te die Tataufklärung.

+++ Heu­te und mor­gen um jeweils 20 Uhr wird im Pum­pen­haus Shake­speares Ham­let vom Thea­ter­en­sem­ble der Mari­en­schu­le auf­ge­führt. Ein sehens­wer­ter Klas­si­ker in neu­er Inter­pre­ta­ti­on. Eini­ge Rest­kar­ten gibt es hier.

+++ Es ist Kar­ne­val! Was ges­tern in Büros, Schu­len und Knei­pen mit Wei­ber­fast­nacht gestar­tet ist, wird auch in Müns­ter bis Mon­tag auf ver­schie­de­ne Wei­sen gefei­ert. Heu­te Abend kom­men Sie mit Kos­tüm bei­spiels­wei­se ver­güns­tigt zur Pri­de Par­ty im Fusi­on am Hawerk­amp, Sams­tag und Sonn­tag kön­nen Sie unter ande­rem im „Früh bis Spät” die Par­ty­stim­mung aus­le­ben. Am Mon­tag gibt es nach zwei Jah­ren Pau­se wie­der den gro­ßen Kar­ne­vals­um­zug durch die Innenstadt.

+++ Am Sonn­tag nimmt Natur­fo­to­graf Micha­el Mar­tin die Zuschauer:innen mit auf eine Rei­se um die Welt. Seit 2017 bereis­te er dafür ent­le­ge­ne Regio­nen der Erde, um eine Art Por­trait zu erstel­len. Die Ergeb­nis­se des Pro­jekts kön­nen Sie um 13:30 Uhr und 17 Uhr sehen, Tickets gibt es hier.

Am Diens­tag schrei­be ich Ihnen schon wie­der. Viel Spaß beim Kar­ne­val am Mon­tag, falls Sie hin­ge­hen soll­ten. In jedem Fall wün­sche ich Ihnen ein schö­nes Wochenende. 

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Heimann

Mit­ar­beit: Sven­ja Stüh­mei­er (sst), Jan Gro­ße Nobis (jgn), Frie­da Kru­ken­kamp (fkr), Fabi­an Cohrs (fco)
Lek­to­rat: Lisa Mensing

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PS

Jetzt sucht auch noch der Tat­ort eine Woh­nung in Müns­ter. Das schreibt jeden­falls die Stadt. 130 Qua­drat­me­ter groß, am bes­ten im Zen­trum. Maxi­mal 500 Euro kalt. Nein, Scherz. Der Tat­ort will gar nicht lan­ge blei­ben. Mög­li­cher­wei­se soll jemand ein­fach schnell erle­digt wer­den, und dann gehen die Ermitt­lun­gen woan­ders wei­ter. „Das Dreh­buch sieht einen Schuss­wech­sel vor“, schreibt die Stadt. Das klingt doch gut. Na, haben Sie Inter­es­se? Ach, kom­men Sie. Das Dreh­buch sieht immer­hin kei­ne Hand­gra­na­ten-Explo­si­on vor. Die Stadt schreibt: „Nach den Dreh­ar­bei­ten ver­set­zen die Film­leu­te“ – ach­ten Sie auf die Anfüh­rungs­stri­che – „‚alles garan­tiert wie­der in den Ursprungs­zu­stand‘, wie es heißt“. In ande­ren Wor­ten: Kann sein, dass sie in der Woh­nung danach sogar wei­ter leben kön­nen. Das Gan­ze ist auch noch rela­tiv kurz­fris­tig, vom 27. bis zum 29. März. Und: „Die Dreh­ar­bei­ten wer­den mit einer bran­chen­üb­li­chen Motiv­mie­te ver­gü­tet.“ Also nicht mit einer Mie­te, son­dern mit einer Motiv­mie­te. Ich stel­le mir das wie ein Wand­pos­ter vor, auf dem eine in Schei­nen sor­tier­te Monats­mie­te zu sehen ist. Irgend­wie neu­gie­rig ist man ja schon. Aber ist man so mutig? Die Stadt ahnt offen­bar, dass das Ange­bot Män­gel hat. In der Unter­zei­le steht: „Tref­fen mit Prahl und Lie­fers mög­lich“. Na, wenn das so ist. Scheiß auf die Woh­nung. (rhe)