Erste Wahl-Prognosen | Exodus ins Umland | Der Wohnungsmarkt im Überblick

Müns­ter, 4. Sep­tem­ber 2020

Guten Tag,

in der Rats­sit­zung am ver­gan­ge­nen Mitt­woch lagen nach fünf Stun­den weni­ge Minu­ten vor dem Ende noch 33 Anträ­ge auf dem Tisch. Es war kurz vor 23 Uhr, Tages­ord­nungs­punkt 66. Man war sich gleich einig, dass über die Anträ­ge nun nicht mehr dis­ku­tiert wer­den soll­te. Es gab kei­nen Wider­spruch, also war es beschlos­sen. Dann mel­de­te sich doch noch jemand von der AfD, der gern etwas zu einem Antrag gesagt hät­te. Aber es war schon zu spät. „Müs­sen wir dann beim nächs­ten Mal machen“, sag­te Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe. Es klang, als gäbe es gar nicht die Mög­lich­keit, dass dann jemand anders an sei­ner Stel­le sit­zen könn­te.

Und wenn die Zah­len, die das Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut Infra­test Dimap in die­ser Woche ver­öf­fent­licht hat, halb­wegs stim­men, ist das auch tat­säch­lich nicht sehr wahr­schein­lich. Lewe (CDU) braucht 51 Pro­zent, um die Wahl zu gewin­nen. Sonst gibt es eine Stich­wahl zwi­schen ihm und dem zweit­plat­zier­ten Kan­di­da­ten. Nach den Zah­len von Infra­test Dimap hät­te Lewe schon gute Chan­cen auf einen Sieg im ers­ten Wahl­gang. Das Ergeb­nis sähe so aus:

1. Mar­kus Lewe (CDU): 50 Prozent

2. Peter Todes­ki­no (Grü­ne): 25 Prozent

3. Micha­el Jung (SPD): 15 Prozent 

Die Rei­hen­fol­ge hät­te sich damit im Ver­gleich zur letz­ten Wahl ver­än­dert. Vor fünf Jah­ren ergab sich die­ses Bild:

1. Mar­kus Lewe (CDU): 51 Prozent

2. Jochen Köhn­ke (SPD): 24 Prozent

3. Maria Klein-Schmeink (Grü­ne): 21 Prozent

Bei der Stadt­rats­wahl wür­den die Grü­nen laut der Umfra­ge stark gewin­nen, die SPD ver­lö­re wie auch anders­wo enorm an Bedeu­tung.

1. CDU: 36 Pro­zent (2014: 35 Prozent)

2. Grü­ne: 30 Pro­zent (20 Prozent)

3. SPD: 18 Pro­zent (27 Prozent)

3. Lin­ke: 5 Pro­zent (5 Prozent)

4. FDP: 3 Pro­zent (6 Prozent)

4. AfD: 3 Pro­zent (3 Prozent)

Die Zah­len sind gerun­det, damit es etwas über­sicht­li­cher wird. Eine Gra­fik, auf der auch die Nach-Kom­ma-Wer­te zu sehen sind, fin­den Sie unter ande­rem beim WDR.

Und was sagt uns die Umfra­ge?

  • Bei so einem Ergeb­nis könn­ten CDU und Grü­ne es noch ein­mal mit einer Rat­haus-Koali­ti­on pro­bie­ren. Dazu müss­ten sie sich aller­dings zunächst die Hand rei­chen, nach­dem die Koali­ti­on im ers­ten Anlauf zer­bro­chen war. Gelän­ge die Ver­söh­nung, sähe es gut aus für Mar­kus Lewes Wunsch­pro­jekt, den Musik-Cam­pus.
  • Eine ande­re Vari­an­te wäre: Die CDU könn­te zusam­men mit der SPD eine gro­ße Koali­ti­on wagen. Das wür­de den Musik-Cam­pus unwahr­schein­li­cher machen, denn die SPD ist dage­gen. Aber beim Hafen-Markt am Han­sa­ring wür­de man sich schnell einig. Die SPD hat der CDU hier auch in der Ver­gan­gen­heit zwei Mal ihre Stim­men zur Ver­fü­gung gestellt, als die Grü­nen dazu nicht bereit waren. 
  • Eine wei­te­re Opti­on wäre: Grü­ne, SPD und Lin­ke könn­ten sich zu einem grün-rot-roten Rat­haus-Bünd­nis zusam­men­schlie­ßen. Dann sähe es sowohl für den Musik-Cam­pus als auch für den Hafen-Markt nicht ganz so gut aus.
  • Mög­lich wären aber auch wech­seln­de Mehr­hei­ten. Die­se Vari­an­te hat­ten wir zunächst nach der letz­ten Wahl. In die­sem Fall könn­ten CDU und Grü­ne zusam­men den Musik-Cam­pus ermög­li­chen und die CDU zusam­men mit der SPD den Hafenmarkt. 

Wich­tig ist aber: Noch spre­chen wir hier über eine Umfra­ge unter 1.000 wahl­be­rech­tig­ten Men­schen, die aus­schließ­lich über Fest­netz­num­mern ange­ru­fen wer­den. Die Tele­fon­num­mern ermit­telt ein Zufalls­ge­ne­ra­tor, und die Soft­ware klin­gelt dann so lan­ge durch, bis auf der ande­ren Sei­te irgend­wer abhebt. So hat eine Mit­ar­bei­te­rin uns das am Tele­fon erklärt. Die­se Mit­ar­bei­te­rin hat uns zudem ver­si­chert, dass man auf die­se Wei­se genü­gend 16-Jäh­ri­ge erreicht, damit die Umfra­ge dann spä­ter auch reprä­sen­ta­tiv genannt wer­den kann. Für uns war dies das über­ra­schends­te Ergeb­nis. Die 16-Jäh­ri­gen wer­den sich wahr­schein­lich vor allem dar­über wun­dern, dass man mit die­sem creme­far­be­nen Kno­chen auf der Kom­mo­de im Flur auch tele­fo­nie­ren kann. 

Und noch etwas: Das Insti­tut weist dar­auf hin, dass die Umfra­ge eine „Wahl­nei­gung“ ermit­telt, nicht das Wahl­ver­hal­ten. Anders gesagt: In neun Tagen kann noch viel passieren. 

Die größten Probleme und Pannen

Um die gro­ßen Pro­ble­me der Stadt zu lösen, sind neun Tage aller­dings etwas knapp. Des­we­gen wird sich hier bis zum 13. Sep­tem­ber wahr­schein­lich nicht mehr so viel ändern. Vor­an­stel­len müs­sen wir viel­leicht, dass neun von zehn der Befrag­ten (93 Pro­zent) „zufrie­den“ oder sogar „sehr zufrie­den“ mit den Lebens­ver­hält­nis­sen in Müns­ter sind. Das erklärt ver­mut­lich auch, dass drei Pro­zent der Men­schen am Tele­fon auf die Fra­ge nach den wich­tigs­ten Pro­ble­men der Stadt ant­wor­te­ten mit: „Bau­stel­len.“

Ganz vorn in der Rang­lis­te ste­hen aller­dings zwei The­men, die dann spä­ter tat­säch­lich zu den größ­ten Wahl­kampf-Inhal­ten wur­den – und die gleich­zei­tig auch Platz eins und zwei in der Tabel­le der größ­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on­s­pan­nen der ver­gan­ge­nen Wochen belegen. 

Auf Platz zwei: Öffent­li­cher Per­so­nen-Nah­ver­kehr und Ver­kehr (24 Pro­zent). Hier ging es in Müns­ter um die Fahr­rad­stra­ßen. Sie erin­nern sich. Es hat­te es Ärger gege­ben, weil Anwohner:innen von der Stadt recht kurz­fris­tig erfuh­ren, dass „Fahr­rad­stra­ße“ nicht nur bedeu­tet: Die Fahr­bahn wird rot. Son­dern unter Umstän­den auch: Die Park­platz­su­che dau­ert län­ger. Ober­bür­ger­meis­ter Lewe räum­te am Mitt­woch in einer Dis­kus­si­ons­run­de der West­fä­li­schen Nach­rich­ten zur Wahl ein, die Kom­mu­ni­ka­ti­on sei nicht ganz glück­lich gewesen. 

Das größ­te Pro­blem ist laut der Umfra­ge aber der bezahl­ba­re Wohn­raum – bezie­hungs­wei­se der nicht bezahl­ba­re. Hier hat­te die SPD auf ihren Wahl­pla­ka­ten einen neu­en Stadt­teil mit 6.000 Woh­nun­gen süd­lich des Kanals in Aus­sicht gestellt und damit einen Klein­gar­ten- und einen Sport­ver­ein gegen sich auf­ge­bracht. Die übri­gen Par­tei­en beschlos­sen gemein­sam: An die­sem Ort wird aus dem Stadt­teil nichts. SPD-Ober­bür­ger­meis­ter-Kan­di­dat Micha­el Jung räum­te am ver­gan­ge­nen Mitt­woch in der Rats­sit­zung ein, die Kom­mu­ni­ka­ti­on sei nicht ganz glück­lich gewesen. 

Das Pro­blem aber bleibt. Wo sol­len die Leu­te woh­nen? Es ist wei­ter das gro­ße The­ma vor der Kom­mu­nal­wahl (und hof­fent­lich auch danach).

Die Sorgen im Umland

Zah­len der Stadt Müns­ter zei­gen, dass vor allem Men­schen im Alter von 40 bis 49 Jah­ren weg­zie­hen. Das ist genau das Alter, in dem sie sich mit ihren Fami­li­en an einem Ort nie­der­las­sen. Und das wür­den sie wahr­schein­lich auch gern in Müns­ter machen, wenn es bezahl­bar wäre. 

Jani­na Mar­tens von der Repor­ta­ge­schu­le Reut­lin­gen hat sich in der ver­gan­ge­nen Woche für uns mit der Fra­ge beschäf­tigt, wel­che Fol­gen es hat, wenn immer mehr Men­schen Müns­ter ver­las­sen, weil sie es sich nicht mehr leis­ten kön­nen, in der Stadt zu woh­nen. Die Fol­gen betref­fen nicht nur Müns­ter selbst, son­dern vor allem das Umland, denn mit der Zeit kommt es dort zu sehr ähn­li­chen Pro­ble­men. Das Bau­land wird immer knap­per. Es kann pas­sie­ren, dass Men­schen, die in einem Dorf auf­ge­wach­sen sind und ger­ne blei­ben wür­den, in ihrem Ort kein Grund­stück zum Bau­en bekom­men. Und mit die­ser Ent­wick­lung wächst auch die Gefahr, dass die Zuge­zo­ge­nen aus der Stadt sich bei den Ein­hei­mi­schen unbe­liebt machen. Die Kom­mu­nen müs­sen sich etwas über­le­gen. Eini­ge haben das schon getan. 

Nils Diet­rich hat für die Wie­der­täu­fer eben­falls mit einer jun­gen Fami­lie gespro­chen, die aus dem Kreuz­vier­tel nach Alten­ber­ge gezo­gen ist. Er hat dazu auch ein paar inter­es­san­te Zah­len zusam­men­ge­tra­gen, die zum Bei­spiel zei­gen: Telg­te, Alten­ber­ge und Gre­ven sind am belieb­tes­ten bei Men­schen, die Müns­ter ver­las­sen. Gre­ven sticht beson­ders heraus. 

Münster baut am meisten, aber es reicht nicht

Einen guten Über­blick über die Ent­wick­lung des Woh­nungs­mark­tes in Müns­ter gibt eine neue Stu­die des Insti­tuts der Deut­schen Wirt­schaft in Köln. 

Die wich­tigs­ten Aus­sa­gen im Über­blick:

  • Am meis­ten gebaut wird in Nord­rhein-West­fa­len in Bonn und Müns­ter. Zwi­schen 2016 und 2018 sind dort pro 1.000 Einwohner:innen knapp fünf Woh­nun­gen ent­stan­den. Abso­lut waren es in Müns­ter 1.473.
  • Der Bedarf an Woh­nun­gen ist in Müns­ter lan­des­weit am größ­ten. Zwi­schen 2016 und 2018 hät­ten 2.431 Woh­nun­gen gebaut wer­den müs­sen, um die Nach­fra­ge zu befriedigen. 
  • Die neu gebau­ten Woh­nun­gen in Müns­ter haben 61 Pro­zent des Bedarfs gedeckt. Nur in drei Städ­ten in NRW ist die Lücke zwi­schen Ange­bot und Nach­fra­ge noch grö­ßer (Wup­per­tal, Dort­mund und Köln). Zum Ver­gleich: In Köln reich­ten die neu­en Woh­nun­gen aus, um knapp die Hälf­te der Nach­fra­ge (46 Pro­zent) zu bedie­nen. In Bochum ent­stan­den sogar mehr neue Woh­nun­gen, als gebraucht wur­den (128 Pro­zent). Im Lan­des­durch­schnitt gin­gen knapp zwei von zehn Inter­es­sen­ten leer aus (77 Prozent).
  • Bemer­kens­wert ist laut der Stu­die, dass in Müns­ter schon seit zehn Jah­ren bestän­dig viel gebaut wird. In Bonn oder Düs­sel­dorf hat sich die­se Ent­wick­lung erst in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ergeben. 
  • Bonn, Köln, Düs­sel­dorf und Müns­ter sind in Nord­rhein-West­fa­len die am stärks­ten wach­sen­den Städ­te. Vie­le leer­ste­hen­de Woh­nun­gen gibt es dort nicht. Daher wächst mit der Bevöl­ke­rung auto­ma­tisch die Nach­fra­ge nach neu­en Wohnungen. 
  • Müns­ter ist seit 2011 um fast 21.000 Einwohner:innen gewach­sen (7 Pro­zent). Nach einer Schät­zung des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts wird die Stadt bis 2030 noch ein­mal um knapp 9 Pro­zent wachsen. 
  • Im Ver­gleich zu einer Stadt wie Köln steht in Müns­ter viel Bau­land zur Ver­fü­gung. In Köln sind es 31 Hekt­ar pro 1.000 Wohn­ein­hei­ten, in Müns­ter 81 Hekt­ar. Zur Ein­ord­nung: Ein Hekt­ar ist in etwa so groß wie ein Fußballfeld. 
  • Die durch­schnitt­li­chen Grund­stücks­prei­se (Boden­richt­wer­te) sind zwi­schen 2013 und 2018 in Müns­ter um knapp 160 Pro­zent gewach­sen, in Bonn um 41, in Düs­sel­dorf um 32 Prozent. 
  • Die orts­üb­li­che Ver­gleichs­mie­te in Müns­ter ist zwi­schen 2010 und 2018 um knapp ein Vier­tel gestie­gen (23 Pro­zent). Das sind etwa 2,20 Euro pro Qua­drat­me­ter. Damit ver­teu­er­te sich das Woh­nen sogar stär­ker als in Düs­sel­dorf, wo die Mie­ten lan­des­weit am höchs­ten sind (Anstieg: 17 Prozent). 

Knapp 700 neue Wohnungen

Etwas Erleich­te­rung soll dem Woh­nungs­markt in Müns­ter ein neu­es Groß­bau­pro­jekt am Hafen ver­schaf­fen. Vor elf Jah­ren beim Hafen­fo­rum sprach der dama­li­ge Pla­nungs­amts­lei­ter Chris­ti­an Schowe von 700 Woh­nun­gen, die auf dem ehe­ma­li­gen Osmo-Gelän­de mög­lich wären. Nun sol­len es 690 wer­den. Das hat die Stadt in die­ser Woche ange­kün­digt. Und wenn heu­te etwas geplant wird, dann darf das natür­lich nicht ein­fach nur ein her­kömm­li­ches Wohn­ge­biet sein, es soll­te schon ein „urba­nes Quar­tier“ wer­den. Und so wird es auch sein. Die drei Inves­to­ren (Hafen­vier­tel, JKM Pro­jekt­ent­wick­lung, LVM) bau­en nicht nur Woh­nun­gen, son­dern auch Büros, Cafés und laut Ankün­di­gung min­des­tens ein Hotel. 2.000 Men­schen sol­len in dem neu­en Vier­tel arbei­ten. Ein knap­pes Drit­tel der Woh­nun­gen soll wie von der Stadt vor­ge­schrie­ben geför­dert wer­den – und damit etwas güns­ti­ger sein, als es hier eigent­lich mög­lich wäre. So soll das alles irgend­wann ein­mal aus­se­hen. Die kon­kre­ten Pla­nun­gen sol­len nun beginnen. 


In aller Kürze

+++ Im Miss­brauchs­fall von Müns­ter hat die Staats­an­walt­schaft Müns­ter jetzt Ankla­ge erho­ben. Laut einer Mit­tei­lung gibt es fünf Beschul­dig­te. Im Mit­tel­punkt steht der 27-jäh­ri­ge Haupt­ver­däch­ti­ge, der den Sohn sei­ner Lebens­ge­fähr­tin über Jah­re bei min­des­tens 26 Gele­gen­hei­ten miss­braucht haben soll. Die übri­gen Ange­klag­ten sind die 45-jäh­ri­ge Mut­ter des Haupt­ver­däch­ti­gen sowie drei Män­ner im Alter von 30, 35 und 42 Jah­ren aus Stau­fen­berg, Han­no­ver und Schorf­hei­de in Brandenburg. 

+++ Der Bun­des­rech­nungs­hof hat offen­bar gro­ße Zwei­fel dar­an, dass bei der Ent­schei­dung über den Stand­ort der Bat­te­rie­for­schungs­fa­brik, die nun in Müns­ter gebaut wer­den soll, alles fair zuge­gan­gen ist. Das berich­tet unter ande­rem der Tages­spie­gel. Danach kri­ti­sie­ren die Finanz­kon­trol­leu­re, dass Nord­rhein-West­fa­len bei der Ent­schei­dung dadurch begüns­tigt wor­den sei, dass es „wesent­li­che Infor­ma­tio­nen“ frü­her bekom­men habe als ande­re Bewer­ber. Die Wer­tun­gen der Kri­te­ri­en sei­en mehr­fach ver­än­dert wor­den. „Dies führ­te jeweils zu ver­än­der­ten Rang­fol­gen, wobei der Stand­ort Müns­ter im zeit­li­chen Ver­lauf jeweils um einen Platz nach vor­ne rück­te“, heißt es laut Tages­spie­gel in dem Bericht. Die Grün­de dafür sei­en „nicht oder kaum nach­voll­zieh­bar.“ Bun­des­for­schungs­mi­nis­te­rin Anja Kar­li­c­zek (CDU) war in die Kri­tik gera­ten, weil mit Müns­ter über­ra­schend der Bewer­ber den Zuschlag erhielt, der in der Nach­bar­schaft ihres Wahl­krei­ses Stein­furt liegt, wäh­rend der Favo­rit Ulm leer aus­ging. Kar­li­c­zek sieht sich durch den Bericht ent­las­tet. Sie habe sich aus dem Ver­fah­ren zurück­ge­zo­gen, als klar gewe­sen sei, dass Müns­ter im Spiel ist. So ste­he es in dem Papier. Baden-Würt­tem­berg und Bay­ern hat­ten sich bei der Kanz­le­rin über das Ver­fah­ren beschwert. Bay­ern möch­te wei­ter, dass das Ver­fah­ren wie­der­holt wird, schreibt das Handelsblatt.

+++ Wenn Sie den Kom­mu­nal­wahl-Check des Insti­tuts für Poli­tik­wis­sen­schaft, der mit unse­rer Unter­stüt­zung ent­stan­den ist, schon durch­ge­spielt haben, dann hät­te ich noch etwas ande­res für Sie: den Pla­kato­ma­ten, ein Pro­jekt von Aus­zu­bil­den­den der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­agen­tur Kopf­kunst am Mit­tel­ha­fen. Wahl­pla­ka­te ver­glei­chen, sich für eines ent­schei­den und das ande­re nach links oder rechts wischen. Ein biss­chen wie Tin­der. Aber kei­ne Sor­ge, Sie müs­sen sich mit den Men­schen auf den Pla­ka­ten spä­ter nicht tref­fen. Pro­bie­ren Sie es am bes­ten ein­fach aus. Es kann nichts passieren. 


Corona-Update

Bis in Deutsch­land ein Impf­stoff auf den Markt kommt, wird ver­mut­lich noch etwas Zeit ver­ge­hen. Zur­zeit wol­len weder das Robert-Koch-Insti­tut noch das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um etwas dazu sagen, wann die ers­ten Imp­fun­gen statt­fin­den kön­nen, berich­tet der Tages­spie­gel. Die USA sind da schon etwas wei­ter. Dort sol­len spä­tes­tens Anfang Novem­ber die ers­ten Impf­do­sen aus­ge­ge­ben wer­den. Das kann aller­dings auch damit zu tun haben, dass dort am 3. Novem­ber ein neu­er Prä­si­dent gewählt wird. So ver­mu­tet es jeden­falls die Epi­de­mio­lo­gin Saskia Popes­cu. Unter Umstän­den kann es aller­dings sogar sinn­voll sein, einen nicht aus­ge­reif­ten Impf­stoff ein­zu­set­zen, der nur in der Hälf­te aller Fäl­le wirk­sam ist. Unter die­sen Umstän­den soll­ten zunächst älte­re Men­schen geimpft wer­den, um die Zahl der Todes­fäl­le zu ver­rin­gern, schreibt der Tages­spie­gel. Gibt es einen wirk­sa­men Impf­stoff, sei es sinn­vol­ler, ihn zunächst jun­gen Men­schen zu ver­ab­rei­chen, hat André Karch, der Lei­ter der Kli­ni­schen Epi­de­mio­lo­gie an der Uni­kli­nik Müns­ter, der Zei­tung gesagt. Der Grund ist: Jun­ge Men­schen tra­gen eher dazu bei, das Virus zu ver­brei­ten, als älte­re. Eine gute Nach­richt zur Behand­lung von Covid-19 kommt von der New York Times. Nach einem Bericht der Zei­tung kön­nen güns­ti­ge Ste­ro­id­me­di­ka­men­te Men­schen hel­fen, die Krank­heit zu über­le­ben. Und noch schnell ein Blick auf die aktu­el­len Zah­len, die in Müns­ter ganz gut aus­se­hen. Die Stadt mel­det eine neue Erkran­kung, damit gel­ten momen­tan 36 Men­schen im Stadt­ge­biet als infi­ziert.


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Vor ein paar Jah­ren ist am Haupt­bahn­hof ein liba­ne­si­scher Imbiss ver­schwun­den, zwi­schen dem lin­ken und rech­ten Haupt­ein­gang, ein paar Meter neben dem Ein­gang zur Kul­tur­schie­ne, falls Sie sich noch erin­nern. Dort gab es einen sehr guten Shawar­ma. Das ist in Fla­den­brot ein­ge­roll­tes Hähn­chen­fleisch mit Salat, Gur­ken und Sesam­so­ße. Doch irgend­wann war der Imbiss weg. Ich dach­te, es gäbe ihn nicht mehr. Aber dann fand ich ihn wie­der. Er heißt Alad­din und ist jetzt an der Fried­rich-Ebert-Stra­ße 114 (gegen­über der Wasch­stra­ße). Geöff­net hat der Alad­din-Imbiss an allen Tagen außer diens­tags, in der Woche von 12 bis 22 Uhr, frei­tags und sams­tags von 0 bis 22 Uhr. Sie kön­nen dort auch bestel­len.


Draußen

+++ Pick­nick I: Man­do Diao waren immer ein Bei­spiel für eine Band, die vor Jah­ren für ein paar Euro im Gleis 22 zu sehen war und dann spä­ter sehr bekannt wur­de. Am 13. März 2004 war das, hier der Kon­zert­be­richt. Falls Sie jetzt gera­de auf dem Schlauch ste­hen, die­sen Song ken­nen Sie viel­leicht. Und wahr­schein­lich hät­te noch vor einem Jahr nie­mand damit gerech­net, dass die­se Band, wenn mit der Kar­rie­re nicht so gut wie alles schief­läuft, irgend­wann ein­mal auf einer klei­nen Büh­ne am Aasee vor einer Hand­voll Men­schen spie­len wür­de, die auf Pick­nick­de­cken sit­zen. Aber genau so wird es jetzt kom­men, am 19. Sep­tem­ber (Sams­tag). Einen Tag spä­ter, am Sonn­tag, ereilt Hel­ge Schnei­der das glei­che Schick­sal. Aber unter die­sen Umstän­den sind das natür­lich sehr, sehr gute Nach­rich­ten. Kar­ten für bei­de Ver­an­stal­tun­gen bekom­men Sie hier.

+++ Pick­nick II: Wo das Wet­ter nun lang­sam schlech­ter wird, kön­nen wir uns end­lich wie­der auf ein paar schö­ne Kon­zer­te drau­ßen freu­en. Die audio­vi­su­el­le Ver­an­stal­tungs­rei­he AV Pick­nick (Musik und Video­kunst) ist am 11. Sep­tem­ber (Frei­tag) auf der Burg Vische­ring zu Gast. Um das Visu­el­le küm­mert sich der Video­künst­ler Aquiet (Sven Strat­mann), der ganz wun­der­ba­re Din­ge mit Licht und Gebäu­den anstellt. Bei der Nacht der Muse­en könn­ten Sie eine sei­ner Arbei­ten gese­hen haben. Musik wer­den Niklas Pasch­burg (Kla­vier und Elek­tro­klän­ge) und Mar­tyn Hey­ne (Gitar­re und Elek­tro­klän­ge) machen. Drü­cken wir die Dau­men, dass es nicht reg­net. Das Kon­zert beginnt um 20.30 Uhr. Kar­ten gibt es hier. Falls es dort Pro­ble­me gibt, bit­te kur­ze Mail an den Ver­an­stal­ter Wil­ko Franz. Es ist Platz für hun­dert Gäste. 


Drinnen

+++ Die­ser Ter­min ist zum Auf­schrei­ben: Im Picas­so-Muse­um sind ab über­nächs­ter Woche 70 Wer­ke des spa­ni­schen Künst­lers Joan Miró zu sehen. Ein Groß­teil der Wer­ke sind Gra­fi­ken, eini­ge von ihnen waren noch nie in Aus­stel­lun­gen zu sehen. Der Spar­kas­sen­ver­band West­fa­len-Lip­pe hat die Wer­ke gekauft und stellt sie dem Muse­um als Dau­er­leih­ga­be zur Ver­fü­gung. In der neu­en Aus­stel­lung zum 20-jäh­ri­gen Bestehen des Picas­so-Muse­ums, die am 19. Sep­tem­ber (Sams­tag) beginnt, geht es aber nicht nur um Miró, der Titel lau­tet: „Picasso/Miró – Eine Künst­ler­freund­schaft“.

+++ Und dann noch etwas für die­ses Wochen­en­de: Erik Hinz ist ein groß­ar­ti­ger Foto­graf aus Müns­ter, der eini­ge sei­ner Bil­der noch bis zum 6. Dezem­ber im Franz-Hit­ze-Haus zeigt. Es sind Fotos aus sei­nem Buch „Twen­ty-one Years in one Second“. Auf die­ser Sei­te kön­nen Sie einen Blick in das Buch wer­fen, und wenn Sie mögen, kön­nen Sie es dort auch gleich bestellen. 

Am Sonn­tag schreibt Ihnen Klaus Brink­bäu­mer. Der nächs­te RUMS-Brief kommt dann am Diens­tag. Haben Sie bis dahin ein schö­nes Wochenende.

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann


PS

Der Müns­te­ra­ner Mus­ta­fa Schat hat sich ein Jahr lang vor­be­rei­tet, um in Istan­bul durch den Bos­po­rus zu schwim­men. Dort sind es gut 3,2 Kilo­me­ter von der einen Ufer­sei­te zur ande­ren, im Frei­bad Coburg, wo Schat trai­niert hat, etwas mehr als 20 Meter. Optisch ist das ein Unter­schied. Man kann sich sehr gut vor­stel­len, dass jeman­den, der ein Jahr lang täg­lich drei Kilo­me­ter im Frei­bad her­un­ter­ge­ris­sen hat, der Mut ver­lässt, wenn er dann unter­wegs im Bos­po­rus ver­ängs­tigt nach links und rechts schaut. Aber Schat hat es geschafft, wie die West­fä­li­schen Nach­rich­ten schrei­ben. Er ist sogar hin und zurück geschwom­men, 6,5 Kilo­me­ter ins­ge­samt. Das ist eine beein­dru­cken­de Leis­tung. Aber es gibt natür­lich Men­schen, die sagen wür­den: Wo ist da die Her­aus­for­de­rung? Zu die­sen Men­schen gehört wahr­schein­lich der Mann, der in die­ser Woche ver­sucht hat, den Ärmel­ka­nal auf die glei­che Wei­se zu durch­que­ren. Der ist etwas brei­ter als der Bos­po­rus. Zwi­schen Dover und Calais lie­gen 43 Kilo­me­ter Was­ser. Ob der Mann sich eben­falls im Frei­bad vor­be­rei­tet oder ob er über­haupt vor­her trai­niert hat, ist nicht bekannt. Nach 500 Metern muss­ten See­not­ret­ter ihn jeden­falls wie­der ein­sam­meln. Die Ret­tungs­ak­ti­on, an der auch Hub­schrau­ber betei­ligt waren, dau­er­te acht Stun­den, berich­tet der Spie­gel. Viel­leicht soll­te der Mann es erst mal am Bos­po­rus ver­su­chen. Der hat an sei­ner schmals­ten Stel­le eine Brei­te von 660 Metern.


PPS

Wenn Sie mor­gen gegen Mit­tag in der Stadt unter­wegs sind, schau­en Sie doch mal in den Him­mel, und wenn Ihnen etwas auf­fällt, schi­cken Sie uns ein Foto. Wir freu­en uns. Die Auf­lö­sung kommt dann am Dienstag.