Verkehrswende im Schritttempo | Steuersenkung kreativ | Frauenfrage

Müns­ter, 3. Juli 2020

Guten Tag,

Sie haben sicher auch schon den Satz gehört: „Dum­me Fra­gen gibt es nicht.“ Das ist defi­ni­tiv falsch. Ich selbst habe vor ein paar Tagen eine dum­me Fra­ge gestellt. Gerich­tet war sie an Thors­ten Knöl­ke. Er ist Spre­cher des neu gegrün­de­ten Ver­eins FUSS, der sein Augen­merk auf den Fuß­ver­kehr in Müns­ter rich­ten wird. Da Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten Zah­len mögen, woll­te ich von ihm wis­sen: „Wie vie­le Fuß­gän­ge­rin­nen und Fuß­gän­ger gibt es eigent­lich in Müns­ter?“ Sei­ne diplo­ma­ti­sche Ant­wort dar­auf lau­te­te: „Nun, ich neh­me an so vie­le wie Ein­woh­ne­rin­nen und Einwohner.“

Denn, na klar, fast jeder Mensch geht (oder fährt mit einem Roll­stuhl) über die Geh­we­ge. Auch die Rad­fah­re­rin, nach­dem sie ihr Rad abge­stellt hat, auch der Auto­fah­rer, nach­dem er geparkt hat. Stei­gen wir in den Bus, gehen wir zunächst zur Bus­hal­te­stel­le, fah­ren wir Zug, müs­sen wir irgend­wie zum Gleis kom­men. Gehen ist so uni­ver­sell, dass es schon fast nicht mehr wahr­ge­nom­men wird. Des­halb wird auch der berühm­te fuß­läu­fi­ge Weg zum Bäcker bei den Sta­tis­ti­ken zur Ver­kehrs­mit­tel­nut­zung nicht dazu gerech­net. So auch nicht auf der ent­spre­chen­den Infor­ma­ti­ons­sei­te der Stadt Müns­ter.

Die Stadt hat trotz­dem ange­kün­digt, den Fuß­ver­kehr zu för­dern und in allen kon­zep­tio­nel­len Ent­schei­dun­gen mit zu berück­sich­ti­gen. Das klingt theo­re­tisch gut. Und dar­auf will der Ver­ein nun drän­gen, denn so recht glaubt er nicht an eine weit­sich­ti­ge Umset­zung. Für Knöl­ke und sei­ne Mit­strei­te­rin­nen und Mit­strei­ter zeigt sich immer wie­der: „Müns­ter ist eine Auto­stadt, in der vie­le Men­schen Rad fahren.“

Alle wollen mehr Platz

Wenn jetzt, wie geplant und heu­te erst wie­der per Pres­se­mit­tei­lung gemel­det, die Rad­in­fra­struk­tur für zehn Mil­lio­nen Euro aus­ge­baut wird, wird der Ver­kehrs­raum für alle Betei­lig­ten enger wer­den. Kon­flik­te sind qua­si pro­gram­miert; denn dann greift das Prin­zip Ursa­che und Wir­kung. Wenn näm­lich zu vie­le Autos in der Stadt sind, par­ken sie auf Geh- oder Rad­we­gen, die dadurch kaum noch begeh- oder befahr­bar sind. Außer­dem kommt es zu Staus, die Rad­fah­rer wei­chen aus, nut­zen den Geh­weg und kom­men dabei den Fuß­gän­ge­rin­nen und Fuß­gän­gern in die Que­re. Wenn es für Bus­se zu wenig Platz gibt, kom­men auch die nicht schnell zum Ziel, also fah­ren weni­ger Men­schen mit dem Bus. Ein Teu­fels­kreis, der sich mit den rich­ti­gen Kon­zep­ten durch­bre­chen ließe.

Verkehrswende im Schritttempo

Ein Bei­spiel für gute Pla­nung ist der Orts­kern der Stadt Ruders­berg in Baden-Würt­tem­berg. Dort ist man sehr stolz auf die neue fuß­gän­ger­freund­li­che Orts­durch­fahrt, die durch den Umbau zu einer ver­kehrs­be­ru­hig­ten neu­en Mit­te wur­de, und man wid­met ihr des­halb eine gan­ze Web­sei­te. Zugrun­de gelegt wur­de bei der Pla­nung und Umset­zung das Kon­zept „Shared Space“ des Nie­der­län­ders Hans Mond­er­man. Die­ses Kon­zept sieht vor, dass alle Ver­kehrs­teil­neh­me­rin­nen und -teil­neh­mer gleich­be­rech­tigt sind.

Und was das lei­di­ge The­ma Par­ken auf Rad- und Geh­we­gen angeht, das Fuß­gän­ge­rin­nen, Fuß­gän­ger und auch die Rad­fah­ren­den umtreibt, kann man sich in einer ande­ren Stadt anschau­en, wie man das Pro­blem in den Griff bekom­men kann. In Karls­ru­he wur­de das Geh­weg­par­ken grund­sätz­lich als unzu­läs­sig erklärt und es kann dort nur auf Antrag lega­li­siert wer­den. Viel­leicht soll­te Müns­ter sei­nen ver­kehrs­pla­ne­ri­schen Blick öfter dort­hin rich­ten. Denn Karls­ru­he gelang es schließ­lich, uns den Titel der fahr­rad­freund­lichs­ten Stadt Deutsch­lands weg­zu­schnap­pen und auf Platz zwei der Rang­lis­te zu verdrängen.

Eine Steuersenkung, viele Möglichkeiten

Seit Mitt­woch gilt für ein hal­bes Jahr der ver­min­der­te Mehr­wert­steu­er­satz von 16 statt 19 Pro­zent. Der Staat möch­te damit zum Kon­sum moti­vie­ren und die Wirt­schaft in Schwung brin­gen. Das und vie­les ande­re rund um die Steu­ern erklärt die Bun­des­re­gie­rung auf einer Web­sei­te. Die Idee dahin­ter: Wenn die Prei­se sin­ken, kau­fen die Men­schen mehr ein. Trotz­dem sind die Unter­neh­men nicht ver­pflich­tet, die Steu­er­sen­kung an die Kun­din­nen und Kun­den wei­ter­zu­ge­ben. Das ist einer von meh­re­ren Kritikpunkten. 

Cle­mens Fuest, Prä­si­dent des Mün­che­ner ifo-Insti­tuts, schreibt in einem Bei­trag für die Wirt­schafts­wo­che (€) über Erfah­run­gen in Frank­reich, Finn­land und Schwe­den in den Jah­ren 2009 bis 2012, die gezeigt hät­ten, dass die Ent­las­tung bei einem gro­ßen Teil der Kund­schaft gar nicht ankom­me. In den drei Län­dern galt die Steu­er­sen­kung nur für Restau­rants. Nicht ein­mal die Hälf­te von ihnen gab sie wei­ter. Außer­dem sei der Ver­wal­tungs­auf­wand sehr groß, vor allem für Händ­ler mit vie­len Pro­duk­ten, etwa Bau­märk­te. Sie müs­sen alle Preiss­schil­der ändern. Mit einem nen­nens­wer­ten Impuls für die Kon­junk­tur rech­net Fuest zudem nicht. 

Wie ver­schie­den und krea­tiv der Han­del und Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men mit die­ser Ent­schei­dungs­frei­heit nun umge­hen, zei­gen ein paar Bei­spie­le aus Münster.

  • Unter­stüt­zung von Mit­ar­bei­ten­den: Die Bio­voll­korn­bä­cke­rei Ciba­ria lässt die Prei­se, wie sie sind, und gibt die Mehr­ein­nah­men an die 70-köp­fi­ge Beleg­schaft als Dan­ke­schön wei­ter. Denn seit Mit­te März arbei­te das Team unter erschwer­ten Bedin­gun­gen wie der Mas­ken­pflicht, geän­der­ten Schich­ten und deut­lich weni­ger Kon­takt mit­ein­an­der, heißt es auf der Facebook-Seite. 
  • Spen­den: Das Geschäft für Second­hand-Klei­dung und nach­hal­ti­ge Eigen-Kol­lek­tio­nen, Pie­se­lot­ten, spen­det die Ein­nah­men zusätz­lich an die Welt­na­tur­schutz­uni­on IUCN. Auf der Face­book-Sei­te steht, dass beim Kauf eines Shirts statt der bis­he­ri­gen zwei Euro nun 2,90 Euro als Spen­de wei­ter­ge­ge­ben werden. 
  • Abfe­dern finan­zi­el­ler Ver­lus­te: Das Stadt­teil­au­to wird die nied­ri­ge­re Mehr­wert dazu nut­zen, die finan­zi­el­len Aus­fäl­le – die Kun­din­nen und Kun­den mie­te­ten in der ers­ten Coro­na-Zeit nur noch halb so vie­le Autos wie sonst – ein wenig abzu­fe­dern. Nur so kön­ne man den bis­he­ri­gen Betrieb auf­recht erhal­ten, bit­tet das Car­sha­ring-Unter­neh­men sei­ne Kun­din­nen und Kun­den um Verständnis.
  • Prei­se sen­ken: Die Stadt­wer­ke-Müns­ter haben bereits ange­kün­digt, die Prei­se für Strom, Erd­gas, Fern­wär­me und Trink­was­ser zu redu­zie­ren. Auch Bus­ti­ckets und Abos wer­den güns­ti­ger. (Statt sie­ben nun fünf Pro­zent ver­min­der­ter Mehr­wert­steu­er). Hier run­det man zuguns­ten der Kun­din­nen und Kun­den ab, weil die Beträ­ge sonst zu gering wären. Für die Stadt­wer­ke-Kund­schaft wer­den außer­dem Glas­fa­ser-Inter­net-Anschlüs­se preiswerter .

Apro­pos Inter­net-Anschlüs­se: Auch Coro­na­kri­sen-Gewin­ner Net­flix gibt die Steu­er­sen­kung an sei­ne Kund­schaft wei­ter. Für die­se Nach­richt bekam das US-ame­ri­ka­ni­sche Medi­en­un­ter­neh­men sehr viel wer­be­wirk­sa­me Auf­merk­sam­keit, wie zum Bei­spiel im Maga­zin Stern. Kein schlech­ter Deal für Net­flix, wenn man bedenkt, dass die Prei­se nur von 11,99 Euro auf 11,69 Euro – also um 30 Cent – gesun­ken sind und auch für Neu­kun­din­nen und Neu­kun­den nur vor­über­ge­hend gelten.

Wenn Sie übri­gens jetzt Lust bekom­men haben, her­aus­zu­fin­den, ob Ihr Super­markt die Mar­me­la­de oder das Müs­li ver­bil­ligt hat oder alles beim Alten ist, hilft nur eines: Suchen Sie doch mal in Ihrer Kram­schub­la­de nach alten Kas­sen­bons und ver­glei­chen Sie die mit den neu­en Kas­sen­bons. Mit­hil­fe die­ses Online-Blitz­rech­ners kön­nen Sie es dann ganz genau herausfinden. 


In aller Kürze

+ + + Gestän­dig. Am Diens­tag hat­te die Ermitt­lungs­kom­mis­si­on „Rose“ nach Durch­su­chun­gen in vier Bun­des­län­dern drei tat­ver­däch­ti­ge Män­ner fest­ge­nom­men. Am Don­ners­tag folg­te ein wei­te­rer. Der 52-Jäh­ri­ge kommt aus Nor­der­stedt, mel­den Poli­zei und Staats­an­walt­schaft in einer gemein­sa­men Mit­tei­lung. Die Ermitt­lun­gen haben erge­ben, dass der Mann das zehn­jäh­ri­ge Opfer in min­des­tens einem Fall in Müns­ter schwer sexu­ell miss­braucht haben soll. Laut Poli­zei ist der Mann gestän­dig. Die Ermitt­lun­gen gehen weiter. 

+++ Trau­er, Abschied, Aus­sicht. Diet­rich Schul­ze-Mar­me­ling, Fuß­ball­ex­per­te und Autor des Buchs „Preu­ßen & Müns­ter – Ein Sport­club und sei­ne Stadt“ ana­ly­siert auf sei­ner Face­book-Sei­te die ver­korks­te Sai­son der Preu­ßen, die am Mitt­woch, wie Sie wahr­schein­lich gehört haben, mit dem Abstieg aus der 3. Liga ende­te. Schul­ze-Mar­me­ling macht auch Vor­schlä­ge, was jetzt zu tun ist. Müns­ters CDU betont indes in einer Pres­se­mit­tei­lung, dass es bei den Plä­nen zum Sta­di­on­bau blei­ben wird. Frak­ti­ons­chef Ste­fan Weber sagt: „Die Sanie­rungs­plä­ne für das maro­de Sta­di­on sind von der Stadt nie abhän­gig gemacht wor­den vom momen­ta­nen Liga- oder Tabel­len­rang der Preu­ßen.“ Wo Sie den Preu­ßen-Geschäfts­füh­rer und Sport­chef Mal­te Met­zel­der dem­nächst fin­den, wis­sen wir noch nicht. Er ver­lässt den SCP, mel­det der Ver­ein auf sei­ner Web­site. Der Kicker schreibt, es gebe unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen zwi­schen ihm und ande­ren Klub­ver­ant­wort­li­chen über die wei­te­re Aus­rich­tung des Vereins.


Blick in die Medien

+++ In der Kri­se allein. Müns­ter muss­te nur aus der Nach­bar­schaft zuse­hen, wie die Krei­se Güters­loh und zunächst auch Waren­dorf durch den Coro­na-Aus­bruch in der Tön­nies-Fabrik mit dem Kri­sen­ma­nage­ment an ihre Gren­zen kamen und kom­men. Die Grün­de für die vor­her­seh­ba­re Über­for­de­rung hat Mar­cus Bens­mann für das Recher­che­zen­trum Cor­rec­tiv auf­ge­schrie­ben. Kurz zusam­men­ge­fasst könn­te man sagen: Das Land Nord­rhein-West­fa­len lässt die Kom­mu­nen allein, zunächst Heins­berg, dann Güters­loh und Waren­dorf. Dabei for­dern Fach­leu­te schon seit fünf Jah­ren, „über­re­gio­na­le zen­tra­le ope­ra­ti­ve Struk­tu­ren mit Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz auf Lan­des­ebe­ne zu schaf­fen“. Hat aber kei­ner geschafft.

+++ Die feh­len­den Jah­re. Mein Kol­le­ge Ralf Hei­mann hat etwas ent­deckt: Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten haben am Wochen­en­de eine Son­der­bei­la­ge zum 200-jäh­ri­gen Bestehen des Ober­lan­des­ge­richts ver­öf­fent­licht. Auf vier Sei­ten geht es um die Fra­ge, was ein Ober­lan­des­ge­richt eigent­lich ist, für wel­ches Gebiet das Gericht zustän­dig ist, was es tut. Ein Text beschäf­tigt sich mit dem alten Sitz und dem Neu­bau. Es geht auch um die Geschich­te, dar­um „wie das höchs­te Gericht in eine klei­ne Stadt zog“.Aber zwölf Jah­re feh­len auf den vier Sei­ten fast voll­kom­men: die Zeit von 1933 bis 1945. Frank Bier­mann, Vor­sit­zen­der der Ver­di-Jour­na­lis­ten­ge­werk­schaft DJU fürs Müns­ter­land, berich­tet dar­über auf sei­ner Face­book-Sei­te. Dem­nach hat der West­fä­li­sche Anzei­ger die Son­der­sei­ten erstellt. Jörn Fun­ke, Redak­teur des West­fä­li­schen Anzei­gers, sag­te auf Anfra­ge von Ver­di, es sei­en ursprüng­lich 16 Sei­ten gewe­sen. „Dass hier von 1933 bis 1945 Unrechts­jus­tiz betrie­ben wor­den ist und die ver­ant­wort­li­chen Rich­ter und Staats­an­wäl­te dafür in der Regel nicht zur Rechen­schaft gezo­gen wor­den sind, ist uns beim West­fä­li­schen Anzei­ger natür­lich bekannt und auch regel­mä­ßig the­ma­ti­siert wor­den“, schreibt Fun­ke. Auf einer Sei­te sei es expli­zit um die Jus­tiz im Drit­ten Reich gegan­gen. Der West­fä­li­sche Anzei­ger stell­te die Sei­ten auch ande­ren Zei­tun­gen zur Ver­fü­gung, unter ande­rem den West­fä­li­schen Nach­rich­ten. Doch dort fehlt die­ser Teil. Die Fra­ge ist: Wie konn­te das pas­sie­ren? Unse­re Mit­ar­bei­te­rin Ann-Mar­len Hoolt hat Chef­re­dak­teur Nor­bert Tie­mann gefragt. Er sagt, sei­ne Redak­ti­on habe vom West­fä­li­schen Anzei­ger Mate­ri­al bekom­men, das für zwölf bis 18 Sei­ten gereicht hät­te. Frei gewe­sen sei­en aber nur vier Sei­ten. Da habe man eben etwas weg­las­sen müs­sen – und sich auf die Anfän­ge und die aktu­el­le Situa­ti­on kon­zen­triert. Es sei kein Vor­satz gewe­sen, son­dern ledig­lich eine Platz­fra­ge, sagt Tie­mann. Genü­gend Platz war aber zum Bei­spiel, um auf einer gan­zen Sei­te eine Bau­rechts­ver­hand­lung dar­zu­stel­len, in der es um ein kaput­tes Dach geht.


Blick auf die Medien

+++ Traum­hoch­zeit und Ver­nunfts­ehe. Eigent­lich fin­den wir Medi­en­schaf­fen­de es trau­rig, wenn Medi­en-Titel vom Markt ver­schwin­den. Doch in die­sem Fall liegt die Sache ein biss­chen anders. Zwei Titel ver­schmel­zen zu einem neu­en. Müns­ter Urban und MÜNSTER! haben „Ja“ zuein­an­der gesagt und sich sogar auf einen gemein­sa­men Namen geei­nigt. Er lau­tet MÜNSTER! Wir gra­tu­lie­ren den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen zur Hoch­zeit. Der Noch-Chef­re­dak­teur der jet­zi­gen MÜNSTER!, Chris­toph Wüll­ner, hat sei­ne Antei­le am regio­na­len Monats­ma­ga­zin an den Stadt­lust-Ver­lag (Aschen­dorff) abge­ge­ben, in dem das Maga­zin sowie­so schon erschien, und will künf­tig als frei­er Bera­ter Medi­en-Kon­zep­te und For­ma­te ent­wi­ckeln. Von einer „Traum­kon­stel­la­ti­on“ spricht Jörg Heit­hoff, Geschäfts­füh­rer von Müns­ter Urban. Sei­ne Frau, Brit­ta Heit­hoff, wird Chef­re­dak­teu­rin der „Zuge­winn­ge­mein­schaft“. Die neue MÜNSTER! wird Ele­men­te aus bei­den Titeln ent­hal­ten und monat­lich erschei­nen, zum ers­ten Mal im Sep­tem­ber. Durch den neu­en Ver­lags­part­ner – bis­her erschien Müns­ter Urban im eige­nen Heit­hoff-Ver­lag – kön­ne man sich künf­tig mehr auf die Inhal­te kon­zen­trie­ren. Ein­mi­schun­gen wer­de es nicht geben, sagt Heit­hoff. Sei­ne Pro­gno­se: stei­gen­de Abo­zah­len. Eine rei­ne Hei­rat aus Lie­be war es also ver­mut­lich nicht. 


Korrekturen und Ergänzungen

In unse­rem Brief am Frei­tag schrie­ben wir, im Zusam­men­hang mit dem Miss­brauchs­fall gebe es Spu­ren zu 30.000 Tat­ver­däch­ti­gen. Das hat­te NRW-Jus­tiz­mi­nis­ter Peter Biesen­bach (CDU) auch tat­säch­lich so gesagt. Doch es wur­de spä­ter kor­ri­giert, wie unter ande­rem die Nach­rich­ten­agen­tur dpa berich­tet. Tat­säch­lich han­delt es sich um 30.000 Spu­ren zu Tat­ver­däch­ti­gen. Die Zahl der Tat­ver­däch­ti­gen ist des­we­gen wahr­schein­lich deut­lich geringer.

Und noch eine Ergän­zung zu unse­rer Ergän­zung zur Bun­des­stra­ße 51. Wir schrie­ben am Mitt­woch, für den Aus­bau der Stra­ße sei der Lan­des­be­trieb Straßen.NRW zustän­dig. Das stimmt zwar, den Aus­bau ent­schei­det aber grund­sätz­lich der Bund. Vie­len Dank an Moni­ka Wey­er für den Hinweis.


Unbezahlte Werbung

Für den unwahr­schein­li­chen Fall, dass Sie noch nir­gends über die Neu­ig­keit gestol­pert sind, schrei­be ich es hier noch ein­mal auf: Müns­ter hat einen neu­en gro­ßen Bier­gar­ten. Auf einer Grün­flä­che an der Pro­me­na­de, Höhe Stadt­bad-Mit­te, kann man schon die Tische, Bän­ke und Lie­ge­stüh­le von Biergarten.ms ste­hen sehen. Teams von gastro.ms und der Goril­la-Bar haben sich mit dem Lie­fer­ser­vice hungrig.ms zusam­men­ge­tan und ein coro­na­kon­for­mes Kon­zept ent­wi­ckelt, das nach Ent­span­nung aus­sieht und nicht nach Ein­schrän­kun­gen. Die Bestel­lun­gen kön­nen die Gäs­te vom Platz aus über ihr Smart­pho­ne erle­di­gen. Platz ist für 400 Menschen.


Drinnen

Das typi­sche Schwimm­bad­wet­ter bleibt die­ses Wochen­en­de wahr­schein­lich aus, also schau­en Sie sich doch ein­fach mal im Tro­cke­nen die Pool­bil­der des Künst­lers Nor­bert Tade­usz (1940–2011) an. Sei­ne Gemäl­de sind bunt, groß und vol­ler schim­mern­der Licht­ef­fek­te. Sie hän­gen im LWL-Muse­um für Kunst und Kul­tur. Sie kön­nen sie ent­we­der vor Ort betrach­ten oder von zu Hau­se aus auf die­ser Sei­te. Und wenn Sie schon mal dort sind – egal ob ana­log oder vir­tu­ell – las­sen Sie ruhig auch all die ande­ren Wer­ke der Aus­stel­lung „Nor­bert Tade­usz“ auf sich wir­ken. Es ist ohne­hin schwer, nicht hin­zu­se­hen – die kräf­ti­gen Far­ben, außer­ge­wöhn­li­chen Moti­ve und uner­war­te­ten Per­spek­ti­ven knal­len einem regel­recht auf die Netzhaut.


Draußen

Weil ich vor­hin über den neu­en Ver­ein für Fuß­gän­ge­rin­nen und Fuß­gän­ger geschrie­ben habe, kam mir fol­gen­der Spa­zier­gang wie­der in den Sinn. Ich bin ihn im letz­ten Früh­jahr abge­lau­fen, um ihn in einem Rei­se­füh­rer zu ver­ewi­gen. Ich nen­ne den char­man­ten Weg durch Müns­ters Innen­stadt „Sie­ben auf einen Streich“; denn in nur einer Stun­de pas­siert man auf einer etwa 2,5 Kilo­me­ter lan­gen Stre­cke sie­ben Kir­chen. Und ganz egal, wel­cher Reli­gi­on Sie ange­hö­ren, ob Sie Athe­is­tin, Athe­ist oder jemand sind, der zu den 16.654 Katho­li­ken des Bis­tums Müns­ter gehö­ren, die aus der Kir­che aus­ge­tre­ten sind und ihr damit einen Nega­tiv-Rekord beschwert haben: Kir­chen anschau­en ist allen Men­schen erlaubt. 

  • Sta­ti­on 1: die St.-Ludgeri-Kirche gegen­über von McDonalds
  • Sta­ti­on 2: die klei­ne Cle­mens­kir­che, die ver­steckt hin­ter dem Park­haus Stu­ben­gas­se liegt (unbe­dingt rein­schau­en und die Pracht genießen!)
  • Sta­ti­on 3: die Domi­ni­ka­ner­kir­che samt welt­be­rühm­tem Gerhard-Richter-Pendel
  • Sta­ti­on 4: die lee­ren Käfi­ge an der Kir­che St. Lam­ber­ti – Gänsehautmoment
  • Sta­ti­on 5: der mäch­ti­ge St.-Paulus-Dom
  • Sta­ti­on 6: ein biss­chen abwärts zur Über­was­ser­kir­che mit ihren hohen Türmen
  • Sta­ti­on 7: zum End­spurt die Aa ent­lang Rich­tung Petri­kir­che am Jesuitengang

Ich wün­sche Ihnen noch einen stol­per­frei­en Frei­tag­abend. Mein Kol­le­ge Ralf Hei­mann schreibt Ihnen nächs­te Woche wieder.

Herz­li­che Grüße

Kat­rin Jäger

Mit­ar­beit: Ann-Mar­len Hoolt, Sebas­ti­an Stachorra

PS

Ges­tern haben mich müns­ter­sche Stu­den­tin­nen der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft per Video-Kon­fe­renz inter­viewt. Es ging um die The­men Lokal­jour­na­lis­mus, um neue Wege, die der Jour­na­lis­mus gera­de geht, und natür­lich um RUMS. Zum Schluss frag­ten mich die jun­gen Frau­en nach der Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf, und danach, ob ich als Frau jemals beruf­li­che Nach­tei­le hat­te. Durch mei­ne eige­nen Ant­wor­ten wur­de mir wie­der ein­mal klar, wie sehr mein Ent­schluss, Mut­ter zu sein, mei­nen Kar­rie­re­weg tat­säch­lich nega­tiv beein­flusst hat. Und mir wur­de klar: Solan­ge die­se Fra­gen nur Frau­en gestellt wer­den, sind Män­ner und Frau­en nicht annä­hernd gleichberechtigt.