Belästigte Politiker:innen | Der Kommunalwahlcheck kommt | Poetische Plakate

Müns­ter, 21. August 2020 

Guten Tag,

am Diens­tag war Ange­la Mer­kel zu Gast in Nord­rhein-West­fa­len. Ihre Anspra­che wur­de auf Face­book live über­tra­gen. Ich woll­te hören, was sie zu sagen hat. Es ging vor allem um das Ein­hal­ten der Coro­na-Regeln, Mas­ken­pflicht in der Schu­le, um den Umgang mit der Kri­se. Doch bin­nen weni­ger Sekun­den war ich abge­lenkt. Nicht nur, dass die durch das Bewegt­bild flie­gen­den Wut-Emo­jis immer wie­der mei­nen Blick auf sich zogen, auch die Kom­men­tar­spal­ten waren voll von Hass und Empö­rung. Ich las und las die­sen gan­zen Müll und konn­te mich nicht mehr auf Mer­kels Rede kon­zen­trie­ren. Mir ging Ande­res durch den Kopf. Wie hal­ten Politiker:innen das nur aus, frag­te ich mich. Wie ertra­gen sie die­sen Zorn der Frus­trier­ten, der schon mir als eigent­lich unbe­tei­lig­tem Zaun­gast auf den Magen schlägt? 

Kurz danach sah ich einen Fern­seh­bei­trag des WDR. Es ging dabei um Kommunalpolitiker:innen in Bochum, die beim Auf­hän­gen ihrer Pla­ka­te ras­sis­tisch beschimpft wur­den. Man sah den Betrof­fe­nen im Inter­view an, wie sehr ihnen das zu schaf­fen macht. Sie enga­gie­ren sich, tun etwas für die Gesell­schaft und wer­den so zur Ziel­schei­be für Schrei­häl­se und Unzu­frie­de­ne. Und es bleibt ja nicht nur beim Schrei­en oder bei Kom­men­ta­ren in den Social-Media-Kanälen. 

Beschimpft und angegriffen: Lokalpolitiker:innen

Die Gewalt gegen Amts- und Mandatsträger:innen in der Lokal­po­li­tik nimmt zu. Allein 2019 zähl­te das Bun­des­kri­mi­nal­amt 1.241 poli­tisch moti­vier­te Straf­ta­ten. Fast zwei Drit­tel der Bürgermeister:innen wur­den nach Recher­chen von Report Mün­chen bereits belei­digt, beschimpft, bedroht oder tät­lich ange­grif­fen. Schreck­li­cher Höhe­punkt: Vor gut einem Jahr wur­de der Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­dent Wal­ter Lüb­cke ermor­det, am 5. August die­ses Jahrs gestand sein Mör­der vor Gericht, gezielt und vol­ler Absicht geschos­sen zu haben (Arti­kel in der Zeit). Hass auf die Poli­tik Lüb­ckes war offen­bar ein Motiv. 

Und wie ist das in Müns­ter? Wer­den auch hier Politiker:innen zur Pro­jek­ti­ons­flä­che für sinn­lo­se Wut?

Mein Kol­le­ge Nils Diet­rich hat bei den im Stadt­rat ver­tre­te­nen Frak­tio­nen nach­ge­fragt. Das Ergeb­nis sei­ner Umfra­ge: Ja, auch hier wer­den Men­schen beläs­tigt und bedroht, weil sie sich für die Demo­kra­tie und unse­re Stadt einsetzen. 

Daueranrufe, Drohungen und Dreck

Es ist inzwi­schen eini­ge Jah­re her, doch Micha­el Jung kann sich noch sehr gut an sei­nen Stal­ker, wie er ihn nennt, erin­nern. Der Mann hat­te sich den Chef der SPD-Frak­ti­on zum Feind­bild erko­ren, denn Jung ist zugleich Mit­glied im Auf­sichts­rat der Stadt­wer­ke. Und als sol­cher wäre er – so die wir­re Logik des Täters – mit­ver­ant­wort­lich für die stei­gen­den Energiepreise. 

Was folg­te, war ein Mar­ty­ri­um, von Dau­er­an­ru­fen am spä­ten Abend bis hin zu Ver­leum­dun­gen im beruf­li­chen Umfeld. Jung zeig­te den Mann an. Tat­säch­lich ging die Ange­le­gen­heit vor Gericht, der Mann wur­de zu 60 Tages­sät­zen wegen Ver­leum­dung und übler Nach­re­de ver­ur­teilt, nach­dem er einen Straf­be­fehl zunächst nicht akzep­tiert hatte. 

„99 Pro­zent der Leu­te, die einen kon­tak­tie­ren, haben ein erns­tes Anlie­gen“, sagt Jung. Aber: „Es reicht ein Ver­rück­ter.“ Jung fand auch schon Erd­beer­eis und benutz­tes Toi­let­ten­pa­pier im pri­va­ten Brief­kas­ten vor. Wenn die Leu­te anru­fen oder vor der Tür ste­hen, „über­schrei­tet das Gren­zen.“ Auch ande­re Mit­glie­der sei­ner Frak­ti­on sind betrof­fen. „Mit Droh­brie­fen oder -mails haben wir stän­dig zu tun, das kommt teil­wei­se in Wel­len.“ Vor allem Sozialpolitiker:innen und Rats­frau­en haben mit Beläs­ti­gun­gen zu kämp­fen. So erhielt Katha­ri­na Köhn­ke, die ihr Man­dat inzwi­schen aus beruf­li­chen Grün­den nie­der­ge­legt hat, nächt­li­che Droh­an­ru­fe mit der Auf­for­de­rung, ihre Akti­vi­tä­ten gegen die AfD einzustellen. 

Frank Bau­mann, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der CDU-Frak­ti­on, berich­tet eben­falls von Beläs­ti­gun­gen. Anony­me Täter:innen bestel­len für ihn, für ande­re Mit­glie­der des Frak­ti­ons­vor­stands oder für Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe Waren und Zeit­schrif­ten-Abon­ne­ments. Von Wein bis zu Damen­schu­hen war bei Bau­mann bereits alles dabei. 

„Das ist umständ­lich und ner­vig, wenn man jeden Tag Pake­te bekommt“, sagt Bau­mann. Schließ­lich muss er all die­se Kauf­vor­gän­ge wie­der rück­gän­gig machen – eine auf­wän­di­ge Arbeit bei, wie Bau­mann schätzt, bereits 40 bis 50 die­ser unge­frag­ten Sen­dun­gen. „Ich muss­te vie­le teil­wei­se ärger­li­che Tele­fo­na­te füh­ren. Erst­mal steht man da als säu­mi­ger Zahler.“ 

Der oder die Täter:innen gehen dabei durch­aus geschickt vor. Sie bestel­len Waren über Cou­pons, die sie aus Zeit­schrif­ten aus­schnei­den. Die Post­kar­ten wie­der­um schi­cken sie aus den Umland­ge­mein­den ab. Digi­ta­le Spu­ren? Fehlanzeige. 

Im Brief­kas­ten von Grü­nen-Rats­herr Cars­ten Peters fin­den sich unge­fragt Fach­pu­bli­ka­tio­nen zu Fahr­rä­dern und erneu­er­ba­ren Ener­gien. „Da scheint wer zu recher­chie­ren“, sagt er. Die Unbe­kann­ten erstel­len die erfor­der­li­chen Bestell­schrei­ben am Com­pu­ter und fäl­schen Peters’ Unter­schrift. „Ins­ge­samt sieht das recht dilet­tan­tisch aus.“ Doch am Ende han­delt es sich dabei um Betrug. 

Peters ist sich sicher, wel­chem Umfeld der oder die Täter:innen zuzu­ord­nen sind: „Das ist eine gän­gi­ge Metho­de in der rech­ten Sze­ne.“ Für die­se Ver­mu­tung wür­de spre­chen, dass er sich als einer der füh­ren­den Köp­fe des Bünd­nis­ses „Kei­nen Meter den Nazis“ an her­vor­ge­ho­be­ner Stel­le gegen Rechts­ra­di­ka­lis­mus engagiert. 

Neben Peters und vier wei­te­ren Frak­ti­ons­mit­glie­dern erhält auch Grü­nen-Rats­herr Chris­toph Kat­tentidt zeit­wei­se uner­wünsch­te Post. „Das ist belas­tend, du musst dich damit beschäf­ti­gen und hast Arbeit damit.“ Zudem ist das pri­va­te Umfeld betrof­fen, berich­tet der drei­fa­che Vater: „Das ist nicht schön für die Fami­lie, die das ja auch mit­be­kommt.“ Trotz uner­wünsch­ter Post will Grü­nen-Poli­ti­ker Kat­tentidt sei­ne Kon­takt­da­ten nicht aus dem Rats­in­for­ma­ti­ons­sys­tem löschen. Er möch­te für die Bürger:innen erreich­bar sein. 

Bei der FDP gibt es kei­ne bekann­ten Vor­fäl­le, die Links­par­tei ärgert sich über benutz­te Inkon­ti­nen­zwin­deln im Brief­kas­ten der Geschäftsstelle. 

Wie entgeht man den Belästigungen?

Auch wenn die müns­ter­schen Politiker:innen sich nicht von ner­vi­gen Paket­sen­dun­gen und Dro­hun­gen ein­schüch­tern las­sen, sie reagie­ren natür­lich darauf. 

Bau­manns Pri­vat­adres­se ist nicht mehr im Tele­fon­buch zu fin­den. Eini­ge Rats­leu­te der Grü­nen geben inzwi­schen die Adres­se der Geschäfts­stel­le im Rats­in­for­ma­ti­ons­sys­tem an, in einem Fall steht am Brief­kas­ten: „Neh­me kei­ne Pake­te an“. Waren­sen­dun­gen gehen dann an eine Bekann­te. Micha­el Jung hat sei­ne pri­va­ten Tele­fon­num­mern aus dem Rats­in­for­ma­ti­ons­sys­tem entfernt. 

Wenn es Dro­hun­gen gegen Per­so­nen gibt, zeigt die SPD die­se an. Der­zeit lie­gen drei Fäl­le vor, teil­te die Poli­zei auf Anfra­ge mit. 2019 sei es kein ein­zi­ger gewe­sen. Ob die Anzei­gen wirk­lich etwas brin­gen, ist eine ande­re Fra­ge. „Der Staats­schutz hat kei­ne Hand­ha­be“, sagt Peters von den Grü­nen. „Was wol­len die letzt­lich machen?“, fragt auch SPD-Ober­bür­ger­meis­ter-Kan­di­dat Jung. Auf der Wache, erzählt er, hat man ihn damals nicht sehr ermu­tigt. Einer der Beam­ten hat ihn nur gefragt: „Und das tun Sie sich ehren­amt­lich an?“ 

Der Kommunalwahlcheck mit RUMS

Am 7. August habe ich Ihnen in einem Brief erklärt, war­um es in Müns­ter kei­nen Wahl-O-Mat (genau­er: Wahl­kom­pass) geben wird. Die CDU und die Grü­nen hat­ten einem ent­spre­chen­den Antrag von FDP und SPD nicht umfas­send zuge­stimmt, son­dern die Ver­wal­tung damit beauf­tragt, zunächst die Umsetz­bar­keit zu prü­fen. Das Ergeb­nis: Die Zeit sei zu knapp. Nor­bert Kers­t­ing, Pro­fes­sor an der Uni Müns­ter und Lei­ter des Kom­pe­tenz­zen­trums „Urba­ne, Regio­na­le Inno­va­ti­on und Inter­net “ (URii) hät­te mit sei­nem Team den Wahl­kom­pass umge­setzt. Er sah kei­ne zeit­li­chen Pro­ble­me – und war ent­täuscht, dass hier eine Chan­ce ver­tan wurde. 

Gera­de in Zei­ten von Coro­na ist ein regu­lä­rer Wahl­kampf für alle Par­tei­en – vor allem für die klei­ne­ren und neue Kandidat:innen – nahe­zu unmög­lich, fin­det er. Eine Online-Wahl­hil­fe wäre ein nied­rig­schwel­li­ges und fai­res Mit­tel gewe­sen, um Wähler:innen zu mobilisieren. 

Und des­halb blie­ben er und sein Team dran. Sie kon­tak­tier­ten RUMS, wir rede­ten und waren über­zeugt. Bald schon – bit­te stel­len Sie sich an die­ser Stel­le einen klei­nen Trom­mel­wir­bel vor – wird nun doch ein Kom­mu­nal­wahl­check für Müns­ter online gehen! Erstellt wird er von Nor­bert Kerst­ings Kom­pe­tenz­zen­trum – und RUMS ist Medi­en­part­ner des Pro­jekts.

Doch was genau steckt dahinter? 

Der Kom­mu­nal­wahl­check ist nach wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­täts­kri­te­ri­en ent­wi­ckelt wor­den. Er wird 2020 von den müns­ter­schen Politikwissenschaftler:innen erst­ma­lig zur Oberbürgermeister:innen-Wahl in Köln, Essen, Sie­gen, Bie­le­feld und jetzt auch in Müns­ter ein­ge­setzt. Die Nutzer:innen besu­chen die ent­spre­chen­de Inter­net­sei­te, die zwei Wochen vor der Wahl online gehen wird, und beant­wor­ten, in­wie­weit sie mit bestimm­ten lokal­po­li­ti­schen The­men übereinstimmen. 

Am Ende des Checks erfah­ren sie, wel­che Posi­tio­nen der Par­tei­en und Ober­bür­ger­meis­ter-Kan­di­da­ten (in Müns­ter sind das ja nur Män­ner) den eige­nen Posi­tio­nen ent­spre­chen. Sie kön­nen aber auch Ver­glei­che zwi­schen den Par­tei­en und Kan­di­da­ten zie­hen. Alles ist spie­le­risch und unkom­pli­ziert aufgebaut. 

Jede Par­tei und jeder Kan­di­dat beka­men vom Insti­tut etwa 40 Fra­gen geschickt; die Ant­wor­ten arbei­ten die Wissenschaftler:innen der­zeit ein. Bis­lang haben mehr als die Hälf­te der Ange­schrie­be­nen geant­wor­tet. „Spä­tes­tens Mon­tag früh soll­ten dann mög­lichst alle Rück­mel­dun­gen ein­ge­gan­gen sein“, so Kers­t­ing. Wir hal­ten Sie auf dem Laufenden. 


In aller Kürze

+++ Teu­re Ablö­se. Nein, es geht hier nicht um Fuß­ball. Es geht um Tho­mas Rob­bers, der im Juni nach einem Dring­lich­keits­be­schluss aus sei­nem Amt als Geschäfts­füh­rer der Wirt­schafts­för­de­rung Müns­ter GmbH abbe­ru­fen wur­de. Grund war sein pri­va­ter Kon­takt zum Haupt­be­schul­dig­ten Adri­an V. im Kin­des­miss­brauchs­fall von Müns­ter und die man­geln­de Bereit­schaft, Fra­gen von Ober­bür­ger­meis­ter Lewe dazu zu beant­wor­ten. Ralf Hei­mann hat das umstrit­te­ne Vor­ge­hen rund um die Abbe­ru­fung in sei­nem Brief vom 24. Juni sehr detail­liert beschrie­ben. Straf­recht­lich lag und liegt wei­ter­hin nichts gegen Rob­bers vor. Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten (€) schrei­ben heu­te, dass nun ein Nach­fol­ger gefun­den wur­de. Es han­de­le sich laut WN-Infor­ma­tio­nen um Enno Fuchs, Geschäfts­füh­rer der „Bochu­mer Per­spek­ti­ve 2022 GmbH“ des Auto­her­stel­lers Opel. Am kom­men­den Mitt­woch soll der Rat Fuchs bestä­ti­gen. Die WN machen danach noch eine inter­es­san­te Rech­nung auf: Dort heißt es, dass die Abfin­dungs­sum­me, die nun auf die Stadt zukommt, sehr hoch wer­den kann. Es geht dem­nach um aus­ste­hen­de Gehalts­zah­lun­gen und auch eine mög­li­che Kla­ge wegen Ruf­schä­di­gung steht im Raum. Die WN haben dazu Exper­ten befragt: Die­se gehen von einer Sum­me von 1,5 bis 2 Mil­lio­nen Euro aus. 

+++ Mau­ritz ohne Men­schen. Das Datum für die ange­kün­dig­te Bom­ben-Eva­ku­ie­rung steht jetzt fest. Am 20. Sep­tem­ber müs­sen rund 16.000 Anwohner:innen aus Mau­ritz ihre Woh­nun­gen ver­las­sen, auch das Fran­zis­kus-Hos­pi­tal liegt in dem betrof­fe­nen Are­al. An fünf Stel­len könn­ten Blind­gän­ger aus dem Zwei­ten Welt­krieg lie­gen, die der Kampf­mit­tel­räum­dienst dann ent­schär­fen müss­te. Ende August rich­tet die Stadt dazu eine Info-Hot­line ein, zu Beginn der Eva­ku­ie­rung wer­den die Men­schen außer­dem durch die Warn-App NINA, Radio und Laut­spre­cher infor­miert, heißt es in der Pres­se­mit­tei­lung der Stadt. 

+++ Hal­be Sache. Die Farb­ei­mer kön­nen wie­der luft­dicht ver­schlos­sen wer­den, denn erst ein­mal ist Schluss mit der Rot­fär­be­rei von Müns­ters Fahr­rad­stra­ßen. Die Stadt hat den Umbau der Hit­torf­stra­ße gestoppt, schrei­ben die West­fä­li­schen Nach­rich­ten (€). Zu groß waren Ärger und Unmut der Anwohner:innen. Die­se hat­ten sich von der Stadt über­rum­pelt gefühlt. Das mit dem Aus­bau einer Fahr­rad­stra­ße auch 46 Park­plät­ze weg­fal­len wür­den, war ihnen erst viel zu spät vom Tief­bau­amt mit­ge­teilt wor­den. Was lag also vor? Ein klas­si­sches Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­blem. Das Amt hat­te wenig sen­si­bel und weit­sich­tig die eige­nen Bürger:innen außen vor gelas­sen. Die vom Rat mehr­heit­lich beschlos­se­ne Sache wird nun also ver­tagt – und stär­ker regle­men­tiert. Für jede Fahr­rad­stra­ße soll es jetzt einen eige­nen Bau­be­schluss geben, kün­dig­te der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter des Tief­bau­am­tes, Ger­hard Rül­ler, in der Sit­zung des Bau­aus­schus­ses an. Außer­dem gelobt die Stadt­ver­wal­tung Bes­se­rung in Sachen Teil­ha­be. Man wol­le künf­tig Anwohner:innen und Nutzer:innen der Stra­ßen mit ein­be­zie­hen. Geplan­te Umset­zung: in ein paar Mona­ten. Oder anders gesagt: irgend­wann nach der Wahl. 


Corona-Update

Wenig Abstand, weni­ger Was­ser­spaß. Im Süd­park war es in den letz­ten hei­ßen Tagen laut Ord­nungs­amt ein­fach zu voll und damit zu wenig Coro­na-kon­form. Dicht drän­gel­ten sich Kin­der und Eltern an den neu­en Was­ser­spie­len. Das macht zwar Spaß, ist aber ein­fach zu gefähr­lich. Also dreh­te das Grün­flä­chen­amt ges­tern den Hahn – zumin­dest ein biss­chen – zu. Seit ges­tern lau­fen die bei­den Fon­tä­nen­fel­der in kur­zen Inter­val­len, die inter­ak­ti­ven und damit kon­takt­rei­chen Was­ser­spiel­ele­men­te sind vor­erst für eine Woche abgeschaltet. 

Coro­na-Fall im Land­ge­richt. Eine Mit­ar­bei­te­rin des Land­ge­richts Müns­ter ist posi­tiv auf das Coro­na-Virus getes­tet wor­den. Ver­hand­lun­gen fal­len des­we­gen aber nicht aus, bestä­tig­te uns ges­tern das Land­ge­richt Müns­ter. Die Kol­le­gin hat sich offen­sicht­lich im pri­va­ten Umfeld ange­steckt und steht nun unter Quarantäne. 

Aktu­ell gel­ten im Stadt­ge­biet 44 Münsteraner:innen als infi­ziert. Damit ist die Gesamt­zahl der Coro­na-Fäl­le um zwei auf 900 gestie­gen, davon sind 843 Patient:innen wie­der gesund. 


Korrekturen und Ergänzungen

In unse­rem letz­ten Brief von Diens­tag haben wir geschrie­ben, dass Ober­bür­ger­meis­ter-Kan­di­dat Mar­kus Lewe nicht an der Podi­ums­dis­kus­si­on der Fri­days-for-Future-Bewe­gung teil­nimmt. Das stimmt auch nach wie vor. Aber: Die Podi­ums­dis­kus­si­on fin­det als Zoom-Kon­fe­renz bereits am 1. Sep­tem­ber statt und nicht wie von uns gemel­det am 4. Sep­tem­ber im Rah­men des Kli­ma­st­reiks. Dan­ke für den Hin­weis, Paul Oppermann. 


Drinnen

Viel­leicht liegt es am Wet­ter. Bei Tem­pe­ra­tu­ren über 28 Grad bewe­ge ich mich nicht ger­ne. Ich lie­ge ein­fach matt her­um. Wahl­wei­se auf der Gar­ten­lie­ge oder auf dem Sofa (natür­lich erst, wenn ich mit dem Brief-Schrei­ben fer­tig bin). Manch­mal lau­sche ich dem Vogel­ge­zwit­scher, doch die letz­ten Aben­de war es die selt­sam abge­hack­te Stim­me des Schau­spie­lers Bur­chard Dabin­nus, der ich zuge­hört habe. Des­halb muss die­se Emp­feh­lung – ich hof­fe, Sie sehen es mir nach – wie­der eine Pod­cast-Emp­feh­lung sein. Denn „Der Mör­der und mei­ne Cou­si­ne“ ist ein­fach rich­tig gut. Pro­du­ziert vom Baye­ri­schen Rund­funk schil­dert Dabin­nus einen wah­ren Fall. Nicht irgend­ei­nen. Son­dern einen, der ihm sehr, sehr nahe geht. Sei­ne Cou­si­ne Saskia wur­de ermor­det. Vom eige­nen Lebens­ge­fähr­ten. Die Betrof­fen­heit, das Nach­for­schen, das Zögern beim Nach­for­schen, die Selbst­vor­wür­fe – all das ist dadurch unfass­bar echt und greif­bar nah. Dar­über hin­aus schil­dert der Pod­cast (auch bei Spo­ti­fy) ein schreck­li­ches Phä­no­men unse­rer Gesell­schaft: Tötet ein Mann sei­ne Part­ne­rin, wird die Tat oft als Eifer­suchts­dra­ma und Bezie­hungs­tat ver­harm­lost – auch vor Gericht. Gera­de so, als kön­ne der Täter ja nichts dafür. 


Draußen

Poe­ti­sche Pla­ka­te. Sei­ne Gedich­te ste­hen in gro­ßen Buch­sta­ben auf hell­blau­en Pla­ka­ten. „When We Are Gone The Trees Will Riot“. Wor­te, die seit Mitt­woch an der Hafen­stra­ße, der Waren­dor­fer oder Wol­be­cker Stra­ße auf­tau­chen und irri­tie­ren. Sie tra­gen Kunst in den Stadt­raum, direkt zu den Men­schen. Doch wer steckt dahin­ter? Wer schrieb die Zei­len? Robert Mont­go­me­ry heißt der Pla­kat-Poet und Text­künst­ler. Er kommt aus Groß­bri­tan­ni­en und macht Wor­te zu etwas Beson­de­rem, Spek­ta­ku­lä­rem. In New York genau­so wie in Ber­lin oder Colo­ra­do. Jetzt ist er auf Ein­la­dung von Burg Hüls­hoff – Cen­ter for Lite­ra­tu­re (CfL) für das Kul­tur­event „Kei­ne Sorge/Don’t Care“ nach Müns­ter gekom­men. Die Pla­ka­te in der Stadt sind dabei nur ein Teil sei­ner Kunst. Vom 26. bis 30. August ver­wan­delt er die Burg Hüls­hoff mit einer Licht­in­stal­la­ti­on zum The­ma „Sor­ge um die Natur“ in ein leuch­ten­des Kunst­werk. Wer in die­se Lich­ter-Text-Bur­gen-Welt ein­tau­chen möch­te, soll­te Kar­ten vor­be­stel­len. Hier der Link zu den Tickets und zum Pro­gramm.

Am Diens­tag schrei­be ich Ihnen wie­der. Machen Sie sich ein ent­spann­tes Wochenende. 

Herz­li­che Grüße 

Kat­rin Jäger 

Mit­ar­beit: Sophie Fren­king, Nils Dietrich 

PS

Wir haben eine Schü­ler­prak­ti­kan­tin. Sie heißt Sophie, ist 16 Jah­re alt und wird des­halb in die­sem Jahr zum ers­ten Mal wäh­len. Des­halb bekam sie von mir den Auf­trag zu einer klei­nen Online-Recher­che. Sie soll­te her­aus­fin­den, wie lan­ge es dau­ert, die Wahl­pro­gram­me der müns­ter­schen Par­tei­en zu fin­den. Das Ergeb­nis war beein­dru­ckend. Denn es geht sehr schnell. Fast immer. Nur bei der CDU war es anders. Ihrem Pro­to­koll (sie hat ganz genau mit­ge­schrie­ben und die Zeit gestoppt) ent­neh­me ich, dass es bei­na­he unmög­lich war, das Pro­gramm der Uni­on zu fin­den. Nach 51 Minu­ten ver­geb­li­cher Suche und vie­len fal­schen Fähr­ten, die ins Lee­re lie­fen, gab sie auf. Am nächs­ten Tag half dann ihr Vater mit. Doch auch hier brauch­te man einen Trick (Wort­su­che mit Strg + f), um das Pro­gramm schließ­lich auf der Sei­te von Mar­kus Lewe zu finden. 

Wir möch­ten Ihnen die­se Suche erspa­ren. Des­halb hier nun die kom­plet­te Link­lis­te. (Die Rei­hen­fol­ge ent­spricht dem Stopp­uhr-Ran­king von Sophie: Und ja, wir lie­fern auch den fast unauf­find­ba­ren Pro­gramm-Link der CDU mit. Gern geschehen! 


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