Umweltfreundliches Corona? | Ratsbeschlüsse | Kult-Kiosk

Müns­ter, 15.05.2020

Guten Tag,

hier wird es heu­te voll. Denn es gibt eine Men­ge zu erzäh­len: Müns­ter mel­det wie­der mehr Coro­na-Infi­zier­te, der Rat fass­te eini­ge Beschlüs­se und wir star­ten mit einem The­ma, das in die Zukunft weist: die Nach­hal­tig­keit in Zei­ten von Coro­na.

Bli­cken wir zunächst kurz zurück: Erin­nern Sie sich noch an die Bil­der der klei­nen Fische aus Vene­dig? Mit­te März – es scheint eine Ewig­keit her – waren Fisch­schwär­me im kla­ren Lagu­nen­was­ser zu sehen, auch die Tages­zei­tung „Die Welt” berich­te­te dar­über. Die­se Bil­der und Berich­te lenk­ten unse­ren Blick in der angst­vol­len ers­ten Coro­na-Kri­sen-Zeit auf etwas Hoff­nungs­vol­les, denn sie zeig­ten uns: Wenn der Mensch still­steht, kann das ein Segen für die Natur sein. Kreuz­fahrt­schif­fe, die nicht mehr durch die Hafen­städ­te pflü­gen, Flug­zeu­ge, die am Boden blei­ben, Autos, die nicht fah­ren – die welt­wei­ten Aus­gangs­be­schrän­kun­gen und das Her­un­ter­fah­ren des nor­ma­len Lebens erlaub­ten uns eine Art Vor­schau in eine ande­re, schein­bar umwelt­freund­li­che­re Welt. Das war auch hier zu spü­ren, in Müns­ter. Plötz­lich hat­ten Rad­fah­re­rin­nen und Rad­fah­rer mehr Platz, wir gin­gen spa­zie­ren, statt zu shop­pen, und schau­ten in einen Him­mel ohne Flug­be­we­gung. Doch die Glei­chung Coro­na-Kri­se gleich gut fürs Kli­ma geht lei­der nicht auf.

Wir lösen die Klimakrise nicht durch Zuhause-Bleiben

Auch Car­la Reem­ts­ma, Kli­ma-Akti­vis­tin und Spre­che­rin der “Fri­days for Future”-Bewegung, macht die­se Rech­nung gar nicht erst auf. Die Müns­te­r­a­ne­rin sagt im Gespräch mit unse­rem RUMS-Kol­le­gen Sebas­ti­an Stachor­ra: „Grund­sätz­lich möch­te nie­mand die Frei­heits­ein­schrän­kun­gen als Lösung für die Kli­ma­kri­se.” Des­halb sei die The­se, dass Coro­na für mehr Nach­hal­tig­keit sor­ge, auch falsch. „Das ist schwie­rig, weil es den Ein­druck erweckt, wir lösen die Kli­ma­kri­se nur, wenn wir alle zuhau­se blieben.”

Mehr Hygiene, mehr Müll

Zuhau­se zu blei­ben, kann tat­säch­lich sogar nega­tiv für die Öko-Bilanz sein. Das belegt das hohe Müll­auf­kom­men, das der­zeit für sehr viel Arbeit bei den Abfall­wirt­schafts­be­trie­ben Müns­ter (AWM) sorgt. Dazu kommt der Ver­brauch von Plas­tik­ver­pa­ckun­gen, -besteck und Weg­werf­ge­schirr, der durch die Abhol- und Lie­fer­an­ge­bo­te der geschlos­se­nen Gastro­be­trie­be enorm in die Höhe schoss (z.T. um bis zu 70 Pro­zent) und sogar zu Lie­fer­eng­päs­sen beim Han­del führ­te. Der Cof­fee-to-go-Becher fei­ert sein Come­back, beim Bäcker kann man den pri­va­ten Jute­beu­tel nicht mehr über die The­ke rei­chen und eige­ne Dosen beim Markt­stand abzu­ge­ben, ist – aus Hygie­ne­grün­den – auch nicht mög­lich. Die Deut­sche Gesell­schaft für Abfall­wirt­schaft (DGAW) hat zu Beginn der Kri­se einen Anstieg des Haus­mülls von 20 Pro­zent ver­zeich­net. Mit den Locke­rungs­maß­nah­men jetzt wird sich die Stei­ge­rung im Gesamt­jahr 2020 vor­aus­sicht­lich auf 5,06 Pro­zent ein­pen­deln, das ent­spricht bun­des­weit 2,26 Mil­lio­nen Ton­nen Haus­müll. Hier fin­den Sie die genau­en Zah­len ganz aus­führ­lich erklärt.

Auch die Abfall­wirt­schafts­be­trie­be Müns­ter wol­len schon nächs­te Woche eine ers­te Bilanz zie­hen. Zur­zeit arbei­ten sie die kon­kre­ten Zah­len aus. Dass es aber mehr Müll gewor­den ist, ist unstrit­tig. Die öffent­li­chen Müll­ei­mer quel­len über, die Abhol­fre­quenz der Glas­con­tai­ner ist erhöht wor­den – und reicht augen­schein­lich den­noch nicht, Men­schen stel­len ihren Sperr­müll neben den nor­ma­len Müll. Erklä­run­gen dafür lie­gen auf der Hand: Die Müns­te­r­a­ne­rin­nen und Müns­te­ra­ner haben mehr zuhau­se kon­su­miert als in der Gas­tro­no­mie. Und sie hat­ten Zeit, end­lich auf- und aus­zu­räu­men. Inzwi­schen haben zwar acht von elf Recy­cling­hö­fen wie­der geöff­net, doch dort bil­den sich immer noch lan­ge Schlan­gen.

Der Müll­berg wächst aber nicht nur wegen des All­tags­kon­sums. Die müns­ter­schen Kran­ken­häu­ser benö­ti­gen mehr Mas­ken und Schutz­klei­dung, die nach Gebrauch weg­ge­wor­fen wer­den. Dazu kom­men Papier­tü­cher, die nach dem Waschen, Des­in­fi­zie­ren und Abtrock­nen der Hän­de eben­falls im Müll­ei­mer lan­den, berich­te­te uns eine Mit­ar­bei­te­rin des Clemens-Hospitals.

Bald fliegen sie wieder

Schau­en wir auf den Ver­kehr. In Müns­ter fah­ren wäh­rend der Coro­na-Zeit durch­schnitt­lich 35 Pro­zent weni­ger Autos auf den Stra­ßen, teil­te die Stadt­ver­wal­tung auf CDU-Anfra­ge mit. (Fakt am Ran­de: Die weni­gen Auto­fah­rer über­schrei­ten häu­fi­ger die Geschwin­dig­keit, mel­det die Poli­zei.) Ob das Ein­fluss auf die Kon­zen­tra­ti­on des Fein­staubs hat, ist nicht beleg­bar, da dort auch ande­re Ein­flüs­se wie das Wet­ter eine Rol­le spie­len. Dar­über berich­te­te schon der Wie­der­täu­fer.

Den größ­ten Still­stand gab es am Flug­ha­fen Münster/Osnabrück. Dort gin­gen statt der von Mit­te März bis Mit­te Mai übli­chen 170.000 Flug­gäs­te nur noch 3.000 in die Luft. Das spart zwar Kero­sin (gut für die Umwelt), bedeu­tet aber auch Kurz­ar­beit (schlecht für die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter). Doch Flug­ha­fen-Spre­cher Andrés Hei­ne­mann ist sicher: „Das Mobi­li­täts­be­dürf­nis der Men­schen ist nach wie vor vor­han­den.” Es gibt zahl­rei­che Anfra­gen, er hofft auf das Tou­ris­mus­seg­ment, das durch die Grenz­öff­nun­gen wie­der wach­sen wer­de. Und freut sich sehr, „dass die Luft­han­sa jetzt ange­kün­digt hat, am 2. Juni wie­der den Flug­ver­kehr vom FMO nach Mün­chen aufzunehmen.”

Chance vertan?

Also Kurz­stre­cken­flü­ge als ers­ter Schritt aus der Kri­se. Umden­ken, neu den­ken, ande­re, kli­ma­freund­li­che­re Wege gehen? Das ist aus die­ser vor­freu­di­gen Ant­wort auf unse­re Fra­gen, wie es nun wei­ter­geht, nicht her­aus­zu­le­sen. Und dass der FMO aus­ge­rech­net mit den Luft­han­sa-Inlands­flü­gen star­tet, zeigt natür­lich ganz deut­lich, dass sich tat­säch­lich nichts Grund­sätz­li­ches geän­dert hat. Flug­scham ist eben am Ende doch nur die Beschrei­bung eines schlech­ten Gewis­sens und bringt kein Geld. Und das wird der­zeit drin­gend benö­tigt.
Luft­han­sa ver­liert laut FMO-Spre­cher Hei­ne­mann wäh­rend des Coro­na-Lock­downs eine Mil­li­on Euro pro Stun­de, am FMO sei es eine Mil­li­on pro Monat. Der Liqui­di­täts­be­darf ist also enorm. Doch genau des­halb hät­te der Staat viel­leicht eine Chan­ce ergrei­fen kön­nen. Die Chan­ce näm­lich, staat­li­che Hil­fen und Unter­stüt­zun­gen an Bedin­gun­gen zu knüp­fen, die dem Kli­ma­schutz die­nen. Car­la Reem­ts­ma: „Es ist absurd. Die Minis­te­ri­en sagen, die Zukunft nach der Kri­se soll nach­hal­ti­ger wer­den, die Kli­ma­zie­le sol­len Prio­ri­tät haben, aber im Kon­junk­tur­pa­ket sieht man nichts davon.” Ein Blick nach Frank­reich zeigt, dass es durch­aus ande­re Ansät­ze gibt. Dort kop­pel­te man das Ret­tungs­geld des Staa­tes für Air Fran­ce an eine Bedin­gung: Die Flug­ge­sell­schaft muss­te zu Guns­ten von Schnell­zü­gen Inlands­flü­ge strei­chen, berich­te­te das Nach­rich­ten­ma­ga­zin Spie­gel.

Chance nutzen

Doch auch wenn die Coro­na-Kri­se weni­ger Nach­hal­tig­keit bring als gehofft, las­sen sich doch Din­ge fin­den, die erhal­tens­wert sind. Bei­spie­le? „Man sieht doch, dass es ja geht, den Prin­zi­palmarkt abzu­sper­ren”, sagt Car­la Reem­ts­ma, die dem­nächst auch Kolum­nen für RUMS schrei­ben wird. „Vie­le Leu­te mer­ken gera­de, wie schön es mit dem Rad und zu Fuß sein kann, wenn nicht so vie­le Autos unter­wegs sind.
Die gro­ßen Fri­days-for-Future-Demos müs­sen aller­dings vor­erst noch war­ten. Denn das Mot­to „Unite behind the Sci­ence” bezie­he sich nicht nur auf Kli­ma­wis­sen­schaft­ler, son­dern auch auf Viro­lo­gen. Die Initia­ti­ve ach­tet deren Rat. In zwei Wochen, vom 25. bis 29. Mai, rufen die Fri­days-for-Future-Akti­vis­tin­nen und -Akti­vis­ten Schü­ler­schaft und Lehr­kräf­te dazu auf, bei der Public Cli­ma­te School mit­zu­ma­chen. Das­sel­be The­ma, ande­re Ver­ei­ni­gung: Die müns­ter­sche Orts­grup­pe der Akti­vis­ten Extinc­tion Rebel­li­on will sich Inter­es­sier­ten am Sams­tag online vor­stel­len und mit ihnen über glo­ba­le Umwelt­kri­sen dis­ku­tie­ren. Mehr dazu hier.

Blick in die Medien: Ratsbeschlüsse

Müns­ters Haupt­aus­schuss hat am Mitt­woch­abend coro­nabe­dingt den Rat der Stadt ver­tre­ten. Er ist klei­ner, aber die Mehr­heits­ver­hält­nis­se sind iden­tisch. Hier die wich­tigs­ten Beschlüs­se zusam­men­ge­fasst:

Stadt­haus 4: Das Stadt­haus 4 gegen­über vom Jovel wird – wer hät­te damit gerech­net – wohl etwas teu­rer als gedacht. Bei der Vor­stel­lung der Plä­ne im Febru­ar 2019 war die Rede von Bau­kos­ten in Höhe von 50 Mil­lio­nen Euro. Im Mai 2019 waren es 90 Mil­lio­nen, in einer Aus­schrei­bung im April dann 60 Mil­lio­nen Euro. Anschlie­ßend lie­ßen CDU und Grü­ne den Kos­ten­de­ckel auf 56 Mil­lio­nen Euro her­ab. Jetzt bat die Stadt­ver­wal­tung um etwas mehr Spiel­raum, genau­er: um 30 Pro­zent. Damit wären wir bei 72,8 Mil­lio­nen Euro. Das wur­de nun beschlos­sen. Und wie Klaus Bau­meis­ter in sei­nem Bericht in den West­fä­li­schen Nach­rich­ten bemerkt: Eigent­lich woll­te die Stadt mit dem Neu­bau Mie­te spa­ren. Nach der aktu­el­len Kal­ku­la­ti­on läge die Net­to­kalt­mie­te aber bei 19,50 Euro pro Qua­drat­me­ter. Am Hafen kos­tet die­se – so steht es in einem Rats­pa­pier im ver­gan­ge­nen Jahr – zwi­schen 12 und 14 Euro.

WDR-Neu­bau: Die Stadt kann begin­nen, das neue WDR-Lan­des­stu­dio am Ser­va­tii­platz zu pla­nen. CDU, SPD, Grü­ne und Lin­ke gaben am Mitt­woch­abend ihren Segen, schrei­ben die West­fä­li­schen Nach­rich­ten. Zur Erin­ne­rung: Der WDR will in die Stadt zie­hen, weil das Stu­dio an der Mond­stra­ße zu alt und zu eng gewor­den ist (hier ein WDR-Bericht aus dem Febru­ar). Der Neu­bau wird selbst­ver­ständ­lich nicht ein­fach nur ein Haus. Es wird eine ein­ma­li­ge, viel­fäl­ti­ge, urba­ne, cross­me­dia­le, hybrid genutz­te, archi­tek­to­ni­sche Land­mar­ke, die – man will das Pro­jekt ja nicht klein­re­den – gleich­zei­tig auch ein intel­li­gen­ter, zukunfts­wei­sen­der und nach­hal­ti­ger Ort sein soll. Unge­fähr so steht es jeden­falls in der zehn­sei­ti­gen Beschluss­vor­la­ge. Ach, lesen Sie ein­fach selbst.

Fahr­rä­der: Müns­ter soll ein öffent­li­ches Leih­rad-Sys­tem bekom­men. Schreibt Dirk Anger (lei­der nicht online). Ken­nen Sie viel­leicht aus ande­ren Städ­ten. Falls nicht: hier ein Über­blick des Bun­des. Das Gan­ze funk­tio­niert so wie mit den E-Scoo­tern. Die Räder sind über die Stadt ver­teilt. Aus­lei­hen kann man sie per App. Dau­ert aller­dings alles noch etwas. Ist aber auch egal, die Idee ist eh schon drei­ein­halb Jah­re alt. Nach einer Mach­bar­keits­stu­die wird jetzt eine Ver­tie­fungs­stu­die erstellt – danach dann mög­li­cher­wei­se eine Ergän­zungs­stu­die und eine fina­le Bestätigungsstudie.

Preu­ßen­sta­di­on: Unge­fähr 300 Jah­re nach Beginn der Dis­kus­si­on um ein neu­es Preu­ßen­sta­di­on geht es jetzt einen Schritt wei­ter vor­an. CDU und Grü­ne haben, wie Dirk Anger für die West­fä­li­schen Nach­rich­ten berich­tet, über­ra­schend den Auf­trag gege­ben, einen Archi­tek­ten­wett­be­werb vor­zu­be­rei­ten. Unei­nig­keit besteht dar­über, ob die Finanz­pla­nung geklärt ist (SPD: Nein. Grü­ne: Ja). Damit die War­te­zeit sich nicht so in die Län­ge zieht, bekom­men die Preu­ßen erst ein­mal zwei neue Trai­nings­plät­ze.

Ter­ras­sen­ge­bühr: Die Gas­tro­no­men müs­sen für ihre Außen­gas­tro­no­mie vor­über­ge­hend kei­ne Gebüh­ren mehr zah­len. Ein­stim­mi­ger Beschluss aller Par­tei­en, wie die West­fä­li­schen Nach­rich­ten berich­ten. Zunächst gilt das aber nur für sechs Wochen. Bis zur nächs­ten Rats­sit­zung im Juni soll die Stadt­ver­wal­tung Vor­schlä­ge dazu aus­tüf­teln, wie man den Gas­tro­no­men das momen­tan schwie­ri­ge Leben etwas leich­ter machen kann. Lese­tipp: Der Bund der Steu­er­zah­ler for­dert die Kom­mu­nen auf, die Gebühr in die­sem Jahr gar nicht mehr zu ver­lan­gen.

Die Wir­tin­nen und Wir­te kön­nen sich übri­gens über einen wei­te­ren Für­spre­cher für Erleich­te­run­gen vor allem im gas­tro­no­mi­schen Außen­be­reich freu­en. Der Viro­lo­ge Chris­ti­an Dros­ten sagt näm­lich: „War­um erlaubt man nicht Gas­tro­no­men, auch die Bür­ger­stei­ge mit­zu­be­nut­zen? Es geht nicht dar­um, das für immer zu zemen­tie­ren, son­dern dass man ein­fach sagt: In die­sen Zei­ten kann man doch auch mal bei den Kom­mu­nen Aus­nah­men machen.” Denn die meis­ten Viren über­tra­gen sich in geschlos­se­nen Räu­men. Er rät des­halb: Restau­rants soll­ten ihre Gäs­te mög­lichst drau­ßen sit­zen las­sen, selbst der Abstand von zwei Metern sei dann aus sei­ner Sicht nicht immer zwin­gend. Hören Sie dazu auch die aus­führ­li­che Erklä­rung im NDR-Pod­cast.

In aller Kürze

+++ Laut wie ein Tiger und cle­ver wie ein Orang-Utan. Im Inter­view mit dem WDR hat die neue Che­fin des All­wet­ter­zoos Müns­ter erklärt, wel­che tie­ri­schen Qua­li­tä­ten sie als Direk­to­rin mit­brin­gen muss. Wir sagen dazu: Gut gebrüllt, Simo­ne Scheh­ka!

+++ Pro­vo­kan­te Über­schrift mit nichts dahin­ter? Die Pres­se­stel­le des Bischöf­li­chen Gene­ral­vi­ka­ri­ats berich­tet regel­mä­ßig auch über Ver­an­stal­tun­gen des Franz-Hit­ze-Hau­ses. In einer Pres­se­mit­tei­lung vom 13. Mai war ein Text über eine Ethik­dis­kus­si­on unter der Über­schrift „Lüt­ge: Lock­down war fal­sche Ent­schei­dung” ange­kün­digt wor­den. In dem Text wur­den dar­auf­hin die The­sen des Wirt­schafts­ethi­kers Chris­toph Lüt­ge und der Juris­tin und Phi­lo­so­phin Frau­ke Ros­tal­ski sehr aus­führ­lich ohne wei­te­re Ein­ord­nung erläu­tert. Unter ande­rem steht dort: „Die Mas­ken­pflicht in Geschäf­ten bezeich­net er (Lüt­ge) als Kil­ler’. Eine sol­che Pflicht sei ethisch nicht ver­tret­bar und füh­re zu Aggres­sio­nen.” Auf unse­re Nach­fra­ge, ob die­se Anti-Lock­down-Posi­tio­nen auch die der Kir­che in Müns­ter wider­spie­ge­le, erklär­te uns Pres­se­spre­cher Ste­phan Kro­nen­burg, der Lock­down sei not­wen­dig gewe­sen, „um das Risi­ko zu ver­min­dern, dass sehr vie­le Men­schen sich inner­halb einer sehr kur­zen Zeit infi­zie­ren.” Dann haben wir das ja jetzt geklärt.

Corona-Update

Kei­ne rei­ne Fami­li­en­an­ge­le­gen­heit mehr. Weil meh­re­re Mit­glie­der einer müns­ter­schen Groß­fa­mi­lie in Angel­mod­de mit dem Coro­na-Virus infi­ziert sind, grei­fen dort nun stren­ge Qua­ran­tä­ne-Auf­la­gen. Kon­takt­per­so­nen wer­den infor­miert, die Maß­nah­men vom Ord­nungs­amt über­wacht. Außer­dem wur­de ein Spiel­platz („Mid­del­kamp”) gesperrt, an dem sich eini­ge der betrof­fe­nen Per­so­nen auf­ge­hal­ten haben sol­len, ohne dabei Abstands­re­geln zu beach­ten.

Die Gesamt­zahl labor­dia­gnos­tisch bestä­tig­ter Coro­na-Fäl­le im Stadt­ge­biet ist damit um 19 Fäl­le auf 668 gestie­gen (Stand: 14. Mai). Davon sind 617 Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten wie­der gene­sen. Somit gel­ten aktu­ell wie­der 38 Müns­te­r­a­ne­rin­nen und Müns­te­ra­ner als infi­ziert. 13 Men­schen in Müns­ter sind an Covid-19 gestor­ben.

Die Kran­ken­häu­ser behan­deln zur­zeit 13 Coro­na-Pati­en­tin­nen und -Pati­en­ten, davon zehn auf Inten­siv­sta­tio­nen. Aktu­ell müs­sen sechs Men­schen beatmet wer­den. Auf den Inten­siv­sta­tio­nen der Stadt sind 49 Bet­ten frei.

Unbezahlte Werbung

🥙 600 unter­schied­li­che Geträn­ke, vega­nes Eis, Tabak, E-Ziga­ret­ten, Chips, Scho­ko­la­de, Han­dy­zu­be­hör und oben drauf noch freund­li­che Sprü­che. All das gibt es im Kiosk24 in der Hafen­stra­ße 45, der mit dem größ­ten Kühl­schrank Müns­ters auch in Coro­na-Zei­ten die Stel­lung hält. Der Lie­fer­ser­vice, der in den letz­ten Wochen die Daheim­blei­ben­den mit Knab­be­rei­en und Geträn­ken ver­sorg­te, wird bald ein­ge­stellt, aber man kann immer noch unter Müns­ter isst die sal­zi­gen, süßen und flüs­si­gen Zuta­ten für einen Seri­en­ma­ra­thon oder eine Zwei-Pär­chen-Fete im Wohn­zim­mer bestel­len und selbst abho­len. Was übri­gens zu Beginn der Coro­na-Kri­se am häu­figs­ten gekauft wur­de? Shi­sha-Tabak! Nor­ma­ler­wei­se gehen im Kiosk etwa 20 bis 30 Dosen pro Tag über den Tre­sen. In der ers­ten Pha­se des so genann­ten Lock­downs waren es bis zu 300!

Am Sonn­tag schreibt Ihnen Ruprecht Polenz wie­der. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes Wochen­en­de.

Ihre Kat­rin Jäger

Mit­ar­beit: Sebas­ti­an Stachor­ra, Ann-Mar­len Hoolt

Drinnen

+++ Pest und Coro­na. Schon im Jahr 1666 gab es Qua­ran­tä­ne­re­geln, Kon­takt­sper­ren, Mel­de­pflicht und Grenz­schlie­ßun­gen. In der zwei­ten Fol­ge der Pod­cast-Rei­he „Foy­er­ge­sprä­che” des LWL-Muse­ums für Kunst und Kul­tur erzählt der His­to­ri­ker Gerd Deth­lefs sehr bild­haft und mit ange­neh­mer Stim­me, wie es damals in Müns­ter zuging, als die Pest aus­brach. Ver­blüf­fend, wie vie­le Par­al­le­len er dabei zu den heu­ti­gen Maß­nah­men im Kampf gegen das Coro­na-Virus zie­hen kann. Hören Sie hier.

Draußen

+++ Erst radeln, dann spar­geln. Wenn Sie einen Aus­flugs- mit einem Gour­met­klas­si­ker ver­ei­nen wol­len, bie­tet sich für das Wochen­en­de eine Fahr­rad­tour durch die Rie­sel­fel­der an. Ganz in der Nähe segeln­der Möwen und brü­ten­der Hau­ben­tau­cher lie­gen gleich zwei Spar­gel­hö­fe, an denen Sie Rast machen und fri­sche Stan­gen­wa­re auf den Gepäck­trä­ger laden kön­nen. Ent­we­der stop­pen Sie in Git­trup 5 bei Bäcker’s Erd­beer- und Spar­gel­hof oder in der Git­tru­per Stra­ße 43 beim Hof Lüt­ke-Laxen. Wenn Ihnen die Tour nach Gel­mer raus zu kurz erscheint, kön­nen Sie unter dem Link Spar­gel­stra­ße NRW noch wei­te­re Stre­cken­vor­schlä­ge zu ent­fern­ter lie­gen­den Spar­gel­hö­fen fin­den, die Ihre Waden etwas mehr herausfordern.

PS

Mein abend­li­cher Ter­min­ka­len­der füllt sich lang­sam wie­der. Zum Glück aber nicht mit Eltern­aben­den, Ver­eins­ver­samm­lun­gen oder Trai­nings­fahr­ten für die Kin­der. Ich habe in den nächs­ten drei Tagen drei Ver­ab­re­dun­gen für Spa­zier­gän­ge. Zu zweit, an der fri­schen Luft, mit Abstand. Dar­an könn­te ich mich gewöhnen.