Der Lewe-Campus | Eine Generationenfrage | Unbekanntes Flugobjekt

Müns­ter, 8. Sep­tem­ber 2020 

Guten Tag,

in Wahl­kampf­zei­ten wer­den The­men aus vie­len Grün­den nach vor­ne gescho­ben. Zum Bei­spiel, weil sich Par­tei­en damit posi­tio­nie­ren und pro­fi­lie­ren kön­nen. Oder weil sie damit Wähler:innen-Stimmen gewin­nen kön­nen. Ober­bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten wol­len zei­gen, wofür sie ste­hen und was sie bes­ser machen wer­den als ihre Mit­be­wer­ber. Manch­mal geht es auch um Rele­vanz, um Bedeu­tung, um Zukunfts­vi­sio­nen. Oder es geht dar­um, Stim­mun­gen und Befind­lich­kei­ten auf­zu­spü­ren und aufzunehmen. 

Doch aus­ge­rech­net bei einem sehr müns­ter­schen The­ma hal­ten sich irgend­wie alle Politiker:innen zurück. Und das, obwohl es umstrit­ten ist und obwohl es dazu vie­le Mei­nun­gen in Poli­tik und Stadt­ge­sell­schaft gibt. Das Inter­es­se wäre folg­lich groß, der Debat­ten-Bedarf eben­falls. Es geht um ein Kon­zert­haus für Müns­ter. Es geht um den Musik-Cam­pus. Und es geht dabei um die Fra­ge, wel­che Kul­tur die Münsteraner:innen haben wol­len und wel­che sie bekom­men wer­den. Es geht dabei auch um Par­ti­zi­pa­ti­on der Bürger:innen und Plä­ne, die kon­kret schei­nen, obwohl sie es eigent­lich noch gar nicht sind. 

Sebas­ti­an Stachor­ra wid­met sich jetzt in unse­rem neu­en RUMS-Schwer­punkt dem so genann­ten Jahr­hun­dert­pro­jekt „Musik-Cam­pus“. In die­sem ers­ten Teil erklärt er, wie alles mit einer Pres­se­mit­tei­lung der Stadt begann und war­um das Pro­jekt dar­an schei­tern könn­te, dass Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe und Uni­rek­tor Johan­nes Wes­sels es unbe­dingt durch­set­zen wollen. 

Die Kom­mu­nal­wah­len, so das Fazit des Schwer­punkt­tex­tes, wer­den dar­über ent­schei­den, wie es wei­ter­geht. Denn auch wenn vie­le Politiker:innen sich im Vor­feld der Wah­len nicht fest­le­gen wol­len, weil sie nicht wis­sen, wel­che Bünd­nis­se noch geschlos­sen wer­den – eines steht schon jetzt fest: Der Musik-Cam­pus wird auf die Tages­ord­nung des neu gewähl­ten Rats kom­men. Und dann wird dar­über gestrit­ten. So oder so. 

Alles eine Frage der Generation?

Ein ganz ande­res The­ma hat hin­ge­gen gro­ßes Wahl­kampf­po­ten­zi­al bewie­sen. Ja, Sie ahnen es schon: Jetzt kommt wie­der etwas zur auto­frei­en Innen­stadt. Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten haben in ihrer Frei­tags­aus­ga­be Zah­len aus ihrem Müns­ter-Baro­me­ter ver­öf­fent­licht. Die Zei­tung woll­te wis­sen, wie die Münsteraner:innen dazu ste­hen, Autos wei­test­ge­hend aus der Innen­stadt zu ver­ban­nen. Wenig über­ra­schend kam dabei her­aus, dass zwei Drit­tel der CDU-Wähler:innen dage­gen und zwei Drit­tel der Grü­nen-Anhän­ger­schaft dafür sind. Was ich inter­es­san­ter fand, war fol­gen­des Ergeb­nis: Die Alters­grup­pe der 35- bis 49-Jäh­ri­gen spricht sich ein­deu­tig für Restrik­tio­nen gegen­über dem Auto­ver­kehr aus, schrei­ben die WN. 

Ist also die Fra­ge, ob man für oder gegen Autos in der Innen­stadt ist, am Ende eine Generationenfrage? 

Dafür wür­de spre­chen, dass es sogar sei­tens der Kauf­leu­te eine Art Genera­ti­ons­wech­sel zu geben scheint. So ärgert sich zum Bei­spiel Andre­as Weit­kamp, Inha­ber des Mode­hau­ses Schnitz­ler und selbst Teil die­ser Alters­grup­pe, über das kli­schee­haf­te Bild in der Öffent­lich­keit. Häu­fig wer­de so getan, als sei­en sich alle Einzelhändler:innen einig, dass ihre Geschäf­te kaputt gin­gen, wenn kei­ne Autos mehr in die Stadt kämen. „Das sehen längst nicht mehr alle so“, sagt er. Er glaubt, die Stadt habe auch so viel zu bie­ten und setzt auf eine höhe­re Auf­ent­halts­qua­li­tät durch weni­ger Autos. Sein Gefühl ist: „Die Älte­ren den­ken, wir brau­chen das Auto vor der Tür.“ 

Das denkt auch Karin Eksen vom Han­dels­ver­band NRW, der im Müns­ter­land mehr als 1000 Einzelhändler:innen ver­tritt. Sie stört bei der Dis­kus­si­on um eine auto­freie Innen­stadt vor allem, dass in Müns­ter das Fahr­rad als Lösung für alles gese­hen wird. Das funk­tio­niert nicht immer. Vie­le älte­re Men­schen zum Bei­spiel fühl­ten sich auf dem Rad nicht immer wohl und sicher, gera­de wenn auf den Rad­we­gen viel los ist. Das Auto sei dann eine gute Alternative. 

Jede Genera­ti­on hat eine ande­re Sicht­wei­se. Wir blei­ben also dran an der auto­frei­en Innen­stadt – auch übri­gens nach dem 13. Sep­tem­ber, wenn das The­ma kein Wahl­kampf­the­ma mehr ist. 

Und viel­leicht kön­nen Sie uns ein wenig dabei hel­fen. Uns inter­es­siert, wie die schon oft zitier­te Auf­ent­halts­qua­li­tät in der Innen­stadt Ihrer Mei­nung nach ver­bes­sert wer­den könn­te? An wel­chen Orten in der Innen­stadt stö­ren Sie Autos, wo kommt man ohne Ihren Pkw gar nicht hin? Was soll­te man mit dem Platz anfan­gen, der frei wür­de, wenn dort kei­ne Autos mehr stün­den? Was wün­schen Sie sich? Mehr Bän­ke, mehr Fuß­we­ge, mehr Fahr­rad­stell­plät­ze, mehr Spiel­plät­ze oder mehr Blu­men­bee­te? Schrei­ben Sie uns ger­ne hier.


Blick in die Medien

Apro­pos Mobi­li­tät. Kaum ist das Mobi­li­täts­an­ge­bot „Loop“ in Müns­ters Süden gestar­tet, berich­ten schon der Wie­der­täu­fer und die West­fä­li­schen Nach­rich­ten über Ärger. Es geht dabei nicht nur um einen spu­cken­den Taxi­fah­rer, der sei­ne Wut über die neue Kon­kur­renz in Müns­ters Süden offen­sicht­lich nicht im Griff hat­te, es geht dabei vor allem um Fol­gen, die die Ein­füh­rung eines kos­ten­güns­ti­gen Ange­bots mit sich bringt. „Loop“ wird mit För­der­mit­teln unter­stützt und sug­ge­riert damit den Kund:innen: So güns­tig geht’s auch! Auch wir haben schon über das On-Demand-Pilot­pro­jekt und sei­ne Schwä­chen geschrie­ben. Im RUMS-Brief vom 31. Juli kommt unter ande­rem der Geschäfts­füh­rer der Taxi-Zen­tra­le Müns­ter, Roland Böhm, zu Wort. Sei­ne War­nung: Das Pro­jekt pro­du­ziert in den nächs­ten Jah­ren einen gestör­ten Verkehrsmarkt. 


In aller Kürze

+ + + Explo­si­on am Hes­sen­weg. Zwölf Tage vor der geplan­ten Gro­ßeva­ku­ie­rung in Mau­ritz ging jetzt völ­lig uner­war­tet eine Bom­be hoch. Bei Fräs­ar­bei­ten am Hes­sen­weg explo­dier­te eine 75-Kilo-Bom­be. Die weit umher­flie­gen­den Tei­le ver­letz­ten zum Glück nie­man­den. Wie hoch der Sach­scha­den ist, steht noch nicht fest, mel­det die Stadt. Ame­ri­ka­ner hat­ten die Bom­be im Zwei­ten Welt­krieg über Müns­ter abge­wor­fen, seit­dem lag sie uner­kannt im Erdreich. 

+ + + Wah­len und Zah­len. In Müns­ter leben 248.270 wahl­be­rech­tig­te Men­schen. Mehr als 66.000 von ihnen haben bereits ihre Brief­wahl­un­ter­la­gen für die Kom­mu­nal­wahl am kom­men­den Sonn­tag ange­for­dert. Das ist viel. Im Ver­gleichs­zeit­raum, also vor der letz­ten Kom­mu­nal­wahl im Jahr 2014, waren es 13.000 weni­ger. Wich­tig ist jetzt aber: Ver­ges­sen Sie nicht, die roten Wahl­brie­fe auch recht­zei­tig zur Post zu geben – also spä­tes­tens am Don­ners­tag! Wer aller­dings die Brief­käs­ten der Stadt­häu­ser 2 (Lud­ge­ri­platz) und 3 (Albers­lo­her Weg 33) oder die der Bezirks­ver­wal­tun­gen in Kin­der­haus, Han­dorf, Wol­beck, Hil­trup oder Rox­el nutzt, hat noch ein biss­chen mehr Zeit. Die­se Brief­käs­ten wer­den am Wahl­tag noch ein­mal um 14.30 Uhr geleert. Am Stadt­haus 1 (Kle­mens­stra­ße) sogar noch ein­mal um 16 Uhr. 

Um ganz sicher zu gehen, kön­nen Sie Ihre Stim­me aber auch direkt in einem der Haupt­wahl­bü­ros abge­ben. Wo und wie das geht, erklä­ren wir auf unse­rer Web­site. Und natür­lich haben am Wahl­sonn­tag die 172 Wahl­lo­ka­le von 8 bis 18 Uhr geöff­net. Das Tra­gen einer Mund-Nasen-Mas­ke ist dort Pflicht. 

24 Stun­den am Tag und so oft Sie wol­len, kön­nen Sie noch bis zur Wahl den von RUMS unter­stütz­ten Kom­mu­nal­wahl­check machen. Falls Sie also in Vor­be­rei­tung auf Ihre Stimm­ab­ga­be noch Infor­ma­tio­nen brau­chen: Hier geht’s lang zum Online-Wahl­hel­fer.

+ + + Noch mehr Wah­len. 15.000 Jugend­li­che bekom­men in die­sen Tagen Post von der Stadt. Sie alle könn­ten sich als Kandidat:innen für den Jugend­rat auf­stel­len las­sen. Ein­zi­ge Vor­aus­set­zung: Sie müs­sen am 24. Novem­ber min­des­tens zwölf, aber noch kei­ne 18 Jah­re alt sein. Wer sich vor­stel­len kann, die Inter­es­sen von Kin­dern und Jugend­li­chen in Müns­ter zu ver­tre­ten, kann eine bei­gefüg­te Kar­te aus­fül­len und sich so um einen Platz im Jugend­rat bewer­ben. In der Zeit vom 24. bis 26. Novem­ber ste­hen dann die Wahl­ur­nen an den wei­ter­füh­ren­den Schu­len, außer­dem kön­nen die jun­gen Wähler:innen ihre Stim­me auch im Stadt­haus 1 (Bür­ger­bü­ro Mit­te) abge­ben. Mehr zur Arbeit im Jugend­rat fin­den Sie hier.


Corona-Update

Zum Glück bleibt Müns­ter in Sachen Neu-Infek­tio­nen ein­stel­lig. Nur drei neue Coro­na-Fäl­le mel­det die Stadt Müns­ter seit Frei­tag. Von ges­tern auf heu­te waren es sogar nur null. Damit gel­ten aktu­ell 25 Münsteraner:innen als infiziert. 


Unbezahlte Werbung

Vier­tel­la­den für Viert­ler. Mit­ten im Kreuz­vier­tel, direkt an der Kreuz­kir­che, liegt das Café Gro­tes. Schon von außen sieht man: Dort ist es gemüt­lich. Gedimm­tes Licht, klei­ne Blu­men­sträu­ße auf den Tischen, Bil­der­rah­men auf Rega­len – und beim Ein­tre­ten winkt schon der Bar­mann. Gast­ge­be­rin Iris sagt jedem „Hal­lo“ und duzt nicht nur ihre Stamm­gäs­te. Das Fami­liä­re, Freund­schaft­li­che gehört zum Wohl­fühl-Kon­zept. Sie sagt: „Wir wol­len ein Vier­tel­la­den für die Viert­ler sein.“ Und die bekom­men bei ihr Selbst­ge­ba­cke­nes und fri­sche, regio­na­le Spei­sen. Unse­re Mit­ar­bei­te­rin Sabi­ne schwärmt übri­gens vom gra­ti­nier­ten gereif­ten Zie­gen­kä­se mit Toma­ten-Jam, von der Zie­gen­frisch­kä­se-Pra­li­ne mit süß-schar­fem Bir­nen-Senf im Cas­hew-Cran­ber­ry-Man­tel und – natür­lich – von Grotes-Brot. 


Drinnen

Erst die Serie, dann Coro­na. Gäbe es kein Covid-19, wäre Slø­born eine rich­tig gut gemach­te Serie. Sie greift sich aus den Gen­res Kata­stro­phen-, Hor­ror-, Teen­ager- und Skan­di­na­vi­en­film gna­den­los das Bes­te her­aus, um es dann gekonnt mit­ein­an­der zu einem sehr span­nen­den Stoff zu ver­we­ben. Durch die Coro­na-Pan­de­mie ist Slø­born jetzt aber zusätz­lich auch noch eine Serie, die so aktu­ell ist, wie es aktu­el­ler wohl nicht geht. Sie han­delt vom Aus­bruch eines töd­li­chen Virus auf einer klei­nen, abge­le­ge­nen Nord­see­insel im däni­schen Grenz­ge­biet. Wir sehen Men­schen mit Mas­ken, Wutbürger:innen, die an eine Ver­schwö­rung glau­ben, Des­in­fek­ti­ons­maß­nah­men. Wir hören aus dem Off Nach­rich­ten, wie auch wir sie seit Febru­ar hören und auch am Anfang nicht so recht ernst nah­men. Beim Zuschau­en moch­te ich es kaum glau­ben, aber Regis­seur und Dreh­buch­au­tor Chris­ti­an Alva­rt („Dogs of Ber­lin“) hat­te alle Sze­nen tat­säch­lich schon geschnit­ten, bevor im Früh­jahr plötz­lich die Coro­na-Wirk­lich­keit über uns alle her­ein­brach (Nur das mit dem Des­in­fek­ti­ons­mit­tel-Trin­ken wur­de nach­träg­lich ein­ge­baut). Der Satz „Hier holt die Rea­li­tät die Fik­ti­on ein“ ist tat­säch­lich kei­ne Plat­ti­tü­de. Zum Glück setzt Alva­rt nicht nur auf düs­te­re Bil­der. Er nimmt sich viel Zeit für sei­ne Figu­ren, deren per­sön­li­che Lebens­dra­men und das lang­sa­me Her­ein­bre­chen der Kata­stro­phe. Der Spie­gel schreibt: „Das ist nicht sehr sub­til, aber packend.“ In der ZDF-Media­thek fin­den Sie alle acht Folgen. 


Draußen

Noch schnell in die Hei­de. Die Faust­re­gel lau­tet: „Vom 8.8. bis 9.9. blüht die Hei­de.“ Das stimmt natür­lich nie so ganz. Trotz­dem ist jetzt End­spurt­zeit, wenn man die zart­li­la Blü­ten noch sehen möch­te. Hier mei­ne drei selbst­er­prob­ten Tipps für den per­fek­ten Sep­tem­ber­spa­zier­gang durch gera­de noch blü­hen­de Hei­de­land­schaf­ten im Münsterland: 

  1. Die Wes­tru­per Hei­de in Hal­tern am See – Hei­de bis zum Horizont 
  1. Die Bock­hol­ter Ber­ge – Idyl­li­scher Pick­nick­platz mit Heidesicht 
  1. Kla­ten­ber­ge Telg­te – Viel Wald und eine Lichtung 

Den nächs­ten Brief bekom­men Sie wie­der am Frei­tag. Genie­ßen Sie bis dahin die fri­sche Spätsommerluft. 

Herz­li­che Grü­ße
Kat­rin Jäger 

Mit­ar­beit: Sebas­ti­an Stachor­ra, Sabi­ne Rügenhagen 

PS

Eini­ge unse­rer Leser:innen haben offen­sicht­lich sehr gute Augen. Sie haben am Sams­tag etwas Außer­ge­wöhn­li­ches am Him­mel ent­deckt. Und das trotz grau­er Wol­ken und Regen. Am kom­men­den Sams­tag bekom­men alle Guck-in-die-Lufts eine neue Chan­ce, das unbe­kann­te RUMS-Objekt zu ent­de­cken. Hof­fent­lich dann bei frei­er Sicht!