Grün gewinnt | CDU rutscht nach | RUMS 30 Tage lang kostenlos testen

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 27. September 2021

am Sonntagabend um kurz vor neun steht Maria Klein-Schmeink ein bisschen erschöpft zwischen den Säulen vor dem historischen Rathaus am Prinzipalmarkt. Sie streift ihre Maske vom Gesicht und atmet durch. Minuten vorher war sie noch drinnen, umringt von drei Reportern, die ihr Fragen stellten, auf die es an diesem Abend noch keine Antworten gibt, auch weil das Ergebnis zu dieser Zeit noch nicht feststeht. Aber es sieht gut aus für sie und ihre Partei, zumindest in Münster. Als zwei Stunden vorher die ersten Zahlen auf der Leinwand in der Bürgerhalle des Rathauses erschienen, war der grüne Balken schon länger als die anderen. Dann wurde der Vorsprung mit jeder Aktualisierung größer. Und jetzt, um kurz vor neun, sieht es so aus, als wenn Maria Klein-Schmeink den Wahlkreis gewonnen hat.

Das hat es außerhalb von Berlin noch nie gegeben. Nur der Wahlkreis 83 in Kreuzberg-Friedrichshain ist schon seit Jahren so grün, wie das Münsterland schwarz ist. Dort wohnt Maria Klein-Schmeink, wenn sie in Berlin ist. Und das könnte nun der erste Wahlkreis in Deutschland werden, in dem mehr als eine direkt gewählte Grünen-Abgeordnete lebt. Aber wie konnte das passieren, mitten im schwarzen Münsterland, wo alle übrigen Wahlkreise an die CDU gingen, Maria Klein-Schmeink beim letzten Mal gerade auf knapp 13 Prozent kam und die CDU-Kandidatin auf über 37?

Mit dieser Frage beschäftigen wir uns heute im RUMS-Brief. Warum waren die Grünen in Münster so erfolgreich? Lag es an Maria Klein-Schmeinks Popularität? An der grünen Politik? An Münster? Und geht es für Svenja Schulze (SPD) und Stefan Nacke (CDU) weiter?

Und dann haben wir uns noch etwas anderes angesehen: die Situation mit der immer größer werdenden E-Scooter-Flotte in der Stadt. Die Vorschriften für die Anbieter sollen strenger werden? Wäre das Problem damit gelöst?

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Herzliche Grüße
Ralf Heimann


PS

Eine RUMS-Leserin war gestern Abend mit dem Zug unterwegs. Die ersten Prognosen hatten sich schon verbreitet. Und wenn man gestern irgendwo das Wort „Jamaika“ sagte, dann dachten viele Menschen nicht an Sonne und Palmen, sondern an Christian Lindner und Armin Laschet. Offenbar aber doch nicht alle. Knapp einer von vier Menschen in Deutschland nahm sein Wahlrecht gestern nicht in Anspruch. Und während einige den Abend über immer wieder aufs Smartphone schauten oder den Blick nicht vom Fernseher lösen konnten, ging das alles an anderen vollkommen vorbei. Im Intercity-Bistro zum Beispiel stand ein Bahn-Mitarbeiter mit einem Anstecker an der Brust, darauf sein abgekürzter Vorname und der Nachname: „O. Wahl“. Die RUMS-Leserin las das Schild und sagte: „Ach witzig, Sie heißen Wahl!“ Der Mann schaute sie sehr freundlich an und sagte: „Ja, wieso? Sie auch?“

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