Wandel im Salzhof | Corona und kein Ende | Mokel-Bar

Müns­ter, 27. Okto­ber 2020

Guten Tag ,

an einem Mitt­woch vor zwei Wochen saß Hais­sam El Daou am spä­ten Nach­mit­tag in sei­nem Eis­ca­fé im Salz­hof an der Salz­stra­ße und brei­te­te lose Zet­tel vor sich aus. Auf den Blät­tern waren vie­le Zah­len zu sehen, Euro-Beträ­ge, die nach unten immer grö­ßer wur­den. Das waren die Miet­schul­den. „Ich kann seit Mona­ten kaum schla­fen“, sag­te Hais­sam El Daou. Er war ratlos.

Als er das Eis­ca­fé Cremi­no vor zehn Jah­ren zusam­men mit sei­ner Frau Hala über­nahm, blie­ben am Ende des ers­ten Win­ters 900 Euro offen. Es war das bes­te Jahr. In der ers­ten Zeit konn­ten sie die Miet­schul­den im Früh­jahr locker aus ihrem Gewinn zurück­zah­len. Und so mach­ten sie es auch spä­ter, als der Rück­stand immer grö­ßer wur­de. Was sie im Win­ter nicht zah­len konn­ten, begli­chen sie im Som­mer, so gut es ging. 

Im Café war an die­sem Mitt­woch­nach­mit­tag vor zwei Wochen nicht viel los. Ein paar Tische wei­ter saßen zwei Gäs­te, nur ab und zu lief jemand durch die Pas­sa­ge. Und genau das ist schon län­ger das Pro­blem. Das Geschäft lief immer schlech­ter. Die Umsät­ze im Som­mer reich­ten nicht mehr aus, um die monat­li­che Belas­tung zu stem­men. 7.616 Euro Mie­te für 169 Qua­drat­me­ter. Jeden Monat. Dazu die Ver­si­che­run­gen, der Strom. Ins­ge­samt 11.000 Euro, sag­te Hais­sam El Daou. Und an Tagen wie die­sem Mitt­woch sei­en am Abend manch­mal nur 200 Euro in der Kasse. 

Räumung innerhalb von sechs Tagen

So wuch­sen die Schul­den mit den Jah­ren, auf über 20.000, auf über 30.000 und schließ­lich auf über 50.000 Euro. Dann kam auch noch Coro­na und Mit­te März die Kün­di­gung, zwei Wochen nach­dem das Virus das städ­ti­sche Leben lahm­ge­legt hat­te. Inner­halb von sechs Tagen soll­ten die El Daous ihren Laden räu­men. Doch sie gin­gen nicht. „Wir kämp­fen seit sechs Mona­ten“, sag­te Hais­sam El Daou. Nach meh­re­ren wei­te­ren Kün­di­gun­gen und Rück­stän­den von nun ins­ge­samt 104.971,55 Euro tra­fen sich die El Daous und der Ver­mie­ter, die städ­ti­sche Gesell­schaft West­fä­li­sche Bau­in­dus­trie, kurz WBI, deren Geschäfts­füh­rer der ehe­ma­li­ge Grü­nen-Ober­bür­ger­meis­ter-Kan­di­dat Peter Todes­ki­no ist, ges­tern Mor­gen in Saal A03 des Land­ge­richts Münster. 

Die­se Geschich­te der Kün­di­gung lässt sich in Zah­len sehr ein­fach erzäh­len. Seit 14 Mona­ten sei kei­ne Mie­te gezahlt wor­den, sag­te WBI-Anwalt Franz-Robert Bär­tels. „Juris­tisch ist das klar. Da beißt die Maus kei­nen Faden ab“, sag­te Rich­ter Chris­ti­an Walz. Und sogar Micha­el Rietz, der Anwalt der El Daous, räum­te ein, dass das Café im Grun­de schon seit 2017 kei­ne wirt­schaft­li­che Zukunft mehr habe. Doch dahin­ter ste­hen noch zwei wei­te­re Geschich­ten. In ihnen geht um einen Auf­stieg und einen Abstieg. 

Die Geschich­te des Auf­stiegs beginnt im Jahr 1988 mit einer Flucht aus dem Liba­non. Hais­sam El Daou kam allei­ne. Er fand sich in Deutsch­land schnell zurecht. Gleich im Jahr dar­auf kam sein ers­ter Sohn zur Welt. Mit­te der 90er-Jah­re begann Hais­sam El Daou in dem Café an der Salz­stra­ße zu arbei­ten, zunächst als Kell­ner, er fing klein an. Spä­ter wur­de er Geschäfts­füh­rer. Aber irgend­wann gab der Inha­ber auf. Der Laden stand andert­halb Jah­re leer. Der Vor­gän­ger habe schon damals gesagt, dass sich ein Eis­ca­fé an die­ser Stel­le kaum ren­ta­bel betrei­ben las­se, sag­te Micha­el Rietz, Hais­sam El Daous Anwalt, am Mon­tag vor Gericht. Aber die Fami­lie woll­te es ver­su­chen. Sie hin­gen an die­sem Ort, an die­ser Umge­bung. Der jüngs­te Sohn war fast zwan­zig, er konn­te im Laden hel­fen. Es waren noch drei wei­te­re Kin­der hin­zu­ge­kom­men. Die Fami­lie hat­te den Traum von ihrem eige­nen Café. Und so pro­bier­ten sie es. 

Dass es nicht leicht wer­den wür­de, war schon sehr bald klar. Die hohe Belas­tung, die finan­zi­el­le, aber auch die psy­chi­sche im Win­ter, wenn kaum Ein­nah­men da waren. Das alles mach­te den El Daous zu schaf­fen. Doch sie hiel­ten durch. Es war ja ihr Traum. Hin und wie­der sei der dama­li­ge WBI-Chef Klaus Köt­ter­hein­rich, der mitt­ler­wei­le im Ruhe­stand ist, vor­bei­ge­kom­men, habe einen Kaf­fee bestellt und gefragt: „Na Herr El Daou, wie läuft das Geschäft?“ So erzählt Hais­sam El Daou es. Und über Jah­re habe es die schon erwähn­te Über­ein­kunft gege­ben: Die Schul­den aus dem Win­ter wur­den im Som­mer zurückgezahlt. 

Vorabend eines Tsunamis

Aber mit der Zeit ver­än­der­te sich etwas, und das ist die zwei­te Geschich­te, die des lang­sa­men Abstiegs. Die­ser betrifft nicht nur den Salz­hof, nicht nur die Salz­stra­ße und auch nicht nur Müns­ter. Es geht um die schwie­ri­ge Situa­ti­on in den Innen­städ­ten, über die wir Anfang Sep­tem­ber schon berich­tet haben.

Micha­el Rietz, der Anwalt, sitzt am Sonn­tag­nach­mit­tag im Kapu­zen­pul­li an der Wand in der Rotun­de hin­ter dem Eis­ca­fé und sagt: „Wir befin­den uns am Vor­abend eines Tsu­na­mis.“ Auf der Salz­stra­ße sei­en heu­te sehr viel weni­ger Men­schen unter­wegs als noch vor ein paar Jah­ren. Mit dem Neu­bau an der Stu­ben­gas­se hät­ten sich neue Lauf­we­ge erge­ben. Auch der Online-Han­del habe das Geschäft ver­än­der­rt. „Wer ein­mal im Inter­net bestellt hat, der sieht, dass es dort viel ein­fa­cher geht, und wird zum Ein­kau­fen auch nicht mehr in die Stadt fah­ren“, sagt Rietz. 

Dann zählt er die Läden an der Salz­stra­ße und in der Umge­bung auf, die schon ver­schwun­den sind oder es bald sein werden. 

Die Bäcke­rei Mid­del­berg ein paar Meter wei­ter in Rich­tung Pro­me­na­de hat ihre Filia­le geschlos­sen, der Haus­halts­wa­ren-Her­stel­ler WMF ist nicht mehr da, der Schuh­la­den Run­ner­s­point: ver­schwun­den. Die Stadt­bä­cke­rei: plei­te. Das Back­werk gegen­über: aus­ge­zo­gen. Der Des­sous-Laden Hun­kem­öl­ler: nicht mehr da. Ker­zen Kuhl­mann: schließt am Jah­res­en­de. Das Sup­pen­re­stau­rant am Alten Stein­weg: weg. Esprit an der Stu­ben­gas­se: insol­vent. Der Juwe­lier Freis­feld, die Flug­bör­se, auch sie sind nicht mehr da oder umge­zo­gen. Und als wäre das alles nicht genug, kommt jetzt auch noch die zwei­te Coro­na-Wel­le. Ein Tsunami?

Die­ses Wort hat auch Boris Hed­de ver­wen­det, der Geschäfts­füh­rer des Köl­ner Insti­tuts für Han­dels­for­schung. Er sag­te im Juli in einem Inter­view: „Die Innen­städ­te haben es mit einem drei­fa­chen Tsu­na­mi zu tun: dem Struk­tur­wan­del im Ein­zel­han­del, der Digi­ta­li­sie­rung und der Corona-Pandemie.“

Das klingt nach einer schlüs­si­gen Erklä­rung. Aber ist es wirk­lich so ein­deu­tig, wie es hier klingt? 

Absolut gewinnt der stationäre Handel

Schaut man sich Sta­tis­ti­ken zur Pas­san­ten­fre­quenz an der Salz­stra­ße an, erkennt man, dass sich hier in den letz­ten zehn Jah­ren nicht viel ver­än­dert hat. Jeden­falls nicht zu den Zei­ten, an denen gemes­sen wur­de. Im Juni 2013 waren sams­tags zwi­schen 12 und 13 Uhr auf die­sem Abschnitt 1.893 Men­schen unter­wegs, im Jahr 2019 waren es zur glei­chen Zeit 2.067, dies­mal aller­dings im Mai. Auch die Wer­te in den Jah­ren dazwi­schen schwan­ken nur leicht. Es ist kein Gesamt­bild. Aber Hin­wei­se dar­auf, dass die Besu­cher­strö­me an die­ser Stel­le sich in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit stark ver­än­dert haben, gibt die Sta­tis­tik nicht. 

Und der Online-Handel? 

Der soll­te in die­sem Jahr um fast neun Pro­zent wach­sen, pro­gnos­ti­zier­te der Han­dels­ver­band Deutsch­land vor dem ers­ten Coro­na-Schock im Febru­ar. Der sta­tio­nä­re Han­del nur um fast zwei Pro­zent. Aber zwei Pro­zent vom sta­tio­nä­ren Han­dels­vo­lu­men sind zehn Mil­li­ar­den Euro. Neun Pro­zent vom Umsatz im Online-Han­del sind nur knapp sechs Milliarden. 

„In abso­lu­ten Zah­len gewinnt der sta­tio­nä­re Han­del noch immer mehr als der Online-Han­del“, sagt Jens Imor­de, Stadt­ent­wick­lungs-Exper­te und Geschäfts­füh­rer des Netz­werks Innen­stadt NRW. An all­zu ein­fa­chen Erklä­run­gen für die Ver­än­de­run­gen mag Imor­de nicht so recht glau­ben. „Es gibt hier kei­ne mono­struk­tu­rel­len Erklä­run­gen“, sagt er. Imor­de wohnt in Ems­det­ten, aber er hat sein Büro an der Schor­le­mer Stra­ße, und er hat 40 Jah­re lang in Müns­ter gelebt. Er kennt die Situa­ti­on hier, auch die in ande­ren Städ­ten. Und er sagt: „Wenn es um Han­del geht, ist Müns­ter noch immer ein Ort der Glück­se­li­gen.“ In Dort­mund sei die Kauf­hof-Filia­le geschlos­sen wor­den, in Essen das Kar­stadt-Haus, in Düs­sel­dorf Kauf­hof und Kar­stadt. In Müns­ter sei bei­des noch da. 

Am Mor­gen haben sie in Imor­des Büro noch über die Kauf­häu­ser gespro­chen. Dar­über, wie sie über­haupt ent­stan­den sind. Sie waren ja nicht immer da. Der Salz­hof war das ers­te gro­ße Waren­haus in Müns­ter. Als Theo­dor Alt­hoff es im Jahr 1896 eröff­ne­te, muss­te der Name noch umständ­lich beschrei­ben, um was es hier eigent­lich geht. Er lau­te­te: „Kurz-, Weiß-, Tri­ko­ta­gen-, Woll-, Strumpf- und Mode­wa­ren.“ Aus Alt­hoff wur­de spä­ter Kar­stadt, das Haus wur­de zu klein. In dem Gebäu­de ist heu­te das Stadt­mu­se­um, dane­ben die Pas­sa­ge mit dem Eis­ca­fé Cremino. 

Veränderung ist der Normalzustand

„Es gab damals ein ande­res Kauf­ver­hal­ten und eine ande­re Idee, wie man mit der Innen­stadt umgeht“, sagt Imor­de. Die­se Trans­for­ma­ti­on ist nicht ein­fach zu Ende gegan­gen, sie fin­det wei­ter statt. Wenn man Imor­de sagt, an der Salz­stra­ße habe sich ja viel ver­än­dert, ent­geg­net er: „Wo nicht?“

Die Ver­än­de­rung ist der Nor­mal­zu­stand. Und solan­ge auf ein Geschäft ein neu­es folgt, fin­det sich immer wie­der ein neu­es Gleich­ge­wicht. Auch die Fluk­tua­ti­on kann Teil eines Ver­än­de­rungs­pro­zes­ses sein. 

Ver­rät man Jens Imor­de, dass 169 Qua­drat­me­ter im Salz­hof über 7.600 Euro im Monat kos­ten, sagt er: „Wer soll das bezah­len?“ Genau die­se Fra­ge wird sich bald stel­len. Die Ver­hand­lung am Mon­tag vor dem Land­ge­richt ende­te mit einem Urteil. Die El Daous müs­sen ihr Café zum Ende des Jah­res räu­men. Für sie ist es ein schmerz­li­ches Ende, zu dem es auch kam, weil sie zu spät erkannt haben, dass es hier nicht um eine vor­über­ge­hen­de Kri­se geht, son­dern um eine neue Realität. 

Die­se Behar­rungs­kräf­te gibt es auch auf der ande­ren Sei­te. Bevor Mie­ten sin­ken, ste­hen Laden­lo­ka­le oft Mona­te lang leer. In vie­len Städ­ten ist das ein rea­les Pro­blem, das sich durch die zwei­te Coro­na-Wel­le noch ver­schlim­mern könn­te. Das Land Nord­rhein-West­fa­len hat erst im Juli ein 70-Mil­lio­nen-Euro-Sofort­pro­gramm auf­ge­legt, das ver­hin­dern soll, dass es so weit kommt. Das Pro­gramm ermög­licht es Kom­mu­nen, Laden­lo­ka­le selbst an- und wei­ter­zu­ver­mie­ten. Wenn Vermieter:innen bereit sind, auf 20 Pro­zent der Mie­te zu ver­zich­ten, über­nimmt das Land von die­ser gerin­ge­ren Mie­te 80 Pro­zent. So eröff­nen sich für die Innen­städ­te neue Chan­cen. Die Kom­mu­nen kön­nen die Loka­le auch Men­schen anbie­ten, die sich so eine Lage eigent­lich gar nicht leis­ten kön­nen, zum Bei­spiel Star­tups. Es ist nur eine vor­über­ge­hen­de Lösung. Aber unter Umstän­den kann sie ver­hin­dern, dass es zu Ket­ten­re­ak­tio­nen kommt. 

Neue Pläne für den Salzhof

Im Salz­hof könn­te so etwas im ungüns­tigs­ten Fall pas­sie­ren. Um zum Krea­tiv­markt im hin­te­ren Teil der Pas­sa­ge zu gelan­gen, muss man am Eis­ca­fé vor­bei. Wenn es vor­ne dun­kel ist, weil es kein Eis­ca­fé mehr gibt, wer­den vie­le Men­schen so weit viel­leicht gar nicht kom­men. Der Krea­tiv­markt hat zwar auch noch einen ande­ren Ein­gang. Aber ohne Café könn­te viel Lauf­kund­schaft ver­lo­ren gehen. Und ohne Café wird es schwer, jeman­den zu fin­den, der das Geschäft über­nimmt, denn das wird bald nötig sein. 

Der Krea­tiv­markt hat vor ein paar Wochen gekün­digt. Er wird umzie­hen, zum Janu­ar 2022, eini­ge Meter wei­ter nur, in ein Geschäft gegen­über der Knei­pe „Zum Bun­ten Vogel“. Das erzähl­te Peter Todes­ki­no am Mon­tag nach der Ver­hand­lung vor dem Gerichtssaal. 

Vor gut zwei Wochen hat er sich mit der Wirt­schafts­för­de­rung, dem Archi­tek­tur­bü­ro Kre­sing, dem Stadt­pla­nungs­amt und der Mar­ke­ting-Abtei­lung der Stadt zusam­men­ge­setzt, um über die Zukunft des Salz­hofs zu spre­chen. Die Neon­röh­ren-Optik in der Pas­sa­ge sei in die Jah­re gekom­men, auch die Zuschnit­te der Läden sei­en nicht opti­mal, die Rotun­de in der Mit­te wer­de prak­tisch nicht genutzt. Das alles soll sich ändern. Der Archi­tekt Rai­ner Kre­sing hat schon im ver­gan­ge­nen Jahr Stu­di­en dazu erstellt, wie man den Salz­hof so umbau­en kann, dass er wie­der in die Stadt und in die Zeit passt. 

Vor Gericht erzähl­te Micha­el Rietz, der Anwalt, am Mon­tag vom Flur­funk im Salz­hof. Dort höre man, die Stadt wol­le das Stadt­mu­se­um im Erd­ge­schoss erwei­tern. Peter Todes­ki­no saß gegen­über neben sei­nem Anwalt und schüt­tel­te den Kopf. Er ver­riet spä­ter ledig­lich, dass er mit dem Stadt­mu­se­um und den übri­gen Mieter:innen spre­chen wer­de, bevor sich dann Anfang des nächs­ten Jah­res der WBI-Auf­sichts­rat mit der Sache beschäf­ti­gen wird. Erst danach kön­ne er mehr über die Pla­nun­gen sagen. Das Eis­ca­fé der El Daous spielt dar­in offen­bar schon län­ger kei­ne Rol­le mehr. Das ver­riet Todes­ki­no in der Gerichts­ver­hand­lung indi­rekt. Bis vor andert­halb Jah­ren, sag­te er, sei es noch Teil der Pla­nun­gen gewesen. 


In aller Kürze

+++ Ange­la Stäh­ler (CDU), Klaus Rosen­au (Grü­ne) und Maria Win­kel (SPD) wol­len Bürgermeister:in von Müns­ter wer­den, berich­ten die West­fä­li­schen Nach­rich­ten. Die Wah­len fin­den in der ers­ten Rats­sit­zung am 11. Novem­ber statt. 

+++ Der Häft­ling, der vor andert­halb Wochen bei einem Poli­zei­ein­satz im Gefäng­nis getö­tet wur­de, hat­te offen­bar psy­chi­sche Pro­ble­me. Nils Diet­rich stellt für den Wie­der­täu­fer die Fra­ge, ob er dann in einem nor­ma­len Gefäng­nis über­haupt rich­tig auf­ge­ho­ben war. 


Corona-Update

Inner­halb weni­ger Tage ist Müns­ter von einer Stadt mit recht mode­ra­ten Coro­na-Fall­zah­len zum Risi­ko­ge­biet gewor­den. Das Pres­se­amt mel­det seit ges­tern 54 neue Fäl­le. Damit gel­ten momen­tan 310 Men­schen in der Innen­stadt als infi­ziert. Falls Sie die neu­en Coro­na-Regeln noch nicht ken­nen, die wesent­li­chen sind: In der Innen­stadt gilt zwi­schen 8 und 20 Uhr Mas­ken­pflicht, offi­zi­ell zwar nur auf bestimm­ten Stra­ßen. Aber bevor man klärt, ob das nun auch die Stra­ße betrifft, auf der man gera­de steht, ist’s wahr­schein­lich leich­ter, die Mas­ke über­all auf­zu­set­zen. Wich­tig wäre auch: Zwi­schen 23 und 6 Uhr ist in Knei­pen Sperr­stun­de. Das hat am Mon­tag das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tigt. Und an Tref­fen an öffent­li­chen Orten dür­fen nur noch maxi­mal fünf Per­so­nen teil­neh­men. Noch ein Blick aus Müns­ter her­aus: Bel­gi­en, Groß­bri­tan­ni­en und Tsche­chi­en mel­den die ers­ten Kran­ken­häu­ser über­las­te­te Inten­siv­sta­tio­nen, berich­tet die Nach­rich­ten­agen­tur dpa. In Müns­ter wer­den die ers­ten bei­den Pati­en­ten aus den Nie­der­lan­den behan­delt, also auch dort wird es lang­sam eng. Und hier noch ein Lese­tipp: Die Süd­deut­sche Zei­tung erklärt, wie es gelin­gen könn­te, das Pro­blem mit den über­las­te­ten Gesund­heits­äm­tern zu lösen. Spoi­ler: Der Gesund­heits­po­li­ti­ker Lau­ter­bach und der Viro­lo­ge Chris­ti­an Dros­ten schla­gen einen begrenz­ten Lock­down vor. Je län­ger wir war­ten, des­to län­ger wird alles still­ste­hen, sagen sie.


Unbezahlte Werbung

Ofen­kar­tof­feln. Klingt gar nicht so spek­ta­ku­lär. Das kön­nen Ofen­kar­tof­feln aber durch­aus sein. Schau­en Sie sich zum Bei­spiel die­ses Foto an. Die­se Kar­tof­feln bekom­men Sie in der Mokel-Bar am Rosen­platz 10. Und der Flamm­ku­chen sieht auch nicht so schlecht aus. Ich kann dazu sogar noch bestä­ti­gen – das ist ja auch gar nicht so uner­heb­lich –, dass die Kar­tof­feln sehr ordent­lich schme­cken. Die Küche ist vegan. Geöff­net ist die Mokel-Bar don­ners­tags von 18 bis 23 Uhr sowie frei­tags und sams­tags von 17 bis 1 Uhr. Was viel­leicht noch wich­tig wäre: Im Moment gel­ten die Coro­na-Beschrän­kun­gen. Aber das wis­sen Sie ja eh. 


Drinnen und draußen

+++ Die Stadt hat alle Weih­nachts­märk­te abge­sagt. Sie haben es viel­leicht schon gehört, und auch sonst wer­den die Ter­min­ka­len­der in den nächs­ten Mona­ten wohl etwas dün­ner wer­den. Aber wir nut­zen noch schnell die Chan­ce, Ihnen das zu emp­feh­len, was statt­fin­det, jeden­falls Stand heu­te. Zum Bei­spiel: In der Frie­dens­ka­pel­le spielt am Frei­tag das Ensem­ble Mari­on & Sobo Band. Hier ein Mit­schnitt ihres Kon­zerts in Bonn. Damit kön­nen Sie sich schon unge­fähr vor­stel­len, was Sie erwar­tet. Wenn Sie mehr wis­sen möch­ten, die Frie­dens­ka­pel­le erklärt das auf ihren Sei­ten alles etwas genau­er. Tickets bekom­men Sie für 22 Euro hier.

+++ Dann noch eine Emp­feh­lung für eine Rad­tour, viel­leicht am Wochen­en­de, falls das Wet­ter es zulässt: Ken­nen Sie den Sol­da­ten­fried­hof Haus Spi­tal in Nien­ber­ge, auf dem Rus­sen, Polen, Ukrai­ner, Wol­ga­deut­sche und genau ein Inder begra­ben sind? Dort befand sich im Ers­ten Welt­krieg ein Lager mit zeit­wei­se 50.000 Gefan­ge­nen. Micha­el Bühr­ke hat für das Maga­zin Alles Müns­ter eine 30 Kilo­me­ter lan­ge Rad­tour aus­ge­ar­bei­tet, die unter ande­rem zu die­sem Lager führt, aber auch zu einem ver­wu­cher­ten Back­stein­fun­da­ment, den Über­res­ten einer soge­nann­ten Nage­lungs­stät­te.

+++ An jedem vier­ten Mitt­woch im Monat, also zum Bei­spiel mor­gen, trifft sich die Initia­ti­ve Solia­dari­sche Unter­neh­men Müns­ter­land, kurz SUM, in den Har­bour­si­de-Räu­men am Hafen­weg 26A. Dies­mal auf dem Pro­gramm: ein Vor­trag über den Hof Homann in Laer, eine Genos­sen­schaft, die Pro­jek­te zu Land­wirt­schaft, Digi­ta­li­sie­rung und Nach­hal­tig­keit umsetzt. Um 19 Uhr geht’s los. Dau­er: unge­fähr zwei Stun­den. Wei­te­re Infos und Ter­mi­ne fin­den Sie hier.

+++ Das Stadt­ar­chiv ist jetzt auch auf der Video-Platt­form Twitch zu fin­den. Am Don­ners­tag­abend ab 18 Uhr über­trägt es dort einen Vor­trag von Uta Rib­bert über Müns­ters Städ­te­part­ner­schaf­ten. Den Live­stream fin­den Sie dann hier.

+++ Und noch ein neu­es Wort: Plog­ging. Das war offen­bar eigent­lich ein Som­mer­trend, funk­tio­niert aber anschei­nend auch noch im Herbst. Das Wort setzt sich zusam­men aus dem schwe­di­schen Verb „plo­cka“, was pflü­cken bedeu­tet, und dem Wort „Jog­ging”. Was Plog­ging ist, kann man sich damit auch schon unge­fähr vor­stel­len. Es geht um Men­schen, die beim Jog­gen Müll sam­meln, und zwar in die­ser Woche am Frei­tag ab 17 Uhr am Aasee.

Am Frei­tag schreibt Ihnen Con­stan­ze Busch. Haben Sie bis dahin eine schö­ne Woche. 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Ann-Mar­len Hoolt


PS

Unser Mit­grün­der und Kolum­nist Klaus Brink­bäu­mer hat zusam­men mit dem Fil­me­ma­cher Ste­phan Lam­by einen Doku­men­tar­film über das gespal­te­ne Ame­ri­ka gedreht. Dazu haben die bei­den vie­le Gesprä­che geführt, unter ande­rem mit Donald Trumps kurz­zei­ti­gem Spre­cher Antho­ny Sca­ra­muc­ci, der inzwi­schen zur Abwahl sei­nes ehe­ma­li­gen Chefs auf­ruft, mit Trump-Bera­ter Sebas­ti­an Gor­ka, der das Inter­view bei einer recht harm­lo­sen Fra­ge abbricht, und mit dem deut­schen Außen­mi­nis­ter Hei­ko Maas, der sich kei­ne gro­ße Mühe gibt, die Situa­ti­on diplo­ma­tisch zu beschrei­ben. Der Ber­li­ner Tages­spie­gel schreibt: „Der Film lässt wenig Hoff­nung, dass sich nach dem 3. Novem­ber etwas zum Bes­se­ren wen­det.“ Hin­ter den Links ver­ber­gen sich län­ge­re Ver­sio­nen der ein­zel­nen Inter­views. Den andert­halb­stün­di­gen Doku­men­tar­film fin­den Sie hier.

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