Spenden: Wer kontrolliert Gerichte und Staatsanwaltschaften? | Wie löst man die Kita-Misere? | Ist der neue Parkausweis zu teuer?

Porträt von Ralf Heimann
Mit Ralf Heimann

Münster, 17. Februar 2023

in Deutschland gibt es die Möglichkeit, sich vor Gericht freizukaufen, wenn das Gericht oder die Staatsanwaltschaft das vorschlägt. Das klingt etwas seltsam, aber eigentlich steht dahinter eine gute Idee. Das Verfahren soll die Gerichte entlasten. Über Bande entlastet das auch die Kassen von gemeinnützigen Organisationen, denn an sie geht das Geld – wenn sie Glück haben. Und das ist ein Problem. Die Gerichte können frei entscheiden, ob das Geld an den Staat geht, an die Geschädigten oder an irgendeinen gemeinnützigen Verein.

In Münster sind so im Jahr 2021 eine knappe Million Euro verteilt worden. Etwa drei Viertel des Geldes hat die Staatskasse bekommen, der Rest floss an Organisationen und Vereine. Das Recherchenetzwerk Correctiv hat in einer Datenbank zusammengetragen, wer in den vergangenen Jahren von den Zahlungen profitiert hat. Und das ist interessant, denn warum welche Organisation das Geld bekam, ist oft nicht so richtig klar.

Der Kampfkunstverein Aikikai am Katthagen zum Beispiel hat in den vergangenen fünf Jahren mindestens 19.000 Euro bekommen. Der Verein „Münster Modell“, der mit einem großen Modell der Stadt ein Bewusstsein für Stadtentwicklung schaffen will, hat seit 2010 mindestens knapp 28.000 Euro erhalten, im ersten Jahr mit einem Schlag 15.000 Euro. Mindestens 7.500 Euro gingen an den Verein „Dein Brunnen für Münster“, der sich für die Rückkehr des Eisenmann-Brunnens an der Promenade eingesetzt hat. Der Zoo hat seit 2008 mindestens über 125.000 Euro bekommen, das Boxzentrum am Schifffahrter Damm mindestens 8.000 Euro, die Katzenhilfe mindestens 5.000 Euro, der Schachclub mindestens knapp 800 Euro.

Für die Vereine, die allesamt als gemeinnützig anerkannt sind, ist das eine gute Sache. Aber durch das undurchsichtige Verfahren bleiben Fragen offen. Welche Interessen bei der Vergabe eine Rolle gespielt haben, ist nicht zu erkennen. Und das bedeutet: Wer das System missbrauchen möchte, hat es leicht. Vor knapp zehn Jahren flog in München etwa eine Richterin auf, die über viele Jahre einen Verein für archäologische Ausgrabungen in Ägypten begünstigte, den sie selbst mitgegründet hatte. In Baden-Württemberg leitete ein korrupter Richter gegen Einladungen zum Essen Geld an den Sportverein eines Freundes weiter.

Direkt weiterlesen – nur 1 Euro für 6 Monate!

Lernen Sie RUMS ein halbes Jahr lang in aller Ruhe kennen. Sie zahlen dafür nur einen Euro!


  • Sie erfahren mit einem RUMS-Abo alles, was in Münster wichtig ist.
  • Sie bekommen 3x pro Woche unseren Newsletter mit Analysen, Kurzmeldungen und mehr.
  • Sie haben vollen Zugriff auf alle Reportagen und Interviews auf unserer Website.
  • Sie können jederzeit kündigen.