Basketballkörbe, Turnmatten und eine Sprossenwand erinnern daran, dass dies mal eine Turnhalle war, doch nun stehen hier Sicherheitskräfte in Position. Frank Reinecker ist mit dem Fahrrad gekommen, für eine warme Dusche und ein Mittagessen. Seine Wäsche hat er in einer Tüte mitgebracht. Andere haben ein paar Euro für den Bus zusammengekratzt oder sind aus der Innenstadt nach Gievenbeck gelaufen. Jetzt sitzen sie alle zusammen an den Holztischen in der Turnhalle.
In Reineckers Leben ist nicht alles glatt gelaufen, aber trotzdem hat er sich immer irgendwie geholfen. Anfang des Jahres kündigte er sein WG-Zimmer, weil er die Aussicht auf eine Wohnung hatte. Doch Corona durchkreuzte seine Pläne. Reinecker verlor seine beiden Jobs in der Gastronomie, er hielt sich mit Spargelstechen und einem Minijob im Supermarkt über Wasser. Doch für die Miete reichte das Geld nicht mehr. Er zog an den Mittelhafen, baute sich eine Hütte, legte Blumen- und Gemüsebeete an. Doch die sinkenden Temperaturen zwangen den 40-Jährigen schließlich, in eine der Notunterkünfte umzuziehen.
Frank Reinecker ist einer von knapp 800 Obdachlosen in Münster. Er hat keine Wäschetonne im Bad, keinen Wohnzimmertisch, auf dem eine Fernbedienung liegt, und keinen Kühlschrank, aus dessen Inhalt er sich noch irgendetwas kochen könnte. Sein Lebensmittelpunkt ist der Tagestreff – ein Ort, den die Stadt Menschen wie Reinecker zur Verfügung stellt. Das macht sie nicht ganz freiwillig. Kommunen müssen sich um obdachlose Menschen kümmern. Das schreibt das Ordnungsbehördengesetz vor.