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Thomas Schubert einen befallenen Teppich.

Der Rattenfänger von Münster

Thomas Schuberts ständige Begleiter in seinem Berufsalltag sind Rattengift und Demut vor der Natur. Wie sein Arbeitstag als Kammerjäger aussieht und wie er seine Liebe zu Tieren mit dem Töten vereinbart.

von Katharina Osterhammer • Redaktion: Ralf Heimann • Lektorat: Maria Schubarth • Fotos: Katharina Osterhammer

Es ist ein Donnerstag, 10 Uhr vormittags und Thomas Schubert ist zu seinem ersten Kundentermin an diesem Tag im Keller eines 70er-Jahre-Wohnhauses im Münsteraner Süden eingetroffen. „Motten-Haushalt, klassischer Fall, Keller mit Wollteppich, der schon lange nicht mehr bewegt wurde“, hatte er auf der Hinfahrt bei seiner ersten Zigarette gesagt. Thomas Schubert streift sich im fahlen Licht die gummibeschichteten Handschuhe über. Seine Montur ist komplett: schlammgrüne Cargo-Hose, beigefarbenes Hemd mit geräumiger Brusttasche – darin sicher verstaut seine Zigaretten – klobige Wanderschuhe, die bis weit über die Knöchel reichen.

Ein komplettes Ranger-Outfit wie für eine Safari. Heute ist Jagd-Tag. Schubert schultert die Taschenlampe und lässt den Lichtkegel durch die Dunkelheit wandern. Statt Urwald-Dickicht wird im Lampenschein ein platt gesessenes Sofa sichtbar, eine verstaubte Kommode und ein zerfaserter Perserteppich. Dort bleibt sein Blick hängen. „Da sind sie ja …“, murmelt Schubert. Er hat seine Opfer entdeckt. Es sind mehr als Tausend, der ganze Teppich ist damit übersät. Sie sind keinen Zentimeter lang und wiegen weniger als ein Gramm. Die Jagd kann beginnen.

Schubert wird immer dann gerufen, wenn andere Menschen sich ekeln, sich schämen, hilflos fühlen und das Problem möglichst schnell loswerden wollen. „Das Problem“ sind Tiere: Mäuse, Papierfischchen, Wespen. Wer Schubert anruft, dem flötet am Hörer ein „Schubert Schädlingsbekämpfung, hallo!“ entgegen.

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