Halle Münsterland, Foyer, kurz nach 23 Uhr. Ralf Feldhaus, Vorsitzender des Sportvereins TuS Saxonia, steht neben den beiden Kleingärtnerinnen Manuela Loddenkämper und Christiane König. In den letzten Monaten sind sie Verbündete geworden, Freunde vielleicht. Feldhaus schwingt seine rechte Faust wie ein jubelnder Torschütze: „Wir haben es geschafft!“, ruft er ins Nichts. Das Foyer ist fast menschenleer, seine Stimme hallt durch den kahlen Raum. Hinter den dreien schlurfen die letzten Zuschauer:innen aus der Halle. Sechs Stunden lang hat hier heute der Rat der Stadt Münster getagt, die letzte Sitzung vor der Wahl. Im kühlen Licht der Deckenscheinwerfer sieht Feldhaus müde aus, aber egal, es hat sich gelohnt. Denn er, die beiden Kleingärtnerinnen, rund 400 Demonstrant:innen, die am Nachmittag vor der Halle protestierten, und viele Unterstützer:innen haben gewonnen. Gegen die SPD.
Die letzte Augustwoche ist angebrochen, der Countdown zur Kommunalwahl hat begonnen, der Sommer ist vorbei, kühl ist es plötzlich, regnerisch, einmal zieht ein Unwetter durch. Und abgekühlt ist auch der Wahlkampf in diesem Jahr. Politik funktioniert in Zeiten von Corona nur auf Abstand. Großveranstaltungen, Bierzeltreden, Hausbesuche? Müssen ausfallen.
Doch in dieser letzten Augustwoche geht die Wahlkampftemperatur noch einmal hoch.