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Lukas Weber (Name geändert) hält die Leiter fest, auf der Anna Weber steht und streicht.

Ende eines Teufelskreises?

Das Projekt „Bunte Schule“ gibt straffällig gewordenen Menschen eine Perspektive. Ihre Strafe ist: Sie streichen Klassenräume. Ist das sinnvoll? Lara Voelter von der Reportageschule Reutlingen war zwei Tage lang mit dabei.

von Lara Voelter • Redaktion: Ralf Heimann • Fotos: Nikolaus Urban

Degg Barkhads findet seine Zuversicht an diesem Tag in einem Putzraum. Die Arbeit dort gibt ihm das Gefühl, gebraucht zu werden. Etwas zu schaffen, Anerkennung zu bekommen. Vorsichtig klopft er einen Farbroller am Rand eines Eimers ab und hält ihn unter den Wasserstrahl im Waschbecken. Weiße Farbe rinnt in den Abfluss. Dann zieht er Kreppklebeband von einem Regalbrett, das von Zeitungspapier umhüllt ist. Fast geschafft für diesen Tag.

Vor mehr als 30 Jahren kam er von Somalia nach Deutschland, erst nach Bonn, dann nach Münster. Barkhads sagt, er sei in Deutschland immer zufrieden gewesen. Bis er verurteilt wurde: Betrug, 350 Sozialstunden. Zu Unrecht, wie er sagt, denn er habe unwissentlich gehandelt, sei selbst betrogen worden. Deswegen müsse er sich nicht schämen. Sein Name dürfe in den Medien stehen. Er reckt das Kinn ein Stück höher, sein Blick, eine halbe Stunde zuvor noch gesenkt, weicht nicht mehr aus. Sich nicht zu verstecken – das ist sein Protest im Kleinen.

Degg Barkhads sitzt auf der Fensterbank in der Albert-Schweitzer-Schule. Sein Gesicht ist nicht zu erkennen.
„Ich bin fleißig, ich bin jemand, der arbeiten will“: Degg Barkhads auf der Fensterbank in der Albert-Schweitzer-Schule.

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