Beitrag
Demonstrierende mit Front-Transparent auf einer Demo des "Aktionsbündnisses Psychotherapie"

„Kürzt euch ins Knie!“

Seit April bekommen Psychotherapeuten weniger Geld. Die Kürzungen könnten nicht nur die Versorgung für Kassenpatienten verschlechtern, sondern auch die der Auszubildenden. Führt der Weg in eine Sackgasse?

von Raphael Balke • Redaktion: Ralf Heimann • Fotos: Aktionsbündnis Psychotherapie

„Unersetzlich! Unersetzlich! Unersetzlich!“, rufen knapp 2.000 Menschen am Samstagmorgen bei einer Demo des „Aktionsbündnis Psychotherapie“ in der Innenstadt. Sie halten selbstgebastelte Schilder in die Luft, pfeifen und klatschen. „Kürzt euch ins Knie!“ steht auf einem Schild. „Lassen Sie uns über Ihre Angst vor fairer Bezahlung sprechen“ auf einem anderen. Studis, Berufsanfänger, langjährige Therapeuten, sie alle machen ihrem Ärger Luft.

Der Grund für den Ärger ist ein nüchternes, kompliziertes Verwaltungsdokument auf einer spartanisch wirkenden Website. Es ist ein Beschluss des „Erweiterten Bewertungsausschusses“. Psychotherapeuten bekommen für die Behandlung von Kassenpatienten weniger Geld. Konkret sind es seit dem 1. April knapp 4,5 Prozent weniger. Der Beschluss ist der Startschuss für eine emotionale Debatte darüber, wie viel die psychische Gesundheit von Menschen eigentlich wert ist.

Aber warum wurde das Honorar gekürzt? Jährlich überprüft ein Ausschuss, ob die Honorare von Psychotherapeuten angemessen sind. Diesmal stimmte der GKV-Spitzenverband, eine Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, dagegen. Er forderte, dass das Honorar von Psychotherapeuten mit Kassensitz um zehn Prozent sinken sollte.

Artikel lesen?

RUMS 6 Monate lang für 1 Euro testen.