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Antworten der Stadt Münster auf eine RUMS-Anfrage vom 23. Juli 2025
von Ralf Heimann1. Wie koordiniert die Stadt Münster derzeit städtische, private und durch Dritte (z. B. Stadtwerke, Telekom, Bahn) verursachte Baustellen im Stadtgebiet?
In der regelmäßig tagenden „Baustellenkonferenz“, bei der die wesentlichen Akteure (insbes. Stadt Münster, Stadtnetze Münster GmbH, Landesbetrieb Straßenbau NRW, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, Deutsche Bahn AG, Autobahn GmbH) ihre Bauvorhaben vorstellen und abstimmen. Z.B. Abstimmung der Sommerferienbaustelle an der Warendorfer Straße / B 51, was aktuell zu einer wesentlichen Verkürzung der Bauzeit führt.
2. Wie wird bei der Genehmigung privater Maßnahmen berücksichtigt, ob in der Umgebung bereits städtische Baustellen aktiv sind oder geplant wurden?
Das ist auch eine Aufgabe der Baustellenkonferenz, wenngleich private Bauvorhaben nur eingeschränkt gesteuert werden, da hier Rechtsansprüche bestehen können.
3. Gibt es Planungen, eine interaktive Karte o. ä. bereitzustellen, in der auch Bürger Hinweise zu wahrgenommenen Baustellen geben können?
Eine interaktive Karte gibt es nicht, allerdings eine Übersicht über Baustellen auf der städtischen Internetseite, auf der nähere Informationen zu Baustellen abgerufen werden können: https://geo.stadt-muenster.de/baustellen
Bürgerinnen und Bürger können sich bei Fragen und Anregungen direkt mit den jeweiligen Baulastträgern telefonisch oder per E-Mail in Verbindung setzen. Wer der jeweilige Baulastträger ist, ist direkt an der Baustelle verzeichnet. Kontaktdaten der Baulastträger sind auf den jeweiligen Internetseiten zu finden. Zudem werden Anwohnerinnen und Anwohner bei städtischen Baumaßnahmen, die sie direkt betreffen, durch die Stadt Münster informiert. Auch hier werden Kontaktdaten angegeben, meist zu der jeweiligen Bauleitung des Amtes für Mobilität und Tiefbau, die bei Fragen gerne weiterhilft.
4. Wie geht die Stadt mit Baupausen um? Gibt es Regelungen oder Vorgaben, wann Absperrungen oder Sperrflächen reduziert bzw. temporär aufgehoben werden müssen, wenn längere Zeit nicht gearbeitet wird?
Bei der Stadt Münster werden Baupausen weitestgehend vermieden. Gelegentlich kann es zu Pausen kommen durch Personalengpässe bei den beauftragten Unternehmen (z.B. bei Krankheitsausfällen) oder bei Betriebsferien in den Ferienzeiten. In diesen Fällen werden bei städtischen Baumaßnahmen Absperrungen so weit wie möglich zurückgebaut. Auch aus technischen Gründen kann es zu Pausen kommen (z.B. aufgrund von Abbindezeiten von z.B. Beton). Dies wirkt auf Bürgerinnen und Bürger wie eine Baupause, ist jedoch eine ganz normale Maßnahme im Rahmen des Bauprozesses.
Zu wahrgenommenem Stillstand (oder Pausen) auf einer Versorgungsbaustelle der Stadtnetze Münster kann es sowohl aus geplanten und bautechnischen Gründen kommen als auch durch ungeplante Ereignisse und Störfälle (z.B. Schlechtwetter, Wasserrohrbruch) sowie aus organisatorischen Gründen (z.B. Krankheitsausfälle).
Die bautechnischen Gründe hängen in der Regel mit dem zu verlegenden Gewerk (Strom, Gas, Fernwärme, Trinkwasser, Glasfaser) oder einem hohen Grundwasserstand zusammen. So kommen Trinkwasserbaustellen immer mit einer gewissen Phase, in der keine Aktivität auf der Baustelle wahrzunehmen ist. Dann arbeitet das Material und nicht der Mensch: Die Rohrleitungen werden dann durchgespült, die Dichtigkeit der Rohrverbindungen wird geprüft und Wasserproben im Labor werden untersucht. In dieser Zeit muss kein Mensch auf der Baustelle sein. Erst wenn diese Prüfungen erfolgreich verlaufen sind, rücken auch wieder Bautrupps und Maschinen an. Nicht alle notwendigen Arbeiten in Zusammenhang mit einer Baustelle finden direkt vor Ort statt. Wenn beispielsweise Armaturen für Fernwärmeleitungen maßgefertigt werden oder ein Einsatztermin einer Spezialfirma ansteht (z.B. für obligatorische Kampfmittelsondierungen), kann es vorkommen, dass eine Baustelle für ein paar Tage ruht. Bei besonders tiefen Rohrgräben kann eine Grundwasserabsenkung erforderlich sein, bevor Bauarbeiten beginnen können. Dies kann auch einige Zeit dauern. Auch Kampfmittelverdachtspunkte oder archäologische Funde können Stillstand verursachen.
Auch ungünstige Witterung kann insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten dazu führen, dass Baustellen ruhen, wenn Regen, Sturm oder Frost ein sicheres Arbeiten unmöglich machen. Im Bauwesen gibt es daher zwischen dem 1. Dezember bis Ende März eine tarifvertraglich geregelte Schlechtwetterregelung, bei der der Verdienstausfall anteilig von der Schlechtwetterkasse ausgeglichen wird. Schlechtwettertage aus der kalten Jahreszeit werden in der Regel im Sommer mit längeren Arbeitszeiten (und auch längerem Tageslicht) wieder ausgeglichen. Diese Schlechtwetter-Regelungen dienen der Sicherheit und Gesunderhaltung der eingesetzten Mitarbeiter und sind der Tatsache geschuldet, dass gewisse Arbeitsschritte nicht bei jeder Witterung ausgeführt werden können. So braucht es z.B. für Asphaltierungen oder Montagearbeiten über mehrere Tage stabile Temperaturen über 5°Celsius, die gelben Fahrbahnmarkierungen können nicht auf nassen Fahrbahnen angebracht werden, Schüttgüter wie Sand können in gefrorenem Zustand nicht verbaut werden.
Die Regeln zum Arbeitsschutz können auch dazu führen, dass Baustellen vorübergehend ruhen. So haben die Stadtnetze sowohl eigene Entstörungsteams als auch Bereitschaftsteams bei den Partnerfirmen. Diese rücken zu jeder Tag- und Nachtzeit aus, wenn der Strom ausfällt, ein Wasserrohr bricht usw. Nach solchen Einsätzen müssen die gesetzlichen Ruhezeiten eingehalten werden, sodass eine Tiefbaukolonne, die im Nachteinsatz war, ihre Baustelle am nächsten Tag später beginnt – oder sie einen Tag ruhen lassen muss.
Und wie in jedem anderen Job auch, kommt es auch in Baukolonnen zu Krankheitsausfällen. Wenn Mitarbeitende mit nicht einfach zu ersetzenden Fähigkeiten ausfallen (z.B. Baggerfahrer/in, Schweißer/in) kann es vorkommen, dass eine Baustelle ruhen muss.
Eine Daumenregel, wann Absperrungen zurückgebaut werden, gibt es bei den Stadtnetzen Münster nicht. Insbesondere bei Tiefbauarbeiten mit Leitungsgräben ist der Rückbau einer Baustelleneinrichtung in der Regel nicht möglich.
5. Gibt es eine Kontrolle solcher Pausen-Baustellen, und wer ist zuständig?
Die Stadt Münster überwacht regelmäßig ihre Baustellen und steht in enger Abstimmung mit den von ihr beauftragten Unternehmen. Baupausen werden jedoch (siehe Antwort 4) in der Regel vermieden.
Die Bauverantwortlichen der Stadtnetze Münster stehen im Austausch mit den beauftragten Baufirmen, u.a. in regelmäßigen Baubesprechungen. Ein Kapazitätsplan schafft Überblick über die Baustellen der im Einsatz befinden Baukolonnen.
6. Wie schätzt die Stadt die subjektive Belastung der Bevölkerung durch Baustellen ein – insbesondere für Fußgänger, Radfahrende und Anwohner in eng bebauten Vierteln?
Die Stadt Münster ist sich der subjektiven Belastung der Bevölkerung durch Baustellen durchaus bewusst und daher bemüht, die Belastung so gering wie möglich zu halten. Die Stadt hat sich selbst zur Vorgabe gemacht, die Beeinträchtigungen für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende so gering wie möglich zu halten. Baustellen werden jedoch niemals grundlos eröffnet, jede Baustelle hat den Zweck, eine Situation (z.B. die Verkehrssituation) für die Bürgerinnen und Bürger zu verbessern oder etwas instand zu halten. Die Stadt Münster baut für die Bürgerinnen und Bürger.
Bauarbeiten dienen keinem Selbstzweck – sie sind ist ein wichtiger Garant dafür, dass sich die Münsteranerinnen und Münsteraner im Alltag auf eine sichere Versorgung mit Strom, Wärme, Wasser und schnellem Internet verlassen können und die Versorgungsinfrastruktur in Münster auch für die künftigen Herausforderungen des Klimawandels, Elektromobilität, zunehmender Digitalisierung und einer wachsenden Einwohnerzahl gewachsen ist. Die sichere Versorgung der Bürgerinnen und Bürger, die Daseinsvorsorge, ist Ziel und Zweck aller Baumaßnahmen der Stadtnetze Münster. Baustellen sind Investitionen in die Zukunft und die hohe Lebensqualität unserer Stadt.
Es ist aber auch nachvollziehbar, dass eine Baustelle vor der Haustür oder auf den täglichen Wegen niemanden freut. Die Stadtwerke Münster stellen immer wieder fest, dass Menschen die Notwendigkeit des Infrastrukturerhalts und -ausbaus zwar grundsätzlich anerkennen, sich jedoch mit den unvermeidlich damit einhergehenden Einschränkungen leider schwertun. Mit verschiedenen Informationsangeboten (neue Baustellenschilder, Überarbeitung der online verfügbaren Informationen, FAQ, Info-Veranstaltungen für Anliegerinnen und Anlieger, Anwohnerzettel, Pressearbeit…) versuchen die Stadtwerke Münster, Anwohnerinnen und Anwohner über Baustellen bestmöglich zu informieren, und werben so um Verständnis. Hiermit machen die Stadtwerke immer wieder gute Erfahrungen.
Ganz neu ist die Online-Baustellenkarte der Stadtnetze Münster, auf der alle aktuellen Baustellen der Stadtnetze Münster (außer Glasfaserbauarbeiten) abgebildet sind und die automatisch aus der Planungssoftware gespeist wird: www.stadtnetze-muenster.de/baustellen.
7. Welche konkreten Maßnahmen plant die Stadt, um die Baustellenkoordination künftig zu verbessern?
Die Stadtverwaltung optimiert zurzeit mit Akteuren des Stadtkonzerns eine gesamtstädtische „Baustellenkoordination“.
Ziele dieser Weiterentwicklung sind:
- Stärkung der Verbindlichkeit von Planungen und Förderung von Kooperationsprojekten.
- Frühzeitigerer Datenaustausch, insbesondere bei größeren Maßnahmen, zur Konflikterkennung und -vermeidung.
- Weniger Einschränkungen für alle Verkehrsteilnehmenden, Anwohner und Gewerbetreibende.
- Bessere Berücksichtigung der Belange von Polizei, Rettungsdiensten und ÖPNV.
- Optimierung der Arbeitsprogramme der beteiligten Baulastträger.
- Erhöhung der Sicherheit und Zufriedenheit aller Beteiligten.
- Positive Umweltauswirkungen (weniger CO2, weniger Schadstoffe).
- Verbesserung des Koordinationsergebnisses durch die Einbeziehung von Veranstaltungen, Ferien- und Sperrzeiten mittels Softwareunterstützung.
Die optimierte Koordination soll auch die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit verbessern. Gebündelte Informationen erleichtern Anlieger- und Presseinformationen sowie die Beantwortung von Anfragen.
8. Gibt es Überlegungen, Bürgerinnen und Bürger stärker in die Bewertung der Baustellensituation einzubeziehen (z. B. per Meldeportal, Umfragen o. Ä.)?
Den Bürgerinnen und Bürgern stehen zahlreiche Möglichkeiten offen, sich mit der Stadt Münster zu Baumaßnahmen in Verbindung zu setzen und eine Rückmeldung zu geben. Hier sind insbesondere das Baustellentelefon der Stadt Münster (0251/492-6666) und die E-Mail-Adresse baustellen@stadt-muenster.de sowie der Mängelmelder der Stadt (www.stadt-muenster.de/rathaus/maengelmelder) zu erwähnen. Zahlreiche Kontaktmöglichkeiten sind auf der Internetseite aufgelistet. Die Bürgerinnen und Bürger machen davon sehr rege Gebrauch. Die Öffentlichkeitsarbeit und der Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern nimmt einen großen Anteil im Arbeitsalltag der städtischen Mitarbeitenden ein.