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Das schnelle Busnetz, schnell erklärt | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis


Münster, 31. Januar 2023
Ende September 1994, wenige Wochen, bevor die SPD-Politikerin Marion Tüns Münsters Oberbürgermeisterin wurde, beantwortete sie in den Westfälischen Nachrichten Fragen zur autofreien Innenstadt, dem großen Wahlkampf-Thema damals. Tüns sagte, die konkreten Alternativen zu einer Innenstadt mit Autos seien „ein deutlich verbessertes Bussystem mit kürzeren Taktzeiten und für die Zukunft eine Stadtbahn“. Der öffentliche Nahverkehr müsse sich „an den Bedürfnissen der Benutzer orientieren“. Er müsse die Menschen „möglichst nah dorthin dorthin bringen, wo sie hinwollen“. Und tatsächlich, das wäre schon toll, wenn der öffentliche Nahverkehr dazu in der Lage wäre.
Gestern Nachmittag veröffentlichte die Stadtverwaltung ein Papier mit dem Titel „Neugestaltung des ÖPNV-Angebotes der Stadt Münster“. Der städtische Verkehrsausschuss soll am nächsten Mittwoch beschließen, dass die Stadtwerke ihr Busangebot verbessern. Man hatte zwei Workshops veranstaltet. Es ging um die Frage, wie das denn gelingen kann. Ein zentrales Ergebnis aus diesen Workshops lautet:
„Der ÖPNV muss attraktiver und leistungsfähiger werden, um seinen Beitrag zu einem klimaneutralen Verkehr leisten zu können. Da ein Stadtbahnsystem mittelfristig weder umsetzbar noch finanzierbar ist, soll der Aufbau eines Hochleistungs-Busnetzes mit verbindlichen Qualitätsstandards in einem hierarchisch strukturierten ÖPNV-Netz geprüft werden.“
Es gibt jetzt also mindestens zwei Möglichkeiten. Eine ist: In knapp 30 Jahren veröffentlicht die Stadtverwaltung ein neues Papier. Darin steht dann:
„Der ÖPNV muss attraktiver werden. Weil das mit dem Hochleistungs-Busnetz nichts geworden ist, brauchen wir jetzt doch so etwas wie eine Stadtbahn.“
Oder Münster bekommt tatsächlich ein Hochleistungsnetz. Dann wäre die Frage: Was soll so ein Netz denn eigentlich leisten?
Diese Frage beantwortet die Stadtverwaltung selbst. Das Netz soll die Stadtteile und die Innenstadt näher zueinander führen. Das bedeutet: Der Bus hält nicht erst im Wohngebiet an jeder Mülltonne, im besten Fall fährt er auf gerader Linie in Richtung Zentrum, auf den sogenannten Hauptachsen. Das ist die erste Ebene.
Auf einer zweiten gibt es nicht ganz so schnelle Ergänzungslinien. Sie kurven zwischen den Hauptachsen hin und her. Auf gleicher Ebene fährt die Ringlinie in einem Ring um die Stadt – oder besser: soll fahren, denn im Moment stehen diese Busse in der Garage, weil Personal fehlt.
Kleiner Exkurs. Uns hat jemand geschrieben, der jemanden kennt, der von Beruf Busfahrer ist und sich als solcher bei den Stadtwerken beworben hat, aber eine Absage bekam. Sind die Personalsorgen also doch gar nicht so groß?
Stadtwerke-Sprecher Florian Adler schreibt, zurzeit seien 20 Stellen unbesetzt. Wenn man könnte, würde man sogar noch mehr Menschen einstellen. Warum es in dem konkreten Fall nicht geklappt hat, wissen wir nicht.
Damit die Buslinien sich am Ende auch wirklich zu einer Art Spinnennetz zusammenfügen, gibt es auf einer dritten Ebene noch weitere Verbindungen. Sie führen von Stadtteil zu Stadtteil. Und dort fahren auch Loop-Taxis, um die Menschen auf dem Land zu den Haltestellen zu bringen.
Im Zentrum würden mit dem Hochleistungsnetz einige Linien wegfallen. Und das könnte bedeuten: Man kommt zwar schneller aus dem Umland ins Zentrum. Aber es kann sein, dass man dort länger laufen muss. Das könnte an einigen Stellen schon bald passieren.
Um das schnelle Busnetz vorzubereiten, wollen die Stadtwerke die Linien 6 und 8 umlegen. Nach der bisherigen Planung käme man dann zum Beispiel aus Coerde schneller in die Innenstadt, aber nicht mehr so leicht zum Bült. Die Linien würden über die Gartenstraße direkt zum Bahnhof fahren. Wer in die Innenstadt möchte, müsste dort aussteigen, den Bus etwas später am Ludgerikreisel verlassen oder vorher umsteigen.
Das ist für einige Menschen ärgerlich – vor allem, wenn sie schlecht zu Fuß sind. Andererseits wird es kaum möglich sein, ein neues Netz zu entwerfen, das die Verbindungen zwischen allen Punkten in Münster verbessert. Wie die Stadtwerke das Problem mit den Linien 6 und 8 lösen, steht noch nicht fest. Zurzeit werte man die Rückmeldungen aus den Infoveranstaltungen im Dezember aus, schreibt Florian Adler. Und wenn das passiert sei, werde man eine neue Linienführung vorschlagen.
Irgendwann wird Münster dann vielleicht tatsächlich ein Hochleistungsnetz für Busse haben. Und das könnte, so steht es in dem Verwaltungspapier, „eine Vorläuferlösung für ein perspektivisch anzustrebendes Stadtbahnsystem sein“. Also doch? Na ja, warten wir es ab. In jedem Fall wird es noch dauern.
Ein-Satz-Zentrale
+++ Ein notorischer Schulschwänzer muss für vier Tage in Arrest, weil er, genau, die Schule geschwänzt hat. (Antenne Münster)
+++ Möglicherweise wegen der höheren Sensibilität nach den Missbrauchsfällen von Lügde und Münster hat die Zahl der Meldungen von Eltern zugenommen, die sich wegen möglicher Übergriffe in Kitas an das Jugendamt gewandt haben. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Stadt hat zusammen mit Hilfsorganisationen ein Konzept entwickelt, um obdachlose Menschen in Münster besser unterstützen zu können. (Stadt Münster)
+++ Der gedruckte Busfahrplan für das Busliniennetz in Münster ist Geschichte. (Westfälische Nachrichten)
+++ Seit die Stadt die Kanalpromenade ausgebaut hat, ist die Zahl der Menschen, die dort mit dem Rad fahren, um ein knappes Drittel gewachsen. (Stadt Münster)
+++ Der Kater Beppo aus Sprakel fährt sehr gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln, leider schwarz. (WDR Münster)
+++ Das Theater Münster ist für einen Preis nominiert, weil es sich einfallsreich darum bemüht, ein neues Publikum zu erschließen. (Concerti)
+++ Rainhild Schäfers ist die erste Universitätsprofessorin in Münster, die Hebammen ausbildet. (Medizinische Fakultät Münster)
+++ Der konservative Ring christlich-demokratischer Studenten ist nicht glücklich mit dem neuen Namen, den die Universität bekommen soll, und schlägt stattdessen vor, sie nach Edith Stein zu benennen. (Ring christlich-demokratischer Studenten Münster)
Unbezahlte Werbung
Klein aber fein ist das Borgo Antico in der Hammer Straße 74. Mit nur wenigen Tischen und einer überschaubaren Speisekarte besticht das italienische Restaurant mit seiner persönlichen Atmosphäre. Das Borgo Antico wird von einer sizilianischen Familie geführt, auf der Speisekarte finden Sie also auch Spezialitäten aus dem Süden Italiens. Wir können vor allem die Pizzen empfehlen, von Margherita bis Bianca werden alle traditionell im Steinofen gebacken. Und zum Nachtisch: herrlich cremiges Tiramisu.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Heute hat Viktoria Pehlke für Sie in die Veranstaltungskalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen:
+++ Der Künstler Martin Koda ist gern mit dem Zeichenblock unterwegs. Ein Teil der Werke, die auf seinen Reisen entstanden sind, ist Kulturbahnhof Hiltrup zu sehen. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.
+++ Wie kamen Kunstwerke im Mittelalter nach Westfalen? Joana Olchawa, Professorin für Kunstgeschichte, spricht morgen im LWL-Museum für Kunst und Kultur über den Kulturtransfer in der Barbarossazeit. Die aktuelle Ausstellung zu Kaiser Barbarossa ist übrigens nur noch bis Sonntag zu sehen. Tickets gibt es online und an der Abendkasse.
+++ Im Kreativ-Haus zeigt die japanische Künstlerin Satomi Edo 3D-Drucken, Collagen und Zeichnungen. Für ihre Ausstellung „Heimat-Karte“ hat sie sich kreativ mit dem Thema Heimat beschäftigt. Nach ihrem Verständnis muss Heimat nichts mit Geografie zu tun haben. Die Öffnungszeiten vom Kreativ-Haus finden Sie hier.
+++ Die grüne NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur hält am Donnerstag im Franz-Hitze-Haus einen Vortrag über erneuerbare Energien und Windkraftanlagen. Los geht es um 18 Uhr. Infos finden Sie hier.
+++ Die Künstlerin Sara Vidal Peiro feiert am Samstag in der Buchhandlung Schatzinsel an der Neubrückenstraße mit einem kleinen Sektempfang den Abschluss ihrer Ausstellung „All about Orange“. Wenn Sie Lust haben, schauen Sie vorbei. Die Finissage beginnt um 11 Uhr und dauert ungefähr eine Stunde. Anmelden müssen Sie sich nicht.
Unsere Praktikantin Lara Gelbhardt empfiehlt:
+++ Suchan Kinoshita stellt im Westfälischen Kunstverein an der Rothenburgstraße moderne minimalistische Kunst aus, die den Raum in ein architektonisches Psychodrama verwandelt. Die Ausstellung „Architektonische Psychodramen“ ist noch bis zum 12. Februar zu sehen. Tickets kosten 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.
+++ Die Band „Dirty Sound Magnet“ spielt am 4. Februar im Gitarrenladen „Rare Guitar“ am Güterbahnhof. Beginn: 19:30 Uhr. Tickets kosten 18 Euro.
+++ Im Wienburgpark beginnt am Samstag um 9 Uhr der „Parkrun“. Treffpunkt: direkt neben dem Basketballplatz. Mitmachen können Sie kostenlos.
Und hier noch ein Tipp von der Polizei (kein Witz):
+++ Das Wolfgang-Borchert-Theater will dem Enkeltrick den Rest geben, indem es ihn auf die Bühne bringt. Die Geschichte ist schnell erzählt. Wahrscheinlich kennen Sie sie schon. Ein alleinstehender älterer Mann bekommt einen Anruf von einer jungen Frau, die sich als seine Enkelin ausgibt. Sie setzt den Mann unter Druck, denn sie will, natürlich, Geld. Allerdings sie hat nicht mit dem überraschenden Plottwist gerechnet, der dann folgen wird (wir übrigens auch nicht): Ein echter Polizist kommt auf die Bühne und klärt das Publikum in einem furiosen Finale auf. Es folgt eine Zugabe: Die Kriminalhauptkommissarinnen Alexandra Bruns und Alexandra Kampmann beantworten Fragen zu der beliebten Masche. Karten gibt es für 500 Euro in der RUMS-Redaktion. Das war ein Scherz. Infos und Tickets bekommen Sie hier.
Und was steht sonst noch im RUMS-Brief?
Vor fast 50 Jahren machte Titus Dittmann in Deutschland das Skateboard groß. Für sein Unternehmen Titus ging es lange bergauf, dann steil bergab, danach wieder hoch. Es war ein bisschen wie in einer Halfpipe. Inzwischen führt Julius Dittmann das Geschäft – der Sohn. Maximilian Münster von der Reportageschule Reutlingen hat ihn getroffen.
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Herzliche Grüße
Ralf Heimann
PS
Eine Woche nach der Probeabstimmung geht uns der neue Name „Universität Münster“ schon ganz flüssig über die Lippen. Und zwei Wochen Zeit bleiben ja noch, bis die Uni ihren Wilhelm dann endgültig vom Pferd holt. Wie es danach mit dem Briefpapier und den Schildern weitergehen wird, die mit dem alten Schriftzug bedruckt sind, hat Rektor Johannes Wessels bereits verraten: Soll alles aufgetragen werden, bis die Uni dann etwas Neues kauft. Ganz preußisch eben. Nur was ist mit der Abkürzung, die ja zum Beispiel auch im Namen einer Sportmannschaft steht, dem der „WWU Baskets“? Das hat neulich schon eine Kollegin in einer Pressekonferenz gefragt. Schade auch um den Twitter-Account @WWU_Muenster, der in Zukunft entweder eine neue Bezeichnung braucht – oder eine neue Bedeutung. Das wäre eben auch eine Möglichkeit: eine neue Bedeutung für das Akronym. Münster braucht ja nicht zwingend einen Wilhelm, um so eine Abkürzung rechtfertigen zu können. Dafür hat die Stadt schließlich die wahrlich widerlichsten Unwetter (WWU) und die in Münster wohl wichtigste Uni (WWU).