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Ein Gespräch über Coerde | RUMS 30 Tage kostenlos testen


Münster, 11. Mai 2021
ungefähr 600 Menschen haben sich am Wochenende in Coerde impfen lassen. Am Hamannplatz ergab sich ein Bild, an das wir uns wohl erst wieder gewöhnen müssen. Menschen warteten in einer langen Schlange vor der Stadtteilbücherei, um sich für die Impfung anzumelden und von dort zu einer der drei Arztpraxen zu pilgern, in denen die Impfungen stattfanden.
Das hat offenbar gut geklappt. Die Stadt spricht von einem „großen Erfolg“. Kommt jetzt also gleich die nächste große Impfaktion in Berg Fidel, Angelmodde oder Kinderhaus-West? Möglich. Aber fest steht es noch nicht, heißt es bei der Stadt. Man werde am Mittwoch darüber sprechen. Auch darüber, ab wann Münster nun Modellregion sein darf. Die Stadt hat zu morgen früh um 13 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt. Es wird wohl um erste Lockerungen gehen, unter anderem für die Gastronomie und für den Handel.
Die Situation hat sich entspannt, auch in Coerde. Noch vor drei Wochen hatte die Stadt für den Stadtteil eine Inzidenz von 499 gemeldet. Eine Woche später sah alles schon viel besser aus. Der Wert sank auf 231, in der vergangenen Woche dann auf 169. Damit liegt er immer noch so hoch, dass die Schulen eigentlich geschlossen bleiben müssten. Aber weil der stadtweite Durchschnittswert zählt, sieht im Moment auch in Coerde schon alles wieder danach aus, als könnte man dort bald wieder zusammen vor der Pizzeria sitzen.
Die Stadt meldet am Dienstag für Münster eine Inzidenz von 53. Das ist in Nordrhein-Westfalen der niedrigste Wert. Aber 53, das ist dennoch ein Wert, der über der Grenze liegt, bei der noch vor einigen Monaten alle roten Lampen geblinkt hätten. Die Frage ist: Wird jetzt alles besser? Oder ist es noch zu früh, um auf die sinkenden Zahlen zu reagieren?
Und was bleibt, wenn sich die Aufmerksamkeit wieder aus Coerde wegbewegt? Wir haben darüber mit dem Sozialwissenschaftler Sebastian Kurtenbach gesprochen. Er ist Professor an der Fachhochschule Münster. Und er hat im März zusammen mit Katrin Rosenberger eine Studie veröffentlicht, in der es um die Bedeutung von Nachbarschaft geht. Coerde ist einer der Stadtteile, die sie untersucht haben. Kurtenbach hat einige Ideen dazu, was schnell gemacht werden müsste, um gegen die Pandemie vorzugehen. Und er hätte auch einige Ideen dazu, was langfristig passieren muss, damit die Situation in dem Stadtteil besser wird.
Kurtenbach spricht auch über die Probleme. Unter anderem sagt er: „Die Angst, dass Dinge schlecht geredet werden könnten, ist sehr weit verbreitet.“
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Herzliche Grüße
Ralf Heimann
PS
Eine Leseempfehlung und gleichzeitig ein Hinweis in eigener Sache. Christian Humborg, Münsteraner, Mitgründer und einer aus unserem RUMS-Team, wird ab Juni Chef des Vereins Wikimedia Deutschland, dessen größtes Projekt die Wikipedia ist. Die Süddeutsche Zeitung hat heute ein Interview mit ihm veröffentlicht, in dem er über die Digitalisierung an Schulen spricht („Es reicht nicht zu sagen: Jetzt machen wir halt Matheaufgaben im Netz.“), über die Digitalisierung generell („Eine Digitalisierungsstrategie ist kein IT-Projekt. So wird das in Deutschland aber vielerorts noch gehandhabt.“) und über das Phänomen, dass in der Wikipedia ältere Männer mit Vorliebe über ältere Männer schreiben. Nur etwa ein Fünftel der Biografien in der Online-Enzyklopädie sind Beiträge über Frauen. Dazu sagt Christian: „Das Ziel ist, dass wir Gesellschaft so reproduzieren, wie sie ist. Und da gibt es eben gleich viele Männer wie Frauen.“