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Ein Jahr nach dem Angriff: Unterstützung für Ukrainer:innen | X-Viertel-Kiosk | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis


Münster, 24. Februar 2023
Ihre Timelines, Tageszeitungen und E-Mail-Postfächer waren heute gefüllt mit einem Thema: Vor genau einem Jahr hat Russland die Ukraine erneut angegriffen. Damit hat sich Mariya Sharkos Leben verändert, sagt sie. Sie ist in der Ukraine aufgewachsen und hat den Kontakt zum Land in den 17 Jahren, die sie nun in Deutschland lebt, nie verloren. Ähnlich gehe es anderen Ukrainer:innen, die sie zum Beispiel in der ukrainischen Gemeinde in Münster trifft oder im Verein „Ukrainische Sprache und Kultur in Münster“.
„Das Leben dreht sich jetzt nur noch um das Land und die Leute“, berichtet Mariya Sharko, die als Osteuropa-Referentin im Bistum Münster arbeitet. Die Ukrainer:innen, die wie sie schon länger in Deutschland leben, wollten helfen, so viel es eben gehe. „Wir können hier viel bewirken. Wir sehen uns als Vermittler“, sagt Mariya Sharko. Einige hätten sogar ihren Job für ein Ehrenamt aufgegeben.
Und viele würden sich nun wieder stärker mit der ukrainischen Kultur und Sprache auseinandersetzen. Sie wollten zeigen, warum sie kämpfen. „Putin geht es schließlich um die Vernichtung der ukrainischen Identität“, sagt Mariya Sharko.
Vielleicht könnte man sagen, dass auch viele Ukrainer:innen, die wegen des Kriegs im vergangenen Jahr geflüchtet sind, eben diese Identität jetzt suchen. Im Moment leben laut Stadt gut 3.600 Ukrainer:innen in Münster (zum Vergleich: Ende 2021 hat das Ausländerzentralregister gut 400 gemeldet), über 90 Prozent von ihnen sind als Kriegsgeflüchtete registriert.*
Eine Wohnung, ein Sprachkurs – und dann?
Auf der einen Seite brauchen sie natürlich konkrete Unterstützung, also zum Beispiel eine Wohnung, einen Kita-Platz und einen Platz im Sprachkurs. Das ist alles nicht so einfach. Valentin Peschanskyi erzählt davon in einem Gespräch, das Ralf Heimann mit ihm geführt hat, und das Sie weiter unten im Brief finden.
„Auf der anderen Seite wollen sie aber auch leben“, fasst es Mariya Sharko zusammen. Kindern ukrainische Bücher vorlesen, in einem Chor singen, Lesungen besuchen und vielleicht auch selbst Ukrainisch lernen. Sie freut sich, dass das mittlerweile möglich ist in Münster. Es gibt etwa ukrainische Bücher in der Stadtbibliothek und ihr Verein macht einige kulturelle Angebote. An einer Website arbeiten die Mitglieder gerade, einen Ort für regelmäßige Treffen haben sie mittlerweile gefunden, im Mühlenhof. Über die Solidaritätspartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Winnyzja freut sie sich besonders: „Das war schon seit Jahren ein Anliegen von unserem Verein“, sagt sie.
Es ist schließlich auch so, dass etwa 2.500 Ukrainer:innen schon in den ersten Wochen nach Beginn des Angriffskriegs in Münster angekommen sind. Seit September habe sich die Anzahl eingependelt, wobei es auch gut 1.000 Abmeldungen gegeben hat. Was Mariya Sharko jedenfalls wahrnimmt: Die Menschen, die über einen längeren Zeitraum in Münster sind, lernen unglaublich schnell Deutsch und versuchen, Arbeit zu finden – was ihnen oft auch gelingt, trotz erschwerter Umstände.
„Die Solidarität ist etwas zurückgegangen, zumindest, was humanitäre Hilfe und Geldspenden angeht. Aber das ist ein natürlicher Prozess, weil andere Themen kommen“, sagt Mariya Sharko und erwähnt etwa das Erdbeben in Syrien und der Türkei. „Grundsätzlich beobachte ich nach wie vor eine große Hilfsbereitschaft.“
Falls Sie Kontakt zu Ukrainer:innen aufbauen möchten oder Ihre Unterstützung anbieten wollen: Mariya Sharko ist für die ukrainische Kirchengemeinde und den ukrainischen Kulturverein unter mariyasharko@gmail.com erreichbar. Alternativ gibt es auch noch den Verein „Ukraine in Not“, der in Münster aktiv ist. Oder vielleicht haben Sie schon neue Kontakte bei der Kundgebung heute geknüpft. (sst)
* Darüber, wie viele Menschen aus der Ukraine sich tatsächlich in Münster aufhalten, kann die Stadt keine genaue Aussage machen. Denn momentan dürfen Ukrainer:innen drei Monate lang ohne Aufenthaltstitel in Deutschland leben, weswegen sie nicht registriert sein müssen. Eine vorherige Registrierung wird allerdings stark empfohlen.
Ein-Satz-Zentrale
+++ Die Frauenstraße ist am Wochenende gesperrt, weil dort gebaut wird. (Stadt Münster)
+++ Nächste Woche ist die Achtermannstraße gesperrt, weil dort Kampfmittel beseitigt werden. (Stadt Münster)
+++ Am Donnerstag hat die Stadt eine Fläche am Bremer Platz eingerichtet, an der sich die sogenannte Drogenszene während des Umbaus aufhalten kann. (Stadt Münster)
+++ Der Pardo-Steeg am Aasee wird saniert und ist erst Ende des Sommers fertig. (Stadt Münster)
+++ Münster bekommt keine Pfandsammelboxen, weil andere Kommunen damit schlechte Erfahrungen wie Scherben und Vandalismus gemacht haben. (Westfälische Nachrichten)
+++ Bischof Felix Genn hat den Verwaltungsdirektor abberufen, ohne dafür einen Grund zu nennen. (Bistum Münster)
+++ Das Bistum Münster sieht in der Essener Missbrauchsstudie keine neuen Erkenntnisse zu Münsters Bischof Felix Genn. (Kirche und Leben)
+++ Die Stadt will noch bis Mitte nächster Woche das Grundstück des Kinderhauser Müllsammlers aufräumen und ihm dafür die Rechnung schicken. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Polizei sucht nach Zeugen, die am Montagabend gesehen haben, wie jemand eine andere Person mit einer Schusswaffe bedroht haben soll. (Polizei Münster)
+++ Die Bundespolizei hat jemanden festgenommen, der zuvor einen Zugbegleiter auf einem Bahnsteig im Hauptbahnhof mit einem Messer bedroht haben soll. (Bundespolizei NRW)
+++ Der gebürtige Iraner Fari Hadipour hält in einem ausrangierten Linienbus auf dem Schlossplatz eine Dauermahnwache zur Unterstützung der Protestbewegung im Iran ab. (WDR)
+++ Ein Gedicht des Poetry-Slammers Marian Heuser aus Münster ist doch glatt in einem Schulbuch für Neuntklässler:innen gelandet. (WDR)
+++ In Hiltrup findet am Montag eine Infoveranstaltung zur beantragten Umbenennung der Heideggerstraße statt, in der es um die Nähe des Philosophen Martin Heidegger zum Nationalsozialismus gehen wird. (Stadt Münster)
+++ Eine Frau hat bei der Polizei eine Vergewaltigung am frühen Sonntagmorgen gemeldet, diese sucht nun Zeugen. (Polizei Münster)
Unbezahlte Werbung
Gegenüber vom Schlosstheater befindet sich ein Stück Kultur. Kioskkultur, um genau zu sein. Der X-Viertel-Kiosk im kleinen Büdchen bietet eine große Auswahl an Getränken, Sitzgelegenheiten je nach Gusto im Schatten oder in der Sonne und die Möglichkeit, einen netten Plausch mit den Betreibern zu halten. Und sonntags bekommt man dort auch das Nötigste für den alltäglichen Bedarf.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Heute haben Fabian Cohrs, Sebastian Fobbe und Ralf Heimann für Sie ein paar schöne Veranstaltungstipps herausgesucht.
+++ Noch auf der Suche nach einem Abendprogramm? Heute bietet die Theaterbühne im Kreativhaus einen Einblick in die Welt des Narzissmus und Geltungsdrangs. Alles ganz locker und humoristisch in Kabarettform, versteht sich. Sie erwarten Erzählungen aus Alltagssituationen und der Berufswelt, vorgetragen von Regina Schrott und Christoph Hilger. Karten für das um 20 Uhr startende „Narzarett“ gibt es noch hier.
+++ Bei ihrem ersten Abendsalon im Kreativ-Haus am Mittwoch wollen Katha und Lea, Psychologin und Betriebswirtin (Nachnamen stehen nicht in der Ankündigung), sich mit Frauen in Münsters Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinandersetzen. Dabei geht es auch um eine wissenschaftliche Erkenntnis: Wenn Teams, die nicht nur aus Menschen eines einzigen Geschlechts bestehen, Entscheidungen treffen, fallen diese oft anders aus. Zu Gast ist Lucienne Bangura-Nottbeck. Sie wird über weibliches Empowerment sprechen. Noch ein paar Tickets und weitere Informationen gibt es hier.
+++ Bei bestem Sonntagswetter bietet sich ein Ausflug in die Natur an. Und falls Sie es abenteuerlich mögen, dürfen Sie den Ausflug auch „Münsterland-Safari“ nennen: In der Hohen Ward führt Udo Wellerdieck Sie am Sonntag durch Hiltrup. Name der Safari: „Auf den Spuren der Schweine“. Im Zentrum steht das Leben der Wildschweine hier in der Region. Weitere Informationen und Daten zur Anmeldung finden Sie hier.
+++ Ab heute zeigt die Galerie Ostendorff eine Ausstellung von Pablo Picasso. Sie ist eine Hommage zu seinem 50. Todestag. Zu sehen sind über hundert Werke des Künstlers. Die Vernissage hat heute um 17 Uhr begonnen, die „Hommage à Picasso“ können Sie noch bis zum 18. März besuchen.
+++ Der Frühling kommt, damit wird auch das Fahrradfahren wieder attraktiver. Wer seine oder ihre Leeze auf Vordermann bringen möchte, das allerdings nicht alleine machen möchte, kann am Samstag ab 12 Uhr zum Cuba in der Achtermannstraße kommen. Werkzeug und Hilfe zur Selbsthilfe werden gestellt, eine Anmeldung ist nicht nötig. Mehr Informationen bekommen Sie hier.
+++ Till Lindemann und seine Bandkollegen sollen sich ja „ordentlich beömmelt“ haben, als sie von dieser Partyreihe hörten: „Strammsein“ findet Samstagnacht wieder in der Sputnikhalle statt. Zwar gibt es keine Livemusik, aber zwei DJs, die das Publikum ab 23 Uhr mit Rammstein und anderer Musik aus dem lauteren Gitarrenspektrum unterhalten. Wer mitgeschleppt wurde und das eigentlich eher anstrengend findet (oder einfach gerne Pfeffi mag), bekommt Shots umsonst am DJ-Pult. Die Abendkasse kostet 8 Euro, mehr Informationen finden Sie hier.
+++ Die Ukrainerin Aleksandra überlebte die Hungersnot Holodomor, wurde von den Nazis nach Deutschland verschleppt und fing nach dem Zweiten Weltkrieg in den Niederlanden ein neues Leben an. Ihre Enkelin, die Autorin Lisa Weeda, hat 2021 ihre bewegende Familiengeschichte aufgeschrieben und als Roman veröffentlicht. Heute, am Jahrestag des Ukrainekriegs, erscheint „Aleksandra“ in deutscher Sprache. Am 13. März wird Birgit Erdmann, die Übersetzerin des Romans, im Haus der Niederlande zu Gast sein und bei einer Leserunde des Literaturmagazins „Tralalit“ mit RUMS-Lektorin Lisa Mensing über das Buch diskutieren. Wenn Sie an der Veranstaltung teilnehmen möchten, können Sie sich per Mail anmelden. Die Teilnehmenden sollten das Buch vorab (zumindest in Teilen) gelesen haben.
Und was steht sonst noch im RUMS-Brief?
Ralf Heimann hat mit Valentin Peschanskyi gesprochen. Den 24. Februar 2022 wird er wohl nicht vergessen. An diesem Tag sind erste Raketen in seiner Geburtsstadt Odessa gelandet. Ein Interview über sein Engagement für Geflüchtete und seine Gedanken zum Krieg. Außerdem geht es um die Sache mit der Bürokratie und dem Kopftuch und etwas zu antisemitischen Straftaten.
Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie RUMS 3 Monate lang zum halben Preis.
Herzliche Grüße
Svenja Stühmeier
Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Ralf Heimann (rhe), Jan Große Nobis (jgn), Frieda Krukenkamp (fkr), Fabian Cohrs (fco)
Lektorat: Antonia Strotmann
PS
Falls Sie zufällig studieren und nebenbei Bier brauen, hier ein Freizeittipp für Sie: Beim „Students‘ Beer Award“ können Sie sich mit anderen Brauer:innen messen und bestenfalls als Sieger:in aus dem Wettbewerb gehen. Was Sie dafür tun müssen? Naja, Bier brauen halt. Und zwar entweder deutsches Pils, Irish Stout, American Pale Ale oder ein kreatives „Winterbier“. Anmelden können Sie sich bis zum 17. Juli auf der Internetseite, Einsendeschluss für Ihr Bier ist am 31. Juli. Damit unterstützen Sie übrigens die Ausbildung einiger Studierender an der FH, denn das Ganze ist in einem Oecotrophologie-Seminar zum Eventmanagement entstanden. Wer es dann im Oktober aufs Treppchen schafft, gewinnt Pokale, Urkunden und Braumaterial. (sst)