Geburtshilfe in Münster: Wie viel ist eine Hebamme wert? | Jetzt RUMS abonnieren und drei Monate zum halben Preis lesen

Porträt von Sebastian Fobbe
von Sebastian Fobbe

Münster, 2. Dezember 2022

in den Niederlanden erzählt man sich gerne Witze über Deutsche. Einer davon geht so: „Welches Geräusch hört man am meisten im Sommer am Strand?“ – „Die deutsche Sprache.“

Wer in den vergangenen Tagen in der Innenstadt von Münster unterwegs war, kann den Spieß problemlos umdrehen. Das ginge dann so: „Welches Geräusch hört man am meisten am Weihnachtsmarkt in Münster?“ – „Die niederländische Sprache.“

Jedes Jahr kommen unzählige Niederländer:innen nach Münster, im Vor-Corona-Jahr 2019 machten sie im Advent knapp die Hälfte aller ausländischen Hotelgäste aus. Denn unsere Nachbar:innen lieben den Weihnachtsmarkt in Münster, in einer Rangliste der beliebtesten Weihnachtsmärkte belegt er den vierten von zehn Plätzen.

Schaut man sich diese Top 10 etwas genauer an, fällt auf, dass sieben der zehn Lieblingsweihnachtsmärkte der Niederländer:innen im Ausland liegen. Und die drei niederländischen Weihnachtsmärkte liegen nicht etwa in den großen Städten wie Rotterdam, Amsterdam oder Den Haag, sondern in Maastricht, der Kleinstadt Valkenburg und im 500-Seelen-Dorf Haarzuilens.

Acht von zehn Niederländer:innen besuchen laut Umfrage mindestens einmal im Jahr einen Weihnachtsmarkt, aber einen eigenen richten sie nicht aus. Auch in Enschede findet keiner statt, sondern bis zum 8. Januar ein Winter Wonderland mit Schlittschuhbahn in der Innenstadt. Offensichtlich führen die Menschen in den Niederlanden eine sonderbare Beziehung zum Kerstmarkt. Woran liegt das?

Ich frage nach bei einer befreundeten Niederländerin, die schon einige Jahre in Münster lebt. Sie erklärt mir, Weihnachten habe in ihrer Heimat einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Zum Beispiel habe sie als Kind nie Geschenke an Heiligabend bekommen. Das sei vielerorts üblich, denn die Bescherung findet in den Niederlanden schon am 5. Dezember, dem Sinterklaasabend, statt. Immerhin habe jedes Jahr ein Tannenbaum im Wohnzimmer gestanden, sagt sie. Und man habe die Verwandtschaft an den Feiertagen besucht, um gemeinsam zu essen, meistens Raclette.

Einen Weihnachtsmarkt, so wie wir ihn in Münster kennen, habe meine Freundin aus den Niederlanden aber in ihrer Kindheit nie besucht. Das sei eine Tradition, die es dort in dieser Form nicht gibt. Falls Sie sich also demnächst fragen, warum so viele Niederländer:innen gerade in der Innenstadt Glühwein trinken und Poffertjes essen, kennen Sie jetzt die Antwort: Sie haben einfach keine andere Wahl.

Geburtshilfe in Münster: Wie viel ist eine Hebamme wert?

Heute hat der Bundestag ein neues Gesetz verabschiedet, das die Krankenhäuser in Deutschland entlasten soll. Die Finanzierung und die Personalsituation soll dazu mit dem Gesetz neu geregelt werden.

Doch die Reform hat ihre Haken: Eine Zeit lang sah es so aus, als habe das Bundesgesundheitsministerium die Geburtshilfe dabei vergessen. Die Hebammen sollten aus den Pflegebudgets gestrichen werden, was das Ende der klinischen Geburtshilfe bedeutet hätte. Erst auf Druck der Hebammen schwenkte Gesundheitsminister Karl Lauterbach ein und kümmerte sich um eine Lösung.

Was bedeutet dieses neue Gesetz für Münster?

Das habe ich für den heutigen RUMS-Brief recherchiert. Einige Hebammen in Münster kündigen ihren Job in den Kliniken, weil sie die Arbeitsbedingungen belasten. Wegen des Hebammenmangels sind Kreißsäle in Münster in den vergangenen Jahren geschlossen worden. Manche Kliniken beschäftigen keine festangestellten Hebammen mehr auf den Geburtsstationen, sondern nur noch Freiberuflerinnen. Kommt jetzt die Trendwende in der Geburtshilfe?

Was sonst im RUMS-Brief steht

  • Sie sind weder zu übersehen noch zu überhören: Viele Niederländer:innen besuchen in der Adventszeit den Weihnachtsmarkt in Münster. Aber warum eigentlich?
  • Viele Kinder stecken sich in Münster gerade mit dem RS-Virus an. Das belastet die Kinderkliniken. Mein Kollege Ralf Heimann hat sich die Situation in den Krankenhäusern angeschaut und recherchiert, wie es jetzt weitergeht.
  • Die Strompreise steigen und steigen. Aber wo steht Münster im bundesweiten Vergleich? Das hat Antonia Stromann für Sie recherchiert. 

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Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe

PS

Die Aidsambulanz der Uniklinik Münster betreut knapp 700 Patient:innen, die mit dem HI-Virus leben. Seit Anfang des Jahres suchen dort vermehrt Geflüchtete aus der Ukraine Hilfe, denn das Land hat die zweithöchste HIV-Prävalenz in Europa. Eine Ansteckung hat für die Betroffenen lebenslange Folgen. Das ist die eine Seite der Geschichte, die negative. Aber die Geschichte wäre nicht komplett, wenn wir uns nicht die andere Seite anschauen würden: das, was gut läuft. Diesen anderen, aber sehr wichtigen Teil hat die Journalistin Lara Malberger von Perspective Daily vor ein paar Jahren aufgeschrieben. Ihr Text handelt von den Fortschritten der Wissenschaft, denn die Diagnose „HIV-positiv“ bedeutet schon lange kein Todesurteil mehr. Therapien und Medikamente können den Betroffenen inzwischen ein langes und erfülltes Leben ermöglichen. Das ist ein großartiger Erfolg, an den der gestrige Weltaidstag erinnert.

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