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Wer hilft Jugendlichen ohne Job? | Faire Damenmode von „Story of Mine“ | RUMS abonnieren und die ersten 3 Monate zum halben Preis lesen


Münster, 15. September 2023
nach zwei Ausnahmejahren möchte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) zurück zur Schuldenbremse. Alle Ministerien sollen sparen. So werden etwa die Bundeszuschüsse zur Renten- und Pflegekasse gekürzt, das Entwicklungsministerium bekommt weniger Geld für humanitäre Hilfe und auch bei Radwegen, Digitalisierung und Beratungsstellen für Geflüchtete wird der Rotstift angesetzt.
Auch der Sozialetat soll schrumpfen. Insgesamt muss Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD 900 Millionen Euro zusammenstreichen. Sein Haus hat den größten Posten im Bundeshaushalt. Gleichzeitig aber auch einen der wirkmächtigsten. Denn jeder Euro mehr oder weniger für Soziales hat direkte Folgen für das Leben von Millionen Menschen in Deutschland.
Das zeigt auch ein Beispiel aus Münster. Gegen einen Punkt auf der Kürzungsliste formiert sich nämlich gerade Widerstand: Um Kosten zu streichen, möchte die Bundesregierung die Arbeitsvermittlung von Arbeitssuchenden unter 25 umstrukturieren. Das gefährde aber das Hilfesystem in Münster, fürchtet die Lokalpolitik.
Der Plan der Bundesregierung sieht so aus: Jugendliche Arbeitssuchende sollen künftig nicht mehr vom Jobcenter, sondern von der Bundesagentur für Arbeit beraten werden. Das hört sich nach einem technischen Detail an, ist es aber nicht.
Denn bislang ist das Jobcenter für alle Arbeitssuchenden zuständig, unabhängig vom Alter. Die Arbeitsvermittlung des Jobcenters wird aus Steuern finanziert. Muss sich die Arbeitsagentur um die unter 25-Jährigen kümmern, würde die Arbeitslosenversicherung die Leistungen bezahlen. Hier geht es dann um Sozialbeiträge. Außerdem hätten die Jugendlichen ohne Job dann zwei Anlaufstellen. Denn einige Leistungen bekämen sie weiterhin vom Jobcenter.
Die Personalräte des Jobcenters halten von diesem „rein haushaltspolitisch motivierten Taschenspielertrick“ nichts. Sie sagten im Handelsblatt, die Pläne der Bundesregierung ergäben mit Blick auf den Arbeitsmarkt keinen Sinn. Die Jobcenter hätten Erfahrungen mit der Begleitung von Jugendlichen ohne Job, die die Arbeitsagenturen nicht hätten. Oft fänden junge Leute keine Arbeit, weil psychische Probleme, Suchterkrankungen oder Schwierigkeiten mit den Eltern sie hinderten.
Wie das in Münster konkret aussieht, steht in einer Resolution, über die der Rat am Mittwoch entscheiden wird. Auf den Weg gebracht hat das Papier die CDU, inzwischen hat sich auch das Bündnis aus Grünen, SPD und Volt sowie die Internationale Fraktion dem Vorstoß angeschlossen.
In dem Text heißt es, die Jobcenter seien hier mit den freien Trägern in der Sozialhilfe vernetzt, etwa mit der Schuldner- und Suchtberatung oder mit dem Streetwork. Dadurch könnte Jugendlichen ohne Job ganzheitlich geholfen werden, zum Beispiel mit speziellen Coachings oder mit aufsuchender Arbeit.
Dieses Hilfesystem bräche aber weg, wenn die Kompetenz vom Jobcenter zur Bundesagentur für Arbeit verlagert wird. Die Parteien fürchten, dass dadurch nicht nur mehr kostspielige Bürokratie entsteht, sondern dass die Jugendlichen auch zwischen den Zuständigkeiten zerrieben werden. Betroffen wären in Münster laut Papier über 2.500 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren.
Mit der Resolution möchte der Rat an die Bundesregierung appellieren. Sie soll das alte Fördersystem für arbeitssuchende Menschen unter 25 beibehalten. Die nordrhein-westfälischen Bundesabgeordneten werden dazu aufgerufen, sich gegen die Kürzungspläne zu stellen.
Mit der Kritik an den Plänen ist der Stadtrat von Münster übrigens nicht alleine. Der Essener Stadtdirektor möchte mit einem Aktionstag gegen den „Taschenspielertrick“ protestieren. Der Sozialausschuss in Wiesbaden hat kürzlich beschlossen, dass das Jobcenter die Jugendlichen bei der Arbeitssuche einfach weiter betreuen soll. Auch NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann hat sich mit einem offenen Brief zu Wort gemeldet. Auch er plädiert darin, dass das Hilfesystem in einer Hand bleiben soll. (sfo)
Ein-Satz-Zentrale
+++ Der Werseradweg ist bis Montag wegen des Regens in dieser Woche zwischen dem Angelmodder Weg und Nobis Krug teilweise gesperrt. (Stadt Münster)
+++ Weil Menschen Akkus für Smartphones, Computer oder E-Bikes in die Mülltonne werfen, kommt es immer wieder zu Bränden in Müllwagen oder Müllverbrennungsanlagen – zuletzt Anfang des Jahres in Coerde. (WDR Lokalzeit Münster)
+++ Weil Personal fehlt, kann es sein, dass die Müllabfuhr später kommt. (Stadt Münster)
+++ Die Polizei hat an der Hafenstraße ein illegales Casino stillgelegt, das laut Pressemitteilung mit einem Automaten und, warum auch nicht, einem kleinen Friseursalon ausgestattet war. (Polizei Münster)
+++ Um Platz zu schaffen, sollen gefundene Schrottfahrräder nicht mehr sechs, sondern nur noch drei Monate an der Fahrradfundstation am Industrieweg aufbewahrt werden. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Rathauskoalition will dichter und höher bauen, um Wohnraum zu schaffen, aber dafür in Coerde, Wolbeck, Mecklenbeck und am Zoo kleinere Siedlungsflächen bauen, als zunächst vorgesehen war. (Antenne Münster)
+++ CDU-Fraktionschef Stefan Weber kritisiert die Wohnungsbau-Politik des Ratsbündnisses, freut sich aber, dass in einem Gebiet in Amelsbüren jetzt doch Wohnungen gebaut werden sollen. (CDU Münster, nicht online)
+++ Die CDU sieht in der Regionalplanung die Themen Wohnen, Gewerbe, Schutz von Natur und Landschaft und erneuerbare Energien im Mittelpunkt und sorgt sich darum, dass viele Familien ins Umland abwandern. (CDU Münster)
+++ Der Umbau der Kanalpromenade ist abgeschlossen. (Stadt Münster)
+++ Auto-Zulassungen sind wieder online möglich. (Stadt Münster)
+++ Die Grundschule Wolbeck hat den „Schulbaupreis NRW 2023“ der Architektenkammer NRW gewonnen, weil sie laut Jury „gleichermaßen Orientierungspunkt und Stadtteiltreff“ sei, also „ein integrativer Bestandteil des Quartiers“. (Stadt Münster)
+++ Nach wenigen Monaten im Amt übergibt Christiane Roth die Geschäftsführung des Handelsverbands überraschend an Tobias Buller-Langhorst. (Westfälische Nachrichten)
+++ Während des Verkehrsversuchs an der Friedrich-Ebert-Straße (zusätzliche Busspur) soll Technik es möglich machen, dass Autos zu bestimmten Zeiten weiterhin am Straßenrand parken können. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Ernte wurde in diesem Jahr immer wieder durch Regenfälle unterbrochen, ließ sich aber am Ende doch noch retten. (WDR)
+++ Ein Leitfaden für neue Studierende soll verhindern, dass es, wie in den vergangenen Jahren, Probleme wegen Lärm und Müll gibt. (Westfälische Nachrichten)
+++ Jürgen Aigner ist nun neuer USC-Präsident und löst Martin Gesigora ab, der nach fünf Jahren im Amt zurückgetreten ist. (Alles Münster)
+++ Ein 79-jähriger Rentner aus Münster fährt mit dem Rad für einen Lieferdienst Essen aus. (WDR Münster)
+++ Der Erweiterungsbau der Kreuzschule ist jetzt auch offiziell fertig. (Stadt Münster)
Unbezahlte Werbung
Vor fünf Jahren hat Lisa Marie Weidling aus Münster das Modelabel „Story of Mine“ gegründet. Der Onlineshop bietet zeitlos designte Damenmode an, die fair und ökologisch hergestellt worden ist: Pullover, Hosen, Strickjacken und auch einige schicke Accessoires. Jetzt hat „Story of Mine“ für begrenzte Zeit auch ein eigenes kleines Geschäft in der Innenstadt. Zwischen Galeria und Karstadt hat vor Kurzem der Pop-Up-Store eröffnet, in dem Sie von montags bis freitags zwischen 10 und 19 Uhr ein bisschen stöbern können.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Was ist die kommenden Tage alles in Münster los? Fabian Cohrs hat sich umgeschaut und kann Ihnen diese Veranstaltungen empfehlen:
+++ Heute und morgen findet das B-Side-Festival statt. Rund um den Hawerkamp spielen bis in die Abendstunden Musiker:innen und Bands, außerdem gibt es Workshops, Aufführungen, Lesungen und Ausstellungen zu verschiedenen Themen. Hier können Sie einen Blick in das Programm werfen. Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Kleiner Geheimtipp von uns: Morgen treten um 14 Uhr „Crumbs on Carpet“ im Außenbereich der Sputnikhalle auf. An der Gitarre steht unser Ex-Social-Media-Beauftragter Felix Bullermann.
+++ Morgen jährt sich der Tod der kurdischen Iranerin Jina Mahsa Amini zum ersten Mal. Sie ist von der sogenannten „Sittenpolizei“ des iranischen Regimes getötet worden, woraufhin sich eine landesweite Protestwelle entwickelte. Das Cinema zeigt anlässlich des ersten Todestages von Jina Mahsa Amini zwei Filme über die Frauenfeindlichkeit im Iran: „Sieben Minuten und 31 Sekunden“ sowie „Sieben Winter in Teheran“. Im Anschluss an die Filme können Sie mit den Regisseurinnen sprechen. Weitere Informationen gibt es hier.
+++ Morgen findet das letzte Mal für dieses Jahr der Flohmarkt auf der Promenade statt. Zu kaufen gibt’s wie immer allerlei Krimskrams, Kinderartikel und auch was zum Essen. Los geht’s um 8 Uhr.
+++ Krankheitsbedingt musste das Stadttheater die Premiere von „Give Peace a Chance – Wallenstein“ verschieben. Am Samstag wird das Stück, das auf Schillers „Wallenstein“ basiert, jetzt zum ersten Mal aufgeführt. Es geht um Krieg, Frieden und die Menschen, die Kriege führen (wollen) oder in ihnen kämpfen (müssen). Einige Karten gibt es noch hier. Beginn ist um 19:30 Uhr.
Was steht sonst so im RUMS-Brief?
Münster will die Stadt nicht Haus für Haus energetisch sanieren, sondern Quartier für Quartier. Wenn die ersten Viertel geschafft sind, könnten andere davon lernen. Zuallererst muss die Stadt die Menschen in den Vierteln davon allerdings überzeugen.
Wie das funktionieren soll, hat meine Kollegin Svenja Stühmeier aufgeschrieben. Sie hat sich ein Modellprojekt in drei Stadtteilen angeschaut, bei dem die energetische Sanierung als Nachbarschaftsprojekt umgesetzt wird. Ihre Recherche können Sie im heutigen RUMS-Brief nachlesen.
Das klingt doch spannend, oder? Wenn Sie meine Meinung teilen, dann abonnieren Sie RUMS. In den ersten drei Monaten lesen Sie alle Briefe zum halben Preis.
Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe
Mitarbeit: Fabian Cohrs (fco), Jan Große Nobis (jgn), Ralf Heimann (rhe), Svenja Stühmeier (sst)
Lektorat: Antonia Strotmann
PS
Was ist eigentlich gerade in den Niederlanden los? Im Juli zerbrach die Regierung an internen Streitigkeiten, im November wird gewählt. Und jetzt bringt ein aufmüpfiger Politiker aus Münsters Partnerstadt Enschede die Machtverhältnisse in Den Haag durcheinander. Merken Sie sich schon mal den Namen Pieter Omtzigt. Der ehemalige Christdemokrat hat Ende 2020 schon einmal die Regierung gestürzt und das, obwohl er selbst für eine Koalitionspartei im Parlament saß. Jetzt hat er eine eigene Partei gegründet, die nach aktuellen Umfragen aus dem Stand heraus die stärkste Kraft werden könnte. Ob Enschede bald den Ministerpräsidenten stellt, lässt sich mehrere Wochen vor den Neuwahlen zwar noch nicht sagen. Was sich aber jetzt schon andeutet: Der Herbst wird in unserem Nachbarland spannend. Wenn Sie sich vorab einlesen wollen, kann ich Ihnen diesen Text empfehlen. Der Europakorrespondent Thomas Kirchner erklärt in der Süddeutschen Zeitung sehr schön, was es mit dem Phänomen Omtzigt auf sich hat.