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Livebericht aus Münsters Partnerstadt | Unbezahlte Werbung: Ciao Münster Pizza & Vino

Münster, 10. November 2023
es könnte sein, dass sie das Video abschalten müsse, wenn der Raketenalarm ertönt, sagt Anat Leibovych. Sie ist Ratsfrau, Beauftragte für Internationales in Münsters Partnerstadt Rishon LeZion und am Mittwochnachmittag in Münster im Rat per Video zugeschaltet. Die Frau im hellblauen Jackett sitzt an einem Tisch, hinter ihr sind zwei Flaggen zu sehen, eine israelische und eine mit dem Stadtwappen von Rishon LeZion. Leibovych berichtet über das, was sie in den letzten Wochen erlebt hat.
Seit dem 7. Oktober sei kein Tag vergangen, an dem keine Raketen auf Rishon LeZion gefeuert wurden, sagt sie. Acht Mal, manchmal zehn Mal am Tag heulen die Alarmsirenen. Seit mehr als vierzig Jahren ist die Stadt 20 Kilometer südlich von Tel Aviv mit Münster verpartnert. Aber so etwas gab es noch nicht.
In Münster ist es die erste Ratssitzung seit Kriegsbeginn. Rishon LeZion sind seit Kriegsbeginn über 50 Menschen im Krieg gestorben. Die Terrorgruppe Hamas habe allein dreißig junge Menschen aus der Stadt bei einem Musikfestival im Süden Israels getötet, sagt Leibovych. Getötet? Sie korrigiert sich. „Ermordet“ sei das richtige Wort.
16 Menschen aus der Stadt seien in den Gazastreifen verschleppt worden. Wie es den Geiseln gehe, ob sie überhaupt noch leben, das wisse niemand, sagte Anat Leibovych.
Raz Kinstlich, der Bürgermeister von Rishon LeZion, kann an diesem Nachmittag an der Videokonferenz nicht teilnehmen. Er ist bei einer Trauerfeier. Aber er hat eine Stellungnahme auf Video aufgenommen, die im Rat jetzt zu sehen ist. Was er dort sagt, hat die Stadt Münster hier im Wortlaut veröffentlicht.
Die Menschen in Rishon LeZion seien krisenerprobt, leider, sagt Kinstlich. Sie wüssten, wie man sich zu verhalten habe, wenn Raketen auf die Stadt niedergehen. In Deckung gehen, den Körper auf die Straße legen, die Hände auf den Hinterkopf pressen. Aus dem Klassenzimmer rennen oder die Dusche verlassen und im Schutzbunker Zuflucht suchen.
Die Hilfsbereitschaft sei groß, sagt Raz Kinstlich. Man spende einander Trost, kümmere sich, unterstütze sich in der Schiwa, der jüdischen Trauerwoche. Bei einer Blutspendeaktion in Rishon LeZion seien allein innerhalb eines Tages rund tausend Spenden zusammengekommen.
Und das ist allen Angriffen, Terror und Krieg zum Trotz eine gute Nachricht. Anat Leibovych sagt nach der Videobotschaft des Bürgermeisters, Rishon LeZion benötige im Moment keine Hilfsgüter. Das, was die Stadt benötige, vor allem aus Münster, sei Solidarität.
Dieses Signal, dass die Stadt solidarisch ist, gibt Münsters Rat gleich im Anschluss. Er verabschiedet eine Resolution, in der sich Münster zum Staat Israel bekennt und Antisemitismus ablehnt. Eingebracht hat das Papier das Ratsbündnis aus Grünen, SPD und Volt zusammen mit der CDU- und der FDP-Fraktion. Die Linke hatte eine eigene Resolution zur Abstimmung gestellt. Auch dieser Text verurteilt Antisemitismus und den Angriff der Hamas auf Israel.
Obwohl beide Resolutionen, zumindest dort, wo es um die Stadtpolitik geht, fast identisch sind, entbrennt trotzdem noch eine Debatte. Es geht Punkt 6 in der ersten Resolution. Vereinen, Organisationen und Personen sollen nur noch dann städtische Fördergelder und Räume bekommen, wenn sie sich klar zu Israel bekennen – und gegen Antisemitismus.
Die Linke sieht darin einen Generalverdacht gegenüber migrantischen und muslimischen Menschen in der Stadt. Linken-Sprecher Ulrich Thoden sagt, auch seine Partei werde sich der Resolution anschließen, wenn Punkt 6 gestrichen werde. Was hier gefordert werde, sei schließlich eine Selbstverständlichkeit. Doch Punkt 6 bleibt.
Völlig unbegründet ist die Sorge der Linken wohl nicht. CDU-Fraktionschef Stefan Weber, fordert, die Vereine sollten ihre Bekenntnisse schriftlich festhalten. Welche Vereine er meint, bleibt offen. Thoden fragt: Müsste dann auch Preußen Münster so eine Erklärung abgeben?
Brigitte Hasenjürgen, Ratsfrau der Grünen, widerspricht ebenfalls. Eine „Gesinnungsprüfung“, wie Stefan Weber sie fordert, sei mit besagtem Punkt 6 nicht gemeint.
Am Ende der Debatte fällt die Entscheidung einstimmig. Die Linke enthält sich. (sfo)
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Menschen in den Kriegsgebieten zu unterstützen. Die deutsch-israelische Gesellschaft hat verschiedene Organisationen und Projekte zusammengestellt, für die Sie spenden können. Die „Aktion Deutschland hilft“ hat ein Spendenkonto für humanitäre Hilfe eingerichtet.
Ein-Satz-Zentrale
+++ Die Stadt will einen Blindgänger auf der Straße Auf der Horst später entschärfen, weil in die Grube immer wieder Grundwasser gelaufen ist. (Stadt Münster)
+++ An der Trauttmansdorffstraße will die Stadt am Sonntag klären, ob das, was man gefunden hat, ein Blindgänger ist. (Stadt Münster)
+++ Wegen des schlechten Wetters sperrt die Stadt Münster Naturrasenplätze bis einschließlich Montag. (Stadt Münster)
+++ Im Oxford-Quartier bleiben am Montag in 80 Gebäuden die Heizungen kalt, damit neue Fernwärmeleitungen verlegt werden können. (Stadtnetze Münster)
+++ Die Wienburgstraße im Kreuzviertel ist wegen Sanierungsarbeiten zwischen dem 20. und dem 24. November nachts gesperrt. (Stadt Münster)
+++ Das Verkehrswende-Bündnis hat vor der letzten Ratssitzung für die Verkehrswende demonstriert. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Stadt will da, wo früher die Osmohallen standen, ein Viertel mit 770 Wohnungen und möglichst wenigen Autos einrichten. (Stadt Münster)
+++ Die Zahl der Menschen, die zur Arbeit in Richtung Münster pendeln, ist innerhalb eines Jahres um 7.000 auf über 112.000 gestiegen. (Antenne Münster)
+++ Der Internet-Anbieter 1&1 Versatel, die Stadt und die Wirtschaftsförderung wollen zusammen die Hängepartie beim Ausbau der Gewerbegebiete beenden. (Westfälische Nachrichten)
+++ Am Mittwoch bleiben einige Apotheken in Münster geschlossen, weil die Politik der Bundesregierung nach Ansicht der Apotheken die Arzneimittelversorgung in Gefahr bringt. (Apothekerkammer Westfalen-Lippe)
+++ Der städtische IT-Dienstleister Citeq steht in der Kritik, weil er ein Informationsschreiben verschickt hat, das auch Politiker unterschrieben hatten. (Westfälische Nachrichten)
+++ Das Diözesankomitee der katholischen Laien im Bistum Münster sieht den Staat bei der Aufdeckung und Strafverfolgung von Missbrauch in der Kirche gefordert, da die kirchliche Aufarbeitung zu oft folgenlos bleibe. (Kirche und Leben)
+++ In dieser Woche ist ein Güterzug durch Münster gefahren, der eine chemische Substanz transportiert hat, die zur Anreicherung von Uran gebraucht wird. (Initiative SofA – Sofortiger Atomausstieg Münster)
Unbezahlte Werbung
An der Hammer Straße gibt es ein neues italienisches Restaurant mit dem Namen, „Ciao Münster Pizza & Vino“. Die Betreiber:innen des benachbarten italienischen Supermarktes haben das Restaurant über Monate eingerichtet und dabei so einiges erlebt. Eigentlich sollte alles viel schneller gehen. Jetzt ist es immerhin fertig. Es gibt Pizza, Antipasti, Desserts, Wein und mehr. Für einen Überblick über die Karte und mehr, schauen Sie doch mal auf der Website vorbei. Und falls Sie über einen Besuch nachdenken. In den letzten Tagen war es abends immer sehr voll. Also besser vorher kurz anrufen.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Heute hat Fabian Cohrs für Sie in den Kalender geschaut. Hier sind seine Empfehlungen:
+++ Das Theater „Freuynde + Gaesdte“ führt in den nächsten Tagen mehrfach das Stück „Faust in Space“ auf. Es ist eine moderne Neuinterpretation des Klassikers von Goethe, in der Faust zum Astrophysiker wird und vor etwas anderen Herausforderungen steht als im Original. Zu sehen ist das Stück im Planetarium. Aufführungstermine sind der 11., 12. Und 16. November, jeweils um 19:30 Uhr. Karten erhalten Sie hier.
+++ Am Dienstag zeigt das LWL-Kunstmuseum den türkischen Film „Drei Affen“ von 2008. Der Film thematisiert die Geschichte eines Familienvaters, der für seinen Arbeitgeber die Schuld für einen Unfall auf sich nimmt. Das führt zu jeder Menge Problemen. Der Film gibt einen Einblick in die Vorstellungen von traditioneller Männlichkeit in der Türkei sowie in eine autoritäre Gesellschaft. Eintritt: 5 Euro. Los geht es um 19:30 Uhr. Mehr Infos erhalten Sie hier.
+++ Das Schlosstheater zeigt am Montag den Film „Being There“ oder im Deutschen „Willkommen, Mr. Chance“ – eine Satire über einen Gärtner, der sein Leben lang für einen reichen Mann in einer Villa gearbeitet hat und nach dessen Tod erstmals auf der Straße steht und mit der modernen Welt klarkommen muss. Der Film ist im Originalton zu sehen. Karten kosten 8 Euro. Weitere Infos finden Sie hier.
+++ Die Indie-Pop-Musikerin Mia Morgan (Selbstbezeichnung: Gruftpop) spielt am Montagabend in Münster. Es ist ihre erste eigene Tour, sie bringt ihr aktuelles Album aus dem vergangenen Jahr mit. Stattfinden wird das Konzert im Gleis 22. Los geht es um 20 Uhr. Tickets erhalten Sie hier.
Was steht sonst noch so im RUMS-Brief?
Nach dem Livebericht aus Israel begann die eigentliche Ratssitzung. Auf der Tagesordnung standen 40 Punkte. Ralf Heimann und ich haben die wichtigsten Debatten und Beschlüsse für Sie zusammengefasst. Hier der Schnelldurchlauf:
- Die Linksfraktion hatte eine Aktuelle Stunde zum öffentlichen Nahverkehr in Münster beantragt. Der ist bekanntlich ins Stocken geraten, weil hinten und vorne Leute fehlen, die Busse fahren. Die Ratsleute haben über dieses Problem diskutiert, aber die entscheidende Frage bleibt offen: Wann kommt denn nun der Bus?
- Auch der Musik-Campus war wieder einmal Thema. Um das Projekt zu realisieren, fehlen immer noch Millionen Euro. Der Rat entschied, den Musik-Campus in drei Teile zu hacken, um somit den städtischen Belangen auf die Sprünge zu helfen. Das Gesamtpaket rückt damit aber in weitere Ferne.
- Außerdem ging es um die Kita-Krise. Für die Betreuung fehlen Erzieher:innen und die Stadt hat noch keine Lösung parat, um das Problem in den Griff zu bekommen. Gewagte These: Vielleicht könnte es an den Arbeitsbedingungen in den Kitas liegen, dass Fachkräfte fehlen.
- Eltern müssen sich künftig an den Kosten für die Ferienbetreuung im offenen Ganztag beteiligen. Bisher war das ein Gratisservice der Stadt. Die Gesamtkosten sind damit aber noch immer nicht gedeckt.
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Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen einen schönen Freitagabend und ein erholsames Wochenende.
Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe
Mitarbeit: Fabian Cohrs (fco), Jan Große Nobis (jgn), Ralf Heimann (rhe), Imke Noetzel (ino)
Lektorat: Maria Schubarth
PS
In Luleå, einer Stadt im Norden Schwedens, nur 150 Kilometer vom Polarkreis entfernt, scheint im Winter nur drei Stunden am Tag die Sonne. Die Menschen führen dort ein ruhiges Leben. Damit sie sich im dunklen und kalten Winter nicht verkriechen wie die Einsiedlerkrebse, möchte die Stadtverwaltung die Menschen jetzt dazu ermuntern, ihre Schüchternheit zu überwinden. Als ersten Schritt startete Ende Oktober eine Kampagne namens „Säg hej!“ – „Sag hallo!“. Auf Bussen und an Hauswänden hängen seitdem keine Werbeplakate mehr, sondern Erinnerungen daran, wie gut es tut, einander zu grüßen. Die Wirkung des Grüßens veranschaulicht die Stadt Luleå in einem Film, den sie selbst produziert hat. Er ist ganz sehenswert. Und keine Angst: Sie müssen kein Schwedisch können, um die Botschaft zu verstehen. Das Plädoyer gegen das Schweigen ist ein Stummfilm.