Zeitungssterben im Münsterland | Unbezahlte Werbung: Café Floyd

Porträt von Sebastian Fobbe
von Sebastian Fobbe

Guten Tag,

auf der Website der Zeitungsgruppe Münsterland steht zu lesen: „Mit einer Gesamtauflage von 177.388 verkauften Exemplaren ist der Verbund das reichweitenstärkste Medium in der Region Münsterland.“ Einen Satz später heißt es: Wer Werbung in einer Tageszeitung der Mediengruppe schaltet, erreiche fast die Hälfte der Bevölkerung ab 14 Jahren im Verbreitungsgebiet.

Interessant ist allerdings auch, was dort nicht steht: Vor zehn Jahren hätte eine Werbeanzeige noch mehr Leser:innen erreicht. Denn seitdem verliert die Zeitungsgruppe Münsterland kontinuierlich an Abonnent:innen. Zu diesem Ergebnis ist eine Auswertung der Fachgruppe „Medien, Journalismus und Film“ der Gewerkschaft Verdi gekommen. Sie hat die aktuellen Abo-Zahlen der Zeitungsgruppe Münsterland verglichen, zu der sechs Verlage gehören.

Auffällig dabei: Die Abo-Rückgänge fallen bei den unterschiedlichen Verlagen unterschiedlich aus. Größter Verlierer ist der Aschendorff-Verlag, der in Münster die Westfälischen Nachrichten (und die Münstersche Zeitung) herausgibt.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Hatten 2015 noch etwas weniger als 120.000 Münsteraner:innen ein Abo beim Aschendorff-Verlag, waren es im März nur noch rund 80.500. Macht unterm Strich ein Minus von 32,4 Prozent – oder anders gesagt: Jede:r Dritte hat in Münster die Tageszeitung abbestellt.

Aber wie gesagt: Alle Titel der Zeitungsgruppe Münsterland verlieren Leser:innen. Zwar unterschiedlich stark, aber unterm Strich hat der Verlagsverbund ein Viertel seiner Abonnements seit 2015 verloren. Zudem hat die Verdi-Statistik eine Lücke: Sie gibt keine Auskunft, wie das Onlinegeschäft im Münsterland läuft. Überregionale Zahlen wie die vom Verband BDZV zeigen jedenfalls, dass E-Paper und Digitalabos auch für den Lokaljournalismus eine größere Rolle spielen.

Mit den vielen Kündigungen ist die Zeitungsgruppe Münsterland nicht allein. Im Gegenteil, die Branche steht deutschlandweit unter Druck. Aus meiner eher kurzen Erfahrung im Business kann ich jedenfalls sagen: Ich kenne keine Redaktion, die keine Probleme hat. Warum?

Unter anderem weil die Printzeitung für immer mehr Leser:innen inzwischen ganz schön umständlich ist und sich viele Verlage mit dem Schwenk aufs Digitale schwer tun. Dazu kommen Schwierigkeiten im Anzeigengeschäft, fehlender Nachwuchs in den Redaktionen, steigende Papierpreise, und und und.

Diese Rahmenbedingungen führen dazu, dass der Journalismus Qualität verliert. Und damit auch Leser:innen. Ein Rattenschwanz. Denn wenn sich immer mehr Menschen vom Journalismus abwenden, um Nachrichten zu konsumieren, oder – noch schlimmer – den Nachrichten gleich ganz abschwören, dann ist eine ganz schlechte Entwicklung für eine demokratische Gesellschaft. (sfo)

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Ein-Satz-Zentrale

+++ Die Modekette Esprit schließt alle Geschäfte in Deutschland und damit auch das in der Stubengasse in Münster. (Süddeutsche Zeitung)

+++ Münster bekommt in diesem Jahr über ein Viertel oder in absoluten Zahlen knapp 31 Millionen Euro mehr Geld vom Land als gedacht: voraussichtlich 167 Millionen Euro – immerhin die Hälfte der Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben im Haushalt in diesem Jahr. (Büro Robin Korte)

+++ Wegen „Überraschungen“, die so ein altes Gebäude bereithält, dauert der Umbau des Schloßtheaters länger, voraussichtlich bis Mitte September. (Westfälische Nachrichten)

+++ Morgen hisst die Stadt mehrere Regenbogenflaggen, weil die „Pride Weeks“ beginnen, die ein Zeichen für Solidarität mit queeren Menschen in Münster setzen sollen. (Stadt Münster)

+++ An der Steinfurter Straße sollen in einem nachhaltigen und autoarmen Modellquartier über 3.000 Wohnungen entstehen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Um nicht nur eine Fahrradstraße zu sein, sondern auch wie eine auszusehen, bekommt der erste Abschnitt der Wilhelmstraße ab Montag eine neue Asphaltschicht. (Stadt Münster)

+++ Die Stadtverwaltung rät trotz einer Empfehlung von Rettungsdiensten davon ab, eine Ersthelfer-App einzuführen und begründet das unter anderem mit anderen Prioritäten und fehlender Wirtschaftlichkeit. (Westfälische Nachrichten)

+++ An der Windthorststraße vor dem Bahnhof regeln jetzt neue Markierungen, wo Fahrräder parken dürfen, und wo sie nicht lange stehen werden, weil das Ordnungsamt sie zur Fundfahrradstation bringt. (Stadt Münster)

+++ Die Tierheime im Münsterland sind voll ausgelastet und fordern, wo es sie noch nicht gibt, eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen, wo es sie noch nicht gibt, um der Situation gerecht werden zu können. (WDR)

+++ Eine von sechs neuen Polizeidienststellen in Nordrhein-Westfalen, die sich mit der Bekämpfung von Kriminalität im Internet beschäftigen, ist in Münster. (Polizei Münster)

+++ Der Münsteraner Versicherer LVM kündigt an, dass rund die Hälfte der 40.000 privat Krankenversicherten einen Teil der Beiträge zurückbekommt. (LVM Versicherung)

Unbezahlte Werbung

Im Café Floyd können Sie Milch aus Handorf trinken, ohne die Innenstadt verlassen zu müssen. Und das gleich an zwei Standorten: am Domplatz und in der Stubengasse. Es gibt Bagels, süße Teile, Heißgetränke – und eben Milch vom Hof Große Kintrup, mit Sirup oder mit Eiswürfeln (Empfehlung bei jedem Wetter: Zimt!). Milchalternativen sind ebenfalls im Angebot. Für alle Sparfüchse noch ein Hinweis: Täglich ab 16:30 Uhr gibt es Ciabatta, Tostado, Bagel und Co zum halben Preis.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute haben Annalena Zernott und Ralf Heimann für Sie in den Kalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen.

+++ Auf dem Prinzipalmarkt sind am Samstag von 9 bis 15 Uhr historische und moderne Feuerwehrfahrzeuge zu sehen. Außerdem informiert die Feuerwehr über ihre Arbeit. Münsters Türmerin Martje Thalmann geht übrigens in einem aktuellen Blogbeitrag der Frage nach, ob sie mit ihrer Tätigkeit im Grunde auch Teil der Feuerwehr ist.

+++ In der Überwasserkirche spielt das Ensemble für Alte Musik am Samstag ab 11 Uhr in der Reihe „Marktmusik Münster“ Bach-Kantaten.

+++ Der Verein Rosa setzt sich mit seinen „Rolling Safespaces“ (hier ein Video), also mit mobilen Schutzräumen, dafür ein, dass Frauen und queere Menschen auf der Flucht Orte finden, an denen sie sich sicher fühlen und Unterstützung bekommen. Dafür hat der Verein mehrere Lkw umgebaut, die zum Beispiel entlang von Fluchtrouten auf dem griechischen Festland unterwegs sind und in Deutschland Unterkünfte für Geflüchtete anfahren. Zu sehen sind die Fahrzeuge bei einer Plakatausstellung im Hansa 12 (folgerichtige Adresse: Hansering 12) am Samstag 12 bis 20 Uhr und am Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

+++ Am Sonntag zeigt die Metro-Bar ab 13:30 Uhr das Preußen-Spiel gegen Hannover.

+++ Am Dienstagmorgen ist in der Gasse an der Stadtbücherei ein Deckenflohmarkt. Von 11 bis 14 Uhr verkaufen oder tauschen Kinder zwischen 7 und 14 Jahren dort alles Mögliche. Wichtiger Hinweis: Bei Regen fällt der Flohmarkt aus.

+++ Am Sonntag führt Lisa Petersohn durch die Ausstellung „Ludger Gerdes. Synkategoremata“ in der Stadthausgalerie. Anschließend fahren alle zusammen mit dem eigenen Fahrrad nach Gievenbeck, wo seit 1987 das Skulpturprojekt „Schiff in Münster“ steht, das auf diesem Foto zu sehen ist. Treffpunkt ist um 15 Uhr die Stadthausgalerie.

Und sonst?

Der Theologe Ludger Hiepel hat sein Amt als Beauftragter gegen Antisemitismus an der Uni Münster vor dem Überfall der Hamas auf Israel angetreten. Er sagt, das Ehrenamt sei gefühlt ein 200-Prozent-Job. Trotzdem macht er es gerne. Wir haben mit Ludger Hiepel über sein Engagement und die aktuelle Lage an der Uni gesprochen.

Das Interview finden Sie im vollständigen RUMS-Brief. Möchten Sie mehr erfahren, dann testen Sie RUMS 6 Monate lang für 1 Euro.

Herzliche Grüße
Sebastian Fobbe

Mitarbeit: Jan Große Nobis (jgn), Ralf Heimann (rhe), Annalena Zernott (aze) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth

PS

Bis ins vergangene Jahr hat Lisa Mensing noch unsere Briefe lektoriert. Dann kam die Leipziger Buchmesse, und Lisa hatte auf einmal keine Zeit mehr. Die Arbeit rief. Haufenweise Literatur aus dem Niederländischen übersetzen. Einer der vielen Romane, den Lisa vergangenes Jahr ins Deutsche übertragen hat, heißt „Birkenschwester“. Darin geht es um Mari, eine Frau, die den frühen Tod ihrer mehrfach behinderten Schwester Tully verarbeiten will, indem sie sich von all der Trauer freiwandert. Ein existenzieller und poetischer Roman über Schmerzen, Liebe und Heilung. Lisa ist mit der Übersetzung ein „außerordentlich kunstvoller Balanceakt“ gelungen, so urteilt die Kunststiftung NRW, die jedes Jahr den renommierten Straelener Übersetzerpreis verleiht. Im Oktober erhält Lisa bei der Verleihung in Düsseldorf den Förderpreis für Nachwuchstalente. Herzlichen Glückwunsch!

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