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Hebammen auf Rädern: Neues Angebot in Münster | Unbezahlte Werbung: Bisschen schräg


Münster, 27. Oktober 2023
in und um Münster herum startet der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) im November ein neues Pilotprojekt, vergangene Woche hat er gewissermaßen zum „Tag des offenen Bullis“ eingeladen. Das Projekt heißt „Hebammenmobil“ und soll ein ergänzendes Angebot sein in Zeiten von Versorgungsengpässen bei Schwangeren, jungen Müttern und ihren Babys. An Bord gibt es alles, was für eine Routineuntersuchung notwendig ist.
Klingt ja erst einmal gut. Ganz genaue Statistiken gebe es zwar nicht zur Versorgungslage, sagt Projektleiterin Stefanie Könitz-Goes. Auf der Grundlage von Zahlen auf Kreisebene kann sie jedoch sagen: Ein Viertel, in manchen Kreisen sogar ein Drittel der Frauen gehen nach der Geburt aus dem Krankenhaus, ohne dass eine weitere Versorgung sicher ist.
Es geht allerdings nicht nur um Frauen, die händeringend eine Hebamme suchen und keine finden. Manche Schwangere wissen einfach nicht, dass sie ab dem positiven Schwangerschaftstest Anspruch auf Hebammenhilfe haben. Manche wissen nicht, dass die bei gesetzlich Versicherten von der Krankenkasse übernommen wird. Was Schwangeren zusteht, hat das Hebammennetzwerk Münsterland kurz in seinem Flyer zusammengefasst.
„Die Idee für Vermittlungsangebote zur Hebammenversorgung kam in der Geflüchtetenhilfe auf“, sagt Stefanie Könitz-Goes. Deswegen ist zum Beispiel wichtig, dass es Erklärungen rund um Schwangerschaft und Geburt im Mobil mit Grafiken und in mehreren Sprachen gibt. Klar: Insbesondere die, die das Gesundheitssystem in Deutschland noch nicht kennen, können auch nicht wissen, welche Rechte sie haben. Außerdem spiele der kulturelle Kontext eine Rolle. Für manche Frauen seien Schwangerschaft und Geburt bisher Themen gewesen, die man ausschließlich mit Unterstützung der Familie regelt.
Stellt sich bloß die Frage: Wie will der ASB die erreichen, die bisher keiner erreicht hat? Hier verweist Stefanie Könitz-Goes auf Erfahrungen mit dem Impfbus, in dem man sich zeitweise gegen Covid-19 impfen lassen konnte. „Erstmal wird man umkreist. Leute gucken: Was ist denn da?“ Und dann stellten sie fest: Man ist keine Behörde, sondern ein niedrigschwelliges Angebot, das man ohne Termin nutzen kann. Zum Beispiel auf Parkplätzen, auf dem Weg zum Einkaufen oder während eines Spaziergangs mit dem Neugeborenen. Noch ein Vorteil sei, dass Frauen sich beraten lassen könnten, ohne dass sie anderen davon erzählen und ohne dass sie jemanden in ihre Wohnung lassen müssten.
Außerdem hätte der ASB bereits Kontaktpunkte in Coerde, Kinderhaus und Berg Fidel, wo sie in Münster künftig einmal pro Woche mit dem Transporter halten, hier sind die Termine einsehbar. Warum gerade dort? In diesen Stadtteilen sind zumindest über die Hebammenzentrale besonders wenig Hebammen gemeldet. Acht in Berg Fidel, neun in Coerde und vierzehn in Kinderhaus. Zum Vergleich: Im Kreuzviertel und in der Innenstadt sind es 43.
Stefanie Könitz-Goes rechnet nicht damit, dass das Mobil von Anfang an viel Zulauf erfährt. Sie schätzt, dass die Hebammen nach einer Weile etwa drei bis fünf Frauen pro Einsatz beraten, wenn das Angebot etwas bekannt geworden ist. Das sind zumindest die Erfahrungen, die der ASB mit seinem anderen Mobil gemacht hat. Seit März 2022 ist es in den Regionen in NRW unterwegs, die von der Flut 2021 besonders stark getroffen wurden. Die meisten kämen ein paar Mal mit akuten Problemen, würden das Angebot aber nicht dauerhaft nutzen.
Dass Betreuung und Versorgung im Mobil kein Ersatz seien für die übliche Begleitung einer Hebamme, sondern ein leicht zugängliches Angebot für bisher nicht versorgte Frauen, sagt sie mehrfach während des Gesprächs. Und das ist auch ein Punkt, der für Julia Arnst vom Hebammennetzwerk Münsterland wichtig ist. Das Netzwerk ist Partner des ASB. „Die beste Versorgung ist meiner Meinung nach die in ihrem gewohnten Umfeld“, sagt die Vereinsvorsitzende.
Sie geht im Gespräch darauf ein, dass das Mobil außerdem für Hebammen ein weiteres Arbeitsumfeld bietet. „Die Arbeitsbedingungen sorgen dafür, dass Hebammen oft nicht so lange im Beruf bleiben“, ist ihre Erfahrung. Spätestens mit eigenen Kindern werde es schwierig für viele. Wer allerdings die Möglichkeit hat, planbar für ein paar Stunden in dem Transporter zu arbeiten, könne das auch mit jüngeren Kindern besser organisieren. (sst)
Ein-Satz-Zentrale
+++ Wegen des Feiertags am Mittwoch findet der Wochenmarkt bereits am Dienstag statt. (Stadt Münster)
+++ Der Dingbängerweg in Mecklenbeck ist nahe der Peter-Wust-Schule und der Kita bis Dienstag gesperrt, weil Bauarbeiten sich verzögern. (Stadt Münster)
+++ Nachdem ein Wohnmobil die Schranke an der Einfahrt zum Stadtbad beschädigt hatte, ist die neue Schranke jetzt schon wieder kaputt. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Ludgerusschule in Hiltrup und das Schulzentrum Kinderhaus heizen jetzt umweltfreundlich. (Stadt Münster)
+++ Auf dem ehemaligen Westfalenfleiß-Parkplatz am Dom stehen jetzt neue Tische, Bänke und Liegen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Eine Bildungsexpertin der Uni Wuppertal hält die aufgesplitteten Schulanmeldetermine in Münster für falsch, weil sie die Selektion förderten. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die jüdische Gemeinde in Münster will weiterhin regelmäßig Führungen für Schulen anbieten, um Antisemitismus entgegenzuwirken. (WDR)
+++ Lebenshaltungskosten: Eine Studie belegt, dass Münster die viertteuerste Stadt in NRW und damit 6,6 Prozent teurer ist als der deutsche Durchschnitt. (Westfälische Nachrichten)
+++ Ein Jahr nach ihrer Schließung übernimmt ein neuer Betreiber die Gaststätte „Drübbelken“. (Westfälische Nachrichten)
+++ Mehrere Parteien fordern ein klares Finanzkonzept, um die Geldprobleme des Mühlenhof-Freilichtmuseums zu lösen. (Westfälische Nachrichten)
+++ Der Sozialausschuss macht die Personalausweise für Obdachlose gebührenfrei. (Westfälische Nachrichten)
+++ Das neue Heimatschutzregiment hat seinen Dienst in der Lützow-Kaserne in Handorf aufgenommen.(Westfälische Nachrichten)
+++ Die Stadt Münster hat ein integriertes Flächenkonzept entworfen, also einen Plan, auf dem zu sehen ist, wie sie verfügbare Flächen nutzen möchte. (Stadt Münster)
+++ Das Land NRW plant auch im Münsterland regelmäßige Abwassertests, um Coronaviren zu finden. (Westfälische Nachrichten)
+++ In der ersten Hälfte des Jahres sind in Münster 22 politisch rechts motivierte Straftaten registriert worden. (Kleine Anfrage der AfD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag)
+++ In Münster gibt es jetzt eine Audio-Tour über jüdischen Sport während der Nazi-Zeit. (Westfälische Nachrichten)
Unbezahlte Werbung
Wissen Sie, wo das schrägste Haus in Münster ist? Wir auch nicht. Das Gebäude an der Ferdinandstraße 8 hätte aber gute Chancen auf den Titel. Dort ist vor Kurzem ein Töpferatelier eingezogen, das sich diese Kuriosität auch gleich in seinen Namen geschrieben hat: „Bisschen schräg“. Jeden zweiten Donnerstag finden im Atelier offene Töpfernachmittage von 13 bis 19 Uhr statt. Falls Sie erstmal lernen wollen, wie Sie mit Ton, Drehscheiben und Glasur richtig umgehen, können Sie sich auch zu einem Töpferkurs anmelden. Und: Bei „Bisschen schräg“ gibt es auch Sets zu kaufen, mit denen Sie entspannt zu Hause töpfern. Die fertigen Sachen können Sie zum Brennen einfach vorbeibringen. Schauen Sie doch mal auf der Website vorbei für einen ersten Eindruck.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Heute hat Fabian Cohrs für Sie in den Kalender geschaut. Das sind seine Empfehlungen:
+++ Samstagabend spielen The Kogs in der Heilen Welt. Das Duo bringt akustischen Folk-Rock auf die Bühne und sicherlich gute Stimmung in die Kneipe. Der Eintritt ist frei, los geht es um 20 Uhr.
+++ Für Sonntagabend gibt es noch ein Paar Tickets für das Stück „Extrawurst“ im Wolfgang-Borchert-Theater. In der Komödie geht es um Toleranz. Für Religion, gesellschaftliche Minderheiten und Veränderungen. Weitere Informationen und Tickets erhalten Sie hier.
+++ Am Montagabend veranstaltet die Initiative Romero eine Podiumsdiskussion zum Thema Gemeinwohlökonomie (RUMS-Brief). Wie soll sich die Wirtschaft in Zukunft ausrichten? Und ist Wachstum überhaupt notwendig? Auf dem Podium sitzen Vertreter:innen aus Uni, Politik, Wirtschaft sowie Verfechter:innen der Gemeinwohlökonomie. Los geht’s um 19 Uhr im SpecOps. Weitere Informationen erhalten Sie hier.
+++ Alternativ können Sie Montagabend auch zum ersten Kneipen-Quiz in Kinderhaus gehen. Bei einigen Fragen können Sie insbesondere mit Stadtteilwissen punkten. Organisiert wird das Ganze vom Kap.8, los geht es um 19 Uhr im Stadtteiltreff Mokido. Der Eintritt ist frei. Hier steht, wie Sie sich anmelden können.
+++ Zum Vormerken: Zu Halloween am Dienstagabend ziehen sicherlich einige kleine Gespenster um die Häuser und fordern Süßigkeiten ein. Am besten legen Sie sich schon mal einen Vorrat an – oder Sie sorgen dafür, dass Sie nicht zu Hause sind. Die Stadtbücherei veranstaltet zum Beispiel eine Lesung mit unheimlichen Geschichten von Edgar Allan Poe und Roald Dahl. Der Eintritt ist frei, los geht es um 18 Uhr. Um Anmeldung per Mail wird gebeten. Weitere Informationen erhalten Sie hier.
Und was steht sonst noch so im RUMS-Brief?
Vier Gärtner:innen aus Münster wollen für mehr regionales Bio-Gemüse in den städtischen Küchen sorgen. Und zwar mit ihrer solidarischen Landwirtschaft, der „Wilden Rauke“. Eine Sache fehlt allerdings noch, damit sie starten können: Land. Wir haben mit ihnen über ihre Pläne und das Konzept gesprochen. Falls Sie das interessant finden, schließen Sie doch ein RUMS-Abo ab.
Herzliche Grüße
Svenja Stühmeier
Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn), Imke Noetzel (ino), Ralf Heimann (rhe), Fabian Cohrs (fco)
Lektorat: Maria Schubarth
PS
Der US-amerikanische Streamingdienst MHz Choice zeigt keine US-Blockbuster. Dafür internationale Filme und Serien, und zwar im Originalton. Die Nutzer:innen können in den USA und Kanada ein Stück deutsche Kultur erleben: „Tatort“ schauen am Sonntagabend. Die Filmzeitschrift „The Hollywood Reporter“ schreibt, die Serie habe einen enormen Einfluss auf die deutsche Popkultur. Und damit man auf der anderen Seite des großen Teichs auch die ganze Bandbreite von „crime comedy“ (ja, Münster ist laut Filmproduktionsgesellschaft Beta FIlm auch mit dabei) bis hin zu „serial killers“ miterleben kann, wird es Folgen aus unterschiedlichen Städten geben. (sst)