Problem mit Einladung: Bürgermeister sagt ab | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis lesen

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 18. Oktober 2022

Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) hatte zu gestern Abend eingeladen, aber Mitte-Bezirksbürgermeister Stephan Nonhoff (Grüne) ist nicht hingegangen. Das hatte er dem Oberbürgermeister vorab in einem Brief mitgeteilt, der auch an uns gegangen ist. Lewe hatte nicht geantwortet.

In Markus Lewes Einladung stand etwas von einem „gemütlichen Abend mit Münsteraner Pressevertretern“. Das hält Nonhoff für „höchst problematisch“, so schreibt er es in seinem Brief. Nonhoff ist promovierter Politikwissenschaftler. Er schreibt, die „Presse“ sei nach politikwissenschaftlicher Auffassung die „vierte Gewalt“, die „das politische Handeln beobachten, analysieren und kommentieren soll“.

Daher sei es „demokratietheoretisch und auch praktisch kontraproduktiv, wenn es auch nur den Anschein hat, dass sich diese Balance in unserem System verschiebt oder bereits verschoben hat“. In anderen Worten: wenn der Eindruck entsteht, dass man es sich zusammen gemütlich macht.

In einer Nachricht an uns schreibt Nonhoff, das fördere seiner Meinung nach „die Politikverdrossenheit und gibt Verschwörungsanhängern Vorschub, die Medien sowieso für von der Politik abhängig und gesteuert halten“.

Was gestern Abend dann tatsächlich gelaufen ist, wissen wir nicht, denn wir haben nicht teilgenommen. Bei mir lag das aber nicht daran, dass ich die Veranstaltung für problematisch halte. Ich hatte einfach keine Zeit.

In den Jahren vorher habe ich die Einladung hin und wieder angenommen. Und wenn man das macht, sieht man: Der ganze Abend ist unspektakulär.

Der Oberbürgermeister hält eine Rede. Das kennt man schon, wenn man über Münster berichtet. Danach sitzt man mit Menschen zusammen, vor allem mit Menschen, die im gleichen Beruf arbeiten wie man selbst. Leider also keine exklusiven Gespräche. Es sind ja alle eingeladen, und im Zweifel hören alle mit.

Natürlich ist auch die Stadtverwaltung vertreten. Aber ehrlicherweise muss man sagen: Wenn man eine Weile in diesem Beruf arbeitet, dann erlebt man, dass viele Menschen, mit denen man früher mittags zusammen in der Kantine gesessen hat, irgendwann die Seiten gewechselt haben und heute in Pressestellen sitzen, wo die Jobs etwas sicherer sind als im Journalismus. Man kennt also auch viele Menschen aus der Stadtverwaltung ganz gut.

Und dann gibt es unter den Medienleuten die, die ihre Rolle verstanden haben und wissen, wo die Grenzen verlaufen. Und es gibt die, die freundlich sind und freundlich berichten, weil man freundlich zu ihnen ist. Aber das ist ein ganz anderes Problem.

Was bleibt, ist der problematische Anschein. Da hat Stephan Nonhoff recht. Man kann die Frage stellen, ob es solche Veranstaltungen zur Kontaktpflege überhaupt braucht. Muss die Stadtverwaltung einmal im Jahr gemütlich mit Medienleuten zusammensitzen? Muss das alles aus Steuergeld finanziert werden? Hat das einen Nutzen für die Stadtgesellschaft? Nützt das doch eher dem Oberbürgermeister?

Oder kann man das Angebot auch anders verstehen? Signalisiert die Stadtverwaltung mit solchen Treffen, dass sie nicht nur das beantwortet, was sie beantworten muss, sondern dass sie sich Gesprächen stellt und auch selbst etwas wissen möchte, also Interesse am Austausch hat?

Über all das kann man diskutieren. Sollte man sogar, denn der seltsame Anschein entsteht erst dadurch, dass die Kritisierten die Kritik am eigenen Handeln einfach ignorieren – als steckten sie unter einer Decke.

Und was steht sonst noch im RUMS-Brief?

Die Stadt hat einen Zwischenbericht zum Stadion-Neubau veröffentlicht. Mit dem Verein und den Fans ist man sich nicht einig geworden. Weil das Geld nicht für ein vollständiges neues Stadion reicht, kann erst mal nur ein Teil gebaut werden – aber welcher? Das ist die strittige Frage.

Ob das Geld überhaupt für eine der beiden vorgeschlagenen Varianten ausreicht, hängt an einer Entscheidung, die wohl erst in einigen Wochen fällt. Am Freitag wird ein erstes Zwischenergebnis erwartet.

Und was war noch? Ach ja, ein Finanzportal hat herausgefunden, dass der frühere Sparkassenchef Markus Schabel im vergangenen Jahr auf eine Vergütung von über sechs Millionen Euro kam. Allerdings – und das sollten wir hier nach den Gesetzen des Nachrichtenjournalismus eigentlich nicht verraten, denn es macht die Sache deutlich weniger spektakulär –, es geht vor allem um Pensionsansprüche.

Auch ganz interessant: Nach dem Ende des Mietvertrags am Gasometer möchten die Stadtwerke, dass der Verein Sozialpalast die Schlüssel übergibt. Doch der will bleiben. Jetzt bekommt er Hilfe aus der Politik. Der Rat will das Unternehmen zwingen („bitten“), mit dem Verein Gespräche zu führen.

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Herzliche Grüße
Ralf Heimann

PS

Wenn Sie am nächsten Mittwoch, dem 26. Oktober, noch nichts vorhaben, würden wir uns freuen, wenn Sie sich den Termin im Kalender anstreichen, denn dann findet in der RUMS-Redaktion (gegenüber vom Theater) unsere nächste Diskussion in der Reihe „Wir müssen reden“ statt. Diesmal zu Gast: die Reportageschule Reutlingen, die uns ab Montag eine Woche lang besuchen wird. Das Wort Schule ist hier etwas missverständlich. Es sind ausgebildete Journalistinnen und Journalisten, die für große Medien wie den „Spiegel“ oder die „Zeit“ arbeiten und sich in einem Auswahlverfahren gegen viele andere durchgesetzt haben, um sich ein Jahr lang mit der Textform der Reportage zu beschäftigen (wir stellen sie Ihnen am Freitag im Brief ausführlich vor). Mit einigen von ihnen wollen wir am nächsten Mittwochabend reden. Wir wollen über den Lokaljournalismus sprechen, über den Blick auf die Stadt von außen und über die elf Reportagen, die in der nächsten Woche bei uns entstehen werden. Unsere Reportagen waren schon mehrfach bei großen Journalistenpreisen nominiert. Ein Text der Reportageschule aus dem vergangenen Jahr steht in der übernächsten Woche bei einem großen Preis auf der Liste der Nominierten. Wir sind schon gespannt. Und wegen Mittwoch: Kommen Sie doch einfach vorbei. Um 19 Uhr geht’s los. Wir freuen uns.

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