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Münsters Klimaziel: Doch besser anpassen? | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis


Münster, 29. November 2022
Münster möchte bis zum Jahr 2030 klimaneutral werden. Etwas unglücklich ist, dass der Verkehrssektor bislang noch nicht mitmacht. Jahr für Jahr kommen mehr Autos dazu. So etwas wie eine Trendwende ist nicht festzustellen. Die Frage ist: Wie soll das gelingen?
Die Stadt Münster hat schon vor Jahren einen Generalschlüssel mit dem Namen „Masterplan Mobilität 2035+“ in Auftrag gegeben, der das Verkehrssystem, erst mal auf dem Papier, so ineinander verweben soll, dass alles gut wird.
Der Plan ist allerdings noch lange nicht fertig, im vergangenen Jahr ist ein Zwischenbericht erschienen. Vor einer Woche hat die Stadtverwaltung ein Papier hochgeladen, das einen kleinen Ausblick auf das gibt, was zu tun sein wird, um das Klimaziel zu erreichen.
Vier Szenarien. Das erste zeigt, was passiert, wenn wir gar nichts unternehmen (Prognose-Nullfall). Im zweiten (Trendszenario) ist zu sehen, was sein wird, wenn alles gemacht wird, was die Stadt schon beschlossen hat. Das dritte Szenario (Klimaneutralität 2030) gibt an, was zu tun ist, um die Klimaneutralität zu erreichen. Im vierten Szenario (Umsetzungsszenario) geht es um das, was die Stadt dann tatsächlich macht.
Das Papier enthält eine Liste mit zehn Vorschlägen dazu, was Münster alles machen könnte, um klimaneutral zu werden. Aber wenn das alles ist, was Münster bleibt, dann muss man vielleicht irgendwann so ehrlich sein und aus der „3“ im Ziel „Klimaneutralittät 2030“ eine „5“ machen.
Einer der Vorschläge ist ein kostenloser öffentlicher Personennahverkehr. Aber schon ein Ticket, das knapp 350 Euro im Jahr kostet, das 29-Euro-Ticket, ist für die Stadt nur unter Schwierigkeiten finanzierbar.
Ein anderer Vorschlag sieht eine Ausweitung des Loop-Systems auf das gesamte Stadtgebiet vor. Auch das wird die Stadt nicht bezahlen können, wenn unter dem Stadthaus keine Goldmine entdeckt wird. Damit Loop als Lückenschließer im Busnetz überhaupt einen Sinn hätte, bräuchte es ein schnelleres Busnetz, in dem mehr Busse auf schnelleren Linien fahren, was mehr Menschen auf die Idee bringen könnte, mit dem Bus zu fahren.
Aber ganz unabhängig davon, ob es gelingt, das zu einzurichten: Im Moment gelingt es nicht einmal, genügend Menschen zu finden, die mit den vorhandenen Bussen fahren. Wird sich das innerhalb von wenigen Jahren lösen lassen?
Ein weiterer Vorschlag ist eine „deutliche, über die derzeitigen Planungen hinausgehende Ausweitung der S-Bahn Münsterland“. Schon die gegenwärtig geplante Münsterland-S-Bahn wird weit nach 2030 fertig sein, es könnte sogar 2040 werden. Das Angebot auszuweiten, müsste erst mal diskutiert, erörtert und beschlossen werden, und schon das würde wahrscheinlich Jahre dauern.
Was steht noch in der Liste? Ein flächendeckendes Mobilstationsnetz mit einem Einzugsradius von 500 Metern. Auch das müsste nur noch schnell geplant, beschlossen und gebaut werden, sodass es in sieben Jahren steht.
Was haben wir noch? Ein stadtweites Bike-Sharing-System. Könnte man machen. Wäre aber sehr teuer. Im Grunde ist klar, dass es über Parteigrenzen hinweg Einigkeit darüber gibt, dass man so ein System nicht möchte. Außerdem: Mangelt es in Münster tatsächlich an Fahrrädern?
Blieben drei Vorschläge: eine Citymaut innerhalb des Rings, Parkplätze müssten verschwinden, und die Stadt bräuchte ein größeres Car-Sharing-Angebot. Das sind die übrigen Vorschläge. Ist das wirklich der Schlüssel zur Verkehrswende? Beziehungsweise: Wie weit sind wir eigentlich schon?
Darüber gibt eine Folie aus dem Anhang 1 des Papiers Aufschluss. Wenn die Stadt nichts unternimmt, der Prognose-Nullfall, sinken CO2-Emissionen durch den Verkehr bis zum Jahr 2035 um 22 Prozent. Berücksichtigt man all das, was die Stadt schon beschlossen hat, sinken sie um 23 Prozent. Ist also eh alles sinnlos?
Nein. Die Kommunen können sich Mühe geben, sie können machen, was möglich ist, sie können einen Beitrag leisten. Aber alleine lösen können sie das Problem nicht. Das wäre die erste Erkenntnis. Die zweite ist: Wahrscheinlich wird das alles noch sehr viel anstrengender, als man jetzt gerade denkt.
Was steht sonst noch im RUMS-Brief?
Der Mann, der stadtbekannt bekannt wurde, weil er Müll sammelt und Kräne besetzt, sitzt seit heute in Untersuchungshaft. Er verbüßt noch immer eine Bewährungsstrafe. Ich habe das Urteil von damals analysiert. Und ich habe festgestellt: Das Landgericht hat sich damals geirrt, gleich in mehreren Punkten.
Außerdem haben hat Kim Lucia Rupf von der Reportageschule Reutlingen eine Frau porträtiert, die mit sehr wenig Geld auskommen muss, die aber sagt, sie habe aufgehört, sich dafür zu schämen, dass Sie um Hilfe bitten muss.
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Herzliche Grüße
Ralf Heimann
PS
Haben Sie es doch noch geschafft, in WM-Stimmung zu kommen? Ich noch nicht. Es ist ja schon schade. Am Sonntagabend, zur Mitte der zweiten Halbzeit, habe ich dann doch noch kurz eingeschaltet, um beim Wilsberg aus Bielefeld nicht einzuschlafen. Nach ein paar Minuten schoss Niclas Füllkrug das Tor zum Ausgleich, und da fiel’s mir wieder ein, wie das normalerweise war im Sommer, wenn bei der Weltmeisterschaft alle zusammen vor dem Fernseher oder der Leinwand standen und saßen – auch die, die sonst eigentlich gar nicht für Fußball sind oder für Deutschland. Irgendwann schossen die Deutschen ja doch immer ein Tor. Dann jubelte man zusammen. Und wann jubelt man sonst schon noch? Viele Gelegenheiten fallen mir da nicht ein. Diesen Jubel gibt es in diesem Jahr nicht, weil sich, zumindest bei mir, das Gefühl eingestellt hat, man schaut eine Art Sportporno: irgendwie schon geil, aber will man sowas unterstützen? Nee, aber was dann? Kennen Sie Preußen Münster? Dann schauen Sie sich diesen Videoausschnitt an, falls Sie das nicht schon längst gesehen haben. Wattenscheid hat nach einem irren Spiel in der Verlängerung den Ausgleich geschossen. Es steht 4:4. Und dann gelingt Preußen in der 96. Minute ein fünftes Tor. Hier ein vier Minuten langer WDR-Mitschnitt vom großen Finale. Es ist einfach wunderschön. (rhe)