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Osnabrücks traumhafte Schwebebahn | Reportage: Ein Nachmittag im Pfandhaus | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis


Münster, 13. Dezember 2022
Menschen, die Kreativitätsseminare besucht haben, aber selbst nicht kreativ genug sind für eigene Formulierungen, sagen gern Sätze wie: „Wir müssen ‚out of the box‘ denken.“ Die Box ist in dem Fall die Auswahl an gewöhnlichen Vorschlägen, die in der Vergangenheit alles nur schlimmer gemacht haben.
Bei allem, was sich unter dem Begriff Mobilitätswende zusammenfassen lässt, ist zum Beispiel ein großes und bislang ungelöstes Problem, dass in den Innenstädten zu wenig Platz ist. Man könnte so schön breite Gehwege, Radwege und Grünstreifen bauen, wenn am Rand nicht überall Häuser stehen und in der Mitte Autos fahren würden. Wie soll man das lösen?
Man kann den zur Verfügung stehenden Raum umverteilen. Das ist der naheliegendste Vorschlag. Man reißt also die Häuser ab und ersetzt sie durch Radwege, doch dann ziehen die Leute aufs Land und fahren mit ihren Autos in die Stadt, man braucht breitere Straßen. Aber das will man auch nicht. Nimmt man den Autos dagegen den Platz, riskiert man einen Bürgerkrieg.
In Osnabrück, der anderen Stadt des Westfälischen Friedens, hat man daher auch im Sinne der Harmonie im Straßenverkehr ein bisschen „out of the box“ gedacht, und herausgekommen ist: eine Schwebebahn. Ja, genau, eine Schwebebahn – wie man sie aus dem 19. Jahrhundert in Wuppertal kennt. Daher kann man sie auch nicht einfach Schwebebahn nennen, sie braucht einen Namen, der etwas mehr hermacht. Vielleicht „Flyover”? Nein, sie heißt „Sunglider”.
Über den Sunglider spricht man in Osnabrück schon etwas länger. In dieser Woche beschäftigt die Wochenzeitung „Die Zeit“ sich mit der Idee. Der Artikel skizziert sie sehr schön in zwei Sätzen. Am Boden sei in den Städten wenig Platz. Also müsse man eine Ebene nach oben gehen.
Die Bahn soll aus dem 3D-Drucker kommen und sich selbst mit Strom versorgen, am Steuer soll eine künstliche Intelligenz sitzen. Schon das würde ein Problem lösen, für das im öffentlichen Personennahverkehr bislang eine Lösung fehlt. Es findet sich kaum noch wer, der die Busse und Straßenbahnen fährt. Aber warum sieht man solche Systeme dann nicht vielfach auf dieser Welt?
„Es muss einen Grund geben, warum wir solche Systeme nicht vielfach auf der Welt sehen“, sagt ein Verkehrsfachmann der Uni München in dem Artikel. Aha. Wir kommen der Antwort also näher.
In den Städten einen „massiven, durchgehenden Fahrweg herzustellen“, das sei eine Herausforderung, sagt der Münchener Verkehrsexperte. In anderen Worten: In den Innenstädten ist zu wenig Platz. Man müsste also gewissermaßen „out of the box“ denken. Und so käme man wieder weg von der Idee einer Schwebebahn.
So weit ist man in Osnabrück allerdings noch nicht. Dort soll der nächste Schritt eine Machbarkeitsstudie sein, die eine Antwort auf die Frage gibt, ob so eine Bahn – Sie ahnen es – überhaupt machbar ist. Und wer weiß, vielleicht ist sie das ja.
Möglicherweise gibt es aber auch noch andere Lösungen. Etwas Unterirdisches zum Beispiel. Das soll sich ja im Unterschied zu der Schwebebahn in gleich mehreren Städten durchgesetzt haben. Nennen könnte so eine Bahn, damit es nicht ganz so staubig klingt, zum Beispiel „Moonglider“ – oder vielleicht einfach „Flyunder“.
Was steht sonst noch im RUMS-Brief
Wenn es den Menschen finanziell schlecht geht, gehören die Pfandhäuser zu den Ersten, die das spüren. Sie sind Indikatoren für die wirtschaftliche Lage im Land. Zu Ihnen kommen Menschen, wenn sie keine andere Möglichkeit sehen. David Holzapfel von der Reportageschule Reutlingen hat einen Nachmittag im Pfandhaus an der Hafenstraße verbracht. Er hat mit Julian Oer gesprochen, der das Haus von seinem Vater übernommen hat, der selbst das Risiko trägt, wenn er den Wert von Gegenständen falsch einschätzt, und der sagt, in seinem Beruf gehe es nicht nur um Geld.
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Herzliche Grüße
Ralf Heimann
PS
Die Abfallwirtschaftsbetriebe meldeten sich gestern Nachmittag aus einem laufenden Einsatz. In der Betreffzeile der E-Mail, die bei uns ankam, stand: „Winterdiensteinsatz der AWM am 12.12.2022 ab 02:00 Uhr“. 12 Streufahrzeuge und etwa 20 Personen seien im Einsatz. Und wenn man heute Mittag um 12 Uhr aufs Thermometer schaute, sah man: Es hatte ungefähr minus 2 Grad. Das sieht alles ganz verdächtig nach einem Code aus, nach einer versteckten Botschaft. Und nach langem Überlegen glauben wir, die Botschaft entschlüsselt zu haben. Sie lautet, wenn wir uns nicht allzu sehr irren: Der Winter ist jetzt da.
PPS
Und zum Schluss noch eine Information aus dem RUMS-Kosmos. Vor zwei Jahren haben wir mit dem Stadtarchiv Münster vereinbart, dass unsere RUMS-Briefe dort archiviert werden. Wir haben einen Vertrag unterschrieben. Das Archiv hat ein Abo abgeschlossen. Das fanden wir sehr gut. Danach haben wir vom Stadtarchiv lange nichts gehört, das Archiv von uns aber auch nichts. Vor ein paar Tagen dann kam eine E-Mail. Das Stadtarchiv schickte ein Infoblatt mit allem, was bisher geschah. Die Essenz: Es wandelt die RUMS-Briefe jetzt in pdf-Dateien um, die komm in ein Archiv, und im letzten Schritt will man sie auf der Seite www.archive.nrw.de öffentlich machen. Auch das ist in unserem Sinne. Es wird allerdings noch ein bisschen dauern. Die gute Nachricht für Sie: Wenn es so weit ist, sagen wir Bescheid.