Presserat: Die Sache mit den Pressetexten | RUMS testen – 6 Monate für 1 Euro

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Guten Tag,

in Amelsbüren standen im Februar so viele Schrottautos an einer Tankstelle, dass die dortige CDU sich mit einer Pressemitteilung dagegen wehrte. „Der Zustand ist nicht nur unzumutbar für die Anwohner, sondern schadet auch dem Ortsbild Amelsbürens“, sagte Martin Schulze-Werner, früher Ordnungsamtsleiter in Münster, heute CDU-Fraktionschef der Hiltruper Bezirksvertretung.

Die Westfälischen Nachrichten waren so sehr einer Meinung, dass sie in einem Artikel, der online erschien, fast dieselben Worte für das Ärgernis fanden wie die Amelsbürener CDU. Am Ende des ersten Satzes steht lediglich die Ergänzung: „heißt es in einer Mitteilung der CDU“. Ansonsten ist es der Pressetext.

Der Münsteraner Jan Steinberg hat sich darüber geärgert und sich beim deutschen Presserat beschwert – einem Gremium, mit dem deutsche Medien selbst kontrollieren, dass die Regeln aus dem Pressekodex eingehalten werden.

Der Presserat hat inzwischen geantwortet. In dem zweiseitigen Schreiben (hier und hier) steht unter anderem eine Stellungnahme von Chefredakteurin Anne Eckrodt. Sie schreibt, im Redaktionsalltag sei es üblich, auch Pressemitteilungen zu übernehmen. Die redaktionelle Vorgabe sei, diese Texte deutlich kenntlich zu machen. Grundsätzlich sei sie der Meinung, dass das ausreiche. Hier hätte man es allerdings ihrer Meinung nach etwas deutlicher machen können.

Das ist alles kein Drama. Es ist niemand zu Schaden gekommen. Ein Problem gibt es dennoch. Das ist die Praxis überhaupt, denn wo es den Qualitätsstandards entspricht, eine Pressemitteilung mit einem Hinweis zu versehen und das dann als Journalismus zu verkaufen, versteht irgendwann niemand mehr, wo überhaupt das Problem liegt. Man hat doch schließlich alles gekennzeichnet.

Im Zweifel übernimmt man aber eben nicht nur die Formulierungen, sondern den ganzen Dreh, die Perspektive aufs Thema, die Gewichtung der Informationen, im schlechtesten Fall die Schlagseite.

In Pressemitteilungen stehen oft Zahlen, aber nur die guten, die anderen muss man erfragen oder heraussuchen. In Pressemitteilungen fehlen grundsätzlich Gegenargumente oder die unangenehmen Details, und wenn sie doch vorkommen müssen, sind sie oft hinten versteckt.

Die Schwierigkeit: Was fehlt?

Auch wir lassen uns manchmal zu sehr von Pressemitteilungen treiben. Wenn wir über all das einen Überblick geben wollen, was in der Stadt passiert, kommen wir um sie kaum herum. Da geht es uns wie der Zeitung.

Pressemitteilungen geben den Takt vor, sie liefern eine Interpretation gleich mit, und oft sind die Informationen in ihnen alles, was man auf die Schnelle bekommt.

Pressemitteilungen sind nichts Schlechtes, im Gegenteil. Wenn Behörden oder Unternehmen sie veröffentlichen, sind die Angaben selbst meist verlässlich. Die Schwierigkeit ist, herauszufinden, ob Informationen fehlen, die alles ganz anders aussehen lassen.

Natürlich ist auch die Stellungnahme einer Chefredaktion so etwas wie eine Pressemitteilung, die eine für sie selbst günstige Deutung vorschlägt.

Der Presserat selbst schätzt die Sache hier allerdings anders ein. Er schreibt in seiner Entscheidung: „Der Beschwerdeausschuss hält den Verstoß gegen Ziffer 1 des Pressekodex für so schwerwiegend, dass er gemäß § 12 Beschwerdeordnung die Maßnahme der Billigung wählt.“ Das ist eine formelle Rüge für Verstöße, die weniger schwerwiegend sind. Aber es ist eine formelle Rüge, nicht einfach nur ein Hinweis, den es auch gäbe. 

Was man in jedem Fall sagen kann: Es mag üblich sein, Pressemitteilungen einfach mit einem kleinen Hinweis zu versehen. Im Sinne des Presserats ist es nicht. (rhe)

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+++ Nach drei Jahren Bauzeit wird am Freitag der neue Bogen von der Warendorfer Straße auf die Umgehungsstraße und Richtung Innenstadt freigegeben. (Antenne Münster)

+++ An einer Bürgerbeteiligung der Stadt haben sich 200 Bürger:innen beteiligt, um die Frage zu klären, wie sich mehr Bürger:innen an Bürgerbeteiligungen, äh, beteiligen können.  (Stadt Münster) 

+++ Am Sonntag wurde die Leiche eines 77-jährigen Münsteraners aus dem Kanal bei Senden geborgen, der offenbar von seinem Auto überrollt wurde, das danach im Wasser versank. (WDR)

+++ Nachdem in der Nacht zu Montag vier Autos in Hiltrup brannten, sucht die Polizei Zeug:innen. (Polizei Münster)

+++ Einer der Demonstrant:innen einer Pro-Palästina-Kundgebung, die im letzten November stattfand, ist nun wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt worden. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Ordnungspartnerschaft „Sicher durch Münster“, in der sich Polizei, Stadtverwaltung, Verkehrswacht und verkehrspolitische und soziale Verbände organisieren, hat sich nach 17 Jahren neu strukturiert und nimmt nun Pedelecs und Lastenräder stärker in den Fokus. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Mitgliederversammlung des Stadtsportbunds hat unter anderem den Vorsitzenden Philipp Hagemann (gleichzeitig SPD-Ratsherr) wiedergewählt, die Mitgliederbeiträge verdoppelt und sich mit sexualisierter Gewalt im Vereinssport beschäftigt. (Stadtsportbund Münster)

+++ Ab Mitte November pflanzen die Pfarreien im Bistum Münster Blutbuchen als Zeichen des Gedenkens an Menschen, denen in der katholischen Kirche sexualisierte Gewalt angetan wurde. (Kirche und Leben)

+++ Der Kinderschutzbund macht gerade mit Stickern Werbung für die „Nummer gegen Kummer“, weil das Kinder- und Jugendtelefon in diesem Jahr ihr 45-jähriges Bestehen feiert. (Alles Münster)

+++ Bischof Felix Genn ruft Christ:innen im Bistum Münster dazu auf, mit Rechts- und Linksextremen über deren Positionen zu diskutieren. (Bistum Münster)

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Im Winter ist das „Café Colibri“ ein Ort für frische Waffeln, im Sommer gibt es Aperol Spritz auf der Außenterrasse. Das Café am Alten Steinweg, das Sie vielleicht von einem Besuch in der Stadtbücherei kennen, serviert außerdem Frühstück, Mittagessen und natürlich auch Kleinigkeiten für zwischendurch. Geöffnet hat das „Café Colibri“ unter der Woche von 9 bis 19 Uhr, samstags macht es eine Stunde früher zu. Kleiner Tipp: Besagten Aperol Spritz gibt es mittwochs günstiger als sonst.

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Drinnen und Draußen

Heute hat Katja Angenent in den Veranstaltungskalender geschaut und ein paar schöne Tipps herausgesucht:

+++ Am Mittwoch ist die nigerianische Schriftstellerin Francesca Ekwuyasi in der Volkshochschule am Aegidiimarkt zu Gast, wo sie um 19 Uhr aus ihrem Debütroman „Butter Honig Schwein Brot“ liest. Darin beschreibt Ekwuyasi eine Geschichte von drei Frauen, die sich mit den Wunden der Vergangenheit auseinandersetzen. Das Gespräch mit der Autorin führt Rita Maricocchi, Julian Wacker dolmetscht und Sarah Giese liest aus dem Roman. Karten gibt es für 8 Euro an der Abendkasse.

+++ Ab Mittwoch gastiert außerdem der Zirkus Charles Knie auf dem Schlossplatz. Jeweils eine Nachmittags- und eine Abendvorstellung drehen sich bis Sonntag um das Thema Wasser und zeigen Artistik, Clownerie, Ballett und mehr. Eintrittspreise und Tickets finden Sie hier.

+++ Ab Donnerstag sind die Flurstücke wieder zurück in Münster. Zwölf internationale Tanz- und Theaterensembles bieten bis Sonntag an verschiedenen Orten der Stadt einen Mix an mitreißenden, berührenden und nachdenklich machenden Auftritten. Entweder Sie lassen sich überraschen und kommen beim Besuch in der City zufällig an einer der Aufführungen vorbei oder Sie werfen einen Blick ins Programm. Der Eintritt ist frei, für einige Formate ist vorab jedoch eine Registrierung erforderlich. Mehr Infos hat die Flurstücke-Webseite.

+++ Der Jugendbuchautor Dirk Reinhardt stellt seinen neuen Roman „No Alternative“ am Donnerstag um 19 Uhr in der Stadtbücherei vor. Darin schließt sich die 17-jährige Emma einer radikalen Kimaschutzbewegung an. Die Veranstaltenden hoffen im Anschluss auf eine lebhafte Diskussion und laden alle Zuhörer:innen zu Sekt und O-Saft ein. Karten bekommen Sie vorab für 8 Euro in der Buchhandlung „Schatzinsel“.

+++ Nächsten Dienstag wird der umgebaute Bremer Platz eröffnet. Anfang des Jahres ist die sogenannte Szenefläche fertig gestellt worden, jetzt sind auch die übrigen Abschnitte für Anwohnende und die Montessori-Schule fertig. Von 14:30 bis 17:30 Uhr gibt es Infoveranstaltungen und Mitmachaktionen. Dabei können Sie den Vertreter:innen der Stadt und der Sozialeinrichtungen Fragen zum neuen Bremer Platz stellen.

Und sonst?

Das Schlaun-Gymnasium schaut seit 20 Jahren in eine ungewisse Zukunft. Und plötzlich will die CDU eine schnelle Lösung. Aber warum genau jetzt?

Darum geht es heute im RUMS-Brief. Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie RUMS 6 Monate lang für einen Euro.

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Katja Angenent (kan), Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth

PS

Sie wollten schon immer ein E-Auto besitzen. Aber bislang war Ihnen das etwas zu teuer? Vielleicht hätte ich da was für Sie. Das Grünflächenamt verkauft ein Elektrofahrzeug, dazu auch noch ganz günstig. Die Auktion steht bei 2.500 Euro. Das klingt doch nicht schlecht, oder? Einziger kleiner Haken: Es ist ein Leichenwagen. (rhe)

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