Schauraum im Schatten von Solingen | Unbezahlte Werbung: Pop-up-Kaffeestand am Domplatz | Jetzt RUMS abonnieren: 6 Monate für 1 Euro

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Guten Tag,

nach dem Anschlag im Jahr 2011 auf der norwegischen Insel Utøya, bei dem 77 Menschen ermordet wurden, sagte der damalige norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg in einer Rede den bemerkenswerten Satz: „Unsere Antwort ist: mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Menschlichkeit. Aber nie Naivität.“

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe ist heute in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa, in dem er als Städtetagspräsident sprach, so weit zwar nicht gegangen, aber er sagte mit Blick auf den Messeranschlag von Solingen: „Wir können und wollen die Innenstädte nicht zu Festungen umbauen.“

Im Kontrast dazu steht die Überschrift auf der Startseite der „Bild“-Medien heute Morgen, die einen Ausblick auf ein Treffen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU) im Bundeskanzleramt gaben. Der Titel: „Reden sie nur oder handeln sie jetzt?“ In etwa so klang auch die Betreffzeile einer Rundmail, die Friedrich Merz vorher rumgeschickt hatte. Titel: „Jetzt reicht’s – Zeit für entschlossenes Handeln.“ Jetzt will er laut „Bild” die „nationale Notlage“ ausrufen. Größer geht’s nicht.

Jetzt reicht’s. Das ist das Gefühl, das in der Luft liegt, das den Wunsch nach Messerverboten, einer schärferen Migrationspolitik und überhaupt nach mehr Härte mit sich bringt. Noch etwas wichtiger als Handeln per se wäre allerdings, so zu handeln, dass es am Ende was bringt.

In der „Süddeutschen Zeitung“ hat vor ein paar Tagen der Polizist Jan-Denis Wulff aus Nordrhein-Westfalen kritisiert, dass auf Gewalttaten üblicherweise symbolische Maßnahmen folgen, die das Sicherheitsempfinden verbessern, aber nicht mehr.

Wenn Messer verboten werden oder die zulässige Klingenlänge verkürzt wird, klingt das wunderbar entschlossen. Wenn der Täter ein Küchenmesser mitbringt wie in Solingen, hilft das allerdings wenig. Wulff schreibt, wenn man grundlegend etwas ändern wolle, müsse man an den Ursachen für Kriminalität arbeiten – in Schulen, Jugendzentren oder Sportvereinen.

Kurzfristig reicht das nicht aus. Aber Aktionismus eben auch nicht. „Oft haben wir starke Gesetze. Doch selbst das härteste und klügste Gesetz ist am Ende nicht wirksam, wenn es an Menschen in den Sicherheitsbehörden fehlt, die es auch durchsetzen können“, sagte Wulff. Und damit sind wir bei einem Problem, das wir aus allen möglichen Berufen schon kennen. Das ist der Fachkräftemangel.

Den gibt es auch bei der Polizei. Und wenn man darüber spricht, muss man vielleicht auch über Themen reden, die nicht ganz so beliebt sind. Zum Beispiel darüber, dass Polizeibeamte mit 62 Jahren in den Ruhestand gehen. Fachleute halten das nicht mehr für zeitgemäß.

Dieses Thema ist in der Politik nicht ganz so populär. Als NRW-Innenminister Reul im vergangenen Jahr das Pensionsalter bei der Feuerwehr von 60 auf 62 Jahre anheben wollte, gab es große Proteste. Am Ende einigte man sich auf die Pension ab 61.

In Münster beginnt am Donnerstag mit dem Kunst- und Kulturfest Schauraum die nächste Großveranstaltung in der Innenstadt. Drei Tage lang wird die Innenstadt voller Menschen sein. „Öffentliche Plätze sind die Herzen unserer Städte, hier kommen Menschen zusammen und miteinander ins Gespräch“, hat Markus Lewe im Interview gesagt. Dieses Miteinander sei stärker als der Hass.

Allein aufs Miteinander vertrauen will die Stadt aber nicht. Das Kommunikationsamt teilt auf Nachfrage mit, die Stadt werde mehr Ordnungskräfte einsetzen. Außerdem denke die Stadt über Sperrungen nach. (rhe)

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Ein-Satz-Zentrale

+++ An der Weseler Straße soll künstliche Intelligenz den Busverkehr beschleunigen. (Stadt Münster)

+++ Die Stadt hat kurzfristig fünf Menschen in der Kfz-Zulassungsstelle eingestellt, damit es mit den Führerscheinen und Fahrzeuganmeldungen schneller geht. (Stadt Münster)

+++ Um ihren Haushalt zu sanieren, schlägt die Stadt vor, die Kita-Gebühren und Beiträge für Ganztagsbetreuung zu erhöhen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Münsters CDU wie auch Verkehrsclub VCD kritisierten den Förderstopp für neue E-Busse, streiten aber darüber, wer für den Wegfall der Förderung verantwortlich ist. (Westfälische Nachrichten)

+++ Der Islamforscher Mouhanad Khorchide hat muslimische Gemeinden nach dem Messeranschlag von Solingen aufgefordert, sich von Extremismus zu distanzieren und Maßnahmen gegen die Radikalisierung junger Muslime gefordert. (WDR)

+++ Das „Forum für freiwillig Engagierte“, zu dem Bischof Felix Genn am Samstag einlädt, soll Antworten auf die Frage „Welche Kirche wollen wir sein?“ suchen. (Bistum Münster)

+++ In einem Monat starten 160 Schülerinnen und Schüler ihre Ausbildung an der neuen Schule für pharmazeutisch-technische Assistenten in Mecklenbeck – doppelt so viele wie bisher. (Westfälische Nachrichten)

+++ Bei einem Tretbootrennen auf dem Aasee am Wochenende sind über 40.000 Euro für die Kinderkrebshilfe Münster zusammengekommen. (Alles Münster)

+++ Ein 18-jähriger Autofahrer ist am Wochenende an der Eisenbahnstraße bei Regen in eine Menschengruppe gefahren und hat sieben Menschen verletzt, vier von ihnen schwer. (Antenne Münster)

+++ Auf dem Gelände von Blauweiß Aasee hat am Wochenende das mit 30 Mannschaften größte inklusive Fußballturnier in Westfalen stattgefunden. (Westfälische Nachrichten)

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Unbezahlte Werbung

„Dieks – Kaffee & Curry“ ist Ihnen sicherlich bekannt. Bis vor Kurzem hatte „Dieks“ eine Wurstbrathalle am Geisbergweg. An den Markttagen verkauft die Gastronomie gegenüber vom Landesmuseum Pommes und Currywurst. Jetzt hat „Dieks“ auch einen Kaffeestand am Domplatz, genauer gesagt auf dem Parkplatz hinter dem „Modehaus Schnitzler“. Die Pop-up-Gastronomie verkauft jeden Tag zwischen 10 und 21 Uhr Snacks sowie Cappuccino, Espresso und andere Wachmacher aus der Siebträgermaschine, daneben auch Limonade, Aperol und andere Kaltgetränke. An den Markttagen hat „Dieks“ wie gewohnt seinen Pommesstand. Dann ist der Parkplatz frei für zwei Apen (das sind schicke Mini-Transporter aus Italien), die Kaffee und Aperol Spritz anbieten. Die Aktion hat die „Initiative starke Innenstädte“ organisiert und endet am 31. August.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute hat Katja Angenent einen Blick in den Terminkalender geworfen. Diese Veranstaltungen kann sie Ihnen empfehlen:

+++ Von Dienstag bis Samstag zeigt das generationenübergreifende Ensemble Theater X jeweils um 20 Uhr nochmals das gefeierte Stück „Einer flog über das Kuckucksnest“ in der Meerwiese. Im Schauspiel geht es, genau wie im gleichnamigen Filmklassiker, um den lebenslustigen McMurphy, der sich, um nicht ins Gefängnis zu müssen, in eine Nervenheilanstalt einweisen lässt. Karten kosten 15 Euro.

+++ Am Mittwoch läuft im Cinema um 18:30 Uhr der Dokumentarfilm „Ein Traum von Revolution“, der die Zeit nach dem Sieg der Revolution in Nicaragua behandelt. Tausende westdeutsche Unterstützer:innen reisten in den 1980er-Jahren in das Land, um zu helfen. Der Film fragt danach, was 45 Jahre später aus ihnen und ihren Träumen geworden ist. Im Anschluss steht Regisseurin Petra Hoffmann dem Publikum für ein Gespräch zur Verfügung.

+++ Am Mittwoch lädt „Debatte e.V.“ außerdem um 19:30 Uhr zu einer Podiumsdiskussion in die Stadtbücherei. Es geht um den „Kampf für die Demokratie – von Europa bis in jede Kommune“. Darüber spricht die grüne Landtagsabgeordnete Dorothea Deppermann mit Grünen-Bundestagsabgeordneten Lamya Kaddor und der Ex-RUMS-Kolumnistin Marina Weisband. Die Teilnahme ist kostenlos, aber eine vorherige Anmeldung nötig.

+++ Ebenfalls um die Stärkung der Demokratie geht es bei einem Vortrag mit dem Titel „Gemeinsam gegen Desinformation im Internet vorgehen“. Das ist das Ziel des „Forum gegen Fakes“, das noch Mitstreiter:innen sucht. Am Donnerstag um 16:30 Uhr wird das Projekt in der Stadtbücherei vorgestellt.

+++ Wenn Thomas Hitzlsperger ein Foto aus der Bernhard-Ernst-Straße auf Instagram postet, dann kann das nur einen Grund haben: Er ist als Experte für das DFB-Pokalspiel in Münster. Heute Abend spielen die Preußen im ausverkauften Stadion an der Hammer Straße gegen den VfB Stuttgart. Wenn Sie kein Ticket bekommen haben, schalten Sie am besten zum Anpfiff um 20:45 Uhr den Fernseher an. Dann wird das Spiel im Ersten und beim Bezahlsender „Sky“ übertragen. Chefcoach Sascha Hildmann kündigt nach dem verpatzten Start in die zweite Fußballbundesliga vorab Großes an. Er sagte der dpa: „Jeder Einzelne wird bei uns ein Stück weit über sich hinauswachsen, um die Sensation schaffen zu können.“

Was gibt’s noch?

Russland hat diese Woche die Ukraine erneut großflächig angegriffen. Seit zweieinhalb Jahren tobt der Krieg, viele Menschen flüchten nach Deutschland. Nikolas Ender hat für RUMS mit zwei Geflüchteten aus Schytomyr, die in Münster Zuflucht gefunden haben.

Wenn Sie das bewegende Interview lesen wollen, dann schließen Sie am besten ein RUMS-Abo ab. Zurzeit können Sie von unserer Aktion profitieren und RUMS 6 Monate lang für 1 Euro lesen.

Am Freitag schreibt Ihnen Sebastian Fobbe. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn), Katja Angenent (kan), Nikolas Ender (nen) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth

PS

Im September sind Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Die AfD wird voraussichtlich sehr gut abschneiden. Herbert Grönemeyer hat mit seiner Aktion „Kein Millimeter nach rechts“ dazu aufgerufen, sein Lied „Fall der Fälle“ zu verbreiten. Die Aktion klingt ein wenig wie der Name von Münsters Bündnis „Keinen Meter den Nazis“. Das wäre jetzt aber eine sehr dünne Verbindung nach Münster. Es gibt aber noch eine. Der Chor „Chor and More“ aus Albachten ist Grönemeyers Aufruf nachgekommen, hat das Lied gesungen und mithilfe einer Drohne ein Video dazu aufgenommen. Wollen Sie mal sehen? Hier entlang.

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