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- Kurzbrief von Ralf Heimann
Wohnungsbau: Wieder Streit ums Grüne | Unbezahlte Werbung: Frische Nudeln von „Pastado“ | Jetzt 6 Monate für 1 Euro RUMS lesen

Guten Tag,
in Mecklenbeck und Albachten nutzt die Polizei ihre Streifenwagen als Büros, denn dort gibt es keine Wache. Sie haben sicher schon angefangen, sich vorzustellen, was das im Alltag bedeutet.
Der Bezirksbeamte nimmt durchs offene Seitenfenster eine Anzeige auf („Das kommt jetzt sofort aus dem Drucker hinter mir auf der Rückbank“). Die Kollegin droht dem angetrunkenen Autofahrer: „Entweder Sie pusten jetzt in dieses Gerät, oder wir nehmen Sie für eine Blutprobe mit auf unseren Parkplatz vor dem McDonald’s.“
Solche Ordnungshüter kann niemand ernst nehmen. Deswegen möchte die CDU, dass die Polizei in Mecklenbeck und Albachten Büros bekommt. Sie möchte die Stadtteile, so könnte man sagen, grüner machen – wenn auch zunächst nur an einer einzigen Stelle.
Eigentlich ist das ja das Interesse der Partei, die das Anliegen schon im Namen trägt. Die Grünen, die den Streit darüber im Rat immer wieder mit der CDU ausfechten, zuletzt vor zwei Wochen, möchten platzsparend und in die Höhe bauen, damit drumherum möglichst viel Fläche grün bleiben kann.
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Die CDU möchte möglichst nicht ganz so sehr in die Höhe bauen, weil sie soziale Schwierigkeiten befürchtet, und möglichst auch nicht so platzsparend, damit Einfamilienhäuser Platz finden und junge Familien nicht ins Grüne ziehen.
Im Rat haben in diesen Auseinandersetzungen zuletzt meistens die Grünen gewonnen, beziehungsweise das Ratsbündnis, das es am Ende doch irgendwie schaffte, eine Mehrheit zusammenzukriegen.
Am Montag hat die CDU das Ratsbündnis allerdings zusammen mit der FDP überrumpelt, nicht im Rat der Stadt, sondern ein Stockwerk höher im Regionalrat. Dort ging es um den sogenannten Regionalplan, der festlegt, wofür die Flächen in der Region langfristig zur Verfügung stehen sollen, ob als Baugebiete, Gewerbegebiete oder gar nicht.
Vorausgegangen war so etwas wie ein Pingpongspiel. Die Stadtverwaltung hatte verschiedene Flächen in Münster als mögliche Baugebiete vorgeschlagen. Der Rat in Münster hatte beschlossen, einige dieser Gebiete wieder aus der Liste zu streichen. Begründung: Sie seien für Naturschutz, Hochwasser- und Artenschutz wichtig.
Es geht um Grundstücke in Hiltrup, Berg Fidel, Mecklenbeck, Albachten, Coerde und Wolbeck (die genauen Orte hier).
Im Regionalrat, der die Interessen der Region abbildet, sehen die Mehrheitsverhältnisse etwas anders aus als im Rat. Hier haben CDU und FDP zusammen über die Hälfte der Stimmen. In der Sitzung am Montag (ab Minute 45) beschlossen sie, dass Münster an den vom Rat abgelehnten Orten nun doch mögliche Baugebiete bekommt. Baugebiete also, die man laut Ratsbeschluss gar nicht haben möchte.
Aus der Perspektive des Umlands ist das allerdings kein Geschenk, sondern eher ein Auftrag – nämlich der, mehr Wohnungen zu bauen. Martin Gerhardy von der FDP befand: „Münster muss seiner Verantwortung gerecht werden.“
Stefan Weber, im Rat Chef der CDU-Fraktion, im Regionalrat einfach Mitglied der Fraktion, sagte, die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Münster lasse zurzeit wenig Spielraum. Es mangele ohnehin schon an Flächen. Verkleinere man die Auswahl, würden die vorhandenen noch teurer. Vor allem junge Familien wanderten ab. „Ich bin der Auffassung, wir sollten alles tun, um dem etwas entgegenzusetzen“, sagte Weber.
Die Grünen interpretieren die Entscheidung ganz anders. Den Menschen in Münster werde von außen „das genaue Gegenteil“ von dem aufgedrückt, was der Rat vor Ort beschlossen habe, sagt Fraktionssprecherin Sylvia Rietenberg. Der CDU wirft sie ein „merkwürdiges Demokratieverständnis“ vor. Carsten Peters, für die Grünen im Regionalrat, spricht von einem „Novum“.
Formal ist an dem Beschluss nichts auszusetzen. Das Verfahren geht wie geplant weiter. Die Bezirksregierung hat 1.200 Stellungnahmen und die Ergebnisse aus zehn Erörterungsterminen in das 12.000 Seiten dicke Beschlusspapier eingearbeitet. Ab Oktober liegt es zum zweiten Mal vier Wochen lang aus.
Ob auf den Flächen in Münster tatsächlich gebaut wird, das entscheidet ohnehin nicht der Regionalrat. Das entscheidet der Rat Münster. Wie die Entscheidung dann irgendwann ausfallen wird, hängt vor allem davon ab, wie grün es im Ratsbündnis dann noch ist. (rhe)

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+++ Am Wochenende wurde die Behelfsbrücke als Zubringer von der Umgehungsstraße zur Autobahn an der „Spinne“ installiert. (WDR)
+++ In Münsters Kfz-Zulassungsstelle fehlt weiterhin so viel Personal, dass man für einen Termin viel Geduld mitbringen muss. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die ÖDP kritisiert den Hitzeaktionsplan der Stadt als zu unkonkret. (ÖDP Münster)
+++ Die FDP-Ratsfraktion kritisiert die geplante Bevorzugung der Gesamtschulen im Anmeldeverfahren für das kommende Schuljahr und fordert die Rückkehr zu einem einheitlichen Verfahren für alle Schulformen. (FDP Münster)
+++ Die Notschlafstelle „Sleep-In“ für Jugendliche in Münster sucht eine neue, dauerhafte Bleibe, weil der Mietvertrag Ende des Jahres ausläuft. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Franziska Brandmann, wurde von der FDP Münster einstimmig als Direktkandidatin für die Bundestagswahl aufgestellt. (FDP Münster)
+++ Das Kulturamt sucht bis Ende November Leute, die ein Atelier im Speicher 2 am Stadthafen mieten wollen. (Stadt Münster)
+++ Das Gesundheitsamt empfiehlt, sich im Herbst gegen die Grippe impfen zu lassen. (Stadt Münster)
Beim kleinen Imbiss „Pastado“ ist der Name Programm: Es gibt (wie soll es auch anders sein?) hausgemachte Pasta und das sogar in Bioqualität. Am Aegidiimarkt 6 können Sie fünf verschiedene Nudelsorten mit elf typisch italienischen Saucen kombinieren – von Aglio e Olio über Bolognese bis hin zu Pollo Funghi. Unser Tipp sind Dinkel-Campanella mit (Achtung, pikant!) Arrabiata-Sauce. Einen Nachtisch gibt es auch, und zwar wahlweise Tiramisu oder Pannacotta. Wenn Sie noch ein Getränk dazu nehmen, bekommen Sie die Nudeln und die Süßspeise sogar als Menü. Buon Appetito!
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!
Diese Woche ist wieder viel los. Ein paar Kulturtipps hat Katja Angenent für Sie herausgesucht. Das hier sind ihre Empfehlungen:
+++ Das Literatur-Film-Festival ist in vollem Gange und präsentiert jede Menge Veranstaltungen. Heute Abend liest beispielsweise Autorin und Schauspielerin Anna Brüggemann aus ihrem „Trennungsroman“ im SpecOps. Darin geht es um das Ende einer Beziehung und die Frage: Wie lässt sich noch retten, was eigentlich nicht mehr zu retten ist? Morgen kommt die Autorin und Filmemacherin Irene Langemann für eine zweite Lesung ins SpecOps. Sie spricht über ihr Buch „Das Gedächtnis der Töchter“: die Chronik einer deutschen Familie, die versucht, im krisengebeutelten Russland Wurzeln zu schlagen. Weiter geht es am Donnerstag im „Dreiklang“ mit einem Lyrikabend. Der Autor Dinçer Güçyeter liest aus der Anthologie „Cinema“ vor. Alle Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr.
+++ Von Mittwoch bis Samstag zeigt Jugendtheater Cactus im Pumpenhaus jeden Abend um 20 Uhr „Lüg mir dreckig ins Gesicht, mein Schatz“. In diesem Stück sucht der junge Schauspieler Mike nach einer Möglichkeit, dem Publikum seine Geschichte zu erzählen. Mit dreizehn Kolleg:innen lotet er dafür nicht nur die Grenzen des biografischen Erzählens, sondern auch die der Wahrheit aus. Mehr Infos und Karten gibt es hier.
+++ Am Donnerstag feiert um 20 Uhr „Kalter Weisser Mann“ im Wolfgang-Borchert-Theater Premiere. Die Gesellschaftssatire beschäftigt sich mit den Themen Gendern, politische Korrektheit und Alltagssexismus, erzählt am Beispiel eines Trauerfalls in einer Firma. Mehr zum Stück erfahren Sie an dieser Stelle. Die Premiere ist zwar schon ausverkauft, für die weiteren Vorstellungen gibt es aber noch Karten.
+++ Wenn Sie bei Wikipedia den Begriff „Cornern“ nachschlagen, dann sehen Sie den „Kiosk Ecke“ am Hansaring. Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten. Denn das Ordnungsamt versucht es mehr und mehr einzuschränken, dass die Leute abends ihr Feierabendbierchen auf der Straße trinken, offiziell aus Lärmschutzgründen. Morgen findet deshalb ab 19 Uhr eine Tanzdemo statt, die sich für den Erhalt der Cornerkultur im Hansaviertel einsetzt. Start- und Endpunkt ist der Hafen, zwischendurch wird ein Stopp vor dem Rathaus für eine Kundgebung eingelegt. Mehr dazu bei Instagram.
Und sonst so?
Der Volt-Politiker Martin Grewer sollte nach der vierten Klasse auf die Hauptschule. Er hat nie Abitur gemacht. Aber jetzt in Chemie promoviert. Wir haben mit ihm über seinen ungewöhnlichen Weg durch das Bildungssystem gesprochen. Wenn Sie das Interview lesen wollen, abonnieren Sie jetzt RUMS – die ersten 6 Monate für 1 Euro.
Am Freitag schreibt Ihnen Anna Niere. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn), Anna Niere (ani) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth
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PS
Der wandernde Entertainer Hape Kerkeling hat im Interview mit der Süddeutschen Zeitung über seine Vorfahren gesprochen, die – das ist das Ergebnis seiner Recherchen – im Münsterland gelebt haben, möglicherweise in Münster selbst, im Schloss von Bonifatius Reichsgraf von Hatzfeldt-Trachenberg. Bleiben Sie sitzen, das klingt nach mehr, als es ist oder war. In Wirklichkeit war dieses Schloss eine größere Villa mit Schlossanmutung: die Boniburg in Handorf, von der man seit ihrer Sprengung vor 54 Jahren nur noch die Umrisse erahnen kann. Die Geschichte geht sogar noch weiter. Wenn alles richtig ist, was Kerkeling mutmaßt, ist er möglicherweise auch noch auf irgendeiner Linie mit König Eduard VII. verwandt. Und nein, das ist nicht Eduard Hüffer, aus dessen Zeitung ich die Information mit der Boniburg habe. Das war der, wegen dem man vom Sakko heute den untersten Knopf offen trägt. Wobei womöglich auch das gar nicht stimmt. Wer weiß das schon. Erinnern Sie sich zum Beispiel noch an Armin Laschet, der sich seine Exzellenz im Grunde nur mit einer direkten Abstammungslinie zu Karl dem Großen erklären konnte, nach der Bundestagswahl aber auf einmal sehr klein war. Ich mag ja lieber Geschichten, in denen nicht ganz so sehr durchscheint, dass die ganze Sache auch mit Größenwahn zu tun hat. Kennen Sie zum Beispiel König-Wilhelm-Automobile am Dahlweg? Das ist so eine Geschichte. Ganz ohne Hybris und Anmaßung. Woher der Name kommt, steht auf der Website. Gegründet haben den Laden Martin König und Ludger Wilhelm. (rhe)

